Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Gräfin Mariza – Emmerich Kálmán, 01.02.2020

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

 Gräfin Mariza – Emmerich Kálmán

– Der Zusammenbruch der KuK-Monarchie  als Realsatire –

von Ingrid Freiberg

Emmerich Kalman in Wien © IOCO

Emmerich Kalman in Wien © IOCO

Knapp zehn Jahre nach dem Erfolg seiner Csárdásfürstin kehrte Emmerich Kálmán kompositorisch mit Gräfin Mariza – nach Ausflügen ins kühle Holland (Das Hollandweibchen) und ins lebenslustige Paris (Die Bajadere) – in sein heimatliches Ungarn zurück. Er legte seine Operette, zusammen mit seinen Librettisten Julius Brammer und Alfred Grünwald, die ihm mit dem Stoff zwei Jahre hinterherliefen, in die Entstehungszeit 1924, kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Als gekonnt erfundene ungarische Folklore mit Foxtrott-Rhythmen, Zigeunergeigen, Grafen, Baronen, Komtessen, livrierten Dienern spielt die Geschichte auf einem Landgut: Die kaiserlich-königliche Husaren-schneidigkeit und die schillernde Welt der einstigen Donaumonarchie büßt dabei, obwohl sie bereits vor hundert Jahren zu Grunde ging, nur wenig von ihrem Charme ein. Hingegen rückt die Puszta, in Gräfin Mariza vielbeschworenes Symbol für eine heile Kindheit, das unberührte Landleben und die Ursprünglichkeit allgemein an den Rand des Reiches. Für Graf Tassilo, den verarmten Grafen, ist die Glitzerwelt schmerzlich außer Reichweite, die Besitztümer seiner Familie sind verkauft, Vergnügungen kann er sich nicht mehr leisten. Sein Leben bewegt sich zwischen Rausch und Bankrott, Liebe und verletztem Adelsstolz. Als Verwalter eines Landgutes will er nun die Mitgift für seine Schwester sichern. Kálmán karikierte eine Gesellschaft, deren Hierarchie sich neu sortieren muss. Es ist eine Realsatire, die den Zusammenbruch der Monarchie Österreich-Ungarn beschreibt, Adelsfamilien verloren ihr Vermögen und büßten zudem per Adelsaufhebungsgesetz von 1919 ihre Adelstitel – bis heute – ein.

Gräfin Mariza – Emmerich Kalman
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Operettenredaktion BR-KLASSIK vergibt den „Frosch des Jahres 2018“

Die Inszenierung von Thomas Enzinger, die bereits 2014 an der Volksoper Wien zu sehen war, verbindet kunstvoll Humor, Gefühl und furiose Tanzeinlagen. Witzige, pointenreiche Dialoge wahren den Charakter der Operette, die durch das Regiekonzept an Tiefe gewinnt. Es ist spürbar, dass die scheinbare Fröhlichkeit oft ein „Lachen unter Tränen“ ist. Seinen furchtlosen Umgang mit der Gattung Operette zeichnet Enzingers handwerklich perfekte Wiesbadener Inszenierung aus. Mit viel Liebe zum Detail erzählt er die originale Geschichte. Im Prolog, noch vor der Ouvertüre, singt die Zigeunerin und Kartenlegerin Manja (Saem You) melancholisch „Glück ist ein schöner Traum“. Ihre blitzsaubere Auftrittsarie lässt aufhorchen. Ein Zigeunerprimas (Anton Tykhyy) ist zu hören – ein kleines Mädchen (Viktorine Marsolek) und Tschekko, ein alter Diener (Gottfried Herbe), der ihr einfühlsam die Liebesgeschichte von  Mariza und Tassilo erklärt, begleiten fortan die Szene. Die beiden treten einige Male aus der Operettenhandlung heraus und bilden durch die Fragen des Kindes eine erzählerische Klammer, die das Wesen der Liebe immer wieder aufgreift. Würden sich Mariza und Tassilo nur ein einziges Mal zur Aussprache treffen, wäre die Operette sehr bald erzählt. Stattdessen tanzen und sehnen sie sich zurück zu den Zeiten, in denen sie glücklich waren: „Einmal möchte‘ ich wieder tanzen, so wie damals im Mai…“ Nach diesem Duett beginnen sich ihre Gefühle wie unter einer verkrusteten, verhärteten Lavaschicht zu regen… Brillant zeichnet Enzinger die Figur des Baron Koloman Zsupan, der in einer furiosen Choreografie mit klappernden Mistgabeln rappt und an einem unsichtbaren Seil acht Doppelgänger über die Bühne zieht. Der dritte Akt mit Désirée Nick als schönheitsoperierter Fürstin Božena Guddenstein zu Clumetzund Penižek (Klaus Krückemeyer) als ehemaligem Theaterkritiker liefert überdrehtes Operetten-Kabarett. Die vorzüglichen Lichtstimmungen von Klaus Krauspenhaar und Sabine Wiesenbauer steigern verheißungsvoll den Handlungsverlauf.

Enzinger und Toto (Bühne, Kostüme) lernten sich vor 17 Jahren kennen. Es war die Geburtsstunde ihres fruchtbaren Wirkens für die Operette, die immer seltener auf den Theaterspielplänen steht. Dabei ist sie höchst anspruchsvolles Boulevardtheater: Gesang, Dialoge, Witz und Sehnsüchte müssen überzeugend zum Publikum getragen werden. Das ist den beiden wieder einmal gelungen! Gräfin Mariza besticht durch Einfallsreichtum und Dichte der Melodien. Feurige Csárdásrhythmen, melancholische Zigeunermusik und „Schlager“ sorgen für schwungvolle Unterhaltung, treiben die turbulenten Verwirrungen um die große Liebe voran. Es sind romantische Gefühle, die man im Alltag oft vermisst. Dieser Glamour und das Gefühl, von der Musik umgarnt und getragen zu sein, führt zu Hochgefühl und guter Laune! Dem Affen wird reichlich Zucker gegeben – so reichlich, dass der Zuschauer auch durch seine Lachtränen hindurch noch die Virtuosität bemerken kann, mit der Emmerich Kálmán wie auch seine beiden Librettisten ihr Métier beherrschten.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Gräfin Mariza - hier : Sabina Cvilak als Gräfin Mariza © Karl und Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Gräfin Mariza – hier : Sabina Cvilak als Gräfin Mariza © Karl und Monika Forster

Toto entschied sich für einen prachtvollen Landschlossklassizismus mit mehreren Portalen. Die Drehbühne zeigt im raschen Wechsel eine Treppenanlage, auf der sich der Chor wirkungsvoll aufstellt, wie auch einen Lustgarten mit zarten Rosen. Zu den feurigen Klängen sind elegante Damen in Abendroben mit Hut und Federboas, Herren im Frack, geigende und tanzende Zigeuner im Kaminzimmer, der Kinderstube und im Salon mit weißen Rüschen-Vorhängen zu erleben… Die eleganten Kostüme der Gräfin – im 20iger Jahre Stil, der Zeit der Uraufführung – sind farblich wundervoll auf ihr rotes Haar abgestimmt.

Tanzsequenzen von Charles Kálmán und Modetänze von  Emmerich Kálmán  choreografiert Evamaria Mayer mit Schwung und großem Einfühlungsvermögen für die Musik. Großartig ihre Übertragung vom ungarischen Csárdás ins Scat- und Rapartige! Die Operette wird von acht Tänzerinnen und Tänzern (Janina Clark, Nathalie Gehrmann, Sofia Romano, Helena Sturm, Davide de Biasi, Valerio Porleri, Manuel Gaubatz, Christian Meusel, Myriam Lifka – Dance Captain) glänzend aufgemischt. Sie sind, wie der Zigeunerprimas, ganz in schwarz gekleidet. Folkloristische Farben werden nur dezent berücksichtigt. Mal als Zigeuner, mal als Tanzensemble in eleganten Kleidern mit tanzenden Schirmen im Tabarin, wo sich die Schönen und Reichen treffen, amüsieren sie das Publikum. Ihre heißblütigen Tanznummern sind voll mitreißender Dynamik…

Thomas Enzinger erhielt für seine Inszenierung von der Operettenredaktion BR-KLASSIK den „Frosch des Jahres 2018″. Die Auszeichnung wird seit Beginn des Jahres 2016 von der Jury der Redaktion Operette verliehen und zeichnet Monat für Monat nach eigener Definition „besonders gut gemachte, zeitgemäße und frische Operettenproduktionen“ aus. Die Redaktion gratulierte auch dem Intendanten und allen Ausführenden zu diesem opulenten Operettenfest.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Gräfin Mariza - hier : Ensemble, Tänzer, Chor © Karl und Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Gräfin Mariza – hier : Ensemble, Tänzer, Chor © Karl und Monika Forster

Es bleibt kein Auge trocken…

Mit Sinnlichkeit, Schmelz und eloquenter Deklamation gibt Sabina Cvilak eine überlegte, fein ausdifferenzierte Darstellung der Gräfin Mariza. Sie präsentiert sich mit ihrem frischen Sopran effektvoll zwischen intimen Liebesschmerz und explodierenden Gefühlen und brilliert gleich in ihrem Auftrittslied. Mühelos setzt sie ihre Töne, frei von Übertreibung. Ihre Schönheit, ihr Reichtum und ihre Kapriolen sind eine Absage an Mitgiftjäger, die sich einschleichen wollen. Als sie sich zum wiederholten Male auch von Tassilo betrogen sieht, ohrfeigt sie ihn mit einer großen Summe Geldes.

Wenn Gräfin Mariza und ihr Gutsverwalter Bela Törek, der in Wirklichkeit Graf Tassilo von Endrödy-Wittemburg ist, ihr schmachtendes „Sag ja…“ singen, wenn Marco Jentzsch mit seinem jugendlich frischen Timbre aus dem Vollen schöpft, bleibt kein Auge trocken. In sauber intonierter Entrücktheit singt er „Komm Zigan…“, „Auch ich war einst ein feiner Csárdáskavalier“. Dem melancholischen Ehrenmann kommt zugute, dass er die Ohrwürmer des Abends zu singen hat. Immer wieder schwärmt er mit tenoralem Stimmenglanz und auffallend klarer Artikulation von seinen Zeiten als fescher Reiteroffizier in der kaiserlich-königlichen Doppelmonarchie.

Köstlich balzend empfiehlt sich Björn Breckheimer als tragikomischer Fürst Populescu. Er bereitet die Verlobungsfeier seiner Angebeteten, Gräfin Mariza, mit dem angeblichen Baron Koloman Zsupan vor, fragt sie aber auch, ob er nicht der Glückliche sei, in den sie sich verliebt habe. Um zum Erfolg zu kommen, scheut er weder Kosten noch Mühen. Erst nach einer durchzechten Nacht gesteht er seinem Saufkumpanen Zsupan, dass er immer noch unsterblich in eine Fürstin verliebt sei, die er seit Jahren nicht gesehen hat. In der Fürstin Bozena Guddenstein zu Chlumetz erkennt er alsbald seine Jugendliebe wieder, sein „Maiglöckchen!“, dem er sofort einen Heiratsantrag macht – ihren Diener Penižek heiratet er gleich mit, weil er dessen Lächeln und Mimik in der Ehe braucht.

Björn Breckheimer, Sänger, Schauspieler und früherer Solotänzer meistert die anspruchsvolle Partie glänzend. Umwerfend, quicklebendig, mit Rampensaupotential und hoher Flexibilität präsentiert er die beredten Schattierungen seines Baritons. Grandios unterstreicht Erik Biegel als Baron Koloman Zsupan mit angenehmer Tenorbuffo-Stimme sein komisches Talent. Als vermeintlicher Baron in roter Lederjacke tobt er als Wirbelwind in einem unglaublichen Parforceritt über die Bühne, tanzt wie der Teufel… Sein köstlicher ungarischer Akzent überzeichnet humorvoll die Figur. Einer der Höhepunkte des Abends ist der bereits erwähnte Mistgabel-Rap. Wiederholt bekommt Biegel Szenenapplaus. Nach seiner zunächst tollpatschigen Annäherung an Lisa endet sein Werben mit einem berührend gesungenen „Ich möchte träumen von dir, mein Puzikam“. Die Lisa von Shira Patchornik ist eine unbekümmerte junge Frau, die unreflektiert der Handlung und ihrer Liebe zu Zsupan freien Lauf lässt. Bei ihr vereinigen sich mädchenhafte Ausstrahlung, Leichtigkeit und Klarheit der Diktion. Mühelos mit jugendlich strahlendem Sopran überzeugt sie im Zusammenspiel mit ihrem Bruder Tassilo „Brüderlein, Schwesterlein“, „Sonnenschein hüllt dich ein – O schöne Kinderzeit“ und mit Zsupan  „Junger Mann ein Mädel liebt – Behüt dich Gott komm gut nach Haus“.  Die Vertrautheit mit ihren beiden Bühnenpartnern ist spürbar. Thomas Jansen als Karl Stephan Liebenberg ist ein distinguierter Lebemann, der nicht verstehen kann, dass sein ehemals lebenslustiger Freund Tassilo seinen gesamten Familienbesitz veräußern will. Dennoch regelt er alles für ihn.

Ein weiterer komödiantischer Höhepunkt des Abends ist der Auftritt der Erbtante Fürstin Bozena Guddenstein zu Chlumetz (Désirée Nick), die auftaucht, um ihren Neffen und dessen Liebe zu retten. Im 3. Akt hat das Sprechtheater ein Übergewicht gegenüber der Musik. Ihrem Typ entsprechend erscheint die Fürstin äußerst extravagant, ganz Diva zeigt sie ihre langen Beine und rückt damit die Operette in die Nähe einer Revue. Für Désirée Nick wurde aus Kálmáns Herbstmanöver ein Entrée-Couplet eingefügt und mit einem neuen Text versehen, der den Schönheitswahn bei reifen Damen „Fünf Operationen und dann die nächste gratis…“ aufgreift. Ihr Gesicht ist nach den vielen Hautstraffungen so starr geworden ist, dass sie zum Lachen ihren schrägen Diener Penižek (Klaus Krückemeyer) braucht, der nicht nur ihrer Mimik Ausdruck verleiht, sondern auch als vormaliger Theaterkritiker, mit Sinn für Humor und Zitate aus der Literatur, das Geschehen kommentiert. Das ist grotesk komisch und gibt viel Raum für Lacher.

Gräfin Mariza und Graf Tassilo im Gespräch
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Operettenglanz  – Operettenglamour

Der Chor des Hessischen Staatstheater Wiesbaden unter Leitung von Albert Horne ist makellos einstudiert, wächst über sich hinaus und begeistert mit mitreißenden Tanznummern. „Heut‘ betrügen wir die Nacht, getanzt wird und gelacht, wenn der Champagner kracht! Heute ist uns alles ganz egal, heute schlafen wir im Nachtlokal! Heut‘, so lang die Welt noch steht, weil sie vielleicht schon morgen zum Teufel geht…“ Das alles: Gesang, Timing und Tanz bringt nostalgischen Operettenglanz und -glamour der Zwanzigerjahre auf die Bühne, wie man ihn von alten Filmen her erahnen kann. Eine tolle Leistung!

Das gilt auch für das unter der Musikalischen Leitung von Christoph Stiller subtil und schmissig aufspielende Hessische Staatsorchester Wiesbaden. Stilistisch wendig und hochengagiert bringt das Orchester den Charme der Partitur und weitere Klangdelikatessen zum Leuchten. Den Musikern wird eine enorme Fülle an Artikulationsweisen entlockt, mit viel Atem für die liedhaften Rundungen der Form. Das ergibt einen vollsüffigen Mix aus Foxtrott und Walzer, Csárdás und Blues, Slowfox und Boston, Wiener Operettenso und und pseudoungarischer Folklore. Die Stunden vergehen  im Flug.

Sehr viel Zwischenapplaus und Standing Ovations! Wer diese Aufführung nicht bester Laune verlässt, dem ist nicht zu helfen.

Gräfin Mariza am Hessischen Staatstheater; die weiteren Termine 1.2.; 18.6.; 26.6.2020

—| IOCO Kritik Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Anna Nicole – Oper von Mark-Anthony Turnage, 15.02.2020

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

  Anna Nicole – Oper von Mark-Anthony Turnage
Libretto von Richard Thomas

Premiere Samstag, 15. Februar 2020, 19.30,  die nächsten Vorstellungstermine: 21. & 28. Februar, jeweils um 19.30 Uhr

Anna Nicole – Sexsymbol, Partyluder und Männerfantasie, Busenwunder, Milliardärsgattin und Tabletten-Junkie. Sie war eine Person voller Widersprüche, mit einer Biografie, die den Stoff zu einer Seifenoper hätte liefern können. Komponist Mark-Anthony Turnage und Librettist Richard Thomas haben eine richtige Oper daraus gemacht: Eine rasante Revue voller Sprachwitz und musikalischem Humor, gewürzt mit ein paar messerscharfen Dissonanzen, abwechslungsreich gestalteter Instrumentierung und rockigen Schlagzeugrhythmen.

In Wiesbaden wird das Stück unter der Musikalischen Leitung von Albert Horne und in einer Neuinszenierung von Bernd Mottl, der in Wiesbaden zuletzt die Oper von Arno Schreier, Schade, dass sie eine Hure war,  inszenierte, zu erleben sein.

In dem temporeichen Stück, das mühelos den Spagat zwischen Musical-Song, Opernkoloratur und neuer Musik schlägt, wird die Titelpartie von Elissa Huber verkörpert, die derzeit in der Rolle der Lilli Vanessi in Kiss Me, Kate an der Wiener Volksoper zu sehen ist.

Die Produktion wird theaterpädagogisch begleitet

Musikalische Leitung Albert Horne Inszenierung Bernd Mottl Bühne, Kostüme Friedrich Eggert Chor Albert Horne Choreografie Myriam Lifka Licht Klaus Krauspenhaar Dramaturgie Daniel C. Schindler Theaterpädagogik Luisa Schumacher

MIT:  Anna Nicole Elissa Huber,  Stern Christopher Bolduc, Virgie Margarete Joswig, J. Howard Marshall Uwe Eikötter, Shelley / Marshall Family Lena Haselmann, Mayor of Mexia / Larry King Christopher Diffey Trucker / Doctor / Marshall Family Ralf Rachbauer Deputy Mayor / Patron / Runner Frederic Mörth Daddy Hogan / Marshall Family Daniel Carison Kay / Marshall Family Annette Luig Melissa / News Reporter Fleuranne Brockway Billy / News Reporter Nathaniel Webster Lap Dancer 1 Radoslava Vorgic Lap Dancer 2 Karolina Liçi Lap Dancer 3 Maike Menningen Lap Dancer 4 Jessica Poppe Teenage Daniel David Krahl

TänzerInnen:  Sofia Romano, Anna Heldmaier, Sarah Steinemer, Jasper Hanebuth, Soeren Niewelt, Max Menendez-Vazquez, Nathalie Gehrmann (Swing)

Chor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

—| Pressemeldung Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Matthäus-Passion – Opernpremiere, 18.01.2019

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

 Matthäus-Passion – Oper von Johann Sebastian Bach
Szenisches Oratorium

Premiere Samstag, 18. Januar 2020 19.30 Uhr, weitere Vorstellungstermine: 22. Januar & 31. Januar 2020  um 19.30 Uhr

 Die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) wird ab Samstag, den 18. Januar 2020 um 19.30 Uhr, in der szenischen Umsetzung der »Faust«-Preisgewinnerin Johanna Wehner auf der Theaterbühne des Hessischen Staatstheater Wiesbaden neu erlebbar.

Johanna Wehner hat in Wiesbaden mit der Uraufführung »Schönerland« bereits Gespür für atmosphärische Tableaus und elementare menschliche Fragestellungen gezeigt. Für die Musikalische Leitung dieses Werkes voller großer Chöre und emotionsgeladener Soli zeichnet Barock-Spezialist Konrad Junghänel verantwortlich.

Johann Sebastian Bach in Leipzig © IOCO - H Gallée

Johann Sebastian Bach in Leipzig © IOCO – H Gallée

Die Matthäus-Passion, für den Karfreitag 1727 geschrieben, war über 100 Jahre in Vergessenheit geraten, bis Felix Mendelssohn Bartholdy sie 1829 wiederaufführte. Heute wird Bachs wirkmächtige Vertonung der Leidensgeschichte Jesu Christi für zwei Orchester und zwei Chöre als Meisterwerk der Musikgeschichte gefeiert. Am Hessischen Staatstheater Wiesbaden wird sie in der finalen Fassung von 1736 gespielt.

Musikalische Leitung Konrad Junghänel,  Inszenierung Johanna Wehner, Bühne Volker Hintermeier, Kostüme Su Bühler, Chor Albert Horne, Christoph Stiller, Licht Andreas Frank Dramaturgie Katja Leclerc Theaterpädagogik Luisa Schumacher

Evangelist / Tenor – Julian Habermann, Jesus – Konstantin Krimmel, Sopran Anna El-Khashem,  Alt Anna Alàs i Jové,  Bass / Petrus Wolf Matthias Friedrich, Judas / Pilatus Benjamin Russell

Chor & Chorsolisten des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, Jugendkantorei der Ev. Singakademie Wiesbaden, Hessisches Staatsorchester Wiesbaden
Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

—| Pressemeldung Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Carmen – Georges Bizet, IOCO Kritik, 11.12.2019

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

 Carmen – Georges Bizet

 Regisseur Laufenberg: Carmen, eine Frau, die nicht kämpfen, sondern nur leben will, aber in den Kampf gezwungen wird. Vom Mann. Vom Stier….

von Ingrid Freiberg

Georges Bizet, Paris © IOCO

Georges Bizet, Paris © IOCO

Die Uraufführung der Oper Carmen 1875 in der Pariser Opéra-Comique war ein Fiasko! Georges Bizets Librettist Ludovic Halevy schreibt über die Uraufführung: „Gute Wirkung des ersten Aktes. Das Auftrittslied der Galli-Marie wird beklatscht … ebenso das Duett zwischen Micaëla und José. Der Akt endet gut mit Beifall und Hervorrufen… Auf der Bühne viele Leute… Bizet wird umringt und warm beglückwünscht. Der zweite Akt verläuft weniger glücklich. Der Anfang wirkt glänzend. Das Auftrittslied des Toreadors macht großen Eindruck. Dann Kühle… Bizet entfernt sich jetzt mehr und mehr von der traditionellen Form der Opera-comique, und das Publikum ist verwundert und weiß sich nicht mehr zurechtzufinden… Im Zwischenakt finden sich schon weniger Leute um Bizet ein. Die Glückwünsche sind weniger aufrichtig, tragen mehr den Charakter der Förmlichkeit. Die Kühle nimmt im dritten Akt zu… Beifall erntet nur das Lied der Micaëla, das noch ganz nach altem Zuschnitt ist… Auf die Bühne kommen noch weniger Leute… Und nach dem vierten Akt, der von der ersten bis zur letzten Szene mit eisiger Kälte aufgenommen wird, ist die Bühne leer… nur drei oder vier wahre Freunde (vermutlich Halevy, Meilhac, Guiraud) bleiben um Bizet. Alle versuchen sie, ihn zu beruhigen, zu trösten, aber die Trauer spricht aus ihrem Blick...“ Die Pariser Presse urteilt: „Die Figur der Heldin ist schrecklich unangenehm. Die Musik voll von Konzessionen und Banalitäten. Welche Realistik, was für ein Skandal! Herr Bizet gehört bekanntlich jener neuen Sekte an, deren Lehre darin besteht, die musikalischen Gedanken verdunsten zu lassen, statt sie in bestimmte Konturen zu bannen. Für diese Schule ist Herr Wagner das Orakel: Das Motiv ist außer Mode, die Melodie antiquiert; der Gesang, vom Orchester beherrscht, darf nichts als ihr schwaches Ego sein.“

Carmen – Georges Bizet
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Straßenräuber, Deserteure, Toreros, Soldaten und junge Hexen mit großen schwarzen Augen…

Die Novelle Carmen von 1845 ist nicht aus der Weltliteratur wegzudenken. Carmen steht für zügellose Leidenschaft, Skrupellosigkeit, Unabhängigkeit, Auflehnung gegen das soziale System und Nichteinhaltung gesellschaftlicher Normen. In seiner Novelle hat Prosper Mérimée ein folkloristisches Spanienbild kreiert, das heutzutage noch als aktuell angesehen und für kommerzielle Zwecke genutzt wird, das jedoch nicht unumstritten ist.

Zwischen Eros, Lust und Tod…

Henry Meilhac Paris © IOCO

Henry Meilhac Paris © IOCO

Der Franzose Georges Bizet erwirbt vor allem durch seine Oper Carmen Weltruhm. Er bringt Tabakrauch, Sehnsucht nach erotischer Liebe, die männliche Wut eines Tieres und die animalischen Verlockungen der Frau in einen einzigartigen Klangrausch. Das Libretto zu seiner Oper schrieben Henri Meilhac und Ludovic Halévy. Formal eine Opéra-comique ist Carmen „ein revolutionärer Bruch“ in dieser Operngattung. Bizet hat mit Carmen so etwas wie einen Soundtrack zur freien Liebe komponiert, ein Stück zwischen Eros, Lust und Tod. Für ihn sind die Minderprivilegierten, die verhängnisvoll verführerische Zigeunerin Carmen und der desertierte Soldat Don José, mit seinem Niedergang zum Schmuggler und Mörder, der Inbegriff der sexuellen Revolutionsoper. Der brave Don José  geht an den selbstbewussten Spielen der femme fatale und ihrer nur kurz entflammten Liebe zugrunde. Es ist eine flirrende Welt aus militärischer Ordnung, Schmugglerchaos, Kartenlegerinnen, der gottesfürchtigen Micaëla  – ein Tableau für unterschiedlichste Charaktere, die unter der heißen spanischen Sonne aufeinandertreffen. Carmen ist eine Oper, die transpiriert, die Blut und Leidenschaft hören lässt. Bizet scheut nicht vor existenzieller Härte zurück. Den Mega-Erfolg seiner Oper erlebte der drei Monate nach der Uraufführung verstorbene Komponist nicht mehr. Zeitgenossen vermuteten, er sei aus Kummer über seinen Misserfolg gestorben. Aber Bizet war starker Raucher, was ihn sogar zur Werbeikone einer Zigarettenmarke machte; er litt unter einer schweren Rachenerkrankung.

Der Intendant und Regisseur Uwe Eric Laufenberg schreibt: Carmen ist sehr schwer zu inszenieren. Weil sie eigen, unbändig und nicht verführbar ist! Jedes Klischee von Carmen hat in der 144-jährigen Aufführungstradition schon stattgefunden. Aber die wirkliche Carmen tritt selten auf. Die Frau, die das Leben versteht und trotzdem lebt und liebt. Die Frau, die nicht kämpfen, sondern nur leben will, aber trotzdem in den Kampf gezwungen wird. Vom Mann. Vom Stier. Aber: Sie hat sich das Leben ausgesucht und sich entschieden. Sie lebt auf der Grenze von Tod und Leben. Und wenn der Tod kommt, ist sie bereit, aber auch kampffähig. Wir alle müssen sterben. Wollen wir das in der Arena, blutrünstig und leidenschaftlich? Oder sterben wir lieber still, schon weil wir wissen, dass wir in der Arena nicht bestehen können? Arena ist Theater. Wer sich da hinein traut, kann darin umkommen…

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Carmen - hier : Ensemble © Karl Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Carmen – hier : Ensemble © Karl Monika Forster

Das Publikum erschaudert…

Laufenbergs Inszenierung basiert auf der Originalfassung von Georges Bizet mit Sprechtexten. Die Geschichte wird so erzählt wie Prosper Merimée sie in seiner Novelle verfasst hat. Das ist eine besondere Schwierigkeit für die SängerInnen, die lange französische Dialoge sprechen müssen. Zu den berühmten Klängen der Ouvertüre ist ein Video (Gérard Naziris) zu sehen, das eine weibliche Matadorin zeigt, die in einem grausam blutigen Kampf  erotisch und mit Eleganz banderillas in einen Stier stößt, ihm die Ohren und den Schwanz abschneidet und der Menge als Trophäe präsentiert. Mit diesem Auftakt lässt Laufenberg das Publikum erschaudern, das angeekelt mit einigen Buhs reagiert… Was zunächst nur Schrecken verbreitet, erweist sich im Finale als überzeugender Regieansatz. Carmen ist da, wo Lust und Leben ist, Lebensgefahr einkalkulierend. Der 3. Akt steigert sich zu einem packenden Drama mit brutalem Schluss. Der Stierkampf wird zur Metapher für den Geschlechterkampf. Als Don Josés Besitzansprüche überhandnehmen, schlachtet er das verführerische Weib wie einen wilden Stier. Damit schließt sich der Kreis, findet das Video, das schwer wieder aus dem Kopf geht, seine Berechtigung.

Gisbert Jäkel (Bühnenbild) baut eine raumhohe Stierkampfarena, in der er auf einer Drehbühne einen mittigen rechteckigen Raumteiler stellt. Bühnen- und Zuschauerraum werden zu einem beängstigenden geschlossenen Ganzen. Der Schriftzug Toros si, corridas no auf der Wand unterstreicht Laufenbergs Regiekonzept: Carmen ist die Stierkämpferin, Don José das gereizte, verletzte, rasende Tier. Die Bühne zeigt übergangslos die verschiedenen Schauplätze wie Zigarrenfabrik, Kaserne, Taverne – auch Carmen und José, die sich halbnackt, sehr temperamentvoll in ihrem rotsamtenen Lotterbett lieben… Furiose Auf- und Abgänge des Chores werden durch diese Konzeption ermöglicht. Die Kostümentwürfe von Antje Sternberg wurden von Louise Buffetrille weiterentwickelt, da diese während der Produktion erkrankte. Die Soldaten tragen Uniformen, die sich am Vorbild der Entstehungszeit orientieren. Alle anderen Kostüme sind der heutigen Zeit angepasst. Dem Coleur der andalusischen Stierkämpfe wird mit farbenfrohen Kostümen gekonnt entsprochen.

DIE ANIMALISCHEN VERLOCKUNGEN EINER FRAU

Silvia Hauer ist eine Carmen, die sich zu einer verachtungsstolzen, starken Frau wandelt, in der das Unabhängigkeitsfeuer lodert. Sie ist die Verheißung einer Weiblichkeit, die sich mit ungemeiner Körperlichkeit einfach mehr vom Leben nimmt und emanzipatorische Selbstbehauptung mit Lust in Einklang bringt. Es gelingt ihr, die Luft vor Freiheitshitze vibrieren zu lassen. „Wenn du mich nicht liebst, liebe ich dich, wenn du mich liebst, nimm dich in Acht…“ ist ihr Schicksalscredo. Hauers Stimme hat Drive, Direktheit und die Leichtigkeit, die man für eine Carmen braucht. In den Todesahnungen klingt ihr Sopran packend und flackernd, dunkel, voll und elegant. „L’amour est un oiseau rebelle“ ist eine der berühmtesten Arien der gesamten Opernliteratur. Schon, wenn die ersten Töne der Streicherbegleitung erklingen, wissen die meisten, was kommt. Silvia Hauer lässt das flackernde Feuer der Leidenschaft, das aus der Tiefe kommt, aufflammen, dass es eine Freude ist. Wie sie José die rote Akazienblüte vor die Füße wirft, zeigt glaubhaft ihre unabdingbare Entschlossenheit zur Trennung. Von Anfang an ist zu spüren, dass Don José nicht den Hauch einer Chance bei ihr hat. Je mehr er in Selbstmitleid verfällt, umso unnahbarer wird Carmen. Sogar bei ihrem Kastagnettentanz im 2. Akt, dem einzigen Moment, in dem die beiden für ein paar Takte zueinander zu finden scheinen, steht sie über ihm, ist unerreichbar. Silvia Hauers Rollendebüt ist ein überzeugender Erfolg!

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Carmen - hier : Sébastien Guèze als Don José © Karl Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Carmen – hier : Sébastien Guèze als Don José © Karl Monika Forster

Der französische Tenor Sébastien Guèze (Don José) ist für die von Laufenberg gewählte Originalfassung Georges Bizets – mit Sprechtexten – durch seine Vertrautheit mit der französischen Musik und Sprache eine gute Wahl.  „La fleur que tu m’avais jetée“ beginnt als inniges Ständchen an die Blume, die ihm Carmen neckisch zugeworfen hat. José besingt ihren betörenden Duft, der ihn, wie Carmen selbst, in Bann hält. Sein lyrischer Tenor verfügt über dynamische Feinschattierungen. Mit Schmelz und Strahlkraft brilliert er in der Arie „C’est moi qui l’ai tuée, ma Carmen adorée…“  Christopher Bolduc (Escamillo) überzeugt in seiner Auftrittsarie „Votre toast, je peux vous le rendre, Señors, señors..“. nicht vollumfänglich. Erst im 3. Akt entwickelt sich sein jugendlich klangschöner Gigolo-Bariton, der das Charakterspektrum des Frauenhelden und charmanten Luftikus ausleuchtet. Shira Patchornik verleiht dem braven Bauernmädchen Micaëla die Naivität, Innigkeit und Lebendigkeit, die die Rolle erfordert. Für die Arie „Je dis, que rien ne m’épouvante“ erhält sie Szenenapplaus. Ihre anrührende Stimme hat Seele, verfügt über feine Nuancen – bis hin zu fast privaten Empfindungen.

Philipp Mayer (Zuniga), großgewachsen und optisch überzeugend, gewinnt in der Rolle des gewissenlosen Leutnants durch seine gut gespielte Unverfrorenheit. Seine Stimme vermittelt Autorität, ist von hemdsärmeliger Intensität, kräftig und zupackend. Maskulin, machohaft und auffallend präsent treten Julian Habermann (Dancaïro), Ralf Rachbauer (Remendado) und Daniel Carison (Moralès) auf und sind ein gut eingespieltes „Solisten“-Ensemble. Die Schmuggler und ihre Freundinnen verspotten Carmen glanzvoll in dem weltbekannten Quintett. Stella An (Frasquita) und Fleuranne Brockway (Mercédès) profilieren sich u.a. mit feurigem Flamenco – ausgezeichnet choreografiert und getanzt – auf hohem stimmlichen Niveau und augenfälliger Bühnenpräsenz. Besonders zu erwähnen ist das vorzügliche Französisch von Thomas Braun (Lillas Pastia).

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Carmen - hier : Sylvia Hauer, Carmen, zum Schlussapplaus © Ingrid Freiberg

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Carmen – hier : Sylvia Hauer, Carmen, zum Schlussapplaus © Ingrid Freiberg

Sonderlob gebührt Chor und Extrachor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden unter der Leitung von Albert Horne, von dessen Mitgliedern jede und jeder eine eigene Persönlichkeit zu sein scheint. Von der Rampe aus singen sie in den Zuschauerraum, winken mit Wimpeln und Händen dem (Stierkampf-)Publikum zu. Es gelingen rasche quirlige Auftritte. Die Chorszenen sind bunt und lebendig, bleiben aber erwünscht präzise. Vervollständigt wird das Opernspektakel voller optischer Reize durch die Jugendkantorei der Ev. Singakademie Wiesbaden unter der Leitung von Jörg Endebrock. Die Kinder sind mit voller Konzentration dabei, da stimmen Blicke und enthusiastischer Gesang. Ihre unbekümmerte Frische überträgt sich auf das Publikum…

Raffinierte Rhythmen und feuriger Esprit

Das Hessische Staatsorchester Wiesbaden unter der Leitung von Christina Domnick, das sich sichtbar verjüngt hat, hält vom ersten Ton an die Zuhörer mit tragischer Magie gefangen. Beim Vorspiel ist man versucht, mitzuspielen: Alle vier Sekunden kickt ein fetziges Zisch-Bumm die rassige Arenamusik in eine andere Tonart! Beim Toreador-Lied möchte man sogar mitsingen! Carmens Lebensmelodie ist ein lang gezogener Valse in Zigeunermoll, leidenschaftlich in Violoncelli und Fagotten, düster in Trompeten und Klarinetten, mit sarkastischen Nachschlägen in Hörnern, Harfe, Pauke, Bässen und Kastagnetten, angerissen von einem wilden Streichertremolo – kalt und rau. Unüberhörbar steuert die Melodie auf einen Eklat zu. Domnick lässt die Rhythmen knallen und scheint dabei schwerelos von Szene zu Szene zu schweben. Die Komposition erfährt eine gedankenhelle Leichtigkeit.

DAS PUBLIKUM APPLAUDIERT LANGANHALTEND. – GROSSE BEGEISTERUNG FÜR SILVIA HAUER!

Carmen am Hessischen Staatstheater Wiesbaden; der nächste Termin 22.05.2020

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