Lockenhaus, Kammermusikfest 2021, Ein Wallfahrtsort für Kammermusik-Liebhaber, IOCO, 28.07.2021

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Burg und Kirche Lockenhaus - im abendlichen Nebel © a4grafik

Burg und Kirche Lockenhaus – im abendlichen Nebel © a4grafik

Kammermusikfest Lockenhaus

  Kammermusikfest Lockenhaus – 2021 „SINNESERWACHEN“

Wallfahrtsort im Burgenland für Kammermusikliebhaber

 von Hans-Günter Melchior

Lockenhaus, nahe der ungarischen Grenze  im Burgenland in Österreich ist eine Art Wallfahrtsort für Liebhaber und Kenner der Kammermusik. Wer hierher kommt, will nicht gesehen werden, er will hören und noch einmal hören –, bis in die Nacht hinein.

Seit 40 Jahren kommen immer dieselben Anhänger der Kammermusik. Zwanglos und ohne den sonst bei Festspielen ebenso üblichen wie lästigen Aufwand geht es zu, leger und in Freizeitkleidung, Jeans, manche in kurzen Hosen. Konzentriert und neugierig, sachverständig sind die Wallfahrer, entschlossen, sich einer Musikanstrengung sondergleichen auszuliefern. Hier geht es ausschließlich um die Musik, schwierige und schwierigste, die die Aufmerksamkeit von allem anderen abzieht und oft Versenkung erfordert. Mit anderen Worten: es sind nicht die ausgetretenen Pfade der üblichen und populären Renner zum Mitsingen, oft ist es Neuland, selbst für die Spezialisten, deren es hier nicht wenige gibt.

Viele der Besucher spielen ein Instrument. Wohl mehr als die Hälfte. An manchem des Dargebotenen haben sich selbst versucht und sind begeistert, wenn den Künstlern gelingt, woran sie sich abmühten. Überhaupt: bewundernswert ist die Reife, die technische Perfektion und das inhaltliche Verständnis der meist noch sehr jungen und äußerst engagierten Darbietenden, von denen manche bereits international etabliert sind.

Ganz zu schweigen von den Meisterleistungen eines Gidon Kremer oder Andras Schiff.

Kammermusikfest Lockenhaus / hier: künstlerischer Leiter und Cellist Nicolas Altstaedt @ Niklas Schnaubelt

Kammermusikfest Lockenhaus / hier: künstlerischer Leiter und Cellist Nicolas Altstaedt @ Niklas Schnaubelt

Die Musik also und nochmals die Musik. Das kann bis Mitternacht gehen, drei oder vier Vorstellungen hintereinander an einem Tag; bis dann doch der Kopf auf die Brust sinkt und der letzte Funken übergesprungen ist. Pierrot lunaire von Arnold Schönberg etwa, beginnend um 22.00 Uhr ist eine Herausforderung, textlich wie musikalisch, besonders wenn man bereits am Morgen um 11.15 Uhr George Antheil, Heinz Holliger György Kurtag und die Klaviersonate c-Moll op. 111 von Ludwig van Beethoven, am Nachmittag Werke von Debussy, Liszt, sodann  von 19.00 Uhr bis 21.00 Uhr Duos, Trios von Feldman, Camille Saint-Saens (mit Heinz Holliger als Oboist), ein 3-sätziges Sextett für Bläserquintett und Klavier von Francis Poulenc, außerdem Werke von Bohuslav Martinu, Benjamin Britten, Claude Vivier und anderen mehr gehört und zu verarbeiten hatte.

Dies nur ein Beispiel von einem einzigen Tag. Zehn Tage lange füllt einem – vor allem auch neue, zeitgenössische, auch experimentelle – Musik den Kopf, macht nachdenklich und wissbegierig, forschereifrig; und – selten zwar – mutlos aus mangelndem Verständnis. Es treten auch manche Komponisten mit eigenen Werken auf, stellen sich einem kritischen Publikum, zum Beispiel der Finne Olli Mustonen, der auch als Pianist und Dirigent zu internationalem Ansehen gelangte. Oder der 82-jährige Schweizer Heinz Holliger, Komponist, Oboist und Pianist.

Es ist einem Beitrag wie dem vorliegenden nicht möglich, die Fülle der in dem Lockenhauser Kammermusikfest dargebotenen Werke über 10 Tage zu benennen, geschweige denn zu besprechen.

Im Zentrum standen dieses Jahr – jedenfalls für mich, jeder hat so seine Prioritäten –  die 6 Streichquartette von Bela Bartok. Meisterhaft dargeboten von dem Kelemen Quartett. Jedes einzelne dieser Quartette stellt einen ganzen musikalischen Kosmos dar, fordert extreme Aufmerksamkeit für die höchst differenzierten rhythmischen und thematischen Feinheiten. Für das Volksliedhafte ebenso wie für die dodekaphonischen und chromatischen Besonderheiten im Werk dieses ganz Großen des 20. Jahrhunderts (er zählt neben Richard Strauss und Igor Strawinsky zu den Bedeutendsten seiner Zeit), dessen Musik weit in die Moderne hineinreicht und dabei Elemente aus den Musiken vieler Völker in sich aufnimmt. Bartoks komplexe Musik verdiente ein eigenes Kammermusikfest.

Dem Kelemen Quartett merkt man das intensive Studium der Musik des Landsmannes an, ein ursprüngliches Verständnis für gewisse Besonderheiten (z.B. das Bartok-Pizzicato, die Verarbeitung von Volksliedhaftem, Polymetrik, Ganztonleiter, Abweichungen von der herkömmlichen Diatonik, Eigenheiten der Pentatonik u.a.m.), die Musiker sind in dieser Musik zu Hause, spielen hinreißend engagiert und lassen sich selbst hinreißen.

Eine Werkstattveranstaltung mit dem Quartetts unter der Leitung des  Musiklehrers Prof. Eberhard Feltz arbeitete die höchst subtilen Besonderheiten z.B. des Streichquartetts Nr. 2 heraus, assoziierte eine Passage mit einem Todesmarsch von Nazi-Gefangenen. Was für ein Jammer, dass ein Genie wie Bartok völlig verarmt in den USA verstarb.

Natürlich kamen die Klassiker nicht zu kurz. Beethovens Klaviersonate in As–Dur op.26 und die Sonate für Viola und Klavier f–Moll op. 120 Nr.1 von Brahms wurden von Alexander Lonquich (Klavier) und Timothy Ridout (Viola) gespielt. Rachmaninov und Bach (Violine: Gidon Kremer) kamen zur Aufführung, nur  – leider – fehlte in diesem Jahr Mozart, sieht man von einer Nebenbemerkung des Pianisten András Schiff einmal ab.

Ein Gipfelpunkt war freilich das sogenannte Rezital von András Schiff. Er spielte die B-Dur Sonate von Schubert, ferner die sogen. Geisterromanze von Schumann und ein Jugendwerk von Bach.

Das vergeistigte Spiel dieses sich in die Musik nicht nur hinein versenkenden, sondern geradezu in ihr verschwindenden und mit ihr eins werdenden  Künstlers sorgte für eine atemlose, selten erlebte Spannung. Hier wurde die Musik zur Tat, dargeboten mit einer Autorität der Sinngebung, die für etwa 1 ½ Stunden die Welt um sich herum vergessen ließ. Immer wieder strebt das Kammermusikfest in Lockenhaus solchen Höhepunkten zu und macht seine Einzigartigkeit aus.

Die verzaubernde St Nikolaus Kirche in Lockenhaus / 2020 auch Spielort des Kammermusikfest @ Alois Weber

Die verzaubernde St Nikolaus Kirche in Lockenhaus / 2020 auch Spielort des Kammermusikfest @ Alois Weber

 Anmerkungen zur Geschichte und zum Festspielort

Das Kammermusikfest Lockenhaus wurde vor 40 Jahren von dem berühmten Geiger Gidon Kremer gegründet. Er ist auch der Begründer des Orchesters Kremerata Baltica, das inzwischen internationale Reputation genießt.

Im Jahre 2012 hat Gidon Kremer die künstlerische Leitung an den Cellisten Nicolas Altstaedt, Foto, abgegeben, der nicht nur an vielen Konzerten mitwirkt, sondern dem es immer wieder gelingt, renommierte Künstler aus vielen Nationen für Auftritte in Lockenhaus zu gewinnen.

Die Kartenpreise sind, verglichen mit den Beträgen anderer Festspielorte, durchaus erschwinglich, sie pendeln zwischen 25 und 34 Euro. Die Künstler bekommen keine Gage, finanziert wird nur die Anreise und der Aufenthalt am Festspielort.

Die Gemeinde Lockenhaus hat 1.981 Einwohner. Sie gehörte  bis in die 20-er Jahre des 19. Jahrhundert hinein zu Ungarn. Heute gehört sie zum Burgenland. Lockenhaus liegt etwa in der Mitte zwischen Wien und Graz, unmittelbar an der Grenze zu Ungarn, Die ungarische Stadt Sopron mit ihren mittelalterlichen und barocken Bauwerken liegt in der Nähe. Ferner die Stadt  Köszeg, die nur 2 km von der Grenze entfernt ist. Ungarischer Einfluss ist allenthalben bemerkbar, viele Ungarn pendeln zwischen ihrem Heimatort zum Arbeitsplatz in Österreich.

In Lockenhaus selbst gibt es nur wenige Unterkunftsmöglichkeiten. Die Besucher des Kammermusikfestes verteilen sich auf die umliegenden Ortschaften, insbesondere auf das ca. 16 km entfernte und über eine großzügig angelegte Straße leicht erreichbare Kirchschlag in Niederösterreich.

Spielstätten: Die mittelalterliche Ritterburg Lockenhaus  – Die Pfarrkirche

Die Ritterburg Lockenhaus liegt hoch über dem Dorf, ein majestätisches Bauwerk, dessen Bauzeit auf das 13. Jahrhundert zurückgeht und einmal ein Unterschlupf für die Tempelritter gewesen sein soll. Belegt ist, dass hier die ungarische Gräfin Elisabeth Báthory residierte, der Legende nach eine sadistische Massenmörderin, der über 80 Morde mittels Folter an Bauernmädchen und Frauen aus dem niederen Adel zur Last gelegt wurden. Sie wurde hingerichtet. Die Täterschaft der Gräfin ist neueren historischen Forschungen zufolge freilich umstritten.

Heute gehört die Burg einer Stiftung an. Sie ist vollständig restauriert und verfügt über einen Konzertsaal mit ausgesprochen guter Akustik. An heißen Sommertagen wabert hier freilich die Hitze, das dicke Gemäuer lädt sich auf wie ein Heizofen.

Die Pfarrkirche Lockenhaus wurde in der Zeit von 1656 bis 1669 errichtet, ein Barockbau mit großer Orgel und bemerkenswertem Altar und fein gestalteter Kanzel. Obwohl der Klang hier etwas „hallig“ ist, nimmt man dieses Manko an heißen Tagen gerne in Kauf. Die Kirche ist angenehm kühl.  Direkt neben der Pfarrkirche befindet sich das Sommerschloss der Adelsfamilie Esterházy.

Manchmal, freilich höchst selten, gibt es einige freie Stunden. Dann fährt man in der sogenannten „Buckligen Welt“, einer wunderbar weich geschwungenen Höhenlandschaft mit vielen Erhebungen (sich wellig ablösenden Buckeln) zu entlegenen Gasthäusern hinaus, wo man u.a. hervorragenden Fisch essen kann. Und abends empfiehlt sich der „Blaufränkische“, eine beliebte Rotweinsorte, die hier zu Hause ist.

Nach Ende des Kammermusikfestes Lockenhaus ist der Kopf noch lange gebannt von  herber Chromatik, harter Rhythmik der Moderne wie dem Ideenreichtum der Klassik. 2022 werde ich dem Kammermusikfest Lockehaus zum ..x..  Mal wieder beiwohnen.

—| IOCO Aktuell Kammermusikfest  Lockenhaus |—


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Berlin, Konzerthaus Berlin, András Schiff – Haydn, Beethoven, Schubert, IOCO Kritik, 13.10.2020

Oktober 12, 2020 by  
Filed under Hervorheben, Konzert, Konzerthaus Berlin, Kritiken

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Das Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin © David von Becker

Das Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin © David von Becker

Konzerthaus Berlin

András Schiff – Klavierabend

Joseph Haydn – Ludwig van Beethoven – Franz Schubert

von Julian Führer

Das Konzerthaus (früher Schauspielhaus) am Berliner Gendarmenmarkt wird von vielen Touristen fotografiert, von manchen auch besucht; es ist die Hauptspielstätte des Berliner Konzerthausorchester (ehemals Berliner Sinfonie-Orchester, Chefdirigent derzeit Christoph Eschenbach), manchmal finden dort auch Galaveranstaltungen statt, aber auch Soloabende sind hier zu erleben. Der Bau geht auf Friedrich Schinkel zurück, die heutige Gestalt des im Zweiten Weltkrieg stark zerstörten Gebäudes geht auf eine Restauration in der späten DDR zurück, der man unter anderem diverse Büsten verdankt, auf denen nicht nur Bach und Mozart, sondern auch Igor Strawinsky (mit Hornbrille) und andere verewigt sind. Eigentlich fasst der Saal bis zu 1500 Zuschauer, doch sind im Saal derzeit nur zehn Stuhlreihen aufgebaut, die mit sehr viel Abstand besetzt werden. Dafür darf am Platz die bis dahin obligatorische Maske abgenommen werden, was dankenswerterweise zu freiem Atmen und damit deutlich unbeschwerterem Musikgenuss führt als in anderen Sälen.

András Schiff hatte für diesen Abend, dem 9. Oktober 2020, ein Programm zusammengestellt, das er innerhalb von vier Stunden zweimal aufführte, so dass immerhin eine gewisse Anzahl Menschen in den Genuss dieses Konzerts kommen konnte. Auf dem Programm standen Werke von Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven und Franz Schubert, für die er sich gegen den sonst üblichen Steinway entschieden hatte. An diesem Abend spielte András Schiff auf einem Bösendorfer-Konzertflügel; diese Instrumente zeichnen sich durch eine besonders obertonreiche Mittellage, im Vergleich zu Steinway weniger scharfe Höhen und eine gewissermaßen samtige Basslage aus, die sie für ein Programm der Wiener Klassik oder Frühromantik ideal erscheinen lassen.

Konzerthausorchester Berlin / hier : Selfie ohne Dirigenten © Marco Borggreve

Konzerthausorchester Berlin / hier : Selfie ohne Dirigenten © Marco Borggreve

Haydns Sonate für Klavier Hob. XVI:44 g-Moll, trotz der hohen Hobokenzahl im Werkverzeichnis bereits 1770 komponiert (dem Geburtsjahr Beethovens), ist eine zweisätzige Sonate, die den Geist des Ancien Régime atmet. Der Anschlag Schiffs betonte die Mittellage und nahm die vielen Verzierungen als das, was sie sind, nämlich Verzierungen, die der Hauptlinie neue Färbungen verleihen, ohne diese jedoch unkenntlich zu machen. Die für Haydn typische Strenge der Durchführung war in beiden Sätzen sehr präsent, doch atmete der zweite Satz (im Dreiviertel- statt im Viervierteltakt) etwas freier. Eine eigentliche Melodieentfaltung kennt dieses Werk nicht, dafür aber eine recht frei scheinende, dennoch der gebundenen Form gehorchende Auseinandersetzung mit musikalischen Gedanken und Figuren in einer hochkomplexen Rhythmik – ein Werk, das technisch nicht allzu schwierig, interpretatorisch aber höchst anspruchsvoll ist.

Ludwig van Beethoven © IOCO

Ludwig van Beethoven © IOCO

Auf dieses kurze Werk folgte nach einer einzelnen, kurzen Verbeugung Beethovens große Sonate C-Dur op. 53 von 1804, die sogenannte Waldsteinsonate. Im Kopfsatz, gleichzeitig pianissimo und doch Allegro con brio einsetzend, zeigte András Schiff scharfe Kontraste zwischen Staccatopassagen, insbesondere die fein gehämmerten Quinten und Sexten im Bass, und mit viel Pedal unterstützen Bögen im tatsächlich dolce e molto legato notierten Seitenthema des ersten Satzes. Beethoven stellt das drängende Kopfthema immer wieder der holzbläserhaften Akkordfolge des Seitenthemas gegenüber; Schiff gelang es dabei, durch Betonung einzelner Linien in der Mittellage verblüffende Bezüge und Verweise aufzuzeigen. Die Vorzüge der Instrumentenwahl wurden hier deutlich hörbar, der Flügel von Bösendorfer wurde von Schiff gerade in der Mittellage zum Singen gebracht. In der Durchführung wurde das Tempo noch etwas schneller; ab Takt 146 hat Beethoven Sechzehntel und Sechzehnteltriolen komponiert, die schnell nach oben gehen, während im Bass Sechzehntel nur scheinbar auf der Stelle treten. Die Triolen – tatsächlich mit Punkt auf dem letzten Ton notiert – spielte Schiff mit scharfem Akzent, so dass sie fast frech bis zum dreigestrichenen F nach oben gingen, bevor die Überleitung zur Reprise des ersten Satzes folgte. Auf der gleichen Seite (Takt 168) steht eine Fermate, mit der Beethoven markiert, dass die Reprise keine bloße Wiederaufnahme ist, sondern ganz im Gegenteil eine für damalige Verhältnisse recht wilde Modulation durch verschiedene Tonarten enthält. Diese Fermate hielt Schiff sehr lange; der Rest der Reprise brachte stärker hämmernde Bässe (in der Tat auch bei Beethoven anders als in der Exposition nun auch Dreiklänge) und Schlussakkorde, die abermals das Klangwunder des Bösendorfer zu Gehör brachten, sozusagen mehr Holz und weniger Metall im Klangbild.

Andràs Schiff/ hier : auf dem Lucerne Festival 2015 © Peter Fischli

Andràs Schiff/ hier : auf dem Lucerne Festival 2015 © Peter Fischli

Das nur 28 Takte lange Adagio des Mittelsatzes beginnt mit dunklen Oktaven und dann folgenden aufsteigenden Sexten (die man auch in der eingangs gehörten Haydn-Sonate findet), die zunächst in F-Dur zu münden scheinen, sich dann aber harmonisch sofort weiterentwickeln. Aus dem Bass heraus werden verschiedene Gedanken vorgetragen, verändert, verworfen, bis drei Takte vor Ende ein Dominantseptakkord in G angedeutet (aber nicht nach C-Dur aufgelöst) wird und endlich in Takt 28 ein reines G-Dur ertönt, das gewissermaßen als Sprungbrett für das subito beginnende Rondo in C-Dur dient. Dieses Rondo nahm András Schiff zunächst ganz ‚romantisch‘ mit viel Pedal, so dass die begleitenden Sechzehntel kam einzeln zu hören waren, sondern eher einen Klangteppich bildeten, auf dem sich die Melodie entfaltete (hierfür ist in der linken und rechten Hand eine jeweils völlig andere Anschlagtechnik nötig). Die Mittellage, in der sich die Sechzehntelbegleitung abspielt, wurde aber von Schiff wie gefordert sempre pp genommen, so dass das Instrument nie „dampfte“. Die Wiederholung des Rondothemas mündet in einen langen Triller in der rechten und absteigende Skalen im staccato in der linken Hand. Die von Beethoven notierten Bögen und Punkte demonstrierte András Schiff sehr präzise, deutlich und technisch mühelos. Abschnitt B des Rondos enthält viele Oktavfiguren, die auf Aufnahmen oder bei anderen Künstlern schnell einmal zu einem Dauerhämmern werden; die dramatische Wendung dieses Abschnitts wurde an diesem Abend aber nicht übertrieben, sondern eher als Vorbereitung für die Wiederholung des Kopfmotivs und die darauffolgende dramatische Steigerung präsentiert. Das Kopfmotiv hatte nach Abschnitt B viel mehr Pedal, war nochmal kantabler, es war hörbar viel passiert. In der Folge zog András Schiff noch einmal das Tempo an, nicht um der Raserei willen, sondern stets aus der Musik motiviert, und er beherrscht auch die Kunst, das Tempo im passenden Moment wieder herauszunehmen – nur am Ende nicht, wo Beethoven tatsächlich prestissimo fordert. Diese Interpretation setzte Maßstäbe.

Franz Schubert Wien © IOCO

Franz Schubert Wien © IOCO

Abermals ohne Pause ging es weiter mit der Sonate B-Dur D 960 (posth.), die Franz Schubert in den Wochen vor seinem Tod komponierte und die über fast eine Dreiviertelstunde einen ganzen musikalischen Kosmos durchmisst. Der lange Kopfsatz meditiert über ein B-Dur-Thema, das in einen Triller im Bass mündet, der es schwermacht, ‚einfach so‘ weiterzuspielen. András Schiff begann das Stück mit der entsprechenden Umsicht und nahm sich die Zeit, die verschiedenen Motivlinien herauszuarbeiten, ohne dass das Tempo unnatürlich langsam erschienen wäre. Schubert öffnet die Sonatenform wie zuvor der von ihm verehrte Beethoven, indem er zwar mit dem motivischen Material der Exposition arbeitet, dieses aber deutlich freier wie in einer Phantasie fortentwickelt. Kurz vor der Reprise zitiert er bereits das Kopfthema, das aber in sehr viel höhere Tonlagen transponiert wurde, während die Basstriller beibehalten werden. Das folgende Andante sostenuto vermischt Konventionen der Trauermusik wie Anklänge an Märsche mit recht überraschenden Dissonanzen. In diesem Satz, der seine Spannung vor allem aus den Feinheiten der Variation bezieht, kamen der Obertonreichtum des Instruments und die Meisterschaft András Schiffs besonders zur Geltung. Anschließend, in der Abfolge ganz klassisch, bricht ein Scherzo vermeintlich die melancholische Stimmung auf, jedoch setzt eine fast aufdringlich ostinate Walzertaktbegleitung hier ein Fragezeichen hinter die vordergründige Ausgelassenheit (ein Kniff, den Gustav Mahler später zur Perfektion bringen sollte). Der Schlusssatz schließlich ist ein großes Rondo, das ein ländlerhaftes Thema wiederum etwas aufdringlich und fast nach Art einer Spieluhr im Zentrum hat; dieses Thema wird allerdings in dem weit ausgreifenden Satz verschiedenen musikalischen Situationen gegenübergestellt, die Schubert mehr als einmal als Nachfolger Beethovens zeigen, wie Anklänge an die zuvor gehörte Waldsteinsonate sowie den Schlusssatz der Sonate Es-Dur op. 31,3 und den Beginn der „Appassionata“ in f-Moll op. 57 unterstreichen.

Das Programm hatte Bezüge und Querverweise – Haydn war Beethovens Lehrer, Schubert verehrte Beethoven, und gewisse musikalische Grundsituationen waren an diesem Abend in mehreren Werken zu hören. Das Publikum dankte András Schiff für die mustergültige, technisch beeindruckende und intellektuell überlegene Interpretation mit viel Applaus und etlichen Ovationen, wofür sich der Pianist mit Zugaben (unter anderem Schuberts Moment musical Nr. 3 in f-Moll D 780) revanchierte. Technische Souveränität gepaart mit interpretatorischer Übersicht, ein außergewöhnliches Instrument und ein meisterhafter Pianist ließen diesen Abend zu einem besonderen Erlebnis werden.

—| IOCO Kritik Konzerthaus Berlin |—


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Dresden, Kulturpalast, Staatskapelle Dresden – zum 472-jährigen Bestehen, IOCO Kritik, 24.09.2020

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Kulturpalast Dresden © Nikolaj Lund

Kulturpalast Dresden © Nikolaj Lund

Kulturpalast Dresden

 Staatskapelle Dresden – zum 472-jährigen Bestehen

Von der kurfürstlichen Hofkapelle zur Sächsischen Staatskapelle Dresden

von Thomas Thielemann

Am 22. September 2020 feierten die Musiker und Freunde der Sächsischen Staatskapelle Dresden im Kulturpalast der Stadt den 472. Geburtstag des Klangkörpers.

Eigentlich könnte die Kapelle auf ein längeres Bestehen blicken, wenn nicht die konfessionellen Auseinandersetzungen eine Unterbrechung der frühen Musikkultur im sächsischen Raum zur Folge gehabt hätten. Der später erste Kapellmeister der heutigen Staatskapelle Johann Walter (1496-1570), ein Freund Martin Luthers, war bereits 1524 als Bassist und kurze Zeit später als Componist einer kurfürstlichen Hofkapelle des Johann Friedrich I. von Sachsen nachweislich tätig gewesen. Der Kurfürst und Herzog aus dem Hause der ernestinischen Wettiner, auch Friedrich der Großmütige genannt, residierte in Torgau auf dem Schloss Hartenfels, dem damaligen politischen Zentrum der Reformation. Johann Walter, der nach der Herkunft seiner Mutter auch als der Blankenmüller bekannt war, wurde der Herausgeber des ersten evangelischen Chorgesangsbuches.

Sächsische Staatskapelle Dresden / Myung-Whun Chung und Andras Schiff © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle Dresden / Myung-Whun Chung und Andras Schiff © Matthias Creutziger

Eine wegen des Rüstungs-Finanzbebarfs 1526 angestrebte Auflösung der Capelle konnte durch eine Intervention Philipp Melanchtons (1497-1560) zunächst verhindert werden. Als die Hofkapelle dann trotz Gehaltsabsenkung der Musiker 1530 doch aufgelöst werden musste, wollte die Torgauer Bürgerschaft nicht auf die ihnen liebgewordene Kirchenmusik verzichten. Sie vereinte Johann Walter und einige der Musiker zur „Cantoreigesellschaft“ und stellte neben der Besoldung auch Sänger zur Verfügung. Martin Luther war über die Auflösung der Hofkapelle sehr aufgebracht und erreichte noch mit einem groben Brief, dass der Kurfürst der bürgerlichen Gesellschaft zumindest einen jährlichen Zuschuss von 100 Gulden zusagte.

In der Folge der Niederlage des Schmalkaldischer Bundes 1547 verloren die Ernestiner die Herrschaft und Kurfürst wurde Moritz von Sachsen (1521-1553) aus dem Hause der anhaltinischen Wettiner.

Als Moritz die Hochzeit seines Bruders August mit einer dänischen Prinzessin auszurüsten hatte, entschloss er sich zur Gründung einer eigenen Kapelle, die zunächst bei den Hochzeitsfeierlichkeiten wirken sollte. Die Stiftungsurkunde unterzeichnete Moritz am 22. September 1548, dem Tag, der als Geburtstag der ohne Unterbrechungen existierenden Sächsischen Staatsapelle gilt.

Sächsische Staatskapelle Dresden / Myung-Whun Chung © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle Dresden / Myung-Whun Chung © Matthias Creutziger

Die neugegründete „Capelle“ musizierte erstmals am 8. Oktober 1548 unter „Johann Walters Direction“ in Torgau, siedelte dann mit dem kurfürstlichen Hofe als dessen Hofkapelle nach Dresden.

Über lange Zeit wurden die Erinnerungskonzerte an die Gründung genutzt, um an frühere komponierende kurfürstliche und staatliche Kapellmeister und Musiker mit der Wiedererweckung ihrer Werke zu erinnern. Das waren zum Teil recht interessante und des Hörens werten Begegnungen.

In den letzten Jahren wird der Termin des Geburtstagskonzertes aber verwendet, um auch den heimischen Freunden der Staatskapelle das Programm der in jedem Jahr anstehenden Europa-Tournee vorzustellen. Dabei macht es Sinn, das Konzert nicht im Semperbau mit seinen spezifischen Bedingungen zu spielen sondern stattdessen den Konzertsaal des Kulturpalastes mit seinen breiteren Möglichkeiten zu nutzen.

Sächsische Staatskapelle Dresden / Sir Andras Schiff © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle Dresden / Sir Andras Schiff © Matthias Creutziger

Geplant war eine Tournee des Orchesters mit dem Ersten Gastdirigenten Myung-Whun Chung und dem Capell-Virtuosen Sir András Schiff mit Konzerten in Antwerpen, Luxemburg, Brüssel, Wien und Bratislava. Corona-bedingt wurde aber ein Konzert nach dem anderen abgesagt, so dass letztlich nur ein zusätzlich in die Planung einbezogenes Gastkonzert in Köln stattfinden wird.

Sein Konzert für Klavier und Orchester Nr.1, d-Moll, komponierte der junge Johannes Brahms (1833-1897) zunächst für zwei Klaviere. Jahre später, 1854 begann er die Sonate für Orchester zu instrumentieren. Zunächst als Symphonie angestrebt, entstand nach zähem Ringen und unzähligen Änderungen in den Jahren bis 1859 der Koloss des ersten Klavierkonzertes.

Auf dem Podium waren um den Dirigenten Myung-Whun Chung, den Pianisten und einem Konzertflügel der Dresdner Philharmonie herum, natürlich mit dem vorgeschriebenen Zwischenraum, auf dem restlichen Teil der 220m²-Bühne etwa 60 Musiker der Staatskapelle in den gebührenden Abständen platziert. Jeder der Musiker hatte sein eigenes Notenpult.

András Schiff meisterte die hohen technischen Anforderungen ohne dabei als Virtuose glänzen zu können, aber mit der gewohnten Souveränität.
Während man das Klavier hörte, wie man es bei Brahms von vielen früheren Aufführungen gewohnt war, unterschied sich der Orchesterklang doch deutlich vom Vertrauten. Der Orchesterpart hörte sich weicher, zum Teil leicht zerfasert und vor allem etwas stumpf an. Es war zu spüren, dass den Musikern der unmittelbare Kontakt zu den Partnern fehlte, jeder bis zu einem gewissen Grade vor sich hin spielte und sich damit die Klänge nicht wie gewohnt mischten.

Über weite Strecken tauschten Solist und Orchester die Führungsrolle, indem Schiff das Orchester begleitete. Weniger problematisch erschien mir die anschließende Darbietung der 7. Symphonie d-Moll von Antonin Dvorák (1841-1904). Auch hier kam der Klang weicher als vertraut, doch etwas geschlossener, wenn auch nicht kompakt. Musiziert wurde gewohnt präzise, aber es fehlte eben das Mischen der Töne. Ich hatte den Eindruck, dass die Aufgabe des Dirigenten an Bedeutung gewonnen hat. Und da das Orchester mit seinem Ersten Gastdirigenten Myung-Whun Chung bestens vertraut ist, haben die Partner offenbar das Mögliche geboten.

Der traditionenell dem jährlichen Geburtstagskonzert folgende Empfang der Gesellschaft der Freunde der Staatskapelle Dresden für die Musiker ihres Orchesters wurde in diesem Jahr zum Corona-Opfer.

—| IOCO Kritik Kulturpalast Dresden |—


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Dresden, Semperoper, Sir András Schiff – Capell Virtuos und ein Bösendorfer, IOCO Kritik, 14.09.2020

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Semperoper in Dresden © Matthias Creutziger

Semperoper in Dresden © Matthias Creutziger

Sir András Schiff – Capell-Virtuos der Saison 2020/21 in Dresden

– beeindruckt das Publikum der Staatskapelle – ehrt Peter Schreier –

von Thomas Thielemann

Der Capell-Virtuos der Sächsischen Staatskapelle der Saison 2020/21 Sir András Schiff ist nicht nur einer der herausragenden Pianisten unserer Zeit, sondern auch ein streitbarer Mann. Nicht nur, dass der 1953 in Budapest geborene und inzwischen vorwiegend in Italien lebende Künstler, im Jahre 2000 seine Teilnahme an der Feldkircher Schubertiade wegen der Beteiligung der FPÖ an der österreichischen Bundesregierung absagte und in Ungarn wegen der Politik Viktor Orbáns nicht mehr konzertiert. András Schiff formuliert seine Meinung deutlich und pointiert, sowohl im politischen als auch im künstlerischen Kontext. Er kann darüber hinaus durchaus Konzertbesucher-Gruppen „die Beurteilungskompetenz“ absprechen, sich mit Musikerkollegen anlegen, das Regietheater verteufeln und die besondere Eignung der doch allgemein anerkannten Flügel des Marktführers Steinway & Sons für eine Wiedergabe der Musik von Franz Schubert in Frage stellen. Nach Schiffs Auffassung, repräsentieren die Flügel des Wiener Instrumentenbauers Bösendorfer des weicheren melancholischeren Tonbildes wegen, die zentraleuropäischen Musiktraditionen am deutlichsten.

Semperoper Dresden / Sir Andras Schiff @ Matthias Creutziger

Semperoper Dresden / Sir Andras Schiff @ Matthias Creutziger

Aus diesem Grunde musiziert Schiff trotz des logistischen Aufwandes auf seinen Konzertreisen mit seinem Bösendorfer Konzertflügel, Modell 280VC Vienna Concert..
András Schiff ist ein begeisterter Kammermusiker, obwohl er auch als Dirigent und Konzertsolist wirkt. Er selbst bezeichnete sich als „Stänker der Gründlichkeit“.
Sein Rezital eröffnete András Schiff mit einer kurzen Erinnerung an seinen langjährigen Freund Peter Schreier und ehrte den im vergangenen Jahr Verstorbenen mit Johann Sebastian Bachs „Capriccio über die Abreise des sehr geschätzten Bruders“ B-Dur (BWV 992).

Das ausgeschriebene Programm begann mit der g-Moll-Klaviersonate Hoboken-Verzeichnis XVI:44 von Joseph Haydn (1732-1809). Diese Sonate entstand vermutlich zwischen 1768 und 1773, als Haydn Erster Kapellmeister der ungarischen Magnaten Familie Esterhazy war. Die Musikkenner-Fürsten Paul Anton und später vor allem Nikolaus I. gaben dem Mittdreißiger Raum für seine künstlerische Entwicklung unter anderem durch ständigen Zugang zum eigenen kleinen Orchester, sowie ausführliche Gespräche über die Hauskonzerte. Die zweisätzige Sonate gehört zu den ersten Klavierwerken, die Haydn nicht mehr als etwas anspruchslose „Divertimenti“ einordnete.

Bereits mit dem Moderato-Kopfsatz beeindruckte Schiff durch die zurückhaltende Trauer, die Melancholie und die feinen melodischen Linien seines Spiels. Im Allegretto bestätigt er die Haydnische Vorliebe für harmonische Überraschungen und nutzt die Vorgaben des Komponisten, diese mit Humor zu intonieren.

Im Mittelteil seines Dresdner Rezitals stellte der Capell-Virtuos den Werken des Lehrers Haydn eine Komposition seines Schülers Ludwig van Beethoven (1770-1827), die Klaviersonate Nr. 21 C-Dur op. 53Waldstein -, gegenüber. Mit der Entwicklung neuer Techniken hatte Beethoven mit seiner 1804 dem Grafen Waldstein gewidmeten Sonate eine Wende in der Entwicklung der Klaviermusik eingeleitet und ein neues Verständnis geschaffen, was Klavierspiel letztlich leisten kann. Entstanden ist die heute gültige Fassung der Sonate nicht in einem einzigen Zug. Beethoven nahm mehrfach Änderungen vor. So hat er den ursprünglichen Mittelsatz, der vermutlich von Josephine Brunswick inspiriert gewesen war, als selbstständiges „Andante favori“ ausgegliedert und durch das recht kurze „Introduzione, Adagio molto“ ersetzt.

 Semperoper Dresden / Sir Andras Schiff und sein Boesendorfer Konzertflügel © Matthias Creutziger

Semperoper Dresden / Sir Andras Schiff und sein Boesendorfer Konzertflügel © Matthias Creutziger

Begeisternd meistert der Pianist die schwierigen Orchestereffekte mit seiner unwahrscheinlichen Virtuosität. András Schiff beeindruckte mit seinem glasklaren, an Varianten reichem Anschlag und nahm sich genau die Zeit, um den Akkorden die Möglichkeit zur Nachwirkung zu geben. Da wurden Nebenstimmen und Schattierungen hörbar, die ansonsten, insbesondere in den Ecksätzen, oft untergehen. Jede Note schien deutlich markiert und die Relationen der Ecksätze zum Mittelsatz stimmten an jeder Stelle.
Mit der Klaviersonate G-Dur, D 894 von Franz Schubert  konnte der Capell-Virtuos die Besonderheiten seines Bösendorfer Konzertflügels im letzten Teil des Rezitals nachdrücklich zur Geltung bringen.

Obwohl die musikwissenschaftliche Forschung im Lied-Schaffen Schuberts bedeutsamsten Beitrag zur europäischen Musikgeschichte sieht, hat er doch in seinem kurzen Leben Außerordentliches in allen musikalischen Gattungen seiner Zeit komponiert. Die Sonate in G-Dur, die oft als „Fantasie“ benannt wird, hat Franz Schubert (1797-1828) im Jahre 1826 im Alter von 29 Jahren als sein perfektestes Klavierwerk fertig gestellt, auch wenn sie im Kammermusik-Betrieb oft im Schatten seiner letzten drei Klaviersonaten D958 bis 960 steht.

Mit seiner Klarheit und Transparenz des Spiels, dem kaum spürbaren Wechsel der Stimmungen bot uns Schiff ein außergewöhnliches Hörerlebnis. Mit dem Schubert-adäquaten warmen Klang des Bösendorfers konnte Schiff eine erstaunliche Klangfarbenvielfalt und fast unwirkliche Differenzierungen im oberen Pianissimo-Bereich der Komposition Schuberts schaffen.

Mit stehenden Ovationen wurde Sir András Schiff vom ausgedünnten Publikum begeistert gefeiert. Der Pianist bedankte sich bei den Besuchern mit zwei Zugaben.

—| IOCO Kritik Semperoper Dresden |—


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