Hagen, Theater Hagen, Theaternacht, 7.10.2011

September 30, 2011 by  
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Theater Hagen

 Theaternacht am 7. Oktober 2011

– im Rahmen der Festwoche
Der Eintritt zu allen Veranstaltungen – außer der Premiere von „Ehrensache“ – ist frei!

Die erste Hagener Theaternacht hat ein ganzes Jahrhundert auf sich warten lassen. Was erwartet die Hagener nun, wenn sie sich jetzt erstmalig am 7. Oktober 2011 eine ganze Nacht im Theater um die Ohren schlagen können?
Egal wie lange man auf den Beinen bleibt, eines ist schon mal sicher: Langeweile wird an diesem Freitag im Theater und rundherum nicht aufkommen. Schließlich sind alle Abteilungen des Theaters – sowohl auf als auch hinter und neben der Bühne – zu diesem Ereignis auf den Beinen, um dem Theater eine rauschende Geburtstagsparty zu bereiten.

Großes Haus:
19 Uhr: Stars von morgen
Um 19 Uhr werden „die Stars von Morgen“ – im Bereich Musical/Chanson – ihr Können dem Publikum präsentieren. Die Veranstaltung bildet zugleich das Abschlusskonzert der NRW-Vorauswahlen zum 40. Bundeswettbewerb Gesang Berlin 2011, Musical/ Chanson. Der Contest ist der größte und renommierteste nationale Gesangswettbewerb in Europa, bei dem zahlreiche Intendanten, Talentscouts und Agenturen dort die junge Elite der Gesangskunst finden und engagieren.
Hagen gehört seit vielen Jahren zu den wenigen Städten, die eine Vorauswahl durchführen. Die Teilnehmer mit den besten Bewertungen qualifizieren sich für die anschließenden Finalrunden in Berlin.

20.30 Uhr: 2 x 2 = 8
Zur Einstimmung auf „Der Ring an einem Abend“ von Loriot/Wagner werden GMD Florian Ludwig, Ana-Maria Dafova, Steffen Müller-Gabriel und Malte Kühn etwas ganz Besonderes präsentieren: Wagner-Bearbeitungen zu acht Händen! Ein Konzert dieser Art ist nur selten zu erleben, da die ausgewählten Werke auf eine ganz andere Weise erfahrbar werden, als man sie sonst vom Original kennt. Zu hören sein werden u.a.: das Vorspiel zu „Die Meistersinger von Nürnberg“, der Einzug der Gäste in „Tannhäuser“ und der Brautzug in „Lohengrin“.

21.30 Uhr: Tanz auf dem Graben
Das balletthagen zeigt Highlights aus seinem Repertoire und die Phoenix Hagen Cheerleaders tanzen zu „Hip Hop-“ und „Street Dance“ – Klängen. Den Rahmen bildet eine spannende und außergewöhnliche Ballett-Video-Installation.

22.15 Uhr: Fly Me to the Moon
Die Solisten des theaterhagen und das philharmonische orchesterhagen beweisen immer wieder ihre Affinität zu diversen Musikstilrichtungen. In dem Swing-Konzert, arrangiert von Andres Reukauf, widmen sich Marilyn Bennett, Tanja Schun, Raymond Ayers, Jeffery Krueger und das philharmonische orchesterhagen den Songs, die die Sängergruppe „The Rat Pack“ populär und erfolgreich gemacht haben. Bei u.a „Singing in the rain“ und „Strangers in the night“ lässt sich in Erinnerungen an Show-Größen wie Frank Sinatra, Sammy Davis Jr., Dean Martin, Joey Bishop, Peter Lawford und Shirley MacLaine durch die Nacht schwelgen.

Theaterzelt
17 Uhr: Die Salonlöwen
Die Salonlöwen bringen Stücke aus ihrer aktuellen CD zu Gehör, die im Laufe der Jahre zu „Evergreens“ avanciert sind und aus der Salonmusik nicht mehr wegzudenken sind.

19 Uhr: Insalata Italiana
Der Opernchor des theaterhagen präsentiert sich von seiner unerwarteten Seite und gibt Unkonventionelles von Genée bis Gospel zum Besten. Man darf gespannt sein!

20 Uhr: Kleider machen Leute
Von vielen Hagenerinnen und Hagenern lange Zeit ersehnt: die Kostümversteigerung! Nun findet sie wieder statt und nicht nur für diejenigen, die sich für die närrische Zeit ausrüsten möchten. Der Erlös der Kostümversteigerung geht zugunsten der Aktion „Lichtblicke“. Die Moderation übernimmt Werner Hahn. Auch der Unterhaltungsfaktor ist garantiert!

21 Uhr: bühnenreif
„Tête à Tête“ ist ein Celloduo der etwas anderen Art. Die beiden Cellistinnen Melinda Riebau und Katrin Geelvink spielen und improvisieren nicht nur auf ihren Instrumenten, nein, sie singen dazu auch noch gleichzeitig. Und worüber? Sie erzählen aus ihrem Musikeralltag mit all seinen Höhen und Tiefen und das mit einer gehörigen Portion Eigenhumor.
In ihrem Programm „bühnenreif“ geben sich die zwei ihrem größten Wunsch hin, einmal auf der hellerstrahlten Opernbühne zu stehen, und als Stars gefeiert zu werden. Neben bekannten Leckerbissen der Opernliteratur singen und spielen sich die beiden Musikerinnen dabei auch durch leidenschaftliche Szenen der Zigeunermusik und Selbstkomponiertes.

22 Uhr: alles chanSong
„Alles chanSong“, ein Wortspiel aus „Chanson“ und „Song“, verweist auf die große Bandbreite des Repertoires des Musicalsängers Tillmann Schnieders. Bissig-böse Lieder wie „Umgebracht“ und „Ja, Schatz“ sorgen für Gänsehaut; Pippi Langstrumpf als „Auslaufmodell“ und das moderne „Aschenbrödel“ mit tuntiger Fee, rappendem Prinzen und sächselndem Küchenjungen lösen großes Gelächter aus; sensible Songs wie „Das Beste“, „Rinnsteinprinzessin“ oder „Sänger sein“ gehören zu den Wohlfühlliedern. Satirisches wie Romantisches, Witziges und Melancholisches; bei dem „chanSong-Abend“ ist garantiert für jeden etwas dabei!

23 Uhr: Aftershow-Party mit DJ Big M

18 – 22 Uhr: Führungen durch das Haus
Wer sich das Theater mal bei Nacht genauer ansehen möchte, hat dazu bei den regelmäßig stattfindenden Führungen Gelegenheit. (Zu jeder vollen Stunde/ Treffpunkt im Theaterzelt)

23.59 Uhr: Mitternachtspremiere mit Lutz Hübners in Hagen lange Zeit verbotenem Stück „Ehrensache“ im lutz (ausverkauft)

—| Pressemeldung Theater Hagen |—

Gelsenkirchen, Musiktheater im Revier, Premiere: Merlin, 08.10.2011

September 28, 2011 by  
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Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Premiere: „Merlin“ von Isaak Albèniz

Oper von Isaak Albèniz in der Regie von Roland Schwab, am Samstag, dem 8. Oktober 2011 um 19.30 Uhr im Großen Haus

Zum ersten Mal im deutschsprachigen Raum und weltweit zum zweiten Mal seit seiner Uraufführung, ist Isaak Albèniz Oper „Merlin“ als Eröffnungspremiere im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier zu erleben. Mit orientalischem Kolorit und düsteren Mönchsgesängen beschwört der spanische Komponist in dem vor über 100 Jahren komponierten Stück Sommernachtsklangfantasien und musikalische Bilder voll betörender Schönheit herauf.

Gestrandet im Nirgendwo, außerhalb der Zeit. Der Zauberer Merlin beendet die dunkle Epoche der Menschheit und drängt Instinkte und Triebe aus der Welt. Der mystische Morgen bricht an: England soll einen Herrscher bekommen. – König Artus!

Doch die Fee Morgan beansprucht den Thron für ihren Sohn. Was ihr mit Gewalt nicht gelingt, schafft sie mit List: Zum Verhängnis wird Merlin, was er verdrängte. Um Totes und Tote vermehrt, überkommt es die Menschheit als Schicksal… „Mehr als ein Dokument ihrer Zeit“, nennt Regisseur Roland Schwab die Oper „Merlin“. „Entstanden in einer Epoche des grassierenden Okkultismus im Jahr 1901, spiegelt sie im Tarnanzug der Legende die Gefährlichkeit von Weltbildern, die auf Verdrängung, Verschwörungstheorien und Geschichtsklitterung basieren. Angesichts der Attentate von Oslo und Utoya ein ungeheuer aktuelles Stück.“

Weitere Termine:

14., 20., 30. Oktober 2011
4., 6., 19., 25. November 2011
11. und 22. Dezember 2011

—| Pressemeldung Musiktheater im Revier |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, Premiere / Frankfurter Erstaufführung L’ÉTOILE (DER STERN), 2.10.2011

September 28, 2011 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

L’ÉTOILE (DER STERN)  von Emmanuel Chabrier

Oper Frankfurt / Juanita Lascarro_Sopran / Prinzessin Laoula © Agentur

Oper Frankfurt / Juanita Lascarro_Sopran / Prinzessin Laoula © Agentur

 

Oper Frandfurt / Paula Murrihy -Mezzosopran / Lazuli © Barbara Aumüller

Oper Frandfurt / Paula Murrihy -Mezzosopran / Lazuli © Barbara Aumüller

 Text von Eugène Leterrier und Albert Vanloo
In französischer Sprache mit Übertiteln

Musikalische Leitung: Henrik Nánási / Karsten Januschke (9., 12. November 2011)
Inszenierung: David Alden
Bühnenbild und Kostüme: Gideon Davey
Licht: Olaf Winter
Dramaturgie: Zsolt Horpácsy
Choreografie: Beate Vollack
Chor: Michael Clark

Mit: König Ouf I.: Christophe Mortagne
Lazuli: Paula Murrihy
Prinzessin Laoula: Juanita Lascarro
Siroco: Simon Bailey
Fürst Hérisson de Porc-Epic: Michael McCown
Aloès: Sharon Carty
Tapioca: Julian Prégardien
Patacha: Hans-Jürgen Lazar
Zalzal: Sebastian Geyer

Als Intendant Bernd Loebe vor vier Jahren die Frankfurter Erstaufführung der Opéra-bouffe L’Étoile (Der Stern) von Emmanuel Chabrier (1841-1894) plante, konnte er nicht ahnen, dass auch das Grand-Théâtre de Genève (2009) und die Berliner Staatsoper (2010) Neuproduktionen dieses weitgehend unbekannten Werks des französischen Komponisten präsentieren würden.

Tatsächlich lohnt der Blick auf Chabrier, der von der Musikwissenschaft als in der Tradition von Rossini und Offenbach stehender Tonsetzer gehandelt wird. Jedoch zeichnen sich seine Melodien weder durch die Routine des Vielschreibers noch den satirischen Zugriff des Gesellschaftskritikers aus. Vielmehr besitzt die Operette, welche innerhalb von nur 28 Tagen entstanden sein soll und lange Zeit als das Meisterwerk des musikalischen Humors galt, eine unverwechselbare Handschrift. Die anspruchsvolle, meisterhaft instrumentierte Partitur vereinigt gefühlvolle Arien und Ensembles, ohne ins Sentimentale abzugleiten. Dies wird auch durch jene exotische Verfremdung verhindert, welche sich in der skurrilen Handlung widerspiegelt.

Wie jedes Jahr möchte König Ouf I. seine Untertanen durch eine Hinrichtung ergötzen – nur: bisher hat sich noch kein Opfer gefunden. Dieses stellt sich in der Person des Straßenhändlers Lazuli ein, welcher aus einem Missverständnis heraus den inkognito unter seinem Volk wandelnden Monarchen ohrfeigt. Da empfiehlt sein Astrologe Siroco dem König, von seinem Plan Abstand zu nehmen, denn in den Sternen stehe geschrieben, dass dieser einen Tag nach dem Hinscheiden Lazulis gleichfalls sterben müsse. Zudem hat Ouf testamentarisch festgelegt, dass in diesem Falle auch sein Astrologe daran glauben müsse. Gute Gründe, um Lazuli in den Palast zu bringen und aufs heftigste zu verwöhnen. Inzwischen hat sich der Straßenhändler in Prinzessin Laoula verliebt, die allerdings dem König versprochen ist. Lazuli will sich umbringen, sollte er nicht die Hand der Geliebten erhalten. So bleibt Ouf nichts anderes übrig, der Verbindung seinen Segen zu geben und Lazuli zu seinem Nachfolger zu ernennen.

Der Amerikaner David Alden arbeitet an führenden Opernhäusern in den USA und Europa. In Frankfurt inszenierte er 2002/03 Schrekers Der Schatzgräber. Am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters steht Henrik Nánási, der ab 1. August 2012 an der Komischen Oper Berlin die Position des Generalmusikdirektors bekleiden wird. Zu den aktuellen Aufgaben des französischen Charaktertenors Christophe Mortagne gehören Auftritte an den Opernhäusern von Mailand, New York, London und Paris sowie beim Festival von Orange. Aus dem Ensemble übernimmt Juanita Lascarro die Prinzessin Laoula, als die sie auch in einer Produktion von Dale Duesing an der Berliner Staatsoper gastiert. Ihr zur Seite stehen Paula Murrihy (Lazuli), Simon Bailey (Siroco) und Michael McCown (Fürst Hérisson de Porc-Epic) sowie weitere Sängerinnen und Sänger aus dem Ensemble.

Premiere / Frankfurter Erstaufführung: Sonntag, 2. Oktober 2011, um 18.00 Uhr im Opernhaus
Weitere Vorstellungen: 7., 15., 21., 23. (15.00 Uhr; mit kostenloser Kinderbetreuung), 23. (20.00 Uhr) Oktober, 9., 12. November 2011
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

Hagen, Theater Hagen, Das Interview: Intendant Nobert Hilchenbach, 9/2011

September 27, 2011 by  
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Theater Hagen


Interview

Nobert Hilchenbach, Intendant des Theater Hagen: 

„Ich möchte Theaterbesucher inspirieren, nicht provozieren“

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Nobert Hilchenbach, Intendant des Theater Hagen © Theater Hagen

Nobert Hilchenbach, Intendant des Theater Hagen © Theater Hagen

Das Theater Hagen feiert den 100. Geburtstag. Ein guter Grund für IOCO mit Nobert Hilchenbach, seit 2007 Intendant des Hauses, über sein Theater, seine  Besessenheit und Zwänge des Theateralltags in Hagen zu sprechen.

IOCO:  Herr Hilchenbach, Ihr Theater Hagen feiert den 100. Geburtstag. Ihre 5. Spielzeit in Hagen beginnt.  Wie geht es Ihnen?

Hilchenbach:  Mit geht es sehr gut in Hagen. Der Zuspruch der Bevölkerung zum Theater Hagen wächst stetig. Meine 280 Mitarbeiter am Hauses produzieren großartiges Theater. Finanziell müssen wir kämpfen, wie viele andere Theater. Aber wir tun das sehr erfolgreich, und ich bin stolz, zum geschichtsträchtigen 100. Geburtstag, Intendant dieses Hauses zu sein.

IOCO: Der Zuspruch wächst stetig, sagen Sie. Wie drückt sich der Zuspruch aus,  wie stellt er sich in Zahlen dar?

Hilchenbach: Obwohl die Bevölkerungszahl in Hagen sinkt, steigern wir die Besucherzahl am Theater Hagen stetig. Nicht spektakulär, aber merklich: In den letzten drei Jahren von 168.000 auf 175.000. Die Auslastung des Theater Hagen liegt insgesamt bei über 75%. Hauptsächlich bei Musical und Operette erreichen wir Auslastungen von 90% und mehr. 450 Veranstaltungen produzieren wir pro Spielzeit. Und wir haben, was uns sehr freut, stabil über 6.500 Abonnenten. Diese Zahlen und die durchweg positive Resonanz in der Kritik sind  meinen Mitarbeitern und mir Zuspruch und Bestätigung,  dass das  Theater Hagen insgesamt auf einem guten Weg ist.

IOCO:  Mit welchen Inhalten gewinnen Sie diesen Zuspruch?  Welche Zielgruppe sprechen Sie  bevorzugt an?

Hilchenbach:  Das Theater Hagen ist ein regional und darüber hinaus bedeutendes Theater, an das ein breites Publikum – und wir natürlich auch – hohe künstlerische Anforderungen stellt.  Dabei möchten wir heutiges, phantasievolles und sehr spielerisches Theater machen, für viele Gruppen, für die verschiedensten Menschen. Mit Musik- und Tanztheater, Kinder- und Jugendtheater und Konzerten – anregend und aufregend.. Ein wichtiger Schwerpunkt unserer Arbeit ist das moderne (amerikanische) Musiktheater. So haben wir in den letzen Jahren u.a. Werke wie Dead Man Walking, Endstation Sehnsucht, Street Scene oder Gegen die Wand erfolgreich auf die Bühne gebracht. Ein ganz besonderes Augenmerk legen wir – nicht nur in unserem Kinder- und Jugendtheater – auf die Kommunikation mit jungen Menschen. Wir haben einen Kindertheatertag ebenso wie einen Philharmonischen Kindertag  eingeführt. Hunderte von Kindern strömen außerdem zur Schnitzeljagd: Instrumente werden vorgestellt, Künstler vor und hinter der Bühne erklären ihre Aufgaben im Theater. Gemeinsam mit dem Theaterförderverein haben wir die Reihe Jeder Schüler ins Theater ins Leben gerufen. Mehreren tausend Schülern wird damit pro Spielzeit der kostenlose Theaterbesuch ermöglicht. Hinzukommt ein breit gefächertes theaterpädagogisches Programm und natürlich unser Kinder- und Jugendtheater lutz,  das Anfang des Jahres sein 10-jähriges Bestehen und damit eine sehr engagierte und abwechslungsvolle Arbeit feiern konnte. Ganz eindeutig: Kinder und Jugendliche stehen besonders „im Visier“ unseres Hauses.  

IOCO:   Kommen wir zu den leidigen Finanzen, ohne die bekanntlich „nichts los ist“. Wie sind die ökonomischen Zwänge eines Intendanten in Hagen?

Hilchenbach:  Die ökonomischen Zwänge am Theater Hagen sind groß. Im ersten Jahr meiner Intendanz wurden die Zuschüsse um €800.000 oder 6% gekürzt. Bis 2011 sind die Kürzungen weiter, auf €1,5 Mio jährlich oder 11% des Etats 2007 gestiegen. Die Mitarbeiterzahl ist auf 280 gesunken, die Zuschüsse betragen etwa €14 Mio. Selbst erwirtschaftete Einnahmen betragen über €3 Mio, hinzu kommen erhebliche Spenden Hagener Firmen, der Serviceclubs, des Theaterfördervereins und andere. Gerade erst hat die Sparkasse Hagen den Löwenanteil an den Kosten zur Fassadensanierung des Theaters übernommen. Durch strenges, wirtschaftliches Verhalten schaffen wir es so, unseren anspruchsvollen Theaterbetrieb aufrecht zu halten. Darauf sind wir stolz. Ein eingeschränkter Theaterbetrieb wäre eine Katastrophe für uns und die Region,  künstlerisch wie bildungspolitisch und sozial. Diesen Gau gilt es, unter allen Umständen zu vermeiden. So prüfen wir auch, durch größere Selbstständigkeit des Theaters marktwirtschaftliche Optionen besser zu nutzen. Alles fließt…..

IOCO:  Ihre Jugendarbeit ist sehr breit angelegt. Wie passt ihr starkes Jugend- und Kinderbezogenes Programm in die heutige finanzielle Landschaft?

Hilchenbach: Kinder- und Jugendarbeit im Theater Hagen haben eigene Gesetze: In den letzten 20 Jahren hat das Theater Hagen immer mehr soziale und bildungsrelevante Aufgaben übernommen. Trotz der, oder besser, zusätzlich zu den wachsenden finanziellen Zwängen. Grund dafür ist der Versuch des Theater Hagen, gesamtgesellschaftliche Defizite über soziale und pädagogische Projekte zumindest zu mildern. Die Zusammenarbeit mit u.a. Brennpunktschulen, der JVA Iserlohn, den Hagener Berufkollegs, arbeitslosen Jugendlichen, Migranten und vieles mehr sind Ausdruck für die Positionierung des Theater Hagen inmitten des realen Lebens der Stadt Hagen. Durch diese zusätzlichen Aufgaben ist das Theater Hagen nicht nur allabendlich auf der großen Bühne mit seiner Kunst präsent; wir spielen und wirken auch außerhalb unseres Theaters.  Diese erweiterte, gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist heutzutage für viele Theater nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist der Umfang, den  – erst recht angesichts unserer Kapazitäten –  diese Arbeit in Hagen einnimmt. Aber, wir tun dies gern. Diese sozialen Aufgaben inspirieren auch unsere großen Bühnenprojekte.Auf der Einnahmeseite können sie sich natürlich nur bedingt bemerkbar machen.

Theater Hagen / Ein Maskenball / Yanyu Guo (Ulrica), Statisterie © Foto Kühle

Theater Hagen / Ein Maskenball / Yanyu Guo (Ulrica), Statisterie © Foto Kühle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

IOCO:  Kommen wir also zum Künstlerischen: Es ist bekannt, dass Sie gerne am Theater Hagen auch inszenieren. Was inszenieren Sie am Liebsten?

Hilchenbach: An einem mittlerenTheater wie dem Theater Hagen muss jeder Mitarbeiter Multitalent sein. Sänger, Tänzer, Choristen: Alle werden in den verschiedensten Rollen und Partien eingesetzt. Dass ich in Hagen inszeniere, hat ebenso mit meinen künstlerischen Neigungen wie mit ökonomischer Notwendigkeit zu tun: wenn der Intendant selbst inszeniert, muss er keinen Gastregisseur bezahlen. Aber ich tue das mehr als gerne und finde in der Inszenierungsarbeit große künstlerische Erfüllung. Was ich am liebsten inszeniere? Immer das Stück, bei dem ich aktuell Regie führe und das ist zur Zeit das Märchen zur Weihnachtszeit. Rotkäppchen wird am 27.11.2011 seine Premiere haben. Keine alte Märchenbetulichkeit und Kindertümelei, sondern alte Märchen in heutigen Fassungen mit zeitgemäßer Musik locken in jeder Spielzeit 30.000 Kinder ins Theater Hagen. Diese Arbeit für Kinder ist mir sehr wichtig, wenngleich   ich natürlich Werke des Musiktheaters, wie den kommenden Don Giovanni, Premiere am 5. Mai 2012,  nicht weniger gerne inszeniere. Und ich wünsche mir, dass die Don Giovanni-Produktion bei den „Großen“ ähnlichen Besucherandrang und  Begeisterungsstürme auslöst wie unsere Märchen zur Weihnachtszeit bei den „Kleinen“.

IOCO:  Letzte Frage: Der 100. Geburtstag des Theater Hagen wird  im Oktober 2011 gefeiert. Was haben Sie vor im Oktober 2011, in diesem Jubiläumsjahr 2011/12?

Hilchenbach: Viel, sehr viel. So viel, dass es sich hier gar nicht aufzählen lässt. Eine heiße Phase gibt es mit der Festwoche vom 5. – 9. Oktober 2011 und zahlreichen Aktivitäten: Am 5. Oktober, 11 Uhr: Der große  Festakt im Großen Haus. In der Folgezeit der Festwoche ein Sondergastspiel der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, Loriots Ring an einem Abend, ein Internationales Oktoberfest, die 4. Internationale AIDS-TanzGala, die erste Hagener Theaternacht , ein Theaterfestzelt und vieles mehr. Für die kommende Spielzeit haben wir im Theater und im Konzert ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt mit La Bohème, Don Giovanni, Hänsel und Gretel, Fledermaus, Barbier von Sevilla, Rocky Horror…..Zu lang, zu viel alles aufzuführen. Schreiben Sie nicht nur darüber,  kommen Sie einfach.

IOCO:  Herr Hilchenbach, wir wünschen Ihnen, Ihren Mitarbeitern, Ihrem Theater Hagen eine spannende Festwoche, weitere so großartige Kunst wie Ihren Maskenball, viel öffentlichen Zuspruch und großmütige Stadtväter. Danke für das Gespräch.

IOCO / Viktor Jarosch / 25.9.2011

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