Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Die Hochzeit des Figaro – Premiere, 06.09.2020

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

 Die Hochzeit des Figaro  –   Wolfgang Amadeus Mozart

Premiere Sonntag, 6. September 2020, um 18 Uhr, weitere Vorstellungstermine: 12. & 17. September,2020  jeweils um 19.30 Uhr

Die Termine werden unter Vorbehalt der vom Land Hessen verfügten Corona-Verordnungen veröffentlicht.

Die Hochzeit des Figaro von Wolfgang Amadeus Mozart spinnt die Geschichte von Rossinis »Barbier von Sevilla« fort. Basierend auf dem zweiten Teil von Beaumarchais’ gesellschaftskritischer Figaro-Trilogie, thematisiert sie die Wege und Irrwege zwischenmenschlicher Bedürfnisse. Mit dieser Oper schuf Mozart – vielleicht zum ersten Mal in der Operngeschichte – ein Stück wirklichen Musiktheaters. Sie ist in einer

Neuinszenierung von Uwe Eric Laufenberg und unter der Musikalischen Leitung von Konrad Junghänel zu erleben.

Die Titelpartie übernimmt Bariton Konstantin Kimmel, der sich dem Wiesbadener Publikum bereits in der vergangenen Spielzeit als Jesus in Bachs Matthäus-Passion vorgestellt hat. Benjamin Russell debütiert als Graf Almaviva, die slowakische Sopranistin Slávka Zámecníková interpretiert die Gräfin Almaviva. Anna El-Khashem singt die Partie der Susanna. Heather Engebretson, in Wiesbaden u. a. bereits als Donna Elvira in »Don Giovanni« und Gilda in »Rigoletto« zu hören, singt Cherubino. Franziska Gottwald, die zuletzt die Alt-Partie in der »Matthäus-Passion« interpretierte, übernimmt die Partie der Marcellina.

Musikalische Leitung Konrad Junghänel Inszenierung Uwe Eric Laufenberg Bühne Gisbert Jäkel Kostüme Jessica Karge Chor Albert Horne

MIT:  Graf Almaviva – Benjamin Russell, Gräfin Almaviva – Slávka Zámecníková,  Susanna – Anna El-Khashem, Figaro – Konstantin Krimmel, Cherubino – Heather Engebretson, Marcellina – Franziska Gottwald, Basilio – Erik Biegel,  Don Curzio – Osvaldo Navarro-Turres Bartolo Wolf Matthias Friedrich Antonio Wolfgang Vater Barbarina Stella An

Chor & Statisterie des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden

Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

—| Pressemeldung Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater Wiesbaden, Aktuelles 2019/20 – Spielzeit 2020/21; IOCO Aktuell, 24.04.2020

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Spielzeit 2019/20  –  Aktuelles

 Uwe Eric Laufenberg ganz persönlich © IOCO

Uwe Eric Laufenberg – mal ganz persönlich © IOCO

Im Rahmen der Maßnahmen zur Eindämmung der Infektion mit dem Corona-Virus bleibt der Vorstellungsbetrieb des Hessischen Staatstheaters Wiesbadens weiterhin unterbrochen. Alle Vorstellungen bis 19. Mai 2020 sind abgesagt.

Aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Infektion mit dem Corona-Virus und der damit verbundenen Unterbrechung des Probenbetriebs werden alle Vorstellungen der Oper Tristan und Isolde, der Stückentwicklung Kriegerin, des Jungen Schauspiels Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse, des Jungen Balletts Rotzfrech, des Balletts Roots am Hessischen Staatstheater Wiesbaden leider entfallen.

Anna Nicole – von Mark Anthony Turnage auf dem Spielplan 2019/20
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Anna Nicole – von Mark Anthony Turnage auf dem Spielplan 2019/20 – IOCO Rezension HIER

Spielzeit 2020/21 – RING, Babylon, Quichotte ….

Im Rahmen einer  Videopräsentation, unten, stellten Intendant Uwe Eric Laufenberg und Geschäftsführender Direktor Bernd Fülle zusammen mit ihrem Team das Programm der Spielzeit 2020/21 des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden vor.

Die Krise, die wir derzeit durchleben, zeigt, wie sehr der Wert des Menschen jederzeit Gegenstand der Verhandlung ist. Der Spielplan des Hessischen Staatstheater Wiesbaden trägt dem in der kommenden Spielzeit in besonderer Weise Rechnung: Sowohl in der Oper als auch im Schauspiel stehen Stoffe im Mittelpunkt, bei denen der Wert des Menschen auf grundlegende Weise durchgespielt wird. Dabei stehen zwei Großprojekte im Mittelpunkt: Zum einen Richard Wagners Ring des Nibelungen, der nichts weniger als ein Versuch ist, die gesamte Menschheitsgeschichte abzubilden und der viermal zyklisch gezeigt wird; zum anderen die deutschsprachige Erstaufführung von Tom Stoppards Trilogie Die Küste Utopias, in der die Sozialgeschichte Europas und Russlands in brillanter Manier auf das persönliche Leben einiger Individuen heruntergebrochen wird.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden – Intendant Laufenberg präsentiert Spielplan 2020/21
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Insgesamt erwarten das Publikum in der Spielzeit 2020.2021 in der Opernsparte sieben oder acht Neuinszenierungen und zehn Wiederaufnahmen. Hervorzuheben sind hierbei das Figaro-Operndoppel zum Saisonauftakt mit Gioachino Rossinis Der Barbier von Sevilla und Wolfgang Amadeus Mozarts  Die Hochzeit des Figaro, auch dies (vor-) revolutionäre Befragungen des Uwe Eric Laufenberg, gesellschaftlichen Wertes des Menschen; Puccinis Triptychon in der Inszenierung von drei Einakter, die Hölle, Fegefeuer und Himmel des Menschen ausschreiten; und als abschließender Höhepunkt die Neuproduktion von Jörg Widmanns Oper Babylon, ein in seiner allumfassenden Weltbeschreibung jegliche Grenzen überschreitendes Werk. In den acht Sinfoniekonzerten des Hessischen Staatsorchesters Wiesbaden sind große Dirigentenpersönlichkeiten und herausragende Solisten vertreten. Am Pult des Hessischen Staatsorchesters stehen GMD Patrick Lange, Johannes Dabus, Andreas Spering und Christoph-Mathias Mueller. Als Solisten sind u.a. Chouchane Siranossian, Sebastian Manz und Frederic Belli sowie Olga Bezsmertna als Gesangssolistin zu erleben.

Das Schauspielbietet neben der genannten Erstaufführung von Tom Stoppards Trilogie die Uraufführung der Bühnenfassung von Salman Rushdies jüngstem Roman Quichotte sowie neun weitere Premieren, darunter die deutschsprachige Erstaufführung des Stücks Admissions sowie im Großen Haus Uwe Eric Laufenbergs Inszenierung des Shakespeare’schen König Lear.

Das Hessische Staatsballett zeigt drei Premieren und die Wiederaufnahme von Tschaikowskys Klassiker Der Nussknacker. Ergänzt wird das Programm mit wichtigen Projekten aus der aktuellen Tanzszene. Das Junge Staatstheater bietet in allen Sparten zahlreiche Premieren und Wiederaufnahmen sowie ein erweitertes Programm der Theaterpädagogik für Kinder, Jugendliche und Familien an.

Im kommenden Jahr feiern die Internationalen Maifestspiele des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, die seit 1896 den kulturellen Höhepunkt im Theaterkalender der Stadtbilden, ihr 125. Jubiläum. Sämtliche Sparten der Darstellenden Kunst sind vertreten: Oper und Konzert, Tanz, Performance und Schauspiel.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Raffael Neff

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Raffael Neff

OPER 2020/21 – Im Detail

Ein Spielzeit-Höhepunkt ist Richard Wagners Ring des Nibelungen in der Regie von Uwe Eric Laufenberg, der erstmals unter der Musikalischen Leitung von GMD Patrick Lange einstudiert und in vier kompletten Zyklen aufgeführt wird. Die Termine hier:

RING I
Dienstag 02.02.2021 19:30 Großes Haus Das Rheingold
Mittwoch 03.02.2021 17:00 Großes Haus Die Walküre
Freitag 05.02.2021 17:00 Großes Haus Siegfried
Sonntag 07.02.2021 17:00 Großes Haus Götterdämmerung
Ring II
Sonntag 14.02.2021 18:00 Großes Haus Das Rheingold
Sonntag 21.02.2021 17:00 Großes Haus Die Walküre
Sonntag 28.02.2021 17:00 Großes Haus Siegfried
Sonntag 13.06.2021 17:00 Großes Haus Götterdämmerung
Ring III
Mittwoch 31.03.2021 19:30 Großes Haus Das Rheingold
Donnerstag 01.04.2021 17:00 Großes Haus Die Walküre
Samstag 03.04.2021 17:00 Großes Haus Siegfried
Montag 05.04.2021 17:00 Großes Haus Götterdämmerung
Internationale Maifestspiele 2021  – Ring
Mittwoch 19.05.2021 19:30 Großes Haus Das Rheingold
Donnerstag 20.05.2021 17:00 Großes Haus Die Walküre
Samstag 22.05.2021 17:00 Großes Haus Siegfried
Montag 24.05.2021 17:00 Großes Haus Götterdämmerung

Die Spielzeit 2020.2021 am Hessischen Staatstheater Wiesbaden wird mit einem Figaro-Operndoppel unter der Musikalischen Leitung von Konrad Junghänel eröffnet, mit Gisbert Jäkel als Bühnenbildner für beide Teile: Gioachino Rossinis Der Barbier von Sevilla wird von Schauspieler und Regisseur Tilo Nest inszeniert, der 2019/20 Tyll im Großen Haus zeigte. Ioan Hotea übernimmt die Partie des Graf Almaviva. Als Figaro alternieren Christopher Bolduc und Benjamin Russell. Silvia Hauer singt die Partie der Rosina. Als Bartolo wird Thomas de Vries zu erleben sein. Wolfgang Amadeus Mozarts Oper Die Hochzeit des Figaro hat in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg Premiere. Die Titelpartie übernimmt Konstantin Krimmel, als Graf Almaviva alternieren Benjamin Russell und Christopher Bolduc. Als Gräfin Almaviva ist Slávka Zámecníková und als Susanna Anna El-Khashem zu erleben. Die Opernbearbeitungen der ersten beiden Teile von Beaumarchais’ Schauspiel-Trilogie werden am Hessischen Staatstheater zu einem Tripel ergänzt durch Ödön von Horváths Fassung des dritten Teils: Figaro lässt sich scheiden (Premiere im Studio). In Philipp M. Krenns Neuinszenierung von Giuseppe Verdis Il Trovatore unter der Musikalischen Leitung von Alexander Joel singt Vesselina Kasarova ihr Rollendebüt als Azucena. Aluda Todua ist Graf von Luna, Cristiana Oliveira ist Leonora, Aldo di Toro alterniert mit Aaron Cawley als Manrico. Mit Lady Macbeth von Mzensk von Dmitri Schostakowitsch unter der Musikalischen Leitung von GMD Patrick Lange inszeniert Evgeny Titov zum ersten Mal eine Oper. Die Partie der Katerina Lwowna Ismailowa singt Cornelia Beskow, als Boris Timofejewitsch Ismailow ist Andrey Valentiy zu erleben. Die Partie des Sinowi Borissowitsch Ismailow übernimmt Rouwen Huther, die Partie des Sergej singt Aaron Cawley.

Für die Neuinszenierung von Der Zigeunerbaron von Johann Strauss haben Dirigent Philipp Pointner und Regisseur Marco Štorman für Wiesbaden eine eigene Spielfassung unter Verwendung der rekonstruierten Urfassung in der kritischen Edition erstellt. Zu den Solisten zählen u. a. Benjamin Russell (Graf Peter Homonay), Marco Jentzsch (Sándor Barinkay), Shavleg Armasi (Kálmán Zsupán), Stella An (Arsena), Narine Yeghiyan (Saffi) sowie Moderator Klaus Krückemeyer als Conte Carnero.

Giacomo Puccini fügte die drei Einakter Der Mantel, Schwester Angelica und Gianni Schicchi in Das Triptychon zusammen. Unter dem Gesamttitel Puccinis ›Triptychon‹ inszeniert Uwe Eric Laufenberg, die Musikalische Leitung übernimmt Alexander Joel. Unter den Solisten sind u. a. Daniel Luis de Vicente als Michele und in der Titelpartie von Gianni Schicchi sowie Olesya Golovneva als Schwester Angelica und Lauretta hervorzuheben. Mit Giuseppe Verdis Macbeth zeigt der südafrikanische Regisseur Matthew Wild nach Leoš Janáceks Katja Kabanowa seine zweite Operninszenierung am Hessischen Staatstheater Wiesbaden. Unter der Musikalischen Leitung von Leo McFall singen Aluda Todua als Macbeth und Gabriela Schererals Lady Macbeth.

Babylon von Jörg Widmann
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Eines der monumentalsten zeitgenössischen Opernwerke der letzten Jahre, das an den Staatsopern in München und Berlin große Erfolge feierte, ist Jörg Widmanns Babylon. Die Neuproduktion am Hessischen Staatstheater Wiesbaden ist die erste Aufführung der neuen Fassung seit deren Uraufführung 2019 an der Staatsoper Berlin und wird die Internationalen Maifestspiele 2021 eröffnen. Im großen Solisten-Ensemble sind aus der Berliner Besetzung Marina Prudenskaya (Der Euphrat) und Otto Katzameier (Der Tod) zu erleben, Gloria Rehm kehrt in der Partie der Inanna ans Hessische Staatstheater zurück, weitere Solisten sind Daniel Jenz (Tammu), Michelle Ryan (Die Seele), Philipp Mathmann (Der Skorpionmensch) und Claudio Otelli (Der Priesterkönig). Die Musikalische Leitung der auch im Orchester außergewöhnlich groß besetzten Produktion hat Albert Horne inne, der als Chordirektor den Chor des Hessischen Staatstheaters leitet und diesen für Babylon mit dem Chor des Staatstheaters Darmstadt (Einstudierung: Sören Eckhoff) zusammen führt. Die Opernsparte des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden bereichert den Spielplan außerdem mit einer Reihe eigener Wiederaufnahmen in zum Teil neuen Besetzungen.

—| Pressemeldung Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Gräfin Mariza – Emmerich Kálmán, 01.02.2020

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

 Gräfin Mariza – Emmerich Kálmán

– Der Zusammenbruch der KuK-Monarchie  als Realsatire –

von Ingrid Freiberg

Emmerich Kalman in Wien © IOCO

Emmerich Kalman in Wien © IOCO

Knapp zehn Jahre nach dem Erfolg seiner Csárdásfürstin kehrte Emmerich Kálmán kompositorisch mit Gräfin Mariza – nach Ausflügen ins kühle Holland (Das Hollandweibchen) und ins lebenslustige Paris (Die Bajadere) – in sein heimatliches Ungarn zurück. Er legte seine Operette, zusammen mit seinen Librettisten Julius Brammer und Alfred Grünwald, die ihm mit dem Stoff zwei Jahre hinterherliefen, in die Entstehungszeit 1924, kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Als gekonnt erfundene ungarische Folklore mit Foxtrott-Rhythmen, Zigeunergeigen, Grafen, Baronen, Komtessen, livrierten Dienern spielt die Geschichte auf einem Landgut: Die kaiserlich-königliche Husaren-schneidigkeit und die schillernde Welt der einstigen Donaumonarchie büßt dabei, obwohl sie bereits vor hundert Jahren zu Grunde ging, nur wenig von ihrem Charme ein. Hingegen rückt die Puszta, in Gräfin Mariza vielbeschworenes Symbol für eine heile Kindheit, das unberührte Landleben und die Ursprünglichkeit allgemein an den Rand des Reiches. Für Graf Tassilo, den verarmten Grafen, ist die Glitzerwelt schmerzlich außer Reichweite, die Besitztümer seiner Familie sind verkauft, Vergnügungen kann er sich nicht mehr leisten. Sein Leben bewegt sich zwischen Rausch und Bankrott, Liebe und verletztem Adelsstolz. Als Verwalter eines Landgutes will er nun die Mitgift für seine Schwester sichern. Kálmán karikierte eine Gesellschaft, deren Hierarchie sich neu sortieren muss. Es ist eine Realsatire, die den Zusammenbruch der Monarchie Österreich-Ungarn beschreibt, Adelsfamilien verloren ihr Vermögen und büßten zudem per Adelsaufhebungsgesetz von 1919 ihre Adelstitel – bis heute – ein.

Gräfin Mariza – Emmerich Kalman
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Operettenredaktion BR-KLASSIK vergibt den „Frosch des Jahres 2018“

Die Inszenierung von Thomas Enzinger, die bereits 2014 an der Volksoper Wien zu sehen war, verbindet kunstvoll Humor, Gefühl und furiose Tanzeinlagen. Witzige, pointenreiche Dialoge wahren den Charakter der Operette, die durch das Regiekonzept an Tiefe gewinnt. Es ist spürbar, dass die scheinbare Fröhlichkeit oft ein „Lachen unter Tränen“ ist. Seinen furchtlosen Umgang mit der Gattung Operette zeichnet Enzingers handwerklich perfekte Wiesbadener Inszenierung aus. Mit viel Liebe zum Detail erzählt er die originale Geschichte. Im Prolog, noch vor der Ouvertüre, singt die Zigeunerin und Kartenlegerin Manja (Saem You) melancholisch „Glück ist ein schöner Traum“. Ihre blitzsaubere Auftrittsarie lässt aufhorchen. Ein Zigeunerprimas (Anton Tykhyy) ist zu hören – ein kleines Mädchen (Viktorine Marsolek) und Tschekko, ein alter Diener (Gottfried Herbe), der ihr einfühlsam die Liebesgeschichte von  Mariza und Tassilo erklärt, begleiten fortan die Szene. Die beiden treten einige Male aus der Operettenhandlung heraus und bilden durch die Fragen des Kindes eine erzählerische Klammer, die das Wesen der Liebe immer wieder aufgreift. Würden sich Mariza und Tassilo nur ein einziges Mal zur Aussprache treffen, wäre die Operette sehr bald erzählt. Stattdessen tanzen und sehnen sie sich zurück zu den Zeiten, in denen sie glücklich waren: „Einmal möchte‘ ich wieder tanzen, so wie damals im Mai…“ Nach diesem Duett beginnen sich ihre Gefühle wie unter einer verkrusteten, verhärteten Lavaschicht zu regen… Brillant zeichnet Enzinger die Figur des Baron Koloman Zsupan, der in einer furiosen Choreografie mit klappernden Mistgabeln rappt und an einem unsichtbaren Seil acht Doppelgänger über die Bühne zieht. Der dritte Akt mit Désirée Nick als schönheitsoperierter Fürstin Božena Guddenstein zu Clumetzund Penižek (Klaus Krückemeyer) als ehemaligem Theaterkritiker liefert überdrehtes Operetten-Kabarett. Die vorzüglichen Lichtstimmungen von Klaus Krauspenhaar und Sabine Wiesenbauer steigern verheißungsvoll den Handlungsverlauf.

Enzinger und Toto (Bühne, Kostüme) lernten sich vor 17 Jahren kennen. Es war die Geburtsstunde ihres fruchtbaren Wirkens für die Operette, die immer seltener auf den Theaterspielplänen steht. Dabei ist sie höchst anspruchsvolles Boulevardtheater: Gesang, Dialoge, Witz und Sehnsüchte müssen überzeugend zum Publikum getragen werden. Das ist den beiden wieder einmal gelungen! Gräfin Mariza besticht durch Einfallsreichtum und Dichte der Melodien. Feurige Csárdásrhythmen, melancholische Zigeunermusik und „Schlager“ sorgen für schwungvolle Unterhaltung, treiben die turbulenten Verwirrungen um die große Liebe voran. Es sind romantische Gefühle, die man im Alltag oft vermisst. Dieser Glamour und das Gefühl, von der Musik umgarnt und getragen zu sein, führt zu Hochgefühl und guter Laune! Dem Affen wird reichlich Zucker gegeben – so reichlich, dass der Zuschauer auch durch seine Lachtränen hindurch noch die Virtuosität bemerken kann, mit der Emmerich Kálmán wie auch seine beiden Librettisten ihr Métier beherrschten.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Gräfin Mariza - hier : Sabina Cvilak als Gräfin Mariza © Karl und Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Gräfin Mariza – hier : Sabina Cvilak als Gräfin Mariza © Karl und Monika Forster

Toto entschied sich für einen prachtvollen Landschlossklassizismus mit mehreren Portalen. Die Drehbühne zeigt im raschen Wechsel eine Treppenanlage, auf der sich der Chor wirkungsvoll aufstellt, wie auch einen Lustgarten mit zarten Rosen. Zu den feurigen Klängen sind elegante Damen in Abendroben mit Hut und Federboas, Herren im Frack, geigende und tanzende Zigeuner im Kaminzimmer, der Kinderstube und im Salon mit weißen Rüschen-Vorhängen zu erleben… Die eleganten Kostüme der Gräfin – im 20iger Jahre Stil, der Zeit der Uraufführung – sind farblich wundervoll auf ihr rotes Haar abgestimmt.

Tanzsequenzen von Charles Kálmán und Modetänze von  Emmerich Kálmán  choreografiert Evamaria Mayer mit Schwung und großem Einfühlungsvermögen für die Musik. Großartig ihre Übertragung vom ungarischen Csárdás ins Scat- und Rapartige! Die Operette wird von acht Tänzerinnen und Tänzern (Janina Clark, Nathalie Gehrmann, Sofia Romano, Helena Sturm, Davide de Biasi, Valerio Porleri, Manuel Gaubatz, Christian Meusel, Myriam Lifka – Dance Captain) glänzend aufgemischt. Sie sind, wie der Zigeunerprimas, ganz in schwarz gekleidet. Folkloristische Farben werden nur dezent berücksichtigt. Mal als Zigeuner, mal als Tanzensemble in eleganten Kleidern mit tanzenden Schirmen im Tabarin, wo sich die Schönen und Reichen treffen, amüsieren sie das Publikum. Ihre heißblütigen Tanznummern sind voll mitreißender Dynamik…

Thomas Enzinger erhielt für seine Inszenierung von der Operettenredaktion BR-KLASSIK den „Frosch des Jahres 2018″. Die Auszeichnung wird seit Beginn des Jahres 2016 von der Jury der Redaktion Operette verliehen und zeichnet Monat für Monat nach eigener Definition „besonders gut gemachte, zeitgemäße und frische Operettenproduktionen“ aus. Die Redaktion gratulierte auch dem Intendanten und allen Ausführenden zu diesem opulenten Operettenfest.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Gräfin Mariza - hier : Ensemble, Tänzer, Chor © Karl und Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Gräfin Mariza – hier : Ensemble, Tänzer, Chor © Karl und Monika Forster

Es bleibt kein Auge trocken…

Mit Sinnlichkeit, Schmelz und eloquenter Deklamation gibt Sabina Cvilak eine überlegte, fein ausdifferenzierte Darstellung der Gräfin Mariza. Sie präsentiert sich mit ihrem frischen Sopran effektvoll zwischen intimen Liebesschmerz und explodierenden Gefühlen und brilliert gleich in ihrem Auftrittslied. Mühelos setzt sie ihre Töne, frei von Übertreibung. Ihre Schönheit, ihr Reichtum und ihre Kapriolen sind eine Absage an Mitgiftjäger, die sich einschleichen wollen. Als sie sich zum wiederholten Male auch von Tassilo betrogen sieht, ohrfeigt sie ihn mit einer großen Summe Geldes.

Wenn Gräfin Mariza und ihr Gutsverwalter Bela Törek, der in Wirklichkeit Graf Tassilo von Endrödy-Wittemburg ist, ihr schmachtendes „Sag ja…“ singen, wenn Marco Jentzsch mit seinem jugendlich frischen Timbre aus dem Vollen schöpft, bleibt kein Auge trocken. In sauber intonierter Entrücktheit singt er „Komm Zigan…“, „Auch ich war einst ein feiner Csárdáskavalier“. Dem melancholischen Ehrenmann kommt zugute, dass er die Ohrwürmer des Abends zu singen hat. Immer wieder schwärmt er mit tenoralem Stimmenglanz und auffallend klarer Artikulation von seinen Zeiten als fescher Reiteroffizier in der kaiserlich-königlichen Doppelmonarchie.

Köstlich balzend empfiehlt sich Björn Breckheimer als tragikomischer Fürst Populescu. Er bereitet die Verlobungsfeier seiner Angebeteten, Gräfin Mariza, mit dem angeblichen Baron Koloman Zsupan vor, fragt sie aber auch, ob er nicht der Glückliche sei, in den sie sich verliebt habe. Um zum Erfolg zu kommen, scheut er weder Kosten noch Mühen. Erst nach einer durchzechten Nacht gesteht er seinem Saufkumpanen Zsupan, dass er immer noch unsterblich in eine Fürstin verliebt sei, die er seit Jahren nicht gesehen hat. In der Fürstin Bozena Guddenstein zu Chlumetz erkennt er alsbald seine Jugendliebe wieder, sein „Maiglöckchen!“, dem er sofort einen Heiratsantrag macht – ihren Diener Penižek heiratet er gleich mit, weil er dessen Lächeln und Mimik in der Ehe braucht.

Björn Breckheimer, Sänger, Schauspieler und früherer Solotänzer meistert die anspruchsvolle Partie glänzend. Umwerfend, quicklebendig, mit Rampensaupotential und hoher Flexibilität präsentiert er die beredten Schattierungen seines Baritons. Grandios unterstreicht Erik Biegel als Baron Koloman Zsupan mit angenehmer Tenorbuffo-Stimme sein komisches Talent. Als vermeintlicher Baron in roter Lederjacke tobt er als Wirbelwind in einem unglaublichen Parforceritt über die Bühne, tanzt wie der Teufel… Sein köstlicher ungarischer Akzent überzeichnet humorvoll die Figur. Einer der Höhepunkte des Abends ist der bereits erwähnte Mistgabel-Rap. Wiederholt bekommt Biegel Szenenapplaus. Nach seiner zunächst tollpatschigen Annäherung an Lisa endet sein Werben mit einem berührend gesungenen „Ich möchte träumen von dir, mein Puzikam“. Die Lisa von Shira Patchornik ist eine unbekümmerte junge Frau, die unreflektiert der Handlung und ihrer Liebe zu Zsupan freien Lauf lässt. Bei ihr vereinigen sich mädchenhafte Ausstrahlung, Leichtigkeit und Klarheit der Diktion. Mühelos mit jugendlich strahlendem Sopran überzeugt sie im Zusammenspiel mit ihrem Bruder Tassilo „Brüderlein, Schwesterlein“, „Sonnenschein hüllt dich ein – O schöne Kinderzeit“ und mit Zsupan  „Junger Mann ein Mädel liebt – Behüt dich Gott komm gut nach Haus“.  Die Vertrautheit mit ihren beiden Bühnenpartnern ist spürbar. Thomas Jansen als Karl Stephan Liebenberg ist ein distinguierter Lebemann, der nicht verstehen kann, dass sein ehemals lebenslustiger Freund Tassilo seinen gesamten Familienbesitz veräußern will. Dennoch regelt er alles für ihn.

Ein weiterer komödiantischer Höhepunkt des Abends ist der Auftritt der Erbtante Fürstin Bozena Guddenstein zu Chlumetz (Désirée Nick), die auftaucht, um ihren Neffen und dessen Liebe zu retten. Im 3. Akt hat das Sprechtheater ein Übergewicht gegenüber der Musik. Ihrem Typ entsprechend erscheint die Fürstin äußerst extravagant, ganz Diva zeigt sie ihre langen Beine und rückt damit die Operette in die Nähe einer Revue. Für Désirée Nick wurde aus Kálmáns Herbstmanöver ein Entrée-Couplet eingefügt und mit einem neuen Text versehen, der den Schönheitswahn bei reifen Damen „Fünf Operationen und dann die nächste gratis…“ aufgreift. Ihr Gesicht ist nach den vielen Hautstraffungen so starr geworden ist, dass sie zum Lachen ihren schrägen Diener Penižek (Klaus Krückemeyer) braucht, der nicht nur ihrer Mimik Ausdruck verleiht, sondern auch als vormaliger Theaterkritiker, mit Sinn für Humor und Zitate aus der Literatur, das Geschehen kommentiert. Das ist grotesk komisch und gibt viel Raum für Lacher.

Gräfin Mariza und Graf Tassilo im Gespräch
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Operettenglanz  – Operettenglamour

Der Chor des Hessischen Staatstheater Wiesbaden unter Leitung von Albert Horne ist makellos einstudiert, wächst über sich hinaus und begeistert mit mitreißenden Tanznummern. „Heut‘ betrügen wir die Nacht, getanzt wird und gelacht, wenn der Champagner kracht! Heute ist uns alles ganz egal, heute schlafen wir im Nachtlokal! Heut‘, so lang die Welt noch steht, weil sie vielleicht schon morgen zum Teufel geht…“ Das alles: Gesang, Timing und Tanz bringt nostalgischen Operettenglanz und -glamour der Zwanzigerjahre auf die Bühne, wie man ihn von alten Filmen her erahnen kann. Eine tolle Leistung!

Das gilt auch für das unter der Musikalischen Leitung von Christoph Stiller subtil und schmissig aufspielende Hessische Staatsorchester Wiesbaden. Stilistisch wendig und hochengagiert bringt das Orchester den Charme der Partitur und weitere Klangdelikatessen zum Leuchten. Den Musikern wird eine enorme Fülle an Artikulationsweisen entlockt, mit viel Atem für die liedhaften Rundungen der Form. Das ergibt einen vollsüffigen Mix aus Foxtrott und Walzer, Csárdás und Blues, Slowfox und Boston, Wiener Operettenso und und pseudoungarischer Folklore. Die Stunden vergehen  im Flug.

Sehr viel Zwischenapplaus und Standing Ovations! Wer diese Aufführung nicht bester Laune verlässt, dem ist nicht zu helfen.

Gräfin Mariza am Hessischen Staatstheater; die weiteren Termine 1.2.; 18.6.; 26.6.2020

—| IOCO Kritik Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Anna Nicole – Oper von Mark-Anthony Turnage, 15.02.2020

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

  Anna Nicole – Oper von Mark-Anthony Turnage
Libretto von Richard Thomas

Premiere Samstag, 15. Februar 2020, 19.30,  die nächsten Vorstellungstermine: 21. & 28. Februar, jeweils um 19.30 Uhr

Anna Nicole – Sexsymbol, Partyluder und Männerfantasie, Busenwunder, Milliardärsgattin und Tabletten-Junkie. Sie war eine Person voller Widersprüche, mit einer Biografie, die den Stoff zu einer Seifenoper hätte liefern können. Komponist Mark-Anthony Turnage und Librettist Richard Thomas haben eine richtige Oper daraus gemacht: Eine rasante Revue voller Sprachwitz und musikalischem Humor, gewürzt mit ein paar messerscharfen Dissonanzen, abwechslungsreich gestalteter Instrumentierung und rockigen Schlagzeugrhythmen.

In Wiesbaden wird das Stück unter der Musikalischen Leitung von Albert Horne und in einer Neuinszenierung von Bernd Mottl, der in Wiesbaden zuletzt die Oper von Arno Schreier, Schade, dass sie eine Hure war,  inszenierte, zu erleben sein.

In dem temporeichen Stück, das mühelos den Spagat zwischen Musical-Song, Opernkoloratur und neuer Musik schlägt, wird die Titelpartie von Elissa Huber verkörpert, die derzeit in der Rolle der Lilli Vanessi in Kiss Me, Kate an der Wiener Volksoper zu sehen ist.

Die Produktion wird theaterpädagogisch begleitet

Musikalische Leitung Albert Horne Inszenierung Bernd Mottl Bühne, Kostüme Friedrich Eggert Chor Albert Horne Choreografie Myriam Lifka Licht Klaus Krauspenhaar Dramaturgie Daniel C. Schindler Theaterpädagogik Luisa Schumacher

MIT:  Anna Nicole Elissa Huber,  Stern Christopher Bolduc, Virgie Margarete Joswig, J. Howard Marshall Uwe Eikötter, Shelley / Marshall Family Lena Haselmann, Mayor of Mexia / Larry King Christopher Diffey Trucker / Doctor / Marshall Family Ralf Rachbauer Deputy Mayor / Patron / Runner Frederic Mörth Daddy Hogan / Marshall Family Daniel Carison Kay / Marshall Family Annette Luig Melissa / News Reporter Fleuranne Brockway Billy / News Reporter Nathaniel Webster Lap Dancer 1 Radoslava Vorgic Lap Dancer 2 Karolina Liçi Lap Dancer 3 Maike Menningen Lap Dancer 4 Jessica Poppe Teenage Daniel David Krahl

TänzerInnen:  Sofia Romano, Anna Heldmaier, Sarah Steinemer, Jasper Hanebuth, Soeren Niewelt, Max Menendez-Vazquez, Nathalie Gehrmann (Swing)

Chor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

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