Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Götterdämmerung – Ring des Nibelungen, 17.11.2019

November 11, 2019 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

Theater Duisburg © IOCO

Götterdämmerung –  Szenische Premiere in Duisburg

 Premiere 17. November 2019

Innerhalb von sechs Tagen den ganzen Ring erleben: Am Dienstag, 12. November 2019, beginnt mit Das Rheingold die erste zyklische Aufführung von Richard Wagners  Ring des Nibelungen im Theater Duisburg.

Endlich ist es soweit: Vom 12. bis 17. November 2019 ist der gesamte Ring des Nibelungen von Richard Wagner  erstmals szenisch im Theater Duisburg zu erleben. Er schließt am Sonntag, 17. November 2019, mit der szenischen Premiere der Götterdämmerung, dem letzten Teil des vierteiligen Zyklus. In opulenten Bildern entfalten Regisseur Dietrich W. Hilsdorf und sein Team den Nieder­gang einer göttlichen Herrscherdynastie vor dem Hintergrund der politischen, industriellen und sozia­len Entwick­lungen des 19. Jahrhunderts.


Götterdämmerung – Hilsdorf – Inszenierung – hier in Düsseldorf
Youtube Trailer der Deutschen Oper am Rhein
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In musikalischer Hinsicht geriet der vierteilige Ring bereits in der vergangenen Spielzeit zu einem umjubelten Triumph für das Sänger­ensemble und die Duisburger Philharmoniker unter Generalmusik­direktor Axel Kober: Infolge des großen Wasserschadens im Theater Duisburg diente die benachbarte Mercatorhalle im Mai 2019 als Ausweichquartier für vier konzertante Aufführungen.

Auf der Bühne des Duisburger Theaters stellen jetzt erneut zahlreiche Ensemblemitglieder der Deutschen Oper am Rhein und hochkarätige Gäste ihre Wagner-Kompetenz unter Beweis. Die Partien gestalten u. a. James Rutherford (Wotan), Linda Watson (Brünnhilde), Raymond Very (Loge), Michael Weinius (Siegmund), Sarah Ferede (Sieglinde und Waltraute), Corby Welch (Siegfried), Florian Simson und Cornel Frey (Mime), Stefan Heidemann (Alberich), Sami Luttinen (Hunding und Hagen), Bogdan Baciu (Gunther) und Sylvia Hamvasi (Gutrune). Orchestral begleitet werden sie von den Duisburger Philharmonikern unter der Leitung von Axel Kober.

Der Ring des Nibelungen  im Theater Duisburg:
Dienstag, 12. November, 19.30 Uhr: Das Rheingold
Mittwoch, 13. November, 18.00 Uhr: Die Walküre
Freitag, 15. November, 18.00 Uhr: Siegfried
Sonntag, 17. November, 17.00 Uhr: Götterdämmerung (Szenische Premiere)

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Coburg, Landestheater Coburg, Premiere DAS RHEINGOLD – Richard Wagner, 29.09.2019

September 27, 2019 by  
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Landestheater Coburg

Landestheater Coburg © Andrea Kremper

Landestheater Coburg © Andrea Kremper

DAS RHEINGOLD –  Der Ring des Nibelungen 

Von der Welten Anfang und Ende: Richard Wagners Das Rheingold feiert Premiere im Landestheater Coburg.  Mit Richard Wagners Das Rheingold findet am Sonntag, 29. September um 18:00 Uhr im Großen Haus die erste Musiktheater-Premiere in der Spielzeit 2019/2020 statt. Nach fast 55 Jahren wagt sich das Landestheater Coburg mit diesem Spielzeitauftakt wieder an eine Aufführung des kompletten „Ring“-Zyklus, der über vier Jahre hinweg um einen Teil wachsen wird.

Landestheater Coburg / das Rheingold © Sebastian Buff

Landestheater Coburg / das Rheingold © Sebastian Buff

Macht oder Liebe? Der Nibelung Alberich entscheidet sich für Ersteres: Er entsagt der Liebe, entreißt den Rheintöchtern ihr Gold und schmiedet daraus einen Ring, der seinem Besitzer „maßlose Macht“ verleiht. Doch nach Macht giert auch der Göttervater Wotan, der sich wider alle Gesetze durch eine List des Rings bemächtigt. Daraufhin verflucht Alberich den Ring: „Wer ihn besitzt, den sehre die Sorge, und wer ihn nicht hat, den nage der Neid.“ Die ersten Opfer des Fluchs sind die Riesen Fasolt und Fafner, die Wotan den Ring als Bezahlung für den Bau der Götterburg Walhall abringen: neiderfüllt tötet Fafner seinen Bruder. Ein packendes Intrigen- und Machtspiel zwischen Göttern, Riesen, Nibelungen und Menschen entbrennt, welches das natürliche Gleichgewicht der Welten ins Wanken bringt.

Regisseur und Bühnenbildner Alexander Müller-Elmau, der alle vier Teile des „Rings“ in Szene setzen wird, interessiert an Das Rheingold die Entstehung von Kultur und Bewusstsein: Erzählt wird diese über den Göttervater Wotan, der eine reflektierte Person mit Neigung zum Spirituellen ist, aber auch machtgeil und grausam, sowie den Nibelung Alberich, der auf einer kindlichen Entwicklungsstufe aufgrund von Zurückweisung der Liebe entsagt und nach dem Schmieden des Rings nur noch nach materiellem Reichtum und Macht strebt. Letztlich aber scheitern alle. Das zu Eigen machen der Natur und der Welt, das mit dieser Gier nach Macht einhergeht, hat eine menschliche Komponente und ist sehr aktuell. Alexander Müller-Elmau sieht die Menschen heute in einem Zeitenumbruch leben: „Wir verstehen immer mehr, was wir alles nicht beherrschen“, u.a. etwa im Hinblick auf die derzeitigen Klimaentwicklungen.

Alexander Müller-Elmau zeichnet sich auch für das Bühnenbild von Das Rheingold verantwortlich. Dabei war es ihm wichtig, „keinen illusionistischen Raum zu gestalten, sondern einen Bühnenraum, der durch die Verschiebung von Objekten, Material und Veränderungen des Lichts sehr unterschiedliche Atmosphären schaffen kann. Und bei dem man durch offene Umbauten sieht, wie er sich verändert.“ Kostümbildnerin Julia Kaschlinski hat Kostüme entworfen, in denen sich Elemente der nordischen Mythologie mit unserer heutigen Zeit verzahnen und dadurch Kunstfiguren entstehen.

Landestheater Coburg / das Rheingold © Sebastian Buff

Landestheater Coburg / das Rheingold © Sebastian Buff

Die Musikalische Leitung übernimmt Generalmusikdirektor Roland Kluttig. Da die Originalbesetzung des Orchesters doppelt so groß wie der Coburger Orchestergraben ist, führt das Philharmonische Orchester Landestheater Coburg unter seiner Leitung eine reduzierte Orchesterfassung – eine Mischfassung aus der „Coburger Fassung“ (1906) und der sogenannten „Lessing-Fassung“ (1943 entstandene Fassung des GMD Gotthold Ephraim Lessing, der u.a. auch in Coburg dirigierte) – auf.

Dank der großzügigen Unterstützung von Brose ist es möglich, diese Produktion auf die Bühne des Landestheaters zu bringen.


DAS RHEINGOLD
Vorabend des Bühnenfestspiels Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner

Musikalische Leitung Roland Kluttig, Inszenierung und Bühne Alexander Müller-Elmau, Kostüme Julia Kaschlinski, Lichtdesign Markus Stretz, Dramaturgie Dorothee Harpain

Mit:  Wotan Michael Lion, Donner Marvin Zobel, Froh Peter Aisher, Loge Simeon Esper, Alberich Martin Trepl, Mime Dirk Mestmacher, Fasolt Felix Rathgeber, Fafner Bartosz Araszkiewicz, Fricka Kora Pavelic, Freia Olga Shurshina, Erda Evelyn Krahe, Woglinde Dimitra Kotidou, Wellgunde Laura Incko, Floßhilde Emily Lorini

Statisterie des Landestheaters Coburg, Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg

Premiere Sonntag, 29. September 2019 18:00 Uhr, Weitere Vorstellungen, Do, 03.10.2019, 18:00 Uhr, Di, 08.10.2019, 19:30 Uhr, So, 20.10.2019, 18:00 Uhr, Fr, 01.11.2019, 18:00 Uhr, Mi, 20.11.2019, 19:30 Uhr, Mi, 04.12.2019, 19:30 Uhr, Do, 09.01.2020, 19:30 Uhr, Fr, 31.01.2020, 19:30 Uhr (zum letzten Mal in dieser Spielzeit)

—| Pressemeldung Landestheater Coburg |—

Minden, Stadttheater Minden, Götterdämmerung – Der Ring des Nibelungen, IOCO Kritik, 24.09.2019

September 24, 2019 by  
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Stadttheater Minden

Stadttheater Minden © Stadttheater Minden

Stadttheater Minden © Stadttheater Minden

Götterdämmerung – Ringzyklus am Stadttheater Minden

– „Starke Scheite schichtet mir dort!“ –

von Sebastian Siercke / Patrik Klein / Karin Hasenstein

Minden, die Stadt im Osten Nordrhein-Westfalens, die hauptsächlich für ihren Dom und die Nähe zur Porta Westfalica und dem Kaiser Wilhelm Denkmal bekannt ist, macht in diesem Jahr erneut auf sich aufmerksam mit Werken Richard Wagners im beschaulichen 528 Zuschauer fassenden Stadttheater an der Weser. Nicht nur eine Produktion, sondern gleich vier Werke des berühmten deutschen Komponisten stehen erstmalig auf dem Programm, nachdem sie in den Jahren zuvor jeweils für sich alleine neu aufgeführt wurden.

 Götterdämmerung – Erster zyklischer Ring in Minden – Fulminantes Ende

2018 fasste man folgerichtig den wagemutigen Entschluss, Richard Wagners Tetralogie Der Ring des Nibelungen in 2019 zyklisch zu präsentieren. Das ist für ein Haus dieser Größe wahrlich „ein Wunder“. Und das schien noch nicht genug, denn man entschied, 2019 sogar zwei Ring-Zyklen innerhalb von je 11 Tagen aufzuführen. So etwas kann nur funktionieren, wenn alle normalen Rahmenbedingungen einer Kleinstadt ausgehebelt werden und besondere Energien am Werke sind. Dem Richard Wagner Verband Minden ist dies in ungeahnter Weise vorzüglich gelungen, alle Kräfte der Stadt zu bündeln, Gelder durch Sponsoren aufzutreiben und vorhandenes Personal zu nahezu übermenschlichen Leistungen zu motivieren. Richard Wagner hätte das sicher gefallen.

Stadttheater Minden / Götterdämmerung © Friedrich Luchterhandt

Stadttheater Minden / Götterdämmerung © Friedrich Luchterhandt

IOCO – Kultur im Netz ist beim ersten Ringzyklus 2019 vor Ort, kann die ganz besondere Atmosphäre erleben, von den Ereignissen berichten. Sowohl in den sozialen Medien, als auch bei den Kollegen von www.ioco.de, dreht sich für die Zeit, in der auf dem Dach des Stadttheaters eine Wagnerflagge weht und die Stadt voller Besucher erscheint, alles um den berühmten Komponisten aus Leipzig. Ein Rahmenprogramm mit Vorträgen und Ausstellungen lockt die einquartierten Besucher und die Einwohner von Minden zu umfangreicher Beschäftigung mit dem Komponisten. Ganz Minden ist plakatiert mit Ringmotiven. Wotans Auge scheint einen jeden jederzeit und überall zu verfolgen.

Am Nachmittag der Vorstellungen erblickt man gut gekleidete Zuschauerinnen und Zuschauer, die durch den Ort schlendern und zu den hell leuchtenden weißen Fassaden des schmucken Stadttheaters pilgern. Man erblickt Damen in Abendgarderobe, Herren in Smoking und sogar Gehrock, erlebt auf dem Balkon des Stadttheaters den Posaunenchor der Schaumburg-Lippischen Landeskirche, der ganz wie in Bayreuth mit jeweils drei Fanfaren die Pausen beschließt. Im Foyer wird man von freundlichen Helfern begrüßt und bekommt ein Programmheft, das Maßstäbe setzt und allerlei Merchandising-Produkte angeboten. Man darf sich beinahe wie auf dem Grünen Hügel in Oberfranken vorkommen.

Stadttheater Minden / Götterdämmerung - hier : die Rheintöchter zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Stadttheater Minden / Götterdämmerung – hier : die Rheintöchter zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Alles das wäre wenig, wenn nicht auf der Bühne aufregendes, spannendes Musiktheater gespielt und dazu auf einem hohen Niveau musiziert würde.

Man betritt den Zuschauerraum und steht vor der Bühne. Kein Orchestergraben trennt das Publikum vom Geschehen. Die Bühne wird umrahmt von einem großen Quadrat, in das ein Kreis eingestellt ist, was unmittelbar an die Gestaltung der LP-Boxen des alten Solti – Ringes erinnert. Die eigentliche Bühne, die Fläche, die dort hauptsächlich bespielt wird, hat die Grundfläche eines wohlbemessenen Wohnzimmers. Das Orchester sitzt dahinter, auf der Bühne, abgeteilt durch einen Gazevorhang, der auch als Projektionsfläche für die handlungsunterstreichenden Videos dient.

Das Stadttheater Minden hat nicht nur kein eigenes Ensemble, es hat auch kein eigenes Orchester. Dazu kommt die Nordwestdeutsche Philharmonie aus Herford, ein Landesorchester Nordrhein-Westfalens, ein Klangkörper aus der ersten Liga der deutschen Orchesterlandschaft.

Die Nordwestdeutsche Philharmonie hat unter der Leitung von Frank Beermann einmal mehr ihren Ruf als Spitzenorchester bestätigt. Absolut souverän und hoch konzentriert führte Beermann die 80 Musiker durch die über fünf Stunden Musik.
Dabei lotete er gekonnt alle dynamischen Anforderungen der Partitur vom zarten Pianissimo des Englischhorn zu Beginn im Gesang der Nornen über das Forte im vierstimmigen Herrenchor in zweiten Aufzug bis hin zum Fortefortissimo im Trauermarsch im dritten Aufzug. Die scharfen Staccato-Akkorde im schweren Blech ließen den Zuschauerraum erzittern und man wünschte sich dieses Orchester in einem größeren Theater oder Konzertsaal.
Die NWD Philharmonie überzeugte mit großem Farbenreichtum in den Holzbläsern ebenso wie mit außerordentlicher Brillanz im Blech. Insbesondere die Hörner, zum Beispiel der Siegfriedruf, ein heikles Horn-Solo sowie die zusätzliche Bühnenmusik ließen keine Wünsche offen.

Frank Beermann begleitete die Solisten einfühlsam und mit großer Kenntnis der Partitur. Dass er dabei die Solisten im Rücken hatte und nicht wie sonst im Opernbetrieb vor sich auf der Bühne, führt dazu, dass diese das Dirigat nur vom Monitor abnehmen können, was für die Sänger nicht so ungewöhnlich ist, was aber auch bedeutet, dass der Dirigent die Sänger nicht sieht. Trotzdem waren alle Einsätze sicher und präzise und die gesamte Darbietung wirkte enorm harmonisch und perfekt eingespielt.

Auch die Dynamik innerhalb des Orchesters hat Beermann gut ausbalanciert. Wo Solostimmen, z.B. Flöte oder Klarinette, vorkommen, waren sie zu hören und gingen nicht im Orchesterapparat unter. Zauberhaft auch die Harfe zum Ende des dritten Aufzuges.

Als Fazit bleibt festzustellen: dieser wunderbare Klankörper sollte viel häufiger große romantische Oper spielen!

Stadttheater Minden / Götterdämmerung - hier : das Ensemble zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Stadttheater Minden / Götterdämmerung – hier : das Ensemble zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Die Inszenierung des Abends gestaltet Gerd Heinz, der hauptsächlich vom Sprechtheater kommt und offensichtlich eine ganz andere Herangehensweise ans Musiktheater hat, als der übliche Opernregisseur. Hier wird das Werk auf die Bühne gebracht. Kein Umdeuten in abstruse oder andere Richtungen, kein „Wir verlegen die Handlung in eine andere Zeit“, die dann gerne mit wohlbekannten Uniformen bebildert wird, keine abgegriffene Kapitalismuskritik. Diese Götterdämmerung spielt im Jetzt. Ein zeitloses Irgendwann-Jetzt, sind doch Handlung und Aussage des Werkes ebenso zeitlos und allgemeingültig. Jede kleinste Bewegung, jede Geste, jedes Minenspiel ist feinst durchdacht, die Sänger auf der Bühne dadurch fast noch mehr Schauspieler als Sänger. Ein solches Zusammenspiel von Musik und Geschehen auf der Bühne hat man selten erlebt!

Stadttheater Minden / Götterdämmerung - hier : das Ensemble zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Stadttheater Minden / Götterdämmerung – hier : das Ensemble zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Da der kleine Orchestergraben nicht als solcher benutzt werden kann, ragt in ihn die Bühnenkonstruktion hinein, mit rege bespielten Treppen nach unten ergibt sich eine ungewohnte Dreidimensionalität der Bühne. Das Publikum sitzt quasi mitten im Geschehen, unmittelbar vor den Protagonisten des Dramas auf der Bühne.

Die Sängerriege ist exquisit besetzt. Große Stimmen sind es – allesamt. Siegfried und Brünnhilde, zwei Mörderpartien, die so manchen Weltstar gelegentlich in die Knie zwingen, werden hier dargebracht, als gäbe es kaum Leichteres zu singen auf der Welt.

Thomas Mohr gibt nicht nur den Siegfried in der Götterdämmerung, nein er ist an allen vier Opernabenden dabei. Beim Rheingold gibt er den Loge, beDie Walküre schlüpft er in den halbstarken Siegmund, in Siegfried ist er der junge Gesandte Wotans, der Brünnhilde aus magischem Schlaf erweckt. Thomas Mohr singt und gestaltet mit durchschlagskräftigem Tenor, der genauso die zarten Partien fein nuanciert bieten kann, wie die wütenden Ausbrüche ohne dabei forciert oder auch nur angestrengt zu klingen. Eine schier unglaublich große Leistung!

Dara Hobbs als Brünnhilde überflutet das Werk mit ihrem wundervoll geführten Sopran, der bruchlos von der Tiefe bis in die Spitzen kommt und dabei noch beachtliche Ausdrucksmöglichkeiten bietet. Dazu kommt bei ihr eine bewundernswerte Textverständlichkeit. Selbst wenn man den Text nicht mittlerweile auswendig kennt, kann man jedem Wort folgen. In der zweiten und dritten Szene des dritten Aufzuges, gegen Ende eines sehr langen Abends, präsentiert Dara Hobbs ihr “Starke Scheite schichtet mir dort”, als hätte sie soeben frisch ausgeruht die Bühne betreten. Mit großer Ruhe und reichlich Reserven singt sie diese lange und anspruchsvolle Szene. Ihr dramatischer Sopran ist extrem fokussiert und perfekt geführt und auch in der hohen Lage noch warm timbriert. Dara Hobbs begeisterte das Publikum mit ihrer kontinuierlich grosartigen Leistung und erhielt verdient unzählige Bravi.

Stadttheater Minden / Götterdämmerung - hier : Thomas Mohr, Siegfried, zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Stadttheater Minden / Götterdämmerung – hier : Thomas Mohr, Siegfried, zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Renatus Mészár als Gunther, der genau wie Thomas Mohr an jedem der vier Abende zu sehen und zu hören ist,  nämlich als Wotan und Wanderer bildet mit Magdalena Anna Hofmann als Gutrune, einen stimmlich wie darstellerisch sehr kontrastreichen Gegenpart zu dem Heldenpaar.  Die Schwärze in seiner Stimme als Wotan und Wanderer reduzierend, kann Renatus Mészár als Gunther die schlankeren Töne wirkungsvoll erklingen lassen. Auch Magdalena Anna Hofmann, die in der Walküre bereits als lyrisch-dramatische Sieglinde überzeugt hat,  gelingt eine eindrucksvolle Interpretation der Gutrune. Das Gibichungenpaar steht Brünnhilde und Siegfried  in der Bühnenwirkung in nichts nach.

“Schläfst du, Hagen, mein Sohn?”  Nein, ganz und gar nicht! Andreas Hörl ist als Hagen stets hellwach. Sein voluminöser Bass ist gut geführt und er verleiht dem Widersacher Siegfrieds mit viel Variabilität eine große Glaubwürdigkeit. Andreas Hörl verfügt über einen dunkel gefärbten Bass, den er sehr flexibel einzusetzen weiß. Er scheut sich nicht, die ganze Bandbreite von Schönklang bis hin zu “schmutzigen” Tönen auszunutzen und erzielt damit eine große Überzeugungskraft. Nicht nur stimmlich beeindruckt Hörl, auch darstellerisch besticht er durch enorme Bühnenpräsenz vom ersten bis zum letzten Moment, als Hagen erkennen muss, dass der Ring an die Rheintöchter verloren ist.

Im zweiten Aufzug tauchen im Hintergrund in den oberen Bereichen die Mannen der Gibichungen auf. In dunkler Kleidung gehalten, stehen sie hinter dem Gazevorhang und singen kraftvoll und artikulationsgenau von der Jagd und vom Kampf. Der Herrenchor setzt sich zusammen aus dem Wagner Chor Minden 2019 und dem Ersten Deutschen Freien Opernchor (Coruso), Einstudierung Thomas Wirtz.

Sensationell an diesem denkwürdigen Abend der Ringvollendung ist die Waltraute von Kathrin Göring. Als Fricka im Das Rheingold und Die Walküre, in der Kathrin Göring  zusätzlich eine  der acht Walküren übernahm, fegt sie panisch und angstzerfressen auf und über die Bühne und bietet eine Dramatik in der Stimme, wie man sie selten live erleben kann. Schauer konnten einem bei ihrer Erzählung über den Rücken laufen, eine  ganz große Leistung!

Bösewicht und Nibelungenzwerg Alberich, dargestellt von Heiko Trinsinger, lässt seinen schwarz gefärbten Bariton wort- und stimmgewaltig, anknüpfend an die Leistung beim Rheingold und im Siegfried verströmen.

Tiina Pentinen, Christine Buffle und Julia Bauer als Nornen und Rheintöchter runden das Ensemble sehr wohlklingend und ansehnlich ab.

Folgerichtig ist das Publikum nach dem langen Abend enthusiastisch infiziert, dankt mit Jubel, herzlichem Applaus, Bravorufen und „Standing Ovations“ den über sich hinausgewachsenen Musikern und Sängern am Stadttheater Minden.

Man mag den Beteiligten und den Verantwortlichen wünschen, dass der Kater nach solch berauschenden Stunden und Tagen schnell vergehen wird und dass man sich für alle Wagnerfreunde in und um Minden in den nächsten Jahren überlegt, doch erneut ein bislang noch nicht aufgeführtes Werk in Minden zu wagen. Wie wäre es mit einem Parsifal?

—| IOCO Kritik Stadttheater Minden |—

Minden, Stadttheater Minden, Rheingold – Der Ring des Nibelungen, IOCO Kritik, 14.09.2019

September 14, 2019 by  
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Stadttheater Minden

Stadttheater Minden © Stadttheater Minden

Stadttheater Minden © Stadttheater Minden

Das Rheingold –  Der Ringzyklus am Stadttheater Minden

– „Das Wunder von Minden“  –  Es verzaubert wieder –

von  Patrik Klein

Im September 2018 wurde am Stadttheater Minden der Ring des Nibelungen von Richard Wagner vollendet: ein wagemutiges Projekt, mit dessen Inszenierungen und musikalischem Reichtum  die Stadt Minden und ihr kleines Stadttheater überregionale Aufmerksamkeit, Bewunderung und Begeisterung erzeugte.

IOCO berichtete aus diesem Ring – Zyklus zu  Siegfried (Oktober 2017, link HIER) und Götterdämmerung (Oktober 2018, link HIER!).

Für September/Oktober 2019 wagte sich das Team um Dr. Jutta Hering-Winckler (Initiatorin und Vorsitzende des Wagner- Verbands Minden), Regisseur Gerd Heinz und Dirigent Frank Beermann zwei zyklische Aufführungen des Ring des Nibelungen, innerhalb von je elf Tagen aufzuführen.

Stadttheater Minden / Das Rheingold - hier : die Rheintöchter © Dorothee Rapp

Stadttheater Minden / Das Rheingold – hier : die Rheintöchter © Dorothee Rapp

Die Stadt Minden besitzt nur ein sehr kleines Theater ohne Ensemble mit nur wenigen Mitarbeitern in Verwaltung und Technik.  Allerdings hat man in Minden einen mutigen Wagner-Verband mit Visionen, ungeheurer Energie und Tatendrang. Zum größten Teil aus Spenden finanziert ging man im Jahre 2002 in Zusammenarbeit mit dem Stadttheater und der Nordwestdeutschen Philharmonie ein Wagnis ein, das die Opern Richard Wagners in beachtlicher Qualität nach und nach auf die kleine Bühne des Hauses brachte.

Im Abstand von einigen Jahren wurden die Opern Der fliegende Holländer,  Tannhäuser, Lohengrin sowie Tristan und Isolde mit beachtlichem Erfolg auf die Bühne des Stadttheater Minden gehoben. 2015 fasste man dann die größte Herausforderung eines Opernbetriebes: man plante Richard Wagners Opern-Tetralogie Der Ring des Nibelungen in den Folgejahren aufzuführen. Ab September 2015 gelang eine Inszenierung im Stadttheater: 2015 – Das Rheingold; 2016 – Die Walküre; 2017 – Siegfried; 2018Götterdämmerung. 

Durch die Positionierung des Orchesters auf der hinteren Hauptbühne (man nennt es heute sogar landläufig das „Mindener Modell) und damit der Nutzung der Spielfläche unmittelbar vor den Reihen im Parkett, gelang musikalisch ein sängerunterstreichender Klang sowie eine intime Nähe zum Publikum, die zu musikalisch allerhöchster Qualität beitrug.

Vor einem Jahr erschien der in schwarzem Leinen gehaltene Bildband Der Ring in Minden  im J.C.C. Bruns Verlag, link HIER, über den IOCO berichtete.

Der überregionale große Erfolg des Ring des Nibelungen in Minden war nur möglich, weil die Mitarbeiter des Stadttheaters permanent an ihre Grenzen und auch darüber hinaus gingen. Der Geist eines gemeinsamen Willen zum Erfolg wird hier plastisch in all seinen Formen und Farben beschrieben. Als Leser des Buches bekam man Lust, an diesem  Unterfangen teilzuhaben, auch wenn es nur der Besuch einer Aufführung wäre. IOCO Kultur im Netz plante deshalb seit langem, über den ersten Ringzyklus im September 2019 zu berichten.

Richard Wagner Büste in Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Büste in Bayreuth © IOCO

Das Regieteam um Gerd Heinz erzählt die Geschichte von der hemmungslosen Gier und dem Versuch, Macht und Liebe in Einklang zu bringen ohne aktualisierende moderne Umdeutungen, sondern mit viel Vertrauen auf die Kraft des ursprünglichen Stoffes in seiner Form, seiner Sprache und der phänomenalen Musik Richard Wagners. Die Geschichte um die drei Rheintöchter, Alberichs Liebesverzicht und Geldgier, Wotans Götterwelt mit Machtanspruch und Zukunftsplanung gestaltet man in Minden als Schurkenstück mit sittenwidrigem Bauvertrag und üblem Erfolgsgehabe. In der auf aktualisierende Akzente verzichtenden Interpretation bleibt die Urmutter Erda als einzige Protagonistin integer. Sie warnt die Machtinnehabenden eindringlich vor der unstillbaren Gier nach mehr Reichtum und Macht.

Durch die bühnentechnischen Rahmenbedingungen mit dem auf der Hinterbühne platziertem Orchester und der relativen Enge auf dem verbleibenden Bühnenportal nutzt man geschickt den überbauten Orchestergraben und die seitlichen Räume für Spielmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe zum Publikum. Dadurch wirkt Musik und Szene noch dichter, direkter, eindringlicher und emotionaler. Mit Gazevorhang zur Abtrennung des Orchesters, einem zentralen bühnenumspannenden Ringbogen und einem Wendeltreppenaufgang zur Proszeniumsloge kann das Drama, optisch eingebettet in satte Kulissenfarben, die Figuren in interaktiven Vorgängen aus dem Verständnis der Situation heraus agieren lassend, seinen Lauf nehmen.

Die musikalische hochqualitative Interpretation durch die Nordwestdeutsche Philharmonie unter Leitung von Frank Beermann hat in den letzten Jahren Maßstäbe in Sachen Wagnerklang gesetzt. Auch die Sängerriege  wuchs förmlich über sich hinaus und konnte in dem recht kleinen Haus ihren Stimmen maßhaltende Formschönheit geben ohne, wie das gelegentlich in großen Häusern der Fall ist, sich zu überfordern. Der gemeinsame Erfolg machte stark. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass man für die zyklischen Ringaufführungen 2019 erneut mit den meisten Darstellern der letzten Produktionen zusammenarbeiten konnte.

 Stadttheater Minden / Das Rheingold - hier : Sängerensemble zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Stadttheater Minden / Das Rheingold – hier : Sängerensemble zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Das musikalische Ergebnis sprach am ersten Abend dadurch für sich. Schon nach wenigen Minuten wird klar, warum man den für manchen Besucher anstrengend weiten Weg nach Minden an die Weser gewagt hat. Das Orchester wirkt luftig, klar und nicht dominant, sondern formschön unterstreichend aus der Hinterbühne. Die einzelnen Instrumentengruppen sind klar auszumachen. Der Klang mischt sich für den Zuschauer transparent beinahe wie in Hamburgs neuem Konzerthaus, der Elbphilharmonie.

So kommen die drei Rheintöchter (Woglinde Ines Lex, Floßhilde Tiina Pentinnen und Wellgunde Christine Buttle) präzise und verbunden mit einer Textverständlichkeit wie mit gestochen scharfen Lettern auf einem Hochglanzprospekt gedruckt, daher. Zur Darstellung ihres Wesens und Seins nutzen sie zum Spiel sowohl die Bühne, den überbauten Orchestergraben und die beiden Proszeniumslogen, die über eine Wendeltreppe im Zuschauerraum für sie erreichbar sind. Man lehnt sich einfach nur zurück, genießt den akustischen Ohrenschmaus und taucht ein in Wagners Drama von Liebe, Macht und bösem Ende.

Bösewicht Alberich, dargestellt von Heiko Trinsinger steigt mit triefender Taucherbrille aus dem Untergrund auf und lässt seinen schwarz gefärbten Bariton wort- und stimmgewaltig verströmen. Der seit 1999 im Ensemble des Aalto Theaters Essen engagierte Sänger läuft an diesem ersten Abend in Minden zu Höchstform auf und wohl auch über sich hinaus, im Klangrausch und vor einem hochkonzentrierten Publikum sich getragen fühlend. Im Streit mit den drei Damen aus dem Rhein entscheidet er sich für das Gold und verflucht die Liebe.

In der Götterwelt angekommen erscheint Fricka mit Wotans Speer, stößt ein paarmal mit der Spitze in die Tiefe des überbauten Orchestergrabens um ihren Gatten zu wecken und auf finanzielle und personelle Probleme im Haushalt hinzuweisen. Kathrin Göring spielt, singt und gestaltet eine überragende Göttergattin. Mit einer langen Stola über der Schulter lehnt sie an der Bühnenumrahmung und warnt ihren von der Burg schwärmenden Gatten eindringlich vor den Folgen seines Deals mit den Riesen. Die seit vielen Jahren fest engagierte Sängerin an der Oper Leipzig lässt ihren facettenreichen, warmen und dunkel timbrierten Mezzosopran mal federleicht und auch mal dramatisch aufbrausend im Raume verströmen. Man versteht nicht nur jedes Wort; man nimmt ihr die Rolle ab. Sie ist Fricka.

Stadttheater Minden / Das Rheingold - hier : Nordwestdeutsche Philharmonie mit Dirigent Frank Beermann © Patrik Klein

Stadttheater Minden / Das Rheingold – hier : Nordwestdeutsche Philharmonie mit Dirigent Frank Beermann © Patrik Klein

Ihr Gatte Wotan hat es nicht ganz leicht bei ihr. Renatus Mészár, der sein linkes Auge opferte, um sie als Ehefrau zu gewinnen, lässt sich von ihren Warnungen wenig beeindrucken. Zu groß ist sein Verlangen nach der Burg und dem Ausbau seiner Macht. Der gebürtige Hesse, der seit vielen Jahren im Ensemble des Badischen Staatstheater in Karlsruhe singt, gestaltet die Partie des Göttervaters mit reichlichem Einsatz seiner präsenten Bass-Baritonstimme, die mit angemessener Schwärze, Genauigkeit in der Phrasierung und feiner Dosierung seiner Kräfte in den höheren Registern behaftet ist.

Die Freia (Julia Bauer), die zwischen die Fronten gerät, für eine Immobilie verschachert wird und die Ernährung ihrer Artgenossen nicht mehr sicherstellen kann, kommt mit leichter, lyrisch-dramatischer Koloratursopranstimme daher. Die international erfahrene, u.a. an der Komischen Oper Berlin und am Aalto Theater Essen beschäftigte Sängerin gestaltet ihre undankbare Position im Drama mit fein strömender Stimme und präziser Gestaltung.

Probleme in dem aktuellen Machtgefüge machen die beiden Riesen, die nach getaner Arbeit ihren Lohn verlangen und Freia als Pfand mitnehmen müssen, um zu ihrem Recht zu kommen. Ausgestattet mit schwarzen Lackpolstern, Springerstiefeln und einem aufgeklappten Schweißerhelm verleihen sie ihrer ohnehin schon imposanten Erscheinung durch markante Stimmen zusätzlichen Ausdruck. Tijl Faveyts als Fasolt und Johannes Stermann als Fafner sind stimmlich, was bei Wagners Rheingold Opernaufführungen eher selten ist, deutlich zu unterscheiden. Der an der Komischen Oper Berlin engagierte Bass Tijl Faveyts gibt einen überaktiven spielfreudigen und kräftig hell leuchtenden Fasolt, dem der tiefe, rabenschwarze Bass des Johannes Stermann, engagiert an der Oper Magdeburg, kontrapunktisch zugeordnet erschein. Als Fafner seinen Bruder später in Zeitlupe mit riesigem Prügel erschlägt, kann man diese Konkurrenzsituation unter Geschwistern glaubhaft nachvollziehen.

Donner und Froh präsentieren sich alias Andreas Kindschuh und André Riemer. Der am Theater Chemnitz engagierte Bariton, ausgestattet mit goldenem Handschuh und skurriler Gesichtsbemalung mit hochgegeltem Zornlöckchen, gibt den Gott mit warm timbrierter und elegant gestaltender Stimme, die bei Donners Hammerschlag zum Ende des Vorabends auch aufdrehen kann. Der Tenor, ebenfalls von der Theater Chemnitz, beschützt seine apfelspendende Schwester Freia mit hell leuchtender und präzise geführter Stimme.

Einer der stimmlichen und darstellerischen Höhepunkte manifestiert sich in der Gestalt des Loge alias Thomas Mohr, der innerhalb von 11 Tagen in beiden Ring-Zyklen nicht nur den listigen Strippenzieher Loge, sondern auch Siegmund und die beiden Siegfriede gibt. Der freischaffende Künstler, der Gesangsunterricht bei dem legendären Jean Cox genoss, und an dessen Stimme er mittlerweile als Heldentenor gereift erinnert, der zudem noch als Gesangsprofessor an der Hochschule für Künste in Bremen lehrt, spielt und singt, als wenn es um sein Leben ginge. Sein Gesicht ist in einen weißen und einen dunklen Bereich gefärbt und unterstreicht damit die Bandbreite seines Handelns und musikalischen Gestaltens. Als wenn es nichts Leichteres gäbe, schlüpft er in das raffinierte Innere der Figur des Loge, formt einen glaubwürdigen Akteur im Konterspiel der brutalen Kräfte seiner Mitstreiter. Er führt sie in das Reich Alberichs, in dem dieser den Bruder Mime knechtet und das Gold bewahrt.

Jeff Martin ist dieser Mime, der im dunklen Reich der Nibelungen sein armseliges Dasein fristet und auf einen Ausweg hofft. Der vielseitige amerikanische Tenor, der an einer Vielzahl europäischer Bühnen engagiert ist, spielt und vor allem singt seine Partie mit großer Glaubwürdigkeit und einer superb gestaltenden Stimme. Mit einer „Plätschkapp“ (Mütze) auf dem Kopf wird er von seinem Bruder am Ohrläppchen gezogen, gekniffen und malträtiert.

Die zauberhaften Geschicke im Reich des Alberich gestaltet Regisseur Gerd Heinz mit dunkel gekleideten Statisten, die mit schwarzen Tüchern die Protagonisten verschwinden, verkleinern oder vergrößern lassen. Der Wurm kommt in Form eines chinesischen Drachens auf Stäben, die von dunkler Menschenhand getragen werden daher. Die Kröte hängt am Stab mit schwarzer, sie führender Gestalt.

Als Alberich sich schließlich geschlagen geben muss und den Ring und dessen Macht verflucht, sich vor einer schäumenden kreisrunden Videoprojektion krümmt, erzeugt das Orchester mit einem rasanten Tempo und unerwarteter, sekundenlanger Pause eine Spannung, die man sonst nur bei Christian Thielemann in Bayreuths Graben wahrnehmen kann. Fantastisch, wie Frank Beermann in intensiven, langen Proben die Musiker der Nordwestdeutschen Philharmonie auf die akustischen Verhältnisse des Hauses und seine Interpretation eingestellt hat. Zu Recht erhalten Beermann und seine 80 Musiker am Ende tosenden Applaus.

Stadttheater Minden / Das Rheingold - hier : Nordwestdeutsche Philharmonie mit Dirigent Frank Beermann © Patrik Klein

Stadttheater Minden / Das Rheingold – hier : Nordwestdeutsche Philharmonie mit Dirigent Frank Beermann © Patrik Klein

Im Forte geht es wieder hinauf in die Götterwelt, wo die finale Szene mit der Weichenstellung für das Ende der Tetralogie stattfindet. Die Urmutter Erda, wiederum mit schwarzen Tüchern aus dem Nichts hervorgezaubert, erscheint im weißen Tüchergewand mit Gehstock und warnt die beteiligten Götter vor der Götterdämmerung. Janina Baechle, die deutsche Mezzosopranistin mit Erfahrungen an den großen Häusern Europas, gibt eine dunkel-warm-timbrierte Erda der Sonderklasse. Man darf sich angesichts dieser musikalischen Interpretation nur wundern, dass niemand in der Runde auf sie hören wird und das Ende absehbar kommt.

Das Finale mit erschlagenem Fasolt, ausgelöster Freia, Donners Hammerschlag und Einzug in Walhall auf dem Regenbogen, schlussendlicher Klage der Rheintöchter und  Bewertung durch Loge, gelingt in Minden musikalisch triumphal.

Das teilweise weit angereiste Publikum dankte allen Beteiligten mit nicht enden wollenden Beifallsbekundungen und offener herzlicher Freude an dieser nahezu übermenschlichen Leistung des Stadttheater Minden.

—| IOCO Kritik Stadttheater Minden |—

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