Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Premiere DER BARBIER VON SEVILLA, 01.11.2020

Oktober 27, 2020 by  
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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

DER BARBIER VON SEVILLA – Gioacchino Rossini

Premiere am 01.11.2020
WHITE-WALL-OPER

Aufgrund unseres ausgefeilten Sicherheits- und Hygienekonzeptes ist es uns möglich, den Spielbetrieb bis auf Weiteres wie geplant fortzusetzen. Denn wie sagte eine Zuschauerin unlängst: »Man kann sich nirgends sicherer fühlen als im Theater!« Dennoch beobachten wir die Pandemieentwicklungen genau und aktuell mit großer Sorge. Gleichzeitig sind wir aber dank der positiven Resonanz unseres Publikums auch voller Zuversicht und freuen uns, an dieser Stelle auf die Premiere der dritten White-Wall-Oper am Sonntag, den 1. November 2020 hinzuweisen.

Schließlich handelt es sich bei Der Barbier von Sevilla um eine der erfolgreichsten Musikkomödien der Operngeschichte. Nicht zuletzt dank ihres Tempos, ihres subtilen Humors und ihren überraschenden Wendungen ist die Oper bis heute aus dem Repertoire nicht mehr wegzudenken.

Unter der Musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Alexander Soddy erklingt die reduzierte Orchesterfassung von Gerardo Colella. Die von Ernesto Lucas handgezeichneten Illustrationen aus Tuschezeichnung und Aquarell erwecken das bunte Treiben in Sevilla zum Leben. Die junge Regisseurin Maren Schäfer bedient sich in ihrer ersten Regiearbeit für das Nationaltheater Mannheim bei den Charakteren und Typen der italienischen Komödie. Zudem stellt sie Rosina in den Mittelpunkt ihrer Inszenierung, die sich aus ihrer Gefangenschaft befreit und beginnt, ihr eigenes Leben zu leben.

Musikalische Leitung: Alexander Soddy | Nachdirigat: Elias Corrinth | Regie: Maren Schäfer | Illustration: Ernesto Lucas | Animation und Videoproduktion: Eric Guémise | Videotechnik: Carl-John Hoffmann | Bühne: Anna-Sofia Kirsch | Kostüme: Charlotte Werkmeister | Licht: Nicole Berry | Chor: Dani Juris | Choreografische Mitarbeit: Luches Huddleston jr. | Dramaturgie: Deborah Maier

Besetzung: Graf Almaviva: Juraj Hollý | Bartolo, Doktor der Medizin: Bartosz Urbanowicz | Rosina, dessen reiches Mündel: Shachar Lavi | Figaro, Barbier: Ilya Lapich | Basilio, Rosinas | Musiklehrer: Sung Ha | Berta, Bartolos alte Dienerin: Estelle Kruger | Ein Offizier: Hyun-Seok Kim

Mit dem Nationaltheater-Orchester und den Herren des Opernchor

 

—| Pressemeldung Nationaltheater Mannheim |—

Nationaltheater-Orchester Mannheim – Turangalila-Symphonie von Olivier Messiaen, IOCO CD-Rezension, 20.10.2020

OEHMS Classics OC 472 / Turangalia-Sinfonie gespielt vom Nationaltheater-Orchester Mannheim © OEHMS Classics

OEHMS Classics OC 472 / Turangalia-Sinfonie mit dem Nationaltheater-Orchester Mannheim © OEHMS Classics

Nationaltheater-Orchester Mannheim  –  Turangalila-Symphonie – Olivier Messiaen

 CD  OehmsClassics OC 472

 von Uschi Reifenberg

Der französische Komponist Olivier Messiaen, 1908 Avignon – 1992 Clichy ebi Paris, Frankreich, war eine der faszinierendsten und schillerndsten Musikerpersönlichkeiten des 20.Jahrhunderts und hat zweifellos die Neue Musik nach 1945 ganz entscheidend mitgeprägt. Er war nicht nur Orgelvirtuose, musiktheoretischer Erneuerer, Klangfarbenmystiker, Synästhet und ein begnadeter Kompositionslehrer. Messiaen widmete sich auch mit Passion dem Studium der Natur und der Vögel, deren unterschiedliche Gesänge er detailliert analysierte, aufschrieb und in seine Kompositionen integrierte. Seine Inspiration bezog er unter anderem aus fernöstlichen Kulturen, indischen Rhythmen, dem Studium der Sterne und vor allem aus seinem tief im Katholizismus verwurzelten Glauben: „Es ist unbestreitbar, dass ich in den Wahrheiten des katholischen Glaubens diese Verführung durch das Wunderbare hundertfach, tausendfach multipliziert wiedergefunden habe, und es handelte sich nicht mehr um eine theatralische Fiktion, sondern um etwas Wahres“, so Messiaen.

In seiner Turangalîla-Sinfonie, eine der monumentalsten und anspruchsvollsten Tonschöpfungen der europäischen Nachkriegszeit, sind diese vielgestaltigen und zum Teil widersprüchlichen Themen in einzigartiger Weise verarbeitet. Sie bildet in ihrer Komplexität, den 10 Sätzen und den rund 80 Minuten Spieldauer nicht nur für die ca 100 ausführenden Musiker, sondern auch für die Zuhörer eine ganz besondere Herausforderung.

Die Musikalische Akademie des Nationaltheater Orchesters Mannheim unter der Leitung von GMD Alexander Soddy hat nun mit einer CD Live Einspielung der Turangalîla-Sinfonie vom November 2019 im Mannheimer Rosengarten, in der Vor- Coronazeit, als die Konzert- und Opernwelt noch weitestgehend in Ordnung war, für Oehms-Classics diese Herausforderung mit Bravour bestanden und eine eindrucksvolle Interpretation geliefert.

Nationaltheater-Orchester Mannheim hier mit Alexander Soddy © Christian Kleiner

Nationaltheater-Orchester Mannheim hier mit Alexander Soddy © Christian Kleiner

In diesem 2. Akademiekonzert stand ein Herzensprojekt von GMD Alexander Soddy auf dem Programm – die Turangalîla-Symphonie von Messiaen. Über hundert Musiker bringen das monumentale Werk zur Aufführung; Teil dieser großen Besetzung sind unter anderem elf Schlagwerker, ein Flügel und Ondes Martenot.

Das Wort Turangalîla stammt aus dem Sanskrit und umfasst zwei Begriffe, deren weit gefächerte Bedeutungsebenen auf die vielfältige Ausdruckswelt des Werkes verweisen. Turanga bezeichnet die verrinnende Zeit, die davoneilt, sie ist Rhythmus und gleichzeitig Bewegung. Lîla bedeutet Spiel, sowohl das Spiel der Schöpfung als auch der Zerstörung, das Eingreifen der göttlichen Macht in das kosmische Geschehen. Lîla bedeutet aber auch die Liebe in ihrer leidenschaftlichen, sinnlichen und geistigen Ausprägung. „… Turangalîla schließt somit gleichzeitig die Bedeutungen Liebesgesang, Freudenhymne, Zeit, Bewegung, Rhythmus, Leben und Tod ein“, so  Messiaen.

Diese allumfassende Liebe ist Teil von Messiaens persönlicher Auseinandersetzung mit dem Tristan Mythos, jenem mittelalterlichen Epos über die grenzensprengende Liebe von Tristan und Isolde, der nicht nur Richard Wagner in seinem Musikdrama ein Denkmal setzte. Die Turangalîla-Sinfonie bildet das Mittelstück von Messiaens Tristan-Trilogie und thematisiert in ihrer Satzfolge die Entwicklung der Liebeszustände vom zarten Liebeslied über die kontemplative Seelenruhe im Liebesgarten bis hin zum ekstatisch-dionysischen Freudentaumel des Finalsatzes.

Messiaen komponierte seine einzige Sinfonie kurz nach Ende des 2. Weltkriegs in den Jahren 1946 bis 1948, und setzte nach den eigenen Erfahrungen als Kriegsgefangener in seiner Komposition mit der Verherrlichung der Liebe und der Freude einen Kontrapunkt zum Leid des Krieges: „Die Turangalila-Sinfonie ist eine Hymne an die Freude, […] jene Freude, wie sie nur der ermessen kann, dem in tiefem Elend Ahnung von ihr zuteil geworden ist“, Messiaen.

Als Auftragswerk des Dirigenten Sergej Koussevitzky für das Boston Symphonie Orchestra wurde die Turangalîla-Sinfonie 1949 von Leonard Bernstein uraufgeführt und gilt mittlerweile als einer der populärsten Klassiker der Sinfonik in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts.

Generalmusikdirektor Alexander Soddy © Christian Kleiner

Generalmusikdirektor Alexander Soddy © Christian Kleiner

So exotisch, monumental und ausgefallen wie die inhaltliche Ausrichtung, ist auch die Orchesterbesetzung, die Messiaen vorschreibt. Der Streichersatz ist auf 70 Streichinstrumente erweitert, die teilweise solistisch aufgeteilt sind, dazu kommt ausgedehntes opulentes Schlagwerk, das allein 10 Spieler fordert. Hinzugefügt ist ein kleines Gamelan Ensemble, das mit Celesta, Glockenspiel und Vibraphon nach indonesischem Vorbild besetzt ist.

Dem Soloklavier kommt eine zentrale Bedeutung zu. Der Klavierpart ist extrem virtuos, oft perkussiv eingesetzt und erinnert mit seinen ausgedehnten und schwierigen Kadenzen an ein Klavierkonzert, es übernimmt aber auch die für Messiaen stets bedeutsamen Vogelstimmen. Als besonderes Highlight kann man die selten zu hörenden Ondes Martenot (musikalische Wellen) erleben, ein früher Vorläufer des Synthesizer. Dieses in den 1920-er Jahren entwickelte und von Messiaen sehr geschätzte einstimmige elektronische Musikinstrument erzeugt irisierende, sphärische Klänge, Glissando und Vibrato.

Alexander Soddy,dem Nationaltheater-Orchester Mannheim,sowie den Solisten Tamara Stefanovich am Klavier und Thomas Bloch an den Ondes Martenot gelingt es in beeindruckender Weise, das ganze Klanguniversum der Messiaenschen Partitur zutage zu fördern mit ihrer Polystilistik, den übereinander gelagerten Rhythmen, dem Klangfarbenrausch und der sinnlich-süßlichen Melodienseligkeit. Das Spannungsverhältnis von „Zartheit und Heftigkeit, Liebe und Ungestüm“ (Messiaen), sowie Transparenz und Wucht der Klangmassen werden von Alexander Soddy – vor allem im Aufbau der großen Architektur – detailliert ausgelotet und perfekt ausbalanciert.

Das Ondes Martenot - hier Thomas Bloch am Ondes Martenot © Musikalische Akademie

Das Ondes Martenot – hier Thomas Bloch am Ondes Martenot © Musikalische Akademie

Der Zuhörer wird in eine Klangwelt hineingezogen, welche „die Begrenzungen der Zeit und ihre Allgegenwart spürbar“werden lassen will, in der die gewohnten Ordnungsprinzipien außer Kraft gesetzt sind und wo „übernatürliche Mysterien“ neue Erfahrungshorizonte erschließen. Da werden Klangblöcke aufeinander geschichtet und Strukturen gemeißelt, vertrackte Rhythmen in aberwitzigen Tempi gegeneinander gestellt, Schmerz und Tod werden durch unerbittliche Tam-Tam Schläge zur tragischen Gewissheit. In impressionistisch grundierte Klangflächen tröpfeln kristalline, zarte Klavierfiguren. Die Ondes Martenot mit ihren oszillierenden Effekten fügen dem Gesamtklang eine exotische Qualität hinzu, die betörende und zugleich verstörende Wirkung hat. Immer wieder hört man Vogelstimmen oder jazzige Themen, die an Gershwin erinnern. Derbe Tanzrhythmen peitschen in furioser Manier dazwischen, Stillstand und Versunkenheit wechseln sich ab mit einem dionysisch-stampfenden Gestus à la Sacre du printemps von Strawinsky. Ein Spiel der Farben und Formen in grellen Wechseln und überraschenden Wendungen, von Soddy und den hervorragenden Solisten und Musiker*innen des Nationaltheater Orchesters glänzend zum Ausdruck gebracht.

Aber auch traditionelle Formaspekte sind konstituierender Bestandteil dieser Komposition wie beispielsweise vier Leitmotive, die das ganze Werk durchziehen. Gleich in der Einleitung (Introduction) werden zwei Themen vorgestellt, zuerst das mächtige „Statuen-Thema“, hier von Posaunen und Tuba mit eherner Wucht in den Raum gestellt, dann das Blumenthema, von den Klarinetten sensibel und anmutig kontrastiert. Das Klavier besticht mit einer hochvirtuosen Kadenz, die Schlaginstrumente des Gamelan Ensembles sorgen für exotische Klangfarben. Später hinzu kommen das choralartige „Liebesthema“ und das in vielfachen und harmonisch wechselnden Schattierungen erscheinende „Akkordthema“.

Wunderbar atmosphärisch gelingen vor allem auch die ruhigen Passagen in den „Liebesgesängen“ l und ll („Chant d‘amour l und ll“), mit zart nuancierten Englischhorn- und Oboenphrasen und samtweichen Streicherteppichen. Man wird in den geheimnisvoll – romantischen „Garten der Liebe“ (Jardin du sommeil d‘amour,) geführt, in dem die Liebenden in die überirdisch schönen Gesänge der Ondes Martenot eintauchen, und umgeben von Vogelstimmen weltentrückt im Dämmerschlaf verweilen, „…wecken wir sie nicht“, so Olivier Messiaen.

—| IOCO CD-Rezension |—

Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Musikalische Akademie – 2020/21, IOCO Aktuell, 16.05.2020

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

MUSIKALISCHE AKADEMIE  –  Nationaltheater Orchester Mannheim

 Spielzeit  2020/21  –  Flexibilität – in diesen Zeiten besonders gefordert

von Uschi Reifenberg

Das wissen auch Fritjof von Gagern, Präsident der Musikalischen Akademie und 1.Solocellist des Mannheimer Nationaltheater Orchesters in Personalunion und Generalmusikdirektor Alexander Soddy, die nun das aktuelle Programm der  242. Saison der  Musikalischen Akademie, welche 1778 gegründet wurde, vorgestellt haben.

Die Unsicherheit in der derzeitigen Krise zwingt die Künstler in eine besondere Situation und nötigt ihnen aus ihrer Planungswerkstatt verschiedene Lösungsmöglichkeiten ab. Der fehlende Austausch mit dem Publikum und der derzeitige Verlust des gemeinschaftlichen Erlebens von Musik verstärkt die Sehnsucht nach künstlerischer Normalität und beflügelt die Hoffnung auf eine bessere Zeit nach dem Ausnahmezustand.

„Wir arbeiten mit verschiedenen Szenarien – einem Plan A, so wie die Saison eigentlich gedacht ist, und einem Plan B, C und D, in welchen wir alternative Veranstaltungsformate durchspielen“, so von Gagern. „Die letzten abgesagten Konzerte (…) sind ein unfassbarer künstlerischer Verlust.  Gerade deshalb benötigen wir aus der Stille der Krise die Perspektive (…). Wir sehen es als unsere Aufgabe, Konzerte zu ermöglichen und durch die Musik Halt und Zuversicht gerade in diesen Zeiten zu geben“.

Der thematische Schwerpunkt der kommenden Programmgestaltung 2020/21 liegt in der Entwicklung romantischer und spätromantischer Kompositionen des 19. Jahrhunderts hin zur Auflösung konventioneller musikalischer Strukturen im 20. Jahrhundert, der atonalen Musik der  Moderne, sowie deren Repräsentanten der 2. Wiener Schule.

Geplant sind acht Doppelkonzerte, die einen weiten Bogen von Joseph Haydn bis Enrico Chapelá  spannen und wie immer im Mozartsaal des Rosengarten stattfinden werden. Ergänzt werden die Konzerte  durch das Konzertformat der Kammerakademie im Opernhaus des Nationaltheaters, das alljährlich besondere Akzente setzt und diesmal ein spannendes Bläserprogramm verspricht.

Wie in jedem Jahr sind auch in der Saison 20/21 wieder hochkarätige Solisten bei der Musikalischen Akademie zu Gast.

NTM Nationaltheater Mannheim / Bühne und Besucherraum für kommende Konzerte der Musikalischen Akademie © Christian Kleiner

NTM Nationaltheater Mannheim / Bühne und Besucherraum für kommende Konzerte der Musikalischen Akademie © Christian Kleiner

GMD Alexander Soddy wird allein vier der acht Doppelkonzerte dirigieren.   Den Auftakt macht GMD Alexander Soddy im ersten Akademiekonzert am 19./20. Oktober 2020, mit einem breit gefächerten und kontrastreichen amerikanisch- russisch- englischen Programm. John Adams Orchesterstück „Short Ride in a fast machine“ von 1986, das in atemberaubendem Tempo dahin jagt, wird dem populären 2. Klavierkonzert des russischen Komponisten Sergej Rachmaninow vorangestellt, interpretiert vom russisch-amerikanischen Pianisten Kirill Gerstein. Edward Elgars Sinfonie Nr.1, ein Meilenstein der englischen Sinfonik, dürfte beim Briten Alexander Soddy in den besten Händen liegen.

Im 2. Akademiekonzert am 16. und 17. November, das sich deutschen Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts widmet, steht nach längerer Zeit als Instrument wieder das Horn im Mittelpunkt. Das 2. Hornkonzert von Richard Strauss, das zu den schwierigsten Hornkonzerten überhaupt zählt, wird gespielt von Radek Baborák, dem ehemaligen Solohornisten der Berliner Philharmoniker. Mit Carl Maria von Webers Ouvertüre „Die Beherrscher der Geister“ und der 2. Sinfonie von Robert Schumann taucht das Programm tief in die Epoche der Früh- und Hochromantik ein.

Das 3. Akademiekonzert am 14./15. Dezember unter der Leitung von Ingo Metzmacher, trägt durchweg märchenhafte Züge. Dem besonders zur Weihnachtszeit beliebten Vorspiel aus Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel folgt das Konzert für Viola und Orchester von Paul Hindemith Der Schwanendreher, das auf alten Volksliedern basiert. Als Solist konnte der Solo-Bratschist der Berliner Philharmoniker Amihai Grosz gewonnen werden.

In Alexander Zemlinskys Orchesterstück Die Seejungfrau wird die Geschichte der sich nach der Menschenwelt sehnenden Meerjungfau von Hans Christian Andersen lebendig, Ein reines russisches Programm verspricht das 4. Akademiekonzert am 8./9. Februar 2021, das von der französischen Dirigentin Ariane Matiakh geleitet wird.

Dmitri Schostakowitschs 1. Cellokonzert, das für Mstislaw Rostropowitsch geschrieben wurde, wird hier von der Cellistin Tatjana Tetzlaff gestaltet, flankiert von Michail Glinkas Kamarinskaya, einem bahnbrechenden russischen Orchesterwerk und Sergej Rachmaninows faszinierender   „Toteninsel“, inspiriert von Arnold Böcklins berühmten Gemälde.

Als letzter Programmpunkt setzt Modest Mussorgski mit seinem Meisterwerk Eine Nacht auf dem kahlen Berge einen phänomenalen Schlusspunkt unter die Reihe der russischen  Schauerromantik.

Das 5. Akademiekonzert am 8./9. März 21 bewegt sich im Spannungsfeld des Franzosen Claude Debussy, dem deutschen Komponisten Ludwig van Beethoven und dem Dänen Carl Nielsen.

Geleitet wird das Konzert vom dänischen Dirigenten Michael Schønwandt, der Komponist Hans Abrahamsen, ebenfalls Däne, orchestrierte 2011 Debussys bekannte Klavierminiaturen Childrens Corner, die Debussy seiner geliebten Tochter widmete.

Mit Beethovens 1.Klavierkonzert wird Kit Armstrong zu erleben sein, ein ersehnter Beethoven   Programmpunkt nach dem stark reduzierten Beethoven Jubiläumsjahr 2020.  Michael Schønwandt, dessen besondere Verbundenheit der Musik Carl Nielsen gilt, stellt die Sinfonia espansiva seines Landsmanns nun erstmalig dem Mannheimer Publikum vor.

Nationaltheater Mannheim / Generalmusikdirektor Alexander Soddy © Gerard Collett

Nationaltheater Mannheim / Generalmusikdirektor Alexander Soddy © Gerard Collett

Das 6. Akademiekonzert am 12./13. April 21 steht ganz im Zeichen Anton Bruckners. Mit seiner 5. Sinfonie, der sogenannten „katholischen“ setzt der italienische Dirigent Antonello Manacorda den Mannheimer Bruckner Zyklus fort. Bruckner schuf mit dieser Sinfonie wohl sein persönlichstes Werk, eine Art Glaubensbekenntnis nach einer für ihn schweren Zeit. Vom großen Vorbild Richard Wagner hatte er sich in dieser Sinfonie endlich emanzipiert.

Das 7. Akademiekonzert am 10./11. Mai 21, unter der Leitung von Alexander Soddy, spannt den Bogen von der Frühklassik Joseph Haydns über Gustav Mahler bis zur 2.Wiener Schule  Alban Bergs im 20. Jahrhundert, dessen „3 Stücke aus der Lyrischen Suite“, bearbeitet für Streichorchester, zu hören sein werden. Alle drei Komponisten verbindet der Bezug zur Stadt Wien. Der 1.Solo-Trompeter des Nationaltheater Orchesters Lukas Zeilinger, der ebenfalls aus der Nähe von Wien stammt, wird mit Haydns Trompetenkonzert eines der bedeutendsten Kompositionen für dieses Instrument interpretieren. Eine schöne Tradition der Musikalischen Akademie, Solisten aus „den eigenen Reihen“ in ihren Konzerten vorzustellen.

Gustav Mahlers 1.Sinfonie, reich an Gegensätzen und Bezügen, setzt den spannenden Schlusspunkt in diesem vielfältigen Programm.

Das 8. Akademiekonzert am 22./22. Juni 21, wiederum dirigiert von Alexander Soddy, mit einem kontrastreichem französisch- lateinamerikanischen Programm, bringt ein Wiedersehen mit dem Violinisten August Hadelich, der teilweise in Mannheim aufwuchs und auf allen großen Konzertpodien der Welt zu Hause ist. Er wird mit Édouard Lalos Sinfonie espagnole zu hören sein. Mit Spannung erwartet wird die Uraufführung von Enrico Chapellas genreübergreifender Komposition, einem Auftragswerk für die Musikalische Akademie. Zwei exemplarische Werke des Impressionismus bilden den Rahmen für diesen Abend, Maurice Ravels Alborada del grazioso, aus dem Klavierzyklus Miroirs, der hier als Orchesterwerk erklingt und La mer von Claude Debussy.

Am 6./7. Juni setzen dann die Bläser in der Kammerakademie mit Richard Strauss, Antonin Dvorák und Friedrich Gulda ganz besondere Akzente.  Joseph Bastian dirigiert, Benedict Kloeckner ist der Solist in Guldas Konzert für Violoncello und Blasorchester, einem energiegeladenem Crossover-Stilmix, der unter die Haut geht. Die Bläserserenaden von Strauss und Dvorák sind absolute Meisterwerke ihres Genres und lassen einen Hauch von Mozart‘schem Geist durchs Programm wehen.

Die Musikalische Akademie Mannheim  –  Akademiekonzerte

Mit nunmehr 242 Jahren sind die Akademiekonzerte in Mannheim weltweit eine der traditionsreichsten Konzertreihen weltweit. Gegründet wurde sie 1778 im Geiste der Mannheimer Schule – und damit an der Speerspitze der damaligen Avantgarde – von den Musikern der Kurfürstlichen Hofkapelle, des heutigen Nationaltheater – Orchesters. Es ist bemerkenswert, dass diese Institution auf ihrem Weg zum Traditionsorchester durch die Jahrzehnte und Jahrhunderte immer vom außergewöhnlichen Zuspruch der Mannheimer Bürgerinnen und Bürger getragen wurde und heute wird.

Brahms, Furtwängler, Strauss, Kleiber, Hindemith, Rostropowitsch, Stein, Argerich, Zimmermann – die Liste der ganz großen Namen, die als Dirigenten und Solisten bei den Akademiekonzerten zu Gast waren, ließe sich lang fortsetzen. Den in der Musikalischen Akademie organisierten Musikern des Nationaltheater- Orchesters ist es immer gelungen, einige der interessantesten Musiker* innen ihrer Zeit nach Mannheim zu holen.

Heute ist die künstlerische und finanzielle Eigenständigkeit der Musikalischen Akademie einzigartig in Deutschland. Nach wie vor prägen Authentizität, Vielfalt und Ideenreichtum die Auswahl von Programmen und Gastkünstlern. Jährlich wird ein Kompositionsauftrag vergeben.   (Zitiert aus dem Jahresprogramm).

—| IOCO Aktuell Nationaltheater Mannheim |—

Mannheim, Musikalische Akademie Mannheim, 4. Akademiekonzert – Alpensinfonie, IOCO Kritik, 24.1.2020

Konzerthaus Rosengarten Mannheim © Uschi Reifenberg

Konzerthaus Rosengarten Mannheim © Uschi Reifenberg

Musikalische Akademie Mannheim

Musikalische Akademie Mannheim  – 4. Akademiekonzert

  – Vom Glück des Gipfelstürmers –

von Uschi Reifenberg

Mit dem Konzert für Oboe und kleines Orchester von Richard Strauss eröffnete die Musikalische Akademie Mannheim das 4. Akademiekonzert und setzte mit diesem Strauss‘schen „Juwel“ gleich zu Beginn einen Glanzpunkt dank des Oboisten Jean-Jaques Goumaz, dem 1. Solo-Oboisten des Nationaltheater Orchesters und seinem Dirigenten GMD Alexander Soddy.

Das Oboenkonzert, von Richard Strauss, beendet 1946, gilt als eines der anspruchsvollsten Konzerte für Oboe überhaupt und verlangt seinen Interpreten alle erdenklichen Schwierigkeiten ab, besonders bezüglich Atemtechnik, Durchhaltevermögen und Vielfalt im Ausdruck.

Jean-Jaques Goumaz löst diese Anforderungen allesamt mühelos und breitet die ganze Palette seines Könnens aus, was das Publikum im Mannheimer Mozartsaal in einhellige Euphorie versetzte.

Nach zwei kurzen Cello-Takten zu Beginn führt eine gefürchtete lang ausgedehnte Einleitung des 1.Satzes den Solisten in medias res. Was folgt, ist eine unendliche Melodie, die mit bewegten und fein ziselierten Spielfiguren quasi ohne Unterbrechung den Oboisten 56 Takte lang „in Atem hält“. Goumaz gestaltet unangestrengt, mit feiner Tongebung, intelligenter Phrasierung und stupender Atemtechnik einen Spannungsbogen, der ihm erst nach dem Tutti eine kurze Verschnaufpause gönnt.

Nationaltheazer Mannheim / Jean Jaques Goumaz - Solo-Oboist © Moreno Gardenghi

Nationaltheazer Mannheim / Jean Jaques Goumaz – Solo-Oboist © Moreno Gardenghi

Goumaz‘ Oboenklang ist weich, gesanglich, im zartesten piano noch tragend und verliert auch im forte nichts von seinem warmen Timbre. Innig und beseelt, von leiser Wehmut durchzogen, klingt das Andante-Thema des 2. Satzes. Goumaz taucht in die Tiefen der Strauss‘schen Musik ein und verleiht dem Spätwerk jenen Hauch von Abschiedsschmerz, der später auch in den „Vier letzten Liedern“ anklingt. Die Utopie einer besseren Welt wird hier beschworen, 1946, in Zeiten der Zerstörung und Hoffnungslosigkeit.

Das Zusammenspiel zwischen Solist und Orchester hätte nicht besser sein können, Orchester und Oboe verschmelzen in idealer Harmonie. Alexander Soddy dirigiert mit großer Sensibilität, fühlt jede agogische Wendung einfühlsam mit und lässt besondere Augenblicke im Dialog zwischen Soloinstrument und Orchester sowie mit Klarinette, Fagott und Flöte entstehen.

In den letzten beiden Sätzen schlüpft Goumaz in die Rolle des Till Eulenspiegel und bringt dessen heitere Motive schalkhaft und mit viel Lebendigkeit zum Ausdruck. Weite Intervallsprünge, bewältigt er mit Leichtigkeit, hat sichtlich Freude an Koloraturen, deren opernhafte Virtuosität nie Selbstzweck sind und schickt mit präziser Artikulation und Delikatesse glitzernde Spitzentöne in den Saal.

Für Bravorufe und donnernden Applaus dankte  Jean-Jaques Goumaz mit einer Zugabe. Es folgte die Alpensinfonie

Die  Alpensinfonie –   von biografischen Erlebnissen geprägt

Wenn Richard Strauss, der begeisterte Bergsteiger und Naturfreund in seiner Villa in Garmisch Partenkirchen, umgeben vom Zugspitzmassiv und dem Wettersteingebirge, aus dem Fenster  blickte, so kann man sich lebhaft vorstellen, dass ihm die Komposition seiner Alpensinfonie geradezu aus der Feder geflossen sein muss. Tatsächlich aber durchlief die Entstehung der Alpensinfonie einen fünfzehnjährigen wechselhaften Schaffensprozess und war inspiriert von Strauss eigenen biografischen Erlebnissen, der Philosophie Friedrich Nietzsches und der Künstlertragödie eines Schweizer Malers.

Diese drei Bedeutungsebenen verweisen aufeinander, durchdringen sich gegenseitig und erschließen das innere Programm, das der äußeren Einteilung der 22 Stationen einer  Bergwanderung zu Grunde liegt. Ein Jugenderlebnis mag ihm wohl in deutlicher Erinnerung geblieben sein: Als vierzehnjähriger geriet Strauss bei einer ganztägigen Bergtour in ein Unwetter, verirrte sich und kehrte erst nach Stunden, völlig durchnässt, nach Hause zurück. Um 1899 beabsichtigte Strauss, das tragische Schicksal des Schweizer Porträtmalers Karl Stauffer zu vertonen, der ebenfalls passionierter Bergsteiger war und nach einer tragischen Liebesgeschichte dem Wahnsinn verfiel und in Selbstmord endete. Es sollte eine 4-sätzige Sinfonie entstehen mit dem Titel: Die Alpen.

Richard Strauss Institut Garmisch Partenkirchen © Uschi Reifenberg

Richard Strauss Institut Garmisch Partenkirchen © Uschi Reifenberg

Dazwischen schob sich die Beschäftigung mit Friedrich Nietzsches Philosophie und seinen Thesen aus dem „Antichrist“ von 1888 mit dem Postulat der Befreiung der Menschheit von den Zwängen der christlichen Dogmen. Bereits in Also sprach Zarathustra hatte Strauss seiner Affinität zu Nietzsche ein Denkmal gesetzt. Strauss schreibt 1911: „Ich will meine Alpensinfonie den Antichrist nennen, als da ist: sittliche Reinigung aus eigener Kraft, Befreiung durch die Arbeit, Anbetung der ewigen herrlichen Natur.“ Später streicht Strauss allerdings den Zusatz „Der Antichrist“ wieder, übrig bleibt Eine Alpensinfonie mit der Verherrlichung der Natur als Ersatzreligion, die sich manifestiert im Programm einer abenteuerlichen Bergbesteigung.

Die Stationen dieser Gebirgsroute führen den einsamen Wanderer im Morgengrauen Richtung Bergesgipfel und lassen ihn die Schönheiten, aber auch die Unwägbarkeiten eines unübersichtlichen Weges erfahren. Er erlebt einen Sonnenaufgang, kommt vorbei an Bächen, Blumen und Wiesen und erklimmt schließlich den Gipfel, der ihn die atemberaubende Schönheit und Allmacht der Natur bestaunen lässt. Auf dem Rückweg gerät er in Gewitter und Sturm und erreicht in der Nacht endlich wieder seinen Ausgangspunkt.

Strauss vertont hier nicht in trivialer Weise die Naturphänomene einer alpinen Postkartenidylle, wie ihm oft vorgeworfen wurde, sein provokanter Aphorismus: „Ich habe einmal komponieren wollen wie die Kuh Milch gibt,“ hat diesen Vorbehalt aber sicher noch verstärkt. Der Aufbruch des Bergsteigers auf den Gipfel könnte auch als Metapher für das menschliche Leben schlechthin angesehen werden, das ebenfalls einer Wanderung mit allen erdenklichen Höhen und Tiefen, Zielen und Hindernissen gleicht. Der Abstieg vom Gipfel wird auch zur Metapher einer für immer vergangenen Epoche. Ebenso entledigt sich der Gipfelstürmer der Fesseln repressiver Traditionen und strebt nach Erneuerung, höchster Vollendung und künstlerischen Identität.

Die Uraufführung erfolgte 1915, mitten im 1.Weltkrieg; der Weg in die Abgeschiedenheit der Bergwelt wird, symbolisch, zur Abkehr von den Niederungen von Politik und Gesellschaft. Die unberührte Natur wird Gegenwelt einer als „erbärmlich“ erlebten Realität.

Mit der Alpensinfonie beendet Strauss die Reihe seiner sinfonischen Dichtungen, die er mit „Aus Italien“ 1886 begonnen hatte und führte damit das Genre zu einem absoluten Höhepunkt.

Er knüpft an die Tradition von Hector Berlioz und vor allem Franz Liszt, der in seinen sinfonischen Dichtungen durch die Einbeziehung der Literatur die musikalische Aussage erweitern wollte; nicht zuletzt auch an die Tradition von Ludwig van Beethoven, der in seiner Pastoralsinfonie forderte: „Mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei“ und detaillierte Naturschilderungen plastisch in Töne setzte.

 Von Strauss` Villa Blick auf die Alpen, die Zugspitze © Reifenberg

Von Strauss` Villa Blick auf die Alpen, die Zugspitze © Reifenberg

Strauss entwickelte diese Ästhetik weiter und gestaltete die musikalischer Darstellung poetischer und realer Vorgänge in einzigartiger Weise, er schreibt dazu an Romain Rolland: „Für mich ist das poetische Programm nichts weiter als der Form-bildende Anlass zum Ausdruck und zur rein musikalischen Entwicklung meiner Empfindungen-nicht wie Sie glauben, nur eine musikalische Beschreibung gewisser Vorgänge des Lebens“. Das musikalische Kunstwerk sollte für sich selbst stehen und erschließt dem Hörer auch ohne erläuterndes Programm den Gehalt der Komposition.  Dennoch sind in der Alpensinfonie die tonmalerischen Kunstgriffe beispielhaft für eine programmatische Kompositionsweise.

Strauss steigerte die Orchesterbesetzung in der Tradition Wagners ins Monumentale, forderte mindestens 129 Musiker, darunter 64 Streicher, vierfach besetzte Holz-und Blechbläser, achtfache Hörner, ausgedehntes Schlagwerk, ein Fernorchester mit zusätzlich 12 Hörnern, Trompeten und Posaunen. Unter Einbeziehung besonderer Instrumente wie Heckelphon, Tenortuben, Windmaschine, Donnerblech, Herdengeläut, Celesta und Orgel, wuchs das Orchester nicht nur quantitativ, sondern erreichte auch in punkto Farbigkeit eine neue Qualität.

Strauss‘ Instrumentationskunst ist bekanntermaßen exemplarisch, sein Zitat nach Fertigstellung der Alpensinfonie:Jetzt hab ich endlich instrumentieren gelernt“, verweist in typischer Selbstironie auf das Bewusstsein seiner uneingeschränkten Meisterschaft.

Generalmusikdirektor Alexander Soddy und das Nationaltheater Orchester ließen mit der  Alpensinfonie die Zuhörer ein Klang-Abenteuer erleben, welches die einzelnen  Sektionen der  Bergbesteigung in vielfältige Farbnuancen tauchte. Er findet für die dichte Dramaturgie des Stückes einen klaren Ansatz und arbeitet die Binnenstrukturen detailliert heraus. Soddy steht zu Strauss‘ Überwältigungsmusik, erlaubt das Schwelgen in den weiträumigen Tableaus, und bricht die Klangmassen herunter, um an den entsprechenden Kammermusikalischen Stellen sensibel ausgehörte Instrumentalsoli hervorzuheben. Die Emotionen hält er mit beeindruckender Balance auch an den Gipfelpunkten unter Kontrolle. Manche Übergänge hätte man sich vielleicht etwas straffer und spannungsgeladener vorstellen können.

Dirigent Alexander Soddy © Gerard Collett

Dirigent Alexander Soddy © Gerard Collett

Dunkel, wie aus mystischen Tiefen, schälte sich nach einer absteigenden Linie  in „Nacht“ aus dem nebelverhangenen Anfangsakkord der gedämpften Streicher, Fagotte und Klarinetten das verhaltenen angestimmte Berg- Thema der Posaunen und Tuben. Die Steigerung, die wachsende Bewegung vom Dunkel zum Licht, gelingt Soddy überzeugend. Den triumphalen  Sonnenaufgang intonierten die hohen Blechbläser mit gleißender Strahlkraft, das schwungvolle Aufstiegsthema mit seinen weit ausholenden Intervallschritten, das sich leitmotivisch durch das ganze Werk zieht, wurde von den Streichern und Harfen zunächst etwas verhalten in Angriff genommen, gewann aber später immer mehr an Energie.

Hörner und Posaunen leiteten mit dem rhythmisch markanten Wandererthema  zu den Jagdhörnern über, die als Fernorchester einen Dialog mit dem Bühnenorchester aufnahmen. Kleine Koordinationsprobleme der  Blechbläser trübten für einen kurzen Moment die Idylle. Im „Eintritt in den Wald“, den Soddy mit andächtiger Hingabe zelebrierte, breiteten die Musiker das Strauss’sche Farbspektrum aus und imaginierten die Natur in ihrer vielfältigen Schönheit. Glitzernde Kaskaden der hervorragend disponierten Streicher und Holzbläser ließen einen Wasserfall plastisch entstehen, Naturlaute, Blumen und Vogelrufe begleiteten den Wanderer in noch ungetrübter Erwartungsfreude bergaufwärts, vorbei an Almen, Gletscher und unwägbaren Stellen.

Den Gipfel besingt zunächst eine einsame Oboe, tastend, fast verschämt, bis dann das Orchester die Erhabenheit der Bergwelt in einem grandiosen Hymnus feiert. Die Gipfeleuphorie wandelt sich zur „Vision“, der Soddy mit viel Pathos und Dramatik begegnet und in satte Farben kleidet.

„Die Ruhe vor dem Sturm“ lässt die Spannung fast körperlich spürbar werden, einzelne Klarinetten-Tropfen lösen sich zögernd, bis sich die Klangmassen kontrolliert, mit orchestraler Wucht im „Gewitter und Sturm“ entladen. Hier ließ Soddy Strauss’ kontrapunktische Verwebung aller bisherigen Motive transparent erlebbar werden und führte das Orchester im letzten Aufbäumen der Naturgewalten bis an die Grenzen der Dynamik. Im „Sonnenuntergang“ konnte man im Abendrot glühende Streicher vernehmen, bevor im „Ausklang“ der Wanderer, der talwärts strebt, das Erlebte reflektiert und nach diesem Erlebnis nun verändert, als ein Anderer, zu seinem Ausgangspunkt zurückkehrt.

Soddy und das Nationaltheater Orchester ließen  noch einmal mit großer Intensität, im fahlen Abglanz, die wichtigsten Themen anklingen. Die Streicher intonierten hier das variierte Sonnenaufgangsthema, dessen Themenkopf an Wagners Erlösungsmotiv des Fliegenden Holländer erinnert. Erlösung des Menschen durch die Überwindung seiner selbst ?                    „Anbetung der ewigen, herrlichen Natur.“

Ein großer Abend der  Musikalische Akademie Mannheim  Begeisterungsstürme, Jubel

—| IOCO Kritik Musikalische Akademie Nationalorchester Mannheim  |—

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