Berlin, Berliner Philharmoniker, Andris Nelsons – Skrjabin, Schostakowitsch, IOCO Kritik, 13.07.2019

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Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmonie © Reinhard Friedrich / Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmonie © Reinhard Friedrich / Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmoniker – Andris Nelsons

Skrjabin, Schostakowitsch – Mit Artist in Residence Daniil Trifonov

von Julian Führer

In der Berliner Philharmonie dirigierte Andris Nelsons am 22.6.2019 ein rein russisches Programm. Daniil Trifonov (voller Name Daniil Olegowitsch Trifonow), in der Saison 2018/19  Artist in Residence bei den Berliner Philharmonikern, präsentierte sich mit einer eindringlichen Interpretation des Klavierkonzerts in fis-Moll opus 20 von 1894/1895, das Alexander Skrjabin mit Anfang 1920 komponierte. Der junge Pianist Daniil Trifonov (Jahrgang 1991) näherte sich dem eher selten gespielten Werk in einer zurückhaltenden Weise und hielt über weite Strecken seinen Part im Piano oder weiter abgestuften Pianissimo-Bereichen, womit er seinen raffiniert perlenden Anschlag besonders zur Geltung bringen konnte. Der Dialog zwischen Orchester und Solopart erfordert gerade im ersten Satz (Allegro – Più mosso, scherzando – Tempo primo) und im zweiten, aus Thema und vier Variationen bestehenden Mittelsatz ein wechselseitiges Leiserwerden. Im Kopfsatz war hier allerdings die Abstimmung nicht optimal – das Orchester war tendenziell zu laut und blieb es auch, als der Solist sich nicht beirren ließ und seine sehr zurückhaltende Dynamik beibehielt.

Berliner Philharmonie / Die Berliner Philharmoniker © Stefan Hoederath

Berliner Philharmonie / Die Berliner Philharmoniker © Stefan Hoederath

Der zweite Satz des Konzerts beginnt mit einer sehr elegischen Introduktion des Orchesters (Andante). Diese sparsame Einleitung wie aus einem Streichquartett wird in der Folge von viel Brillanz der Technik erfordernden Variationen des Soloparts ausgeführt. Die stilistische Nähe zu Franz Liszt und Sergej Rachmaninow war deutlich zu hören. Die Klangbalance gelang im zweiten Satz viel besser und erlaubte ein gemeinsames Leisespielen, das keine Aufnahme wiederzugeben in der Lage ist. In der Höhe fand Trifonov zu einem kristallenen, fast harfenartigen Klang.

Im dritten Satz (Allegro moderato – Meno – Melto meno mosso – Maestoso – Più mosso) wurde das Orchester wieder deutlich lauter. In diesem Fall lag das Problem aber wohl eher beim Komponisten selbst, der den Orchesterpart nicht übermäßig raffiniert, vor allem aber sehr üppig instrumentiert hat. Faszinierend war die Konzentrationsleistung des Solisten neben der beeindruckenden Technik. Besteht ein klassisch-romantisches Solokonzert aus einem Dialog zwischen Soloinstrument und Orchester, reden Klavier und Orchester bei Skrjabin mitunter durcheinander – abgesehen von der Einleitung zum zweiten Satz und acht Takten im dritten Satz hat das Klavier eigentlich nie ‚Pause‘. Die technische Perfektion des Orchesters muss bei den Berliner Philharmonikern kaum erwähnt werden; das etwas forsche Auftrumpfen gegenüber dem Solisten im ersten Satz blieb die einzige Irritation.

Berliner Philharmoniker / Daniil Trifonov © Dario Acosta / DG

Berliner Philharmoniker / Daniil Trifonov © Dario Acosta DG

[ Von Daniil Trifonov wurden verschiedene Aufnahmen bei der Deutschen Grammophon veröffentlicht.]

Die elfte Symphonie Opus 103 in g-Moll „Das Jahr 1905“ von Dmitri Schostakowitsch kann im ungünstigen Fall wie eine Filmmusik des sozialistischen Realismus daherkommen. Andris Nelsons hat soeben eine CD-Aufnahme mit dem Boston Symphony Orchestra veröffentlicht, auf der er seine Auffassung dieses monumentalen Werkes dokumentiert.

Beim Berliner Konzert setzte er teilweise andere Akzente, der allgemeine Ansatz der Interpretation lässt sich aber auf der CD gut nachvollziehen. Der erste Satz („Platz vor dem Palast“: Adagio) ist ein Klanggemälde, das vermeintlich musikalischen Stillstand dokumentiert – das im düsteren Winter erstarrte St. Petersburg. Musikalische Bewegung erfolgt nur langsam, tiefe Streicher und Harfenakkorde, die zunächst ‚leere‘ Quinten wie in Beethovens Neunter in den Raum stellen und dann um g-Moll kreisen, allerdings immer wieder die Harmonie durch fahle Halbtöne verzerren. Die Trompetensignale ertönen wie auch die anderen Partien der Bläser im ersten Satz zunächst durchweg gestopft. Die Lautstärke der Trompetensignale war ungewöhnlich laut. Im Vergleich zu anderen Interpretationen und Aufnahmen ging Andris Nelsons den ersten Satz noch etwas langsamer als ohnehin an. Im zweiten Satz hingegen (Der 9. Januar“: Allegro – Adagio – Allegro) setzte er von Beginn an auf Tempo. Beim ersten Fortissimo dieses Satzes ließ er die Posaunen in beeindruckender Weise anschwellen. Nach dieser ersten Aufgipfelung beruhigt sich die musikalische Situation bis fast zum Quasi-Stillstand des Kopfsatzes hin. Bei Nelsons allerdings waren Tempo und Dynamik schon in der Mitte des Satzes so gesteigert, dass es keinen Ruhepunkt gab und das sonst urplötzliche (und viele Zuhörer zusammenfahren lassende) Fortissimo der kleinen Trommel mehr Ziel- als Ausgangspunkt war. Die rhythmische und dynamische Explosion in diesem Satz, der die Schüsse der Soldaten des Zaren gegen Demonstranten in Musik setzt, klingt auf der neuen CD wie eine Horrorvision, ein blitzartig hereinbrechender und nicht aufzuhaltender Alptraum. In der Philharmonie hingegen war es eher ein brillantes Feuerwerk insbesondere des Schlagwerks – was man da gerade gehört hat, merkt der Zuhörer so recht erst, wenn die musikalischen Salven aufhören und das Orchester von fff abrupt zu ppp wechselt und man, sobald die Ohren sich umgestellt haben, wieder die Streicher und die Harfenakkorde hört, diesmal allerdings mit Celesta, und die Streicher sind nicht ruhig, sondern flirren und zittern. Ein Klanggemälde, dessen Wirkung man sich kaum entziehen kann.

Der dritte Satz („In memoriam“: Adagio) ist ein Trauergesang auf die Opfer des 9. Januar 1905. Hier wie auch in den anderen Sätzen verwendet Schostakowitsch (ehemals) bekanntes Liedgut, so dass ein russisches oder sowjetisches Publikum unmittelbare Assoziationen hat, die einem westlichen oder jüngeren Zuhörer erst über die Literatur nachvollziehbar werden. Dies gilt auch für die Unisono-Einleitung der Bratschen, die eine bei offiziellen Anlässen verbreitete Trauermusik aufnimmt. Die Vorteile der Philharmonie mit ihrer Akustik, die jeden Huster und jede herabfallende Garderobenmarke auf allen Plätzen hörbar werden lässt, hat hier zur Folge, dass eine Zurückhaltung bei der Lautstärke möglich ist, die andere Säle und andere Orchester als die Berliner Philharmoniker kaum erzielen könnten. Zudem nahm Nelsons das Tempo in diesem Satz sehr zurück. Bei den Ausbrüchen in der zweiten Hälfte des Satzes mit Bläsern und viel Schlagwerk setzte er eigene Akzente: Wo sonst vor allem die große Trommel und das Tamtam dominieren, ließ er hier das Blech die Töne lange aushalten und durch das Schlagzeug eher unterstreichen. Die folgende Reprise des Unisono wirkte noch leiser, noch verdämmernder, nicht von dieser Welt.

Berliner Philharmoniker / Andris Nelsons © Monika Rittershaus

Berliner Philharmoniker / Andris Nelsons © Monika Rittershaus

Irritierend war der Einstieg in den vierten Satz („Sturmgeläut“: Allegro non troppo – Allegro – Moderato – Adagio – Allegro). Entgegen der ausdrücklichen Metronombezeichnung nahm Nelsons das scharf konturierte Bläserthema nicht zügig, sondern bremste spürbar ab; die folgenden aufgeregten Figuren der tiefen Streicher folgten gemäß der eigentlichen Metronomangabe, für das zweite Bläsersignal wenige Takte später (Ziffer 123, Takt 18 mit Auftakt) ging Nelsons dann aber auf das deutlich langsamere Anfangstempo zurück, bevor es wieder zügiger weiterging. Dieses Vorgehen bleibt dem Rezensenten unverständlich. Die Sicht des Dirigenten auf den vierten Satz fiel deutlich subjektiver aus als zuvor, auch ganz am Ende: Das Sturmgeläut (gewaltig laute Glocken, die links und rechts in den Abgängen aufgestellt waren) mündet bei Schostakowitsch in eine lärmende Schlussminute, die wie die fünfte Symphonie des Komponisten abrupt und ohne echten musikalischen Schlusspunkt endet. In Berlin ließ Nelsons die Glocken lange nachhallen, obwohl in der Partitur die Musik in allen Instrumentengruppen abbricht und auch bei den Glocken noch ausdrücklich eine Achtelpause notiert ist. Der Effekt dieser Interpretation ist ohne Zweifel gegeben, bleibt doch der Glockenklang noch lange im Raum, während das Orchester schon längst zu spielen aufgehört hat (und das Publikum mit dem Applaus zum Warten zwingt).

Vor etlichen Jahren wählte an gleicher Stelle auch Sakari Oramo diesen Zugriff. Angesichts der expliziten Partituranweisung wäre ein Abbrechen auch des Glockenklangs aber vielleicht doch zu bevorzugen. Die in den vierten Satz eingewobenen Kampflieder wie die Warschawjanka wurden mit einem breit marschierenden Streicherrhythmus eingeleitet, der in dieser Interpretation fast stampfte. Höhepunkt dieses Satzes ist ein langes Englischhornsolo, das hier betont langsam ausgeführt wurde und das man technisch und interpretatorisch wohl kaum besser machen kann. Überhaupt war die Aufführung dieser Symphonie eine technische Glanzleistung, seien es die exakten Striche der Streichergruppen, seien es die nie kieksenden Hörner, die ein homogenes Pianissimo spielen, das man sonst kaum je zu hören bekommt, seien es die Harfen, die so genau aufeinander achteten, dass nichts ‚nachklapperte‘.

Daniil Trifonov – Klavierkonzert – hier zur Bestellung als Artist in Residence
youtube Trailer Berliner Philharmoniker
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Ist diese Symphonie plakativ?  Vielleicht.  Sozialistische Kampflieder in einer Symphonie lassen diesen Eindruck entstehen. Gleichzeitig ist hinlänglich bekannt, dass Schostakowitsch immer wieder mit doppeltem Boden komponierte und den vordergründigen Kotau vor der Macht mit um so galligerer und dennoch subtiler Kritik verband. Das Stück wurde 1957 uraufgeführt, in einer Zeit, die man außenpolitisch und kulturell allgemein als ‚Tauwetter‘ bezeichnet. Schostakowitsch, gerade fünfzig Jahre alt geworden, war Stalins Bannfluch los, nachdem offiziell verlautbart worden war, dass die gegen den Komponisten in den dreißiger Jahren erhobenen Vorwürfe überzogen und Stalins persönlicher Sicht zu verdanken gewesen seien. Dennoch: In der Literatur maßregelte Chruschtschow persönlich den im Westen alsbald sehr populären Boris Pasternak, was auch in den anderen Künsten als Warnsignal verzeichnet wurde, dass der Stalinismus nicht über Nacht verschwunden war. Schostakowitschs zehnte Symphonie war im Westen begeistert und im Osten mit einigen Reserven aufgenommen worden; mit der Elften war es damals umgekehrt. Heute wurden die Ausführenden in der vollen Berliner Philharmonie gefeiert, teilweise – namentlich Pauke und Englischhorn – wie Rockstars bejubelt. Die Sprache Schostakowitschs und die Interpretation dieses Abends fanden großen Anklang.

 

—| IOCO Kritik Berliner Philharmoniker |—

Dresden, Kulturpalast, Mariinski-Orchester – Valerie Gergiev, IOCO Kritik, 07.06.2019

Juni 7, 2019 by  
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Kulturpalast Dresden © Nikolaj Lund

Kulturpalast Dresden © Nikolaj Lund

Kulturpalast Dresden

Skrjabins futuristische Farbensymphonie leuchtet im Kulturpalast

Dresdner Musikfestspiele 2019

von Thomas Thielemann

In der klassisch orientierten Musikwelt gilt der russische Komponist Alexander Skrjabin (1871-1915) für viele als ein Verrückter, als ein Egomane mit allerlei mystischen Vorstellungen. Wer sich aber näher mit ihm beschäftigt, erkennt ihn als genialen stilprägenden Komponisten des beginnenden 20. Jahrhunderts. Leider bereits im Alter von 43 Jahren verstorben, hat er sein Schaffen nicht in Ansätzen vollenden können. Dazu kommt, dass Skrjabin ob seiner Freundschaft mit Georgi Plechanow (1856-1918) in Ost und West immer mit einem gewissen Misstrauen gesehen wurde, obwohl er sich in die Auseinandersetzungen der zwischen-revolutionären Bewegung des zaristischen Russlands nicht eingebracht hatte. Seine Philosophie bleibt ungreifbar. Okkultismus, Theosophie, indische Philosophie, Nietzsche, Fichte, Schopenhauer, Symbolismus und Marxismus baut er zu einem eigenen Denkgebäude, ohne sich einer Tradition verpflichtet zu fühlen. Mit seinen Kompositionen wollte er seine ästhetischen und weltanschaulichen Vorstellungen gestalten. Dabei genügten ihm die herkömmlichen Möglichkeiten nicht. Neben Orchester, Chor und Soloinstrumenten bezog er Farben und Bewegungen in seine Kompositionen ein. Zunehmend schafft er sich eine eigene Tonsprache, deren Vollendung sein früher Tod verhinderte.

Kulturpalast Dresden / Musikfestspiele 2019 - hier : Skrjabin und die Farbensymphonie mit Valerie Gergiev und das Mariinski - Orchester © Oliver Killig

Kulturpalast Dresden / Musikfestspiele 2019 – hier : Skrjabin und die Farbensymphonie mit Valerie Gergiev und das Mariinski – Orchester © Oliver Killig

Zu den Dresdner Musikfestspielen 2019  kam Valery Gergiev mit dem Orchester des Mariinski-Theater und brachte neben Tschaikowskis Vierter Sinfonie die einsätzigen La Poème op. 54 und op.60 von Alexander Skrjabin mit. Das „Poème de l´extase“ op. 54 hatte Skrjabin 1905 in Genf begonnen, als ihn die Nachrichten von den revolutionären Ereignissen in Russland erreichten. Ektase bedeutete dabei für Skrjabin Handlungsbereitschaft und gleichermaßen Schaffensrausch. Er schließt das Werk als sinfonische Dichtung und nicht als 4.Sinfonie an seine Dreier-Serie an. Stattdessen wählt er die Form des einsätzigen Poems. Die Orchestersprache ist erweitert und eine differenziertere Klangfärbung soll „die göttliche Kraft des freien Willens in seiner Selbstverwirklichung durch die aktive Tat“, und deren Entwicklung zu diesem Ziel, zum Ausdruck bringen.

Diesem Grundkonzept ordnete auch Valery Gergiev sein Dirigat unter, indem er zunächst ziemlich verhalten seine gewaltige Orchesterbesetzung beginnen ließ. Mit für Gergiev ungewöhnlichem Körpereinsatz trieb er in der Folge seine Musiker in Skrjabins Mythologie und zu dessen Ekstase Begriff. Skrjabin hatte 1908 die Komposition noch mit einem Gedicht regelrecht erläutert: „Der Geist, vom Lebensdurst beflügelt, schwingt sich auf zum kühnen Flug“. Er hatte aber untersagt, dass die 369 Verse in die Partitur aufgenommen werden, weil sich die Dirigenten „auf die reine Musik beziehen sollten“.

Das Proéthée.Le poème du feu op. 60 hatte Skrjabin für ein überbordeten Orchesterapparat, ein Soloklavier, einen vierstimmig gemischten Chor und ein „Farbenklavier“ komponiert. Mit dieser multimedialen Konstruktion aus Musik und Lichtinstallation wollte er ein Gesamtkunstwerk für Auge und Ohr, ein Ansprechen mehrere Sinne erreichen. Er dachte sogar über die Einbeziehung von Gerüchen nach.

Kulturpalast Dresden / Musikfestspiele 2019 - hier : Skrjabin und die Farbensymphonie mit Valerie Gergiev © Oliver Killig

Kulturpalast Dresden / Musikfestspiele 2019 – hier : Skrjabin und die Farbensymphonie mit Valerie Gergiev © Oliver Killig

Skrjabin hatte die „synästhetische Fähigkeit“, dass er beim Hören von Musik Farben sah. Derartige Erfahrungen wollte er mit dem Farbenklavier seinem Publikum gleichfalls vermitteln. Oberhalb der üblichen Instrumentalstimmen enthält die Partitur des „Prometheus-Poems“ eine als „Tasteria per luce“ bezeichnete Doppel-Stimme in traditioneller Notenschrift, wobei jedem Ton der Oktave eine Farbe zugeordnet ist. Die Zweistimmigkeit ermöglicht, dass Farben gemischt werden können.

Während des Konzertes wurden das Orchester des Mariinski-Theater und die Saal-Rückwand wechselnd mit sattem Licht unterschiedlicher Farben (Foto) angestrahlt

Die Pianistin Danae Dörken (*1991) ordnete die Farbenmischung den Rhythmen der wechselden Klängen zu. Eigentlich war schon im Vorfeld klar, dass die von Skrjabin angestrebte Wirkung beim erstmaligen Erleben nur begrenzt erreicht werden könnte. Es lenkte zunächst die Lichtwirkung den ungeübten Besucher von der „Harmonik der wechselnden Klangzentren“ und dem wundervollen Klavierspiel des Solisten Ilya Rashkovskij ab. Lichtdesign: Sebastian Marschner. Dabei sind die sechstönigen „Klangzentren“ von 1908 eine Vorstufe der erst ein Jahrzehnt später entwickelten Zwölfton-Musik. Eine Wirkung des sogenannten „Mystischen Akkords“ dürfte dem übergroßen Teil der Hörer ohnehin verloren gewesen sein.

Am 19. September 2019 werden wir Skrjabins selten gespielte Farbensymphonie im Theater Magdeburg (link hier) erleben, wo die neue Generalmusikdirektorin Anna Skryleva das Werk als Einstand ihrem neuen Publikum bieten möchte.

Im zweiten Konzert-Teil bot Valery Gergiev mit den Mariinsky-Musikern eine vollendet ausgereifte vierte Sinfonie von Peter Tschaikowski und enttäuschte ob seiner bekannten sparsamen Dirigierweise nicht.

Nach der Zugabe erlebten die Musiker, wenn auch etwas zögerlich, stehende Ovationen für dies außergewöhnliche Konzerterlebnis

—| IOCO Kritik Kulturpalast Dresden |—

Essen, Philharmonie Essen, Russian National Orchestra – Lucas Debargue, 15.04.2018

März 29, 2018 by  
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Philharmonie Essen

Philharmonie Essen / Mikhail Pletnev @ Russian National Orchestra

Philharmonie Essen / Mikhail Pletnev @ Russian National Orchestra

Pianist Lucas Debargue –  Russian National Orchestra

Philharmonie Essen / Lucas Debargue @ Xiomara Bender

Philharmonie Essen / Lucas Debargue @ Xiomara Bender

Der renommierte Tschaikowski-Wettbewerb 2015 war sein großer Durchbruch: Der französische Pianist Lucas Debargue erhielt den Preis der Moskauer Musikkritiker für sein „gleichsam kraftvolles und intellektuelles Spiels sowie seine poetische und lyrische Phrasierung“. Dass der 27-jährige Debargue seitdem zu Recht in großen Häusern wie dem Amsterdamer Concertgebouw oder der New Yorker Carnegie Hall zu Gast ist, kann er nun bei seinem Debüt in der Philharmonie Essen beweisen: Am Sonntag, 15. April 2018, um 17 Uhr interpretiert er gemeinsam mit dem Russian National Orchestra unter der Leitung von Mikhail Pletnev Maurice Ravels faszinierendes Klavierkonzert G-Dur, das der Komponist nach eigenen Worten „im Geiste von Mozart und Saint-Saëns“ schrieb. Reizvoll sind auch die anderen vom Orchester gespielten Werke: Neben einem weiteren Ravel-Stück, der Suite aus dem Ballett „Daphnis et Chloé“, stehen Alexander Skrjabins Sinfonische Dichtung „Promethée. Le poéme du feu“ (Prometheus, die Dichtung vom Feuer) und die Serenade op. 2 des polnischen Komponisten Mieczyscaw Karcowicz auf dem Programm.

Das Russian National Orchestra wurde 1990 von Mikhail Pletnev gegründet. Bereits im darauffolgenden Jahr stellte das britische Musikmagazin „Gramophone“ fest: „Beeindruckend – ist es möglich, dass gewöhnliche Sterbliche so spielen können?“ Seitdem sorgt das Orchester international regelmäßig für begeisternde Auftritte. Auch in der Philharmonie Essen konnte sich das Publikum in den vergangenen Jahren schon von dem einzigartigen Klang überzeugen. Erfolgreich ist das Russian National Orchestra auch auf Tonträgern: Die Aufnahme von Schostakowitschs Sinfonie Nr. 7 unter der Leitung von Paavo Järvi wurde 2015 ausgezeichnet und für den Grammy Award 2016 nominiert.

—| Pressemeldung Philharmonie Essen |—

Essen, Klavierfestival Ruhr 2015, IOCO Aktuell, 16.01.2015

Januar 19, 2015 by  
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KLAVIER-FESTIVAL RUHR 2015

Klavierfestival Ruhr / Leitmotiv_2015© Norber Huettermann

Klavierfestival Ruhr / Leitmotiv_2015© Norber Huettermann

 

 Klavier- Festival Ruhr 2015

17. 4 – 4.7. 2015:  64 Events in 20 Lokationen

Franz-Xaver Ohnsorg, der rührige, energiegeladene Intendant des Klavier- Festivals Ruhr rief und sehr viele kamen zur Pressekonferenz im RWE-Salon der Essener Philharmonie. Sponsoren, Förderer und last, but not least, die Presse fand sich ein. Musikjournalisten aus allen Himmelsrichtungen spitzten die Ohren, was ihnen Professor Ohnsorg, sowie die Herren Dr. Diemer (Mercator-Stiftung) und Dr. Bleek (Leiter des Education-Programms des Klavierfestivals) zu verkünden hatten.

Wie in den Jahren zuvor wurde eine Statistik erstellt. Demnach sind in diesem Jahr 64 Veranstaltungen auf 29 Podien in 20 Veranstaltungsorten vorgesehen.

Klavierfestival Ruhr / Grimaud © Mohn

Klavierfestival Ruhr / Grimaud © Mohn

Klavierfestival Ruhr / Arger Maisk-Wohlr

Klavierfestival Ruhr / Arger Maisk-Wohlr

 – 120 Solisten wirken mit, davon 86 Pianisten und 13 Orchester, bzw. Ensembles.

– Die Pianisten sind aus 21 Ländern. Insgesamt 350 Kompositionen werden zu hören sein.
– 103 CD-Produktionen gab es bisher, acht kommen in diesem Jahr dazu.
– Des weiteren wird eine TV-Dokumentation vorbereitet.
– Hauptsponsor in diesem Jahr ist die Essener Nationalbank.

Ohnsorg wies noch einmal darauf hin, dass das Klavierfestival privat finanziert ist und ohne staatliche Zuwendungen geführt wird.

Das weltweit größte Klavierfestival findet in diesem Jahr vom 17. April bis zum 4. Juli 2015 statt. Der Vorverkauf beginnt am 17. Januar.

Schwerpunkte des diesjährigen Festivals sind der 150. Geburtstag des finnischen Komponisten Jean Sibelius in der Reihe “Der nordische Ton“, verbunden mit einer Hommage an Edward Grieg.

Klavierfestival Ruhr Trifonov Daniil © Dario Acosta Deutsche Grammophon

Klavierfestival Ruhr Trifonov Daniil © Dario Acosta Deutsche Grammophon

Außerdem wird das Klavierwerk von Alexander Skrjabin Akzente setzen. Der Skrjabin-Schwerpunkt würdigt den 100. Todestag des “exzentrischen Universal-Genies“. Allein fünf führende russische Pianisten unserer Zeit demonstrieren den hohen Rang der russischen Klavierschule: Denis Matsuev, Mikhail Pletnev, Grigori Sokolov, Daniil Trifonov und Arcadi Volodos[Von Danil Trifonov wurden Aufnahmen bei der deutschen Grammophon veröffentlicht.]

Interessant wird sicher ein Schubert-Gipfel werden, bei dem man Interpretations-Vergleiche anstellen kann. Schuberts letzte Klaviersonate in B-Dur, D 960, wird in der Deutung von Daniel Barenboim (in der Tonhalle Düsseldorf), Arcadi Volodos (in der Philharmonie Essen) und Marc-Andre Hamelin (in der Stadthalle Mühlheim) zu hören sein.

Der Schwerpunkt “Der Nordische Ton“ ist dreifach unterteilt. Olli Mustonen spielt Werke von Grieg und Sibelius. Henri Siegfriedsson spielt ein reines Sibelius-Programm. Graham Johnson und die weltweit bekannte schwedische Sopranistin Miah Persson interpretieren Lieder nordischer Komponisten.

Einen wichtigen Raum nimmt auch die Education-Arbeit des Klavier Festival Ruhr ein. Im vergangenen Jahr gab es dafür den “Junge Ohren-Preis“. In diesem Jahr konzentriert man sich auf die Musik von Bela Bartok.

Von großem Interesse dürften auch die sechs Konzerte der Reihe “Jazz Line“ sein. Mit einem außerordentlichen Bonbon nach dem offiziellen Schluss des Klavier-Festival Ruhr wird damit die Reihe gekrönt. Als einziges Konzert deutschlandweit, spielen am 11. Juli die Jazz-Pianisten Chick Corea und Herbie Hancock in der Essener Philharmonie.

Bereits zum 12. Mal ist Lang Lang Gast des Festivals. Er debütierte beim Festival 2003 in Bochum, noch vor seinem großen Durchbruch. In diesem Jahr spielt er in Wuppertal in der Historischen Stadthalle. Auf dem Programm sind Werke von Bach, Tschaikowsky und Chopin.

Klavierfestival Ruhr / Grimaud_Helen (c ) Mat Henek

Klavierfestival Ruhr / Grimaud_Helen (c ) Mat Henek

Das Eröffnungskonzert am 17. April gestalten das Klavierduo Yaara Tal und Andreas Groethuysen mit Bearbeitungen zu vier Händen von Kompositionen Mozarts, Griegs und von Richard Strauss.

Die hier angeführten Konzerte sind nur Highlights aus einem umfangreichen Programm. Es ist daher sinnvoll, dass sich ein jeder Interessent und Liebhaber des Klavier-Festivals Ruhr, so schnell wie möglich die wieder hervorragend gestaltete Broschüre anfordert.

IOCO / UGK / 16.01.2015

—| IOCO Kritik Klavierfestival Ruhr |—

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