Klagenfurt, Kärntner Sinfonieorchester, Nicholas Milton – Neuer Chefdirigent, IOCO Aktuell, 01.03.2021

Stadttheater Klagenfurt

Stadttheater Klagenfurt

Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer

Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer

Nicholas Milton – Chefdirigent des Kärntner Sinfonieorchester

Ab der Spielzeit 2021/2022 wird Nicholas Milton, *1967 in Sydney, neuer Chefdirigent des Kärntner Sinfonieorchesters. Er wird für seine herausragenden Interpretationen eines breitgefächerten Opern- und Konzertrepertoires geschätzt und ist auch Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Göttinger Symphonieorchesters. Er hat bereits Konzerte mit dem Kärntner Sinfonieorchester erarbeitet und wird die Spielzeit 2021/2022 in Klagenfurt mit Richard Wagners Die Walküre eröffnen.

Milton war von 2014 bis 2018 Generalmusikdirektor am Saarländischen Staatstheater in Saarbrücken. Gastengagements in den letzten Jahren führten ihn an Häuser wie die Deutsche Oper Berlin, die Komische Oper Berlin, die Volksoper Wien und Opernhäuser in Dortmund, Leipzig, Linz und Innsbruck. Zuletzt dirigierte er an der Deutschen Oper Berlin Tosca, Così fan tutte und Die Entführung aus dem Serail. Demnächst stehen La Bohème und Madama Butterfly an der Opera Australia (Sydney Opera House) und Don Giovanni an der Deutschen Oper Berlin auf dem Programm.

Kärntner Sinfonieorchester / hier die Präsentation von Nicholas Milton © Christoph Mischke

Kärntner Sinfonieorchester / hier die Präsentation von Nicholas Milton © Christoph Mischke

Im Alter von 19 Jahren zum jüngsten Konzertmeister Australiens ernannt, begann Milton zunächst eine erfolgreiche Karriere als Solo-Violinist und Kammermusiker, bevor er sich ausschließlich dem Dirigieren widmete. Er war erster Konzertmeister beim Adelaide Symphony Orchestra und Violinist des renommierten Macquarie Trios in Australien. Von 2004 bis 2010 leitete er als Generalmusikdirektor die Jenaer Philharmonie, von 2007 bis 2020 war er Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Canberra Symphony Orchestra. Seit 2001 bekleidet er das Amt des Chefdirigenten des Willoughby Symphony Orchestra (Sydney).

Studien in Australien und den Vereinigten Staaten schloss Milton mit einem Master in Violine, Dirigieren, Musiktheorie und Philosophie ab. Außerdem promovierte er an der City University New York. Nicholas Milton wurde von Jorma Panula an der Sibelius Akademie Helsinki gefördert. Als Assistent von Mariss Jansons begleitete er das Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam auf einer umfangreichen Tournee durch Europa und die USA.

Nicholas Milton wurde für besondere Verdienste als Dirigent mit der Aufnahme in den Order of Australia (AM) geehrt. Seine Diskografie umfasst ca. 60 Aufnahmen. 2016 war er mit einem Album für den GRAMMY® nominiert. Mehrere CD-Aufnahmen mit dem Konzerthausorchester Berlin und der Deutschen Radio Philharmonie erscheinen demnächst bei Onyx Classics und cpo.
Nicholas Milton: „Ich freue mich sehr, mit dem Stadttheater Klagenfurt und den MusikerInnen des Kärntner Sinfonieorchesters auf diese aufregende musikalische Reise zu gehen. Die Konzerte, die wir bisher gemeinsam erarbeitet haben, sind für mich unvergesslich und ich denke, wir haben gemeinsam Momente von besonderer Schönheit geschaffen. Wir alle hoffen, dass das Stadttheater die dunklen Zeiten der Pandemie bald hinter sich lassen kann und ich freue mich darauf, eine zukunftsträchtige Grundlage zu schaffen, die unserem Publikum wieder Freude, Inspiration und Seelennahrung bringt.“

Intendant Aron Stiehl:Es ist uns eine große Freude, diesen international renommierten Dirigenten für unser Theater gewinnen zu können. Mit seiner reichen Erfahrung, seiner profunden und vielfältigen Repertoirekenntnis und vor allem seiner musikalischen Sensibilität wird er das KSO hervorragend leiten und inspirieren. Er hat bereits mit den MusikerInnen des KSO gearbeitet – die Chemie stimmt.“

  Das Orchester – Sinfonieorchester – Stadttheater Klagenfurt

Das Kärntner Sinfonieorchester gilt als das musikalische Aushängeschild Kärntens. Das „Orchester des Stadttheaters“ änderte in den 1990er Jahren nicht nur seinen Namen, sondern auch sein Repertoire und wurde in das  Sinfonieorchester des Landes Kärntens umgewandelt. Seitdem hat es sich, zusätzlich zum breiten Opern-, Operetten- und Musicalrepertoire ein umfangreiches sinfonisches Repertoire aufgebaut. Neben bedeutenden Dirigenten wie Bertrand de Billy, Antonello Manacorda, Lorenzo Viotti, Michael Güttler, Robin Ticciati oder Alexander Joel sind international renommierte Solisten wie Bernarda Fink, Michael Schade, Julian Rachlin oder Phillipe  Entremont musikalische Partner des Orchesters. Unter dem Chefdirigat Alexander Soddys (2013–2017) fand eine Repertoireerweiterung statt, unter anderem wurden Richard Strauss‘ Der Rosenkavalier sowie alle Brahms- Sinfonien erarbeitet. Das sinfonische Highlight der Saison 2013/2014 war die Eröffnung des neuadaptierten Großen Saales des Klagenfurter Konzerthauses mit Beethovens 9. Sinfonie. Seit dem Sommer 2015 ist das Kärntner Sinfonieorchester regelmäßig beim Carinthischen Sommer zu Gast. Seit Beginn der Spielzeit 2018/2019 steht Nicholas Carter dem Kärntner Sinfonieorchester als Chefdirigent vor.

—| IOCO Aktuell Stadttheater Klagenfurt |—

 

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater Wiesbaden, Aktuelles 2019/20 – Spielzeit 2020/21; IOCO Aktuell, 24.04.2020

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Spielzeit 2019/20  –  Aktuelles

 Uwe Eric Laufenberg ganz persönlich © IOCO

Uwe Eric Laufenberg – mal ganz persönlich © IOCO

Im Rahmen der Maßnahmen zur Eindämmung der Infektion mit dem Corona-Virus bleibt der Vorstellungsbetrieb des Hessischen Staatstheaters Wiesbadens weiterhin unterbrochen. Alle Vorstellungen bis 19. Mai 2020 sind abgesagt.

Aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Infektion mit dem Corona-Virus und der damit verbundenen Unterbrechung des Probenbetriebs werden alle Vorstellungen der Oper Tristan und Isolde, der Stückentwicklung Kriegerin, des Jungen Schauspiels Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse, des Jungen Balletts Rotzfrech, des Balletts Roots am Hessischen Staatstheater Wiesbaden leider entfallen.

Anna Nicole – von Mark Anthony Turnage auf dem Spielplan 2019/20
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Anna Nicole – von Mark Anthony Turnage auf dem Spielplan 2019/20 – IOCO Rezension HIER

Spielzeit 2020/21 – RING, Babylon, Quichotte ….

Im Rahmen einer  Videopräsentation, unten, stellten Intendant Uwe Eric Laufenberg und Geschäftsführender Direktor Bernd Fülle zusammen mit ihrem Team das Programm der Spielzeit 2020/21 des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden vor.

Die Krise, die wir derzeit durchleben, zeigt, wie sehr der Wert des Menschen jederzeit Gegenstand der Verhandlung ist. Der Spielplan des Hessischen Staatstheater Wiesbaden trägt dem in der kommenden Spielzeit in besonderer Weise Rechnung: Sowohl in der Oper als auch im Schauspiel stehen Stoffe im Mittelpunkt, bei denen der Wert des Menschen auf grundlegende Weise durchgespielt wird. Dabei stehen zwei Großprojekte im Mittelpunkt: Zum einen Richard Wagners Ring des Nibelungen, der nichts weniger als ein Versuch ist, die gesamte Menschheitsgeschichte abzubilden und der viermal zyklisch gezeigt wird; zum anderen die deutschsprachige Erstaufführung von Tom Stoppards Trilogie Die Küste Utopias, in der die Sozialgeschichte Europas und Russlands in brillanter Manier auf das persönliche Leben einiger Individuen heruntergebrochen wird.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden – Intendant Laufenberg präsentiert Spielplan 2020/21
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Insgesamt erwarten das Publikum in der Spielzeit 2020.2021 in der Opernsparte sieben oder acht Neuinszenierungen und zehn Wiederaufnahmen. Hervorzuheben sind hierbei das Figaro-Operndoppel zum Saisonauftakt mit Gioachino Rossinis Der Barbier von Sevilla und Wolfgang Amadeus Mozarts  Die Hochzeit des Figaro, auch dies (vor-) revolutionäre Befragungen des Uwe Eric Laufenberg, gesellschaftlichen Wertes des Menschen; Puccinis Triptychon in der Inszenierung von drei Einakter, die Hölle, Fegefeuer und Himmel des Menschen ausschreiten; und als abschließender Höhepunkt die Neuproduktion von Jörg Widmanns Oper Babylon, ein in seiner allumfassenden Weltbeschreibung jegliche Grenzen überschreitendes Werk. In den acht Sinfoniekonzerten des Hessischen Staatsorchesters Wiesbaden sind große Dirigentenpersönlichkeiten und herausragende Solisten vertreten. Am Pult des Hessischen Staatsorchesters stehen GMD Patrick Lange, Johannes Dabus, Andreas Spering und Christoph-Mathias Mueller. Als Solisten sind u.a. Chouchane Siranossian, Sebastian Manz und Frederic Belli sowie Olga Bezsmertna als Gesangssolistin zu erleben.

Das Schauspielbietet neben der genannten Erstaufführung von Tom Stoppards Trilogie die Uraufführung der Bühnenfassung von Salman Rushdies jüngstem Roman Quichotte sowie neun weitere Premieren, darunter die deutschsprachige Erstaufführung des Stücks Admissions sowie im Großen Haus Uwe Eric Laufenbergs Inszenierung des Shakespeare’schen König Lear.

Das Hessische Staatsballett zeigt drei Premieren und die Wiederaufnahme von Tschaikowskys Klassiker Der Nussknacker. Ergänzt wird das Programm mit wichtigen Projekten aus der aktuellen Tanzszene. Das Junge Staatstheater bietet in allen Sparten zahlreiche Premieren und Wiederaufnahmen sowie ein erweitertes Programm der Theaterpädagogik für Kinder, Jugendliche und Familien an.

Im kommenden Jahr feiern die Internationalen Maifestspiele des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, die seit 1896 den kulturellen Höhepunkt im Theaterkalender der Stadtbilden, ihr 125. Jubiläum. Sämtliche Sparten der Darstellenden Kunst sind vertreten: Oper und Konzert, Tanz, Performance und Schauspiel.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Raffael Neff

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Raffael Neff

OPER 2020/21 – Im Detail

Ein Spielzeit-Höhepunkt ist Richard Wagners Ring des Nibelungen in der Regie von Uwe Eric Laufenberg, der erstmals unter der Musikalischen Leitung von GMD Patrick Lange einstudiert und in vier kompletten Zyklen aufgeführt wird. Die Termine hier:

RING I
Dienstag 02.02.2021 19:30 Großes Haus Das Rheingold
Mittwoch 03.02.2021 17:00 Großes Haus Die Walküre
Freitag 05.02.2021 17:00 Großes Haus Siegfried
Sonntag 07.02.2021 17:00 Großes Haus Götterdämmerung
Ring II
Sonntag 14.02.2021 18:00 Großes Haus Das Rheingold
Sonntag 21.02.2021 17:00 Großes Haus Die Walküre
Sonntag 28.02.2021 17:00 Großes Haus Siegfried
Sonntag 13.06.2021 17:00 Großes Haus Götterdämmerung
Ring III
Mittwoch 31.03.2021 19:30 Großes Haus Das Rheingold
Donnerstag 01.04.2021 17:00 Großes Haus Die Walküre
Samstag 03.04.2021 17:00 Großes Haus Siegfried
Montag 05.04.2021 17:00 Großes Haus Götterdämmerung
Internationale Maifestspiele 2021  – Ring
Mittwoch 19.05.2021 19:30 Großes Haus Das Rheingold
Donnerstag 20.05.2021 17:00 Großes Haus Die Walküre
Samstag 22.05.2021 17:00 Großes Haus Siegfried
Montag 24.05.2021 17:00 Großes Haus Götterdämmerung

Die Spielzeit 2020.2021 am Hessischen Staatstheater Wiesbaden wird mit einem Figaro-Operndoppel unter der Musikalischen Leitung von Konrad Junghänel eröffnet, mit Gisbert Jäkel als Bühnenbildner für beide Teile: Gioachino Rossinis Der Barbier von Sevilla wird von Schauspieler und Regisseur Tilo Nest inszeniert, der 2019/20 Tyll im Großen Haus zeigte. Ioan Hotea übernimmt die Partie des Graf Almaviva. Als Figaro alternieren Christopher Bolduc und Benjamin Russell. Silvia Hauer singt die Partie der Rosina. Als Bartolo wird Thomas de Vries zu erleben sein. Wolfgang Amadeus Mozarts Oper Die Hochzeit des Figaro hat in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg Premiere. Die Titelpartie übernimmt Konstantin Krimmel, als Graf Almaviva alternieren Benjamin Russell und Christopher Bolduc. Als Gräfin Almaviva ist Slávka Zámecníková und als Susanna Anna El-Khashem zu erleben. Die Opernbearbeitungen der ersten beiden Teile von Beaumarchais’ Schauspiel-Trilogie werden am Hessischen Staatstheater zu einem Tripel ergänzt durch Ödön von Horváths Fassung des dritten Teils: Figaro lässt sich scheiden (Premiere im Studio). In Philipp M. Krenns Neuinszenierung von Giuseppe Verdis Il Trovatore unter der Musikalischen Leitung von Alexander Joel singt Vesselina Kasarova ihr Rollendebüt als Azucena. Aluda Todua ist Graf von Luna, Cristiana Oliveira ist Leonora, Aldo di Toro alterniert mit Aaron Cawley als Manrico. Mit Lady Macbeth von Mzensk von Dmitri Schostakowitsch unter der Musikalischen Leitung von GMD Patrick Lange inszeniert Evgeny Titov zum ersten Mal eine Oper. Die Partie der Katerina Lwowna Ismailowa singt Cornelia Beskow, als Boris Timofejewitsch Ismailow ist Andrey Valentiy zu erleben. Die Partie des Sinowi Borissowitsch Ismailow übernimmt Rouwen Huther, die Partie des Sergej singt Aaron Cawley.

Für die Neuinszenierung von Der Zigeunerbaron von Johann Strauss haben Dirigent Philipp Pointner und Regisseur Marco Štorman für Wiesbaden eine eigene Spielfassung unter Verwendung der rekonstruierten Urfassung in der kritischen Edition erstellt. Zu den Solisten zählen u. a. Benjamin Russell (Graf Peter Homonay), Marco Jentzsch (Sándor Barinkay), Shavleg Armasi (Kálmán Zsupán), Stella An (Arsena), Narine Yeghiyan (Saffi) sowie Moderator Klaus Krückemeyer als Conte Carnero.

Giacomo Puccini fügte die drei Einakter Der Mantel, Schwester Angelica und Gianni Schicchi in Das Triptychon zusammen. Unter dem Gesamttitel Puccinis ›Triptychon‹ inszeniert Uwe Eric Laufenberg, die Musikalische Leitung übernimmt Alexander Joel. Unter den Solisten sind u. a. Daniel Luis de Vicente als Michele und in der Titelpartie von Gianni Schicchi sowie Olesya Golovneva als Schwester Angelica und Lauretta hervorzuheben. Mit Giuseppe Verdis Macbeth zeigt der südafrikanische Regisseur Matthew Wild nach Leoš Janáceks Katja Kabanowa seine zweite Operninszenierung am Hessischen Staatstheater Wiesbaden. Unter der Musikalischen Leitung von Leo McFall singen Aluda Todua als Macbeth und Gabriela Schererals Lady Macbeth.

Babylon von Jörg Widmann
youtube Trailer Staatsoper Unter den Linden
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Eines der monumentalsten zeitgenössischen Opernwerke der letzten Jahre, das an den Staatsopern in München und Berlin große Erfolge feierte, ist Jörg Widmanns Babylon. Die Neuproduktion am Hessischen Staatstheater Wiesbaden ist die erste Aufführung der neuen Fassung seit deren Uraufführung 2019 an der Staatsoper Berlin und wird die Internationalen Maifestspiele 2021 eröffnen. Im großen Solisten-Ensemble sind aus der Berliner Besetzung Marina Prudenskaya (Der Euphrat) und Otto Katzameier (Der Tod) zu erleben, Gloria Rehm kehrt in der Partie der Inanna ans Hessische Staatstheater zurück, weitere Solisten sind Daniel Jenz (Tammu), Michelle Ryan (Die Seele), Philipp Mathmann (Der Skorpionmensch) und Claudio Otelli (Der Priesterkönig). Die Musikalische Leitung der auch im Orchester außergewöhnlich groß besetzten Produktion hat Albert Horne inne, der als Chordirektor den Chor des Hessischen Staatstheaters leitet und diesen für Babylon mit dem Chor des Staatstheaters Darmstadt (Einstudierung: Sören Eckhoff) zusammen führt. Die Opernsparte des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden bereichert den Spielplan außerdem mit einer Reihe eigener Wiederaufnahmen in zum Teil neuen Besetzungen.

—| Pressemeldung Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Il Trovatore – Giuseppe Verdi, 28.03.2020

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Il Trovatore  –  Giuseppe Verdi (1813 – 1901)

Premiere Samstag, den 28. März 2020 um 19.30 Uhr , Die beiden nächsten Vorstellungstermine: 5. & 8. April, jeweils um 19.30 Uhr

»Du bist gerächt, Mutter!« Die letzten Worte der Zigeunerin Azucena enthüllen die treibende Kraft in Verdis Trovatore: Die Handlung gleicht einem Alptraum, in dem die Vergangenheit und die Toten die Gegenwart der Lebenden beherrschen. So bestimmt Azucenas Rache für die Verbrennung ihrer Mutter auf dem Scheiterhaufen durch den alten Grafen Luna das Schicksal aller Figuren. Sie trennte die Brüder Manrico und Luna voneinander, sie erstickt jeden Freiraum für Leonoras und Manricos Liebe in Zeiten des Konflikts.

In Wiesbaden wird Verdis Meisterwerk des romantischen Musiktheaters inszeniert von Philipp M. Krenn, dessen »Peter Grimes« von Presse und Publikum gleichermaßen gefeiert wurde. Am Pult des Hessischen Staatsorchesters steht Alexander Joel.

Als Graf von Luna ist Aluda Todua aus dem Ensemble des Bolschoi-Theaters zu erleben, der in Wiesbaden in der letzten Spielzeit als Rigoletto debütierte. Die Rolle der Leonora übernimmt die portugiesische Sopranistin Cristiana Oliveira. Erstmals in der Partie der Azucena singt Vesselina Kasarova. Der australische Tenor Aldo di Toro gibt als Manrico am Hessischen Staatstheater Wiesbaden sein Hausdebüt.

Musikalische Leitung Alexander Joel, Inszenierung Philipp M. Krenn, Bühne Rolf Glittenberg Kostüme Marianne Glittenberg Chor Albert Horne Licht Andreas Frank Dramaturgie Katja Leclerc

Graf von Luna Aluda Todua, Leonora Cristiana Oliveira, Azucena Vesselina Kasarova, Manrico Aldo di Toro, Ferrando Young Doo Park Ines Stella An Ruiz Erik Biegel, Chor, Extrachor & Statisterie des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

—| Pressemeldung Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

Hamburg, Hamburgische Staatsoper, Luisa Miller – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 11.10.2018

Oktober 11, 2018 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Staatsoper Hamburg

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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

 Luisa Miller – Giuseppe Verdi

Ergreifende Belcanto-Wonnen an der Staatsoper

Von Michael Stange

Die Hamburgische Staatsoper hat mit Luisa Miller eine seltenere Verdi Oper in ihr Repertoire zurückgeholt. Die Werke Verdis, die sich an die deutschen Theaterklassiker anlehnen, haben es auf den deutschen Bühnen eher schwer. Opernvertonungen deutscher Klassiker waren und sind auch heute noch ein wenig verdächtig. Verdis Oper lehnt sich an Schillers Theaterstück an und handelt von der Liebe zwischen dem adeligen Rodolfo und der bürgerlichen Luise Miller.

Die Oper konzentriert sich stärker auf das Verhältnis der Personen als auf die Gesellschaftskritik Schillers. Zum tragischen Tod der Liebenden führen Intrigen, die Feindschaft von Familien unterschiedlicher Stände und eine starre, vorurteilsbehafteten und teilnahmslose Gesellschaft. In dieser Atmosphäre scheitert die Liebe zwischen Luisa und Rodolfo und sie finden den Tod.

Luisa Miller – Giuseppe Verdi
Youtube Trailer  der Hamburgische Staatsoper
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Andreas Homoki hat das Werk in seiner Inszenierung aus dem Jahr 2014 klug und dramatisch packend gedeutet. Er belässt – wie Schiller – alle Szenen in Innenräumen der jeweiligen Häuser und greift so Schillers Vorstellung auf, dass Intoleranz, Enge und gesellschaftliche Zwänge unausweichlich zur Katastrophe führen. Die grellen, mit wenigen Möbeln und großen Gemälde ausgestatteten Räume bilden eine kalte Atmosphäre. Die in der Ouvertüre verwendeten Schicksals und Intrigenmotive nimmt die Inszenierung auf. Die orchestralen Verweise werden durch kurze Bildsequenzen auf der Bühne verstärkt. So wird bildlich schon Zu Beginn auf die Verstrickungen und Katastrophen im weiteren Handlungsverlauf vorgegriffen. In fließender Bewegungen der Bühnenbilder reihen sich auch später die Szenen wie in einer Perlenkette aneinander. Die dramatische Zwangsläufigkeit, in die die Liebenden hineinsteuern, wird so sichtbarer. Entscheidenden Anteil am folgenden Verhängnis haben neben dem Vater Rodolfos, dem Grafen Walter, sein intriganter Gehilfe Wurm, der Luisa gleichfalls liebt. Ein weiterer entscheidender Faktor ist das fehlende Vertrauen der Liebenden zueinander, die sich daher einander nicht über die Intrigen offenbaren.

Mit den Kostümen aus der französischen Revolution schlägt Homoki zwei Fliegen mit einer Klappe. Er bietet einen leichten ästhetischen Kontrast zum kalten Bühnenbild. Gleichzeitig wird aber durch die kalten Farben klar, dass die Poesie der Kostüme nur eine Illusion ist. Dies unterstreicht der teilnahmslose und statisch agierende Chor. Den egoistischen Zielen von Graf Walter und Wurm treten keine äußeren Kräfte entgegen. Alle Akteure sind durch Erziehung, Glaube, Gesellschaft und Zwängen des eigenen Standes so festgelegt, dass die dramatische Entwicklung alternativlos vorgezeichnet ist und die Liebenden keine Chance haben. Die gesellschaftliche und moralische Verwahrlosung spiegeln die zunehmend verkommenen Kostümen und Frisuren der Choristen wieder. Als Schlusspunkt symbolisiert die Guillotine erneut den ständig präsenten Tod.

Nino Machaidze durchlebt die Partie der Luisa mit einem breiten Spektrum an stimmlichen Nuancen vom verschatteten Piano bis zur expressiven Leuchtkraft. Sie gibt ihrer Luisa viel Glut und dramatischen Glanz. Gesanglich und darstellerisch ist sie faszinierend. Dramatische Attacken paaren sich mit berückenden lyrischen Tönen. Ihr gelingt ein präsentes und packendes Portrait. Dafür wurde sie vom Publikum frenetisch gefeiert.

Staatsoper Hamburg / Luisa Miller von Giuseppe Verdi © Monika Rittershaus

Staatsoper Hamburg / Luisa Miller von Giuseppe Verdi © Monika Rittershaus

Joseph Calleja ist als Rodolfo eine Idealbesetzung. Er wartet mit klangschönen, lyrischem Schmelz und großer Durchschlagskraft auf. Den dramatischen Ausbrüchen ist er mühelos gewachsen. Die früher helle, weiche Stimme mit ihrem charakteristischen mediterranen Timbre hat die bezaubernde Klangqualität der jungen Jahre nahezu erhalten. Sie ist aber dunkler, metallischer und intensiver geworden und hat zugleich an Durchschlagskraft in der Höhe gewonnen. Mit dem Rodolfo hat Calleja eine ideale Rolle für seine gegenwärtige stimmliche Entwicklung gefunden. Dass einer der wichtigsten Verdi Tenöre unserer Tage ist, hat er in seinem Hamburger Rollendebut als Rodolfo erneut unter Beweis gestellt.

Roberto Frontalis dramatischer Miller bot durch seine gesangliche Intensität ein imposantes Gegenstück zum Conte di Walter von Vitalij Kowaljow mit seinem schwarzen Bass ist für diese schwere Belcantorolle wie geschaffen. Nadezhda Karyazina als Federica war mit ihrem blühenden Mezzosopran und ihren mühelosen, leuchtenden Spitzentönen ein weiterer wesentlicher Faktor dieser ganzvollen Gesamtleistung. Ramaz Chikviladze verlieh dem Wurm stimmliche Potenz und perfide Bösartigkeit.

Das Dirigat von Alexander Joel war ein wesentlicher Faktor dieses großen Verdiabends. Ihm gelang ein packendes, mitreißendes Dirigat. Verdis Spannungsbögen Verdis entfesselte er mit Dramatik und lyrischen Klängen. Das Orchester folgte ihm mit Feuer, Elan, Spielfreude und großer Präzision. Die balancierte und präzise Koordination zwischen Orchester, Solisten und Chor ermöglichte allen Beteiligten, sich an entscheidenden Stellen zu steigern, zu ergänzen und gemeinsam eine packende Gesamtdarbietung zu leisten. Die Besucherinnen und Besucher belohnten diese Glanzleistung mit tosendem Applaus. Dieser Abend war eine der Sternstunden der bisherigen Spielzeit.

Luisa Miller an der Hamburgischen Staatsoper; weitere Termine der Spielzeit 2018/19 –  11.10.2018

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