Verona, Arena di Verona, 97. Opernfestival: 21.06. – 07.09.2019, IOCO Aktuell, 23.03.2019

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Arena di Verona

Verona / Arena di Verona Vorplatz © IOCO

Verona / Arena di Verona Vorplatz © IOCO

97. OPERNFESTIVAL 2019 – Arena di Verona

 La Traviata, Aida, Il Trovatore, Carmen, Tosca

Das 97. Opernfestival in der Arena di Verona beginnt am 21. Juni 2019 mit La Traviata von Giuseppe Verdi, eine neue Inszenierung des legendären Franco Zeffirelli,*1923. Die Festspiele dauern bis 7. September 2019. An 51 Abenden werden in der „Tradition der Arena“ klassische Opern für das spektakuläre römische Amphitheater inszeniert. Große Stars der Opernbühne geben hier gerne ihr Stelldichein. Über 600.000 Besucher werden das 97. Opernfestival 2019 in der Arena di Verona erneut zum größten Opernereignis der Welt  machen. Fünf Opern stehen 2019 auf dem Spielplan:  La Traviata, Aida, Il Trovatore, Carmen, Tosca. 

Geschichtliches: Seit 1913, dem 100. Geburtsjahr von Giuseppe Verdi, populärster aller Opernkomponisten und sensibler Menschenfreund, finden in der antiken Arena di Verona die über zwei Monate dauernden Opernfestspiele statt. Stimm- und Lebensfreude sind die besonderen Merkmale dieses Opernfestivals. Verona feiert dies Festival im humanen Geiste Giuseppe Verdis, „lebendig, mitten im Volk“.

AIDA 2018 in der Arena – Triumphmarsch
youtube Trailer der Arena di Verona
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Julia Statue im Casa di Giulietta in Verona © IOCO

Julia Statue im Casa di Giulietta in Verona © IOCO

Die Arena di Verona wurde 30 n.Chr. erbaut. Von einem Erdbeben im Jahr 1117 schwer zerstört sind die Umfänge heute 138 x 109 Meter. 45 Stufenränge mit 45 Zentimeter Höhe und Tiefe bieten 22.000 Besuchern Platz. Die Arena di Verona – nach dem Kolosseum in Rom und der Arena von Capua – das drittgrößte der erhaltenen antiken Amphitheater. Wo 1278 die letzten gegen die Inquisition kämpfenden Katharer hingerichtet wurden, wo früher Gladiatoren mit Löwen kämpften schwelgen heute lebensfrohe Musikliebhaber.

97. OPERNFESTIVAL 2019  – ARENA DI VERONA

Drei intensive Monate, 5 Operntitel, drei Sonderevents, 51 Aufführungen, 80 Solisten aus aller Welt, darunter Alessandra Kurzak, welche als Violetta Valéry neben Leo Nucci als Giorgio Germont in Traviata zur Festivaleröffnung am 21.6.2019 singen wird; aber auch Anna Netrebko (Leonore in Trovatore 29.6., 4.7.; 7.7.2019), Jusif Eyvazov, Plácido Domingo, neben dem Event am 4.8.2019, siehe folgender Absatz, auch als Giorgio Germont in Traviata, 1.8.), Lisette Oropesa, Leo Nucci, Vittorio Grigolo, Aleksandra Kurzak, Saioa Hernández, Erwin Schrott, Hui He, Dmitry Belosselskiy, Tamara Wilson (u.a. als AIDA), Luca Salsi, Maria José Siri (u.a. als AIDA), Pavel Petrov, Amartuvshin Enkhbat (u.a. als Amonasro), singen zusammen mit bekannten Nebenstimmen in La Traviata, Aida, Il Trovatore, Carmen, Tosca.

Mit dem Sonderevent Plácido Domingo 50 Arena Anniversary Night am 4.8.2019 werden fünfzig Jahre künstlerische Tätigkeit seit dem Erstauftritt in der Arena von Placido Domingo gefeiert, einer wahren Legende in der internationalen Opernwelt. Die Ballettveranstaltung Roberto Bolle and Friends wird an zwei Abenden im Zeichen des Weltballetts über die Bühne gehen. Am dritten Eventabend tritt die symphonische Musik auf die Bühne der Arena mit Carl Orffs Carmina Burana.

Ikonen des Operngesangs und junge aufstrebende Talente: die Arena als Würdigung und Anerkennung von grossen Opernstars und Debütrampe für neue Talente im berühmtesten und grössten Freilichttheater der Welt. Folgende Dirigenten werden zu den fünf Produktionen am Pult stehen:

–  Daniel Oren, Andrea Battistoni und Marco Armiliato am Pult von La Traviata
–  Francesco Ivan Ciampa und Daniel Oren dirigieren Aida
–  Daniel Oren dirigiert Carmen
–  Piergiorgio Morandi dirigiert Il Trovatore
–  Daniel Oren dirigiert Tosca

In der Besetzung wechseln sich grosse internationale Opernstars, bekannte Namen auf den prestigereichsten Weltbühnen und bestmögliche Kenner der vielschichtigen Realität der Arena mit jungen aufstrebenden Sängern ab, in deren Curriculum ein Auftritt auf der gefürchteten, aber von allen erträumten Bühne der Arena nicht fehlen darf.

Arena di Verona / Stimmungsbild zur Pause in der Arena di Verona © IOCO

Arena di Verona / Stimmungsbild zur Pause in der Arena di Verona © IOCO

Die Besetzung ist auch ein Abbild der globalen Verbreitung der Oper, die nicht mehr nur eine Charakteristik der westlichen Kultur darstellt, sonden auch zur Leidenschaft in vielen aufsteigenden Ländern wie Russland und China geworden ist, die unter den Zuschauern in der Arena bestens vertreten sind, denn die Künstler und das Publikum sind stark international geprägt.

Das 97. Opernfestival beginnt am 21. Juni 2019 mit einer neuen, von Franco Zeffirelli geschaffenen Inszenierung von Verdis La Traviata, bestmögliche Synthese seiner jahrelangen Reflexionen über die beliebte Thematik; auf der Bühne der polnische Sopran Aleksandra Kurzak, eine grossartige Sängerin, die von den berühmtesten Opernhäusern in aller Welt gerufen wird und auch ausgezeichnete Musikerin ist; dann die Amerikanerin Lisette Oropesa, Publikumsliebling beim letzten Rossini-Festival in Pesaro, die Kroatin Lana Kos, die der Bühne der Arena besonders verbunden ist, wo sie im Jahr 2011 in Hugo de Anas La Traviata ihr Debüt gefeiert hat und die dann auch in der Carmen singt und die Russin Irina Lungu, die bereits beim Veroneser Publikum grossen Beifall geerntet hat: ein Quartett von grossartigen Stimmen und stattlicher Bühnenpräsenz für eine Bühne, auf der die “Nouvelle Vague” der Opernwelt am besten zur Geltung kommt, denn sie legt besonderen Wert auf die Schauspielkunst und steht so der filmtechnischen Vorstellung sehr nahe.

 La Traviata in der Arena di Verona

Summa  der ästhetischen Auffassung der Legende Franco Zeffirelli

Zwei lang gehegte  Liebschaften, die endlich zusammenkommen:  La Traviata und die Arena von Verona. La Traviata ist mit Sicherheit eine der von Zeffirelli in seiner langen Karriere als Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner am häufigsten dargestellten Opern; 1958 hatte er diese Oper in Dallas in der Besetzung von Maria Callas inszeniert und sich als junger aufstrebender Regisseur mit seinem künstlerischen Vorbild Visconti gemessen, der die Oper kurz vorher in der berühmten Gestaltung an der Mailänder Scala dargestellt hatte;  bekannt sind auch seine engen Beziehungen  zu Verona, mit seinem persönlichen Touch beim Restyling der Piazza Bra, insbesondere aber mit der Arena, in deren immensen und feierlichen Weite  er unvergessliche Operninszenierungen von  Carmen, Aida, Il Trovatore, Turandot, Madama Butterfly, Don Giovanni kreiert hat und für die diesjährige Opernsaison endlich die allseits erwartete Traviata.  Die Erwartungen sind riesig, nicht nur weil der Artist mit diesem Werk in der Opernwelt einen Meilenstein gesetzt hat, man denke nur an die Verfilmung von  Traviata aus dem Jahr  1983,  die die Chronik  der Oper auf der Leinwand stark geprägt hat, sondern auch weil alle Traviate von Zeffirelli das Publikum in aller Welt immer bezaubert haben, in seinen ständigen, ästhetisch untadeligen und emotionell faszinierenden Neuauslegungen des populären Dramas von Giuseppe Verdi. Nun kommt endlich “seine” Traviata  in die Arena und diese Inszenierung wird wirklich zum Höhepunkt seiner fortwährenden, sachkundigen Auslegung des Texts, die den Artisten  sein ganzes Leben begleitet hat.

Also eine neue  Traviata, die gleichzeitig zur Chronik einer langen Ideenkette von Bildern, Farbnuancen und Anregungen wird, die sich in den Augen und Herzen der Opernfans aus aller Welt eingenistet haben, unter Zitaten, Sinnesänderungen, Erinnerungen an frühere Gestaltungen, als handle es sich um eine Enzyklopädie der stilistischen  Überlegungen  Zeffirellis rund um das heissgeliebte Thema. Man könnte also diese Traviata in der Arena als allerletzte Zusammenfassung eines wagnerianischen Leitmotivs  bezeichnen, das ewig in der Schwebe war  und nun im Juni 2019 vollendet wird.

Desto mehr wenn es sich um eine bedeutende Produktion handelt, insbesondere in den Augen der jüngeren Generationen, die die grossartigen Inszenierungen Zeffirellis aus der Vergangenheit nicht persönlich erlebt haben und ein Fresko vorfinden werden, das das Florilegium einer auserlesenen, von Erfahrungen geprägten Ideenkette darstellt, hochstilisierte ?berlegungen und gleichzeitig auch ein historisches und ästhetisches Dokument.

In Zeffirellis, La Traviata folgender, ebenso zauberhaftem Il Trovatore wird nach den drei beinahe ausverkauften Vorführungen auch Anna Netrebko und die wunderschöne Stimme der Italienierin Anna Pirozzi zu hören sein, “ein wunderschöner dramatischer Koloratursopran”. Männlicher Hauptdarsteller in einigen Vorstellungen ist  Ehemann Jusif Eyvazov, der aserbaidschanische Tenor, der gemeinsam mit Ehefrau Anna Netrebko auftritt.

Anlässlich der Première der Carmen werden die bildschöne Uzbekin Ksenia Dudnikova und die junge und talentierte Spanierin Ruth Iniesta in den Hauptrollen singen, die letztere ist auch in der Besetzung der Carmina Burana.

Arena di Verona / Festspiele 2018 hier Nabucco © Ennevi

Arena di Verona / Festspiele 2018 hier Nabucco © Ennevi

Die nächste grossartige Première findet am 22. Juni 2019 mit Verdis Aida statt, mit der wundervollen Regie von Regisseur Gianfranco de Bosio, die er 1982 gestaltet hat in Anlehnung an die Originalinszenierung der von Ettore Fagiuoli 1913 kreierten ersten Aida in der Arena; die diesjährige Aida wird aber mit einigen interessanten Neuheiten aufwarten. In der Besetzung der historischen Aida sind auch Anna Pirozzi, die Amerikanerin Tamara Wilson,wahre Kraft der Natur”, die faszinierende Spanierin Saioa Hernandez, deren künstlerische Persönlichkeit bereits im Attila an der Scala geschätzt wurde, die Chinesin Hui He, Publikumsliebling in der Arena, die sich auch in der Tosca mit Saioa Hernandez abwechseln wird, und die in Italien und weltweit beliebte hübsche Georgierin Svetlana Kasyan: fünf bemerkenswerte Stimmen und Darstellerinnen, die sich im Rahmen der zeitlosen Inszenierung durchsetzen und die Erwartungen des immensen Publikums sicher nicht enttäuschen werden. Primaballerina Petra Conti, Principal Dancer des Los Angeles Ballet.

Beachtenswerte Darsteller mit grossartigen Stimmen und Schauspielertalent sind der junge Weissrusse Pavel Petrov, in der Rolle des Alfredo anlässlich der Erstaufführung von La Traviata, der temperamentvolle und rollenübergreifende Starsänger am New Yorker Metropolitan Vittorio Grigolo, der auch anlässlich der Oscarverleihung aufgetreten ist und der amerikanische Tenor Stephen Costello, der auf den bekanntesten Bühnen in aller Welt auftritt. In der historischen Inszenierung der Aida singt desweiteren Murat Karahan, der sich in der Arena seit seinem Debüt behauptet hat, Erwin Schrott in Carmen, ein vielseitiger Künstler, Luca Salsi, in Il Trovatore und der Bariton “par excellence” Leo Nucci.

Madame Butterfly 2014 in der Arena
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Eine faszinierende Besetzung mit den bekanntesten Namen der internationalen Opernwelt, die die Erwartungen der Opernfans erfüllen und beim neuen Publikum Interesse für die Oper erwecken werden, denn dies ist die Berufung der Arena seit der ersten Opernaufführung am 10. August 1913 mit Aida, der Symboloper des Festivals in der Arena.

Das weltweit grösste Opernschauspiel kann beginnen auch dank der allseits anerkannten Professionalität der künstlerischen Ensembles und der technischen Mitarbeiter der Stiftung Arena di Verona mit ihren zahlreichen Statisten und Mimen. Das Statement des Bürgermeisters von Verona und Vorsitzenden der Stiftung Arena, Federico Sboarina:

“Es ist mir eine grosse Ehre, die diesjährige Opernsaison vorstellen zu dürfen, die zweite nach der Wende, die wir mit Tatkraft und Beharrlichkeit herbeigeführt haben. Verona kann sich zweier Prachtstücke rühmen, der Stiftung Arena, die in den Sommermonaten ihr ruhmreiches Festival veranstaltet und die Arena, das Symbol der Stadt, aber auch die grö?te weltweit bekannte Freilichtbühne. Die besonderen akustischen Merkmale des Amphitheaters und die Professionalität der Stiftung Arena bilden zusammen eine Einzigartigkeit, die das Image von Verona und das Echo qualitativer Musik in aller Welt ausstrahlt. Deshalb geht mein Dank an die Oberintendantin und an den gesamten richtungsweisenden Rat für die einwandfreien Leistungen, das Ergebnis einer unermüdlichen Leidenschaft und anerkannten Fähigkeit. Ein Dankeschön auch an alle Artisten der Besetzung und an unsere Mitarbeiter, der Seele jedes Festivals”.

Cecilia Gasdia, Oberintendantin und künstlerische Leiterin der Stiftung Arena, bringt ihre persönliche Befriedigung über das Angebot des 97. Opernfestivals 2019 zum Ausdruck: “Bangen, Freude aber auch Herzklopfen überwältigen mich beim Herannahen des einladenden Gongschlags mit dem unser Amphitheater, wie jeden Sommer seit über einhundert Jahren, der Opernwelt anvertraut und gewidmet wird. In der diesjährigen Veranstaltung treten auf der Bühne der Arena berühmte internationale Artisten auf neben vielversprechenden Nachwuchstalenten bei ihrem Debüt. Ein von bedeutenden Bestätigungen, allseits erwarteten Erstauftritten und freudiger Rückkehr auf die Bühne der Arena geprägtes Festival mit einer Spitzenbesetzung”.

—| IOCO Aktuell Fondazione Arena di Verona |—

Hamburg, Hamburger Staatsoper, Franco Vassallo – Othello, IOCO Portrait, 24.07.2018

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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

OTHELLO – Fulminanter Spielzeitausklang in Hamburg

Franco Vassallo – Der Mensch wie abgründiger Jago

Von Michael Stange

Franco Vassallo © Roberto Raisoni

Franco Vassallo © Roberto Raisoni

 Die Hamburgische Staatsoper hat ihren Besuchern den Abschied von der Spielzeit 2017/18 und die Vorfreude auf die neue Spielzeit mit besonderen Leckerbissen versüßt. Dazu gehörte auch Verdis Othello mit den Hamburger Rollenneulingen Aleksandra Kurzak als Desdemona und Franco Vassallo als Jago. In der Vorstellung am 20.06.2018 rissen Beide durch Ihre fulminanten gesanglichen Leistungen das Publikum zu großen Jubelstürmen hin. Hier hat die Hamburgische Staatsoper wieder einmal gezeigt, zu welchen großen Leistungen das Haus fähig ist, wenn die Sängerbesetzungen stimmen.

Die eindrucksvolle Inszenierung des Othello von Calixto Bieito lebt neben den beeindruckenden Bildern auch von Sängerpersönlichkeiten, die ihre Rollen poetisch und dramaturgisch intensiv gestalten. Dies ist insbesondere Franco Vassallo gelungen. Er verfügt über eine klangschöne in allen Registern ausgeglichene italienische Baritonstimme. Seine fundierte Tiefe geht nahtlos in die sonore Mittellage über und mündet in eine strahlende Höhe, die die Orchesterfluten mühelos durchdringt. Mit seinem männlichen und samtweichen Timbre steht er in der Tradition seiner italienischen Rollenvorgänger Giuseppe Taddei und Carlo Tagliabue. Neben der Qualität seiner Stimme besticht er durch eine große Wortdeutlichkeit und eine intensive interpretatorische Wandlungsfähigkeit seines Gesangs.

Franco Vassallo begeistert das Hamburger Publikum seit 2009. Er sang dort Giorgio Germont, Macbeth, Amonasro, Rigoletto und wurde zuletzt im Frühjahr 2018 in seinem Rollendebut als Scarpia gefeiert.

Staatsoper Hamburg / Othello hier Ensemble © Hans Jörg Michel

Staatsoper Hamburg / Othello hier Ensemble © Hans Jörg Michel

Franco Vassallo hat in seinen letzten beiden Hamburger Rollen als Scarpia und Jago gestalterisch und stimmlich beeindruckt. Die Rolle des Bösewichts Jago mit seinem Charme, seiner Verschlagenheit, seiner Brutalität und seiner gleichzeitigen Angst verlangt eine differenzierte Ausdrucksfähigkeit und ein hohes schauspielerisches Geschick. Gleichzeitig sind dafür vokale Finesse und große Stimmreserven erforderlich. Darüber verfügt Franco Vassallo in einem Maße, das Staunen macht: Auch auf der großen und für manche Sänger akustisch schwer zu bewältigenden Hamburger Bühne konnte er durch seine Pianokultur seinen Stimmfluss an den lyrischen Stellen ungehindert entfalten. Mit Sadismus und Dämonie gestaltet er das “Jago-Credo” und die Duette mit Othello vollendet.

Diese perfide Gestalt des Othello spielte Vassallo mit derartigem Charisma, dass man sich fragt, wie ein Darsteller, der zu einer solchen Bühnenleistung fähig ist, als Mensch ist. Nach der Vorstellung ergab sich die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit Franco Vassalo: vor mir stand ein nobler Mailänder mit eleganter Erscheinung und sonnigen Humor, dem jegliche Bösartigkeit völlig fremd ist.

Franco Vassallos Spielfreude begleitet ihn seit Kindertagen, als er schon in der Schule an Theateraufführungen mitwirkte. Seine Rolleninterpretation lehnt er an Konstantin Stanislawski an. Dessen Methode soll den Schauspieler befähigen, aufgrund eigener Erfahrungen und Gefühle, durch ein emotionales Gedächtnis und inneres Erleben sich mit seiner Rolle zu identifizieren. Um seine Partien mit Vollendung zu gestalten, versetzt sich Franco Vassallo vollständig in sie hinein und versucht, durch Symbiose zwischen Tongestaltung, Mimik und Bewegung eine Einheit zu erreichen. Manchmal trainiert er seine schauspielerischen Fähigkeiten dadurch, dass er seiner Frau Rollen vorspielt und sie erraten muss, wen er gerade interpretiert.

Seine Philosophie ist, Rollen zu lernen, zu interpretieren und sie dann wie guten Rotwein reifen zu lassen, damit sich das Portrait innerlich setzt. Seinen ersten Jago hat er bereits im Jahr 2000 in San Gimignano gesungen und dann ab 2010 in Paris, Baden-Baden und Wien. Durch diese jahrelange Befassung mit der Rolle, gelingt es die zahlreichen Facetten und Nuancen der Rolle herauszuarbeiten und ein packendes Portrait auf die Bühne zu bringen.

Staatsoper Hamburg / Tosca hier mit Anja Harteros, Franco Vassallo, Jonas Kaufmann © Patrik Klein

Staatsoper Hamburg / Tosca hier mit Anja Harteros, Franco Vassallo, Jonas Kaufmann © Patrik Klein

Angesprochen auf Begonnenes wie den Falstaff bekennt Franco Vasallo, dass er die Rolle liebe. Er glaubt, dass sie in zehn Jahren eine perfekte Rolle für ihn wäre, da die tiefe Tessitura des pompösen und bombastischen britischen Ritters fast ein Bass-Bariton ist. Auch hier möchte er die Rolle reifen lassen und bevorzugt er als hoher Verdi Bariton aktuell die Rolle des Ford.

Augenblicklich ist  Vasallos Lieblingsrolle der weise und gütige Simone Boccanegra, der ihm in dieser Phase seiner Karriere mehr zusagt. Diese Rolle hat er bereits mit großem Erfolg in Luxemburg und Genua interpretiert.

 In einer seiner Lieblingsrollen, dem Figaro im Barbier von Sevilla, wird er ab März 2019 wieder in Hamburg auftreten. Glück für die Zuschauer, dass die Hamburgische Staatsoper solchen Stars auch künftig ein Podium bietet.

Hoffen wir, dass die Hamburger Intendanz weitere Opernabende mit Franco Vassallo plant und künftig häufiger in seinen Glanzpartien verpflichtet.

—| IOCO Portrait Staatsoper Hamburg |—

Wien, Wiener Staatsoper, Saisonauftakt 2015/2016, 01.09.2015

September 1, 2015 by  
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Wiener Staatsoper

Wiener Staatsoper © Starke

Wiener Staatsoper © Starke

 

Saison  2015/2016 an der Wiener Staatsoper

Die Wiener Staatsoper startet mit einem breit gefächerten Programm in die neue Spielzeit 2015/2016:

Den Auftakt zur neuen Saison bildet Verdis Rigoletto am Freitag, 4.*° September 2015 mit zahlreichen Rollendebüts: erstmals sind an der Wiener Staatsoper Ambrogio Maestri in der Titelpartie, Celso Albelo als Herzog von Mantua, Aleksandra Kurzak als Gilda, Michele Pertusi als Sparafucile und Margaret Plummer als Giovanna zu erleben. Elena Maximova singt die Maddalena. Das neue Ensemblemitglied Andrea Carroll stellt sich als Page dem Staatsopernpublikum vor. Am Dirigentenpult: Evelino Pidò.
Die Vorstellung am 4. September 2015 wird im Rahmen des Filmfestivals am Wiener Rathausplatz live-zeitversetzt ab 20.30 Uhr übertragen.  Reprisen im Haus am Ring: 7., 10.* und 13.* September

In Der fliegende Holländer ab Samstag, 5.* September 2015 gibt Michael Volle in der Titelpartie sein Rollendebüt am Haus. Hans-Peter König, der beim Mailand-Gastspiel der Wiener Staatsoper 2011 den Rocco in Fidelio gesungen hat, debütiert als Daland auf der Staatsopernbühne. KS Ricarda Merbeth verkörpert die Senta, Herbert Lippert den Erik, Carole Wilson die Mary und Thomas Ebenstein den Steuermann. Es dirigiert: Peter Schneider.    Reprisen: 8.* und 11.*° September

Am Sonntag, 6. September 2015 werden beim traditionellen Tag der offenen Tür zu Saisonbeginn den Besucherinnen und Besuchern spannende Blicke hinter die Kulissen des Opern- und Ballettbetriebes ermöglicht. An zwei Terminen (14.00 bis 16.30 und 17.30 bis 20.00 Uhr) lädt die Wiener Staatsoper Interessierte ein, hinter die Kulissen des großen Opern- und Ballettbetriebs zu blicken. (Zählkarten in der Kassenhalle der Bundestheater erhältlich)

Ab Mittwoch, 9.* September 2015 steht La traviata wieder auf dem Programm des Hauses am Ring: Die russische Sopranistin Irina Lungu gibt in der Titelpartie ihr Debüt am Haus, ihre Staatsopern-Rollendebüts geben Pavol Breslik als Alfredo und Jason Bridges als Gaston. KS Carlos Álvarez ist als Giorgio Germont zu erleben, Zoryana Kushpler als Flora. Michael Schonwandt dirigiert erstmals an der Wiener Staatsoper.
Reprisen: 12.*, 17.* und 21. September

* Live-Übertragung auf den Herbert von Karajan-Platz im Rahmen von *Oper live am Platz“
° weltweite Live-Übertragung in HD über www.staatsoperlive.com

Pressemeldung Wiener Staatsoper

München, Bayerische Staatsoper, 2014/15: 44 Werke, 8 Premieren, Kaufmann, Gruberova und Mehr, IOCO Aktuell, 27.03.2015

März 28, 2015 by  
Filed under Bayerische Staatsoper, IOCO Aktuell

Bayerische Staatsoper München

Nationaltheater München © Wilfried Hösl

Nationaltheater München © Wilfried Hösl

 

„VERMESSEN“ –  2015/16 der Bayerischen Staatsoper

Die Bayerische Staatsoper in München, ihr klassizistisches Nationaltheater als Hauptspielort mit einem Etat von nahezu €100 Mio. ist der bedeutendste kommunale Kulturbetrieb Deutschlands. Der großartige Zuschauerraum mit der barocken Königsloge fasst 2100 Zuschauer. Die Gesamtauslastung liegt bei hohen 95%, die Auslastung der Opernsparte deutlich höher. Intendant Nikolaus Bachler (1951) wurde 2008 als Nachfolger des Briten Sir Peter Jonas (1946) bestellt. Kirill Petrenko (1972) folgte 2013 dem US-Amerikaner japanischer Herkunft Kent Nagano (1951) in das Amt des Generalmusikdirektors.

Nikolaus Bachler,l, und Krill Petrenko © Joachim Balfauf

Nikolaus Bachler,l, und Krill Petrenko © Joachim Balfauf

Die Bayerische Staatsoper gab nun die künstlerischen Vorhaben der Saison 2015/16 bekannt. Intendant Nikolaus Bachler verlieh der Spielzeit den Titel: „VERMESSEN“.  Bachler:Wir geben uns in diesem Jahr ganz konkret auf Entdeckungsreise zum Südpol mit einer Uraufführung von Miroslav Srnka. „VERMESSEN“ beschreibt allerdings auch das Verhalten der Protagonisten in allen anderen Premieren dieser Spielzeit“. Insgesamt werden in der Saison 2015/16  44 Werke aufgeführt. Acht Premieren sind höchst anspruchsvolle Vorhaben. Große Künstlernamen, von Jonas Kaufmann über Thomas Hampson, Barrie Kosky, Roberto Alagna, Anna Prohaska, Kristine Opolais, sind anregende Normalität des Spielplan 2015/16 der Bayerischen Staatsoper. Angaben zu nicht-künstlerischen Themen wie Etat oder der Höhe von Subventionen machte Nikolaus Bachler nicht.

ACHT PREMIEREN
– South Pole (31. Januar 2016), Uraufführung einer Oper von Miroslav Srnka und Tom Holloway, eine Oper in englischer Sprache um das Drama zur Entdeckung des Südpols.  Rolando Villazón ist dort Robert Falcon Scott, Thomas Hampson ist Roald Amundson, Dirigat Kirill Petrenko, Inszenierung: Hans Neuenfels.
– Die Meistersinger von Nürnberg (16. Mai 2016) in der Inszenierung von David Bösch und dem Bühnenbild von Aleksandar Denic mit Wolfgang Koch, Johannes Martin Kränzle, Jonas Kaufmann, Sara Jakubiak (Hausdebüt), Dirigent Kirill Petrenko.
– Mefistofele (24.Oktober 2015) Musikalische Leitung: Omer Meir Wellber, Inszenierung: Roland Schwab (Hausdebüt) Mit René Pape, Joseph Calleja, Kristine Opolais.

Barrie Kosky, Intendant der KO Berlin inszeniert in München © IOCO

Barrie Kosky, Intendant der KO Berlin inszeniert in München © IOCO

– Der feurige Engel (29. November 2015)  Musikalische Leitung: Vladimir Jurowski, Inszenierung: Barrie Kosky, Mit Evgeny Nikitin, Evelyn Herlitzius, Elena Manistina, Vladimir Galouzine
– Les Indes galantes (Münchner Opernfestspiele, 24. Juli 2016) Musikalische Leitung: Ivor Bolton, Inszenierung und Choreographie: Sidi Larbi Cherkaoui,  Mit Lisette Oropesa, Anna Prohaska
– Un ballo in maschera (6. März 2016) Musikalische Leitung: Zubin Mehta, Inszenierung: Johannes Erath, mit Simon Keenlyside, Piotr Beczala,   Okka v. d. Damerau, Anja Harteros.
– Albert Herring, Opernstudio (5. April 2016) Opernstudio-Neuzugänge 15/16: Iris van Wijnen (Sopran, Niederlande), Leela Subramaniam (Sopran, USA, Stipendiatin der Opera Foundation), Deniz Uzun (Mezzo, Deutschland) Joshua Owen Mills (Tenor, London)
– La Juive (Münchner Opernfestspiele, 26. Juni 2016) Musikalische Leitung: Bertrand de Billy, Inszenierung: Calixto Bieito, Mit Kristine Opolais,  John Osborn (Hausdebüt), Aleksandra Kurzak, Roberto Alagna.

WIEDERAUFNAHMEN 2015/16: Ariadne auf Naxos, Die Walküre, Götterdämmerung, Die Fledermaus, Der Rosenkavalier, Tosca, alle unter GMD Kiril Petrenko. Weitere Wiederaufnahmen Arabella, Ariadne auf Naxos, Boris Godunow, Dialogues des Carmélites, Elektra, Fidelio, Lohengrin, Lucia di Lammermoor, Lulu, Manon Lescaut, Die Sache Makropulos, Werther.

AKADEMIEKONZERTE:  Musikalische Leitung: Kirill Petrenko (1., 5. & 6. Akademiekonzert), Vladimir Jurowski, Kristjan Järvi, Zubin Mehta

 Simone Young dirigiert in München © IOCO

Simone Young dirigiert in München © IOCO

KONZERTE: 1., 5. und 6. Akademiekonzert Gast-Dirigate, u.a. Paolo Carignani (Norma), Karel Mark Chichon (Tosca), Dan Ettinger (Aida, Carmen), Tomáš Hanus (Hänsel und Gretel, Die Sache Makropulos), Lothar Koenigs (Lohengrin), Oksana Lyniv (Die Fledermaus, Lucia di Lammermoor), Cornelius Meister (Lulu), Constantin Trinks (Arabella, Così fan tutte), Simone Young (Elektra)

HAUSDEBÜTS (Auswahl) Sidi Larbi Cherkaoui (Inszenierung Les Indes galantes), Johannes Erath (Inszenierung Un ballo in maschera), Roland Schwab (Inszenierung Mefistofele), Andrea Battistoni (Musikalische Leitung La traviata), James Gaffigan (Musikalische Leitung Don Giovanni), Kristjan Järvi (Musikalische Leitung 3. Akademiekonzert), Vasily Petrenko (Musikalische Leitung Boris Godunow), Karine Babajanyan (Elena, Mefistofele), Anna Christy (Soeur Constance, Dialogues des Carmélites), Julianna Di Giacomo (Leonora, Il trovatore), Sara Jakubiak (Eva, Die Meistersinger von Nürnberg), Benjamin Bruns (Belmonte, Die Entführung aus dem Serail), Jorge de León (Mario Cavaradossi, Tosca), John Osborn (Léopold, Reichsfürst, La Juive), Maxim Paster (Fürst Schuiskij, Boris Godunow)

Nationaltheater München © Wilfried Hösl

Nationaltheater München © Wilfried Hösl

RÜCKKEHR von KÜNSTLERN:  (Auswahl) Johan Botha (Turandot), Pavol Breslik (Die Entführung aus dem Serail, Lucrezia Borgia, Lucia di Lammermoor, Don Giovanni), Javier Camarena (Il barbiere di Siviglia), Angela Denoke (Die Sache Makropulos), Edita Gruberova (Lucrezia Borgia), Ermonela Jaho (Manon Lescaut), Anja Kampe (Fidelio, Die Walküre), Elisabeth Kulman (Carmen, Die Fledermaus), Elena Pankratova (Turandot), Marlis Petersen (Lulu), Patricia Petibon (Rigoletto), Sondra Radvanovsky (Tosca), Matti Salminen (Der fliegende Holländer), Gabriele Schnaut (Elektra), Erwin Schrott (Don Giovanni), Anne Schwanewilms (Elektra, Die Fledermaus, Dialogues des Carmélites, Lohengrin), Peter Seiffert (Ariadne auf Naxos, Fidelio), Bo Skovhus (Lulu), Nina Stemme (Turandot), Bryn Terfel (Tosca), Alexander Tsymbalyuk (Boris Godunow, Le nozze di Figaro), Klaus Florian Vogt (Der fliegende Holländer, Lohengrin, Die Walküre), Sonya Yoncheva (La traviata, La bohème)

SÄNGERENSEMBLE:   20 Ensemblemitglieder; Neuzugänge: Rachael Wilson (Mezzosopran-Übernahme aus dem Opernstudio), Matthew Grills (Tenor-Übernahme aus dem Opernstudio), Helena Zubanovich (Mezzosopran).

IOCO/ PMBSTM / 28.03.2015

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