Lübeck, Musik und Kongresshalle, Das Wunder der Heliane – Erich Wolfgang Korngold, IOCO Kritik, 27.03.2019

MuK-Lübeck Konzertsaal © Malzahn

MuK-Lübeck Konzertsaal © Malzahn

Musik und Kongresshalle Lübeck

Das Wunder der Heliane  –  Erich Wolfgang Korngold

Wundersame Auferstehung nach neunzig Jahren

 von Michael Stange

Erich Wolfgang Korngolds Das Wunder der Heliane zeichnet sich durch fesselnde musikdramatische Dichte, hohe Expressivität und faszinierende musikalische Einfälle aus. Der individuelle musikalische Charakter und die stete Geschlossenheit der Komposition sind Meilensteine des Opernschaffens des zwanzigsten Jahrhunderts. Die opalisierenden, blutroten, flammenden Klänge, das geheimnisvoll, schleiernde Kolorit des Orchesterklanges und die gewagte und an atonales grenzende Harmonik faszinieren noch heute. Sie belegen Korngolds kompositorische Meisterschaft. Das Werk zeigt ihn auf dem Höhepunkt seiner langen, großen musikalischen Erfinderkunst. Große Musik paart sich mit Drama, Intelligenz und unwiderstehlichem Zauber.

Die Wirkung der Oper ist durchgängig packend und schlägt die Zuhörer nahezu drei Stunden in ihren Bann. Höhepunkte sind im 1. Akt in die Duette zwischen Fremden und Herrscher und Heliane und dem Fremden. Gleiches gilt für den 2. und 3. Akt. Hierzu zählen insbesondere die Richterszene, das Gottesurteil und die großen oratorienhaften Chorszenen des Schlussaktes.

Ein Grund, dass die Wiedererweckung länger als bei der Toten Stadt auf sich warten ließ, ist das Libretto. Hans Müller-Einigen ersann eine Mixtur plagiatverdächtiger Wagner-Übersteigerungen unter Hinzufügung von Andeutungen libertär erotischer Enthemmung aus seinem eigenen Werk Das Wunder des Beatus und dem Fragment des früh verstorbenen Dichters Hans Kaltneker.

MuK-Lübeck / Das Wunder der Heliane © Lutz Roeßler

MuK-Lübeck / Das Wunder der Heliane © Lutz Roeßler

Die Dreiecksgeschichte handelt von einem grausamen Herrscher, seiner ihn nicht liebenden Frau Heliane und einem Fremden. Eine Mischung aus Liebessehnsucht des Herrschers, vermeintlichem Ehebruch Helianes mit dem Fremden, Suizid des Fremden, seiner Wiedererweckung durch Heliane in einem Gottesurteil, die Tötung Helianes durch den Herrscher und der Gang Helianes und des Fremden in den Himmel bilden eine übersteigerte psychodramatische Melange. Sie ist stofflich und dramaturgisch dem Wien der Zeit vor dem 1. Weltkrieg zurechnen schon zum Zeitpunkt der Urraufführung durch die damalige Lebenswirklichkeit und die neuen literarischen Strömungen überholt.

Musikdramatisch und von der Handlung trafen die Opern Alban Bergs, Franz Schrekers, Ernst Kreneks und Paul Hindemiths viel mehr den Zeitgeist und Geschmack des Uraufführungsjahres 1927.

Nach langer Pause hat das Werk in den letzten zwölf Jahren nach konzertanten und szenischen Aufführungsserien u. a. in Kaiserslautern, Wien, Amsterdam, Berlin, Freiburg und anderenorts beträchtlich an Popularität gewonnen. Die brillante und ausgezeichnet dirigierte Aufführung aus Freiburg liegt auf CD bei Naxos vor. Die Berliner Aufführung wird im Juni auf DVD erscheinen.

Nun hat Lübeck das Werk für sich wiederentdeckt. Dort erklang es erstmals im Theater Lübeck am 1. März 1928 als siebte Aufführung und nur fünf Monate nach der Hamburger Uraufführung.

Der Verzicht auf die szenische Aufführung schadete nicht ernstlich, weil das Werk mit seiner Mysterienhaftigkeit ohnehin musikalisch viel stärker wirkt als szenisch. Ursprünglich im Theater Lübeck vorgesehen verlegte man die Aufführungen man  in die Musik und Kongresshalle Lübeck (MUK). Damit tat man sich und dem Publikum keinen Gefallen. Die Gesangssolisten waren auf einem Podium hinter dem Orchester platziert. Dies schmälerte ihre Hörbarkeit beträchtlich und verschob das Werk einseitig zu Gunsten des Orchesters. Warum man sie nicht vor dem Orchester platzierte und nicht einige Monitore im Saal für ihre Einsätze zur Verfügung stellte bzw. aus welchem Grund man statt des akustisch wesentlich besser geeigneten Theaters auf die Musik und Kongresshalle auswich blieb ein Rätsel.

Der Dirigent des Abends Andreas Wolf legte seinen Schwerpunkt auf den bombastischen und wuchtigen Korngold. Eine fesselnde Farbpalette, schwelgerische Zartheiten, das an sich auch vorhandene im Werk durchsichtige Orchesterbild einschließlich der Hörbarkeit aller Instrumente und ein ineinander übergehendes spätromantisches Klangbild wurden diesem Konzept geopfert. Dadurch rückte die Oper nahezu völlig in die Nähe der dramatischen Ausbrüche von Puccini und Wagner.

Die Choralszenen und ihre oratorienhafte Prägung des Werkes verloren damit stark an Wirkung, weil der Chor – auf der Empore stehend – oft orchestral zugedeckt wurde.

Was die Aufführung auszeichnete, waren die Solisten, die stimmlich Grandioses vollbrachten und nach dieser Aufführung alle in die erste Korngold Liga gehören. Hätte man sie vor dem Orchester platziert, wäre die Wirkung des ganzen Werkes wesentlich stärker gewesen.

Bei der Wahl der Sängerinnen und Sänger hat sich das Theater Lübeck allerdings selbst übertroffen und eine hohe Kennerschaft für Stimmen bewiesen. Ein so exquisiter Geschmack ist in Opernhäusern rar gesät.  Cornelia Ptasseks Stimme ist für die Heliane wie geschaffen. Mit weitem Atem und jugendlich dramatischem Timbre kam die Stimme mühelos über das Orchester und behielt ihre blühende Klangschönheit in jeder Phrase. Ihr silbriger, lyrisch dramatischer Sopran verfügt über immense Durchschlagskraft und über eine leuchtende blühende, metallische Höhe. Von der leidenden Gattin bis zur feurigen Geliebten stellte sie alle Facetten der Rolle mit ihrer reichen stimmlichen Farbpalette seelenvoll und ausdrucksstark dar. Wie sie die Stimme an entscheidenden Stellen vom Piano zum Forte flutete, zeugte von phänomenaler Gesangstechnik und Stimmbeherrschung. Raumgreifend, klangschön und ergreifend faszinierte sie als Heliane uneingeschränkt und vokal souverän.

Zurab Zurabishvili als Fremder ging in der Rolle völlig auf. Mit südlich betörenden Timbre und einer glänzend sicheren Höhe durchschritt er die Partie belcantesk, furchtlos feurig und mit beglückender Gestaltung. Sein berückender Stimmklang klang in allen Registern voll und saftig. Seine ausgezeichnete Textverständlichkeit bei diesem schweren Debut war beeindruckend. In den nicht wenigen lauten Passagen blieb er stets hörbar ohne die Stimme zu forcieren. Innere Anteilnahme und Calaf Töne ergaben ein exzellentes Portrait mit eigner Note und hohem stimmlichen Wiedererkennungswert. Seine sängerische Intelligenz paarte sich mit immenser Musikalität. Er ist wirklich ein Glücksfall für diese sonst oft nicht einmal adäquat zu besetzende Rolle. Hoffentlich ist er in dieser Partie bald wieder zu hören und erschließt sich neben Erik und Parsifal weitere deutsche Partien.

MuK-Lübeck / Das Wunder der Heliane - hier : Schlussapplaus © Patrik Klein

MuK-Lübeck / Das Wunder der Heliane – hier : Schlussapplaus © Patrik Klein

Aris Argiris als Herrscher belegt durch die mit ihm erschienen Aufnahme, dass er heute der ideale Rollenvertreter für den Herrscher ist. Mit seiner warmen, volltönenden, dramatischen, mehrere Oktaven umfassenden Heldenbaritonstimme ist er eine der herausragenden Sängerpersönlichkeiten unserer Tage. Sein Atemstrom scheint unermüdlich. Die hohen Töne kommen völlig organisch, natürlich und balsamisch strömend. Als gefeierter Rigoletto, Amonasro und Wotan verbindet er Belcanto und dramatisches deutsches Heldenfach. Hohe Rollenidentifikation, dramatisches Feuer und seine stupende Gesangstechnik lassen ihn in seine Rollen eintauchen und sie selbst konzertante Aufführungen zu glutvollem Leben erwecken. Nicht nur sein „Weh mir, weh euch..“ sondern auch die Qual des Ungeliebten und das ganze Portrait waren von packender bewegender Wucht. Darstellerisch noch reifer und berührender als in seiner vorherigen Serie in Freiburg hat er hier seinem Repertoire eine neue Glanzpartie hinzugefügt. Selbst bei der ungünstigen Positionierung war die Stimme mühelos hörbar, was aufgrund der tiefen Stimmlage für einen Bariton an sich schon eine staunenswerte Leistung ist.

Katerina Hebelková war eine Botin mit wuchtiger Attacke und klangschönem Timbre. Taras Konoshchenkos Pförtner strömte bassselige Klänge in den Saal. Hojong Song war ein potenter Schwertrichter mit glühendem Tenor.

Es ist dem Theater Lübeck hoch anzurechnen, dass man Korngolds Heliane im Norden aufgeführt und ins Gespräch gebracht hat. Mehr Rücksicht auf Sängerinnen und Sänger bei der nächsten Produktion, bei Beibehaltung der hohen Qualität der Stimmen würden diesen Verdiensten eine noch strahlendere Krone aufsetzen.

—| IOCO Kritik Musik und Kongresshalle Lübeck |—

Bremen, Theater Bremen, Premiere LULU – Alban Berg, 27.01.2018

Dezember 17, 2018 by  
Filed under Oper, Premieren, Pressemeldung, Theater Bremen

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Theater Bremen

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

Lulu – Alban Berg

Premiere am 27. Januar 2019, 18 Uhr

Nach Frank Wedekind, Neufassung des 3. Aktes von Detlef Heusinger.  Nach Lulu. Ein Rock-Vaudeville die zweite Aufführung des Stoffs im Januar im Theater Bremen.

Fasziniert hat sie viele Männer: Nicht nur in der Doppeltragödie, die Frank Wedekind ihr widmete, zieht Lulu die sie Umgebenden unwiderstehlich in den Bann. Auch Alban Berg erlag dieser seltsamen Heldin und entwickelte aus einer einzigen, ihr gewidmeten musikalischen Zwölftonreihe seine gesamte Oper, die er zur Keimzelle seines Werkes erhob. Bevor er den 3. Akt vollenden konnte, starb er jedoch. Der aus Bremen stammende Komponist Detlef Heusinger entwirft mit elektroakustischen Instrumenten, wie E-Gitarre, Theremin und Synthesizer, eine flirrende Neufassung des 3. Aktes für die Inszenierung am Theater Bremen. Marysol Schalit, seit 2011 im Musiktheaterensemble engagiert, spielt und singt die hochgradig-intensive Titelpartie, Claudio Otelli, der schon als Wozzeck begeisterte, verkörpert Dr. Schön.

 Alban Berg © IOCO

Alban Berg © IOCO

In der Inszenierung von Marco Štorman erscheint die Lulu zunächst als Leerstelle und Projektionsfläche. Sie ist eine in Bild gebannte Männerphantasie, ein Umstand, der dem Team von vornherein sehr wichtig war, wie Dramaturgin Isabelle Becker betont: „Der Abend heißt zwar Lulu, er könnte aber auch genauso gut nach Dr. Schön benannt sein. Denn das Stück beschreibt durch und durch eine männliche Perspektive auf die weibliche Protagonistin. Von einem männlichen Autor geschrieben, von einem männlichen Komponisten in Musik gesetzt, wird Lulu zu einem Objekt stilisiert, das nur durch den männlichen Blick auf diese Weise existieren kann. Dieser Abend will die tradierten Geschlechter- und Machtverhältnisse offenlegen und mündet in einer alptraumhaften Verzerrung von Dr. Schön.“

Die Musikalische Leitung hat Hartmut Keil: Er war von 2002 bis 2016 an der Oper Frankfurt engagiert und dirigierte da neben allen großen Mozart-Opern ein breites Repertoire. Von 2003 bis 2012 war er musikalischer Assistent und Studienleiter bei den Bayreuther Festspielen, seit der Spielzeit 2017/2018 ist er als Erster Kapellmeister am Theater Bremen engagiert und hatte die Musikalische Leitung bei Puccinis „Il tabarro & Gianni Schicchi“, Dvo?áks „Rusalka“, Strawinskys „The Rake’s Progress“ und bei Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“.

Regie führt Marco Storman (*1980), er studierte an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Seit 2007 arbeitet er als freier Regisseur in Schauspiel und Musiktheater u. a. an Theatern in Wien, Stuttgart, Klagenfurt, Hannover, Hamburg und Bonn. In der Spielzeit 2016/2017 war er Hausregisseur am Luzerner Theater. Am Theater Bremen inszeniert er nach „Peter Grimes“, „Parsifal“ und „Candide“ mit „Lulu“ seine vierte Arbeit.

Detlef Heusinger , geboren 1956 in Frankfurt am Main, studierte Komposition, Dirigieren, Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie sowie Gitarre, Laute und Klavier an den Musikhochschulen in Bremen, Köln und Freiburg sowie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Im Zentrum seiner kompositorischen Arbeit stehen Werke für die Bühne, wie etwa „Der Turm“, der 1989 in Bremen am Theater uraufgeführt wurde.  Als Produzent und Regisseur der Video-Oper „Pandora I&II“ gestaltete er 1993 seinen ersten Musikfilm für Radio Bremen, dem 2001 „Sintflut“ für den SWR und das SF DRS folgte. Neben seiner Arbeit als Komponist unterrichtete Detlef Heusinger von 1990 bis 1996 an der Hochschule der Künste in Bremen und leitete regelmäßig eine Dirigierklasse bei der Mürztaler Musikwerkstatt. Seit 1991 ist Heusinger auch als Regisseur im Opern- und Tanztheaterbereich tätig. Seit Oktober 2006 ist Detlef Heusinger künstlerischer Leiter des SWR Experimentalstudios, für „Lulu“ am Theater Bremen hat er den 3. Akt neubearbeitet.


LULU – Alban Berg

Text  nach den Tragödien Erdgeist und Büchse der Pandora von Frank Wedekind. Uraufführung am 2. Juni 1937 am Stadttheater Zürich. Neufassung des dritten Aktes von Detlef Heusinger

Premiere 27. Januar 2019, 18 Uhr im Theater am Goetheplatz;  weitere Termine 29.01./ 09.02./ 15.02./ 20.02./ 28.02./ 02.03./ 24.03./ 07.04.2019

Musikalische Leitung:  Hartmut Keil, Inszenierung : Marco Storman, Bühne: Frauke Löffel, Kostüme: Sara Schwartz, Choreografie: Alexandra Morales, Dramaturgie: Isabelle Becker, Klangregie: Detlef Heusinger / Lukas Nowok

Mit: Marysol Schalit, Nathalie Mittelbach, Ulrike Mayer, Claudio Otelli, Chris Lysack, Christian-Andreas Engelhardt, Hyonjong Kim, Loren Lang, Birger Radde, Stephen Clark, Julia Huntgeburth, Gabriele Wunderer, Martina Parkes, Wolfgang von Borries, Jörg Sändig, Sami Similä

Es spielen die Bremer Philharmoniker,  Theremin : Carolina Eyck / Thorwald Jorgensen / Christian Mason, E-Gitarre : Jürgen Ruck, Klavier :  Ernst Surberg

—| Pressemeldung Theater Bremen |—

Baden-Baden, Festspielhaus, Herbstfestspiele Baden-Baden, 2018, 23.11. – 02.12.2018

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Herbstfestspiele Baden-Baden 2018

Offenbach trifft Beethoven in Baden-Baden

Die Baden-Badener Herbstfestspiele 2018 (23. November bis 2. Dezember) feiern zwei Komponisten, die auf den ersten Blick wenig verbindet: Ludwig van Beethoven und Jacques Offenbach. An beide Genies wird in Kürze erinnert – Offenbachs 200. Geburtstag wird 2019 begangen, und das große Beethoven-Jahr (250. Geburtstag) steht 2020 an. Ihre Visionen veränderten die Musikwelt: Ludwig van Beethoven definierte sowohl die Sonatenform neu und schuf Sinfonien, die zum Kern des menschlichen Kulturerbes zählen, während Jacques Offenbach die Operette und eben auch die Oper zu neuen Höhen führte – mal gesellschaftlich bissig, mal psychologisch tiefgründig. Große Künstlerinnen und Künstler unserer Zeit interpretieren zentrale Werke dieser Komponisten zwischen dem 23. November und dem 1. Dezember 2018 im Festspielhaus Baden-Baden.

Sonderkonzert mit Anna Netrebko – 29.11.2018

Festspielhaus Baden-Baden / Anna Netrebko und Yusif Eyvazov (Sonderkonzert am 29.11.) © Vladimir Shirokov

Festspielhaus Baden-Baden / Anna Netrebko und Yusif Eyvazov (Sonderkonzert am 29.11.) © Vladimir Shirokov

Im Mittelpunkt der Baden-Badener Herbstfestspiele steht eine konzertante Aufführung der Oper Hoffmanns Erzählungen (Les contes d’Hoffmann) unter der Leitung des französischen Dirigenten Marc Minkowski. Am Sonntag, 25. November, um 17 Uhr versammeln sich dazu Stars wie Olga Peretyatko (Sopran), Luca Pisaroni (Bariton) und Charles Castronovo (Tenor) sowie der Philharmonia Chor Wien und Les Musiciens du Louvre in Baden-Baden. Bei dieser Aufführung sollte das Wort „konzertant“ allerdings nicht zu ernst genommen werden. Marc Minkowski und die Sänger planen, die turbulente Handlung auch durchaus bewegt auf die größte deutsche Opernbühne zu bringen, so dass das Publikum nicht nur die wunderbare Musik dieser Oper genießen kann, sondern auch ihre leicht skurrile Handlung leichter nachvollzieht. Offenbachs einzige Oper zählt zu den intelligentesten Kompositionen der Romantik, wenngleich sie durch Offenbachs Faible für die Operette lange Zeit nicht ernst genommen wurde. Marc Minkowski, der sich als Könner und Kenner im Bereich der historischen Aufführungspraxis viele Meriten verdient hat, möchte das allein schon durch die berühmte „Barcarole“ bekannte Werk durchaus neu befragen.

Festspielhaus Baden-Baden / Olga Peretyatko („Hoffmanns Erzählungen) © Ali Khan

Festspielhaus Baden-Baden / Olga Peretyatko („Hoffmanns Erzählungen) © Ali Khan

Schließlich galt Offenbach wie Beethoven als Komponist, der bekannte Grenzen überschritt und das Publikum seiner Zeit dadurch vor so manches Rätsel stellte, es aber auch brillant unterhielt. Minkowski, zurzeit Opernchef in Bordeaux, bringt zur Baden-Badener Aufführung sein famoses Spezialensemble Les Musiciens du Louvre mit. Die Solisten sind in Baden-Baden wohlbekannt. Olga Peretyatko brillierte hier sowohl als Adina in „L’elisir d’amore“ wie als Violetta in „La traviata“. Charles Castronovo war als Faust in Boitos „Mefistofele“ zu hören und sang die Titelpartie in Charles Gounods „Faust“ unter der Leitung von Sir Simon Rattle. Luca Pisaroni ist in Baden-Baden als Leporello unvergessen – gab aber auch schon einige Konzerte mit seinem Schwiegervater Thomas Hampson.

Festspielhaus Baden-Baden / Janine Jansen: Eröffnungskonzert am 23.11. © Harald Hoffmann/Decca

Festspielhaus Baden-Baden / Janine Jansen: Eröffnungskonzert am 23.11. © Harald Hoffmann/Decca

[Von Janine Jansen wurden verschiedene Aufnahmen bei der Decca Classics veröffentlicht.]

Eroica und Missa solemnis
Ludwig van Beethovens dritte Sinfonie, die Eroica wird zum Auftakt der Herbstfestspiele am 23. November 2018, um 20 Uhr vom Swedish Radio Symphony Orchestra unter der Leitung von Daniel Harding aufgeführt. Im gleichen Konzert interpretiert die niederländische Geigerin Janine Jansen das Violinkonzert „Dem Andenken eines Engels“ von Alban Berg. Und nachdem Sir András Schiff am Freitag, 30. November 2018 das erste Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven mit dem Budapest Festival Orchestra unter Iván Fischer gespielt hat, leitet der belgische Beethoven-Experte Jan Caeyers am Samstag, 1. Dezember 2018, um 18 Uhr die Missa solemnis aus Beethovens Feder. Caeyers gilt als intimer Kenner des Beethoven-Ouvres und schrieb das viel beachtete Buch „Beethoven: Der einsame Revolutionär“. Auf seine  Interpretationen ist das Konzertpublikum in Baden-Baden besonders gespannt, gründete Caeyers doch extra für seine Lesart der Musik des in Bonn geborenen Komponisten (1770-1827) ein eigenes Orchester: Le Concert Olympique.

 Anna Netrebkos Sonderkonzert ergänzt prominent besetztes Festival.
Das vor kurzem angesetzte Sonderkonzert mit Anna Netrebko und weiteren Opernstars ergänzt das Programm der Herbstfestspiele am Donnerstag, 29. November 2018 um 20 Uhr. Anna Netrebko (Sopran), Yusif Eyvazov (Tenor), Dolora Zajick (Mezzosopran) und Elchin Azizov (Bariton) werden von der Baden-Badener Philharmonie begleitet. Noch gibt es Tickets.

Kammermusik rundet das Programm ab
Aus Baden-Baden nicht mehr wegzudenken sind junge internationale Künstlerinnen und Künstler, die im „Rising Star“-Programm der Organisation ECHO (European Concert Hall Organisation) erste Schritte auf den ganz großen Podien machen. Am Montag, 26. November um 19 Uhr gastiert der „Rising- Star“ und katalonische Bariton Josep-Ramon Olivé bei einem „Konzert hinter den Kulissen“ im Festspielhaus. Besucher des Konzerts erhalten auch eine Eintrittskarte zur aktuellen Ausstellung „Die Brücke“ im Museum Frieder Burda, in dessen Rahmen der Künstler ursprünglich auftreten sollte. ECHO-Rising Star Kian Soltani (Violoncello) spielt mit Freunden und Verwandten am Mittwoch, 28. November 2018 um 20 Uhr europäische und persische Musik im Rahmen eines „Entdeckerkonzertes“ im Festspielhaus Baden-Baden. Das letzte Konzert der Herbstfestspiele 2018 ist eine Sonntags-Matinee. Am 2. Dezember um 11 Uhr spielen Jean-Guihen Queyras (Violoncello) und Alexandre Tharaud (Klavier) Werke von Bach, Scarlatti und Brahm


PROGRAMM 
Herbstfestspiele
23. November – 2. Dezember 2018
Programmübersicht

Freitag, 23. November 2018, 20 Uhr
Daniel Harding: Eroica –  Janine Jansen & Swedish Symphony Radio Orchestra
Daniel Harding, Dirigent,  Janine Jansen, Violine
Swedish Radio Symphony Orchestra

Programm:
Hector Berlioz
Ouvertüre „Chasse royal et orage“ aus Les Troyens
Alban Berg
Violinkonzert „Dem Andenken eines Engels“
Ludwig van Beethoven
„Eroica“ Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55

Samstag, 24. November 2018, 18 Uhr
Les Musiciens du Louvre
Marc Minkowski, Dirigent
Programm:
Felix Mendelssohn Bartholdy
„Die Hebriden“ Ouvertüre h-Moll op. 26
„Schottische“ Sinfonie a-Moll op. 56
„Italienische“ Sinfonie A-Dur op. 90

Sonntag, 25. November 2018, 17 Uhr 
Offenbach: HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN  –  Konzertante Oper
Marc Minkowski, Musikalische Leitung
Charles Castronovo, Hoffmann
Olga Peretyatko, Olympia, Giulietta, Antonia, Stella
Luca Pisaroni, Lindorf, Coppélius, Dapertutto, Dr. Miracle
Aude Extremo, La Muse, Nicklausse
Mathias Vidal, Andrés, Cochenille, Pitichinaccio, Frantz
Aurelia Legay, Stimme von Antonias Mutter
Marc Mauillon, Hermann, Schlémil
Jean Vincent Blot, Luther, Crespel
Christophe Mortagne, Nathanaél, Spalanzani
Philharmonia Chor Wien (Leitung: Walter Zeh)
Les Musiciens du Louvre

Montag, 26. November 2018, 19 Uhr
Konzert hinter den Kulissen – Lieder und Texte passend zum Expressionismus der „Brücke“- Zeit
Josep-Ramon Olivé, Bariton
Jordi Armengol, Klavier
Programm:
Lieder aus Katalonien von Robert Gehrhard, Eduard Toldra u. a.
Ort NEU: Festspielhaus Baden-Baden

Mittwoch, 28. November 2018, 20 Uhr
Kian Soltani & Shiraz Ensemble – Klassische europäische und persische Musik
Kian Soltani Violoncello, Kamantsche
Shiraz Ensemble:
Khorso Soltani Ney, Duduk
Farshad Soltani Kamantsche, Setar
Sepideh Raissadat Gesang
Fardjam Derakhshani Tar
Mohamad Ghavihelm Tombak, Da

SONDERKONZERT 
Donnerstag, 29. November 2018, 20 Uhr
Arien, Duette und Ensembles aus Opern von Giuseppe Verdi
Mazza . Netrebko . Zajick . Eyvazov . Azizov
Michelangelo Mazza Dirigent
Anna Netrebko Sopran
Dolora Zajick Mezzosopran
Yusif Eyvazov Tenor
Elchin Azizov Bariton
Philharmonie Baden-Baden


Freitag, 30. November 2018, 20 Uhr
Sir András Schiff & Budapest Festival Orchestra
Ivan Fischer dirigiert Dvorak und Beethoven
Ivan Fischer, Dirigent
Sir András Schiff, Klavier
Budapest Festival Orchestra
Antonin Dvorák
Legende op. 59/6
Slawischer Tanz op. 46/5
Opušteny „Der verlassene Liebhaber“ aus Vier Chorlieder op. 29/4
Ludwig van Beethoven
Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur op. 15
Antonin Dvorák
Sinfonie Nr. 6 D-Dur op. 60


Samstag, 1. Dezember 2018, 18 Uhr
Beethoven: Missa solemnis
Jan Caeyers, Dirigent
Malin Hartelius, Sopran
Dame Sarah Connolly, Mezzosopran
Steve Davislim, Tenor
Hanno Müller-Brachmann, Bassbariton

Arnold Schönberg Chor (Leitung: Erwin Ortner) Seite 7 von 7
Le Concert Olympique
Ludwig van Beethoven
Missa solemnis D-Dur op. 123

Sonntag, 2. Dezember 2018, 11 Uhr
Jean-Guihen Queyras & Alexandre Tharaud  –  Sonntags-Matinee
Jean-Guihen Queyras, Violoncello
Alexandre Tharaud, Klavier
Johann Sebastian Bach
Suite Nr. 2 d–Moll BWV 1008 für Violoncello solo
Domenico Scarlatti
Auswahl der Klaviersonaten:
Sonate K64, Sonate K132, Sonate K3, Sonate K514, Sonate K481
Johannes Brahms
Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 e-Moll op. 38

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Hamburg, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, Rathausmarkt Open Air / Philharmonische Akademie 2018

 Elbphilharmonie Hamburg / Prominente Spielstätte _ Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Prominente Spielstätte – Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Ralph Lehmann

Staatsorchester Hamburg

Open Air – Im Rathaus und der Laeiszhalle:

Kent Nagano präsentiert die Philharmonische Akademie

Sechs Konzerte am 25.-27. August 2018 und 8. April 2019

Kent Nagano eröffnet die Philharmonische Konzertsaison 2018/19 mit einer Philharmonischen Akademie im Herzen Hamburgs: Am Samstag, 25. August 2018 um 20 Uhr, dirigiert Hamburgs Generalmusikdirektor sein erstes Open-Air-Konzert auf dem Rathausmarkt. „Dieses Konzert soll ein musikalisches Geschenk an die Menschen in unserer Stadt werden“, sagt Kent Nagano, „wir laden alle ein, gemeinsam mit uns den Rathausmarkt in einen Konzertsaal zu verwandeln.“ Der Eintritt zu diesem Konzert ist deshalb frei. Auf dem Programm stehen Werke wie die Ungarischen Tänze von Brahms und RachmaninowsRhapsodie über ein Thema von Paganini“. Als Solist ist der russische Pianist Nikolai Luganski zu erleben. Mit Auszügen aus den Musicals West Side Story und Candide würdigt Nagano seinen Mentor Leonard Bernstein, der an diesem Tag seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.

Am folgenden Tag geht es im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses weiter: Thematischer Mittelpunkt der vier Akademiekonzerte am 26. und 27. August 2018 ist Wien. Ausgehend von Werken Mozarts spannt sich der musikalische Bogen über Schönberg und die Neue Wiener Schule bis hin zu zeitgenössischer Musik von Friedrich Cerha, und sogar ein Abstecher ins Milieu der legendären urwienerischen „Schrammelmusik“ steht auf dem Programm. Neben Musikern des Philharmonischen Staatsorchesters sind Solisten wie Salome Kammer, Sharon Kam oder Dominique Horwitz sowie das Klangforum Wien zu erleben.
Am 8. April 2019 widmen sich Kent Nagano und eine Philharmonische Kammermusikformation im Kleinen Saal der Laeiszhalle noch einmal Symphonien und Solokonzerten Mozarts.

Karten für die vier Akademiekonzerte im Großen Festsaal des Rathauses sind zu einem Benefizpreis von 10 € erhältlich beim Kartenservice der Hamburgischen Staatsoper, unter 040 35 68 68 oder online unter www.staatsorchester-hamburg.de. Der Erlös aus diesen Konzerten kommt der professionellen Nachwuchsförderung junger Orchestermusiker im Philharmonischen Staatsorchester zugute. Karten für das Konzert in der Laeiszhalle kosten 12-35 €.

Hintergrund Kent Nagano hat die „Philharmonische Akademie“ zu Beginn seiner Amtszeit als Hamburgischer Generalmusikdirektor und Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters im Jahr 2015 begründet. Seitdem bilden diese Konzerte den Auftakt zur jeweils neuen Opern- und Konzertsaison. Nagano und seine Philharmoniker verstehen darunter ein „offenes“ Projekt, ebenso experimentell ausgerichtet wie immer auch bedeutenden Komponisten, wichtigen Themen und musikalisch-inhaltlichen Erkundungen gewidmet.
Rathausmarkt Open Air mit Kent Nagano

Samstag, 25. August 2018, Rathausmarkt, 20 Uhr
Gioachino Rossini: Ouvertüre zu „Guillaume Tell”
Sergei Rachmaninow: Rhapsodie über ein Thema von Paganini
Johannes Brahms: Ungarische Tänze 5 & 6
Leonard Bernstein: Ouvertüre zu „Candide“
Leonard Bernstein: „Balcony Scene” („Tonight”) & „I Feel Pretty” aus „West Side Story”
Maurice Ravel: Boléro
Kent Nagano, Dirigent
Nikolai Luganski, Klavier
Elbenita Kajtazi, Sopran
Oleksiy Palchykov, Tenor Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Eintritt frei


1. Akademiekonzert
Sonntag, 26. August 2018, Rathaus, Großer Festsaal, 11 Uhr
„Triumph des Lebens“
Wolfgang Amadeus Mozart: Serenade Nr. 10 B-Dur KV 361 „Gran Partita“
Texte von Ingeborg Bachmann, Friedrich Nietzsche und anderen
Sevgi Özsever, Ralph van Daal, Oboe
Alexander Bachl, Christian Seibold, Kai Fischer, Matthias Albrecht, Klarinette
Olivia Comparot, Fabian Lachenmaier, Fagott
Pascal Deuber, Saskia van Baal, Isaak Seidenberg, Ralph Ficker, Horn
Stefan Schäfer, Kontrabass
Dieter Rexroth, Lesung
Benefizpreis € 10 (freie Platzwahl)


2. Akademiekonzert
Sonntag, 26. August 2018, Rathaus, Großer Festsaal, 16 Uhr
Schönberg & die Schrammelbrüder
Arnold Schönberg: Serenade op. 24 und „Pierrot Lunaire“ op. 21 (Auszüge)
Friedrich Cerha: Eine Art Chansons (Auszüge)
sowie Werke von Ferdinand Leicht, Anton Strohmayer, Carl Rieder, Johann Schrammel u.a.
Salome Kammer, Martin Winkler, Stimme
Klangforum Wien
Benefizpreis € 10 (freie Platzwahl)


3. Akademiekonzert
Sonntag, 26. August 2018, Rathaus, Großer Festsaal, 20 Uhr
Wolfgang Amadeus Mozart: Streichquintett Es-Dur KV 614
Alban Berg: 4 Stücke für Klarinette und Klavier op. 5
Wolfgang Amadeus Mozart: Klarinettenquintett A-Dur KV 581
Sharon Kam, Klarinette
Stephan Kiefer, Klavier
Solveigh Rose, Annette Schäfer, Violine
Naomi Seiler, Bettina Rühl, Viola
Thomas Tyllack, Violoncello
Benefizpreis € 10 (freie Platzwahl)


4. Akademiekonzert
Montag, 27. August 2018, Rathaus, Großer Festsaal, 20 Uhr
Igor Strawinsky: L‘histoire du soldat
Wolfgang Amadeus Mozart: Sinfonia Concertante für Bläser Es-Dur KV 297b
Kent Nagano, Dirigent Dominique Horwitz, Sprecher
Konradin Seitzer, Violine
Stefan Schäfer, Kontrabass Thomas Rohde, Oboe
Alexander Bachl, Klarinette
Olivia Comparot, Fagott
Bernd Künkele, Horn
Mario Schlumpberger, Trompete
Felix Eckert, Posaune
Fabian Otten, Schlagzeug
Kammerorchester des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg
Benefizpreis € 10 (freie Platzwahl)
Pressekontakt: Hannes Rathjen, Presse und Marketing Philharmonisches Staatsorchester Hamburg,


5. Akademiekonzert
Montag, 8. April 2019, Laeiszhalle, Kleiner Saal, 19.30 Uhr
Wolfgang Amadeus Mozart:
Symphonie Nr. 28 C-Dur KV 200
Klavierkonzert Nr. 12 A-Dur KV 414 (Fassung für Streichquartett)
Hornkonzert Nr. 4 Es-Dur KV 495
Symphonie Nr. 33 B-Dur KV 319
Kent Nagano, Dirigent
Pascal Deuber, Horn
N.N., Klavier
Kammerorchester des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg
Karten € 35 / 28 / 21 / 12

 

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