Rostock, Volkstheater Rostock, Premiere LA TRAVIATA, 05.10.2019

September 20, 2019 by  
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Volkstheater Rostock

Volkstheater Rostock © Dorit Gaetjen

Volkstheater Rostock © Dorit Gaetjen

Erste Musiktheater-Premiere der Spielzeit 2019/20
LA TRAVIATA im Großen Haus

Oper von Giuseppe Verdi / Libretto von Francesco Maria Piave / Nach „Die Kameliendame“ von Alexandre Dumas / In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

„Amore e morte“, Liebe und Tod, so lautet der ursprünglich vorgesehene Titel für „La Traviata“. Im Mittelpunkt dieser epochalen Oper Verdis steht eine gesellschaftlich geächtete Liebe: Die lungenkranke Edelkurtisane Violetta Valéry und der Student Alfredo Germont verlieben sich ineinander. Weil Alfredos Vater davon überzeugt ist, diese Verbindung bringe seine Familie in Verruf, veranlasst er Violetta auf intrigante Weise dazu, ihren Geliebten zu verlassen und zerstört damit das Glück der beiden. Alfredo, der nichts von der Intervention seines Vaters ahnt, rastet aus…

Volkstheater Rostock / LA TRAVIATA © Gene Glover

Volkstheater Rostock / LA TRAVIATA © Gene Glover

Magdalena Fuchsberger arbeitet seit 2015 als freischaffende Regisseurin und fand mit ihren Operninszenierungen überregional große Beachtung. Marcus Bosch, international renommierter Musiktheater- und Konzertdirigent und seit der letzten Spielzeit Conductor in Residence der Norddeutschen Philharmonie Rostock, übernimmt die musikalische Leitung.

Marcus Bosch, Martin Hannus, Musikalische Leitung / Magdalena Fuchsberger, Inszenierung / Monika Biegler, Bühne / Kathrin Hegedüsch, Kostüme / Aron Kitzig, Video / Frank Flade, Chorleitung / Jens Ponath, Dramaturgie

Mit: Julia Novikova, Katarzyna W?odarczyk, Takako Onodera, Václav Vallon/Woongyi Lee, Gihoon Kim, James J. Kee, Grzegorz Sobczak, Nils Pille, Olaf Lemme, Geunjin Song, Christian Lang, Opernchor des Volkstheaters, Singakademie Rostock, Norddeutsche Philharmonie Rostock

PREMIERE
Samstag, 05. Oktober 2019, 19:30 Uhr, Volkstheater Rostock – Großes Haus

WEITERE TERMINE
Freitag, 11. Oktober 2019, 19:30 Uhr, Volkstheater Rostock – Großes Haus
Sonntag, 20. Oktober 2019, 15:00 Uhr, Volkstheater Rostock – Großes Haus
Samstag, 26. Oktober 2019, 19:30 Uhr, Volkstheater Rostock – Großes Haus


NEU!
Opernführer live: 30 Minuten vor jeder Aufführung gibt es eine Werkeinführung im Kleinen Foyer.
—| Pressemeldung Volkstheater Rostock |—

Wien, Wiener Staatsoper, Saisonauftakt 01.09. – Tag der offenen Tür, IOCO Aktuell

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

 Saisonauftakt 2019/2020 – 1. September 2019

IOCO Video – Jahrespressekonferenz zum Spielplan 2019/20

Mit sieben Opernwerken, zwei Ballettprogrammen, einem Konzert, zwei Matineen sowie mehreren Sonderveranstaltungen startet die Wiener Staatsoper im September 2019 in die neue Spielzeit 2019/2020, die letzte von Staatsoperndirektor Dominique Meyer und Ballettdirektor Manuel Legris verantwortete Saison.

Wiener Staatsoper 2019/20 – IOCO Video zur Jahrespressekonferenz der Staatsoper
youtube Video von IOCO Düsseldorf
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Den Auftakt zur neuen Spielzeit bildet auch heuer wieder traditionellerweise der beliebte Tag der offenen Tür am Sonntag, 1. September 2019. An zwei Terminen (14.00 – 16.30 Uhr sowie 17.30 – 20.00 Uhr) werden spannende Einblicke hinter die Kulissen des Opern- und Ballettbetriebs mit u. a. Proben mit Publikumslieblingen wie KS Ildikó Raimondi und Zoryana Kushpler, einer Technik- und Bühnenshow mit szenischen Ausschnitten aus L’italiana in Algeri, La Bohème und Sylvia, der Ausstellung von Kostümen, Requisiten, historischem Notenmaterial und vielem anderen mehr geboten.

 Eckdaten der Wiener Staatsoper zur Saison 2018/19

In der Spielzeit 2018/2019 konnte die Wiener Staatsoper erneut einen Einnahmenrekord durch Kartenverkauf erzielen: 37.695.162,26 Euro (2017/2018: 35.298.761,91) – um 2.314.762,26 über den Plansoll. Die Sitzplatzauslastung betrug insgesamt 99,10% (2017/2018: 98,61%).

Insgesamt 622.081 Gäste (2017/2018: 608.955), besuchten 291 Opern-, Ballett-vorstellungen und Matineen auf der Hauptbühne (2017/2018: 292), 72 Vorstellungen im Studio Walfischgasse (2017/2018: 90) sowie 18 Matineen im Gustav Mahler-Saal (2017/2018: 20).

Die ersten Vorstellungen der Spielzeit 2019/20

Die erste Vorstellung der Staatsopernsaison 2019/2020 ist Verdis La traviata am Mittwoch, 4. September 2019. Irina Lungu verkörpert die Violetta, Charles Castronovo den Alfredo Germont und KS Thomas Hampson den Giorgio Germont. Giampaolo Bisanti leitet erstmalig La traviata im Haus am Ring.

Reprisen: 7. und 10. September


Am Donnerstag, 5. September 2019 wird Offenbachs Les Contes d’Hoffmann im Haus am Ring wiederaufgenommen: Anstelle des erkrankten Yosep Kang verkörpert Dmitry Korchak den Hoffmann und gibt damit sein Rollendebüt im Haus am Ring. Weiters sind erstmals an der Wiener Staatsoper Olga Peretyatko als Olympia, Antonia und Giulietta, Gaëlle Arquez als Nicklausse / Muse, Luca Pisaroni als Lindorf, Coppélius, Miracle und Dapertutto und Michael Laurenz als Andrès, Cochenille, Frantz und Pittichinaccio zu erleben. Es dirigiert: Frédéric Chaslin.

Reprisen: 8., 11. und 15. September


Ab Freitag, 6. September 2019 steht Verdis Don Carlo wieder auf dem Staatsopernspielplan. Ihre Rollendebüts im Haus am Ring geben Fabio Sartori in der Titelpartie und Dmitry Ulyanov als Großinquisitor. Anja Harteros ist erneut als Elisabetta zu erleben, KS René Pape als Philipp II., KS Simon Keenlyside als Rodrigo und Elena Zhidkova als Eboli. Jonathan Darlington dirigiert erstmals Don Carlo im Haus am Ring.

Reprisen: 9. und 12. September


Weiters stehen im September auf dem Spielplan: Verdis Il trovatore unter der der Leitung von Alberto Veronesi mit Yusif Eyvazov, Michelle Bradley, Roberto Frontali, Monika Bohinec (19., 22. und 25. September); Donizettis L’elisir d’amore mit Pavel Petrov, Maria Nazarova, Samuel Hasselhorn, Paolo Rumetz, dirigiert von Jonathan Darlington (21. und 24. September); Strauss’ Salome unter Dennis Russel Davies, mit Ausrine Stundyte, Alan Held, Jörg Schneider, Linda Watson (27. September, außerdem noch am 1. und 4. Oktober) und Puccinis La Bohème u. a. mit Aida Garifullina, Jinxu Xiahou, Adrian Eröd, es dirigiert Louis Langrée (29. September 2019, weitere Vorstellungen am 3. und 7. Oktober).


Am Dienstag, 17. September 2019 kehrt Elisabeth Kulman mit einem Solistenkonzert zurück an das Haus und präsentiert mit einem 7-köpfigen Ensemble ihr Programm „La femme c’est moi“.


Das Wiener Staatsballett eröffnet seine Saison in der Wiener Staatsoper am 13. September 2019 mit Manuel Legris’ Sylvia (Reprisen am 14., 18. und 20. September) sowie mit dem vierteiligen Abend Forsythe | van Manen | Kylián (Vorstellungen am 26., 28. und 30. September 2019).


Ebenfalls im September findet der erste Termin in dieser Spielzeit der beliebten Reihe „Kammermusik der Wiener Philharmoniker“ im Gustav Mahler-Saal statt (28. September 2019).

Parallel dazu laufen seit dem gestrigen Montag, 26. August 2019 die Proben für die erste Premiere in dieser Spielzeit: Brittens A Midsummer Night’s Dream (Premiere am 2. Oktober 2019) unter der Leitung von Simone Young (Dirigentin) und Irina Brook (Regisseurin). Schon am Sonntag, 22. September 2019 lädt die Wiener Staatsoper zur Einführungsmatinee mit Mitwirkenden der Neuproduktion.


In der AGRANA STUDIOBÜHNE | WALFISCHGASSE werden im September „Bild und Bühne – Die Entwicklung des Bühnenbilds von 1600 bis heute“ (Vortrag von Rudi Risatti, 20. September), eine Einführung in die Musik von Die Frau ohne Schatten (mit dem musikalischen Studienleiter Jendrik Springer, 25. September) sowie zwei Schulvorstellungen von Der Karneval der Tiere angeboten.


Die Vorstellungen von La traviata am 7. September, Don Carlo am 12. September, Les Contes d’Hoffmann am 15. September und Il trovatore am 25. September 2019 werden mit WIENER STAATSOPER live at home über www.staatsoperlive.com weltweit in HD übertragen.


Im Rahmen von „Oper live am Platz“ werden im September 18 Vorstellungen live auf den Herbert von Karajan-Platz übertragen, den Auftakt bildet La traviata am 4. September 2019.

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Lilienfeld, Stift Lilienfeld, La Traviata – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 09.06.2019

 

 Stiftskirche Lilienfeld © Marcus Haimerl

Stiftskirche Lilienfeld © Marcus Haimerl

Stift Lilienfeld

La Traviata – Giuseppe Verdi

Große Oper im Dormitorium des Stift Lilienfeld

von Marcus Haimerl

Oper in der Krypta gastierte mit Giuseppe Verdis zur Erfolgstrias von 1851/53 zählender Oper La Traviata im Stift Lilienfeld. Das in Österreich zwischen St. Pölten und dem Wallfahrtsort Mariazell liegende Zisterzienserstift, eine Stiftung von Herzog Leopold VI. (1176 – 1230) aus der Familie der Babenberger – heute die größte erhaltene zisterziensische Klosteranlage in Mitteleuropa – beherbergt eine kostbare Kreuzesreliquie.

Der Orden selbst geht auf das Kloster Cîteaux (lat.: Cistercium) zurück, das 1098 in Burgund gegründet wurde. Die zwischen 1202 und 1263 errichtete romanisch-gotische Kirche gilt mit ihren 83 Metern Länge als größte Kirche Niederösterreichs. Die heutige Inneneinrichtung stammt aus der Barockzeit. Da das Stift an der Via Sacra, dem traditionellen Wallfahrerweg zwischen Wien und Mariazell, liegt, wurde das Hauptschiff als heilige Straße gestaltet, die in Richtung Hochaltar mehr und mehr an Goldglanz zunimmt.

Stift Lilienfeld / La Traviata - v.l. Daniel Valero, Calon Danner, Pavel Kvashnin, Chor, Alexandra Matloka, Dana Hammett © Marcus Haimerl

Stift Lilienfeld / La Traviata – v.l. Daniel Valero, Calon Danner, Pavel Kvashnin, Chor, Alexandra Matloka, Dana Hammett © Marcus Haimerl

Im unglaublich beeindruckenden, mittlerweile als Veranstaltungsraum genutzten Dormitorium, konnte das Publikum Giuseppe Verdis Meisterwerk erleben, welches in derselben Regie des künstlerischen Leiters von Oper in der Krypta, Joel A. Wolcott, rund ein Jahr zuvor seine Premiere erlebte. Das Publikum in Lilienfeld erlebte die Geschichte um die schwindsüchtige Kurtisane Violetta Valéry in der der gleichen Frische wie die Wiener ein Jahr zuvor. Für die Umsetzung der Handlung benötigt Joel A. Wolcott wenig Ausstattung und konzentriert sich dabei stark auf die hervorragenden Singschauspieler: Ein Tisch, ein Sofa und zwei Sessel sind ausreichend, um das Liebesdrama von Violetta und Alfredo glaubhaft auf die Bühne zu bringen.

Ergänzt wird das Bühnenbild um Projektionen an die Rückwand des Dormitoriums, die den jeweiligen Handlungsort veranschaulichen. Ein besonders starkes Bild ist die Projektion im dritten Akt: Man sieht eine Taschenuhr, die inmitten abgefallener Blütenblätter fünf Minuten vor 12 Uhr anzeigt; man versteht die Anspielung auf die im Sterben liegende Kameliendame, jenes Romans Alexandre Dumas d.J., der den Rahmen der Handlung für Giuseppe Verdis Meisterwerk bildete.

Joel A. Wolcott lässt bereits in der Ouvertüre, die von der japanischen Pianistin Mami Tsukio hervorragend am Klavier interpretiert wird, drei Protagonisten auftreten. Violetta Valéry wird hintereinander von Gastone und vom Barone Douphol zum Tanz aufgefordert. Dieser Kreis wird sich im Vorspiel zum dritten Akt schließen, wenn sich Violetta, im Fiebertraum und dem Tode nahe, noch einmal von unsichtbaren Herren der Gesellschaft zum Tanzen auffordern lässt.

Père Lachaise / Alphonsine Plessis - Kameliendame im wahren Leben : die Violetta der Oper © IOCO

Père Lachaise / Alphonsine Plessis – Kameliendame im wahren Leben : die Violetta der Oper © IOCO

Die amerikanische Sopranistin Dana Hammett debütierte 2018 bei Oper in der Krypta als ebenso leidenschaftlich liebende wie leidende Kurtisane Violetta und überzeugte mit ihrem wunderschönen, höhensicheren Sopran und starker Mittellage nunmehr auch das niederösterreichische Publikum. Sie berührt intensiv in den lyrischen Passagen der Partie, weiß aber auch in den dramatischen Ausbrüchen die innere Zerrissenheit der Figur musikalisch zu gestalten. Ihre leidenschaftliche Verkörperung dieser tragischen Frauengestalt hinterlässt beim Publikum tiefen Eindruck.

Als ihr leidenschaftlicher Liebhaber Alfredo Germont überzeugt der russische Tenor Pavel Kvashnin, der mit der intensiven Strahlkraft seines kräftigen Tenors das Dormitorium mühelos füllen konnte. Neben der Leichtigkeit, mit der der junge Künstler die Höhen seiner Partie meisterte, war auch die leidenschaftliche schauspielerische Leistung enorm. So konnte man Pavel Kvashnin die Tragik seiner Figur zum Teil schon im Gesicht ablesen.

Als sittenstrenger Vater Giorgio Germont erlebt man den österreichische Bassbariton Florian Pejrimovsky. Durch zahlreiche Auftritte als Scarpia (Puccini Tosca), Rigoletto (Verdi Rigoletto), Colline (Puccini La Bohème) oder als Gefängnisdirektor Frank (Strauss Die Fledermaus), ist er beim Publikum der Krypta in der Wiener Peterskirche ebenso bekannt wie beliebt. Auch in Lilienfeld ist er kein Unbekannter, ist er dort doch Chorleiter des Stiftschores. Florian Pejrimovsky versteht es, mit seinem großen, intensiven Bassbariton Eindruck zu hinterlassen und dominiert mit seiner Stimme ebenso problemlos den Saal. Aus den gemeinsamen Szenen zwischen Bassbariton und Tenor wird hier beinahe ein Kampf der Giganten. Aber auch die leisen Töne sind dem Ausnahmekünstler nicht fremd. Und gerade diese leisen Szenen sind es auch, die Florian Pejrimovsky unglaublich stark darzustellen vermag: Die Zerrissenheit zwischen der harten Schale und dem weichen Kern, zwischen gesellschaftlichen Konventionen und Verständnis für die über gesellschaftliche Zwänge hinausgehende, ehrliche Liebe.

Ebenso erstklassig – um nicht zu sagen luxuriös – sind die kleineren Partien besetzt:
Die französische Sopranistin Alexandra Matloka singt nicht nur die Rolle von Violettas Freundin Flora Bervoix, sondern ist auch jene der Vertrauten und Dienerin Annina. Beide Rollen werden von Alexandra Matloka mit ihrem schönen lyrischen Sopran und ihrer mitfühlenden Darstellung exzellent verkörpert.

Stift Lilienfeld / Traviata - hier : Ensemble, links Karen de Pastel_rechts Buergermeister Wolfgang Labenbacher © Marcus Haimerl

Stift Lilienfeld / Traviata – hier : Ensemble, links Karen de Pastel_rechts Buergermeister Wolfgang Labenbacher © Marcus Haimerl

Um einer kleinen Partie große Bedeutung zu verleihen, braucht man den österreichischen Tenor Calon Danner. Mit seinem schön geführten Tenor und seinem sympathischen, manchmal fast spitzbübischen Charme, lässt Calon Danner in der Partie des Gastone musikalisch und darstellerisch keinerlei Wünsche offen. Auf gleich hohem Niveau erlebt man den jungen mexikanischen Bariton Daniel Valero in der Rolle des Barone Douphol. Mit schönem, vollklingenden Bariton und intensivem Spiel konnte Daniel Valero das Publikum für sich einnehmen. Zum Chor, bestehend aus den beiden wohl disponierten Sopranistinnen Baharan Baniasadi und Natalia Leal, gesellten sich für den ersten Akt auch Statisten aus dem Publikum, die die Bühne als Gäste von Violetta Valérys Fest bereichern.

Die musikalische Leitung lag in den bewährten Händen der bereits zuvor erwähnten japanischen Pianistin Mami Tsukio. Mit ihrem leidenschaftlichen, sehr differenzierten Klavierspiel weiß sich die Künstlerin als hervorragende Begleiterin, die die Stimmen der Sänger mühelos trägt und kann außerdem auch in den Vorspielen zum ersten und dritten Akt ihre Qualitäten als Solistin unter Beweis stellen.

Unter den rund 200 Gästen in Lilienfeld befanden sich als Vertreter des Stiftes Frater, Dr. Michael Vurglics, der gastfreundliche, sympathische Vertreter der Stadt, Bürgermeister Wolfgang Labenbacher mit Gattin, und die Titular-Stiftsorganistin der Stiftsbasilika, Karen de Pastel. Erfreut bedachten sie alle die Künstler für die wirklich gelungene Vorstellung mit Standing Ovations und langanhaltendem Applaus. Dank des großen Erfolges dieses Gastspiels wird Oper in der Krypta im kommenden Jahr mit der Erfolgsproduktion Tosca von Giacomo Puccini ins Stift Lilienfeld zurückkehren.

Kulturbegeisterte müssen aber keineswegs solange warten: Der Traviata folgt bereits am 30. Juni 2019 das Eröffnungskonzert der 38. Sommerakademie Lilienfeld: Karen de Pastel, ihres Zeichens nicht nur Stiftsorganistin, sondern auch Präsidentin der Sommerakademie und Leiterin des Internationalen Kultursommers Lilienfeld wird Ein deutsches Requiem, op. 45, von Johannes Brahms, präsentieren. Das interessierte Publikum kommt also in jedem Fall in Lilienfeld, das unglaublich viele musikalische Höhepunkte präsentieren kann, niemals zu kurz.

—| IOCO Kritik Stift Lilienfeld |—

Hamburg, Elbphilharmonie, La Traviata – musicAeterna of Perm Opera, IOCO Kritik, 22.10.2018

Oktober 23, 2018 by  
Filed under Elbphilharmonie, Hervorheben, Konzert, Kritiken, Oper

Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Hamburg / Prominente Spielstätte - Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Prominente Spielstätte – Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Ralph Lehmann

 La Traviata  konzertant  – Giuseppe Verdi

 Teodor Currentzis  –  musicAeterna of Perm Opera

Von Patrik Klein

Um kaum einen Dirigenten herrscht dieser Tage so ein Hype wie um Teodor Currentzis. Von den einen wird er als Heilsbringer der Klassik verehrt, der in seinen hochenergetischen Interpretationen immer bis an – oder noch besser über die Grenze hinaus geht nach dem Motto: „Wir spielen Musik, als wäre es der letzte Tag unseres Lebens!“ Die anderen stören sich an seinem exzentrischen Äußeren, seiner musikalischen Effekthascherei, schwarzen Klamotten und klobigen Stiefeln.

Teodor Currentzis  –  Botschafter der Musik

Der Grieche hat es geschafft, im russischen Perm eine treue Schar von Musikern zu versammeln, die ihm bedingungslos folgen und notfalls auch bis nachts um drei proben. „Ich verlange von meinen Musikern, dass sie noch dreimal verrückter sind als ich„.

Lange Probenzeit, intensive Erarbeitung der Musik mit den Musikern und Sängern, das Werk im Fokus statt Ruhm und Geld, dem Geist der Musik auf der Spur und das Aufbrechen von Routinestrukturen beim Spielen und Hören von klassischer Musik sind nur einige der von ihm selbst für sich in Anspruch genommenen Charakterzüge.

Die Elbphilharmonie Hamburg hat ihn nun in der Saison 2018/19 für eine siebenteilige Residenz in die Hansestadt geholt – vier Mal mit seinem Orchester musicAeterna of Perm Opera, zwei Mal mit dem neu formierten SWR Symphonieorchester, dessen erster Chefdirigent er seit Neuestem ist, dazu mit dem Mahler Chamber Orchestra. Auf den Programmen steht natürlich nur Musik der Extreme: Das Requiem von Verdi und Brahms, SchostakowitschsLeningrader“ und die Chor Oper Tristia von Philippe Hersant, die Gedichte von Kriegsgefangenen vertont. Als besonderer Leckerbissen und meistgespielte Oper aller Zeiten nimmt er sich an diesem Abend Verdis  La Traviata vor.

Teodor Currentzis wurde am 24. Februar 1972 in Athen geboren. Er besuchte ab dem Alter von zwölf Jahren Kurse für Violine am Nationalen Konservatorium in Athen. 1987 begann er ein Dirigierstudium in Athen, bevor er von 1994 bis 1999 das Fach am Sankt Petersburger Konservatorium bei Ilja Musin weiter studierte.

In den Jahren von 2004 bis 2010 war Currentzis Chefdirigent am Nowosibirsker Staatlichen Akademischen Opern- und Ballettheater in Nowosibirsk, dem größten Opernhaus in Sibirien. Dort gründete er das musicAeterna Ensemble und den „Neuen Sibirischen Sänger-Kammerchor“ und wurde für seine Arbeit dort mehrfach ausgezeichnet.

Currentzis ist seit Februar 2011 Musikdirektor des Opern- und Ballettheaters in Perm. Dazu war er seit 2011 Erster Ständiger Gastdirigent des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg. 2017 hat Currentzis erstmals bei den Salzburger Festspielen dirigiert. Mit Beginn der Spielzeit 2018/19 wurde er Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters.

 Elbphilharmonie Hamburg / La Traviata konzertant mit musicAeterna of Perm © Claudia Höhne

Elbphilharmonie Hamburg / La Traviata konzertant mit musicAeterna of Perm © Claudia Höhne

 Mit großer Spannung und hohen Erwartungen lauschen die Zuhörer im prall gefüllte Saal der Elbphilharmonie Hamburg den rund Einhundertfünfzig Musikern auf dem Podium. Auf dem Podium? Nein, dem Dirigenten aus Perm reicht das nicht. Teile des Orchesters für die Ballszenen sind in den oberen Rängen des Hauses platziert. Zudem erklingen im ersten Akt Harfe und Tenor aus der Ferne wie aus einer anderen Welt. Die Orchestermusiker stehen bis auf die Schlagwerker, die Cellisten und einige Bläser vor ihren Notenständern und folgen ihrem Maestro bereitwillig und mit prägnanter hör- und sichtbaren Leidenschaft. Die instrumentenabsuchenden Augen des Zuhörers verwundern sich über den Anblick eines Cimbassos, welches als Kontrabass-Ventilposaune mit guter Mischung zu den übrigen Posaunen zum Einsatz kommt.

Teodor Currentzis dirigiert mit aufgeschlagener Partitur taktstocklos in seinem an einen ordentlich gekleideten Punk erinnernden Outfit. Man gewinnt bereits nach den ersten gespielten Noten den Eindruck, dass er die unzähligen Facetten von Verdis Meisterwerk wie durch einen Psychologen offenlegen und transparente, auch neue ungewohnte Klänge erzeugen möchte.

Der Beginn des Vorspiels ist in noch mäßigem Tempo gehalten und klingt fein luftig. Beim ersten Bläsereinsatz und dem Einmarsch der Solisten an die Rampe dreht es erstmals mit rhythmisch besonders akzentuierten trockenen Paukenschlägen voll auf. Durch das kleine Zusatzorchester im oberen Rang gelingt Currentzis, der fast immer lippensynchron lautlos mitsingt und scheinbar mitleidet, eine greifbare Party- und Ballatmosphäre in den Raum zu zaubern. Nicht nur hier, sondern im Laufe des langen Abends klingt das musicAeterna orchestra of Perm Opera  extrem präzise, ungeheuer dynamisch, gelegentlich aufbrausend bis zur Ekstase, oft galoppierend mit halsbrecherischem Tempo, aber nie die Linie verlierend. Im zweiten Akt beispielsweise, wenn Alfredo sein „Ogui sua aver tal femmina“ („Alles was diese Frau besaß“) gesungen hat, erklingen Crescendos wie Vulkanausbrüche, die Cellobögen kratzen über die Saiten, die Paukenschläge knallen trocken und wie Blitze zucken die Bläsersalven. Zum Ende des zweiten Aktes nimmt Currentzis das Tempo extrem langsam und lässt das Orchester fast unhörbar leise erscheinen. Das klingt alles etwas ungewohnt, erzeugt aber eine enorme Spannung und genussvolle Aufmerksamkeit.

Mit dem musicAeterna chorus of Perm Opera, den Currentzis selbst und sein erster Chorleiter Vitaly Polonsky leitet, steht zudem ein 60 köpfiger Chor der Spitzenklasse auf dem Podium der Elbphilharmonie Hamburg. Präzise, dynamisch, textverständlich, wohlklingend, auswendig und mitreißend gestalten sie ihre Rolle, wobei sie ihrem Dirigenten blind folgen. Besonders plastisch erklingt im dritten Akt die Karnevalsszene aus dem Backstagebereich des großen Saales bei offenen Türen.

Bei den solistischen Höhepunkten der meistgespielten Oper der Welt steigt Currentzis von seinem kleinen Podium herab und kommt mit zitternden Händen direkt zu den singenden Protagonisten, um mit ihnen Blickkontakt aus allernächster Nähe einzunehmen, die gewünschten Farben in der Musik erstrahlen zu lassen und sie zu noch größeren Höchstleistungen einzupeitschen; begleitend, fordernd, führend. Ist das nur Show oder hilft es auch? Das Publikum hat es am Ende mit unglaublichen Jubelsalven klar entschieden.

Elbphilharmonie Hamburg / La Traviata konzertant hier Nadazhda Pavlova als Violetta Valery © Claudia Höhne

Elbphilharmonie Hamburg / La Traviata konzertant hier Nadazhda Pavlova als Violetta Valery © Claudia Höhne

 Kommen wir zum Höhepunkt des Abends. Viele Violettas, bekannte, berühmte und weniger berührende durfte man bereits hören,  hat oft genossen, mit gelitten oder auch manchmal geweint. Mit Nadezhda Pavlova, die als Solistin an der Oper in Perm wirkt, hat man geradezu eine Idealbesetzung erleben können. Bereits im Duett mit Alfredo und spätestens in ihrer ersten Arie „E strano! E strano! In core“ („es ist seltsam im Herzen“)  und dem „Sempre libera…“ lässt sie ihren fein abgedunkelt timbrierten Sopran leuchten. Mit enormer Flexibilität, kristallklarer Strahlkraft, traumwandlerisch sicheren Koloraturen und mit den feinsten, zartesten und beinahe unhörbaren Pianissimi, die ich je zu hören bekam, singt sie sich in die Herzen der Zuhörer, die ihr am Ende zu Füßen liegen. Ganz vorsichtig und feinfühlend beginnt sie mit sicher sitzender Stimme mal wie ein zwitschernder Vogel, dann aber auch ganz wild mit glühender Eruption. Im zweiten Akt in der Szene mit Giorgio Germont haucht sie ihr „Ah no! Giammai! No! No!“ zunächst kaum hörbar und tupft dann die Spitzentöne wie Blumen auf einer Sommerwiese in das Rund des großen Saales der Elbphilharmonie Hamburg, bevor sie sich ins hochdramatische steigert ohne auch nur den Hauch einer Unsicherheit. Zu Beginn des dritten Aktes sitzt sie zunächst ganz rechts auf dem Boden des Orchesterpodiums bevor sie mit „Teneste la promessa- la disfida ebbe luogo“ („das Versprechen habt ihr gehalten; das Duell fand statt“) als mittlerweile dem Tod geweihte Kameliendame noch berührender, glaubhaft leidender in berührenden Sprechgesang übergeht. Die Zuhörerschaft erstarrt förmlich vor Ergriffenheit und dankt es der Sängerin am Ende mit nicht enden wollenden Ovationen.

Ihr zur Seite stehen zwei weitere bestens disponierte Solisten, die den Abend insgesamt zu einem musikalischen Erlebnis machen. Airam Harnández gibt den feurigen Liebhaber Alfredo Germont und Dimitris Tiliakos den die Etikette wahren wollenden Vater Giorgio Germont.

Der aus Teneriffa stammende Tenor Airam Harnández singt sich nach wenigen Momenten frei beim „Libiamo, ne´ lieti calici“ („Auf, schlürfet in durstigen Zügen„) mit baritonalem Klang, sicherer Stimmführung, einem sehr nuancierten Legato, präziser Höhe und fein dosierter Abstimmung mit seiner Partnerin Violetta. Man nimmt ihm gerne den verliebten, um Violetta kämpfenden Draufgänger ab.  Im zweiten Akt gerät sein „Lunge da lei per me“ („Entfernt von mir ist kein Glück für mich“) besonders gefühlvoll, mit fein dosierter sauberer Stimmführung, Strahlkraft und Glanz in den Höhen und beschenkt das Publikum mit dem nicht immer von allen Alfredos gesungenen sauberen „Hohen C“.

Sein Vater Giorgio Germont alias Dimitris Tiliakos, der auf der Insel Rhodos geborenen Grieche, gibt den mahnenden Entscheider über moralische Grundsätze beim „Si! Pura siccome un angelo“ (“ Rein wie ein Engel…„) mit schlankem Bariton, sauberer Stimmführung,  kerniger Höhe und bestechender Ausdruckskraft. Er leidet glaubhaft wie ein Hund bei der Verkündung seiner Entscheidung an seinen Sohn.

Mit Natalia Liaskova (Flora Bervoix), Elena Lurchenko (Annina), Nikolai Fedorov (Gastone, Vicomte de Letorières), Viktor Shapovalov (Barone Douphol), Aleksei Svetov (Marchese d’Obigny), Vladimir Taisaev (Dottore Grenvil), Konstantin Pogrebovskii (Giuseppe), Timofei Suchkov (Ein Diener Floras) und Arsenii Atlantov (Ein Dienstmann) steht ein solides, geschlossenes Ensemble eines bislang in unseren Breiten weniger bekannten Opernhauses aus Perm auf dem Podium der Elbphilharmonie Hamburg.

Elbphilharmonie Hamburg / La Traviata konzertant mit musicAeterna of Perm © Claudia Höhne

Elbphilharmonie Hamburg / La Traviata konzertant mit musicAeterna of Perm © Claudia Höhne

Das Publikum feiert alle Musiker mit frenetischem Beifall, Bravostürmen und Standing Ovations. Man darf gespannt sein auf die weiteren Auftritte an diesem magischen Ort der Freien und Hansestadt Hamburg.

musicAeterna of Perm Opera spielt erneut am 26.10.2018 in der Elbphilharmonie Hamburg: Tristia, eine Choroper von Philippe Hersant  –  AUSVERKAUFT

—| IOCO Kritik Elbphilharmonie Hamburg |—

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