Gelsenkirchen, Musiktheater im Revier, Schwanda der Dudelsackpfeifer – Jaromir Weinberger, IOCO Kritik, 19.06.2019

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Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Schwanda der Dudelsackpfeifer – Jaromir Weinberger

Robin Hood trifft auf tschechischen Troubadix: Der Räuber Babinsky versteckt im Haus des musikalischen Bauernhelden Schwanda…..

von Ingo Hamacher

Teuflisch gut! Schwanda im MiR Gelsenkirchen: Mit tosendem Applaus in gut besetztem Haus, wurde eine großartige Premiere im MiR bejubelt, die auf allen Ebenen überzeugte.

Die Handlung von Schwanda ist eher unbekannt: Schwanda der Dudelsackpfeifer, verheiratet mit Dorota erhält Besuch von einem gewissen Babinsky, der Schwanda mit seinen Berichten von einem freien, abenteuerlichen Leben Lust macht, sein beschauliches Heim zu verlassen. Als Schwanda von einer melancholischen Königin hört, beschließt er, sie mit dem Spiels seines Dudelsacks zu heilen, und schleicht sich von zu Hause fort.

Musiktheater im Revier / Schwanda der Dudelsackpfeifer - hier : Piotr Prochera als Schwanda © Forster

Musiktheater im Revier / Schwanda der Dudelsackpfeifer – hier : Piotr Prochera als Schwanda © Forster

Mit einer fröhlichen Polka befreit er die Königin von ihrer Schwermut – aber als sie ihren Retter heiraten will, erscheint Dorota, Schwandas Frau. Der böse Magier, unter dessen Einfluss sich die Königin bis dahin befand, lässt Schwandas Dudelsack verschwinden und nimmt ihm damit seine Macht. Nun soll Schwanda sogar hingerichtet werden – aber im letzten Augenblick ist Babinsky als Retter da. Als Dorota dem Gatten Vorwürfe wegen seiner Untreue macht, schwört Schwanda – und,  der Teufel soll in holen, wenn es nicht wahr ist! -, dass… und der Teufel holt ihn wirklich.

Schwanda hockt in der Hölle, aber auch hier taucht Babinsky auf. Babinsky gewinnt dem Teufel beim Kartenspiel Schwandas Seele ab und bringt den Dudelsackpfeifer seiner treuen Dorota zurück.

Dass dies heitere und in seinen sinfonischen Passagen ungewöhnlich brillante Musikwerk Schwanda der Dudelsackpfeifer so selten gespielt wird, liegt keinesfalls an einer fehlenden Repertoirefähigkeit des Stückes, wie die aktuell im MiR in  Gelsenkirchen zur Diskussion gestellte Aufführung beweist, sondern ist eher mit der tragischen Biographie des Komponisten verbunden. So wie die Stärke des Textbuches in der ansprechenden Verarbeitung von Volkssagen liegt, zieht auch die Musik ihre größte Wirkungen aus einer glänzenden Verwendung der slawischen Folklore. Weinberger gibt zahlreiche eigene Ideen dazu und zeigt sich in der Verarbeitung als ausgezeichneter Musiker, einfallsreich in Harmonie und Orchestrierung, melodiös in der Führung der Singstimmen.

Jaromir Weinberger, der jüdische Tscheche mit dem deutschen Nachnamen, wurde am 08. Januar 1896 in Prag geboren, studierte in seiner Heimatstadt sowie in Leipzig bei Reger. Schon 1922 wurde er Professor für Komposition in Ithaka, USA, kehrte 1936 nochmals in die Heimat zurück, aus der ihn dann die deutsche Invasion drei Jahre später endgültig vertrieb. Weinberger konnte mit seiner Frau Hansi in die USA fliehen, wogegen seine Mutter und Schwester nach Treblinka deportiert und ermordet wurden. Seine Oper konnte sich zwar noch auf den Spielplänen halten, aber die ihm zustehenden Tantiemen wurden ihm nicht ausbezahlt, so dass Weinberger in den USA mittellos und vergessen lebte. Zwei weitere Opern, Die geliebte Stimme (1931) und Wallenstein (1937) konnten den Erfolg von Schwanda nicht wiederholen. In Nordamerika, wo er sich nach der Auswanderung niederließ, schuf er u.a. eine Lincoln-Sinfonie sowie mehrere Musicals. In der Seele verwundet nahm er sich am 09. August 1967 in St. Petersburg/NY, USA das Leben.

Das Textbuch der zweiaktigen Volksoper Schwanda der Dudelsackpfeifer stammt von dem tschechischen Schriftsteller Milos Kares, der auf Weinbergers Anregung alte slawische Märchen verarbeitet, darunter jenes von edlen Räuber Babinsky und das des Dudelsackpfeifers und Aufschneiders Schwanda aus Strakonitz. Nach der noch mit Zurückhaltung aufgenommenen Uraufführung am 27.April 1927 in Prag (im gleichen Jahr haben Kreneks Jonny spielt auf, Schoecks Penthesilea und Hindemiths Hin und zurück Premiere) geht Schwanda nach der Übersetzung und Veränderungsberatung von Max Brod erfolgreich über 300 Bühnen in der ganzen Welt.

Eine charmante Begrüßungsidee: Auf den geschlossenen Vorhang werden zwei Lehrbuchzeichnungen projiziert. Die Skizze eines Dudelsacks und eines menschlichen Herzens. Neben den erstaunlich ähnlichen Umrissen wird damit auch das Thema des Abends vorgestellt: Musik und die menschliche Seele sind im Grunde eins.

Ort und Zeit: Schwandas Bauernhof im tschechischen Dorf Strakonice, das für seine Dudelsackspieler berühmt und sprichwörtlich war; der Hof der Königin zur Märchenzeit, d.h. zur Zeit des legendären Volkshelden Babinsky. Die Hölle.

Musiktheater im Revier / Schwanda der Dudelsackpfeifer - hier : Schwanda und Babinsky © Forster

Musiktheater im Revier / Schwanda der Dudelsackpfeifer – hier : Schwanda und Babinsky © Forster

Erstes Bild: DAHEIM

Der Vorhang hebt sich über einem böhmischen Bauernhausgarten, Teil des Heims von Schwanda, dem lustigen Dudelsackspieler und seiner Frau Dorota. Mit wenigen Elementen farbenprächtig angedeutet, strahlt die Szene vor einem dem den ganzen Abend schwarzen Hintergrund. Ilia Papandreou, die die Partie der Dorota singt, überzeugt mit einem stimmstarken Sopran, den man sich zwar auch lyrischer hätte vorstellen können, der jedoch zur burschikos inszenierten Rolle sehr gut passt.

Zwei Landsknechte erscheinen und fragen die allein anwesenden Dorota, ob sie nicht einen Fremden gesehen habe, den zu verhaften sie ausgeschickt wurden. Als die Frau verneint, eilen sie weiter. Da springt ein Mann aus der Krone eines Baumes auf die Erde nieder und beginnt ein liebenswürdiges galantes Gespräch mit Dorota, die vor Verlegenheit kaum weiß, wie sie ihn behandeln soll. Der Fremde, der sich später als Räuber Babinski vorstellen wird, wird von Uwe Stickert mit glasklarem hohen Tenor gesungen, eine starke Leistung!

Schwanda (Piotr Prochera) Bariton, der sich nach anfänglichen Unsicherheiten im zweiten Teil der Partie vollumfänglich gewachsen zeigt) kommt von seinen Feldern heim, und der Fremde weiß sofort seine Neugierde zu wecken. Er gibt ein Lied über den berühmten Räuber Babinsky zum besten, der vom ganzen Volk mehr geliebt als gefürchtet wird, da er die Reichen plündert, um die Armen zu beschenken. Der Fremde erzählt, daß Babinsky stets, wohin er komme, eine ausgefranste Manschette als Kennzeichen zurücklasse.

Ja, wer solch ein Leben führen könne, frei, in der weiten Welt! Schwandas Wunsch, andere Gegenden und Menschen kennen zu lernen, wird immer größer. Vergebens sucht Dorota ihn mit einer herzlichen Melodie (die zu einem mehrfach wiederkehrenden Motiv des friedlichen Lebens auf dem Bauernhof wird) zurückzuhalten. Als Schwanda auch noch hört, daß eine Königin in Melancholie verfallen sei, aus der sei Dudelsack sie erlösen könne, hat er seinen Entschluss gefaßt. Während Dorota in die Küche geht, um das Mahl zu bereiten, schleichen die beiden Männer davon.

Der Fremde lässt eine zerfranzte Manschette auf dem Tisch zurück. Als Dorota sie findet, zögert sei keinen Augenblick. Sie eilt Schwanda nach, um ihn wieder für sich zu gewinnen.

Zweites Bild: BEI DER EISKÖNIGIN

Das zweite Bild spielt am Hof der Königin (Petra Schmidt, Mezzosopran), die, nachdem sie von einem Zauberer viel Schmuck, aber auch ein Herz aus Eis statt ihres eigenen erhalten hat, melancholisch geworden ist. Dichter Schnee fällt auf eine grausige Szene: Wir sehen ein Schafot, auf dem die Leiche eines enthaupteten Prinzen liegt, der es gewagt hatte um die Hand der Königin zu werben. Erstarrt verharren Königin und Hofstaat in operettenhaften Roben.

Plötzlich hallt der Palast von einer Polka wieder, die den seit langem erstarrten Hofstaat aufweckt. Schwanda tritt mit seinem Dudelsack auf und stellt sich als Retter vor, den die Königin natürlich sofort heiraten will. Schwanda sieht sich bereits als König, doch im Augenblick, da er seiner künftigen Gattin den ersten Kuss geben will, erscheint Dorota. Große Verwirrung am Hof. Die Königin will Dorota töten lassen, doch Schwanda versucht, sie zu schützen.

Beide werden festgenommen, während der Magier (Michael Heine, Bass, mit leichten Intonations- und Artikulationsschwächen) den Dudelsack verschwinden läßt. Sein Triumph scheint nun sicher, die Königin befindet sich neuerlich in seiner Gewalt. Die mächtige Waffe seines Feindes ist in den tiefsten Keller gesperrt. Statt Dorota soll nun Schwanda hingerichtet worden soll. Als letzte Gnade erbittet er seinen Dudelsack. Unverrichteter Dinge kehren die Diener zurück, der Dudelsack ist verschwunden. Die Königin ordnet die Hinrichtung an.

Musiktheater im Revier / Schwanda der Dudelsackpfeifer - hier : Petra Schmidt als Königin Eisherz, Michael Heine © Forster

Musiktheater im Revier / Schwanda der Dudelsackpfeifer – hier : Petra Schmidt als Königin Eisherz, Michael Heine © Forster

Der Henker will Schwanda mit dem Beil den Kopf abschlagen, aber ein Lachsturm folgt seinem Versuch: Heimlich wurde von Babinsky das Beil mit einem Besen vertauscht, der Schwanda auch noch sein Instrument bringt. Mit voller Kraft legt der Musikant los, Hof und Volk tanzen in immer wilder werdenden Verrenkungen davon.

Dorota macht ihrem Gatten Vorwürfe über seine Untreue. Babinsky unterstützt sie darin und heizt den Konflikt weiter an, denn er hat schon längst ein Aufge auf die schöne Bäuerin geworfen. Schwanda schwört, er habe die Königin nicht geküßt, na nicht die Hälfte eines Kusses habe er ihr gegeben, nicht ein mal ein Viertel … und wenn es nicht wahr sei, so möge ihn der Teufel holen!

Kaum gesagt, ist Schwanda schon unter Flammen und Rauch im Bühnenboden versunken: der Teufel hat ihn wirklich geholt. Dorota ist untröstlich, und Babinsky, dem edlen Räuber, bleibt nicht anderes übrig, als Schwanda aus der Hölle zu befreien.

Drittes Bild: IN DER HÖLLE

Spontaner Beifall für die Bühne, wenn sich der Vorhang hebt: Pyramidenartig erhebt sich ein bis zur Bühnendecke reichender Turm aus wilden, rotgewandeten teuflischen Höllenknechten, in deren Mitte auf einem Thron der Teufel selbst sitzt. Farbenprächtig und strahlend; ein Augenschmaus!

Der Teufel (Joachim G. Maaß, Bass, stimmlich vereinzelt etwas unsicher aber großartig in seiner Spielfreude) ist mißgelaunt und gelangweilt, weil niemand mit ihm Karten spielen will. Vergeblich sucht er Schwanda dazu zu bringen, mit seinem Dudelsack die düstere Höllenatmosphäre aufzuheitern. Der sehnt sich jedoch nur nach Dorota. Schließlich zaubert der Teufel ihm das Bild der Geliebten vor Augen und verspricht ihm, sie wieder zusammen zu bringen, wenn Schwanda ihm ein Schriftstück unterzeichnet.

Schwanda unterzeichnet es, ohne viel auf den Inhalt zu achten. Damit hat er dem Teufel seine Seele verschrieben, so dass dieser ihn zwingen kann, Dudelsack zu spielen. Als Schwanda sich immer noch weigert, werden die Marterwerkzeuge für ihn bereitet. Da, große Überraschung in der Hölle: der berühmte Räuber Babinsky kommt persönlich zu Besuch! Man bereitet ihm einen würdigen Empfang. Babinsky schlägt dem Teufel eine Kartenpartie vor, begeistert stimmt dieser zu.

Als Einsatz zieht Babinsky Schätze aus seiner Tasche, die er vorher dem Teufel aus dessen Tresor geraubt hat. Was setzt der Teufel gegen diese herrlichen Juwelen? Die Hälfte der Hölle! „Zu wenig“, meint Babinsky und verlangt außerdem noch Schwandas Seele. Satan versucht zu handeln, stimmt aber schließlich ein, da er sich seines Sieges sicher glaubt. Alles scheint auch nach seinem Wunsch zu gehen. Dann jedoch zeigt sich, dass Babinsky noch besser schwindeln kann als der Teufel und dadurch gewinnt. Großer Jammer bricht in der Hölle aus, am meisten weint der Teufel, der nun wirklich ein armer Teufel geworden ist. Zum Trost schenkt Babinsky dem besiegten Gegner alles, was er ihm abgewann, mit Ausnahme der Seele Schwandas.

Schwanda beginnt überglücklich auf seinem Dudelsack zu spielen, und die ganze Hölle tanzt. Der Räuber nimmt rührenden Abschied von seinem neuen Freund, dem Teufel, und bald ist er mit Schwanda wieder auf der Erde angelangt

Musiktheater im Revier / Schwanda der Dudelsackpfeifer - hier : Piotr Prochera als Schwanda, Joachim G. Maaß als Teufel, Tobias Glagau als des Teufels Famulus, Jiyuan Qiu als Höllenhauptmann © Forster

Musiktheater im Revier / Schwanda der Dudelsackpfeifer – hier : Piotr Prochera als Schwanda, Joachim G. Maaß als Teufel, Tobias Glagau als des Teufels Famulus, Jiyuan Qiu als Höllenhauptmann © Forster

Viertes Bild: DAHEIM

Vergeblich versucht Babinsky noch einmal Schwanda zu weiteren Abenteuern in der Welt zu verführen. Schwanda will nur noch nach Hause zu seiner Dorota.

Der stimmgewaltige, von Alexander Eberle ausgezeichnet geführte Chor betritt in Alltagskleidung die Bühne und singt zusammen mit Schwanda und Dorota das Heimatlob: „Auf unserem Hofe daheim hört man die Gänse schrein…“, während im Hintergrund Stadtansichten von Gelsenkirchen bühnenfüllend eingeblendet werden. Große Begeisterung; tosender Applaus. Lobenswert: Obwohl auf Deutsch gesungen wird, wird auf eine Übertitelung nicht verzichtet, was das Text- und Handlungsverständnis nachhaltig unterstützt.

In den kleineren Rollen: Jiyuan Qiu und John Lim,  Opern und Extrachor und Statisterie des MiR. Es spielt die Neue Philharmonie Westfalen unter der wunderbaren Leitung von Giuliano Betta, der mit großer Leidenschaft gerade in den ausgiebigen orchestralen Teilen jede Feinheit der Partitur auslotet. Inszenierung und Bühne: Michiel Dijkema, Kostüme: Jula Reindell, Licht: Thomas Ratzinger, Choreografie: Denis Untila,  Dramaturgie: Anna Chernomordik

Schwanda der Dudelsackpfeifer  im MiR, weitere Vorstellungen am 22.6.; 27.6.; 5.7.; 7.7.2019

—| IOCO Kritik Musiktheater im Revier |—

Gelsenkirchen, Musiktheater im Revier, Der Liebestrank – Gaetano Donizetti, IOCO Kritik, 14.05.2018

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Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Der Liebestrank – Gaetano Donizetti

 Semperoper und MiR – Vereint im Liebestrank

Von Viktor Jarosch

Gaetano Donizetti (1797–1848) war ein ungewöhnlicher Viel-Komponist: In seiner Schaffenszeit von nur 25 Jahren komponierte er über 70 Opern, Messen, Kantaten, Sonaten. Er formte, in heftiger Konkurrenz mit Vincenco Bellini (1801–1835), eine musikalische Brücke zwischen Gioacchino Rossini und Giuseppe Verdi wie den Weg vom modischen Belcanto zur differenzierenden musikalischen Charakter-Dramatik. Im September 1830, mit seiner 32sten Oper Anna Bolena, Librettist Felice Romani, wurde Donizetti  bekannt. Weitere sechs Opern hatte Donizetti komponiert bis, im Mai 1832, die in drei Wochen entstandene Oper L´Elisir d´amore, Der Liebestrank den wahren Durchbruch brachte. Er wurde weltberühmt. Der Liebestrank gehört seither zu den meist gespielten Werken auf großen wie kleinen Bühnen des Globus. Der große Erfolg überraschte selbst Donizetti.

Musiktheater im Revier / Liebestrank - hier : Nemorino und die Belcores © Pedro Malinowski

Musiktheater im Revier / Liebestrank – hier : Nemorino und die Belcores © Pedro Malinowski

„Meistermacher“ des Liebestrank war wie bei Anna Bolena, Librettist Felice Romani.  Romani suchte beständig nach neuen Sujets für Donizetti und den schon damals schnelllebigen italienischen Opernmarkt. Das spritzige Libretto des französischen Dramaturgen Augustin Eugène Scribe begegnete ihm; Daniel Auber hatte daraus die in Frankreich erfolgreiche Oper Le Philtre geschrieben. Romani übernahm das Libretto nahezu wörtlich ins italienische, füllte es mit „Buffo-Arien“, welche Donizetti filigran komponierte und instrumentierte: Fertig war L´Elisir d´amore! In einem Monat.  Der folgende große Erfolg überraschte selbst Donizetti.

Belcore, Dulcamara – Bereiter von Lebensvielfalt

Michael Schulz, Regisseur des Liebestrank (NB: Schulz ist auch Intendant des Musiktheater im Revier, MiR) schuf diese Inszenierung zuvor für die Semperoper Dresden; mit Dirk Becker (Bühne) und Renée Listerdal. Schulz´ Paradigma der Inszenierung: Die Befreiung richtungsloser, mental gefangener Menschen, Charaktere aus der Einfalt des Lebens, aus selbst-gewählter Beschränkung in eine lebende, farbige, sich zum Besseren ändernde Welt. Nemorino, Belcore, Dulcamara sind in Schulz‘ Inszenierung die Katalysatoren der Veränderung: Facettenreichtum und farbige Kreativität in Choreographie, Bühnenbild und Kostümen schaffen eine mitreißende Inszenierung. Liebestrank in Gelsenkirchen ist so mehr als pausbackige Komische Oper, keine biedere  Opera Buffa, wenn ihn auch Belcanto und Frohsinn prägen.

Musiktheater im Revier / Liebestrank - hier : Dulcamara und sein Rotwein alias Liebestrank © Pedro Malinowski

Musiktheater im Revier / Liebestrank – hier : Dulcamara und sein Rotwein alias Liebestrank © Pedro Malinowski

Dem Besucher begegnet zur Ouvertüre der der alt-keltischen Sage um Tristan und Isolde entstammende Liebestrank:  Mit wagnerianischen Alliterationen, projiziert auf dem Bühnen-vorhang: „Und Tristan trank den trüben Trunk…..“  , welche mit einem irritierenden „Ha?“ endeten. Das erste Bühnenbild beginnt verhalten; es zeigt einen etwas herunter gekommenen Ballsaal, Tische mit Nummernlämpchen, verriegelte Türen und Fenstern: Eine bunte aber richtungslose Gemeinschaft, tanzt, küsst, stolpert, fällt darin, doch merkwürdig ziellos. Es ist eine Gesellschaft, der Freude am Leben, an partnerschaftlichen Beziehungen, an der Farbe in ihrem Leben verloren ging.  Nur der schüchterne, wie verloren wirkende Nemorino wird noch von Gefühlen, Liebe geleitet und betet in seiner ersten  Arie Quanto è bella, quanto è cara !  Più la vedo, e più mi piace ..Welche Schönheit, welche Reize…“,  die  ebenfalls teilnahmslos, abwesend wirkende Adina an: Die gefühlsarme Gemeinschaft dreht Nemorino den Rücken zu, ignoriert ihn, buht ihn aus. Auch Adina nimmt Nemorino nicht wahr, erzählt stattdessen über den Liebestrank:  „Della crudele Isotta, il bel Tristano ardea…. Tief von Isoldens Reizen  war Tristans Herz getroffen“. Man lebt blutlos, freudlos, wie in Trance.

Musiktheater im Revier / Liebestrank - hier : die Belcores feiern Adina © Pedro Malinowski

Musiktheater im Revier / Liebestrank – hier : die Belcores feiern Adina © Pedro Malinowski

Ein wunderbarer Regie-Clou leitet den Wandel der Gemeinschaft zu lebensfrohem, farbigem Leben sichtbar ein: Von magischer Hand geführt schneidet eine Säge eine Öffnung in den Boden. Dieser Öffnung entsteigen, noch in farbloser Malerkluft, Belcore (Michael Dahmen) und acht weiteren Belcores. Auf der Bühne reißen die Belcores ihre Kluft herunter, um mit Helmbusch, prachtvollen Uniformen und mitreißenden Choreographien  (Sebastian Schiller)   reales Leben im Farbe und Sprache zu zeigen: „Keine Frau widersteht dem Anblick eines Helmbusches!“. Ein verloren einsam wirkender Klavierspieler (Askan Geisler) schlurft immer wieder zur Bühnenmitte, um dort Träume in Form eines Luftballons in den Himmel steigen lässt, der kurz darauf zerplatzt auf die Bühne zurück fällt. Doch frohes, neues Leben ist unwiderruflich in die Gemeinschaft zurückgekehrt:  Die Belcores ziehen sich zur Ruhe in ein winziges Zelt zurück, welches beständig verräterisch schaukelt, aus welchem Hände Adinas Bein begrapschen.  Spektakulär verformt sich sodann das Bühnenbild mit dem Erscheinen des Quacksalbers Dulcamara:  Trommelwirbel; der riesige Bug eines Schiffes bricht sich durch die Seitenwand auf die Bühne; aus einer mit glitzernden Lichtern behangenen Türe am Boden des Bugs erscheint Dulcamara: „Kauft meine Medizin….Wollt ihr glatte Haut haben…“. Die noch seelenarme Gemeinschaft horcht…, Nemorino bittet Dulcamara um Tristan und Isoldes Liebestrank.., Belcore erhält einen Marschbefehl..  Ein spektakulär durch die Bühnendecke brechender riesiger Kronleuchter beendet den ersten Akt und zeigt auch, warum diese Produktion in Dresden erfolgreich war.

Der zweite Akt wird dann endgültig zum Stimmenfest, zur herrlichen Opera Buffa: Ein langer gedeckter Tisch mit viel Spaghetti und Rotwein, an welchem die neun Belcores italienisch ausgelassen Hochzeit feiern während sich Adina sichtbar unwohl fühlt; Nemorino bettelt in seinen Liebesnöten Dulcamara erneut um den Liebestrank; verdingt sich bei den Belcores (abermals mit starker Choreographie)  als Soldat;  nebenan feiern die Frauen Nemorina als reichen Heiratskandidaten: „Ist eine gute Partie“. Pralles wie vielseitiges Leben wird allgegenwärtig, ist sichtbar, spürbar, bis zum allseits bekannt guten Ende: der Hochzeit von Nemorina und Adina.

Musiktheater im Revier / Liebestrank - hier : Nemorino wird ob der Erbschaft von Frauen umschwärmt © Pedro Malinowski

Musiktheater im Revier / Liebestrank – hier : Nemorino wird ob der Erbschaft von Frauen umschwärmt © Pedro Malinowski

Das MiR überrascht erneut: Selbst höchst anspruchsvolle  Opern „stemmt“ das inmitten des Ruhrgebietes liegende, finanziell beschränkte MiR meist mit dem eigenen Ensemble; so auch diesen Liebestrank. Die Koreanerin Dongmin Lee kokettiert als Adina spielerisch mit perlenden, lyrisch sanften wie dramatischen Koloraturen; ist  stimmlicher Höhepunkt des Abends. Mit bleibend ungestresster Natürlichkeit in ihren anspruchsvollen Arien vermittelt Dongmin Lee farbiges italienischen Belcanto voller Menschlichkeit und Charme. Ibrahim Yesilay als Nemorino füllte seine große Partie – schüchtern oder mutig weil voll des Liebestranks – darstellerisch und mit wohl timbrierten lyrischem Tenor; einschließlich der großen romantischen Arie Una furtiva lagrima. Auch Michael Dahmen als Belcore wie Joachim Maaß als Dulcamara überzeugen in ihren Partien darstellerisch wie stimmlich. Lina Hoffmann ist in ihrer stimmlich eher kleinen Partie als Gianetta szenisch wie auffällig präsent. Der große wie viel beschäftigte Chor (Alexander Eberle) klingt stets homogen. Thomas Rimes führt die Neue Philharmonie Westfalen lebendig und mit den differenzierenden Pianos sehr sängerfreundlich.

Musiktheater im Revier / Liebestrank - hier : Premierenapplaus © ioco

Musiktheater im Revier / Liebestrank – hier : Premierenapplaus hier von links Belcore, Adina, Nemorino, Dulcamara und Gianetta © ioco

Das Gelsenkirchener MiR-Publikum feierte Darsteller wie Inszenierung mit großem Beifall: Zum Ende der Vorstellung ohnehin; doch viel umfangreicher in der folgenden MiR-traditionellen Premierenfeier. Zu später Stunde beklatschten dort mehrere hundert Besucher die Ausführungen von Intendant / Regisseur Michael Schulz zu Darstellern und Inszenierung, bei Essen und guten Getränken. Es war deutlich spürbar: Die Besucher feierten nicht nur Darsteller und Inszenierung; sie feierten auch „ihr“ MiR.

Der Liebestrank im Musiktheater im Revier: weitere Vorstellungen 19.5.; 27.5.; 1.6.; 3.6.; 23.6.; 24.6.; 7.7.2018

—| IOCO Kritik Musiktheater im Revier |—

Gelsenkirchen, Musiktheater im Revier, Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach, IOCO Kritik, 12.06.0217

Juni 13, 2017 by  
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Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach

 In Lutters Weinschänke leben Hoffmanns Phantasmagorien

Von Viktor Jarosch

E.T.A. Hoffmann (1776 – 1822) schrieb, zeichnete, malte kunstvoll: Anregend wie provokant. Erfolgreich als Jurist, Zeichner, Karikaturist, Schriftsteller, Komponist litt Hoffmann sehr unter der nach-Napoleonischen Restauration Preußens. In Frankreich avancierte Hoffmann früh zum Klassiker, dort von Heinrich Heine, Victor Hugo, Honoré de Balzac verehrt. In Deutschland dagegen blieb Hoffmann lange höchst umstritten: Goethe unterstellte Hoffmannfieberhafte Träume eines … kranken Gehirns“; Nobert Koenig folgte der preußischen Restauration als er 1890 zu  E.T.A. Hoffmann in seiner Deutschen Literaturgeschichte schrieb:  „..unter dem Einfluss wüster Orgien wurde der Hang zum Dämonischen (..in Hoffmann..) immer stärker.. zu großem fähig, wenn es ihm möglich gewesen wäre, sich und seine Gaben in Zaum und Zucht zu halten“

 Jacques Offenbach Grabstaette in Paris © IOCO

Jacques Offenbach Grabstaette in Paris © IOCO

Jules Barbier und Michel Carré, grosse Bewunderer von E.T.A. Hoffmann, Franzosen nicht Deutsche, schufen aus Hoffmanns Werken Sandmann, Rat Krespel, Die Geschichte vom verlorenen Spiegelbild, Klein Zaches schon 1851 das fantastische Drama Les Contes D´Hoffmann, darin sie Hoffmann selbst zum Mittelpunkt machten. Barbiers und Carrés Phantasmagorie inspirierte den Kölner neu–Pariser   Jakob Jacques“ Offenbach (1819 – 1880) zu seiner Oper Hoffmanns Erzählungen. Jules Barbier schuf dazu das Libretto. Doch als Offenbach  schon 1880 starb hinterließ nur unfertiges, keine eindeutige, authentische Partitur. Allein der  Klavierauszug zu Hoffmanns Erzählungen ist authentisch, von Offenbach. Léon Carvalho und Ernest Guiraud stellten Offenbachs Werk zur Uraufführung 1881 fertig. Bis heute wurde die Oper nach angeblichen oder tatsächlichen Skizzen Offenbachs immer wieder überarbeitet, in vielen Versionen auf die Bühne gebracht. Doch Komposition und Libretto der tragisch-komischen Allegorien zu Liebe, Einsamkeit und Tod in Hoffmanns Erzählungen lassen unverwechselbar Offenbach wie E.T.A. Hoffmann spüren. Hoffmann Erzählungen wurde ein großer Erfolg, auch in Deutschland. In Frankreich ist Les Contes D´Hoffmann nach Bizets Carmen heute die meistgespielte Oper.

MIR Gelsenkirchen / Hoffmanns Erzählungen - Hoffmann und die Muse © PEDRO MALINOWSKI

MIR Gelsenkirchen / Hoffmanns Erzählungen – Hoffmann und die Muse © PEDRO MALINOWSKI

Lutters Weinschänke in Berlin ist Dreh- und Angelpunkt in der MiRProduktion von  Hoffmanns Erzählungen. Die von Alkohol wie Fantasien verwebten Zerrbilder des Hoffmann, seine Begegnung mit dem Kunstmensch Olympia, der Sängerin Antonia und der Schlemil-abhängigen Giulietta, all dies bilden Michiel Dijkema, Regie, Jula Reindell, Kostüme und Stephanie Meier, Licht, in Lutters Weinschänke ab. Dort war Hoffmann  tatsächlich oft Gast. Die Weinschänke spiegelt Hoffmanns wahres Leben wieder, dort hatte er seine Trinkgenossen, dort wirkten Hoffmanns reale Frauen Stella, die Muse wie seine Zerrbilder, Olympia, Antonia, Giulietta. 

So zeigt das MiR mit den ersten Takten Lutters Weinschänke, in farbig-fettes Licht getaucht, noch leer, Stühle, ein Tisch. Die Muse (Almut Herbst) erklärt die Gefahren einer bürgerlichen Ehe bis Lindorf  (Urban Malmberg), in schwarz glänzendem Kostüm bedrohlich wirkend, einer Wolke entsteigt. Mit wohltimbriertem Bariton beginnt Lindorf im MiR mit Jacques Offenbachs  romantische Phantasmagorie: Lärmende Besucher und Trinkgenossen in Lutters Weinschänke fordern von dem liebeskranken Hoffmann das Lied von Klein Zaches: Joachim Bäckström, in Deutschland noch wenig bekannter, junger Schwede, beginnt mit dieser Arie ein starkes Rollendebut als Hoffmann im MiR: Darstellerisch wie stimmlich ungewöhnlich präsent: Mit bruchlos strahlend jungem Tenor und gut verständlichem Französisch zeichnet Bäckström  Hoffmann Gefühle schon in der populären frühen Arie des Klein Zaches in verblüffender klarer Diktion und kraftvoll lyrischer Romantik. Bäckströms wohl timbrierte Stimme formte mit Beginn den mitreißenden Charakter dieser Hoffmann-Produktion, in einem insgesamt stimmstarken MiR- Ensemble.

MIR Gelsenkirchen / Hoffmanns Erzählungen - Olympia © PEDRO MALINOWSKI

MIR Gelsenkirchen / Hoffmanns Erzählungen – Olympia © PEDRO MALINOWSKI

Im zweiten Bild um die tanzende wie singende Kunstpuppe Olympia (Dongmin Lee) und den Augenhändler Coppelius (Urban Malmberg) wird die Weinschänke um zwei riesige Augen ergänzt. Hoffmann kann nun, mit Kunstbrille des Coppelius, die Welt sehen, wie er sie möchte. In wunderbar filigraner wie skurriler Choreographie (Dramaturgie Anna Grundmeier) verwandelt sich die zunächst reglose Olympia in eine tanzende wie singende Puppe, welche auch mit Hoffmann tanzt. Auffällig die Choreographie zu diesem Bild: Das in klassisch blaue Gewänder gekleidete Ensemble agiert ebenso mechanisch auf kleine Zeichen der Olympia. Die anspruchsvolle, von Dongmin Lee mit warm lyrischem Sopran lebendig vorgetragene Koloraturarie „Les oiseaux dans la charmille“, begeistert das MiR Publikum, viel Beifall. Der Chor, gut eingestellt  von Alexander Eberle, schließt das zweite Bild, Hoffmann verhöhnend: „Er liebte einen Automat“.  Im dritten Bild um die dem Gesang verfallene Antonia  und ihren sie schützenden Vater, den Rats Crespel,  gestalten Instrumente, Cello, Kontrabass die Weinschänke. Antonia  (Solen Mainguené) läßt, der Partitur folgend, ihrer Stimme mit  „Ma mère, ma mère, son âme m’appelle“ “wunderbar freien Lauf“. Joachim Maaß integriert, überzeugt als als Crespel  darstellerisch wie stimmlich.

MIR Gelsenkirchen / Hoffmanns Erzählungen - Hoffmann und Giulietta © PEDRO MALINOWS

MIR Gelsenkirchen / Hoffmanns Erzählungen – Hoffmann und Giulietta © PEDRO MALINOWS

Das vierte Bild um die habgierige Kurtisane Giulietta (Petra Schmidt) verwandelt die Weinschänke in laszives Venedig: Giulietta, in eindeutigem Kleid und mit Augenbinde eine sichtbar professionelle Kurtisane, und wie die Gäste mit erotisierenden Spielchen beschäftigt, eine über den Protagonisten hängende, gelegentlich feuerspuckende Gondel, den Canale Grande andeutende rot-weiße Säulen. Mitreißend gesungen von Giulietta und Chor die hochromantische Barcarole „Belle nuit, ô nuit d’amour, Schöne Nacht, du Liebesnacht“. Doch auch Urban Malmberg, hier als Dappertutto  beschwört Giulietta erneut in lyrisch ergreifender Arie mit seinem Diamanten „Tourne, tourne, miroir“ um das Spiegelbild des Hoffmann, verliert Hoffmann seinen Schatten, von Joachim Bäckström erneut mitreissend gesungen: „ Ô Dieu! de quelle ivresse“Im fünften Bild finden sich der betrunkene vom Erzählen benebelte Hoffmann, sein Gegenspieler Lindorf, die Muse wie die weiblichen Trugbilder in Lutters Weinschänke.

Musiktheater im Revier/ Hoffmanns Erzaehlungen _ Ensemble zum Premierenapplaus © IOCO

Musiktheater im Revier/ Hoffmanns Erzaehlungen _ Ensemble zum Premierenapplaus © IOCO

Die Entstehung von Hoffmanns Erzählungen ist spannend wie komplex; ähnlich viele Optionen bestehen, die Oper zu inszenieren. Das MiR macht Lutters Weinschänke  zum plausiblen Fixpunkt um Hoffmanns Traum- und Zerrbilder von Frauen. Erneut überrascht und begeistert, welch große Produktion das MiR erneut erfolgreich stemmte. Das plausible Hoffmann-Regiekonzept, wunderbare Stimmen, Lichteffekte und reiche Choreographie rissen das Publikum zu Beifallsstürmen hin. In der folgenden Premierenfeier wurden die Beteiligten, einschließlich Intendant Schulz, ausgiebig gefeiert.

Hoffmanns Erzählungen: Weitere Vorstellungen im MiR: 18.6.2017, 22.6.2017, 24.6.2017, 30.6.2017, 9.7.2017, 3.9.2017, 17.9.2017, 24.9.2017

—| IOCO Kritik Musiktheater im Revier |—

Gelsenkirchen, Musiktheater im Revier, Premiere Tristan und Isolde, 04.03.2017

Februar 24, 2017 by  
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Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

TRISTAN UND ISOLDE von Richard Wagner
Premiere: Samstag, den 4. März 2017, 17 Uhr, Großes Haus

König Marke schickt seinen Vertrauten, den jungen Ritter Tristan, nach Irland, um ihm die Prinzessin Isolde als Braut zuzuführen. Er weiß nicht, dass Tristan und Isolde insgeheim ein Liebespaar sind. Gemeinsam treten sie die Schiffsreise nach Cornwall an, Tristan meidet Isoldes Nähe. Als Isoldes Vertraute Brangäne Tristan schließlich zu ihr bringt, beschließen die Liebenden, mit Hilfe eines Todestranks ihrem Leben ein Ende zu setzen – und gestehen sich rückhaltlos ihre Liebe. Doch der Trank bringt nicht den Tod, sondern vertieft die Liebe des Paares durch einen unlösbaren Zauber.

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde - Kerl, Foster, Malmberg, Herbst, Herrenchor © Forster

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde – Kerl, Foster, Malmberg, Herbst, Herrenchor © Forster

In Cornwall eingetroffen und mit König Marke verheiratet, wartet Isolde des Nachts auf Tristan. Überglücklich, einander wiederzusehen, schlagen sie alle Warnungen in den Wind. Doch der König entdeckt den Verrat. Im Zweikampf mit Markes Vertrautem Melot kann sich Tristan seinen Schuldgefühlen nicht länger entziehen und stürzt sich in Melots Schwert. Schwer verwundet zieht sich Tristan auf sein Schloss zurück und wartet mit einer nicht heilenden Wunde auf Isolde. Als sie endlich zu ihm kommt, hat er bereits dem irdischen Leben entsagt und stirbt in ihren Armen. Isolde folgt ihm in eine andere Welt.

„Unbewusst – höchste Lust“ sind die letzten Worte Isoldes, bevor sie den berühmtesten Liebestod der Musikgeschichte erleidet. Tristan und Isolde, 1865 in München uraufgeführt, ist Richard Wagners persönlichstes Musikdrama und untrennbar mit seiner Biografie verknüpft: Wagner sah sich selbst der, in der bürgerlichen Gesellschaft unerfüllbaren, Liebesleidenschaft zu Mathilde Wesendonck ausgesetzt, die ihm gleichzeitig Schmerz und höchste Inspiration bereitete. In dieser Frau fand der Komponist eine ebenbürtige Gesprächspartnerin und sie schrieb auch die Verse zu den berühmten Wesendonck-Liedern, die heute als musikalische Studien zu „Tristan und Isolde“ gelten. „Nun schreiten wir so leise als tief in uns selber. […] Es ist unser eigenes tiefsinniges Träumen, dort zu finden, wo die Worte und die Schritte nicht mehr eilen.“ sagte Ernst Bloch über das Magische des Tristan-Vorspiels.

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde - Malmberg, Kerl, Foster, Herbst, Herrenchor © Forster

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde – Malmberg, Kerl, Foster, Herbst, Herrenchor © Forster

Bayreuth kommt nach Gelsenkirchen! Richard Wagners großes Epos über Liebe und Schuld in der Inszenierung von Generalintendant Michael Schulz bringt Bayreuth-Größen wie Catherine Foster, Torsten Kerl und Gerhard Siegel auf die Bühne des Großen Hauses.

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde - Kerl © Forster

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde – Kerl © Forster

Der junge deutsche Tenor TORSTEN KERL gehört zu den weltweit gefragtesten Sängern seines Fachs. Er gastiert an allen wichtigen internationalen Opernhäusern, unter anderem an der Staatsoper Wien, Metropolitan Opera New York, Deutschen Oper Berlin, San Francisco Opera, Royal Opera Covent Garden London, Semperoper Dresden, Scala di Milano, New National Tokyo Opera, Nederlandse Opera Amsterdam, Staatsoper München, Gran Teatro del Liceo Barcelona, Palau de les Arts Valencia, Opera National de Paris (Bastille), Châtelet Paris, Opera du Lyon, Staatsoper Hamburg, Teatro Carlo Felice Genova, Den Norske Opera Oslo, Kungliga Operan Stockholm, Opera de Munt Brüssel, Maggio Musicale Fiorentino. Torsten Kerl begann zunächst als professioneller Solo-Oboist (Orchestermusiker und Instrumental-Solist) und wurde dann schnell Sänger. Er ist Preisträger mehrerer Wettbewerbe, Förder-Preise und Stipendien. Im Jahr 2000 gewann er einen „Grammy Award“ im Bereich „Beste internationale Opernaufnahme des Jahres“. Torsten Kerl ist häufiger Gast bei internationalen Festivals wie z.B. bei den Bayreuther Festspielen („Holländer“ und „Meistersinger“), den Salzburger Festspielen (Mozart-Requiem, „Liebe der Danae“, „Die tote Stadt“), beim Edinburgh Festival („Lohengrin“), dem Glyndebourne Festival („Fidelio“ und „Tristan“), dem Festival in Orange („Holländer“), dem Aarhus Opernfestival in Dänemark („Die tote Stadt“ und „Tristan“) und dem Festival in Savonlinna in Finnland („Lohengrin“). Ein besonderer Repertoire-Schwerpunkt ist das deutsche Fach, so gehört Torsten Kerl weltweit zu den wenigen Tenören, die regelmäßig alle großen Wagner-Partien interpretieren (Rienzi, Erik, Tannhäuser, Lohengrin, Loge, Siegmund, beide Siegfriede, Tristan, Stolzing, und Parsifal). Außerdem singt Torsten Kerl regelmäßig den Max („Freischütz“), Paul („Tote Stadt“), Florestan („Fidelio“), Pedro („Tiefland“) und Kaiser („Frau ohne Schatten“). Daneben gastiert er aber auch regelmäßig im französischen Fach mit Don José („Carmen“) und Samson („Samson et Dalila“), im russischen Fach mit Grigori („Boris Godunov“) und Hermann („Pique Dame“) und im italienischen Fach mit Otello („Otello“), Turriddu („Cavalleria Rusticana“) und Dick Johnson („Fanciulla del West“).

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde - Kerl, Foster © Forster

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde – Kerl, Foster © Forster

Die britische Sopranistin CATHERINE FOSTER begann ihr Gesangsstudium 1993 bei der renommierten britischen Gesangslehrerin Pamela Cook, die sie bis zu ihrem Tod im Jahr 2013 unterrichtete. Zwischen 1995 und 1999 studierte sie am Birmingham Conservatoire, dem Royal Northern College of Music in Manchester und dem London Opera Studio. Noch während ihres College-Studiums gab sie ihr Debüt als Königin der Nacht an der Opera of Northern Ireland und der Welsh National Opera. Im Jahr 2000 folgte ihr Hausdebüt als Königin der Nacht an der English National Opera. Zwischen 2001 und 2011 war Catherine Foster am Nationaltheater Weimar als jugendlich dramatischer Sopran engagiert und erweiterte dort ihre Bühnenerfahrung mit Rollen wie Mimi, Leonore in Il Trovatore, Elisabeth in Don Carlos, Abigaille, Elektra in Idomeneo, Turandot und Tosca. In Weimar hatte sie auch die Möglichkeit, sich auch in das deutsche Repertoire einzuarbeiten: Auf Elisabeth im Tannhäuser folgten u. a. Senta, Leonore in Beethovens Leonore (Fidelio). So vollzog sich der Wechsel ins dramatische Fach. Bald schon stand sie in Rollen wie Brünnhilde (Walküre, Siegfried und Götterdämmerung), Isolde (Tristan und Isolde) und Strauss‘ Elektra auf der Weimarer Bühne. Daneben gastierte sie in Don Carlos in Kassel und in Nabucco in Bremen. Im Jahr 2006 gelang der internationale Durchbruch mit der Kaiserin in Die Frau ohne Schatten als Rollen- und zugleich Hausdebüt in Dresden. Dorthin kehrte sie 2008 und 2010 zurück, um die Wiederaufnahmen von Der Fliegende Holländer und Fidelio zu singen.

Tristan und Isolde im MiR, Gelsenkirchen: Termine :  04. Mär. 2017 17:00-22.00 Uhr, 12. Mär. 2017 16:00-21:00 Uhr, 19. Mär. 2017 16:00-21:00 Uhr, 26. Mär. 2017 16:00-21:00 Uhr, 08. Apr. 2017 17:00-22:00 Uhr, 07. Mai. 2017 16:00-21:00 Uhr
13. Mai. 2017 17:00-22:00 Uhr, 04. Juni. 2017 16:00-21:00 Uhr

Mitwirkende: Musikalische Leitung: Rasmus Baumann, Inszenierung: Michael Schulz, Bühne: Kathrin-Susann Brose, Kostüm: Renée Listerdal, Chor: Alexander Eberle, Licht: Patrick Fuchs, Dramaturgie: Gabriele Wiesmüller, Tristan: Torsten Kerl / Gerhard Siegel, Isolde: Catherine Foster / Yamina Maamar, Kurvenal: Urban Malmberg, Brangäne: Almuth Herbst, Marke: Phillip Ens / Dong-Won Seo, Melot: Piotr Prochera / Marvin Zobel, Ein Hirte: William Saetre, Ein Steuermann: Jacoub Eisa
Junger Seemann: Ibrahim Yesilay.  

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