Hamburg, Elbphilharmonie, 1.9.2020 – Wiedergeburt des Konzertlebens, IOCO Aktuell, 04.08.2020

August 4, 2020 by  
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Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung der Elphi © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg

ELBPHILHARMONIE  – LAEISZHALLE –  live ab 1.9.2020

Wiedergeburt des Konzertlebens in Hamburg

Tickets für mehr als 30 Konzerte im September – die meisten davon im Großen Saal der Elbphilharmonie – gehen am Dienstag, den 4. August, um 11 Uhr, in den Verkauf. Alle Veranstaltungen entsprechen den Erfordernissen in Corona-Zeiten. Sie dauern meist nur etwa eine Stunde, haben keine Pause und finden, wo immer dies möglich war, zwei Mal am selben Abend statt. Das von NDR Elbphilharmonie Orchester und HamburgMusik gemeinsam verantwortete Programm zur Saisoneröffnung beginnt am 1. September und markiert mit insgesamt sieben Konzerten den Neustart des Konzertlebens in Hamburg nach nahezu halbjähriger Zwangspause. Weitere Höhepunkte im Laufe des Monats: Das Ensemble Modern kommt unter der Leitung von George Benjamin, das Mahler Chamber Orchestra gastiert gleich an zwei Abenden, Teodor Currentzis hat für sein SWR Symphonieorchester ein komplett neues Programm entwickelt, und auch das Ensemble Resonanz eröffnet seine Spielzeit. Als Solistinnen sind u.a. Lisa Batiashvili und Patricia Kopatchinskaja (Violine) zu erleben, die Sopranistin Anna Prohaska, die Cellistin Alisa Weilerstein sowie der Geiger Leonidas Kavakos und der Pianist Pierre-Laurent Aimard. Tickets ab 10 Euro sind auf www.elbphilharmonie.de erhältlich. Ein ausgeklügeltes Hygiene- und Einlasskonzept gewährleistet ein Höchstmaß an Sicherheit für Publikum und Mitwirkende.

Alle Brahms-Sinfonien zum Neustart

Mit der Sinfonie Nr. 2 von Brahms und dem 1. Violinkonzert von Prokofjew läutet das NDR Elbphilharmonie Orchester unter der Leitung seines Chefdirigenten Alan Gilbert am 1.9. um 20 Uhr gemeinsam mit der HamburgMusik die neue Saison ein. Solistin ist Lisa Batiashvili. Am 2., 4. und 5.9. spielt das Orchester dann jeweils Doppelkonzerte (18.30/21 Uhr), wobei die Paarung der beiden Komponisten erhalten bleibt und sukzessive alle vier Brahms-Sinfonien und auch das Violinkonzert Nr. 2 von Prokofjew zur Aufführung kommen (Solist: Leonidas Kavakos, 4./5.9.).

Elbphilharmonie Hamburg / NDR - Elbphilharmonie Orchester im Großen Saal © Michael Zapf

Elbphilharmonie Hamburg / NDR – Elbphilharmonie Orchester im Großen Saal © Michael Zapf

Gastspiele mit spannenden, neuen Programmen

Die ersten auswärtigen Orchestergäste auf der Bühne erwartet die HamburgMusik am 6.9. um 20 Uhr mit dem Ensemble Modern unter George Benjamin, in der Saison 2018/19 Composer in Residence der Elbphilharmonie. Die Musiker spielen Benjamins »At First Light« und Wolfgang Rihms »Jagden und Formen« – ein Werk von beinahe unentrinnbarer Sogwirkung. Tags darauf leitet George Benjamin das Mahler Chamber Orchestra mit Werken von Janácek und Ravel und seinem Duett für Klavier und Orchester (Solist: Pierre-Laurent Aimard, 7.9., 18.30/21 Uhr). Das Mahler Chamber Orchestra bleibt noch in der Stadt, um zwei Tage später Werke von vier großen B zu spielen – Bach, Boulez, Benjamin und Britten. Bachs Hochzeitskantate und den Orchesterlied-Zyklus »Les Illuminations« von Britten singt die Berliner Star-Sopranistin Anna Prohaska, die Leitung liegt beim Konzertmeister des Ensembles Matthew Truscott (9.9., 20 Uhr).

Das SWR Symphonieorchester und sein Chefdirigent Teodor Currentzis haben ihr als Entree der Residenz der Geigerin Patricia Kopatchinskaja konzipiertes Konzert komplett umgestellt und präsentieren stattdessen ein aufregendes Programm mit Musik, die wie dafür gemacht scheint, auf Abstand gespielt zu werden. Kopatchinskaja soliert in Giacinto Scelsis filigranem, mikrotonal angelegtem Werk »Anahit / Lyrisches Poem für den Namen der Venus« und in einem neuen Werk für Solovioline und Orchester, das Dmitri Kourliandski zu Ehren von Helmut Lachenmann komponiert hat. Lachenmann selbst, der im November seinen 85. Geburtstag feiert, tritt zudem als Sprecher in seinem Stück »zwei Gefühle… / Musik mit Leonardo« auf. Dem Werk liegt ein Text von Leonardo da Vinci zugrunde, es liefert einen zentralen Beitrag zu seiner in Hamburg uraufgeführten Oper Das Mädchen mit den Schwefelhölzern. Eingerahmt wird das Programm von »Battalia«, einem hochexpressiven Stück des barocken Violinvirtuosen und Komponisten Heinrich Ignaz Franz Biber mit teilweise präpariertem Instrumentarium (23.9., 18.30/21 Uhr).

Einige Programme bleiben (fast) wie geplant

Aus Portugal reist das Remix Ensemble Casa da Música an und stellt wie geplant Hans Zenders Neuinterpretation der Diabelli-Variationen von Beethoven dem Original gegenüber – gespielt vom deutsch-rumänischen Weltklasse-Pianisten Herbert Schuch (22.9., 20 Uhr). Auch der Liederabend mit dem russischen Bass Mikhail Petrenko zieht lediglich vom Kleinen in den Großen Saal der Elbphilharmonie um (16.9., 19.30 Uhr).

Die Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker spielt das ursprüngliche Programm ihres Elbphilharmonie-Debüts, verteilt die Werke von Rebecca Saunders allerdings auf zwei Konzerte (27.9., 18.45/20.45 Uhr). Unter der Leitung von Enno Poppe präsentieren die jungen Musiker zunächst Saunders‘ Cinnabar, ein Doppelkonzert für Violine, Trompete, Ensemble und elf Spieluhren. Im zweiten Konzert tritt Fury für Kontrabass solo an die Stelle des Doppelkonzerts, Solist ist Alexander Arai-Swale. Kombiniert werden die Werke mit einem neuen Stück der Komponistin Milica Djordjevic – Preisträgerin des Ernst-von-Siemens-Komponistenpreises 2016 – und mit Enno Poppes Koffer.

Die Reihe »Das Alte Werk« feiert ihren Saisonauftakt im Großen Saal der Laeiszhalle, auch Interpreten und Werk bleiben erhalten, das Programm wird lediglich etwas gekürzt und zweimal gespielt: Die Accademia Bizantina bringt unter der Leitung von Ottavio Dantone Auszüge aus Vivaldis effektvoller Oper Il Tamerlano als konzertante Aufführung in italienischer Sprache (29.9., 18.30/21 Uhr).

Die Elbphilharmonie in Hamburg
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 Konzerte der Residenzorchester werden leicht angepasst

Das Ensemble Resonanz konnte seine Saisoneröffnung unter dem Titel »statt anderer gottheit« kalendarisch beibehalten, hat es aber um einen Programmpunkt kürzen müssen, spielt nun Hans Zenders »Hölderlin lesen I« mit Jens Harzer als Sprecher sowie Beethovens Sinfonie Nr. 5 und doppelt das Konzert (8.9, 18.30/21 Uhr).

Krzysztof Urbacski, Erster Gastdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters, kehrt mit insgesamt vier Konzerten und einem reinen Beethoven-Programm in den Großen Saal zurück. Das Klavierkonzert Nr. 5 mit Dejan Lazic als Solist konnte vom ursprünglichen Programm beibehalten werden, Schostakowitschs Sinfonie Nr. 12 wird durch Beethovens 1. Sinfonie ersetzt (10./11.9., jeweils 18.30/21 Uhr). Zum Monatsende hin leitet erneut Alan Gilbert das Orchester, dann in einer Serie von Konzerten mit der Cellistin Alisa Weilerstein, die anstelle von Schostakowitschs Cellokonzert Nr. 1 nun Tschaikowskys Rokoko-Variationen mitbringt. Zweiter Programmpunkt: die 3. Sinfonie von Beethoven, die Eroica (24.9/26.9., jeweils 18.30/21 Uhr sowie 27.9., 10.30/13 Uhr).

Harbour Front Sounds – Tickets ab 11. August

Karten für Harbour Front Sounds – ein Festival im Literaturfestival, das in Kooperation mit HamburgMusik realisiert wird – sind derzeit noch auf Bestellung erhältlich. Restkarten gehen am 11. August in den Verkauf.

Weitere Veranstalter

Des Weiteren gelangen am 4.8. Tickets für Konzerte mit dem Belcea Quartet in den Verkauf (24.9., Laeiszhalle Großer Saal, 19.30 Uhr), für das Festival der Preisträger des Fanny Mendelssohn Förderpreises (26.9., 18.45/20.45 Uhr, Elbphilharmonie Kleiner Saal) sowie für das Auryn Quartett, das seinen Auftritt beim diesjährigen International Mendelssohn Festival vom Kleinen in den Großen Saal der Laeiszhalle verlegt (27.9., 20 Uhr) hat. Die weiteren Konzerte des Festivals mussten Corona-bedingt abgesagt werden.

Ticketinformationen und Hinweise zum Konzertbesuch

Tickets sind online über www.elbphilharmonie.de erhältlich. Kunden, denen eine Online-Buchung nicht möglich ist, können unter +49 357 666 66 anrufen (Di-Sa 10-16 Uhr). Eine Übersicht über alle weiteren Konzerte und Vorverkaufstermine gibt es auf www.elbphilharmonie.de (gleich auf der Startseite, oben rechts »Verfügbare Konzerttickets« anklicken).

Solange das Konzertleben weiterhin den Unwägbarkeiten infolge der Corona-Pandemie unterworfen bleibt, starten HamburgMusik, NDR und einige andere Veranstalter jeweils am ersten Dienstag eines Monats den Vorverkauf für die neuen Konzerte des Folgemonats. Am 1. September gelangen demzufolge die Tickets für Oktober 2020 in den Verkauf.

Für den Konzertbesuch gelten aktuell besondere Vorgaben: So ist in Elbphilharmonie und Laeiszhalle auf allen Laufwegen im Konzertbereich eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Auf den Plätzen im Saal, die einen Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Besuchern bzw. Besuchergruppen gewähren, gilt keine Maskenpflicht. Auch beim Aufenthalt im Foyer muss unter Wahrung des Mindestabstands zu anderen Gästen keine Maske getragen werden. Anders als bisher öffnen die Häuser für Konzertbesucher nun 60 Minuten vor Veranstaltungsbeginn. Foyers und Säle werden gleichzeitig geöffnet. Die Konzertgastronomie in den Foyers ist nur vor der Veranstaltung in Betrieb. Alle Hinweise – auch zur Nutzung der Garderoben und Aufzüge sind auf www.elbphilharmonie.de zu finden.

—| Pressemeldung Elbphilharmonie Hamburg |—

Hamburg, Elbphilharmonie, KONZERTKINO – SOMMERVERGNÜGEN, 15.08. – 01.09.2020

Juli 28, 2020 by  
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Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung der Elphi © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg

ELBPHILHARMONIE KONZERTKINO

SOMMERVERGNÜGEN FÜR AUGEN UND OHREN

Elbphilharmonie Konzertkino lädt im August mit mehr Live-Streams und Konzertmitschnitten als je zuvor aus dem Großen Saal auf den Vorplatz des Hauses. Tickets ab 28. Juli, 11 Uhr,   auf www.elbphilharmonie.de.

Elbphilharmonie / Konzertkino 2018 Vorplatz Cube @ Claudia Höhne

Elbphilharmonie / Konzertkino 2018 Vorplatz Cube @ Claudia Höhne

18 Abende lang volles Programm auf dem Vorplatz der Elbphilharmonie mit Übertragungen von Konzerten aus Klassik, Jazz, Pop und World Music auf große LED-Wand und bei bestem Sound: Das bietet das »Elbphilharmonie Konzertkino« 2020 vom 15. August bis 1. September. Vier Konzerte werden live aus dem Großen Saal gestreamt, das übrige Programm besteht aus aufgezeichneten Konzert-Highlights. Corona-bedingt gestalten sich die beliebten sommerlichen Open-air-Tage in diesem Jahr vom Programm her üppiger als je zuvor. Auch organisatorisch verlaufen sie anders als ihre Vorgänger. Die Veranstaltungen finden in einem abgeteilten Areal statt, zur Wahrung der Abstandsregeln ist die Besucherzahl begrenzt, und die Plätze müssen vorab gebucht werden. Zur Auswahl stehen Kunstrasenflächen unterschiedlicher Größe, die von zwei bis maximal vier Besuchern belegt werden können (8/12 bzw. 16 Euro) sowie Strandkörbe bzw. Liegestühle für zwei Besucher (8 Euro). Die Übertragungen beginnen um 20 Uhr, an drei Wochenend-Nachmittagen läuft zusätzlich um 16 Uhr ein Kinderprogramm. Der Ticketverkauf beginnt am Dienstag, den 28. Juli, um 11 Uhr auf www.elbphilharmonie.de.

Elbphilharmonie / Konzertkino @ Claudia Höhne

Elbphilharmonie / Konzertkino @ Claudia Höhne

Vier der 18 Konzertkino-Abende werden live aus dem Großen Saal gestreamt: Gleich zum Auftakt gastiert der Pianist und Klangtüftler Hauschka, begleitet vom Schlagwerker Kai Angermann (15.8., in Zusammenarbeit mit Kampnagel Internationale Kulturfabrik). Auf den Tag genau 60 Jahre nach dem ersten Konzert der Beatles im Hamburger Kiez-Club Indra spielt das Trio Hülsmann / Wogram / Dell ein Beatles-Programm (17.8.). Die Pianistin Claire Huangci und ihr Kollege Alexei Volodin präsentieren sich an zwei Klavieren mit Musik von Mozart, Rachmaninow und Ravel (20.8.). Das Finale des Konzertkinos am 1. September markiert gleichzeitig die Eröffnung der Saison 2020/21: Das NDR Elbphilharmonie Orchester spielt die Sinfonie Nr. 2 von Brahms sowie das Violinkonzert Nr. 1 von Prokofjew mit Lisa Batiashvili als Gastsolistin. Die Leitung hat Alan Gilbert, Chefdirigent des Orchesters.

Elbphilharmonie / Konzertkino 2018 Vorplatz Cube @ Claudia Höhne

Elbphilharmonie / Konzertkino 2018 Vorplatz Cube @ Claudia Höhne

An den übrigen Abenden ist ein breites Angebot an Mitschnitten zu erleben. Klassik-Fans können sich auf das »Star Wars«-Konzert des NDR Elbphilharmonie Orchesters unter Krzysztof Urbacski freuen (16.8., 30.8., jeweils 16 Uhr), auf die Münchner Philharmoniker unter Valery Gergiev (19.8.), das National Youth Orchestra of the USA mit der Mezzosopranistin Joyce DiDonato unter Sir Antonio Pappano (24.8.) und das Concertgebouworkest unter Myung-Whun Chung mit Mahlers Sinfonie Nr. 9 (26.8.). Das Residenzorchester der Elbphilharmonie kommt außerdem mit zwei Konzertaufnahmen unter Alan Gilbert von der LED-Wand, einmal mit Musik von Beethoven und Bruckner (18.8.), einmal mit dem Verdi-Requiem (25.8.). Auch die hinreißende Silvesterproduktion der Fledermaus von Johann Strauss mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester unter Manfred Honeck mit Bo Skovhus und weiteren illustren Sängern feiert ein sommerliches Leinwand-Comeback (22.8.). Beethovens Neunte mit dem Orquesta Sinfónica Simón Bolívar de Venezuela unter Gustavo Dudamel beschließt den Reigen der Mitschnitte (30.8.).

Die den Elbphilharmonie-Foyers auf den Leib choreografierte und noch vor der offiziellen Eröffnung des Hauses dort uraufgeführte wunderbare Tanzproduktion »Figure Humaine« von Sasha Waltz & Guests wird ebenso gezeigt (16.8.) wie das Einstandskonzert der legendären Berliner Band Einstürzende Neubauten (21.8., 31.8.). Mit Angélique Kidjo (23.8.) und Ana Moura (28.8.) locken zwei stimmgewaltige Sängerinnen aus Benin/Frankreich bzw. Portugal mit ihren Bands vor die Leinwand, mit dem Mitschnitt des grandios aufspielenden Jazz at Lincoln Center Orchestra unter Wynton Marsalis ein Top-Act des Jazz (29.8.). Ein filmisches Porträt der sechs Finalisten des in diesem Jahr erstmals verliehenen Berlin Prize for Young Artists des Elbphilharmonie Hauptsponsors Julius Bär rundet das Programm ab (27.8.).

An drei Wochenend-Nachmittagen empfiehlt sich insbesondere für Familien mit Kindern ab 8 Jahren der Konzertkino-Besuch: Am Sonnabend, den 22.8., läuft das Funkelkonzert »SOMNIA – Wie klingen Träume?«, tags darauf »Nächste Ausfahrt: Lunar Plexus«, und am 29.8. »Reise in eine neue Welt«. In allen drei Kinderproduktionen sind Musikerinnen und Musiker des Ensemble Resonanz, Residenzensemble der Elbphilharmonie, federführend beteiligt. Beginn jeweils 16 Uhr.

Die Aufführungen werden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Elbphilharmonie anmoderiert. Für das leibliche Wohl sorgt die Hausgastronomie über einen Food-Container.

Das »Elbphilharmonie Konzertkino« wird von den Principal Sponsors der Elbphilharmonie Julius Bär, SAP, Deutsche Telekom und Montblanc sowie durch die Stiftung Elbphilharmonie unterstützt.

—| Pressemeldung Elbphilharmonie Hamburg |—

Zürich, Tonhalle Maag, Adès – Beethoven – Nielsen, IOCO Kritik, 4.4.2019

Dezember 17, 2019 by  
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 Zürich Maag / Spielstätte des Tonhalle Orchesters © Hannes Henz

Zürich Maag / Spielstätte des Tonhalle Orchesters © Hannes Henz

Tonhalle Zürich

Tonhalle-Orchester   Zürich

Thomas Adès – Beethoven – Carl Nielsen

von Julian Führer

Das Zürcher Tonhalle Orchester präsentierte mit dem Gastdirigenten Alan Gilbert ein abwechslungsreiches Programm. Gewissermaßen als Ouvertüre wurden die von Thomas Adès (* 1971) komponierten „Three Studies from Couperin“ geboten. François Couperin († 1733 in Paris) komponierte diverse Stücke für das Cembalo, von denen Adès drei für Orchester arrangierte und weiterentwickelte und 2006 in Basel als Auftragswerk zur Uraufführung brachte. Les Amusemens sind zunächst zwei oft nahezu parallel verlaufende Viertelketten in tieferer und mittlerer (Cembalo-)Lage, die in der Mittellage auf vielfältige Weisen verziert werden. Adès erweitert das Farbenspektrum erheblich, indem er das durchaus groß besetzte Orchester (konsequent piano oder pianissimo spielend) in den zahlreichen Wiederholungen einzelner Passagen immer wieder unterschiedlich zusammensetzt, gleichwohl ohne jeweils unbedingt Neues zu erzwingen und somit eine fast meditative Atmosphäre schaffend, die sich auf das konzentriert zuhörende Publikum übertrug. Les Tours de Passe-Passe sind wesentlich animierter angelegt, hier ist Adès‘ Erweiterung der Möglichkeiten des französischen Barockkomponisten auch am deutlichsten durch den manchmal auftrumpfenden Einsatz des Schlagzeugs. L’âme en peine schließlich besteht aus einem sehr langsamen Satz, der einerseits in seinem anmutig verzierten ¾-Takt etwas Menuettartiges hat, andererseits durch die grübelnden Dissonanzen und das getragene Tempo an einen Trauerkondukt gemahnt und am besten mit dem französischen Wort langueur charakterisiert wird.

Konzerthaus Maag / Tonhalle Orchester © Paolo Dutto

Konzerthaus Maag / Tonhalle Orchester © Paolo Dutto

Für Beethovens Klavierkonzert Nr. 4 in G-Dur Opus 58 trat Inon Barnatan an den Flügel. Das Konzert beginnt mit dem Soloinstrument in G-Dur, das nach der Einleitung vom Orchester präsentierte Thema hingegen steht in a-Moll, wodurch sich eine harmonische Spannung ergibt, die dem Kopfsatz erhalten bleibt, auch wenn die Durstimmung insgesamt vorherrscht. Im Orchester gab es zu Beginn eine kurze Irritation, danach überzeugte die Darbietung voll und ganz. Besonders beeindruckend geriet die Präzision, mit der Celli und Bässe auch in schnellen Passagen glänzten. Oboe und Fagott hatten besonders klangschöne Momente. Beim Zusammenwirken von Solist, Dirigent und Orchester entstand der Eindruck eines allgemein guten Einvernehmens. Das von Alan Gilbert modellierte Klangbild war einerseits breitwandig, andererseits wurde das Orchester fast nie laut (im Ausweichquartier des Maag-Areals eine heikle und nicht leicht zu findende Balance) und schuf eine stellenweise kammermusikalische Atmosphäre. Der Dialog mit dem alert einsetzenden Pianisten war in jedem Satz ein echtes Zwiegespräch, auch wenn Beethoven mit diesem Konzert bereits in Richtung einer symphonischen Anlage geht. In den großen Solopassagen der zweiten Hälfte des ersten Satzes wurde die chronologische Nähe zu Opus 57 hörbar, der berühmten Appassionata-Sonate. Inon Barnatan verfügt über eine beeindruckende Bandbreite des Anschlags und konnte es sich aufgrund seiner hervorragenden Technik leisten, das Pedal nur sehr sparsam einzusetzen. Auf den fast mystischen Ausklang des zweiten Satzes (Andante con moto) folgte die übermütige Eruption des Rondo (Vivace), auf das Rondo begeisterter Applaus des Publikums.

Konzerthaus Maag / Tonhalle-Orchester © Priska Ketterer

Konzerthaus Maag / Tonhalle-Orchester © Priska Ketterer

Nach der Pause dirigierte Alan Gilbert die dritte Symphonie von Carl Nielsen, einem Komponisten, der ihm besonders am Herzen liegt. Die Symphonien des dänischen Komponisten hat Gilbert in seiner Zeit als Chefdirigent des New York Philharmonic Orchestra eingespielt. Nielsen († 1931) vollendete das Werk im Jahr 1911. Der erste Satz geht zunächst stürmisch voran, bevor es in der Durchführung einen Walzer zu hören gibt. In diesem ersten Teil hatte das Blech in der Klangbalance etwas Übergewicht, der Schlussakkord allerdings beeindruckte mit langem Nachhall. Das Andante pastorale des zweiten Satzes beginnt sehr ruhig und erweitert erst nach und nach den Apparat der eingesetzten Instrumente. In den letzten drei Minuten des Andante mischen sich eine Männer- und eine Frauenstimme ins Orchester, das molto tranquillo (so die Partituranweisung) die Stimmen begleitet, die reine Vokalisen singen, also keinen Text haben. Benjamin Appl und Christina Landshamer fügten sich mit ihren Stimmen sehr harmonisch in das Orchester ein (in dem auch an dieser Stelle das Blech etwas zu sehr in den Vordergrund trat). Ganz zu Ende des Satzes steigert sich das Tempo etwas (adagio, dann wieder tranquillo). Nielsen wollte hier eine paradiesähnliche Stimmung schaffen – und das ist ihm zweifelsfrei gelungen. Das siebenminütige Allegretto verlangt von den Musikern technische Höchstleistungen in bezug auf Schnelligkeit, während der Finalsatz deutlich breiter daherkommt. Besonders in Streichern und Blech breit orchestrierte Passagen lassen an Sibelius denken.

Das Publikum, das nach Adès interessiert und nach Beethoven begeistert war, applaudierte nach Nielsen freundlich – und einige Plätze waren nach der Pause auf einmal frei. Es wäre wünschenswert, dass das Zürcher Publikum bei einem über hundert Jahre alten Werk künftig etwas neugieriger reagiert.

—| IOCO Kritik Tonhalle Zürich |—

Dresden, Sächsische Staatskapelle, 3. Symphoniekonzert – Bartok, Prokofjew, Schostakowitsch, IOCO Kritik, 23.10.2019

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Sächsische Staatskapelle Dresden

Semperoper

Semperoper © Matthias Creutziger

Semperoper © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle – Saison 2019/20 – 3. Symphoniekonzert

Omer Meir Wellber – Bartok mit Kavakos, Prokofjew, Schostakowitsch

von Thomas Tielemann

In unserem Konzertführer der 1950er Jahre gesteht der Herausgeber Karl Schönewolf Bela Bartok (1881-1945) lediglich ein Violinkonzert aus den Jahren 1937-1938 zu. Er erwähnt aber, dass Bartok bereits um 1907 ein zweisätziges Werk für Violine und Orchester entworfen habe. Tatsächlich komponierte der Sechundzwanzigjährige, unsterblich verliebt in die ungarische Geigerin Stefi Geyer (1888-1956), für diese junge Frau zwei Sätze für Orchester und Violine Solo und legte ihr die sehr persönlichen Kompositionen buchstäblich zu Füssen. Ein Zerwürfnis  in Glaubensfragen beendete die Beziehung, so dass ein dritter Satz nicht zu Stande kam. Stefi Geyer hat die Komposition nie gespielt, aber offenbar die Partitur unter Verschluss gehalten. Bartok rächte sich musikalisch: Im letzten Zyklus seiner 14 Bagatellen nahm er sich „ihr“ Violinkonzert vor, karikierte das Leitmotiv und versah weitere Nutzungen des Materials mit Titeln wie „Zerrbild“. Nach Stefi Geyers Tod entdeckte man das Notenmaterial in ihrem Nachlass und konnte es nach der Neu-Einteilung 1958 als 1. Violinkonzert uraufführen.

Sächsische Staatskapelle Dresden © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle Dresden © Matthias Creutziger

Das 2. Violinkonzert Bartoks trägt diese Bezeichnung erst seit den späten 1950er Jahren. Es galt bis dahin einfach nur als Bartoks Violinkonzert.

Der Geiger und Freund Bartoks, Zoltán Székely,  bat diesen 1937, ihm ein „ganz klassisches Konzert“ zu schreiben. Bartok plante aber, ein größeres Variationswerk zu komponieren. Man fand einen Kompromiss, der letztlich zu einem komplett neuen Konzept führte und Beide zunächst befriedigte. Der zweite Satz (Andante tranquillo) wurde ein Variationssatz und der Final-Satz eine Variation des durch schroffe Gegensätze geprägten Kopfsatzes. Vom dritten Satz existieren trotzdem zwei Versionen, weil sich Szekely über die geringe Präsenz der Solovioline im Finale beklagte. Mithin hat Bartok für den dritten Satz eine Alternativfassung zur Verfügung gestellt.

Für das 3. Symphoniekonzert der Saison 2019/20 der Sächsischen Staatskapelle Dresden hatte Omer Meir Wellber für den erkrankten Alan Gilbert das Dirigat übernommen. Als Solist des B-Dur-Bartok-Konzertes war der seit 2004 regelmäßig in Dresden gastierende und uns von seinen Sibelius-Aktivitäten bestens bekannte Grieche Leonidas Kavakos mit seiner wunderbaren Willemotte-Stradivari in den Semperbau gekommen. Geschaffen worden war das außergewöhnliche Instrument 1734, als Antonio Stradivaris Söhne die legendäre Werkstatt in Cremona bereits führten und er sich ob seiner 90 Lebensjahre Zeit zum Experimentieren nahm. Er vergrößerte die Wölbung des Instruments, um mehr Raum im Korpus für Klangproduktion, Farbe und Klangtiefe zu schaffen. Der Klang des Instruments mit seiner Intensität und der darunterliegenden Dunkelheit kombiniert das Beste der Instrumente Stradivaris mit denen der Guarinis. Namensgeber der Geige ist der Amsterdamer Violinist Charles Willemotte, auch stradivari, Wilmotte (1817-1883). Leonidas Kavakos konnte 2017 nach mehreren Anläufen das außergewöhnliche Instrument käuflich erwerben. Vor ihm hatten das Instrument unter anderem der Violinist und Komponist Jean Baptiste Cartier (1765-1841) sowie die deutsche Geigerin Maria Lidka (1914-2013), letztere bis ins hohe Alter, gespielt.

Bela Bartok hat bekanntlich den Interpreten seines Violinkonzertes durch ein engmaschiges Netz von Tempoangaben Begrenzungen auferlegt und sie damit zur Offenbarung ihrer Virtuosität gezwungen. Die Sensibilität für komplexe  Klang- und Gefühlsschattierungen des Leonidas Kavakos kam damit auf das wunderbarste zur Geltung. Die schnellen und virtuosen Passagen des ersten Satzes schaffte er fast schwerelos. Auch die Parallelität des griffigen Hauptthemas mit einer Zwölftonmelodie meisterten Solist und Dirigent sensibel, klangschön und mit Spannung. Im Schlussteil des Kopfsatzes brachte Leonidas Kavakos mit einer bezaubernden Kadenz noch einmal Klang und Volumen-Potenzial der wunderbaren Willemotte auf das prachtvollste zur Geltung.

Sächsische Staatskapelle Dresden / Leonidas Kavakos und seine "Willemotte" © Marco Borggreve

Sächsische Staatskapelle Dresden / Leonidas Kavakos und seine „Willemotte“ © Marco Borggreve

Dem durch Tempo und Schroffheit geprägtem Kopfsatz folgte ein langsamer Variations-Satz. Kavakos gab dem Orchester eine ruhige wunderschöne Kantilene vor, die in der Folge vom Orchester und der Sologeige mehrfach variiert, die Hörer in die verschiedensten Klangwelten führte. Wie der Held im Märchen erhielt der Solist immer neue Aufgaben vom Orchester und muss Abenteuer überstehen, marschierte aber unentwegt zum Satzende, der Wiederholung des Themas. Es war meisterhaft, wie Wellber und Kavakos diesen schwierigen Satz zur Geltung und damit zu einem Höhepunkt des Abends brachten.

Mit dem Finalsatz, gespielt wurde die überarbeite „Virtuosen-Fassung“, kehrten dann Kavakos und Wellber zur Expressivität des ersten Satzes, aber auch zu dessen Themen zurück. Aber alles, was im Kopfsatz großartig und stolz klang, erhielt hier fratzenhafte, wilde und tänzerische Züge. Das Violinspiel Kavakakos blieb eng mit der Orchesterführung Wellbers verwoben, so dass eine faszinierende Wirkung „aus einem Guss“ entstanden war.

Mit einer Zugabe, offenbar eine Bartok-Komposition glänzten Solist und Violine mit ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten.

Sächsische Staatskapelle Dresden / Omer Meir Wellber und die Sächsiche Staatskapelle © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle Dresden / Omer Meir Wellber und die Sächsiche Staatskapelle © Matthias Creutziger

Sergei Prokofjew, 1891 in der Ukraine geboren, hatte nach der Petrograder Aufführung seiner „Klassischen Symphonie“ 1918 die Instabilitäten seiner Heimat hinter sich gelassen und bis 1932 ein unstetes Wanderleben als Pianist und Dirigent in Europa sowie Amerika geführt. Im Herbst 1919 traf er in den USA ehemalige Kommilitonen des Petersburger Konservatorium, die mit einem jüdischen Ensemble tingelten. Diese gaben ihm ein Heft mit hebräischen Themen und baten um die Komposition einer Ouvertüre für ein Sextett. Beim Blättern im Heft und beim Improvisieren am Klavier fügte sich für Prokofjew die Komposition wie von selbst zusammen. Inzwischen existiert diese „Ouvertüre über hebräische Themen op. 34“ in unterschiedlichen Fassungen: für kammermusikalisches Sextett und eben auch für Orchester. Wellber hatte dankenswerterweise für das Konzert eine frühe kammermusikalische Fassung für Klavier, Klarinette und Streicher-Gruppe ausgewählt. Der Israeli Omer Meir Wellber ist mit der Bandbreite an Stilrichtungen innerhalb der Klezmer-Musik bestens vertraut und so ist es nicht verwunderlich, dass seine Prokofjew-Interpretation verwandte Züge bietet. Die Vorgabe des Komponisten „Un poco allegro“ schiebt er zur Seite, gibt das Tempo vom Klavier an und lässt die Musiker frisch und temporeich aufspielen. Das Sextett vervollständigten der 1. Konzertmeister Roland Straumer, der Konzertmeister der 2. Violinen Professor Reinhard Krauß, der Solo-Bratscher Florian Richter, der Solo-Cellist Friedrich Christian Dittmann und der Solo-Klarinettist Wolfgang Große.

Nach öffentlichen Ankündigungen war 1939 als Schostakowitschs 6. Symphonie ein gewaltiges Chor-Werk zu Ehren Lenins erwartet worden. Aber Schostakowitsch legte eine Weiterführung der Gedanken zum Werden der Persönlichkeit und des menschlichen Bewusstseins aus der fünften Symphonie von 1937 vor. Er schließt mit dem ersten Satz der sechsten an das Schluss-Satz-Largo seiner 5. Symphonie an. Grüblerisch führte er den Monolog von 1937 weiter, so als habe er im Vorgängerwerk Gedanken nicht zum Ende gebracht. In dieser Monolog-Weiterführung herrscht aber größere Ruhe, Besonnenheit und Schicksalsergebenheit. Deshalb auch die lange (inoffizielle) Satzbezeichnung „Largo-Poco più mosso e poco rubato-Moderato-Sostenuto-Largo“. Omer Meir Wellber führt in diesem Kopfsatz die Musiker der Staatskapelle ruhig und unaufgeregt, fast schulmäßig, den aufgereihten Tempovorgaben Schostakowitschs entlang und ließ dem Hörer die Gedanken des Komponisten nachzuvollziehen. Den Satz beendeten die Streicher mit einem Flirren und Flimmern, so dass sich die Aussage des ersten Satzes im Ungefähren verlor.

Dafür verwöhnt der Komponist im Allegro mit einer Fülle von Ideen, Klangfarben und Rhythmen zu einem zauberhaften Scherzo, das Wellber mit dem Orchester engagiert und mit sichtbarer Freude zu einem regelrechten Jahrmarktstreiben umsetzte. Im dritten Satz (Presto) mit seiner schlichten  melodischen Klangsprache verschärfte Wellber das Tempo des Orchesters wie einen Galopp, ohne dass die Fröhlichkeit sowie Lebensfreude ins Groteske kippt und beendete mit einem glanzvollen Finale.

Mit frenetischem, zum Teil stehendem, Beifall löste das Publikum seine vom Bartok und Largo aufgebaute Spannung und dankte dem inzwischen recht beliebten Omer Meir Wellber und dem Orchester.

Für mich ergibt sich nach dieser Aufführung die Frage, ob unser derzeitiges, vor allem von Julian Barnes  geprägte Schostakowitsch-Bild, nicht zu düster ist. Denn wie kann ein Mensch eine derart fröhliche Musik gestalten, wenn er sich andererseits gefährdet sah.

—| IOCO Kritik Sächsische Staatskapelle Dresden |—

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