München, Bayerische Staatsoper, Alceste – Christoph Willibald Gluck, IOCO Kritik, 26.07.2019

Juli 26, 2019 by  
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Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München © Wilfried Hösl

Alceste  –  Christoph Willibald Gluck

 Aufrechnung: Einer muss sterben, damit ein anderer leben kann

von Hans-Günter Melchior

Was für eine Zumutung. Da haben sich die Götter etwas Grausames ausgedacht: der sterbenskranke und vom Volk geliebte König Admète kann nur überleben, wenn ein anderer Mensch für ihn stirbt. Mensch gegen Mensch; eine Aufrechnung: einer muss sterben, damit ein anderer leben kann.

Aber obwaltet da nicht ein höheres Gesetz, eine Weisheit?: wenn diejenigen Menschen, für die die Zeit reif ist, nicht Platz machen, ist für die Nachfolgenden kein Raum. Es ist ein Lebensgesetz überhaupt. Und so unerbittlich es einerseits ist, so einsichtig ist es andererseits. Einsichten der Mythologie.

ALCESTE Christoph Willibald Gluck
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Dass es freilich Alceste sein sollte, die vom König geliebte Gattin und Mutter seiner Kinder, die sich zu opfern entschlossen ist, widerstreitet den innersten Gefühlen des Herrschers bis zur Verzweiflung. Lieber will er sterben, als dieses Opfer annehmen. So ist es fast immer: in den Grundfragen des Lebens kann man es sich nicht aussuchen, das Leben ist reduziert auf die Naturgesetze.

Zunächst weiß der König freilich nicht, welche Entscheidung ihm bevorsteht. Das Volk jubelt und ermuntert ihn zum Weiterleben. Als gebe es dies: ein Leben grundsätzlich höher zu bewerten als ein anderes. Als Alceste idem Ehemann freilich gesteht, für ihn sterben zu wollen, ist er entschlossen, sich dem Willen des Volkes zu versagen. Staatsräson gegen Liebe. Der König entscheidet sich für die Liebe.

Bayerische Staatsoper München / Alceste - hier : Dorothea Röschmann als Alceste, Charles Castronovo als Admète, Compagnie Eastman © Bayerische Staatsoper / Wilfried Hoesl

Bayerische Staatsoper München / Alceste – hier : Dorothea Röschmann als Alceste, Charles Castronovo als Admète, Compagnie Eastman © Bayerische Staatsoper / Wilfried Hoesl

Da erscheint Hercule, sozusagen als deus ex machina, und wird von Évandre, einem Vertreter des Volkes, von der ausweglosen Lage unterrichtet. Am Ende würden beide sterben: der König, der den Tod der Gattin aus Gram nicht überlebt und diese selbst, die sich umsonst opferte. Eine für Hercule unannehmbare Vorstellung. Die Ehegatten erscheinen bereits vor dem Eingang zur Unterwelt, bereit und darauf beharrend, jeweils für den anderen zu sterben.

Hercule greift entschlossen ein. Er holt die beiden ins Leben zurück, indem er den Göttern der Unterwelt den Zugriff auf das Paar verweigert und die Totenwächter zurücktreibt. Glücklich vereint kehren die Eheleute, vom Volk gefeiert, ins Leben zurück und huldigen Apollon, der die Tat des Hercule preist.

Christoph Willibald Gluck © IOCO

Christoph Willibald Gluck © IOCO

Ein originärer Stoff für eine Oper. Geradezu opernhaft. Christoph Willibald Gluck (1714 – 1787) hat 1767 dazu eine elegische Musik komponiert, die sich fein zurückhält, sich nur stellenweise zu emotionalen Aufschwüngen entschließt, insbesondere in der Partie der Alceste. Dem Stoff angemessen fließt sie wie ein Trauergesang durch die Handlung und verzichtet auf jedes auftrumpfende Getöse.

Der Regie ist dies offenbar zu wenig. Das im Innern Aufwühlende, die eigentlich ins Innere verlegte Handlung, wird auf einer zunächst –, nämlich in den ersten beiden Akten –, abstrakt wirkenden und hohe Tempel mit gradlinigen Säulen andeutenden Bühne in äußere, tänzerische Bewegung umgesetzt. Soll wohl den Kampf der Seelen versinnbildlichen. Da wuselt es (Foto, Trailer) choreographisch um die Akteure herum, Tanzeinlagen jede Menge rund um die Protagonisten, wie sie beschwörend, schlangenartige Verrenkungen, manche an akrobatische Zirkusnummern erinnernd.

So bewundernswert tänzerisch dies auch sein mag: es bringt Unruhe in den schwergewichtigen Stoff und lenkt vom inneren Drama ab, ohne ihm wirklich etwas hinzuzufügen. Man versteht ja auch, was gemeint ist. Und es nimmt der Musik die Tiefe.

Sinnvoll und wirklich nachhaltigen Eindruck hinterlassend sind die Tanzeinlagen lediglich im dritten Akt, wo übergroße, auf Stelzen sich bewegende schwarze Gestalten in flatternden Gewändern die Schrecken der Unterwelt darstellen. Sie dringen auf die schicksalhaft verstrickten Personen wie grotesk verzerrte Ungeheuer ein, bald von oben aus kabinenartigen Abteilen, bald auf gleicher Ebene, gespenstig, polypenartig, diese vereinnahmend. Das wirkt beklemmend und nimmt den Stoff inhaltlich unmittelbar auf. Ein bezwingender Einfall, zumal die Überhöhung der Gestalten, ihre Schwärze das Schicksalhafte des Geschehens verdeutlicht.

Einmal mehr bewährt sich das großartige Orchester unter der Leitung von Antonello Manacorda. Ruhig fließt die Musik, der Dirigent versagt sich jedem Seelenpomp.

Opernsteckbrief zu ALCESTE, Oper von Christoph Willibald Gluck
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Auch das Ensemble auf der Bühne ist seiner nicht leichten Aufgabe gewachsen. Die Alceste von Dorothea Röschmann hat es da am schwersten. In der Höhe merkt man ihren Sopran ein wenig die Kraftanstrengung an. Der Admète des Charles Castronovo beeindruckt durch die makellose Reinheit seiner hohen Stimmlage, ebenso wie der markige Bass des von Michael Nagy verkörperten Hercule. Der Évandre des Manuel Günther beeindruckte durch stimmliche Reinheit. Die Leistung des Ballett, der Tänzer der Compagnie Eastman, Antwerpen steht außer Kritik. Ob sie sich sinnvoll dem dramatischen Stoff fügt, bleibt offen.

So bleibt zur Münchner Inszenierung der Alceste letztlich ein etwas zwiespältiger Eindruck. Dem Publikum jedenfalls hat die Aufführung gefallen. Stürmischer Beifall belohnte das Orchester mit seinem Dirigenten sowie das gesamte Ensemble.

—| IOCO Kritik Bayerische Staatsoper München |—

Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Premiere: ALCESTE von Gluck, 21.02.2015

Februar 10, 2015 by  
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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

 

Premiere: Alceste von Christoph Willibald Gluck

Premiere am 21. Februar, 19.30 Uhr, Opernhaus
mit einer Kurzeinführung um 19.00 Uhr, Unteres Foyer

»Nichts ist schöner, als für jemanden, den man liebt, in den Tod zu gehen.« Als das Orakel spricht, dass der sterbende König Admète nur gerettet werden kann, wenn sich ein anderer für ihn opfert, beschließt seine Frau Alceste, diesen Schritt zu tun. Das Volk feiert die Rettung des Königs freudig; beklommen macht Alceste sich zum Sterben bereit. Admète ist verzweifelt und will ihr auf dem Weg in den Tod folgen. Da kommt der Held Hercule an den Hof und beschließt, zu helfen. Er ringt den Göttern der Unterwelt ihr Opfer ab.

Neun Jahre nach der Wiener Uraufführung seiner bedeutendsten Reformoper, Alceste, erarbeitete Christoph Willibald Gluck 1776 eine neue, französischsprachige Fassung des Stoffs für Paris. Er straffte die ersten beiden Akte dramaturgisch, konzentrierte sich stark auf die beiden Hauptfiguren und fügte die Figur des Hercule ein, der auch schon in der Textvorlage von Euripides auftritt. Glucks Alceste ist eine Apotheose der aufopfernden Gattenliebe, geprägt von tiefer menschlicher Erschütterung, Kraft und glühendem Gefühl. Sie blieb über 40 Jahre lang im Repertoire der Pariser Oper.

Musikalische Leitung: Rubén Dubrovsky – Inszenierung: Dietrich W. Hilsdorf – Bühne: Dieter Richter- Kostüme: Renate Schmitzer – Licht: Nicole Berry – Dramaturgie: Merle Fahrholz – Chor: Anton Tremmel

Cornelia Ptassek*/Galina Shesterneva, Michael Baba/Andreas Hermann*, Thomas Berau*/Bartosz Urbanowicz, David Lee/Raphael Wittmer*, Thomas Jesatko, Joachim Goltz*/Reuben Willcox, Raymond Ayers*/Nikola Diskic, John In Eichen*/Magnus Piontek, Sung Ha/Sebastian Pilgrim*, Eunju Kwon // *Premierenbesetzung

Mit freundlicher Unterstützung von FUCHS PETROLUB SE und Familie Fuchs

weitere Vorstellungen: 28. Februar (B-Premiere), 7., 19. März

—| Pressemeldung Nationaltheater Mannheim |—

Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Ein Wochenende im Zeichen von Christoph Willibald Gluck, 25. bis 27.07.2014

Juli 23, 2014 by  
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Oper Stuttgart

Stuttgart Opernhaus ©  A.T. Schaefer

Stuttgart Opernhaus © A.T. Schaefer

Ein Wochenende im Zeichen von Christoph Willibald Gluck

Der Opernkomponist und -Reformator Christoph Willibald Gluck, dessen Geburtstag sich dieses Jahr zum 300. Mal jährt, steht im Zentrum des Gluck-Wochenendes der Oper Stuttgart vom 25.-27. Juli 2014. Drei seiner wichtigsten Opern, umrahmt von Konzerten und Vorträgen, bieten dem Publikum einen spannenden Einblick in sein Werk.

Alle drei Gluck-Opern, die an diesem Komponisten-Wochenende gezeigt werden, weisen dem Chor eine zentrale Rolle zu: Den Auftakt bildet Iphigenie in Aulis (Premiere: 1. November 2012) am Freitag, 25. Juli 2014 um 19.30 Uhr in der Inszenierung von Andrea Moses und unter der Musikalischen Leitung von Nicholas Kok. Am Samstag, 26. Juli 2014 um 19.30 Uhr folgt Orpheus und Eurydike (Premiere: 27. Juni 2009). In der Koproduktion mit dem Stuttgarter Ballett zeichnet Christian Spuck, der ehemalige Hauschoreograf des Stuttgarter Balletts, für Regie und Choreografie verantwortlich, Nicholas Kok dirigiert. Bei den „Nach(t)gesprächen“ im Anschluss an beide Opernvorstellungen können interessierte Zuschauer dem jeweiligen Produktionsteam Fragen stellen. Nicht zuletzt ist eine weitere Oper Glucks als Filmvorführung am Sonntag, 27. Juli 2014 um 11 Uhr im Kammertheater zu sehen: Die Produktion Alceste (Premiere: 21. Januar 2006) in der Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito mit Catherine Naglestad in der Titelpartie wurde 2006 von der Fachzeitschrift „Opernwelt“ zur „Aufführung des Jahres“ gekürt.

Die Aufführungen werden von einer Vortragsreihe umrahmt, die Glucks Reformidee und ihre damalige Rezeption nachzeichnet und den Fokus auch auf seinen Generationsgenossen Niccolò Jommelli richtet, der Stuttgart zu einem Zentrum der europäischen Opernreform werden ließ. So kommen unter anderem am Samstag, 26. Juli 2014 in der Vortragsreihe von 16.30-18 Uhr der Regisseur und Hauschoreograf des Stuttgarter Balletts Demis Volpi, der Cembalist Gerd Amlung und der Heidelberger Operndirektor Heribert Germeshausen zusammen, um über die Vorbereitung ihrer Jommelli-Inszenierung in Heidelberg zu berichten (Premiere: 28. November 2014).

Das 6. Liedkonzert am Samstag, 26. Juli 2014 um 14 Uhr unter der Musikalischen Leitung von Studienleiterin Ansi Verwey rundet das Programm des Gluck-Wochenendes ab. Die Ensemblemitglieder Ana Durlovski, Sophie Marilley und Daniel Kluge interpretieren Lieder und Kantaten von Gluck, Jommelli und Carl Philipp Emanuel Bach – Komponisten, die alle zur „Generation Siebzehnvierzehn“ gehören.

PROGRAMMÜBERBLICK:

Freitag, 25. Juli 2014
14-17 Uhr Vorträge, Opernhaus, Foyer I. Rang
19.30 Uhr Iphigenie in Aulis, Opernhaus

Samstag, 26. Juli 2014
10-12.30 Uhr Vorträge, Opernhaus, Foyer I. Rang
14 Uhr 6. Liedkonzert: Generation Siebzehnvierzehn. Mit Werken von Gluck, C.P.E. Bach und Jommelli, Opernhaus
16.30-18 Uhr Vorträge, Opernhaus, Foyer I. Rang
19.30 Uhr Orpheus und Eurydike, Opernhaus

Sonntag, 27. Juli 2014
11 Uhr Filmvorführung der Aufzeichnung der Stuttgarter Alceste, Kammertheater

Pressemeldung Oper Stuttgart

Wien, Wiener Staatsoper, Die Wiener Staatsoper im Oktober in Wien und in Japan, 08.11.2012

November 8, 2012 by  
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Wiener Staatsoper

 

47 Mal Oper, Ballett, Konzert, Kinderoper in einem  Monat: Die Wiener Staatsoper im Oktober in Wien und Japan

Am gestrigen Dienstagabend, 6. November 2012 ist nach einem vierwöchigen Gastspiel in Japan die letzte Gruppe von Staatsopernmitgliedern nach Wien zurückgekehrt. Somit endet eine Periode intensiven „Doppelengagements“ der Wiener Staatsoper zuhause in Wien und in Japan – die Bilanz ist eine höchst erfreuliche und erfolgreiche: Auf insgesamt 47 Vorstellungen kommt die Wiener Staatsoper allein im Monat Oktober mit 21 Opern-, 8 Ballett- und 5 Kinderopernvorstellungen sowie 3 Konzerten (Liederabend von Jonas Kaufmann, Das Ensemble stellt sich vor, Kammermusik der Wiener Philharmoniker) in Wien und 10 Vorstellungen (bis 4. November: 11 Vorstellungen) in Japan.

In Japan sorgten rund 350 Gastspielteilnehmer – von den Dirigenten über die Solistinnen und Solisten, das Orchester, den Chor bis zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Technik, des szenischen Dienstes und der Direktion – für bejubelte Vorstellungen von „Salome“, „Le nozze di Figaro“, „Anna Bolena“ und „Die Zauberflöte für Kinder„. Rund 23.000 Zuschauer besuchten die 11 szenischen Aufführungen der Wiener Staatsoper in drei Spielstätten in Tokio und Yokohama.

Gleichzeitig wurde im Haus am Ring der tägliche Spielbetrieb in gewohnter Abwechslung und Qualität aufrecht erhalten. Großen Erfolg hatten unter anderem der Mozart-Schwerpunkt – großteils neu besetzte Serien von „Don Giovanni“, „La clemenza di Tito“ und auch hier „Le nozze di Figaro“ – sowie die Ballettpremiere von „Der Nussknacker“, der Liederabend von Jonas Kaufmann und soeben die „Wiener Ballett Tage“ – parallel liefen die Vorbereitungen für die Premiere von Glucks „Alceste“ (12. November). Insgesamt rund 63.500 Menschen besuchten im Oktober die Staatsopernvorstellungen in Wien – die Auslastung für diesen Monat liegt bei 99,77 Prozent.

 

Pressemeldung Wiener Staatsoper

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