Nationaltheater-Orchester Mannheim, Musikalische Akademie – WAGNER / MOZART / STRAUSS, IOCO DVD-Rezension, 02.12.2020

 Nationaltheater-Orchester Mannheim - Musikalische Akademie - ARTHAUS MUSIK -  Bestellnummer 10330975

Nationaltheater-Orchester Mannheim – Musikalische Akademie – ARTHAUS MUSIK – Bestellnummer 10330975

Musikalische Akademie – Nationaltheater-Orchester Mannheim

WAGNER /  MOZART / STRAUSS
ARTHAUS MUSIK – DVD – Bestellnummer: 10330975

von Uschi Reifenberg

Der erste Lockdown im Frühjahr traf die gesamte Branche aller Kulturschaffenden mit unvorbereiteter Härte. Durch die erneute Schließung aller Kulturinstitutionen im November werden Künstler nun endgültig zu den traurigen Verlierern der Pandemie mit unvorhersehbaren Folgen. Auch die Musikalische Akademie des Nationaltheater-Orchester Mannheim musste in dieser Zeit drei ihrer geplanten Akademiekonzerte absagen, der Probenbetrieb wurde komplett eingestellt, was „eine singuläre Situation in 242 Jahre Akademiegeschichte“ darstellt, erklärte Marc Sickel, der geschäftsführende Intendant des Nationaltheater Mannheim.

Keine gemeinsamen Projekte entwickeln zu können, sich nicht zum Proben zu treffen, das „bedeutet den Entzug unserer Arbeitsgrundlage: (… ) es fehlt die direkte Kommunikation mit dem Publikum, mit dem man sich über die Kunst verständigen will“, so Generalmusikdirektor Alexander Soddy.

Alexander Soddy, Dirigent – Nikola Hillebrand, Sopran – Musikalische Akademie

Fritjof von Gagern, 1.Vorsitzender der Musikalischen Akademie ergänzt: „Ein großes, ein künstlerisch wertvolles Projekt war unbedingt erforderlich, um die Qualitäten des Nationaltheater-Orchesters nicht zu gefährden.“ Dies ist in einem beeindruckenden Konzertfilm, der nun als DVD erschienen ist, in höchstem Maße gelungen.

Musikalische Akademie Mannheim © Christian Kleiner

Musikalische Akademie Mannheim © Christian Kleiner

Die Aufnahme erfolgte Im Studio des Rhein-Neckar Fernsehen, es wurde selbstverständlich ein spezielles Hygiene- und Abstandskonzept erarbeitet, welches allen beteiligten Musikern und Beschäftigten im Studio höchste Sicherheit garantierte. Alexander Soddy und das Nationaltheater-Orchester stellten mit Werken der Komponisten Richard Wagner, Wolfgang Amadeus Mozart und Richard Strauss ein exemplarisches Programm zusammen, welches die herausragende Qualität aller Beteiligten eindrucksvoll unter Beweis stellt. „Mit dem Fernsehkonzert wollen wir uns aber vor allem auch bei unserem Publikum bedanken, ohne dessen Unterstützung unsere Akademiekonzerte wahrscheinlich vor dem Aus stünden,“ erklärte Fritjof von Gagern. Er hoffe, (…) neben Klassik-Liebhabern auch neue Publikumsschichten zu erreichen und für klassische Musik begeistern zu können.

Richard Wagner Denkmal in Graupa © IOCO / TThielemann

Richard Wagner Denkmal in Graupa © IOCO / TThielemann

Richard Wagners Siegfried Idyll, seine wohl persönlichste und intimste Komposition, ist aufs engste mit seinem Leben verflochten und gilt als musikalisches Bekenntnis jener glücklichen Zeit, die Wagner mit seiner Familie in seinem Haus in Tribschen am Vierwaldstätter See bei Luzern verbrachte. Wagner hatte das Werk heimlich komponiert, sowohl als Geburtstagsgeschenk für seine Frau Cosima als auch aus Dankbarkeit über die Geburt seines Sohnes Siegfried, der 1869 das Licht der Welt erblickte. Uraufgeführt wurde dieses einsätzige Instrumentalstück am 25. Dezember 1870 als „Ständchen“ in kammermusikalischer Besetzung mit 13 Musikern im Treppenhaus von Wagners Villa unter seiner Leitung.

Aus dem Tribschener Familien Idyll wurde das Siegfried Idyll, das im doppelten Sinn auf seinen Sohn Siegfried, genannt Fidi, verweist wie auf das Musikdrama Siegfried, den 3.Teil des Ring des Nibelungen, an welchem Wagner zeitgleich arbeitete.

„Tribschener Idyll mit Fidi- Vogelgesang und Orange -Sonnenaufgang, als Symphonischer Geburtstagsgruss. Seiner Cosima dargebracht von ihrem Richard“, lautet der vollständige Titel der Handschrift und ist eine sinfonische Dichtung mit Anleihen thematischen Materials aus der Partitur des Siegfried. In Wagners musikalische Liebeserklärung an Cosima fliessen hauptsächlich Motive aus dem 3. Akt des Siegfried ein, in dem die Feier der Liebe von Siegfried und Brünnhildezum alles überragenden Thema wird. Motive aus dem „Waldweben“, ein Wiegenliedchen für den kleinen Siegfried, Vogel-, und beziehungsreiche Hornrufe verwebt Wagner in kontrapunktischer Kunstfertigkeit zu einem verinnerlichten, impressionistisch angehauchten musikalischen Kleinod.

Später erweiterte Wagner die Streicherbesetzung des Siegfried-Idyll und führte diese Fassung für größeres Orchester 1871 in Mannheim auf, organisiert von Emil Heckel, dem Gründer des ersten Wagner.Verbandes weltweit.

Musikalische Akademie - GMD Alexander Soddy © Gerard Collett

Musikalische Akademie – GMD Alexander Soddy © Gerard Collett

GMD Alexander Soddy und seine 13 hervorragend disponierten Musiker lassen in Richard Wagners  Siegfried-Idyll die Klangwelt zwischen Kammermusik und Sinfonik ideal verschmelzen. Mit sattem, dunklem Klang der Streicher beginnt die Einleitung, darüber spinnt die erste Violine mit fast klagendem Tonfall eine lange melodische Linie, die übergeht in das Hauptthema, dem „Reinheits-Motiv“ aus dem Musikdrama Siegfried. Vorherrschend ist hier in weiten Teilen eine elegische, vielleicht etwas zu dunkel timbrierte Farbgebung, die Soddy aber zunehmend aufhellt und damit zu jener Freude und positiven Grundstimmung findet, die Wagner in diesem sinfonischen Naturgemälde zum Ausdruck brachte. Soddy setzt auf Klarheit und kammermusikalische Transparenz. Er gestaltet mit großer Sensibilität feine Linien, welche bis in kleinste Verästelungen der Soloinstrumente wunderbar ausmusiziert werden. Die Farbpalette der einzelnen Instrumente wird differenziert ausgeleuchtet, gekonnt spürt er den Spannungsverläufen der wagnerischen Endlosbögen nach, die sich nach emphatischen Aufschwüngen in erlösender Ruhe entladen. Beglückend präzise und fein artikuliert geraten die Bläsereinsätze, vor allem im zart getupften Wiegenliedchen-Thema in der Oboe, oder den Vogelrufen der Flöte. Piano Passagen in lyrischer Verinnerlichung verdichten sich in lang angelegten Steigerungen zum jubilierenden Höhepunkt wie beim „Liebesbund-Motiv“ eindrucksvoll gelungen. Soddy erweist sich auch in diesem filigranen Werk als vorzüglicher Wagner Dirigent.

Musikalische Akademie des Nationaltheater-Orchester Mannheim

WAGNER /  MOZART / STRAUSS
ARTHAUS MUSIK – DVD – Bestellnummer: 10330975

Mit zwei Konzertarien von Wolfgang Amadeus Mozart „Mia speranza adorata“ und „No,no, che non sei capace“, die Mozart für die „geläufige Gurgel“ von Aloysia Weber komponiert hatte, bietet die junge Sopranistin Nikola Hillebrand eine beeindruckende Kostprobe ihrer virtuosen Gesangskunst. Von 2016 bis 2020 war sie Mitglied im Ensemble des Nationaltheater Mannheim, wo sie u.a. in Partien wie Königin der Nacht, Gilda oder Sophie im Rosenkavalier zu hören war. 2020 wechselte sie an die Dresdner Semperoper.

Nikola Hillebrand © Guido Werner

Nikola Hillebrand © Guido Werner

Nikola Hillebrand ist als Konzertsängerin international unterwegs, 2019 gewann sie den internationalen Wettbewerb Das Lied. Für Nikola Hillebrand „… verbindet sich in Mozarts Konzertarien alles miteinander“, was auch in seinen Opern zu finden ist. „… Dramatik, Lyrik, Koloratur. Es ist ein bisschen wie ein Gemisch aus verschiedenen Partien meines Repertoires- quasi eine Begegnung von Konstanze und Königin der Nacht. Eine Herausforderung, der ich mich nur zu gern stelle!

Dieser Herausforderung wird die anmutige Sängerin mit der starken Bühnenpräsenz in den immens schwierigen Arien fast durchweg gerecht. Ihr absolut höhensicherer lyrischer Sopran verfügt über eine breite Ausdrucksskala und wird in allen Lagen klangschön geführt. Mit viel Sensibilität spürt sie Mozarts Gefühlstiefe nach und weiß jeden Stimmungswechsel glaubhaft zu färben. Ihre Koloraturen perlen brillant und mühelos, Verzierungen geraten intonationssicher und leicht. Ihre Spitzentöne gelingen unforciert, kommen mit großer Leuchtkraft und melodische Bögen werden klug phrasiert. Alexander Soddy und die Musiker des Nationaltheater-Orchester begleiteten die Sopranistin höchst einfühlsam mit perfektem „Mozart-Sound“.

 Richard Strauss - hier :  Büste in Walhalla © IOCO / HGallee

Richard Strauss – hier : Büste in Walhalla © IOCO / HGallee

Richard StraussMetamorphosen für 23 Solostreicher“ ist ein Werk der Verinnerlichung, der Trauer und des Abschieds. Die Katastrophe des 2. Weltkrieges und die damit verbundenen persönlichen Erfahrungen des alternden Tondichters, insbesondere die Verzweiflung über die Zerstörung der von Strauss innig geliebten Kulturstätten wie dem Goethehaus oder der Münchner Oper, fließen in erschütternder Weise in dieses Werk ein.
Strauss notierte: „Am 1.Mai endete die schrecklichste Zeit der Menschheit. 12 Jahre lang regierten Bestialität, Ignoranz und das Analphabetentum unter der Leitung der größten Verbrecher. Gleichzeitig wurden die Früchte der deutschen kulturellen Entwicklung, die sich in 2000 Jahren entwickelten, dem Aussterben ausgeliefert und unersetzliche Gebäude und Kunstwerke durch kriminellen Soldatenpöbel zerstört. (…)“.

Fertiggestellt wurden die „Metamorphosen“ in den letzten Monaten des 2. Weltkriegs, im April 1945 in seiner Villa in Garmisch Partenkirchen, 1946 wurden das Werk in Zürich uraufgeführt. Strauss schreibt: „Der Brand des Münchner Hoftheaters (…), wo mein guter Vater 49 Jahre im Orchester am 1.Horn saß (…), es war die größte Katastrophe, die je in mein Leben eingebrochen ist (…)“.

Es ist sein letztes Orchesterwerk, eine Trauerarbeit, rätselhaft und voller Bezüge, Assoziationen und Verweise. Strauss nimmt Abschied von der alten Welt, der untergegangenen abendländischen Kultur und wohl auch von seinem eigenen Schaffen. Der Titel „Metamorphosen“, Verwandlungen, also das Prinzip stetiger Veränderung, lässt vielfältige Deutungen zu. Das Thema der Verwandlung zieht sich leitmotivartig durch Strauss‘ Opernschaffen, seine damalige Beschäftigung mit Goethes Metamorphosenlehre hatte wohl auch entscheidenden Einfluss auf den Titel des Werkes.

Die 23 mit Hingabe musizierenden Streicher entwickeln unter Alexander Soddys suggestivem Dirigat hohes spieltechnisches Niveau, bestechen mit Synchronität und makelloser Intonation. Soddy bewegt sich gekonnt zwischen kammermusikalischer Intimität und opulentem sinfonischem Streicherklang und breitet über den expansiven Adagio-Satz düstere Schleier der Melancholie. In einem endlosen Lamentoso spüren die ausgezeichneten Streichersolisten durch verschlungene harmonische Pfade den Abgründen von Strauss‘ hochexpressiver Komposition nach.

Der Vielgestaltigkeit der Motive, ihrer Veränderungen und Entwicklungen entspricht eine differenzierte Ausdrucks- und Farbpalette, jede einzelne Stimme trägt zum ideal austarierten und abgerundeten Klangbild bei. Alle zusammen finden sich in kollektiver Verschmelzung der Wehmut vereint. Leise Anklänge der Hoffnung scheinen im bewegteren Mittelteil auf, der Klangstrom wird gebündelt, das motivische Geflecht verdichtet. Mit sinnlich betörenden Streicherwogen führt Soddy in einer groß angelegten vorwärtsdrängenden Steigerung das emphatisch aufspielender Orchester zu einem dramatischen Höhepunkt, um danach bruchlos und mit großer Ruhe wieder den langsamen Anfangsduktus des Adagio aufzunehmen.

Das eigentliche Thema, das immer wieder aufscheint, aber erst am Schluss in seiner Vollständigkeit vom Kontrabass zitiert wird, ist ein Hauptbezugspunkt des Werkes: Beethovens Trauermarschthema aus dem 2. Satz der 3. Sinfonie, der Eroica. Strauss schreibt an dieser Stelle in der Partitur: „IN MEMORIAM“. Mit Beethovens Heldenthema wird hier von Strauss symbolisch die klassisch- romantische Kompositionsweise zu Grabe getragen wie auch ihre Entwicklung bis 1945.

—| IOCO DVD-Rezension |—

Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Premiere DER BARBIER VON SEVILLA, 01.11.2020

Oktober 27, 2020 by  
Filed under Nationaltheater Mannheim, Oper, Premieren, Pressemeldung

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

DER BARBIER VON SEVILLA – Gioacchino Rossini

Premiere am 01.11.2020
WHITE-WALL-OPER

Aufgrund unseres ausgefeilten Sicherheits- und Hygienekonzeptes ist es uns möglich, den Spielbetrieb bis auf Weiteres wie geplant fortzusetzen. Denn wie sagte eine Zuschauerin unlängst: »Man kann sich nirgends sicherer fühlen als im Theater!« Dennoch beobachten wir die Pandemieentwicklungen genau und aktuell mit großer Sorge. Gleichzeitig sind wir aber dank der positiven Resonanz unseres Publikums auch voller Zuversicht und freuen uns, an dieser Stelle auf die Premiere der dritten White-Wall-Oper am Sonntag, den 1. November 2020 hinzuweisen.

Schließlich handelt es sich bei Der Barbier von Sevilla um eine der erfolgreichsten Musikkomödien der Operngeschichte. Nicht zuletzt dank ihres Tempos, ihres subtilen Humors und ihren überraschenden Wendungen ist die Oper bis heute aus dem Repertoire nicht mehr wegzudenken.

Unter der Musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Alexander Soddy erklingt die reduzierte Orchesterfassung von Gerardo Colella. Die von Ernesto Lucas handgezeichneten Illustrationen aus Tuschezeichnung und Aquarell erwecken das bunte Treiben in Sevilla zum Leben. Die junge Regisseurin Maren Schäfer bedient sich in ihrer ersten Regiearbeit für das Nationaltheater Mannheim bei den Charakteren und Typen der italienischen Komödie. Zudem stellt sie Rosina in den Mittelpunkt ihrer Inszenierung, die sich aus ihrer Gefangenschaft befreit und beginnt, ihr eigenes Leben zu leben.

Musikalische Leitung: Alexander Soddy | Nachdirigat: Elias Corrinth | Regie: Maren Schäfer | Illustration: Ernesto Lucas | Animation und Videoproduktion: Eric Guémise | Videotechnik: Carl-John Hoffmann | Bühne: Anna-Sofia Kirsch | Kostüme: Charlotte Werkmeister | Licht: Nicole Berry | Chor: Dani Juris | Choreografische Mitarbeit: Luches Huddleston jr. | Dramaturgie: Deborah Maier

Besetzung: Graf Almaviva: Juraj Hollý | Bartolo, Doktor der Medizin: Bartosz Urbanowicz | Rosina, dessen reiches Mündel: Shachar Lavi | Figaro, Barbier: Ilya Lapich | Basilio, Rosinas | Musiklehrer: Sung Ha | Berta, Bartolos alte Dienerin: Estelle Kruger | Ein Offizier: Hyun-Seok Kim

Mit dem Nationaltheater-Orchester und den Herren des Opernchor

 

—| Pressemeldung Nationaltheater Mannheim |—

Nationaltheater-Orchester Mannheim – Turangalila-Symphonie von Olivier Messiaen, IOCO CD-Rezension, 20.10.2020

OEHMS Classics OC 472 / Turangalia-Sinfonie gespielt vom Nationaltheater-Orchester Mannheim © OEHMS Classics

OEHMS Classics OC 472 / Turangalia-Sinfonie mit dem Nationaltheater-Orchester Mannheim © OEHMS Classics

Nationaltheater-Orchester Mannheim  –  Turangalila-Symphonie – Olivier Messiaen

 CD  OehmsClassics OC 472

 von Uschi Reifenberg

Der französische Komponist Olivier Messiaen, 1908 Avignon – 1992 Clichy ebi Paris, Frankreich, war eine der faszinierendsten und schillerndsten Musikerpersönlichkeiten des 20.Jahrhunderts und hat zweifellos die Neue Musik nach 1945 ganz entscheidend mitgeprägt. Er war nicht nur Orgelvirtuose, musiktheoretischer Erneuerer, Klangfarbenmystiker, Synästhet und ein begnadeter Kompositionslehrer. Messiaen widmete sich auch mit Passion dem Studium der Natur und der Vögel, deren unterschiedliche Gesänge er detailliert analysierte, aufschrieb und in seine Kompositionen integrierte. Seine Inspiration bezog er unter anderem aus fernöstlichen Kulturen, indischen Rhythmen, dem Studium der Sterne und vor allem aus seinem tief im Katholizismus verwurzelten Glauben: „Es ist unbestreitbar, dass ich in den Wahrheiten des katholischen Glaubens diese Verführung durch das Wunderbare hundertfach, tausendfach multipliziert wiedergefunden habe, und es handelte sich nicht mehr um eine theatralische Fiktion, sondern um etwas Wahres“, so Messiaen.

In seiner Turangalîla-Sinfonie, eine der monumentalsten und anspruchsvollsten Tonschöpfungen der europäischen Nachkriegszeit, sind diese vielgestaltigen und zum Teil widersprüchlichen Themen in einzigartiger Weise verarbeitet. Sie bildet in ihrer Komplexität, den 10 Sätzen und den rund 80 Minuten Spieldauer nicht nur für die ca 100 ausführenden Musiker, sondern auch für die Zuhörer eine ganz besondere Herausforderung.

Die Musikalische Akademie des Nationaltheater Orchesters Mannheim unter der Leitung von GMD Alexander Soddy hat nun mit einer CD Live Einspielung der Turangalîla-Sinfonie vom November 2019 im Mannheimer Rosengarten, in der Vor- Coronazeit, als die Konzert- und Opernwelt noch weitestgehend in Ordnung war, für Oehms-Classics diese Herausforderung mit Bravour bestanden und eine eindrucksvolle Interpretation geliefert.

Nationaltheater-Orchester Mannheim hier mit Alexander Soddy © Christian Kleiner

Nationaltheater-Orchester Mannheim hier mit Alexander Soddy © Christian Kleiner

In diesem 2. Akademiekonzert stand ein Herzensprojekt von GMD Alexander Soddy auf dem Programm – die Turangalîla-Symphonie von Messiaen. Über hundert Musiker bringen das monumentale Werk zur Aufführung; Teil dieser großen Besetzung sind unter anderem elf Schlagwerker, ein Flügel und Ondes Martenot.

Das Wort Turangalîla stammt aus dem Sanskrit und umfasst zwei Begriffe, deren weit gefächerte Bedeutungsebenen auf die vielfältige Ausdruckswelt des Werkes verweisen. Turanga bezeichnet die verrinnende Zeit, die davoneilt, sie ist Rhythmus und gleichzeitig Bewegung. Lîla bedeutet Spiel, sowohl das Spiel der Schöpfung als auch der Zerstörung, das Eingreifen der göttlichen Macht in das kosmische Geschehen. Lîla bedeutet aber auch die Liebe in ihrer leidenschaftlichen, sinnlichen und geistigen Ausprägung. „… Turangalîla schließt somit gleichzeitig die Bedeutungen Liebesgesang, Freudenhymne, Zeit, Bewegung, Rhythmus, Leben und Tod ein“, so  Messiaen.

Diese allumfassende Liebe ist Teil von Messiaens persönlicher Auseinandersetzung mit dem Tristan Mythos, jenem mittelalterlichen Epos über die grenzensprengende Liebe von Tristan und Isolde, der nicht nur Richard Wagner in seinem Musikdrama ein Denkmal setzte. Die Turangalîla-Sinfonie bildet das Mittelstück von Messiaens Tristan-Trilogie und thematisiert in ihrer Satzfolge die Entwicklung der Liebeszustände vom zarten Liebeslied über die kontemplative Seelenruhe im Liebesgarten bis hin zum ekstatisch-dionysischen Freudentaumel des Finalsatzes.

Messiaen komponierte seine einzige Sinfonie kurz nach Ende des 2. Weltkriegs in den Jahren 1946 bis 1948, und setzte nach den eigenen Erfahrungen als Kriegsgefangener in seiner Komposition mit der Verherrlichung der Liebe und der Freude einen Kontrapunkt zum Leid des Krieges: „Die Turangalila-Sinfonie ist eine Hymne an die Freude, […] jene Freude, wie sie nur der ermessen kann, dem in tiefem Elend Ahnung von ihr zuteil geworden ist“, Messiaen.

Als Auftragswerk des Dirigenten Sergej Koussevitzky für das Boston Symphonie Orchestra wurde die Turangalîla-Sinfonie 1949 von Leonard Bernstein uraufgeführt und gilt mittlerweile als einer der populärsten Klassiker der Sinfonik in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts.

Generalmusikdirektor Alexander Soddy © Christian Kleiner

Generalmusikdirektor Alexander Soddy © Christian Kleiner

So exotisch, monumental und ausgefallen wie die inhaltliche Ausrichtung, ist auch die Orchesterbesetzung, die Messiaen vorschreibt. Der Streichersatz ist auf 70 Streichinstrumente erweitert, die teilweise solistisch aufgeteilt sind, dazu kommt ausgedehntes opulentes Schlagwerk, das allein 10 Spieler fordert. Hinzugefügt ist ein kleines Gamelan Ensemble, das mit Celesta, Glockenspiel und Vibraphon nach indonesischem Vorbild besetzt ist.

Dem Soloklavier kommt eine zentrale Bedeutung zu. Der Klavierpart ist extrem virtuos, oft perkussiv eingesetzt und erinnert mit seinen ausgedehnten und schwierigen Kadenzen an ein Klavierkonzert, es übernimmt aber auch die für Messiaen stets bedeutsamen Vogelstimmen. Als besonderes Highlight kann man die selten zu hörenden Ondes Martenot (musikalische Wellen) erleben, ein früher Vorläufer des Synthesizer. Dieses in den 1920-er Jahren entwickelte und von Messiaen sehr geschätzte einstimmige elektronische Musikinstrument erzeugt irisierende, sphärische Klänge, Glissando und Vibrato.

Alexander Soddy,dem Nationaltheater-Orchester Mannheim,sowie den Solisten Tamara Stefanovich am Klavier und Thomas Bloch an den Ondes Martenot gelingt es in beeindruckender Weise, das ganze Klanguniversum der Messiaenschen Partitur zutage zu fördern mit ihrer Polystilistik, den übereinander gelagerten Rhythmen, dem Klangfarbenrausch und der sinnlich-süßlichen Melodienseligkeit. Das Spannungsverhältnis von „Zartheit und Heftigkeit, Liebe und Ungestüm“ (Messiaen), sowie Transparenz und Wucht der Klangmassen werden von Alexander Soddy – vor allem im Aufbau der großen Architektur – detailliert ausgelotet und perfekt ausbalanciert.

Das Ondes Martenot - hier Thomas Bloch am Ondes Martenot © Musikalische Akademie

Das Ondes Martenot – hier Thomas Bloch am Ondes Martenot © Musikalische Akademie

Der Zuhörer wird in eine Klangwelt hineingezogen, welche „die Begrenzungen der Zeit und ihre Allgegenwart spürbar“werden lassen will, in der die gewohnten Ordnungsprinzipien außer Kraft gesetzt sind und wo „übernatürliche Mysterien“ neue Erfahrungshorizonte erschließen. Da werden Klangblöcke aufeinander geschichtet und Strukturen gemeißelt, vertrackte Rhythmen in aberwitzigen Tempi gegeneinander gestellt, Schmerz und Tod werden durch unerbittliche Tam-Tam Schläge zur tragischen Gewissheit. In impressionistisch grundierte Klangflächen tröpfeln kristalline, zarte Klavierfiguren. Die Ondes Martenot mit ihren oszillierenden Effekten fügen dem Gesamtklang eine exotische Qualität hinzu, die betörende und zugleich verstörende Wirkung hat. Immer wieder hört man Vogelstimmen oder jazzige Themen, die an Gershwin erinnern. Derbe Tanzrhythmen peitschen in furioser Manier dazwischen, Stillstand und Versunkenheit wechseln sich ab mit einem dionysisch-stampfenden Gestus à la Sacre du printemps von Strawinsky. Ein Spiel der Farben und Formen in grellen Wechseln und überraschenden Wendungen, von Soddy und den hervorragenden Solisten und Musiker*innen des Nationaltheater Orchesters glänzend zum Ausdruck gebracht.

Aber auch traditionelle Formaspekte sind konstituierender Bestandteil dieser Komposition wie beispielsweise vier Leitmotive, die das ganze Werk durchziehen. Gleich in der Einleitung (Introduction) werden zwei Themen vorgestellt, zuerst das mächtige „Statuen-Thema“, hier von Posaunen und Tuba mit eherner Wucht in den Raum gestellt, dann das Blumenthema, von den Klarinetten sensibel und anmutig kontrastiert. Das Klavier besticht mit einer hochvirtuosen Kadenz, die Schlaginstrumente des Gamelan Ensembles sorgen für exotische Klangfarben. Später hinzu kommen das choralartige „Liebesthema“ und das in vielfachen und harmonisch wechselnden Schattierungen erscheinende „Akkordthema“.

Wunderbar atmosphärisch gelingen vor allem auch die ruhigen Passagen in den „Liebesgesängen“ l und ll („Chant d‘amour l und ll“), mit zart nuancierten Englischhorn- und Oboenphrasen und samtweichen Streicherteppichen. Man wird in den geheimnisvoll – romantischen „Garten der Liebe“ (Jardin du sommeil d‘amour,) geführt, in dem die Liebenden in die überirdisch schönen Gesänge der Ondes Martenot eintauchen, und umgeben von Vogelstimmen weltentrückt im Dämmerschlaf verweilen, „…wecken wir sie nicht“, so Olivier Messiaen.

—| IOCO CD-Rezension |—

Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Musikalische Akademie – 2020/21, IOCO Aktuell, 16.05.2020

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

MUSIKALISCHE AKADEMIE  –  Nationaltheater Orchester Mannheim

 Spielzeit  2020/21  –  Flexibilität – in diesen Zeiten besonders gefordert

von Uschi Reifenberg

Das wissen auch Fritjof von Gagern, Präsident der Musikalischen Akademie und 1.Solocellist des Mannheimer Nationaltheater Orchesters in Personalunion und Generalmusikdirektor Alexander Soddy, die nun das aktuelle Programm der  242. Saison der  Musikalischen Akademie, welche 1778 gegründet wurde, vorgestellt haben.

Die Unsicherheit in der derzeitigen Krise zwingt die Künstler in eine besondere Situation und nötigt ihnen aus ihrer Planungswerkstatt verschiedene Lösungsmöglichkeiten ab. Der fehlende Austausch mit dem Publikum und der derzeitige Verlust des gemeinschaftlichen Erlebens von Musik verstärkt die Sehnsucht nach künstlerischer Normalität und beflügelt die Hoffnung auf eine bessere Zeit nach dem Ausnahmezustand.

„Wir arbeiten mit verschiedenen Szenarien – einem Plan A, so wie die Saison eigentlich gedacht ist, und einem Plan B, C und D, in welchen wir alternative Veranstaltungsformate durchspielen“, so von Gagern. „Die letzten abgesagten Konzerte (…) sind ein unfassbarer künstlerischer Verlust.  Gerade deshalb benötigen wir aus der Stille der Krise die Perspektive (…). Wir sehen es als unsere Aufgabe, Konzerte zu ermöglichen und durch die Musik Halt und Zuversicht gerade in diesen Zeiten zu geben“.

Der thematische Schwerpunkt der kommenden Programmgestaltung 2020/21 liegt in der Entwicklung romantischer und spätromantischer Kompositionen des 19. Jahrhunderts hin zur Auflösung konventioneller musikalischer Strukturen im 20. Jahrhundert, der atonalen Musik der  Moderne, sowie deren Repräsentanten der 2. Wiener Schule.

Geplant sind acht Doppelkonzerte, die einen weiten Bogen von Joseph Haydn bis Enrico Chapelá  spannen und wie immer im Mozartsaal des Rosengarten stattfinden werden. Ergänzt werden die Konzerte  durch das Konzertformat der Kammerakademie im Opernhaus des Nationaltheaters, das alljährlich besondere Akzente setzt und diesmal ein spannendes Bläserprogramm verspricht.

Wie in jedem Jahr sind auch in der Saison 20/21 wieder hochkarätige Solisten bei der Musikalischen Akademie zu Gast.

NTM Nationaltheater Mannheim / Bühne und Besucherraum für kommende Konzerte der Musikalischen Akademie © Christian Kleiner

NTM Nationaltheater Mannheim / Bühne und Besucherraum für kommende Konzerte der Musikalischen Akademie © Christian Kleiner

GMD Alexander Soddy wird allein vier der acht Doppelkonzerte dirigieren.   Den Auftakt macht GMD Alexander Soddy im ersten Akademiekonzert am 19./20. Oktober 2020, mit einem breit gefächerten und kontrastreichen amerikanisch- russisch- englischen Programm. John Adams Orchesterstück „Short Ride in a fast machine“ von 1986, das in atemberaubendem Tempo dahin jagt, wird dem populären 2. Klavierkonzert des russischen Komponisten Sergej Rachmaninow vorangestellt, interpretiert vom russisch-amerikanischen Pianisten Kirill Gerstein. Edward Elgars Sinfonie Nr.1, ein Meilenstein der englischen Sinfonik, dürfte beim Briten Alexander Soddy in den besten Händen liegen.

Im 2. Akademiekonzert am 16. und 17. November, das sich deutschen Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts widmet, steht nach längerer Zeit als Instrument wieder das Horn im Mittelpunkt. Das 2. Hornkonzert von Richard Strauss, das zu den schwierigsten Hornkonzerten überhaupt zählt, wird gespielt von Radek Baborák, dem ehemaligen Solohornisten der Berliner Philharmoniker. Mit Carl Maria von Webers Ouvertüre „Die Beherrscher der Geister“ und der 2. Sinfonie von Robert Schumann taucht das Programm tief in die Epoche der Früh- und Hochromantik ein.

Das 3. Akademiekonzert am 14./15. Dezember unter der Leitung von Ingo Metzmacher, trägt durchweg märchenhafte Züge. Dem besonders zur Weihnachtszeit beliebten Vorspiel aus Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel folgt das Konzert für Viola und Orchester von Paul Hindemith Der Schwanendreher, das auf alten Volksliedern basiert. Als Solist konnte der Solo-Bratschist der Berliner Philharmoniker Amihai Grosz gewonnen werden.

In Alexander Zemlinskys Orchesterstück Die Seejungfrau wird die Geschichte der sich nach der Menschenwelt sehnenden Meerjungfau von Hans Christian Andersen lebendig, Ein reines russisches Programm verspricht das 4. Akademiekonzert am 8./9. Februar 2021, das von der französischen Dirigentin Ariane Matiakh geleitet wird.

Dmitri Schostakowitschs 1. Cellokonzert, das für Mstislaw Rostropowitsch geschrieben wurde, wird hier von der Cellistin Tatjana Tetzlaff gestaltet, flankiert von Michail Glinkas Kamarinskaya, einem bahnbrechenden russischen Orchesterwerk und Sergej Rachmaninows faszinierender   „Toteninsel“, inspiriert von Arnold Böcklins berühmten Gemälde.

Als letzter Programmpunkt setzt Modest Mussorgski mit seinem Meisterwerk Eine Nacht auf dem kahlen Berge einen phänomenalen Schlusspunkt unter die Reihe der russischen  Schauerromantik.

Das 5. Akademiekonzert am 8./9. März 21 bewegt sich im Spannungsfeld des Franzosen Claude Debussy, dem deutschen Komponisten Ludwig van Beethoven und dem Dänen Carl Nielsen.

Geleitet wird das Konzert vom dänischen Dirigenten Michael Schønwandt, der Komponist Hans Abrahamsen, ebenfalls Däne, orchestrierte 2011 Debussys bekannte Klavierminiaturen Childrens Corner, die Debussy seiner geliebten Tochter widmete.

Mit Beethovens 1.Klavierkonzert wird Kit Armstrong zu erleben sein, ein ersehnter Beethoven   Programmpunkt nach dem stark reduzierten Beethoven Jubiläumsjahr 2020.  Michael Schønwandt, dessen besondere Verbundenheit der Musik Carl Nielsen gilt, stellt die Sinfonia espansiva seines Landsmanns nun erstmalig dem Mannheimer Publikum vor.

Nationaltheater Mannheim / Generalmusikdirektor Alexander Soddy © Gerard Collett

Nationaltheater Mannheim / Generalmusikdirektor Alexander Soddy © Gerard Collett

Das 6. Akademiekonzert am 12./13. April 21 steht ganz im Zeichen Anton Bruckners. Mit seiner 5. Sinfonie, der sogenannten „katholischen“ setzt der italienische Dirigent Antonello Manacorda den Mannheimer Bruckner Zyklus fort. Bruckner schuf mit dieser Sinfonie wohl sein persönlichstes Werk, eine Art Glaubensbekenntnis nach einer für ihn schweren Zeit. Vom großen Vorbild Richard Wagner hatte er sich in dieser Sinfonie endlich emanzipiert.

Das 7. Akademiekonzert am 10./11. Mai 21, unter der Leitung von Alexander Soddy, spannt den Bogen von der Frühklassik Joseph Haydns über Gustav Mahler bis zur 2.Wiener Schule  Alban Bergs im 20. Jahrhundert, dessen „3 Stücke aus der Lyrischen Suite“, bearbeitet für Streichorchester, zu hören sein werden. Alle drei Komponisten verbindet der Bezug zur Stadt Wien. Der 1.Solo-Trompeter des Nationaltheater Orchesters Lukas Zeilinger, der ebenfalls aus der Nähe von Wien stammt, wird mit Haydns Trompetenkonzert eines der bedeutendsten Kompositionen für dieses Instrument interpretieren. Eine schöne Tradition der Musikalischen Akademie, Solisten aus „den eigenen Reihen“ in ihren Konzerten vorzustellen.

Gustav Mahlers 1.Sinfonie, reich an Gegensätzen und Bezügen, setzt den spannenden Schlusspunkt in diesem vielfältigen Programm.

Das 8. Akademiekonzert am 22./22. Juni 21, wiederum dirigiert von Alexander Soddy, mit einem kontrastreichem französisch- lateinamerikanischen Programm, bringt ein Wiedersehen mit dem Violinisten August Hadelich, der teilweise in Mannheim aufwuchs und auf allen großen Konzertpodien der Welt zu Hause ist. Er wird mit Édouard Lalos Sinfonie espagnole zu hören sein. Mit Spannung erwartet wird die Uraufführung von Enrico Chapellas genreübergreifender Komposition, einem Auftragswerk für die Musikalische Akademie. Zwei exemplarische Werke des Impressionismus bilden den Rahmen für diesen Abend, Maurice Ravels Alborada del grazioso, aus dem Klavierzyklus Miroirs, der hier als Orchesterwerk erklingt und La mer von Claude Debussy.

Am 6./7. Juni setzen dann die Bläser in der Kammerakademie mit Richard Strauss, Antonin Dvorák und Friedrich Gulda ganz besondere Akzente.  Joseph Bastian dirigiert, Benedict Kloeckner ist der Solist in Guldas Konzert für Violoncello und Blasorchester, einem energiegeladenem Crossover-Stilmix, der unter die Haut geht. Die Bläserserenaden von Strauss und Dvorák sind absolute Meisterwerke ihres Genres und lassen einen Hauch von Mozart‘schem Geist durchs Programm wehen.

Die Musikalische Akademie Mannheim  –  Akademiekonzerte

Mit nunmehr 242 Jahren sind die Akademiekonzerte in Mannheim weltweit eine der traditionsreichsten Konzertreihen weltweit. Gegründet wurde sie 1778 im Geiste der Mannheimer Schule – und damit an der Speerspitze der damaligen Avantgarde – von den Musikern der Kurfürstlichen Hofkapelle, des heutigen Nationaltheater – Orchesters. Es ist bemerkenswert, dass diese Institution auf ihrem Weg zum Traditionsorchester durch die Jahrzehnte und Jahrhunderte immer vom außergewöhnlichen Zuspruch der Mannheimer Bürgerinnen und Bürger getragen wurde und heute wird.

Brahms, Furtwängler, Strauss, Kleiber, Hindemith, Rostropowitsch, Stein, Argerich, Zimmermann – die Liste der ganz großen Namen, die als Dirigenten und Solisten bei den Akademiekonzerten zu Gast waren, ließe sich lang fortsetzen. Den in der Musikalischen Akademie organisierten Musikern des Nationaltheater- Orchesters ist es immer gelungen, einige der interessantesten Musiker* innen ihrer Zeit nach Mannheim zu holen.

Heute ist die künstlerische und finanzielle Eigenständigkeit der Musikalischen Akademie einzigartig in Deutschland. Nach wie vor prägen Authentizität, Vielfalt und Ideenreichtum die Auswahl von Programmen und Gastkünstlern. Jährlich wird ein Kompositionsauftrag vergeben.   (Zitiert aus dem Jahresprogramm).

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