Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Peter Grimes – Benjamin Britten, IOCO Kritik, 08.11.2019

November 7, 2019 by  
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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

PETER GRIMES  – Benjamin Britten

–  Scheitert aus Mangel an Beziehungsfähigkeit, übersteigerten Ansprüchen –

 
von Uschi Reifenberg

Gedenkmuschel an Benjamin Britten in Aldebrough © IOCO

Riesige Gedenkmuschel an Benjamin Britten am Strand von  Aldebrough © IOCO

Das Meer ist allgegenwärtig in dem kleinen Fischerdorf an der Ostküste Englands, es beherrscht in seiner Vielgestaltigkeit die Existenz der Dorfbewohner und durchdringt sämtliche Lebensbereiche. Es ist die zentrale Elementargewalt, der sich die Menschen in dem rauen Küstengebiet nicht entziehen können. Es schafft Begrenzung, ist Tor zur Freiheit oder  letzter Zufluchtsort.
In Benjamin Brittens Oper Peter Grimes fungiert das Meer als eigentlicher Hauptträger der Handlung und wird zur Projektionsfläche der Protagonisten, zum Symbol für die Abgründe und Stürme der menschlichen Seele. In seiner Unberechenbarkeit und Bedrohlichkeit spiegelt es aber vor allem das aufbrausende Naturell des unglücklichen Titelhelden Peter Grimes.

„Die meiste Zeit meines Lebens verbrachte ich in engem Kontakt mit dem Meer. (…) Als ich Peter Grimes schrieb, ging es mir darum, meinem Wissen um den ewigen Kampf der Männer und Frauen, die ihr Leben, ihren Lebensunterhalt dem Meer abtrotzten, Ausdruck zu verleihen.“   (B. Britten 1945).

Peter Grimes – Benjamin Britten
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Britten wurde 1913 am Meer, in Lowestoft, Suffolk, geboren, und verbrachte bis zu seinem Tod 1976 fast sein ganzes Leben an der Ostküste Englands. Mit acht Jahren begann er bereits zu komponieren, 1933 beendete er sein Studium und mit 24 Jahren konnte er eine beachtliche Zahl an Kompositionen, vor allem im Bereich der Sinfonik, aufweisen. Auch als Dirigent Pianist und vor allem als Liedbegleiter erlangte er Weltruhm. 1937 begegnete Britten dem Tenor Peter Pears, mit dem ihn eine lebenslange Partnerschaft und eine ebenso lange fruchtbare künstlerische Zusammenarbeit verband. Kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges verließ der erklärte Pazifist zusammen mit Pears die Insel und übersiedelte in die USA, wo er auch die Versdichtung The Borough (Die Gemeinde, 1810) von George Crabbe kennenlernte.

Dessen Erzählungen über ein kleines Fischerdorf in Suffolk weckten Brittens Sehnsucht nach der Heimat und so kehrte er 1942, mitten im Krieg, zurück nach England, wo er 1944 mit der Komposition seiner Oper begann. 1945 in London uraufgeführt, wurde Peter Grimes zu einem Welterfolg und hob Britten quasi über Nacht in den Rang eines englischen Nationalkomponisten, fast 300 Jahre nach Henry Purcell.

In Crabbes Erzählung Peter Grimes, ist dieser ein gewalttätiger Sonderling, der sich nicht in die Gesellschaft integrieren kann und will. Er ist für den Tod von drei Lehrjungen verantwortlich und wird deshalb von der Dorfgemeinschaft verfolgt und ausgegrenzt.

Nationaltheater Mannheim / Peter Grimes - hier :  Roy Cornelius Smith als Peter Grimes , Chor des NTM © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Peter Grimes – hier : Roy Cornelius Smith als Peter Grimes , Chor des NTM © Hans Jörg Michel

Britten und sein Librettist, Montagu Slater, erklärten 130 Jahre später den Konflikt der Titelfigur allerdings nicht aus dessen zweifelhaftem Charakter, sondern aus der Konfrontation des Einzelnen mit dem Kollektiv, ein Thema, das in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg eine besondere Aktualität erhielt. Slater und Britten machten aus Peter Grimes eine ambivalente Figur, dessen tragisches Scheitern aus dem Mangel an Beziehungsfähigkeit, übersteigerten Ansprüchen und unterdrückter Triebhaftigkeit resultiert. Der Titelheld weist damit in einem Aspekt Parallelen zu Benjamin Brittens eigener Biografie auf, der als homosexueller Künstler in England Mitte des letzten Jahrhunderts selbst auch ein Außenseiter blieb. Eindeutig thematisiert wird diese Problematik in Brittens Werk allerdings nicht.

Als Erneuerer der englischen Oper im 20. Jahrhundert wurde Britten zwar hochgeschätzt,
spürte aber, da seine Lebensführung nicht dem gängigen Gesellschaftsbild entsprach, die latenten Ressentiments und reagierte mit Schuldgefühlen und Rechtfertigungsdruck. Diese Problematik verarbeitete er in seinen späteren Opern Billy Budd oder Tod in Venedig.

Bei Britten ist der Fischer Peter Grimes ein Einsamer, ein Zerrissener, der nach seinen eigenen Maßstäben lebt und sich durch sein cholerisches und unangepasstes Wesen immer mehr ins soziale Abseits manövriert. Er ist von fanatischem Arbeitseifer besessen und hofft auf Wohlstand und Ansehen. Er beschäftigt einen Lehrjungen aus dem Waisenhaus, der beim gemeinsamen Fischen auf hoher See stirbt. In einem Gerichtsverfahren muss sich Peter Grimes für dessen Tod verantworten, aber da ihm keine Schuld nachgewiesen werden kann, wird er freigesprochen. Die Dorfbewohner halten ihn jedoch für schuldig und verfolgen ihn mit Argwohn. Der alte Kapitän Balstrode und die Lehrerin Ellen Orford, die ihn für unschuldig hält und von einer gemeinsamen Zukunft mit ihm träumt, stehen ihm bei. Als Ellen aber bei einem zweiten Lehrjungen Verletzungen findet, stößt Peter Grimes sie von sich. Der aufgestaute Hass der Gemeinde richtet sich immer offensiver gegen ihn und Grimes verfällt in einen psychischen Ausnahmezustand mit Wahnvorstellungen. Als er vor der aufgebrachten Meute flieht, kommt auch sein zweiter Lehrjunge zu Tode. In seiner Ausweglosigkeit nimmt er den Rat von Balstrode an und versenkt sich selbst mit seinem Boot im Meer. Die Dorfgemeinschaft geht ungerührt ihren eintönigen Alltagsgeschäften nach, als wenn nichts geschehen wäre.

Bei Peter Grimes handelt es sich um eine zeitlose Parabel im Spannungsfeld von Recht und Unrecht, Schuld und Unschuld, Gut und Böse. Britten stellt das Schicksal des Außenseiters zur Diskussion, ist Peter Grimes ein schlechter Mensch oder wird er durch die Gesellschaft dazu gemacht. Eindeutige Aussagen werden nicht getroffen, Vieles bleibt im Dunkeln.

Nationaltheater Mannheim / Peter Grimes - hier :  oy Cornelius Smith, Marcel Brunner, Ji Yoon, Natalija Cantrak, Ilya Lapich © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Peter Grimes – hier : oy Cornelius Smith, Marcel Brunner, Ji Yoon, Natalija Cantrak, Ilya Lapich © Hans Jörg Michel

Brittens Musikstil ist geprägt von Komponisten wie Henry Purcell, Gustav Mahler, Igor Strawinsky und Dimitri Schostakowitsch. Der Verismo findet seinen Niederschlag in Brittens großem Erstlingswerk genauso wie traditionelle Elemente aus der englischen Volksmusik. Er hielt an einer erweiterten tonalen Tonsprache fest, auch wenn er von Avantgardisten seiner Zeit dafür kritisiert wurde. Peter Grimes ist zwar „durchkomponiert“, hat aber formal geschlossene Abschnitte wie Ensembles, ariose Teile und dramaturgisch bedeutende Orchesterzwischenspiele,die „Interludes“. Die zweite große Hauptrolle übernimmt der Chor.

Regisseur Markus Dietz und Bühnenbildnerin Ines Nadler haben ein beklemmendes abstraktes Einheitsbühnenbild geschaffen, das in seiner Reduktion die Trostlosigkeit und Düsternis der Handlung und der Naturgewalten widerspiegelt. Grautöne in verschiedenen Abstufungen bis hin zur totalen Finsternis sind vorherrschend. Eine bewegliche Zwischendecke mit variablen weißen Neonlichtern, die scharfe Kontraste setzen (Lichtregie: Florian Arnholdt), beherrscht den Bühnenraum, weitet oder verengt die Szene und passt sich den Seelenzuständen der Personen an. Karge, vereinzelte Requisiten wie Fangkörbe, Tische und Stühle oder ein hell strahlendes Kreuz, verdeutlichen Küste, Kneipe oder sakralen Raum. Wenn die Gemeinde sich zum Trinken trifft, sorgt eine einsame bunte Lichterkette vor dunklem Hintergrund für Feierstimmung.

Ab dem 2. Akt bedeckt Wasser den Bühnenboden knöcheltief, so dass sich alle Personen mit Gummistiefeln fortbewegen. Eine perfekte Metapher für die immer weiter zunehmende klaustrophobische Ausweglosigkeit der Situation. Die Dorfbewohner tragen unscheinbare Alltagskleidung (Kostüme: Henrike Bromber), lediglich die Kneipenwirtin Auntie und ihre beiden Nichten stechen aus der Masse hervor mit modischen bunten und aufreizenden Outfits.

Markus Dietz‘ differenzierte Personenführung zeigt das Kollektiv der Gemeinde in seiner bigotten, moralinsauren Kleinbürgerlichkeit als homogene Masse, aus der einzelne scharf gezeichnete Individualisten hervorstechen, die Funktionsträger der Gemeinschaft. Überwältigend, wenn der Chor eine geschlossene Phalanx an der Rampe bildet und seine Wut in den Zuschauerraum schleudert. Mit großer Sensibilität gelingt dem Regisseur die psychologische Feinzeichnung der Beziehung zwischen Balstrode, Ellen und Peter Grimes, die eine Insel der Mitmenschlichkeit in einer feindseligen Welt darstellt.

Die Gerichtsverhandlung zu Beginn wird vor dem „eisernen Vorhang“ abgehalten auf einem schmalen Raum vor dem Orchestergraben unter Einbeziehung der Seitenlogen. Die Gemeinde, das sind die Fischer und ihre Frauen, unterhalten sich laut. Plötzlich sieht man eine Videoeinspielung, die ein Kind zeigt, das mit dem Kopf nach unten im Wasser treibt. Das Bild kommt näher, das Kind wird gedreht, es ist tot. Die Verhandlung beginnt, Peter Grimes steht auf einem Stuhl und verteidigt sich, die Menge urteilt gegen ihn, der Richter plädiert aber auf Freispruch. Ellen Orford, die verwitwete Lehrerin des Dorfes, einzige Lichtgestalt im strahlend weißen Kleid, erscheint selbst wie die personifizierte Unschuld. Für einen kurzen Moment, in einem ergreifenden a capella Duett zwischen Ellen und Peter Grimes, scheint das Glück für beide greifbar, aber wieder schiebt sich das Bild des toten Kindes dazwischen. Es entfernt sich, und im Wasser treiben nun mehrere tote Kinder. Die Traumatisierung des psychischen Borderliners Peter Grimes wird evident, man ahnt, dass die schrecklichen Bilder ihn nicht mehr Ioslassen werden. Das harte Leben der Fischer, die ihre Fangkörben stapeln um sich vor der Sturmflut zu schützen, wird durch das Agieren auf schmalem Raum beklemmend dargestellt, ebenso die drückende Enge im Dorfpub, in dem die Bewohner dicht an dicht gedrängt sind und Tanz, Gesang und Alkohol die traurige Realität verdrängen sollen. Auch hier kann sich Peter Grimes nicht integrieren, und wird verspottet. Ein weiterer Junge aus dem Waisenhaus wird für ihn gebracht, aber Ellen kann ihn nicht mehr beschützen.

Nationaltheater Mannheim / Peter Grimes - hier :  Marie-Belle Sandis, Ilya L­­­­apich © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Peter Grimes – hier : Marie-Belle Sandis, Ilya L­­­­apich © Hans Jörg Michel

Zu Beginn des 2. Akt sieht man wieder eine riesige Videoeinspielung, diesmal mit fröhlich lachenden Jungen und Mädchen. Im Hintergrund betet die Gemeinde in der Kirche, von der Decke hängt ein großes Kreuz in leuchtendem weiß. Als die Gemeinde auseinandergeht, fallen Vorhänge herab und geben den Blick frei auf ein mit roter Farbe geschriebenes Wort: Murderer! Eine suggestive Szene mit thrillerartiger Schockwirkung. Nun beginnt die Hetzjagd auf den Ausgegrenzten, Fackeln werden an die Meute verteilt, die in der Nacht eine gespenstische Wirkung entfalten.

Nach dem unglücklichen Tod des zweiten Jungen verfällt Peter Grimes dem Wahnsinn, auf einem harten Tisch liegend, fährt er auf der Zwischenebene nach oben, nicht mehr erreichbar für Ellen, die zusammenbricht. Man wird Zeuge einer fast unerträglichen Steigerung menschlichen Elends. Eine Tragödie von antikem Ausmaß. Balstrodes Rat, sich auf dem Meer zu versenken, ist für Peter Grimes die logische Konsequenz. Das Dorf nimmt den Selbstmord ungerührt zur Kenntnis.

Roy Cornelius Smith ist die Inkarnation des Fischers Peter Grimes. Stimme, Darstellung und Gestaltung verschmelzen bei ihm zu einer perfekten Einheit. Mit seiner bis an die Grenzen gehenden Expressivität gelingt ihm ein faszinierendes Psychogramm der gequälten Seele, die er aufs Sensibelste auslotet. Heldentenorale Durchschlagskraft, lyrische Innigkeit und und eine variable dynamische Bandbreite stehen ihm ebenso zur Verfügung wie eine feinsinnig aus dem Wort entwickelte Tongebung.

Astrid Kessler gestaltet die empathische und aufrichtige Ellen Orford mit luzider Ausstrahlung und seelenvoller Hingabe. Mit großer Leuchtkraft und perfekt austarierter Piano Kultur erzeugt sie Spannungen von besonderer Qualität und findet Schattierungen von anrührender Zartheit und sehnsüchtiger Melancholie.

Das moralische Gewissen der Gemeinde, Captain Balstrode, der klug zwischen den Fronten vermittelt, wird von Thomas Berau mit großer Intensität und Charisma verkörpert. Seinen kraftvollen, tragfähigen Bariton setzt er mit Wärme in allen Lagen ein und beeindruckt auch mit vorbildlicher Diktion.

Sung Ha singt den Swallow souverän mit balsamischen Basstiefen, Raphael Wittmer als Bob Boles setzt mit kräftigem Tenor komödiantische Akzente. Ilya Lapich gestaltet den Ned Keene mit baritonalem Wohllaut und Rita Kapfhammer als Auntie strahlt mit leuchtenden Sopranhöhen. Reverend Adams singt Uwe Eikötter mit charaktertenoralem Glanz, Marie-Belle Sandis verleiht der umtriebigen Mrs Sedley schöne Mezzofarben und Lebendigkeit. Hervorzuheben ist Lavinia Dames von der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf, die als „first Niece“ äußerst kurzfristig eingesprungen war und sich mit Ji Yoon, second Niece, blendend ins Ensemble einfügte. In weiteren stummen Rollen überzeugten Philipp Riehle als Boy John und Intendant Albrecht Puhlmann als Dr. Crabbe.

Der phänomenale Chor des NTM unter der Leitung von Danis Juris bewältigte die immensen Herausforderungen als wuchtigem Gegenspieler von Peter Grimes mühelos. Mit unter die Haut gehender Klanggewalt, rhythmischer Präzision und Textverständlichkeit beeindruckte der Chor auch darstellerisch als heterogenes Kollektiv, das seine Macht genussvoll ausspielt. Eine fantastische Leistung !

Der Engländer Alexander Soddy hat wohl eine besondere Affinität zu Brittens Musik, was an diesem Abend unschwer zu überhören war. Er steuert das Nationaltheater Orchester sicher durch die Klangfluten, mächtig brechen die Tutti-Wogen über den Solisten zusammen, grimmig brausen die Bläser-Stürme. Glitzernde Arpeggien von Harfe, Bratschen und Klarinetten und sehnsüchtige Violinen- Kantilenen lassen die „Dämmerung“, das 1. der „Interludes“, bei Soddy plastisch aufscheinen. Impressionistisch inspirierte Klangflächen, aus dem sich hohe und tiefe Glocken herauslösen, verdichten sich atmosphärisch zur Sonntagstimmung des 2. Interlude. Auch die melodisch und rhythmische Unbewegtheit des Nachtstücks gestaltet Soddy mit feinem Gespür für die kontrastierenden Spannungsabläufe von Brittens Musik.

Viel Beifall und Jubel im ausverkauften Opernhaus nach dieser herausragenden Produktion, die man auf keinen Fall verpassen sollte!

Besuchte Vorstellung: Premiere am 3. November 2019

Peter Grimes am Nationaltheater Mannheim, die weiteren Vorstellungen:  7.11.; 22.11.; 29.11.; 18.12.2019; 5.01.2020 …

—| IOCO Kritik Nationaltheater Mannheim |—

Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Premiere Peter Grimes, 03.11.2019

Oktober 23, 2019 by  
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Nationaltheater Mannheim

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Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Premiere »Peter Grimes« in der Inszenierung von Markus Dietz
Am Sonntag, 3. November um 19 Uhr im Opernhaus

Der Einzelgänger, der keine Chance in der Gemeinschaft und gegen deren Meinungsbildung hat und darum nur der Böse und Schuldige sein kann, ist der Konfliktstoff in Benjamin Brittens Oper »Peter Gries« aus dem Jahr 1945. Markus Dietz inszeniert an der Oper des Nationaltheaters den rauen Fischeralltag des englischen Dorfes und die ständige Bedrohung durch das Meer im so kalten wie imposanten Bühnenbild von Ines Nadler. Die Kostüme gestaltet Henrike Bomber. Premiere ist am Sonntag, 3. November um 19 Uhr im Opernhaus.

Für die Rolle des unglücklichen Fischers Peter Grimes ist der Tenor Roy Cornelius Smith, regelmäßiger Gast an den großen Opernhäusern und bei den internationalen Festivals, ans Nationaltheater zurückgekehrt. Astrid Kessler singt die Lehrerin Ellen Orford, Thomas Berau ist der Kapitän Balstrode. In weiteren Partien singen Rita Kapfhammer (Gast), Natalija Cantrak (Opernstudio), Ji Yoon, Raphael Wittmer, Sung Ha, Marie-Belle Sandis, Uwe Eikötter, Ilya Lapich und Marcel Brunner (Opernstudio).

Generalmusikdirektor Alexander Soddy dirigiert Chor und Orchester des Nationaltheaters.

Eine Einführungssoirée findet am Montag, 28. Oktober 2019 um 18.30 Uhr im Oberen Foyer statt – mit Hintergrundinformationen zu Stück und Inszenierung, einem Einblick in die Probe unter der Leitung von Generalmusikdirektor Alexander Soddy sowie mit Gelegenheit zum Nachgespräch.

Weitere Aufführungstermine sind der 7., 22. und 29. November sowie der 18. Dezember.

Karten sind ab 12 Euro (ermäßigt 9 Euro) erhältlich.

—| Pressemeldung Nationaltheater Mannheim |—

Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Die Frau ohne Schatten – Richard Strauss, IOCO Kritik, 08.10.2019

Oktober 8, 2019 by  
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Nationaltheater Mannheim

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Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

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 DIE FRAU OHNE SCHATTEN  –  Richard Strauss

 – Wahre Humanität findet der Mensch nur  ……  –

von Uschi Reifenberg

Fast auf den Tag genau vor 100 Jahren, am 10. Oktober 1919 wurde Die Frau ohne Schatten  an der Wiener Staatsoper uraufgeführt. Am 8. September 2019 jährte sich der Todestag des Komponisten Richard Strauss zum 70. Mal, eine wichtige Zahl für den Umgang mit den Urheberrechten von Komponisten, denn nach der ablaufenden Schutzfrist von 70 Jahren werden deren Werke dann erstmalig gemeinfrei.

Nun feierte am Nationaltheater Mannheim (NTM) zu Beginn der Spielzeit 2019/20 als eine der größten Wiederaufnahmen das monumentale Werk Die Frau ohne Schatten aus den Federn des genialen Künstlergespanns Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal sein glanzvolles Comeback.

Die schwer zu realisierende Oper geht nicht nur szenisch, sondern vor auch musikalisch an Grenzen des Möglichen, die das exzellente Ensemble des NTM  mit Bravour bewältigte.

Nationaltheater Mannheim / Die Frau ohne Schatten - hier : Catherine Foster als Färberin © Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / Die Frau ohne Schatten – hier : Catherine Foster als Färberin © Hans Joerg Michel

Die Frau ohne Schatten, vierte gemeinsame Oper von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal, wurde 1917, mitten im 1. Weltkrieg vollendet. Sie ist vom Textdichter des Stückes in der „Märchenwelt“ zur „Märchenzeit“ angesiedelt, was auch als Weltflucht oder Gegenentwurf zur schweren und leidvollen Zeit während der Kriegsjahre interpretiert werden könnte. Strauss bezeichnete das Werk als „letzte romantische Oper“ und die Autoren sparten nicht mit bühnenwirksamen Schauplätzen und phantastischem Personal wie Tempeln, Palästen, Hütten, unterirdischen Klüften, Geisterboten, Zauberei, Verwandlung, mythischen Verweisen, Tierwesen, sowie Menschen- und Geistersphäre. Die Oper bietet ein ganzes Füllhorn an Symbolen und Metaphern, enthält aber auch zum Teil verworrene Handlungsstränge und komplizierte Bezüge.

Drei starke Frauen mit unterschiedlichen psychologischen Strukturen stehen im Mittelpunkt des Geschehens; sie gehören verschiedenen Sphären der fernöstlich angehauchten Geschichte an: Die Kaiserin und die Amme, ihre Begleiterin, stammen ursprünglich aus der Geisterwelt, die Frau (Färberin) lebt in der Menschenwelt. Der Schatten ist das Fruchtbarkeitssymbol, den die Kaiserin erlangen möchte, damit ihr Gatte, der Kaiser, nicht versteinern muss. Die frustrierte Färberin hingegen, verheiratet mit dem einfachen Färber Barak, der sich Eheglück und Kinder wünscht, ist mit ihrem Leben unzufrieden und lehnt es ab, Mutter zu werden. Die Amme, Abgesandte des Geisterfürsten Keikobad, Vater der Kaiserin, verkörpert das negative Prinzip, sozusagen „den Geist, der stets verneint“. Sie ist Seelenfängerin und trägt diabolische Züge. Als Begleiterin der Kaiserin hasst sie alles Menschliche und wird – märchengerecht – am Schluss gegen „das Gute“ verlieren. Aber bis dahin steht den beiden Ehepaaren – wie in Mozarts Zauberflöte ein beschwerlicher Prüfungsweg bevor, auf dem Kaiserin und Färberin einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen und in einem schmerzlichen Erkenntnisprozess ihren Egoismus zu überwinden lernen, Verzicht leisten und zu Menschlichkeit, Empathie und Mutterglück finden.

Richard Strauss (1864-1949), „Operntitan“ und bedeutendster deutschsprachiger Musikdramatiker des 20. Jahrhunderts, gilt als Meister orchestraler Klangfarben und der Instrumentation, die in ihrer Einzigartigkeit als Essenz seines Schaffens angesehen werden kann.

Strauss begann seine musikalische Entwicklung zunächst als Komponist Sinfonischer Dichtungen in der Tradition Franz Liszts, folgte dann aber immer mehr der Idee des Gesamtkunstwerks Richard Wagners. In seinen Opern knüpfte er an dessen leitmotivisch geprägten durchkomponieren Kompositionsstil an, erweiterte diesen in kunstvoll polyphoner Verarbeitung und intensivierte die tonmalerische Ausgestaltung der Motive. Er überarbeitete die grundlegende Instrumentationslehre von Hector Berlioz von 1844, entwickelte sie in der Wagner Nachfolge konsequent weiter und führte die klanglichen Möglichkeiten des modernen Sinfonieorchesters im 20. Jahrhundert zu einem absoluten Höhepunkt.

Nationaltheater Mannheim / Die Frau ohne Schatten - hier : Miriam Clark als Kaiserin, KS Thomas Jesatko als Barak, der Färber © Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / Die Frau ohne Schatten – hier : Miriam Clark als Kaiserin, KS Thomas Jesatko als Barak, der Färber © Hans Joerg Michel

Strauss erweiterte die romantische Tonsprache bereits in seinen früheren Werken Salome (1905) und Elektra (1909) und ging bis an die Grenzen der Tonalität, mit einer bis dahin nie gehörten Häufung von Dissonanzen, Clustern, Verfremdungen und exotischen Klangfarben. Viele dieser für die damalige Zeit neuartigen Stilelemente griffen Komponisten wie Schönberg, Berg oder Hindemith auf, die unter anderem als Repräsentanten der atonalen Kompositionsweise in die Musikgeschichte eingingen.

Frau ohne Schatten stellt mit seiner Instrumentation einen Höhepunkt romantischer Ausdruckskunst darstellt. Strauss erweitert dazu die Orchesterbesetzung nicht nur zahlenmäßig, sondern bezieht auch seltene Instrumente wie Glasharmonika, Rute oder mehrere chinesische Gongs ein. Er fordert insgesamt 64 Streicher, 33 Bläser, 2 Harfen, 2 Celestas, ausgedehntes Schlagwerk, darunter Tamtams, Wind- und Donnermaschine, Orgel, sowie ein Bühnenorchester mit zusätzlich 19 Bläsern.

GMD Alexander Soddy und das blendend disponiere Nationaltheater- Orchester ließen keinen Zweifel, dass sie sich in der spezifischen Strauss‘schen Tonsprache wie zu Hause fühlen. Soddy, der die Oper in kompletter Länge dirigierte, erwies sich erneut als Strauss Dirigent par excellence. Er fächerte das Klangfarbenspektrum der komplexen Partitur kaleidoskopartig auf, ließ in den Zwischenspielen die Orchestermassen aufblühen und zauberte magische Momente. Gleichzeitig hielt er den Riesenapparat von Bühne und Orchester immer unter Kontrolle.

Bereits die Eröffnung des 1. Aktes mit den brachialen Schlägen des Keikobad Motivs ging unter die Haut, schwelgerisch gelangen die melodienseligen weit geschwungenen Bögen, ebenso die elektrisierend flirrenden und unruhig flackernden Motive, besonders innig und fein austariert die kammermusikalischen liedhaften Stellen der Barak Szene und der Wächtergesänge am Ende des 1. Aktes. Geriet der 1. Akt spannungsmässig noch nicht vollends überzeugend, bündelte Soddy im 2. und 3. Akt dann die Energien, entzündete pathetische Wucht mit kompromissloser Expressivität und vereinigte in der C-Dur Schluss- Apotheose Solisten und Orchester zum ekstatischen Höhepunkt.

Dass das NTM traditionell einen hervorragenden Ruf in der Wagner– und Strauss- Pflege genießt, konnte man an diesem Abend nicht nur bezüglich der außergewöhnlichen Sängerriege bestätigt sehen. Die fünf sehr anspruchsvollen Hauptrollen waren bis auf eine Ausnahme mit hauseigenen Solisten besetzt; es war beglückend zu erleben, wie sich das hoch motivierte Ensemble, Solisten, Orchester, der fantastische Chor (Danis Juris) und Kinderchor (Anke-Christine Kober) zu großer Homogenität auf hohem Niveau zusammenfand.

Catherine Foster, vielumjubelte Bayreuther Brünnhilde ( 2013-2018), wartete mit einer stimmlich wie darstellerisch grandiosen Charakterstudie auf. Ihre Färberin ist keine am prekären Milieu zerbrechende Frau, die sich gegen ihr kleinbürgerliches Dasein als Ehefrau und Mutter aufbäumt, sondern eine selbstbewusste Persönlichkeit, die sich emanzipieren will und für ihre Ziele kämpft, allerdings um den hohen Preis der Fruchtbarkeit. Foster stattet die zerrissene Figur mit allen Facetten ihres hochdramatischen Soprans aus, findet im Streit mit Barak zu beißendem Spott mit stählerner Tongebung und gleissenden Höhen. Im Zeichen ihrer Wandlung und ihrem Bekenntnis zu Liebe und Mutterglück lässt sie ihren schön timbrierten, weichen Sopran innig und in zartesten Farben strahlen.

Die schillernde Figur der Amme wird von Julia Faylenbogen mit jugendlicher Ausstrahlung und einer beeindruckenden Vielfalt an Gestaltungs- und Klangfarben ausgestattet, die sie mit großer  Souveränität variiert. Die kraftvollen Höhen ihres ausgeglichenen Mezzosopran strahlen mühelos über die Orchesterwogen, ihr tiefes Register leuchtet in satten Farben und trägt problemlos auch an den leisen Stellen. Die vertrackten Intervallsprünge meistert sie mit bestechender Präzision. Faylenbogen zeichnet die dämonischen Züge dieser ambivalenten Figur eher zurückhaltend und beweist hingegen viel Sinn für Sarkasmus, Ironie und Schmeichelei. Hervorragend ist auch ihre differenzierte Textausdeutung.

Hauptfigur ist die Kaiserin, die Frau ohne Schatten, von Miriam Clark  mit glitzernden Koloraturen und mühelosen, jubelnden Spitzentönen und starker Leuchtkraft gesungen wird. Ihre Entwicklung von der noch etwas blutleeren Feen-Erscheinung am Anfang bis zu ihrer Entscheidung zur Mitmenschlichkeit, gestaltet sie zutiefst anrührend. Die verschiedenen Stadien ihrer „Menschwerdung“, der bewusste Verzicht auf ihre Mutterschaft zugunsten des Glücks von Färber und Färberin, die suggestive Traumszene, aber vor allem ihr großer Monolog „Vater, bist Du’s“, in der sie „durch Mitleid wissend“ wird, ist von großer Intensität. Sie verströmt ihren Sopran in weichen Lyrismen und hauchzarten piani. Umso ergreifender wirkt ihre hochexpressive Deklamationsszene, die melodramatische Steigerung, welche sie bis an die Grenzen des Ausdrucks führt und ein umfassende Identifizierung mit ihrer Rolle erreicht.

Nationaltheater Mannheim / Die Frau ohne Schatten - hier : Miriam Clark als Kaiserin, Julia Faylenbogen als Amme © Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / Die Frau ohne Schatten – hier : Miriam Clark als Kaiserin, Julia Faylenbogen als Amme © Hans Joerg Michel

Thomas Jesatko ist als Barak, der Färber eine Idealbesetzung. Sein samtener, immer voll tönender und hell timbrierter Bariton ist prädestiniert für die seelenvollen Kantilenen des einfachen, aber gutherzigen Barak. Vorbildlich auch seine Phrasierungskunst sowie die perfekte  Textverständlichkeit. Der Traum von einem bescheidenen Glück an der Seite einer liebevollen Ehefrau, einer Kinderschar und harter Hände Arbeit wird ihm vorerst nicht erfüllt, was er geduldig erträgt. Jesatko gestaltet die liedhaften Passagen mit berührender Innigkeit und Sensibilität, findet aber auch zu heldenbaritonaler Wucht, wenn er letztendlich die Demütigungen seiner Frau nicht mehr aushält und sich endlich zur Wehr setzt.

Den Kaiser singt Andreas Hermann mit jugendlich- heldischem Tenor, durchweg höhensicher und durchschlagskräftig, zuweilen allerdings mit etwas enger Tongebung. Sein Kaiser ist eher ein Jäger, der sich mit seiner Beute schmückt und sie sich unterwirft, als ein hingebungsvoll liebender Mann. Seine Jagdtrophäe, die Kaiserin, die er als Gazelle gejagt hat, nun aber jede Nacht als Frau in seinen Besitz bringt, erreicht sein Herz nicht, nur seinen verliebten Ehrgeiz. Erst durch das liebende Entsagungsopfer der Kaiserin kann er sein Herz öffnen und erlöst werden.

Die drei Brüder des Färbers sind als Kriegsversehrte gezeichnet und singen und agieren ebenfalls auf hohem Niveau. Ilya Lapich als „der Einäugige“ mit klangschönem Bariton, „der Einarmige“ Marcel Brunner mit profundem Bassbariton und Benedikt Nawrath, „der Bucklige“ mit klarer Tenorstimme. Sie brachten als klanghomogenes Trio viel Lebendigkeit, aber auch soziale Tristesse in den Alltag der Färber.

Joachim Goltz gab mit seinem beeindruckenden heldischen Bariton dem Geisterboten Gewicht und Autorität, Estelle Kruger sang mit leuchtenden Tönen den Hüter der Schwelle des Tempels. Der Erscheinung eines Jünglings gab Juray Holly feinen Tenorglanz, Natalija Cantrak ließ als Stimme des Falken aufhorchen und Susanne Scheffel überzeugte als Stimme von oben. Jost-Jochen Wacker war verhalten präsent in der Rolle des Hugo von Hofmannsthal.

Die Inszenierung von Gregor Horres aus dem Jahr 2007 gewinnt ihre heutige Faszination aus  symbolischer Zeichensprache, Reduktion der Mittel und Abstraktion, komplettiert durch eine raffinierte Lichtregie (Bernard Häusermann), die dem opulenten Werk das nötige Quantum Magie verpasst.

Die Frau ohn Schatten – Making of … hier mit Korrepetitor Elias Corrinth
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Das Bühnenbild von Sandra Meurer (Bühne und Kostüme) symbolisiert mit beweglichem Deckensegment und vielfach einsetzbarer Drehbühne die obere und untere Sphäre, die sich am Ende versöhnlich aufeinander zubewegen. Angesiedelt ist die Oper in ihrer Entstehungszeit, der Textdichter Hugo von Hofmannsthal ist als eingefügte Figur fast die ganze Zeit auf der Bühne anwesend und reagiert schreibend auf den Ablauf des Geschehens. Er ist Doppelgänger von Barak, der hier kein Handwerker ist, sondern eher ein weltfremder Schriftsteller in seinem Elfenbeinturm zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Färberin trägt Züge von Strauss‘ Ehefrau, man sieht sich in „Szenen einer bürgerlichen Ehe“ in eben jene Zeit hineinversetzt.

Das Kaiserpaar mit langen weißen Haaren und Gewändern scheint aus der Mythologie zu stammen, die Amme mit exotischer Frisur und gelbem Kleid ist eher in der Märchenwelt beheimatet Auf märchenhafte Attribute verzichtet der Regisseur weitgehend und betont die      psychoanalytischen Aspekte, denn zeitgleich veröffentlichte Siegmund Freud seine bahnbrechenden Hauptwerke über Psychopathologie und weibliche Hysterie. Faszinierend in Szene gesetzt ist der Traum der Kaiserin mit surrealen Traumsequenzen, Tiersymbolik, perspektivischen Verschiebungen und geheimnisvollen Farbwechseln. Ein überdimensionaler roter Handschuh schiebt sich  im Wechsel mit einem ebenso großen Federhalter von oben in die Szene, ansonsten bestücken ein Bett, eine Tür, Tisch und Schreibpult die karge Bühne.

Die „Frauenthemen“ des Werkes, Fruchtbarkeit, Emanzipation oder Gendergerechtigkeit setzt Horres in einen zeitlosen Kontext. Er gibt Anstöße zu aktuellen Fragen wie Doppelbelastung von Familie und Beruf, Beziehungs -und Ehekrisen, Konsumverhalten, Geburtenraten oder Mutterglück.

Das begeisterte Publikum spendete nach dieser hinreißenden Aufführung frenetischen Beifall und feierte mit Blumen und Jubelrufen die Solisten und alle Beteiligten. 100 Jahre Frau ohne Schatten  – mit Themen ungebrochener Aktualität.

Die Frau ohne Schatten am NTM, die weiteren Vorstellungen 13.10.; 1.11.; 17.11.; 1.12.2019; 12.1.2020

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Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Alexander Soddy – Vertrag bis 2022 verlängert, IOCO Aktuell, September 2019

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Generalmusikdirektor Alexander Soddy  – Vertrag bis 2022 verlängert

Der Vertrag mit Alexander Soddy als Generalmusikdirektor an der Oper des Nationaltheaters Mannheim wurde bis 2022 verlängert.

»Drei gemeinsame Jahre liegen nun vor uns, auf die ich mich sehr freue. Denn die ideale Zusammenarbeit zwischen Alexander Soddy, dem Nationaltheater-Orchester und dem Opernensemble kann somit fortgesetzt werden – das ist auch im Hinblick auf die Pflege des wunderbaren Mannheimer Repertoires großartig. So steht als nächstes die Wiederaufnahme von Die Frau ohne Schatten an und dann die Neuproduktion von Peter Grimes, die Alexander Soddy als nächstes dirigieren wird«, so Albrecht Puhlmann, Intendant der Oper des NTM.

Alexander Soddy: »Nach drei inspirierenden und fruchtbaren Spielzeiten an der Oper des Nationaltheaters und mit dem Nationaltheater-Orchester freue ich mich sehr, dass ich meinen Vertrag in Mannheim verlängern kann. Nach vielen schönen und besonderen Höhepunkten haben wir Pläne für zahlreiche weitere spannende und künstlerisch hochwertige Projekte, die wir zusammen gestalten.«

Nächste Dirigate von Alexander Soddy sind in der Saison 2019/20 neben Die Frau ohne Schatten und Peter Grimes auch die Neuproduktion Tristan und Isolde sowie die Wiederaufnahmen von unter anderem Salome, Der Rosenkavalier und Otello. Im Rahmen der Musikalischen Akademie dirigiert Soddy unter anderem  die 9. Symphonie innerhalb des Bruckner-Zyklus’, Messiaens Turangalîla-Symphonie und Strauss’ Alpensinfonie.

Nationaltheater Mannheim / Generalmusikdirektor Alexander Soddy © Gerard Collett

Nationaltheater Mannheim / Generalmusikdirektor Alexander Soddy © Gerard Collett

Alexander Soddy – Vita

Der britische Dirigent Alexander Soddy (+1982 in Oxforf) ist seit der Spielzeit 2016/17 Generalmusikdirektor des Nationaltheaters Mannheim und leitete dort zuletzt die Neuinszenierungen der Meistersinger von Nürnberg und von Pelléas et Mélisande sowie Vorstellungen von La bohème,Fidelio und Salome. In der Spielzeit 2019/20 widmet er sich unter anderem den Neuproduktionen von Brittens Peter Grimes und Wagners Tristan und Isolde.

Des Weiteren gastiert er regelmäßig an der Bayerischen und der Berliner Staatsoper. In der Saison 2017/18 erfolgten seine Debüts an der Metropolitan Opera (La bohème), der Wiener Staatsoper (Il barbiere di Siviglia), der Semperoper in Dresden (Der Freischütz) und der English National Opera in London (»Midsummer Night’s Dream«). Dazu kamen Gastengagements mit »Madama Butterfly« und La bohème an der Royal Swedish Opera und La Cenerentola an den Opernhäusern in Köln und Frankfurt. Alexander Soddy wurde in Oxford geboren und erhielt seine Ausbildung an der Royal Academy of Music und an der Cambridge University. Nach seinem Abschluss 2004 wurde er Repetitor und Kapellmeister am National Opera Studio in London und erhielt zahlreiche Auszeichnungen.

2010–12 war er Kapellmeister an der Hamburgischen Staatsoper. Zudem gab Alexander Soddy in dieser Zeit mit Mozarts Zauberflöte sein Debüt sowohl an der Bayerischen Staatsoper München als auch an der Staatsoper Berlin. Ab 2012 war er Gastdirigent am Stadttheater Klagenfurt und wurde ab 2013/14 zum Chefdirigenten ernannt. Diese Position behielt er bis zum Ende der Saison 2015/16.

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