Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Tannhäuser – Galavorstellung, IOCO Kritik, 31.05.2019

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

 Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg – Galavorstellung

…. Ich bin der Welt noch den Tannhäuser schuldig…

von Ingrid Freiberg

Im April 1845 vollendete Richard Wagner die Partitur des Tannhäuser „durch äußersten Fleiß und durch Benutzung der frühen Morgenstunden selbst im Winter“ und schreibt sie selbst, um den Kopisten zu sparen – mit seiner herrlichen, charaktervollen Schrift, der schönsten Musikerschrift, die es je gegeben hat. Wagner sagte zum Ende seines Lebens: „Ich bin der Welt noch den Tannhäuser schuldig…“ – und er meinte eine endgültige Fassung, hat er doch das Werk zwischen den Aufführungen in Dresden, Paris, München und Wien ständig verändert.

 Richard Wagner Berlin © IOCO / Rainer Maass

Richard Wagner Berlin © IOCO / Rainer Maass

Es ist anzunehmen, dass Wagner für seinen Mittelalter-Minnesänger Tannhäuser ein besonderes Faible entwickelte. Denn der ist ebenso unkonventionell wie der Komponist selbst. Ein Künstler, der in einem Zwiespalt aus Erotik und heiliger Messe gefangen ist, in dessen Herzen zwei Seelen um Befriedigung buhlen: die fleischliche Lust und die religiöse Leidenschaft. Ein Künstler, dem es leicht fällt, Konventionen zu ignorieren. Mutig wie trotzig-­rebellisch sucht er nach Grenzüberschreitung, will als Künstler ein anerkanntes Mitglied der Wartburggesellschaft sein. Welcher Weg führt zum Heil, die Pilgerschaft nach Rom oder der Rückzug in den Venusberg? Zunächst in sinnlicher Liebe mit Venus schwelgend, kehrt er später auf die Wartburg zurück, in eine Welt der Kunst und der Künstlichkeit. Als Tannhäuser während des Sängerwettstreits von seiner Leidenschaft zu Venus erzählt, droht ihn die edle Gesellschaft zu töten. Elisabeth bittet für ihn und verhindert seinen Tod – sicherlich ein tolles Gefühl, als einzige Frau gegen den Männerchor „Haltet ein!“ zu schreien, und alle hören ihr zu. Einsichtig schickt ihn Hermann, Landgraf von Thüringen, zur Buße nach Rom.

Tannhäuser – Wiesbadener Fassung

Der Mensch und sein Drama, der Konflikt Tannhäusers, die Tragik der Elisabeth: Dies sind für Wagner die zentralen Themen im Tannhäuser, und dies gilt es für Uwe Eric Laufenberg zu inszenieren. Er greift vor allem Elemente der Pariser Version auf, verfasst eine ungewohnte, aber schlüssige Mischfassung, eine „Wiesbadener Fassung“. Sein Verständnis des Tannhäuser ist eine verschlankte, verdichtete Erzählung eines zwischen zwei Lebensformen hin und her gerissenen Wanderers, eine Umsetzung des Librettos von Wagner. Die subtile Inszenierung lässt die inneren Widersprüche erkennen. Der Vorhang öffnet sich: Andächtige Pilger auf langen Bankreihen sitzend sehen sich eine Videoübertragung (Gérard Naziri, Falko Sternberg) vom Petersplatz in Rom mit Papst Franziskus an. Unter ihnen Tannhäuser… Auf dem Brustkreuz des Papstes ist das Motiv des „Guten Hirten“ mit Schafen zu sehen. Weltuntergangsstimmung, Zerstörung, wilde Leidenschaften und Orgien werden im Schnelldurchlauf gezeigt: Schuld und Sühne, Fluch und Erlösung, Engel und Teufel, eine Gemengelage der widersprüchlichsten Art. Blitzartig wechselt das Geschehen. Einige Männer tanzen leichtgeschürzt oder völlig nackt und springen um die Pilger in einem lasziv posierenden Höllenballett herum… es kommt zu orgiastischen Szenerien. Die Pilger ergreifen die Flucht. Bankreihen werden je nach Bedarf umgestellt, der Venusberg wird zur Tanzfläche, auf der nackte Tanzeleven posieren. Geringfügige Veränderungen genügen, die beiden Welten zu markieren, die gegeneinander antreten: Der Venusberg, verrufen erotischer Sündenpfuhl und die Welt der Elisabeth, in der Liebe und Anbetung Bedeutung haben.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Tannhäuser - Galavorstellung - hier : Dirigent Patrick Lange und Andreas Schager, Tannhäuser © Marcus Klein

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Tannhäuser – Galavorstellung – hier : Dirigent Patrick Lange und Andreas Schager, Tannhäuser © Marcus Klein

Dazwischen Elisabeth, eine Halb-Heilige und Tannhäuser, der mehr oder weniger hilflos nach beiden Richtungen austeilt. Er strandet, von der Dauerlust gelangweilt und von der frommen Gesellschaft verfemt, im Niemandsland. Mit dem 3. Akt, einer Schneelandschaft mit Campingzelt und einem großen weißen Kreuz gelingen Laufenberg poetische Bildwirkungen. Elisabeth verharrt reglos in der Schneelandschaft, während Wolfram im kleinen Zelt die Nachtwache hält. Die Pilger kehren heim, Tannhäuser ist nicht dabei… Am Kreuz vergebens für seine unbeschadete Rückkehr betend, schreitet Elisabeth danach gebrochen, nackt wie Gott sie schuf, ins suizidale Dunkel. Tannhäuser, der zu spät kommt, berührt mit seiner „Rom-Erzählung“ rücklings auf dem Kreuz liegend… Am Ende entschwindet er in eine beeindruckende Lichtpyramide. Das sind szenisch sehr starke Momente.

Geniales Bühnenbild und überzeugende Kostüme

Das geniale Einheitsbühnenbild von Rolf Glittenberg mit einem großen, tiefen Raum und einer transparenten Rückwand, die verschiedene Lichteffekte (Andreas Frank) ermöglicht, ist der Rahmen für Pilger, Venusberg und Sängerwettstreit auf der Wartburg. Vor allem die vorzügliche Akustik der Raumgestaltung ist zu loben. Besonders ausdrucksstark ist die Gestaltung des 3. Aktes, die in einem schwarzen Kasten von einem schräg liegenden, begehbaren weißen Kreuz beherrscht wird, und wo ein kleines Zelt zu sehen ist. Die Kostüme von Marianne Glittenberg sind im 1. Aufzug gegenwartsbezogen, und während die Festgesellschaft auf der Wartburg in mittelalterliche Kostüme gewandet ist, erscheinen die Minnesänger in Ordensrittermänteln, die das Ritual betonen. Hiermit wird die Aktualität des Tannhäuser unterstützt. Das ist überzeugend.

Großartige Gäste

Albert Pesendorfer (Hermann, Landgraf von Thüringen) ist einer der prominenten Gäste des Abends. Erst mit 30 Jahren wird er Mitglied des Wiener Staatsopernchors, mit 35 singt er in Erfurt seine erste Solopartie. Seither hat sich viel getan. Sein Opernrepertoire umfasst ca. 70 Partien, vorwiegend die des Deutschen Wagner-Fachs, und er wird an große Häuser weltweit engagiert. Pesendorfer betont das Singen, er hält sich fern vom Überzeichnen. Bewundernswert ist seine gute Artikulation. Sein wohltemperierter Bass hat ein herrliches Volumen, welches diese Partie zum Leuchten bringt.

Ein weiterer internationaler Gast ist Andreas Schager als Tannhäuser. Auch bei ihm entwickelt sich die Karriere, nach langsamem Start, dynamisch schnell… 2013 bringt die Wendung: Nach zehnminütiger Vorbereitungszeit springt er unter der Leitung von Daniel Barenboim als Siegfried an der Staatsoper Berlin ein und wird so weltweit bekannt. Als erfahrener Wagner-Tenor meistert er die stimmlichen Anforderungen des Tannhäuser und stemmt diese Monsterpartie mit ausgezeichneter Technik und außergewöhnlich großer Stimme, die es ihm erlaubt, große Bögen mit endlos erscheinendem Atem zu singen. Sein „Da ekelte mich der holde Sang“ explodiert mit großer Expressivität. Mit „…Inbrunst im Herzen, wie kein Büßer noch…“ gelingt es ihm meisterlich, seine Wut über die Gegensätze zwischen ihm und den anderen Pilgern auszudrücken. Seine packende „Rom-Erzählung“ tendiert zur Exzentrik einer musikalischen Prosa. Sie erweckt die Illusion, die Erzählung sei nicht von Wagner komponiert, sondern von Tannhäuser selbst improvisiert. Schagers Stimme ist fast zu groß für das vergleichsweise kleine Haus.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Tannhäuser - Galavorstellung - hier : Betsy Horne als Elisabeth © Marcus Klein

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Tannhäuser – Galavorstellung – hier : Betsy Horne als Elisabeth © Marcus Klein

Die europaweit verpflichtete Betsy Horne (Elisabeth) brilliert mit ihrem klaren jugendlichen Sopran, gut durchgeformt in allen Lagen, ausgestattet mit der Fähigkeit zur dynamischen und farblichen Differenzierung und einer faszinierenden Bühnenpräsenz. Es ist ein großartiges Porträt der reinen Elisabeth. Schon ihre Auftrittsarie „Dich, teure Halle, grüß‘ ich wieder“ ist fabelhaft gestaltet und zeigt unmissverständlich, wie individuell sie diese Rolle anlegt. Zu hören ist keine zurückgenommene keusche Jungfrau, sondern eine selbstbewusste Fürstentochter, die nicht nur ihren dramatischen Sopran zum Blühen bringt, sondern auch den Mut zum hüllenlosen Abgang beweist. In leiseren Passagen wie „Verzeiht, wenn ich nicht weiß, was ich beginne!“ (2. Akt) erzeugt sie eine enorme Spannung, öffnet dann aber wieder zum lauteren Klang mit angenehmem Vibrato. In dieser Inszenierung gibt es eine „doppelte“ Venus: Eine im Pelz auf nackter Haut und im eleganten Abendkleid agierend, die andere ist Jordanka Milkova, die eine dunkeltönige, satte, samtene Stimme einbringt, passend zur an dieser Stelle gewählten so genannten Pariser Fassung, Musikalisch bewältigt die attraktive Sängerin die heikle Partie der Liebesgöttin mit gut geführtem Mezzosopran, dem es aber ein wenig an Sinnlichkeit fehlt.

Sehr überzeugend entwickelt der junge Bariton Benjamin Russell seinen Wolfram von Eschenbach aus den Tugenden eines Liedsängers. Seine Stimme ist hell, gut fokussiert und verbreitet ganz ohne Druck bei klarer Diktion einen balsamischen Wohllaut. Vorzüglich die Textverständlichkeit und die Linienführung seiner Phrasierungen. Wie wohltönend elegant gesungen sein Einsatz für Freund Tannhäuser, wie lyrisch vorgetragen seine Liebe zu Elisabeth und wie atemberaubend sein „Lied an den Abendstern“, ein berührender Moment im 3. Akt. Seine sanften Lyrismen werden umjubelt. Aaron Cawley ist ein heldisch auftrumpfender Walter von der Vogelweide, ein Heißsporn, der versucht, den Sänger der Titelpartie auch als Heldentenor herauszufordern. Thomas de Vries als Biterolf, ironisch-abgeklärt, erfreut mit seinem eleganten Bariton. Unter den Minnesängern ragt er mit seiner überzeugend charakteristischen Gestaltung heraus.

Von so viel Verve und Eindringlichkeit lassen sich auch John Heuzenroeder (Heinrich der Schreiber), Daniel Carison (Reinmar von Zweter) und die stimmfrische Stella An (Ein junger Hirte) anstecken. Ihre Ensembleleistung beeindruckt. Die Nymphen und Grazien (Charlotte Dambach, Laurin Thomas, Rouven Pabst, Sacha Glachant, Veronica Bracaccini) und die Vier Edelknaben (Eunshil Jung, Hyerim Park, Isolde Ehinger, Daniela Rücker) tanzen und spielen beeindruckend und sind ebenso überzeugend auf Video nachempfunden. Der Statisterie des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden kommt eine delikate Rolle zu: Attraktive Damen und Herren sind sehr ästhetisch in erotischen Nacktszenen zu sehen.

Der Chor und Extrachor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden unter Leitung von Albert Horne zeigt zum wiederholten Male seine große Wagner-Affinität. Damen wie Herren, getrennt und zusammen, als Pilgerchor, als Festgäste auf der Wartburg und als Ritterchor gehören zum belebenden Part dieser Inszenierung. Differenziert und klangschön im Ausdruck, darstellerisch beweglich zeigt er ein homogenes und fülliges Klangbild.

Unter der Musikalischen Leitung von GMD Patrick Lange führen glasklare Fagotte, Hörner und Klarinetten in die Ouvertüre ein und bereiten den langen Weg für eine ausgewogen dynamische Interpretation des Tannhäuser. Wenn das Anfangsthema, die Melodie des Pilgerchors einfach und schlicht anhebt und ein ruhiges Schreiten evoziert, kreist es in größter Ruhe nur um die Grundtonarten und führt in eine andere Welt. Mit den einsetzenden Celli tritt ein sehnsüchtiges Motiv hinzu. Unter Patrick Langes Leitung entfalten Orchester und Sänger eine ambivalente Klangvielfalt von dissonanten Reibungen über kurze virtuose Eruptionen – bis zum Verlöschen. Der zurückgenommene Venusberg-Rausch erklingt als von den Beteiligten selbstinszeniertes Kunstprodukt. Mit umsichtiger Dynamik, nie zu laut, immer den Sängern den Vortritt lassend, die Blechbläser, die seitlichen Logen besetzend, immer temperiert, dabei aber nie ohne Glanz, stimmt er alle Instrumentengruppen bestens aufeinander ab. Dazu die Tempi, vorwärtsstrebend, der Dramaturgie der Bühnenhandlung angepasst. Die Trompeten schmettern präzise ihre Fanfaren in den Saal, die Streicher zeigen Homogenität, die Holzbläser überzeugen.

Lang anhaltender Beifall, stehende Ovationen und große Begeisterung für einen glanzvollen Tannhäuser – Gala-Abend.

—| IOCO Kritik Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

Berlin, Deutsche Oper Berlin, Tannhäuser – Richard Wagner, IOCO Kritik, 15.05.2019

Mai 15, 2019 by  
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Deutsche Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg

Emma Bell – Peter Seiffert – Stimmpracht und Intensität 

von Michael Stange

Richard Wagner © IOCO

Richard Wagner © IOCO

Kirsten Harms Tannäuser Inszenierung, Premiere November 2008, von dessen Reise aus dem Venusberg über die Wartburg nach Rom und zurück, auf der Suche nach Liebe, Lust und Anerkennung, besticht auf leerer Bühne durch intensiv wirkende Kostüme und ihre unprovokante Erzählung der Minnesängermär.

Von oben werden schwebenden Figuren hinuntergelassen. Mit der Hebebühne werden starke Akzente gesetzt. Metallische Rüstungen und farbenfrohe Kostümpracht des 2. Aktes werden mit einem Kaleidoskop von Hintergrundbildern ergänzt. So werden Richard Wagners Intentionen eindringlich ohne tiefenpsychologische Deutung an der Deutschen Oper Berlin auf die Bühne gebracht.

Tannhäuser –  Richard Wagner
youtube Trailer Deutsche Oper Berlin
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Wagner Sternstunde an der Deutschen Oper Berlin

Zur Ouvertüre schwebt ein Ritter im Blau durch die Wolken. Venus liegt auf einem Podest. Ihren Nymphen tummeln sich nackt im Bad. Venus und Tannhäuser sind umgeben von Klonen der Liebesgöttin. Das Finale des 1. Aktes ist eine Berglandschaft über der groteske Teufelspuppen flattern. Die Jagdgesellschaft begegnet Tannhäuser in metallischen Rüstungen auf eisernen Pferden (Foto).

Der zweite Akt zeigt zunächst eine leere Bühne mit in der Höhe schwebenden Rittern. Der Wartburgsaal ist tribünenartigen angeordnet und zeigt die bunte und farbenprächtig kostümierte Wartburggesellschaft. Das Hebe- und Senkbühnenbild entfaltet im Finale des 2. Aktes die stärkste Wirkung. Der wegen des Aufenthaltes im Venusberg ausgestoßene Tannhäuser steht als Sinnbild seiner Sünden unter der über ihm auf der Hebebühne stehenden Wartburggesellschaft.

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser © Bettina Stoess

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser © Bettina Stoess

Im dritten Akt siechen die Pilger auf Krankenbetten und über ihnen schweben wiederum die bekannten eisernen Ritter. Kern des Interpretationsansatzes ist, Elisabeth als mitleidsvolle und mildtätige Frau darzustellen. Daher wird ihr im ähnlichen Kostüm die lüsternen Liebesgöttin Venus gegenübergestellt. Beide vereinen sich im Finale zu einer Person in der zwei Seelen wohnen.

Dieser Opernabend stand im Zeichen von Sängern, Chor und Orchester. Von ihnen gingen Glanz und Magie der Aufführung aus; sie konnten sich beglückend auf der Bühne entfalten.

Die Elisabeth des Abends Emma Bell begann ihre Karriere im Mozart Fach. Ihren Rang belegte sie schon als Gewinnerin des Kathleen Ferrier Preises. Im jugendlich -dramatischen Fach zählen Rollen wie Agathe in Freischütz, Leonore in Fidelio, Elsa in Lohengrin und Elisabeth zu ihrem Repertoire. Sie paart phänomenale Stimmschönheit mit stupender Gesangstechnik. Ihr honigfarbenes Timbre ergänzt sie mit impressionistischer vokaler Ausdruckspalette und einer phänomenalen leuchtend blühenden Höhe. In der Arie „Dich teure Halle..“ verband sie sehnsüchtige, innige Momente mit jubelnden Phrasen. Die Tongebung bei „Allmächtige Jungfrau..“ war verhalten innwendig und eindringlich klagend. Die gesamte gesangliche Gestaltung war von immenser Poesie und sängerischer Fulminanz geprägt. Als Venus leistete sie gleichfalls Beachtliches und überzeugte mit sinnlich sirrendem Ton.

Peter Seiffert war als Tannhäuser ein „unbegreifliches Wunder“. Seit Jahren ist er der weltweit führende Rollenvertreter. Aufgrund seiner stimmtechnischen Meisterschaft gelangen alle schwierigen Momente dieser mörderischen Partie scheinbar mühelos. An diesem Abend hat er aber selbst die kühnsten Erwartungen übertroffen. Seine Stimme verfügt über ein nahezu baritonales Fundament und eine immense strahlende Höhe. Mit betörender Tongebung sang er phänomenale Übergange vom Piano über das Mezza voce bis zum Forte. Fließend, völlig frei, dramatisch packend gefärbt, mit interpretatorischer Tiefe und Anteilnahme gefüllt füllte sein Tenor wie gemalt den Saal der DOB. Zugleich war die Stimme unglaublich fokussiert.

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser © Bettina Stoess

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser © Bettina Stoess

Selbst im Piano kam sie mühelos über das Orchester und die hohen Töne waren von metallischem prachtvoll strahlendem Glanz. In der Venus-Szene war schon bei seinem Erwachen die Stimme völlig präsent. Der dramatische Ausbruch bei „Allmächtiger, Dir sei Preis..“ war innig aber zugleich mächtig und erschütternd. In den schnellen Läufen im Finale des 1. Aktes reihten sich seine Töne wie an einer Perlenkette auf.

Im Duett des zweiten Aktes gelangen Peter Seiffert und Emma Bell – auch dank des sängerfreundlichen Dirigats – unglaublich poetische, innige Momente. Die Gesänge an die Venus waren betörend intensiv und Peter Seiffert war selbst im Finale des zweiten Aktes stets hörbar und übertönte Chor und Orchester.

Die Romerzählung begann er fahl verhalten und steigerte sich in den Ausbrüchen zu immenser Größe. Neben der gesanglichen Gestaltung entwickelte er eine überwältigende emotionale Ausdruckskraft. Die Darstellung des Zerbrechens am eigenen Fehlverhalten und fehlender Vergebung gelangen ihm mit einer unter die Haut gehenden stimmlichen Wandlungsfähigkeit und Intensität.

Simon Keenlyside als Wolfram von Eschenbach war Tannhäuser ein ebenbürtiges Gegenüber. Mit seine dunkel gefärbtem, heldenbaritonalen Timbre und seiner wohlklingenden Stimme setzte er berührende Akzente. Seine Auftritte im 3. Akt gestaltete er tief empfunden mit beeindruckender Wortdeutlichkeit und prächtiger gesanglicher Gestaltung.

Albert Pesendorfer war ein Landgraf mit Autorität uns sonorem Bass. Clemens Bieber ein klangschöner Walther von der Vogelweide und Seth Carico ein wohlklingender Heinrich der Schreiber.

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser - Schlussapplaus © Patrik Klein

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser – Schlussapplaus © Patrik Klein

Dem von Jeremy Bines fulminant einstudiertem Chor der Deutschen Oper paarte filigranes und mit mächtig auftrumpfenden Momenten. Die Klangpracht und –schönheit und die Differenziertheit waren ungemein wirkungsvoll und wurden durch die mit den Bühnenbildern einhergehende gestaffelte Choraufstellung bis in die Tiefe der Bühne besonders hervorgehoben.

Stefan Blunier dirigierte das perfekt disponierte Orchester mit immenser Sensibilität und einem unvergleichlichen Sängerfreundlichkeit. Sänger und Chor trug er auf Händen und setzte markante Akzente gepaart mit filigranem Wohlklang.

Das Publikum verfolgte die Vorstellung gebannt und konzentriert. Lang anhaltender Jubel belohnte diesen phänomenalen Wagnerabend.  Nach der Vorstellung bemerkten selbst Opernveteranen an der Garderobe, dass sie nie einen Tannhäuser von so großartiger gesanglicher Perfektion und intensiver suggestiver Wirkung  auf der Bühne erlebt haben.  Eine Lehrstunde des Wagnergesangs.

Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg – Deutsche Oper Berlin:  keine weiteren Vorstellungen in der Spielzeit 2018/19

—| IOCO Kritik Deutsche Oper Berlin |—

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Götterdämmerung – Richard Wagner, IOCO Kritik, 28.05.2018

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

GÖTTERDÄMMERUNG  –  Richard Wagner

– Der Untergang der Götter – Durch Menschenhand –

Von Ingrid Freiberg

Der Ring des Nibelungen ist die Überforderung der Operngeschichte schlechthin. Es wird erlitten, zerrissen, verflucht, geliebt, bewundert, abgesessen, verehrt und verteufelt.

Scheitern ist das Mantra der Götterdämmerung

Regisseur Uwe Eric Laufenberg hat sich mit der Inszenierung des Rings einen Lebenstraum erfüllt. Seine Götterdämmerung beschreibt den Untergang der Götter mit aktuellen Gegebenheiten und den Entwicklungen in einer realen Welt. Er erzählt von Hoffnung und Enttäuschung, Traum und Wirklichkeit, Utopie, Krieg und Untergang. Szenen von verstörender Intensität kulminieren beständig und enden in der Darstellung eines sich auflösenden Weltalls.

Richard Wagner in Bayreuth © IOCO

Richard Wagner in Bayreuth © IOCO

Die Welt kennt wenige bedeutende Dichterkomponisten. Einzig und allein Richard Wagner ist es gelungen, zehn Bühnenwerke zu schaffen, die zum eisernen Bestandteil des Opernrepertoires gehören und gleichzeitig Sternstunden der Poesie sind.  „Vollendet in Wahnfried am 21. November 1874. Ich sage nichts weiter!“ mit diesen Worten schloss Wagner die Partitur der Götterdämmerung ab. Die Uraufführung fand am 17. August 1876 im Rahmen der Richard-Wagner-Festspiele statt. Wagner übernahm die künstlerische Gesamtleitung, gab täglich neue Anordnungen, seine Regieanweisungen konterkarierend „Die großen Noten kommen von selbst, die kleinen Noten und der Text sind die Hauptsache!“

Feuerzauber in einer Schale

Die drei Nornen spinnen keine goldenen Schicksalsfäden, sondern schießen grüne Laserstrahlen aus ihren mit Präsentationspointern präparierten Handschuhen. Nach ihrer Weissagung, dass Walhall verbrennen wird, sobald die Rheintöchter den Ring wieder besitzen, verlöschen die Strahlen.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Götterdämmerung - hier : die drei Rheintöchter und Siegfried  im Lokal ZUM RHEINGOLd © Karl Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Götterdämmerung – hier : die drei Rheintöchter und Siegfried  im Lokal ZUM RHEINGOLd © Karl Monika Forster

In einem mit Designermöbeln ausgestatteten Glas-Bungalow haben sich Siegfried und Brünnhilde eingerichtet. Die in einer kleinen Schale flackernde Flamme ist eine Reminiszenz an den Feuerzauber auf dem Walkürenfelsen, an dem – laut Libretto – des Nachts die drei Nornen lagern. Siegfried betritt „sein Haus“ sich ausgiebig räkelnd, mit einer Tasse Kaffee in der Hand und einem Elektrorasierer im Gesicht. Kurz darauf erscheint Brünnhilde im Negligé und zieht ihm, ganz fürsorgliche Ehefrau, seine Jacke an, stellt ihm die Schuhe bereit. Die beiden albern herum und küssen sich zärtlich.

Siegfried wird die traute Zweisamkeit langweilig. Er will auf zu neuen Taten. Vorahnend beschwört Brünnhilde ihn Gedenk‘ der Eide, die uns einen; gedenk‘ der Treue, die wir tragen; gedenk‘ der Liebe, der wir leben Brünnhilde brennt dann ewig heilig dir in der Brust!“ Sie übergibt Siegfried ihr Pferd Grane als Liebespfand. Es ist riesig groß, ein Machtsymbol, ein trojanisches Pferd, mit dem die Menschheit in die Vernichtung rast. Siegfried gibt ihr den Ring, den er Alberich vom Finger gezogen hat. Stürmisch nehmen die Liebenden Abschied. Amüsant: Händeringend und kopfschüttelnd kommt Siegfried noch einmal zurück, um sein Schwert zu holen, das er vergessen hat…

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Götterdämmerung - hier : Alberich und Hagen im Zwiegespräch © Karl Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Götterdämmerung – hier : Alberich und Hagen im Zwiegespräch © Karl Monika Forster

Die Halle der Gibichungen am Rhein

Siegfrieds Rheinfahrt endet am Hof von Gunther und Gutrune, dem ledigen Gibichungen-Geschwisterpaar. (Die Fahrt wird durch Videostreifen illustriert – erkennbar die nahegelegene Burg Pfalzgrafenstein bei Kaub.) In der Gibichungenhalle steht der große rechteckige Konferenztisch, der schon Wotans Walküre-Kriegsrat zur Verfügung stand. Haben die Gibichungen diesen von Wotan erworben? Haben die weltlichen Herrscher die Macht bereits übernommen?

Modebewusst und selbstsicher tritt Gunthers Schwester Gutrune auf. Gunther und sie werden als inzestuöses Geschwisterpaar gezeigt. Den machtbesessenen Hagen erkennt das Geschwisterpaar neidlos als Ratgeber an. Hagen hält Siegfried für eine ebenbürtige Partie für seine Halbschwester Gutrune. Dass der „herrlichste Held der Welt“ sie begehren könne, glaubt diese hingegen nicht. Da erinnert sich  Hagen an einen Vergessenstrunk, der einerseits die Vergangenheit auslöscht „dass je ein Weib ihm genaht“, andererseits die Liebe zu einer neuen Frau weckt.

Gunther erzählt Siegfried, er kenne ein starkes Weib und würde es gerne zur Frau nehmen, traue sich aber nicht. Der dem Zauber Verfallene verspricht ihm, für ihn zu werben und drängt „Frisch auf die Fahrt!“ „Um die Rückkehr ist’s mir jach!“.

Siegfried und Gunther schließen Blutsbrüderschaft, die von Hagen an dem langen Konferenztisch zu Papier gebracht und vertraglich besiegelt wird. Ihm geht es ausschließlich um den Ring, den Brünnhilde noch trägt. Seine Träume flackern über die Leinwand, Alberich schleicht sich sichtbar in diese hinein. Die beiden Blutsbrüder eilen davon. Hagen bleibt zurück und bewacht die Halle. In einem Selbstgespräch höhnt er ihnen nach „Ihr freien Söhne, frohe Gesellen, segelt nur lustig dahin! Dünkt er euch niedrig, ihr dient ihm doch, des Niblungen Sohn.“ (überzeugend diabolisch Albert Pesendorfer)

Walkürenfelsen – Ein Glasbungalow

Brünnhilde wartet, modern bekleidet, gelangweilt Magazine lesend, den Ring betrachtend, auf Siegfried. Sie ist beunruhigt und ahnungsvoll. Allein der Ring, Siegfrieds Liebespfand, gibt ihr Halt. Das Feuer in der Schale ist erloschen. Wotan sitzt stumm vor dem Haus. Der Speer, einst das Symbol seiner Macht, für den er ein Auge gegeben hat, ist zerbrochen Er sieht nur noch auf einem Auge, dem der Macht und derer Erhaltung.

Waltraute  beschwört  Brünnhilde

Statt Siegfried kommt Waltraute zu Besuch. Brünnhilde glaubt zunächst an ein Versöhnungsangebot Wotans, der ihr noch immer zürnt. Doch Waltraute beschwört Brünnhilde, den geraubten verfluchten Ring den Rheintöchtern zurückzugeben und

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Götterdämmerung - hier - Catherine Foster als Brünnhilde © Karl Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Götterdämmerung – hier – Catherine Foster als Brünnhilde © Karl Monika Forster

damit auch dem lebensmüden Göttervater Frieden zu verschaffen. (Die beiden Sängerinnen meistern ihre Partien bravourös, obwohl sie bisweilen im Inneren des Bungalows zu singen haben.)

 Brünnhilde, keine Walküre mehr, ist nichts wichtiger als ihre Liebe zu Siegfried. Empört lehnt sie ab, den Ring zu opfern Geh hin zu der Götter heiligem Rat! Von meinem Ringe raune ihnen zu Die Liebe ließe ich nie, mir nähmen nie sie die Liebe, stürzt‘ auch in Trümmern Walhalls strahlende Pracht!“

„Nun, Nothung, zeuge du, dass ich in Züchten warb“

Siegfried betritt den Bungalow. (Wo bleibt hier die Intensität von Wagners genialem Feuerzaubermotiv, in vielen Inszenierungen auch optisch eine Augenweide?) Entsetzt erblickt Brünnhilde einen Fremden „Zur Schande zwingst du mich nicht, so lang’ der Ring mich beschützt.“ Drohend streckt sie ihm den Ring entgegen.

Der vermeintlich Fremde macht kurzen Prozess. Mit einer Latex-Gesichtsmaske verkleidet, die ihn täuschend echt wie Gunther aussehen lässt, überwindet der erinnerungslose? Siegfried seine Frau, um sie für den Schwächling Gunther zu erobern. Er knöpft sich die Hose auf, schiebt verächtlich Brünnhildes Beine auseinander und missbraucht die Ohnmächtige zu den düster schneidenden h-Moll-Klängen. Es ist ein bestürzender Akt. Nothung, sein Schwert, müsste Abscheuliches bezeugen!

„Schläfst du, Hagen, mein Sohn?“

Alberich erscheint seinem Sohn Hagen im Schlaf. Der alte Nibelung wird durch eine Projektion verdoppelt. Hagen sitzt in einem Drehstuhl auf dem langen Konferenztisch, nur von einem Spot erhellt. Neben dem Tisch sitzt Alberich, der in Echtzeit gefilmt überdimensional hinter Hagen projiziert wird. Die Bilder unterstreichen intensiv den Traumcharakter der Szene.

Alberich giert, anders als Wotan, weiter nach Ring und Macht Ich – und du! Wir erben die Welt. Trüg‘ ich mich nicht in deiner Treu‘, teilst du meinen Gram und Grimm“. Alberich schwört Hagen auf den Kampf um die Ring-Welt ein. Schlaftrunken antwortet dieser „Den Ring soll ich haben […] Mir selbst schwör’ ich’s; schweige die Sorge!“ (Das Zwiegespräch ist einer der Höhepunkt des Abends.)

„Du lügst, du bist bereits mit mir vermählt“

Unvermittelt steht Siegfried neben Hagen. Er berichtet von „Gunthers“ erfolgreichem Brautzug und fordert Hagen und Gutrune auf „drum rüstet jetzt den Empfang!“ Die Doppelhochzeit soll endlich gefeiert werden! Auch Gunther und Brünnhilde treffen ein. Feierlich schreitet er mit Brünnhilde „welche bleich und gesenkten Blickes ihm folgt,“ in die Halle. Als Gunther Gutrune und Siegfried als Brautpaar ankündigt, blickt Brünnhilde erschrocken auf „Siegfried – kennt mich nicht?“ Als sie den Ring an Siegfrieds Finger entdeckt, erahnt sie den Betrug. Siegfried erzählt „Den Ring – empfing ich nicht vom ihm, von keinem Weib kam mir der Reif… genau erkenn‘ ich des Kampfes Lohn, den vor der Neidhöhl‘ einst ich bestand, als den starken Wurm ich erwürgt.“ Verzweifelt schreit Brünnhilde ihm entgegen Du lügst, du bist bereits mit mir vermählt“.

Aufgewühlt sitzt Gunther in der Ecke „Betrüger ich – und betrogen! Verräter ich – und verraten! Zermalmt mir das Mark! Zerbrecht mir die Brust! Hilf, Hagen! Hilf meiner Ehre! Hilf deiner Mutter, die mich – auch ja gebar!“ Brünnhildes grenzenlose Liebe zu Siegfried verwandelt sich in Hass. (Das Rachemotiv gehört zu den stärksten Momenten. Catherine Forster elektrisiert das Publikum.) Brünnhilde verrät Hagen und Gunther die einzige Stelle, an der Siegfried verwundbar ist.

Im Wasser wie am Lande lernte nun ich Weiberart…“

Erneut ist das Augenlid-Oval  auf der Bühne zu sehen – diesmal mit gefranstem Glamour-Vorhang und der geschwungenen Leuchtüberschrift „Zum Rheingold“. Die Rheintöchter – in Netzstrümpfen -scheinen sich dem horizontalen Gewerbe verschrieben zu haben. Aufreizend, sich an der Bar rekelnd, becircen sie Siegfried. Wollen sie den Ring oder Bezahlung für gewisse Dienste?

Doch schnell wird klar Die Rheintöchter versuchen, ihm den Ring abzuschmeicheln. Als er das verweigert, warnen sie ihn vor dem Fluch, dem er noch heute zum Opfer fallen werde. Munter entgegnet Siegfried  Im Wasser wie am Lande lernte nun ich Weiberart, wer nicht ihrem Schmeicheln traut, den schrecken sie mit Drohen; wer dem nun kühnlich trotzt, dem kommt dann ihr Keifen dran.“  Die Androhung des baldigen Todes lässt ihn furchtlos trotzig auf den Besitz des Rings beharren.

Hagen träufelt den Saft eines Krautes in sein Trinkhorn

Während die Rheintöchter entschwinden, um Brünnhilde aufzusuchen, trifft die Jagdgesellschaft mit Hagen und Gunther ein. Hagens Mannen haben ordentlich viel Wild erjagt, das stolz auf dem Boden der Bühne präsentiert wird. Ausgelassen prosten sie sich zu. Siegfried versucht, den verunsicherten Gunther mit Berichten seiner Taten zu unterhalten.

Damit Siegfrieds Erinnerung zurückkehrt, mischt Hagen einen Trunk. Schwärmend erzählt Siegfried von seiner Liebesbegegnung mit Brünnhilde und unbekümmert von den Wasservögeln, die ihm seinen heutigen Tod angekündigt hätten „Auf Waldjagd zog ich aus, doch Wasserwild zeigte sich nur. War ich dazu recht beraten, drei wilde Wasservögel hätt‘ ich euch wohl gefangen, die dort auf dem Rhein mir sangen, erschlagen würd‘ ich noch heut.“ (Die „Waldvogel-Höhen“ zitiert Lance Ryan mit bewundernswerter Genauigkeit.)

Siegfrieds Meineid ist aufgedeckt. Hinterlistig stößt Hagen dem Ahnungslosen den Speer in den Rücken. Mit Brünnhilde im Herzen stirbt Siegfried. Hagen greift nach der Hand des „Helden?“, die dieser noch einmal drohend emporstreckt.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Götterdämmerung - hier : Siegfried wird durch Hagen ermordet © Karl Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Götterdämmerung – hier : Siegfried wird durch Hagen ermordet © Karl Monika Forster

Siegfried erhält  eigenes Bühnenbild

Das Geschehen unterstützend erhält Siegfried in seiner letzten Stunde ein eigenes Bühnenbild. Gegenstände als Symbole für Stationen aus Siegfrieds Leben werden ausgestellt Sein Jugendzimmersofa mit den Kopfhörern, Mimes speckiger Kühlschrank, der Tarnhelm, eine Warnlichtsäule aus Fafners Goldlager, der Amboss und die Schmiede mit denen er Nothung schmiedete… Die Szene bekommt etwas Unwirkliches durch ein Video. Man sieht Siegfrieds Bewegungen und das Bühnenbild als Endlos-Lichttunnel. Der tote Siegfried wird zu den toten Tieren gelegt. Der größte Held, der reichste und mächtigste Mann der Welt, ist auch nur ein Kadaver.

Hagen wird in der Gibichungenhalle ertränkt

Nach verborgener Szenenverwandlung wird Siegfried auf dem symbolträchtigen Konferenztisch der Gibichungenhalle aufgebahrt. Der Schicksalsfaden ist gerissen. Siegfried, Wotans Enkel, der den Ring des Nibelungen am Finger trägt, der die Welt retten sollte, starb im Wald. Hagen brüstet sich trotzig mit dem Mord, weil der Tote „Meineid sprach“. Er macht „Heiliges Beuterecht“ geltend und fordert den Ring. Gunther stellt sich ihm – zum ersten Mal – mutig in den Weg. Obwohl sich die Mannen dazwischen werfen, gelingt es Hagen ihn mit einem Streich zu erschlagen. Die zurückgekehrte Brünnhilde ergreift den Ring und nimmt ihn sinnend betrachtend an sich. In tiefer Erschütterung, mit überwältigender Wehmut, wendet sie sich Siegfried zu und preist  noch einmal den Toten.

Von den Rheintöchtern weiß Brünnhilde um den fluchbeladenen Ring. Sie dankt ihnen für „redlichen Rat“. Inzwischen errichten die Mannen  einen mächtigen Scheiterhaufen. Brünnhilde steckt sich den Ring an und wendet sich dem Scheiterhaufen zu. Auf Siegfrieds Leiche ausgestreckt, entreißt sie einem der Männer seine Fackel und zündet sich an. Aus der Asche sollen die Rheintöchter  den durch Feuer vom Fluch gereinigten Ring an sich nehmen. Hagen versucht die Rheintöchter zu verjagen. Doch sein Bemühen, ihnen den wiedererlangten Ring abzunehmen, scheitert. Die Rheintöchter ertränken ihn in der wasserlosen Gibichungenhalle.

Die Erde entfernt sich aus unserem Sonnensystem

Am Ende gerät die Welt aus den Fugen. Alberichs Ring-Fluch ist wahr geworden. Die Götter sind schutzlos seinem Machtanspruch ausgeliefert. Die Schlussprojektionen entfernen sich von der Erde, unserem Sonnensystem, unserer Galaxie – bis alles wieder ein riesiges Auge bildet, in das Gutrune durch ein Fernrohr sieht. Das Auge ist der Anfang und das Ende. Am Anfang haben die Menschen die Welt, in die sie geworfen wurden, zu betrachten begonnen, nun haben sie sie erobert. Sucht Gutrune jetzt beim Publikum – im hell erleuchteten Theater – Unterstützung für eine bessere Zukunft?

 Ein großer Abend – Schlüssige Inszenierung

Catherine Foster begeistert das Publikum. Es gelingt ihr, Glück und Traurigkeit Brünnhildes mit großer Innigkeit darzustellen. Überragend gestaltet sie den Schlussmonolog, den sie glühend aussingt. Lance Ryan kann seinen starken Tenor wunderbar schattieren und wandeln. Er zeigt glaubhaft die verunsicherten, verletzlichen Seiten des ebenso großen wie tumben Helden Siegfried auf. Das „Bayreuther“ Liebespaar überzeugte auch in Wiesbaden.

Richard Wagner Denkmal im Berliner Tiergarten, zu seinen Füßen Wolfram von Eschenbach © Rainer Maass

Richard Wagner Denkmal im Berliner Tiergarten, zu seinen Füßen Wolfram von Eschenbach © Rainer Maass

Thomas de Vries gibt einen vokal wuchtigen Zwerg Alberich mit überzeugender Intensität. Das Zwiegespräch mit Albert Pesendorfer gehört zu den Spitzenleistungen des Abends. Albert Pesendorfers körperlich und stimmlich überragender Hagen ist in seiner Gefährlichkeit glaubwürdig. Anfangs fast jovial, bald mit bröckelnder Fassade kann er seine Gier kaum verstecken.

Betsy Horn überzeugt gesanglich und darstellerisch mit ihrem klaren Sopran als glitzernd-lässige Gutrune, die zwar den Aufstieg will, aber die Dimensionen der Bosheit, die dazu gehören, nicht erreicht. Ihre Dritte Norn ist wunderbar einfühlsam. Johannes Martin Kränzles Stimme hat Kraft und Fundament. Seine differenzierte Darstellung des Gunther als Weichling wurde zu Recht stark bejubelt. Margarete Joswig sang sich als Waltraute mit ihrem sinnlich satten Mezzo in die Zuschauerherzen. Ihre Warnung an Brünnhilde ist eindrucksvoll.

Die drei Nornen, Margarete Joswig/ Erste Norn, Silvia Hauer/ Zweite Norn, Betsy Horn/ Dritte Norn agieren sehr weiblich, wunderbar kammermusikalisch, stringent und kompakt. Die drei Rheintöchter, gesungen von Heather Engebretson/ Woglinde, Marta Wryk/ Wellgunde, Silvia Hauer/ Flosshilde harmonieren wunderbar. Verrucht verführen sie Siegfried, gesanglich überzeugend gelingt es ihnen sogar, Hagen wasserlos zu ertränken.

Chor- und Extrachor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, bestens disponiert von Albert Horne, schenkt den Theaterbesuchern erlesenen Wagnergesang.

Zu Recht gefeiert wird das Staatsorchester unter der Leitung von Alexander Joel. Sein Dirigat ist ausgewogen und transparent. Mit seiner von dramatischen Zuspitzungen geprägten Interpretation leistet das Orchester Bemerkenswertes. Von düsterer Blechgewalt bis hin zu brillanten Violinen gibt es schöne Abstufungen der einzelnen Instrumentengruppen.

Gisbert Jäkel zeigt mit seinem klassisch-modern inspirierten Bühnenbild den Untergang unserer Zivilisation mit Nuklearraketen, Atompilzen und Naturkatastrophen. Ohne die Videos von Falko Sternberg wäre der Abend nicht zu denken. Um von Hoffnung und Enttäuschung, Traum und Wirklichkeit, Utopie und Untergang erzählen zu können, bedient er sich ideologischer digitaler Mittel. Manchmal irritieren sie allerdings durch ihre Beliebigkeit.

Die eleganten Kreationen von Antje Sternberg/Kostüme erweisen sich als echte Hingucker, wie auch die stilistisch passenden Mobiliar-Accessoires. Über die bewaffneten, Fähnchen schwenkende Mannen kann man hinwegsehen; gelungen, die attraktiven halbseidenen Rheintöchter des Etablissements „Zum Rheingold“.

Bravo-Rufe vor allem für Catherine Foster, Albert Pesendorfer, Johannes Martin Kränzle, das Staatsorchester und Alexander Joel. Mit rhythmischem Applaus zwangen die Besucher Dirigent und Sänger immer wieder vor den Vorhang.

—| IOCO Kritik Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

 

Wiesbaden, Hessisches Staatsheater, Internationale Maifestspiele 2018, IOCO Aktuell, 12.05.2018

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Internationale Maifestspiele  Wiesbaden 2018

– Die Welt zu Gast in Wiesbaden –

von Ingrid Freiberg

Unter dem Motto Ein Traum voll Lust und Freude veranstaltet das Hessische Staatstheater Wiesbaden vom 30.4. bis 31.5. die Internationalen Maifestspiele 2018: Von Verdis »Maskenball«, der  kulina­risch wie spannend die Festspiele eröffnet, bis zur­ Oper Vom Ende der Unschuld von Stephan Pfeiffer (Das Libretto zitiert Texte von Dietrich Bonhoeffer und aus der Bibel) im Schlachthof, die die Passion der Programmgestalter für Neue Musik weiterführt. Vom Schauspiel bis zum Tanz, von der Performance bis zum Lieder­abend, von Kammerkonzerten und Lesungen bis hin zur Jungen Woche. Die Götterdämmerung, bringt das »Ring«­Projekt des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden zum  Abschluss!

„Ein Fest voll Lust und Freude – wir wollen es feiern und doch darüber nicht vergessen, dass wir in Zeiten leben, die gewaltige politische Herausforderungen an uns alle stellen.“ so Intendant Uwe-Eric Laufenberg in seiner Begrüßung, zur Vorstellung des unendlich reichen und vielschichtigen Programms 2018. „Während dieser vier Wochen können Theaterbegeisterte aus Nah und Fern renommierte Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt in Wiesbaden ge­nießen. Neben Theatern und Ensembles setzt auch die Junge Woche wieder besondere Akzente,“ so Volker Bouffier, Ministerpräsident von Hessen.

Hessisches Staatstheater / Die Antigone des Sophokles - Uwe-Eric Lauferg, Intendant @ Monika Forster

Hessisches Staatstheater / Die Antigone des Sophokles – Uwe-Eric Lauferg, Intendant @ Monika Forster

Gala-Aufführungen im Großen Haus / Termine

Ein Maskenball
Eröffnet wurde das traditionsreiche Festival am 30. April 2018 mit der Premiere von Verdis Ein Maskenball unter der Musikalischen Leitung von GMD Patrick Lange und in der Inszenierung von Beka Savic. Adina Aaron singt Amelia, Renato der polnische Tenor Arnold Rutkowski Riccardo und Vladislav Sulimsky vom Mariinsky Theater. Ulrica ist – nach ihren 55 Züricher und Brüsseler Auftritten in dieser Rolle – die kanadische Altistin Marie Nicole Lemieux(Fr, 18. Mai 2018)

Hessisches Staatstheater / Tannhäuser - hier : Sabina Cvilak als Elisabeth und Lance Ryan als Tannhäuser © Monika Forster

Hessisches Staatstheater / Tannhäuser – hier : Sabina Cvilak als Elisabeth und Lance Ryan als Tannhäuser © Monika Forster

Tannhäuser
Die Titelpartie in der neuen Tannhäuser-Inszenierung übernimmt im Mai Klaus Florian Vogt, der diese Partie bereits bei den Opernfestspielen 2017 in München sang.  (So, 27. Mai 2018)

 Arabella
Als Arabella ist die großartige Strauss-Sängerin Maria Bengtsson zu erleben. (Di, 22. Mai 2018)

Der Liebestrank
Pretty Yende,
die im Liebestrank 2017 an der Met New York sang, brilliert als Adina neben Ioan Hotea, Levy Sekgapane und Patrick Carfizzi auch in Wiesbaden.  (So, 20. Mai 2018 / Sa, 26. Mai 2018)

Hessisches Staatsthetaer / Der Liebestrank - hier: Patrick Carfizzi © Karl-Bernd Karwasz

Hessisches Staatsthetaer / Der Liebestrank – hier: Patrick Carfizzi © Karl-Bernd Karwasz

Götterdämmerung
Catherine Foster, Johannes Martin Kränzle, Lance Ryan und Albert Pesendorfer stehen in der Festspielaufführung der »Götterdämmerung« auf der Bühne. (Mo, 21. Mai 2018)

Der Fliegende Holländer
Als »Der fliegende Holländer« kommt Egils Silins in einer weiteren Wagner-Partie nach Wiesbaden.  (Sa, 19. Mai 2018)

Joyce Didonato
»Wenn Joyce singt, wird die Welt heller«, sagt der Komponist Jake Heggie über Joyce DiDonato. Der mit dem Echo Klassik als »Sängerin des Jahres 2017« geehrte Weltstar ist mit seinem bewegenden Programm »In War and Peace – Harmony through Music« Gast in einem Gala-Konzert  (Do, 24.05.2018)

Historie der Maifestspiele

Die Gründung der Maifestspiele basierte auf einer Idee von Richard Wagner, der in (Wiesbaden-) Biebrich zeitweilig Wohnung bezogen und dort Teile seiner Meistersinger komponiert hatte. In dieser Zeit spielte Wagner sogar mit dem Gedanken, auf der Adolfshöhe sein eigenes Festspielhaus zu errichten. Erst später entschied er sich für Bayreuth.

Wilhelm II. wollte es Wagner und dem bayerischen König Ludwig II. nachtun. Er gründete die Kaiserfestspiele in Wiesbaden, deren Protektor und Mäzen er bis 1914 war. Im Mai des Jahres 1896 wurden auf seinen Wunsch erstmals eine Reihe ausgewählter Werke in zweiwöchigen Festspielen aufgeführt. Ein Theater- und Gesellschaftsfest wurde ins Leben gerufen, das schnell zu internationalem Ansehen gelangte und den Ruf Wiesbadens mitbegründete.

Der Monarch finanzierte die Festspiele in großzügigster Weise, verlangte dafür aber auch die Erfüllung aller seiner Wünsche, nahm sogar Einfluss auf die künstlerische Gestaltung. In den ersten Festspieljahren nutzte der Kaiser das Wiesbadener Hoftheater als Huldigungsstätte zu größerem Ruhm des Hauses Hohenzollern. So beauftragte er den Kölner Josef Lauff, eine Tetralogie über die Hohenzollern-Dynastie zu schreiben. Szenischer Luxus, exotische Feerien, malerische Tableaux und kolossale Massenarrangements erregten das Entzücken des Publikums sowie der Presse und entsprachen den Vorlieben des Kaisers.

Zwischen 1867 und 1914 besuchten Wilhelm I. und Wilhelm II. 48 mal die Stadt. Mehrfach galten die Wiesbaden-Besuche dem Zusammentreffen mit befreundeten Herrschern. Die drei „Entrevues“ mit Zar Nikolaus II. (1896, 1897, 1903) hatten vornehmlich „familiären“ Charakter; politische Themen waren von untergeordneter Bedeutung.

In den 1930er Jahren mündeten die Festspiele unter Hitler in die eher unrühmlichen Gaukulturwochen. Mit dem Untergang des „Dritten Reiches“ wurde das Kapitel der Wiesbadener Maifestspiele zunächst geschlossen.

Bedeutung der Festspiele für Wiesbaden

Durch regelmäßige Kurbesuche des Kaisers blühte die Kurstadt um die Jahrhundertwende auf. In der Wilhelminischen Ära wurden u. a. das Kurhaus, das Theater sowie der Bahnhof errichtet. Die Stadtviertel wurden größer und die Einwohnerzahl Wiesbadens stieg erstmals auf über 100.000 Einwohner.

Kaiser Wilhelm II. besuchte die Stadt regelmäßig zur Sommerfrische. Im Gefolge des kaiserlichen Hofstaates kamen zahlreiche Adlige, Künstler und wohlhabende Unternehmer in die Stadt. Viele von ihnen ließen sich auch nieder. Durch die Anwesenheit des Kaisers und des Berliner Hofes erhielten die Festspiele internationale Bedeutung. Sie wurden zum wichtigsten Kultur- und Finanzfaktor der Bäderstadt.

In der Kaiserzeit expandierte der Zeitungsmarkt. Es gab eine große Nachfrage nach bunten privaten Geschichten. Zur Befriedigung dieses Bedürfnisses war Wilhelm II. genau der Richtige. Die Medien und der Kaiser hatten sich gefunden… Wiesbadener Tageszeitungen ließen bis kurz vor Redaktionsschluss Raum, um die Ankunft hochrangiger Gäste – oft  Entourage von Wilhelm II. – zeitnah anzuzeigen. Durch die Angabe, in welchem Hotel die Persönlichkeiten abgestiegen waren, entstand eine Art Partnerbörse für galante Abenteuer, Ehen wurden angebahnt.

Spielbank, Hotels (an die heimischen Thermalquellen angeschlossen), Restaurants, Geschäfte und Gewerbetreibende profitierten vom kaiserlichen Besuch. So bekam z. B. die Firma Adrian, die das gesamte Gepäck des Hofstaates einschließlich des Silbers für die festliche Tafel zu transportieren hatte, 1914 den Titel „Hofspediteur seiner Majestät“.

Internationale Maifestspiele Wiesbaden / Der Tod eines Handlungsreisenden - hier : Ulrich Matthes © Arno Declair

Internationale Maifestspiele Wiesbaden / Der Tod eines Handlungsreisenden – hier : Ulrich Matthes © Arno Declair

Neugründung der Festspiele

1950 wurden die Festspiele als Internationale Maifestspiele neu gegründet: statt national nun international! Das Besondere dieser nach Bayreuth ältesten deutschen Festspiele sind die repräsentativen Gesamtgastspiele aus vielen Ländern. Oper, Ballett und Schauspiel, Produktionen für Kinder und Jugendliche sowie für Freunde der musikalischen Moderne stehen auf dem Programm. Im Jahr 1952 zählte das Festival zu den Gründerorganisationen der European Festivals Association.

Während der alle zwei Jahre veranstalteten Theaterbiennale „Neue Stücke aus Europa“, die seit dem Jahre 2008 in Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Mainz stattfindet, werden innerhalb des zehn Tage andauernden Festivals Inszenierungen von neuen Theaterstücken in der Originalsprache gegeben und für die Zuschauer ins Deutsche übersetzt.

Die Internationalen Maifestspiele bilden in jedem Jahr den Kulturhöhepunkt der Stadt Wiesbaden, das Festival lädt die Welt ein und bietet einem internationalen Publikum die Begegnung mit der Landeshauptstadt Wiesbaden und dem Land Hessen.

Einladung

Eines der schönsten Theater in Deutschland  begrüßt seine Festspielbesucher – immer noch kaiserlich anmutend – mit Bediensteten in Livree. Die Abendgarderobe ist im Vergleich zu dieser liebenswürdig altmodischen Geste weitaus moderner. Sah man in den 60er- und 70er Jahren fast ausschließlich lange Abendkleider, kann man nun eine bunte Vielfalt bewundern – oft den Farben des Monat Mai entsprechend, der sich in Wiesbaden mit seinen blütenreichen Parkanlagen besonders herrlich präsentiert…

Ist es gelungen, Sie zu einem Besuch der Internationalen Maifestspiele zu verlocken?

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