Izmir, Devlet Opera de Balesi, Opernhäuser in der Türkei, IOCO Aktuell, 11.06.2019

Juni 11, 2019 by  
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Oper Izmir heute, ein umgebauter Kinosaal © D Zimmermann

Oper Izmir heute, ein umgebauter Kinosaal © D Zimmermann

Devlet Opera de Balesi

Opernhäuser in der Türkei – Izmir, Istanbul, Ephesus

von Daniela Zimmermann

Die westliche Opernwelt hört bisher nicht viel von den Opernproduktionen in der Türkei. Aber das dürfte sich in den kommenden Jahren ändern. Gerade entsteht in Istanbul, am berühmten Taksim Platz, ein Opernhaus mit 2500 Sitzplaetzen, das Istanbul Devlet Opera ve Balesi. Dies Opernhaus wird durch seine extravagante, moderne Architektur zu einer neuen  Attraktion der Stadt werden. Der Entwurf stammt von dem türkischen   Stararchitekten Murat Tabanlioglu. Istanbul erhöht damit seinen Reichtum an Kultur und Architektur. Bereits 2019 soll die neue Istanbul Devlet Opera ve Balesi den Spielbetrieb aufnehmen.

Devlet Opera de Balesi / Aytül Büyüksararaçi - Intendantin der Oper Izmir © Daniela Zimmermann

Devlet Opera de Balesi / Aytül Büyüksararaçi – Intendantin der Oper Izmir © Daniela Zimmermann

Izmir, schönste und grösste Stadt der Türkei an der aegaeischen Küste bekommt nach jahrelanger Planung in den nächsten Jahren ebenfalls ein aufsehenerregend neues Opernhaus mit 1800 Sitzplätzen auf einem 56.000 m² grosses Areal. Intendantin Aytül Büyüksararaçi berichtet über die große  Unterstützung, welche die Stadt von vielen Seiten erhielt, diesen Opernneubau zu realisieren.

1980 wurde das ehemalige Cinema Gebäude aus dem Jahr 1926 vom Ministerium für Kultur angemietet und im Oktober 1982 als Opernhaus Izmir eröffnet.

Aytül Büyüksararaçi, Intendantin der Izmir Devlet Opera de Balesi, der Oper Izmir, leitet derzeit den Opernbetrieb in einem umgebauten Kinosaal. Frau Aytül leitet diesen Opernbetrieb seit 14 Jahren und ist hier zuständig für den Opernbetrieb als auch die Finanzen. Eingebunden ist Aytül zwangsläufig auch in die Errichtung der neuen Oper Izmir. Weiteres Izmir-Highlight ist das gerade eröffnete Konzerthaus mit 3 Konzertsälen. Der grösste Saal des Hauses, wird auch für konzertante Opernaufführungen genutzt werden.

Es gibt zurzeit sechs Opernhäuser in der Türkei, davon ist Izmir das 3.grösste; mit einem eigenem Ensemble, Orchester, Saenger, Chor, Ballett, insgesamt 500 Beschäftigten. Jaehrlich werden etwa Opern-, zwei Ballettproduktionen sowie zwei Kinderopern gespielt. Die Produktionen sind regelmäßig Koproduktionen mit anderen Theatern; Kulissen und Ensemble werden ausgeliehen; international erfahrene SängerInnen sind dagegen nur selten zu hören.

Opern werden grundsätzlich in der Orginalsprache, wie Italienisch, Deutsch oder Französisch, gesungen; mit türkischen Untertiteln. Spannend: Es gibt auch türkische Opern. In Deutschland schon mehrfach aufgeführt  Ali Baba und die 40 Räuber  von Selman Ada (*1953), so siehe unten, 2012 an der Oper Wuppertal.

Ali Baba und die 40 Räuber  –  Selman Ada
youtube Trailer Wuppertaler Bühnen
? Filmproduktion Siegersbusch, Wuppertal, 2012
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Im Rahmen eines Integrationsprogrammes spielte die Frankfurter Oper 2014 Mozarts Entführung aus dem Serail auf Türkisch. Kein Zufall spielt die Handlung doch in der Türkei. Ahmed Adnan Saygun oder Cemal Resit Rey und Ulvi Cemal Erkin sind in der Türkei bekannte Opernkomponisten.

Intendantin Aytül Büyüksararaçi strebt an, die Kooperation der Oper Izmir mit deutschen Theatern zu vertiefen. Nicht nur mit der Oper Wuppertal auch mit Gaertnerplatztheater, gab es durch Ali Baba und die vierzig Räuber neue Formen der Zusammenarbeit.

Neu war 2018 für die Oper Izmir eine Opernaufführung im grossen antiken Theater in Ephesus: zum Ephesus Opera Festival. Der Erfolg war überwältigend. Eine Kooperation mit ausländischen Opernhäusern und internationalen Sängern sollen dieses Festval zukünftig weiter bereichern.

Am Herzen liegt Murat Tabanlioglu auch der jährliche nationale Gesangs-Wettbewerb junger Sänger in Izmir. Seit elf Jahren wird dieser Wettbewerb mit internationalen Juri durchgeführt; so auch im Februar 2019. Krönung ist eine abschließende  Galavorstellung der Gewinner des Wettbewerbes, die dort ihr Können öffentlich demontrieren.

Eine weiterer Wettbewerb für junge Sänger ist der internationale Wettbewerb, Die Neue Stimme, der seit 2 Jahren auch in der Türkei ausgetragen wird. Auch hier finden die Ausscheidungen in Izmir statt; Aytül Büyüksararaçi ist auch hier eingebunden. Brion Dickie, seit 1999 Generaldirektor des Chicagoer Opera Theater, leitet weltweit die Vorauswahl für diesen, alle zwei Jahre stattfindenden Gesangs-Wettbewerb. Initiert und finanziell getragen wird dieser Wettbewerb von der Bertelsmann Stiftung, Gütersloh. wo  die Endausscheidung stattfindet.

Die Saison 2019 /20 der Izmir Devlet Opera de Balesi   bietet Cavalleria Rusticana,  Pagliacci, La  forza del destino, Don Giovanni,  Lucia di Lammermoor. Das Ballett des Theaters gilt als das beste in der Türkei und zeigt 2019 den  Nussknacker von Peter I. Tschaikowsky.

—| IOCO Aktuell Devlet Opera de Balesi |—

Berlin, Komische Oper, Opernhaus des Jahres, Starke Jugendarbeit, IOCO Aktuell, 16.10.2013

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Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin:
Auszeichnung, neuer Chef und andere Auffälligkeiten

Deutschland ist das Paradies der  Musiktheater: 85 mit öffentlichen Bildungsauftrag verpflichtete Musiktheater gibt es allein in Deutschland. Weltweit  sind es gerade einmal etwa 570 Musiktheater. € 2,5 Mrd. jährlich ist dem deutschen Steuerzahler dieser vielschichtige Bildungsauftrag allein für Musiktheater wert, der nicht nur laut bejubelte Opernaufführungen umfasst, aber auch leise, prunklose Breitenbildung wie Oper in der Schule (Oper Frankfurt), Musikkindergarten (Staatsoper Berlin), Kinderworkshops (Volksoper Wien) oder die Regenbogenkonzerte  des Theater Chemnitz. Die großen deutschen Musiktheater sind das Nationaltheater München mit 2100 Plätzen,  die Hamburgische Staatsoper mit 1690 Plätzen und die Deutsche Oper Berlin mit 1859 Plätzen. Mit 2500 Plätzen größtes deutsches Musiktheater ist das privat finanzierte Festspielhaus Baden-Baden, in dem sich die Theatergrössen Peter Gelb, Anna Netrebko, Simon Rattle, Jonas Kaufmann, Rolando Villazon, das Hamburg-Ballett oder das Mariinsky-Ballett regelmäßig die Klinke in die Hand drücken, wo jedoch für Schulbesuche – sehr amerikanisch – weder Auftrag noch nennenswerte Mittel bereitstehen. Deutschlands Kulturreichtum transportieren 70 im öffentlichen Schatten stehende kleine Theater, welche in mittelgroßen Städten wie Schwerin, Passau, Dessau, Hagen mit geringen Etats täglich um ihr Überleben kämpfen.  

Komische Oper Berlin / Führungsteam Kosky, Moser, Hánási © IOCO

Komische Oper Berlin / Führungsteam Kosky, Moser, Hánási © IOCO

Die renommierte Zeitschrift Opernwelt vergibt seit vielen Jahren Bewertungen für künstlerische Leistungen an Musiktheater; befragt werden dazu 50 Kritiker.  Der von der Opernwelt verliehene Titel „Opernhaus des Jahres  und „Ärgernis des Jahres  besitzen hohe Aufmerksamkeitswerte. Auch andere künstlerische Leistungen wie Regie, Uraufführung, Sänger bewertet die von der Zeitschrift befragten Kritiker.

Im September 2013 verliehen die von der Opernwelt befragten Kritiker den Titel Opernhaus des Jahres 2012/13 erneut einem großen Theater, der Komischen Oper Berlin, 1190 Plätze, mit ihrem erst 2012 bestallten Intendant Barrie Kosky. Kosky verantwortet jene Zauberflöte („köstlich-absurde Mischung aus Stumm- und ZeichentrickfilmenBerliner Morgenpost), welche 2012 an der Komischen Oper Begeisterungstürme, 26 überverkaufte Vorstellungen und die Übernahme an die Rheinoper Düsseldorf auslöste. 2012 hatte bereits Stefan Herheim mit seiner Inszenierung von Georg Friedrich Händels Xerxes überregional für Auslastung wie positive Schlagzeilen für die Komische Oper  gesorgt. Doch auch der Monteverdi-Zyklus und Paul Abrahams Ball im Savoy  verleitete die Opernwelt und befragte Kritiker, der Komischen Oper Berlin den Titel Opernhaus des Jahres 2012/13 zu verleihen. Publikumswünsche scheinen bei Kosky gut aufgehoben. Ausgeprägte Publikumsaffinität konnte man seinem Vorgänger, dem 2012 an die Oper Zürich abgewanderten Andreas Homoki wirklich nicht nachsagen. Homoki schaffte es mit modernen Inszenierungen zwar oft  in die Medien, die Besucherzahlen lagen während seiner Ägide meist um schwache 65%. Mit Barrie Kosky bestehen gute Aussichten, die Auslastung der Komischen Oper Berlin nachhaltig über 75% zu halten. Eine Auslastung über 75%, in Berlin von Verantwortlichen nie offensiv artikuliert, sollte für jeden Hauptstadt-Operintendant selbstverständliches Minimalziel sein. Zum Vergleich: Die Staatsoper Wien erreicht seit Jahren beständig eine Auslastung von 99%.

Der Komische Oper Spielplan 2013/14:

Hören, sehen Sie oben, im IOCO-Video, was Barrie Kosky, Susanne Moser und Henrik Nánási zum Spielplan 2013/14 der Komischen Oper Berlin zu sagen haben:

Spektakulär wenn auch weniger sichtbar ist die Jugendarbeit der Komische Oper Berlin:  40.000 Kinder und Jugendliche nutzten seit Jahren die Kulturangebote der Komischen Oper Berlin, sei es für Kinderoper wie Ali Baba und die 40 Räuber, im Kinderfestival, in 350 Einführungsworkshops, für Kinderkonzerte, im Projekt Salem Opera für türkischstämmiges Publikum und in anderen musiktheaterpädagogischen Begleit-programmen.

Den zweiten Platz der Kategorie Opernhaus des Jahres 2012/13  belegte das Nationaltheater  Mannheim. Auffällige Produktionen dort waren der magische Ring-Zyklus (Regisseur Achim Freyer) und die erste vollständige Aufführung der Dostojewski-Oper Der Idiot durch Mieczyslaw Weinberg.

Die unbeliebte Goldene Himbeere vergibt Hollywood seit 1981 für den schlechtesten Filme eines Jahres. Laut Kritikerumfrage der Opernwelt erwarb sich die Deutsche Oper am Rhein 2012/13 die Goldene Himbeere (braver Opernwelt-Titel: Ärgernis des Jahres) für eine einfältige, von ausgelutschten NS-Symbolen strotzende TannhäuserInszenierung des Regisseurs C. Kosminski, welche der Rheinoper-Intendant erst nach lautstarkem Publikumsprotest absetzte.

Die 70 kleinen Musiktheater wie Schwerin, Passau, Dessau oder Hagen, welche den föderalen Bildungsauftrag weitgehend umsetzen,  tauchen in der Ordensvergabe der Opernwelt seit Jahren nicht auf, in bemerkenswerter Reverenz vor Berthold Brechts Moritat: „Und man siehet die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht“. So bleiben die 70 kleinen bis mittleren Theater die wahren wenn auch unbelohnten Champions der föderalen, deutschen Musiktheater-Kultur.

IOCO / Viktor Jarosch / 16.10.2013

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