Verona, Arena di Verona, 97. Opernfestival: 21.06. – 07.09.2019, IOCO Aktuell, 23.03.2019

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Arena di Verona

Verona / Arena di Verona Vorplatz © IOCO

Verona / Arena di Verona Vorplatz © IOCO

97. OPERNFESTIVAL 2019 – Arena di Verona

 La Traviata, Aida, Il Trovatore, Carmen, Tosca

Das 97. Opernfestival in der Arena di Verona beginnt am 21. Juni 2019 mit La Traviata von Giuseppe Verdi, eine neue Inszenierung des legendären Franco Zeffirelli,*1923. Die Festspiele dauern bis 7. September 2019. An 51 Abenden werden in der „Tradition der Arena“ klassische Opern für das spektakuläre römische Amphitheater inszeniert. Große Stars der Opernbühne geben hier gerne ihr Stelldichein. Über 600.000 Besucher werden das 97. Opernfestival 2019 in der Arena di Verona erneut zum größten Opernereignis der Welt  machen. Fünf Opern stehen 2019 auf dem Spielplan:  La Traviata, Aida, Il Trovatore, Carmen, Tosca. 

Geschichtliches: Seit 1913, dem 100. Geburtsjahr von Giuseppe Verdi, populärster aller Opernkomponisten und sensibler Menschenfreund, finden in der antiken Arena di Verona die über zwei Monate dauernden Opernfestspiele statt. Stimm- und Lebensfreude sind die besonderen Merkmale dieses Opernfestivals. Verona feiert dies Festival im humanen Geiste Giuseppe Verdis, „lebendig, mitten im Volk“.

AIDA 2018 in der Arena – Triumphmarsch
youtube Trailer der Arena di Verona
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Julia Statue im Casa di Giulietta in Verona © IOCO

Julia Statue im Casa di Giulietta in Verona © IOCO

Die Arena di Verona wurde 30 n.Chr. erbaut. Von einem Erdbeben im Jahr 1117 schwer zerstört sind die Umfänge heute 138 x 109 Meter. 45 Stufenränge mit 45 Zentimeter Höhe und Tiefe bieten 22.000 Besuchern Platz. Die Arena di Verona – nach dem Kolosseum in Rom und der Arena von Capua – das drittgrößte der erhaltenen antiken Amphitheater. Wo 1278 die letzten gegen die Inquisition kämpfenden Katharer hingerichtet wurden, wo früher Gladiatoren mit Löwen kämpften schwelgen heute lebensfrohe Musikliebhaber.

97. OPERNFESTIVAL 2019  – ARENA DI VERONA

Drei intensive Monate, 5 Operntitel, drei Sonderevents, 51 Aufführungen, 80 Solisten aus aller Welt, darunter Alessandra Kurzak, welche als Violetta Valéry neben Leo Nucci als Giorgio Germont in Traviata zur Festivaleröffnung am 21.6.2019 singen wird; aber auch Anna Netrebko (Leonore in Trovatore 29.6., 4.7.; 7.7.2019), Jusif Eyvazov, Plácido Domingo, neben dem Event am 4.8.2019, siehe folgender Absatz, auch als Giorgio Germont in Traviata, 1.8.), Lisette Oropesa, Leo Nucci, Vittorio Grigolo, Aleksandra Kurzak, Saioa Hernández, Erwin Schrott, Hui He, Dmitry Belosselskiy, Tamara Wilson (u.a. als AIDA), Luca Salsi, Maria José Siri (u.a. als AIDA), Pavel Petrov, Amartuvshin Enkhbat (u.a. als Amonasro), singen zusammen mit bekannten Nebenstimmen in La Traviata, Aida, Il Trovatore, Carmen, Tosca.

Mit dem Sonderevent Plácido Domingo 50 Arena Anniversary Night am 4.8.2019 werden fünfzig Jahre künstlerische Tätigkeit seit dem Erstauftritt in der Arena von Placido Domingo gefeiert, einer wahren Legende in der internationalen Opernwelt. Die Ballettveranstaltung Roberto Bolle and Friends wird an zwei Abenden im Zeichen des Weltballetts über die Bühne gehen. Am dritten Eventabend tritt die symphonische Musik auf die Bühne der Arena mit Carl Orffs Carmina Burana.

Ikonen des Operngesangs und junge aufstrebende Talente: die Arena als Würdigung und Anerkennung von grossen Opernstars und Debütrampe für neue Talente im berühmtesten und grössten Freilichttheater der Welt. Folgende Dirigenten werden zu den fünf Produktionen am Pult stehen:

–  Daniel Oren, Andrea Battistoni und Marco Armiliato am Pult von La Traviata
–  Francesco Ivan Ciampa und Daniel Oren dirigieren Aida
–  Daniel Oren dirigiert Carmen
–  Piergiorgio Morandi dirigiert Il Trovatore
–  Daniel Oren dirigiert Tosca

In der Besetzung wechseln sich grosse internationale Opernstars, bekannte Namen auf den prestigereichsten Weltbühnen und bestmögliche Kenner der vielschichtigen Realität der Arena mit jungen aufstrebenden Sängern ab, in deren Curriculum ein Auftritt auf der gefürchteten, aber von allen erträumten Bühne der Arena nicht fehlen darf.

Arena di Verona / Stimmungsbild zur Pause in der Arena di Verona © IOCO

Arena di Verona / Stimmungsbild zur Pause in der Arena di Verona © IOCO

Die Besetzung ist auch ein Abbild der globalen Verbreitung der Oper, die nicht mehr nur eine Charakteristik der westlichen Kultur darstellt, sonden auch zur Leidenschaft in vielen aufsteigenden Ländern wie Russland und China geworden ist, die unter den Zuschauern in der Arena bestens vertreten sind, denn die Künstler und das Publikum sind stark international geprägt.

Das 97. Opernfestival beginnt am 21. Juni 2019 mit einer neuen, von Franco Zeffirelli geschaffenen Inszenierung von Verdis La Traviata, bestmögliche Synthese seiner jahrelangen Reflexionen über die beliebte Thematik; auf der Bühne der polnische Sopran Aleksandra Kurzak, eine grossartige Sängerin, die von den berühmtesten Opernhäusern in aller Welt gerufen wird und auch ausgezeichnete Musikerin ist; dann die Amerikanerin Lisette Oropesa, Publikumsliebling beim letzten Rossini-Festival in Pesaro, die Kroatin Lana Kos, die der Bühne der Arena besonders verbunden ist, wo sie im Jahr 2011 in Hugo de Anas La Traviata ihr Debüt gefeiert hat und die dann auch in der Carmen singt und die Russin Irina Lungu, die bereits beim Veroneser Publikum grossen Beifall geerntet hat: ein Quartett von grossartigen Stimmen und stattlicher Bühnenpräsenz für eine Bühne, auf der die “Nouvelle Vague” der Opernwelt am besten zur Geltung kommt, denn sie legt besonderen Wert auf die Schauspielkunst und steht so der filmtechnischen Vorstellung sehr nahe.

 La Traviata in der Arena di Verona

Summa  der ästhetischen Auffassung der Legende Franco Zeffirelli

Zwei lang gehegte  Liebschaften, die endlich zusammenkommen:  La Traviata und die Arena von Verona. La Traviata ist mit Sicherheit eine der von Zeffirelli in seiner langen Karriere als Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner am häufigsten dargestellten Opern; 1958 hatte er diese Oper in Dallas in der Besetzung von Maria Callas inszeniert und sich als junger aufstrebender Regisseur mit seinem künstlerischen Vorbild Visconti gemessen, der die Oper kurz vorher in der berühmten Gestaltung an der Mailänder Scala dargestellt hatte;  bekannt sind auch seine engen Beziehungen  zu Verona, mit seinem persönlichen Touch beim Restyling der Piazza Bra, insbesondere aber mit der Arena, in deren immensen und feierlichen Weite  er unvergessliche Operninszenierungen von  Carmen, Aida, Il Trovatore, Turandot, Madama Butterfly, Don Giovanni kreiert hat und für die diesjährige Opernsaison endlich die allseits erwartete Traviata.  Die Erwartungen sind riesig, nicht nur weil der Artist mit diesem Werk in der Opernwelt einen Meilenstein gesetzt hat, man denke nur an die Verfilmung von  Traviata aus dem Jahr  1983,  die die Chronik  der Oper auf der Leinwand stark geprägt hat, sondern auch weil alle Traviate von Zeffirelli das Publikum in aller Welt immer bezaubert haben, in seinen ständigen, ästhetisch untadeligen und emotionell faszinierenden Neuauslegungen des populären Dramas von Giuseppe Verdi. Nun kommt endlich “seine” Traviata  in die Arena und diese Inszenierung wird wirklich zum Höhepunkt seiner fortwährenden, sachkundigen Auslegung des Texts, die den Artisten  sein ganzes Leben begleitet hat.

Also eine neue  Traviata, die gleichzeitig zur Chronik einer langen Ideenkette von Bildern, Farbnuancen und Anregungen wird, die sich in den Augen und Herzen der Opernfans aus aller Welt eingenistet haben, unter Zitaten, Sinnesänderungen, Erinnerungen an frühere Gestaltungen, als handle es sich um eine Enzyklopädie der stilistischen  ?berlegungen  Zeffirellis rund um das heissgeliebte Thema. Man könnte also diese Traviata in der Arena als allerletzte Zusammenfassung eines wagnerianischen Leitmotivs  bezeichnen, das ewig in der Schwebe war  und nun im Juni 2019 vollendet wird.

Desto mehr wenn es sich um eine bedeutende Produktion handelt, insbesondere in den Augen der jüngeren Generationen, die die grossartigen Inszenierungen Zeffirellis aus der Vergangenheit nicht persönlich erlebt haben und ein Fresko vorfinden werden, das das Florilegium einer auserlesenen, von Erfahrungen geprägten Ideenkette darstellt, hochstilisierte ?berlegungen und gleichzeitig auch ein historisches und ästhetisches Dokument.

In Zeffirellis, La Traviata folgender, ebenso zauberhaftem Il Trovatore wird nach den drei beinahe ausverkauften Vorführungen auch Anna Netrebko und die wunderschöne Stimme der Italienierin Anna Pirozzi zu hören sein, “ein wunderschöner dramatischer Koloratursopran”. Männlicher Hauptdarsteller in einigen Vorstellungen ist  Ehemann Jusif Eyvazov, der aserbaidschanische Tenor, der gemeinsam mit Ehefrau Anna Netrebko auftritt.

Anlässlich der Première der Carmen werden die bildschöne Uzbekin Ksenia Dudnikova und die junge und talentierte Spanierin Ruth Iniesta in den Hauptrollen singen, die letztere ist auch in der Besetzung der Carmina Burana.

Arena di Verona / Festspiele 2018 hier Nabucco © Ennevi

Arena di Verona / Festspiele 2018 hier Nabucco © Ennevi

Die nächste grossartige Première findet am 22. Juni 2019 mit Verdis Aida statt, mit der wundervollen Regie von Regisseur Gianfranco de Bosio, die er 1982 gestaltet hat in Anlehnung an die Originalinszenierung der von Ettore Fagiuoli 1913 kreierten ersten Aida in der Arena; die diesjährige Aida wird aber mit einigen interessanten Neuheiten aufwarten. In der Besetzung der historischen Aida sind auch Anna Pirozzi, die Amerikanerin Tamara Wilson,wahre Kraft der Natur”, die faszinierende Spanierin Saioa Hernandez, deren künstlerische Persönlichkeit bereits im Attila an der Scala geschätzt wurde, die Chinesin Hui He, Publikumsliebling in der Arena, die sich auch in der Tosca mit Saioa Hernandez abwechseln wird, und die in Italien und weltweit beliebte hübsche Georgierin Svetlana Kasyan: fünf bemerkenswerte Stimmen und Darstellerinnen, die sich im Rahmen der zeitlosen Inszenierung durchsetzen und die Erwartungen des immensen Publikums sicher nicht enttäuschen werden. Primaballerina Petra Conti, Principal Dancer des Los Angeles Ballet.

Beachtenswerte Darsteller mit grossartigen Stimmen und Schauspielertalent sind der junge Weissrusse Pavel Petrov, in der Rolle des Alfredo anlässlich der Erstaufführung von La Traviata, der temperamentvolle und rollenübergreifende Starsänger am New Yorker Metropolitan Vittorio Grigolo, der auch anlässlich der Oscarverleihung aufgetreten ist und der amerikanische Tenor Stephen Costello, der auf den bekanntesten Bühnen in aller Welt auftritt. In der historischen Inszenierung der Aida singt desweiteren Murat Karahan, der sich in der Arena seit seinem Debüt behauptet hat, Erwin Schrott in Carmen, ein vielseitiger Künstler, Luca Salsi, in Il Trovatore und der Bariton “par excellence” Leo Nucci.

Madame Butterfly 2014 in der Arena
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Eine faszinierende Besetzung mit den bekanntesten Namen der internationalen Opernwelt, die die Erwartungen der Opernfans erfüllen und beim neuen Publikum Interesse für die Oper erwecken werden, denn dies ist die Berufung der Arena seit der ersten Opernaufführung am 10. August 1913 mit Aida, der Symboloper des Festivals in der Arena.

Das weltweit grösste Opernschauspiel kann beginnen auch dank der allseits anerkannten Professionalität der künstlerischen Ensembles und der technischen Mitarbeiter der Stiftung Arena di Verona mit ihren zahlreichen Statisten und Mimen. Das Statement des Bürgermeisters von Verona und Vorsitzenden der Stiftung Arena, Federico Sboarina:

“Es ist mir eine grosse Ehre, die diesjährige Opernsaison vorstellen zu dürfen, die zweite nach der Wende, die wir mit Tatkraft und Beharrlichkeit herbeigeführt haben. Verona kann sich zweier Prachtstücke rühmen, der Stiftung Arena, die in den Sommermonaten ihr ruhmreiches Festival veranstaltet und die Arena, das Symbol der Stadt, aber auch die grö?te weltweit bekannte Freilichtbühne. Die besonderen akustischen Merkmale des Amphitheaters und die Professionalität der Stiftung Arena bilden zusammen eine Einzigartigkeit, die das Image von Verona und das Echo qualitativer Musik in aller Welt ausstrahlt. Deshalb geht mein Dank an die Oberintendantin und an den gesamten richtungsweisenden Rat für die einwandfreien Leistungen, das Ergebnis einer unermüdlichen Leidenschaft und anerkannten Fähigkeit. Ein Dankeschön auch an alle Artisten der Besetzung und an unsere Mitarbeiter, der Seele jedes Festivals”.

Cecilia Gasdia, Oberintendantin und künstlerische Leiterin der Stiftung Arena, bringt ihre persönliche Befriedigung über das Angebot des 97. Opernfestivals 2019 zum Ausdruck: “Bangen, Freude aber auch Herzklopfen überwältigen mich beim Herannahen des einladenden Gongschlags mit dem unser Amphitheater, wie jeden Sommer seit über einhundert Jahren, der Opernwelt anvertraut und gewidmet wird. In der diesjährigen Veranstaltung treten auf der Bühne der Arena berühmte internationale Artisten auf neben vielversprechenden Nachwuchstalenten bei ihrem Debüt. Ein von bedeutenden Bestätigungen, allseits erwarteten Erstauftritten und freudiger Rückkehr auf die Bühne der Arena geprägtes Festival mit einer Spitzenbesetzung”.

—| IOCO Aktuell Fondazione Arena di Verona |—

Lüttich, Opéra Royal de Wallonie-Liège, AIDA – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 02.03.2019

Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège.

Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège

AIDA – Giuseppe Verdi

 150.000 Goldfranken „überzeugten“ Verdi,  dies große Werk  zu schaffen

von Ingo Hamacher

Mehrfach war er vom regierenden Khediven Ismail Pascha gebeten worden, eine Oper „in ausschließlich ägyptischem Stil“ zu schreiben, aber Verdi hatte immer abgelehnt. Eine Repräsentations- und Prunkoper im Stil einer Grand Opéra mit Massenszenen, Balletteinlage und einem Konflikt zwischen Pflichterfüllung und Leidenschaft, den klassischen Zutaten der Pariser Oper in dieser Zeit, interessierten ihn nicht mehr.

AIDA  –  Giuseppe Verdi
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Nach Don Carlo, dessen ursprüngliche Fassung für Paris und auf Französisch komponiert wurde, wollte er nur noch seine Muttersprache vertonen. Verdi interessierte  Erzählungen menschlicher Konflikte; wollte Opern über Schicksale und Charaktere schreiben.

Erst, als ihm der in Kairo lebende französische Ägyptologe Auguste Mariette, Begründer der Denkmalpflege in Ägypten und des Ägyptischen Museums in Kairo, sein Libretto über eine im Alten Ägypten spielende Oper namens AIDA zuspielen ließ, erwachte Verdis Interesse. Möglicherweise hat auch der Hinweis geholfen, dass das Projekt alternativ an Richard Wagner oder Charles Gounod übergeben würde, falls Verdi nicht zusagen würde. Verdi forderte und bekam für die Komposition 150.000 Goldfranken; das bis dahin höchste Honorar für einen Komponisten. Die Uraufführung von AIDA fand am  24. Dezember 1871 statt, im Khedivial-Opernhaus in Kairo. Die Handlung spielt in  Memphis und Theben zur Zeit der Herrschaft der Pharaonen.

AIDA in Lüttich  –  So hätte wohl auch Verdi AIDA gewollt

Für das Bühnenorchester beim Triumphmarsch wurden von Verdi eigene Trompeten, die sogenannten AIDA-Trompeten, als Sonderanfertigung in Auftrag gegeben. Die Handlung ist nicht historisch, sondern fiktiv und berichtet von menschlichen Konflikten, die in vielen Opern Verdis das Wichtigste sind, immer ohne Happy End. Die Wirkung der Oper steht und fällt mit der ägyptischen bzw. ägyptisierenden Ausstattung; dies war so von Beginn an von Mariette und Verdi konzipiert.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA - hier : Elaine Alvarez als AIDA © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA – hier : Elaine Alvarez als AIDA © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Historische Genauigkeit der Handlung war nicht angestrebt, dagegen aber sehr wohl historische Genauigkeit in der Ausstattung. Auch die Musik sollte ägyptisch klingen, aber u?ber den Originalklang war nichts in Erfahrung zu bringen. Das die liturgischen Gesänge des Stückes als mit der Zeit der Oper stimmig erlebt werden, liegt an der Harfenbegleitung, der Chromatik der Melodik und dem monodischen und antiphonischen Gesang der Priester in der Art des Kirchengesangs von Palaestrina.

Die Tänze sind im ‚alla Turca’-Stil geschrieben, den z.B. auch Mozart für die Andeutung von „Orient“ benutzte. Besonders „ägyptisch“ klingt das Vorspiel zum dritten Akt, das eine tropische Sommernacht beschreibt. Zirpende Violinen; Flöten imitieren Vogelstimmen. Mit dem Triumphmarsch in seiner Oper Aida schuf Verdi einen der berühmtesten Märsche der Musikgeschichte und ein vor Trompeten-Fanfaren nur so strotzendes Stück opulenter Bühnenmusik.

Aber Aida endet nicht mit einem bombastischen fortissimo Finale, sondern verhaucht in einem vierfachen pianissimo. Spätere Theater verschoben den Schwerpunkt von der von Verdi komponierten Tragödie von Individuen zu einer pompösen Ägypten-Revue. Aida gehört zu den erfolgreichsten großen Opern des 19. Jahrhunderts.

Stefano Mazzonis di Pralafera, Intendant der Lütticher Opéra Royal de Wallonie-Liège und Regisseur der Produktion, greift Verdis ursprüngliche Idee eines ägyptischen Seelendramas wieder auf und inszeniert das Stück als Kammerspiel. Die Bühne gehört den leisen Tönen; den Beziehungen; den Emotionen. Es braucht nicht viel, um eine AIDA glaubhaft auf die Bühne zu bringen. Man muss es nur richtig machen. Stefano Mazzonis di Pralafera und sein Team haben alles richtig gemacht.

Am Pult: Speranza Scappucci, eine 45-jährige italienische Dirigentin und Pianistin, die nach internationaler Tätigkeit im September 2017 Paolo Arrivabendi als Chefdirigent der Opéra Royal de Wallonie abgelöst hat. Scappucci spürt in ihrem Dirigat die Feinheiten der Partitur auf und lässt den Abend mit zart geführter Hand zu einem musikalischen Erlebnis werden.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA - hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA – hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

1. Akt

In einem schlichten, dunklen, von einer großen zentralen goldenen Horus-Statue dominierten Bühnenbild (Bühne: Jean-Guy Lecat) führt uns das Produktionsteam (Kostüme: Fernand Ruiz; Licht: Franco Marri; Choreographie: Michèle Anne De Mey; Chor: Pierre Iodice) in eine antikisierende Welt.

Zur von Radames als Kavantine gesungene Romanze „Celeste Aida“ (Himmlische Aida) erscheint Aida in einer stummen Partie auf der Bühne, so dass der Tenor die Arie nicht wie üblich in den Zuschauerraum brüllt, sondern seiner Geliebten zärtlich zuflüstern kann.

RADAMÈS: Gianluca Terranova: Der 48-jährige Römer ist international gefragten Tenor, der durch seine Leichtigkeit in der Höhe und durch große Bühnenpräsenz besticht.

Aida, Tochter des äthiopischen Königs, muss als Sklavin am ägyptischen Hof leben. Sie ist unsterblich in Radames verliebt. AIDA: Elaine Alvarez Die aus Kuba stammende international tätige US-amerikanische Sopranistin wird in dieser Spielzeit in Lüttich noch einmal, und zwar in der Titelrolle von Anna Bolena zu hören sein. Als Ägypten von den feindlichen Äthiopiern überfallen wird, wird Radames zum Heeresführer gegen die Äthiopier bestimmt. Er freut sich auf diese Aufgabe, hofft er doch, nach einem erfolgreichen Feldzug Aida heiraten zu können.

Amneris, die Tochter des Pharao, liebt den Feldherrn Radames ebenfalls und wirbt um seine Gunst. AMNERIS: Nino Surguladze: Die 41-jährige georgische Mezzosopranistin, Preisträgerin zahlreicher internationaler Wettbewerbe, ist stimmschön sowohl weltweit, als auch häufig in Deutschland zu erleben.

Radames rückt nach einer feierlichen Zeremonie mit den Truppen aus. Aida leidet an ihrer Ambivalenz zwischen der Liebe zu ihrer Heimat und zu Radames.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA - hier : Luca Dall'Amico als Ramfis, Nina Surguladze als Amneris, Luciano Montanaro als aegyptischer Koenig © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA – hier : Luca Dall’Amico als Ramfis, Nina Surguladze als Amneris, Luciano Montanaro als aegyptischer Koenig © Opéra Royal de Wallonie-Liège

2. Akt

Die säulenartigen Mauertürme, die die Bühne bisher strukturiert haben, werden bei offenem Vorhang um 180 Grad gedreht, und fügen sich nun zu einem farbenprächtigen, reich ausgestatteten Palastinneren. Das Heer der Ägypter konnte gegen die Äthiopier siegen. Amneris entlockt Aida ihr Liebesgeheimnis, indem sie ihr erzählt, Radames sei in der Schlacht umgekommen. An Aidas emotionalen Reaktion erkennt Amneris ihre Rivalin. Sie befiehlt ihr, sie als Sklavin zum geplanten Triumphfest zu begleiten.

Ein Teil des Bühnenbodens wird in die Höhe gefahren, so daß auf der Unterbühne der große Chor sichtbar wird, bereit für den Triumphmarsch. So dezent das Orchester der Opéra Royal de Wallonie-Liège bisher auch geführt wurde: Hier gibt es zusammen mit dem großen Chor des Hauses alles!

Bei stark zurückhaltendem Bühnengeschehen (Soldaten und tierköpfige ägyptische Gottheiten ziehen nacheinander an der Chorempore vorbei) wird der Triumphmarsch vor allem ein musikalisches Erlebnis. Der ägyptische König, gesungen von Luciano Montanaro, einem italienischen Bass, der ebenfalls in dieser Spielzeit in Anna Bolena zu erleben sein wird, nimmt seine siegreichen Soldaten feierlich in Empfang. Auf seinen Befehl hin werden die Gefangenen vorgeführt. Unter ihnen ist der äthiopische König, Aidas Vater, Amonasro.

AMONASRO: Lionel Lhote: Der belgische Bariton unterrichtet neben seinen internationalen Gesangsauftritten seit September 2015 an dem Königlichen Konservatorium in Brüssel. Als Lohn für seinen erfolgreichen Feldzug soll Radames auf Wunsch des Königs dessen Tochter Amneris heiraten und nach dessen Tod selbst König von Ägypten werden; er selbst bittet jedoch erst einmal um die Freilassung der Gefangenen.

3. Akt

Grüne Pflanzenspaliere verweisen auf einen neuen Handlungsort. Aida wartet in der Nacht heimlich an Nilufer auf Radames. Doch vorher erscheint Aidas Vater, Amonasro: Er möchte seine Tochter dazu bewegen, Radames das Geheimnis zu entlocken, auf welchem Weg eine Flucht gelingen würde. Aida ist im Zwiespalt. Radames erscheint und Amonasro versteckt sich. Aida erfragt die Möglickkeit einer gemeinsamen Flucht; Radames nennt die Napataschlucht.

Triumphierend tritt Amonasro nun aus dem Hintergrund hervor und offenbart seine wahre Identität als äthiopischer König. Radames erkennt, dass er ungewollt sein Vaterland verraten und sich dadurch entehrt hat. Amneris, die die Szene belauschte, tritt hervor und bezichtigt Radames des Verrats. Amonasro und Aida fliehen, Radames lässt sich ohne Widerstand festnehmen.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA - hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA – hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

4. Akt

Amneris ist verzweifelt und fühlt sich zwischen Wut und Liebe hin- und hergerissen. Sie möchte Radames retten und lässt ihn vorführen. Sie versucht ihn vergeblich zu überreden, sich vor Gericht zu verteidigen, um sein Leben zu retten. Radames geht davon aus, Amneris habe Aida getötet, weshalb er den Tod wählt. Erneut hebt sich der Bühnenboden und gibt den Blick auf das unterirdische Gefängnis frei. Man hört die Anklage der Priester; Radames jedoch schweigt. Er wird dazu verurteilt, in den Räumen unter dem Altar der Göttin lebendig begraben zu werden. Während Radames in seine Todeszelle hinab steigt, vernimmt er einen Seufzen.

Er sieht einen Schatten und erkennt Aida, die sich bei Tagesanbruch in die Krypta geschlichen hat, um mit ihm zu sterben. Gemeinsam nehmen die beiden Geliebten gelassen und verklärt Abschied von der Welt und versinken im Bühenboden.

In den weiteren Rollen:
RAMFIS, Oberpriester: Luca Dall’Amico, ein vielversprechender junger italienischer Bass, der an allen großen Häusern singt.

OBERPRISTERIN, Sopran: Tineke Van Ingelgem?Die Belgierin ist bekannt für ihr schauspielerisches Talent kombiniert mit einer hellen und kräftigen Stimme. Eine perfekte Besetzung für starke Frauenrollen.???BOTE: Maxime Melnik, geb. 1994, ist ein junger belgischer Tenor aus Charleroi.

Verdienter und lange anhaltender Applaus, rythmisches Klatschen, Jubel für die Solisten, ‚Ooohs‘ und ‚Aaahs‘ für die musikalische Leitung und Ovationen für das Produktionsteam beenden den erfolgreichen Abend.   So hätte Verdi es gewollt!

AIDA  im  Opéra Royal de Wallonie-Liège; die  weiteren Termine 03.03. (15:00); 05.03.; 07.03.; 09.03.; 10.03. (15:00); 12.03.; 14.03.2019

—| IOCO Kritik Opéra Royal de Wallonie-Liège |—

Dortmund, Theater Dortmund, Aida – Giuseppe Verdi, 05.10.2018

September 13, 2018 by  
Filed under Oper, Premieren, Pressemeldung, Theater Dortmund

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Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

 AIDA von Giuseppe Verdi

 Eröffnung Spielzeit 2018/19 –  Freitag, 5. Oktober 2018

Die erste Premiere unter dem neuen Dortmunder Opernintendant Heribert Germeshausen findet am Freitag, 5. Oktober 2018, um 19.30 Uhr  im Opernhaus statt. Unter der Regie von Jacopo Spirei und der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz wird AIDA von Giuseppe Verdi zu sehen sein. Erstmalig in Dortmund werden Kelebogile Besong als Aida, Hyona Kim als Amneris, Hector Sandoval als Radamès und Mandla Mndebele als Amonasro zu sehen sein.

Oper Dortmund / Aida - Kelebogile Besong © Björn Hickmann.

Oper Dortmund / Aida – Kelebogile Besong © Björn Hickmann.

Um das belagerte Ägypten zu befreien, wird der junge Hauptmann Radamès zum Oberbefehlshaber im Kampf gegen die Äthiopier ernannt. Er hofft, nach siegreicher Rückkehr die äthiopische Sklavin Aida heiraten zu können. Doch Radamès ist nicht der Einzige, der liebt: Amneris, die Tochter seines Königs Ramfis, hat selbst ein Auge auf ihn geworfen. Aida kämpft währenddessen mit schweren Schuldgefühlen: Einerseits liebt sie Radamès, andererseits fühlt sie sich ihrem Vater, dem äthiopischen König Amonasro, sowie ihrer Heimat verpflichtet. Radamès erscheint als umjubelter Held und kann die Freilassung der Gefangenen erwirken. Doch Aida bleibt mit ihrem Vater als Geisel zurück, während der Geliebte Amneris zur Frau bekommt. Amonasro überredet seine Tochter, Radamès den geheimen Kriegsplan zu entlocken, um doch noch den vernichtenden Gegenschlag ausführen zu können. Die List geht auf, aber das unglückliche Liebespaar wird von Wachen überrascht. Man klagt Radamès des Hochverrats an und verurteilt ihn zum Tode.

Oper Dortmund / Aida - Hector Sandoval © Björn Hickmann.

Oper Dortmund / Aida – Hector Sandoval © Björn Hickmann.

Für Regisseur Jacopo Spirei ist Oper kein elitärer Luxus, sondern menschliche Notwendigkeit. Dabei geht es ihm um die tiefen emotionalen Schichten, die zeitloses Musiktheater immer wieder aufs Neue im Zuschauer wecken können. Spirei sieht in AIDA durchaus märchenhafte Elemente, fokussiert sich aber dennoch auf die tiefe Verwurzelung in der modernen Welt und wählt für seinen Regieansatz einen Mittelweg. So kreiert er zwar eine abstrakte Welt, in der es jedoch starke Bezüge in die heutige Welt gibt. In der Tempelszene wird beispielsweise eine politische Welt gezeigt, die unter einem starken religiösen Einfluss steht. Der Bezug auf unsere heutige Welt ist dabei offensichtlich: Viele Politiker benutzen zum Beispiel die Bibel als politisches Werkzeug, wie kürzlich in Italien geschehen. Die aktuelle italienische Regierung spricht zwar viel über Religion und die Bibel, lässt aber im gleichen Atemzug die Menschen im Mittelmeer ertrinken. Damit erhält Verdis AIDA einen erschreckenden Zeitbezug. Wir erleben ein persönliches Drama, das den Konflikt einer individuellen Tragödie vor meinem sozialen Hintergrund zeigt.

Oper Dortmund / Aida - Mandla Mnebele © Björn Hickmann.

Oper Dortmund / Aida – Mandla Mnebele © Björn Hickmann.

Karten gibt es an der Tageskasse im Opernhaus, telefonisch unter 0231/50 27 222 oder auf www.theaterdo.de

—| Pressemeldung Theater Dortmund |—

Hagen, Theater Hagen, AIDA – konzertant, 05.07.2018

Juli 2, 2018 by  
Filed under Konzert, Oper, Pressemeldung, Theater Hagen

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Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

„AIDA“– Oper von Giuseppe Verdi
am Donnerstag, 5. Juli 2018, 19.30 Uhr, Theater Hagen (Großes Haus)
Konzertante Aufführung

Zum letzten Mal

Eine letzte Chance gibt es, Giuseppe Verdis Meisterwerk, die Oper „Aida“ (in italienischer Sprache mit deutschen Übertexten), in hochkarätiger Besetzung im Theater Hagen zu erleben: 5. Juli 2018, 19.30 Uhr, Großes Haus.

Theater Hagen / Aida -  Andiswa Makana und Julia Faylenbogen.© Klaus Lefebvre.

Theater Hagen / Aida – Andiswa Makana und Julia Faylenbogen.© Klaus Lefebvre

„Aida“ hat alles, was beim Publikum ankommt: populäre Arien und Duette, effektvolle Chornummern, emotionale Musik und eine dramatische Liebesgeschichte vor dem Hintergrund politischer Ränkespiele. Mit dem Triumphmarsch schuf der italienische Komponist zudem eine der berühmtesten Melodien. – Worum geht’s? Erzählt wird die berührende Geschichte von Aida, der versklavten äthiopischen Königstochter, die sich in den, ihrem Volk gegenüber verfeindeten ägyptischen Feldherrn Radames verliebt hat – und er sich in sie. Dieser soll aber die, ihn ebenfalls liebende Pharaonentochter Amneris zur Frau nehmen. Radames beschließt, mit Aida zu fliehen und gibt mit dem Fluchtplan die Stellung seiner Truppen preis. Als Hochverräter verurteilt, wird er bei lebendigem Leib eingemauert. Er ahnt nicht, dass Aida an seiner Seite ist. So trennt der Bau einer Mauer nicht zwei Menschen, sondern vereint sie im Tod.

Unter der musikalischen Leitung von Rodrigo Tomillo singen und spielen: Andiswa Makana (Aida), Mario Zhang (Radames), Julia Faylenbogen (Amneris), Rainer Zaun (Ramphis), Juan Orozco (Amonasro), Bart Driessen (ägyptischer König), Kisun Kim (Oberpriesterin), Matthew Overmeyer (Bote), Chor und Extrachor des Theaters Hagen, Philharmonisches Orchester Hagen.

—| Pressemeldung Theater Hagen |—

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