Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Rückblick 2018/19 – Ausblick 2019/20, IOCO Aktuell, 06.07.2019

Staatsoper unter den Linden

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Rückblick, Ausblick

91% Auslastung – 45.000 Besucher auf Bebelplatz – BAROCKTAGE Nov 2019

Mit TRISTAN UND ISOLDE, RIGOLETTO und SACRE endete am 30. Juni 2019 die Spielzeit 2018/19 an der Staatsoper Unter den Linden, die mit dem Begriff Furchtlos überschrieben war.

Insgesamt hat die Staatsoper Unter den Linden in der Spielzeit 2018/19 zu rund 290 Veranstaltungen eingeladen, darunter sieben Premieren (davon zwei Uraufführungen) und fünf Premieren im Rahmen von LINDEN 21 (mit drei weiteren Uraufführungen), zu 20 Opernwerken aus dem Repertoire und 90 Konzerten. Insgesamt wurde eine Auslastung von 91% erreicht. Über 235.000 Besucher kamen zu den Veranstaltungen der Staatsoper und Staatskapelle in Berlin. Die ersten BAROCKTAGE zogen in zehn Tagen mehr als 15.000 Gäste aus 46 verschiedenen Ländern an. Zusätzlich erleben bei  STAATSOPER FÜR ALLE, das in diesem Jahr bereits zum 13. Mal stattfand, 45.000 Besucherinnen und Besucher auf dem Bebelplatz die Live-Übertragung von Wagners TRISTAN UND ISOLDE sowie das Open-Air-Konzert der Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim mit Jiyoon Lee als Solistin.

Staatsoper Für Alle – hier 2016 – Auf dem Bebelplatz
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Gastspiele führten Daniel Barenboim und die Staatskapelle Berlin 2018/19 nach Hamburg, Dresden, Paris, Peking und Sydney. Einen Höhepunkt der Spielzeit 2018/19 bildete die Uraufführung von Beat Furrers VIOLETTER SCHNEE mit einem Libretto von  Händl Klaus, ein Auftragswerk der Staatsoper Unter den Linden in der Regie von Claus Guth und unter der musikalischen Leitung von Matthias Pintscher mit Anna Prohaska, Elsa Dreisig, Gyula Orendt, Georg Nigl, Otto Katzameier und Martina Gedeck. Das Herzstück der ersten BAROCKTAGE war die Premiere von Jean-Philippe Rameaus HIPPOLYTE ET ARICIE mit Olafur  Eliasson als Bühnen- und Kostümbildner sowie Lichtgestalter und in der Regie von Aletta Collins. Im Rahmen des Sergej Prokofjew-Schwerpunkts in der Spielzeit 2018/19 war seine Komödie DIE VERLOBUNG IM KLOSTER erstmals seit 1958 wieder an der Berliner Staatsoper zu erleben.

Die Verlobung im Koster – Sergej Prokofjew
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Die FESTTAGE-Premiere wurde inszeniert von Dmitri Tcherniakov und dirigiert von Daniel Barenboim. Jörg Widmanns Oper BABYLON wurde erstmals nach ihrer Münchener Uraufführung 2012 in einer überarbeiteten Fassung aufgeführt (Regie: Andreas Kriegenburg / Musikalische Leitung: Christopher Ward). Zu den weiteren ausverkauften Neuproduktionen zählten Mozarts DIE ZAUBERFLÖTE in der Regie von Yuval Sharon und Bartlett Shers Interpretation von Verdis RIGOLETTO.

MEDEA – Luigi Cherubini
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Die Eröffnungspremiere der Spielzeit 2018/19 war Luigi Cherubinis MEDEA (Trailer oben) in der Regie von Andrea Breth, unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim und mit Sonya Yoncheva, die ihr Rollendebüt in der Titelpartie gab. Die Premiere fand am 7. Oktober statt, da die Staatsoper Unter den Linden am 3. Oktober 2018 Gastgeber für den Festakt zum Tag der Deutschen Einheit war. Neben acht Abonnementkonzerten der Staatskapelle Berlin, eröffneten Daniel Barenboim und die Staatskapelle Berlin in dieser Spielzeit erneut das Musikfest Berlin, diesmal mit Werken von Pierre Boulez und Igor Strawinsky, und spielten das zweite KONZERT FÜR BERLIN bei freiem Eintritt im Opernhaus. Im November 2018 gastierten die Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim mit dem Brahms-Zyklus in Peking im National Centre for the Performing Arts (NCPA) und im Konzertsaal des Sydney Opera House. In Berlin waren die vier Brahms-Sinfonien bei den Abonnementkonzerten III und IV zu erleben.

Die Staatsoper Unter den Linden erreichte in der Saison 2018/19 eine gute aber nicht außergewöhnliche Auslastung von 91%. Zum Vergleich die Auslastungen anderer Theater: Bayerische Staatsoper München 95%,  Komische Oper Berlin 90,5%, Staatsoper Wien 99%, Rheinoper Düsseldorf 73%, Staatsoper Hamburg 75%.

Bei den BAROCKTAGE-Konzerten lag der Schwerpunkt auf Werken von Claudio Monteverdi und Jean-Philippe Rameau. Es traten zahlreiche namhafte Gastensembles und –solisten  auf, darunter die Akademie für Alte Musik, Marc Minkowski mit Les Musiciens du Louvre, Les Talens Lyriques mit Christophe Rousset,  Voces Suaves, Le Concert des Nations und Jordi Savall, Alexandre Tharaud, Christophe Rousset, Dorothee Oberlinger und Dmitry Sinkovsky.

Die Zauberflöte – Wolfgang Amadeus Mozart
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Bei den FESTTAGE-Konzerten waren erneut die Wiener Philharmoniker zu Gast, beim Konzert der Staatskapelle Berlin mit Verdis Quattro pezzi sacri sowie Arien aus Opern für Sopran und Orchester trat Aida Garifullina als Solistin auf. Darüber hinaus gab das Opernkinderorchester unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim und Max Renne im Rahmen der FESTTAGE sein umjubeltes Debütkonzert mit Rolando Villazón und Serena Sáenz als Solisten. Im Rahmen von LINDEN 21 zählten in der Saison 2018/19 die Uraufführungen der Kammeroper USHER mit Musik von Claude Debussy und Annelies Van Parys sowie von HIMMELERDE von Familie Flöz und der Musicbanda Franui zu den stark beachteten Produktionen. Große Erfolge feierten darüber hinaus Claude Viviers KOPERNIKUS und die diesjährige Aufführung des Kinderopernhauses Unter den Linden DIE LIEBE ZU DEN DREI ORANGEN.

Das Kinderopernhaus hat mittlerweile Partner in sechs Berliner Bezirken (Mitte, Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf, Reinickendorf, Treptow-Köpenick, Friedrichshain-Kreuzberg), mit Kinderopernhäusern in Lichtenberg, Marzahn und in der Staatsoper Unter den Linden. Am 27. August 2019 um 19 Uhr findet im Beisein des Intendanten Matthias Schulz und der Stadträtin Katrin Schultze-Berndt die offizielle Eröffnung des vierten Kinderopernhauses, in Reinickendorf, statt. Daneben gibt es seit Beginn der Spielzeit 2018/19 insgesamt zehn Kinderoper-AGs an kooperierenden Grundschulen. Insgesamt werden Hunderte von Kindern aus allen Berliner Bezirken erreicht, die zum Teil erstmals mit der Kunstform Oper in Berührung kommen.

Ausblick Auftakt Saison 2019/20:  Den Auftakt der Spielzeit 2019/20, die mit dem Begriff Schamlos überschrieben ist, bildet das Eröffnungsfest am 31. August mit einem bunten Programm im Haus Unter den Linden, im Intendanzgebäude, im Probenzentrum und auf dem Grünen Bebelplatz direkt neben der Oper. Die erste Vorstellung der neuen Saison ist bereits am 18. August Sasha Waltz’ Inszenierung von Purcells DIDO & AENEAS.

Rheingold – Richard Wagner – Premiere 2010 im Schiller Theater
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Ein Highlight des Repertoires ist im September 2019 die Wiederaufnahme von Wagners  Ring-Zyklus in der Inszenierung von Guy Cassiers und unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim. (IOCO – Anmerkung: Die Vorstellungen 7.9. und 21.9.2019 sind bereits ausverkauft). Die Eröffnungspremiere der Spielzeit ist am 3. Oktober Otto Nicolais DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR in der Regie von David Bösch und unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim. Die erste Neuproduktion im Rahmen von LINDEN 21 ist am 25. Oktober die Uraufführung von LOVE, YOU SON OF A BITCH, eine Musiktheaterperformance von Letizia Renzini mit Musik von Alessandro und Domenico Scarlatti. Vom 1. bis 10. November 2019 findet die zweite Ausgabe der BAROCKTAGE statt, die sich Werken von Alessandro Scarlatti und Henry Purcell widmen. Neben einer Neuproduktion (Scarlattis Oratorium IL PRIMO OMICIDIO, eine Koproduktion mit der Opéra national de Paris und dem Teatro Massimo in Palermo) und zwei Wiederaufnahmen von Opern Purcells auf der großen Bühne umfasst das Programm wieder zahlreiche Konzerte mit namhaften Gästen.

2020 blickt die Staatskapelle Berlin auf ihr bereits 450-jähriges Bestehen zurück. Dieses Jubiläum wird im Kalenderjahr 2020 – über die Spielzeiten 2019/20 sowie 2020/21 hinweg – gefeiert.

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Magdeburg, Theater Magdeburg, Premiere: DIE TOTE STADT, 23.01.2016

Januar 4, 2016 by  
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Theater Magdeburg

Theater Magdeburg © Theater Magdeburg / Hans Ludwig Boehme

Theater Magdeburg © Theater Magdeburg / Hans Ludwig Boehme

  DIE TOTE STADT von Erich Wolfgang Korngold

Libretto von Paul Schott,  In Koproduktion mit der Nederlandse Reisopera

PREMIERE am Samstag 23.01. 2016, 19.30, Weitere Vorstellungen:, Samstag 30. 1. 2016 19.30, Freitag 12. 2. 2016 19.30, Samstag 27. 2. 2016 19.30, Sonntag 3. 4. 2016 16.00, Freitag 15. 4. 2016 19.30

Seit dem Tod seiner Frau Marie lebt Paul völlig zurückgezogen in der erstarrten Stadt Brügge. Er widmet sich ganz dem Andenken der Verstorbenen, bis er die verführerische Tänzerin Marietta kennenlernt. Sie scheint Marie bis aufs Haar zu gleichen. Zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin- und hergerissen, gelingt es Paul immer weniger, beide Frauen auseinanderzuhalten; Realität und Illusion verschwimmen.

Mit Die tote Stadt landete der erst 23-jährige Erich Korngold 1920 einen Überraschungserfolg. Die Oper avancierte zu einer der meistgespielten der 1920er-Jahre; offensichtlich traf die Thematik des Umgangs mit Trauer nach dem Ersten Weltkrieg den Nerv der Zeit. Erst die Nationalsozialisten unterbrachen den Siegeszug der Oper. In den letzten Jahren erlebt Die tote Stadt, nicht zuletzt auch dank der wirkungsvollen Musik – u.a. in der berühmten Arie »Mein Sehnen, mein Wähnen« – eine Renaissance.

Musikalische Leitung Kimbo Ishii, Regie Jakob Peters-Messer
Bühne / Lightdesign Guido Petzold, Kostüme Sven Bindseil
Dramaturgie Benjamin Wäntig, Choreinstudierung Martin Wagner

BESETZUNG:
Paul Wolfgang Schwaninger, Marietta/Die Erscheinung Mariens Noa Danon
Frank Roland Fenes, Brigitta Ks. Undine Dreißig
Juliette Irma Miheli, Lucienne Sylvia Rena Ziegler
Victorin Manfred Wulfert, Fritz Thomas Florio, Graf Albert Markus Liske

Opernchor des Theaters Magdeburg
Opernkinderchor des Konservatoriums »Georg Philipp Telemann«
Magdeburgische Philharmonie

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Pressemeldung Theater Magdeburg

Wien, Wiener Staatsoper, Matinee: JUAN DIEGO FLÓREZ AND FRIENDS, 12.04.2015

April 7, 2015 by  
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Wiener Staatsoper

Wiener Staatsoper © Starke

Wiener Staatsoper © Starke

MATINEE: JUAN DIEGO FLÓREZ AND FRIENDS

Am 12. April 2015 um 11 Uhr

Am 12. April 2015 um 11 Uhr findet in der Wiener Staatsoper ein von KS Juan Diego Flórez initiiertes Benefiz-Galakonzert statt. Die Einnahmen der Veranstaltung kommen zur Gänze der Organisation Sinfonía por el Perú zugute, die sozial benachteiligte Kinder in Peru, dem Heimatland des Tenors, unterstützt.

Gäste sind u.a.: Cecilia Bartoli, Anna Bonitatibus, Aida Garifullina, Valentina Naforni?a, Anna Netrebko, Ildar Abdrazakov, Celso Albelo, Alessio Arduini, Juan Diego Flórez, Vittorio Grigolo, Michele Pertusi, Luca Pisaroni, Clemens Unterreiner.

Auf dem Programm stehen Werke von Mozart, Offenbach, Rossini, Verdi, Puccini, Massenet u.a.

Es dirigiert Andriy Yurkevych.

Pressemeldung Wiener Staatsoper

Wien, Wiener Staatsoper, Opernball 2015: Kultur, Tradition, Mediales Weltereignis, IOCO Aktuell, 12.02.2015

Februar 6, 2015 by  
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Wiener Staatsoper

Wiener Staatsoper © Starke

Wiener Staatsoper © Starke

Wiener Opernball 2015 – 12.02.2015

Mediales Weltereignis, Geliebte Tradition, Laufsteg von Eitelkeiten

Wiener Staatsoper / Opernballplakat 2015 by Kera Till

Wiener Staatsoper / Opernballplakat 2015 by Kera Till

Alljährlich ist der Wiener Opernball spektakuläres und internationales Medienereignis. Weltkriege, Skandale wie andere Widrigkeiten überlebte er weitgehend unbeschadet. Dabei stellt der Opernball nur eine Facette in der weit gefächerten Wiener Balltradition dar, welche 1814/15 im Wiener Kongress 1814/15 ihren Ursprung hat.

Doch unstreitig: Der Wiener Opernball ist medialer Höhepunkt der prächtigen, 450 Feste umfassenden Wiener Ballsaison, welche jedes Jahr zur Zeit des Fasching statt findet. Ob Akademikerball, das fröhliche Kostümfest genannt Gschnas, Bürgerball, Polizeiball, Bonbonball, Ball der Tiroler in Wien, Regenbogenball: Alle Bälle einigt die große Wiener Tradition. Der Wiener Opernball verstand sich ursprünglich als „Ball der Künstler für Künstler“. Nach vielen Wirrungen gab 1877 Kaiser Franz Joseph, seine persönliche, 1869 noch verweigerte, Zustimmung zu einer Soirée im Festsaal der damaligen Hofoper, aus welcher der heutige Opernball entstand. Seine formalen Rituale wie offiziellen Namen Wiener Opernball erhielt das Künstlerfest erst 1935.

Der 58. Wiener Opernball in 2014 war künstlerisch gelungen, lebensnah aber auch turbulent: Der österreichische Bundespräsident Fischer wurde von ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan begleitet, welcher liebenswert konstatierte: „Jeder muss einmal im Leben auf dem Wiener Opernball gewesen sein„.

Wiener Opernball © Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Wiener Opernball © Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Der 59. Wiener Opernball findet am 12. Februar 2015, Gründonnerstag wie  Altweiberfastnacht statt. 5.000 Gäste werden dann feiern: Bundespräsident, Wirtschaftsbosse, Minister, Medienstars, Sternchen, Parvenüs, Spaßvögel, doch meist – man glaubt es kaum – feiern in der Staatsoper Normalbürger aus Wien. Spät-entschlossene haben keine Chance: Der Opernball seit langem ausverkauft.

Dominique Meyer und Desirée Treichl-Stürgkh © Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Dominique Meyer und Desirée Treichl-Stürgkh © Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Der Opernball zieht allein in Österreich alljährlich 1,5 Mio. Menschen vor die Fernseher. Weltweit sind es viele Millionen. Dominique Meyer, Chef der Wiener Staatsoper möchte künstlerische Ansprüche hochhalten und präsentiert „eine Galerie an hochbegabten Künstlern auf einem hohen Niveau„. Dabei war Begeisterung für den Opernball bei Opern-Chefs nicht immer so eindeutig wie heute: Meyer-Vorgänger, der knorrige Ioan Holender zeigte wenig Sympathie: “Ich stelle die Sinnhaftigkeit zur Diskussion, dass man 2 Millionen Euro investiert, um ein Gebäude zweckentfremdend zu nutzen.“ Doch Meyer, seit 2011 neuer Opern-Chef, outet sich offensiv entspannt als Wiener Opernball-Fan. So verwandelt sich die Wiener Staatsoper am 12. Februar 2015 zum schönsten Ballsaal der Welt. Ein übedachter, breiter roter Teppich vor dem Eingang der Staatsoper trägt den Glamour des Ball-Events sichtbar in die Öffentlichkeit. 19 Kameras des ORF und zahllose Moderatoren berichten via Radio und Fernsehen live in die Welt.

Wiener Opernball © Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Wiener Opernball © Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Desiree Treichl – Stürgkh, gelernte Mode-Journalistin, Beiname Ball-Mutter  organisiert den Opernball seit 2008. Alles Walzer – heißen die von Atil Kutoglu für die Debütant/innen des Opernballs entworfenen unterschiedliche Roben. „Ich bin verliebt in die Kleider. Sie verleihen dem Opernball noch mehr internationales Flair„, so Treichl-Stürgkh, alles sehend, alles steuernd. Aida Garifullina, junger russischer Shooting-Star der Wiener Staatsoper, wird ein Höhepunkt des Opernabends sein; mit der Arie Je veux vivre aus Gounods Oper Romeo et Juliette. Das Wiener Staatsopernorchester dirigiert Ingo Metzmacher.

 

Seit Jahrzehnten steht das Eröffnungsprogramm des Opernballes: Punkt 20.15 Uhr ertönt die FANFARE von Karl Rosner, es folgt die ÖSTERREICHISCHE BUNDESHYMNE  EUROPAHYMNE von Ludwig van Beethoven. Der folgende, spektakuläre Einzug des 180 Paare umfassenden Jungdamen- und Jungherren-Komitees stellt einen der reizvollsten Höhepunkte des Opernballes dar. Die FÄCHERPOLONAISE, op. 525 von Carl Michael Ziehrer unterlegt diesen Einzug musikalisch.

Um in dieses Komitee „vorzudringen“, mussten sich die Paare am 8. November 2014 Walzer drehend qualifizieren. Denn die Aufnahmevorschrift in das Komitee verlangt: Gute Linkswalzer-Kenntnisse, Alter 17 bis 24 Jahre, maximal 1 Teilnahme, Euro 100 Gebühr, schriftliche Bewerbung mit Bild bis Anfang Oktober. Es besteht Bekleidungsvorschrift: Für Damen: Schneeweißes langes, Ballkleid (ohne Reifrock), weiße Handschuhe, weiße Schuhe. Für Herren: Schwarzer Frack, weiße Handschuhe, schwarze Lackschuhe. Rauchverbot!

120 Musiker sorgen in der Ballnacht bis 5 Uhr in der Früh für Unterhaltung. Es gibt ein Spielcasino, für Raucher gibt es zwei Rauchersalons, diverse Bars, ein Heuriger und an acht verschiedenen Lokationen kann getanzt werden. Die Logen dienen der Unterhaltung wie aber der Geschäftsanbahnung, wienerisch gerne als Landschaftspflege umschrieben. Im der Oper gegenüber liegenden Hotel Sacher wird vorgefeiert.

Meyer und Solistin Garifullina und Bezsmertna © Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Meyer und Solistin Garifullina und Bezsmertna © Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Eine normale Eintrittskarte zum Opernball kostet 250 Euro. Nur damit sieht man damit nicht viel. Vielleicht mietet man sich noch einen Tisch für 6 Personen um 1.080 Euro. Doch es geht auch preiswerter. Auf der Galerie des Hauses den kleinen Opernball feiern, in dem Heurigen ein Glas Wein trinken, in einer Disco moderne Musik hören oder im Casino zocken. Dem Frackzwang des Abends begegnet der Geübte mit gemieteten Utensilien.

Neben brillantem Tanz, Kultur und Honoratioren feiert die Boulevardpresse zum Opernball gerne deren schräge Seiteneinsteiger: Alt-Bauunternehmer “Mörtel” Richard Lugner, 82, ist seit Jahren mit seinen Gästen schrulliger wie wenig seriöser Medienstar des Balles. Einer Einladung in seine Lugner-Rangloge (Preis €18.500) folgen in letzten Jahren bereitwillig Stars und Sternchen wie Brigitte Nielsen, Ruby Rubacuori, Paris Hilton, Pamela Anderson oder Stripperin Ditta von Teese (Slogan: “Der Ball ist nackt”), deren bekannte Leidenschaften weniger dem Tanz oder klassischer Musik galten. 2015 wird die Tänzerin und ex-Ehefrau von George Clooney Elisabetta Canalis als medienlauter Gast in der Lugner-Loge „auflaufen“. 2014 düpierte Lugner-Gast Kim Kardashian ihren Gastgeber mit abstrusem Versteckspiel, Moderator Johannes B. Kerner fand sich in einer wüsten Prügelei wieder und Oliver Pocher überraschte nicht wirklich mit abgedrehter Pöbelei.

So meiden manch traditionsorientierte Wiener Einheimische das in ihren Augen leicht verrufene Klatschspektakel “Opernball“. Die Medialisierung des Wiener Opernballes bricht alte Balltraditionen auf und gibt dem gesellschaftlichen Leben der kulturell so reichen  Stadt Wien vielfältige neue Impulse. Und genau dies begründet das Phänomen Wiener Opernball, welcher am 12. Februar 2015 zum 59. Mal gefeiert wird und weltweite Aufmerksamkeit erfahren wird. 

IOCO /  Viktor Jarosch / 06.02.2015