Wien, Oper in der Krypta, OPERA DIVA – Soloabend Isabella KUESS, IOCO Kritik, 02.10.2019

Oktober 2, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Konzert, Oper, Peterskirche

 Peterskirche  / im 1. Bezirk von Wien © IOCO

Peterskirche / im 1. Bezirk von Wien © IOCO

Peterskirche Wien

 OPERA DIVA –  Soloabend Isabella Kuëss

Oper in der Krypta – Peterskirche von Wien

von Marcus Haimerl

Nicht nur zahlreiche Opernaufführungen bietet Oper in der Krypta dem Publikum, auch die (Solo-)Konzerte begeistern regelmäßig das Publikum in der Krypta der Wiener Peterskirche.

In ihrem Soloprogramm OPERA DIVA singt die Wiener Sopranistin Isabella Kuëss einige der großen Arien der Opernliteratur, virtuos begleitet am Klavier von Victoria Choi. Das Motto des Abends wird hier durchaus ernstgenommen, die dramatischen Klänge der großen italienischen und deutschen Partien liegen der jugendlich-dramatischen Sängerin ideal in der Kehle und sie erweckt die unterschiedlichen Heldinnen/Diven mit viel künstlerischem Feingefühl zum Leben.

Den Abend eröffnete Antonín Dvo?áks Arie „M?sí?ku na nebi hlubokém (Mond, der Du am tiefen Himmel stehst) aus der Oper Rusalka, welche von Isabella Kuëss tieftimbriert und sehnsuchtsvoll vorgetragen wurde.

Zu ihren Paraderollen in der Krypta der Peterskirche zählt zweifelsohne jene der Floria Tosca aus Puccinis Meisterwerk Tosca. Folgerichtig durfte an diesem Abend die große tragische Arie der Tosca „Vissi d’arte“ nicht fehlen. Mit tiefer Inbrunst und schwelgend-weicher Stimme sendet Isabella Kuëss dieses Gebet zum Himmel.

Einer anderen Diva, der größten Schauspielerin ihrer Zeit, Adrienne Lecouvreur (1962 – 1730), widmete Francesco Cilea eine ganze Oper. In der Arie „Io son l’umile ancella“ beteuert Adriana Lecouvreur, nur eine Dienerin der Schauspielkunst zu sein.

Oper in der Krypta / Soloabend mit Isabella Kuëss © Marcus Haimerl

Oper in der Krypta / Soloabend mit Isabella Kuëss © Marcus Haimerl

In einem Programm mit dem Motto Opera Diva darf natürlich auch eine Arie nicht fehlen, die von allen großen Sopranistinnen interpretiert wurde, deren dazugehörige Oper jedoch leider sehr selten aufgeführt wird. „Ebben! Ne andrò lontana“ aus Alfredo Catalanis Oper La Wally nach dem Roman Die Geierwally der aus München gebürtigen Schriftstellerin Wilhelmine von Hillern. Nachdem Wally ihrem Vater, einem Gutsbesitzer, die Heirat mit dem Gutsverwalter verweigert, wird sie verstoßen und beschließt in dieser Arie, sich in die Einsamkeit der Hochalm zurückzuziehen. Diese Mischung aus Melancholie und Willensstärke weiß Isabella Kuëss in ihrer Interpretation gelungen zu vermitteln.

Mit „Pace, pace, mio Dio“, der großen Arie der Leonore aus La forza del destino widmet sich die Sopranistin schließlich dem Meister der italienischen Oper, Giuseppe Verdi. Sie beginnt das Gebet mit feinzieselierten Piani und berührender Schwermut, bis die Verfluchungen am Ende in glanzvoller Dramatik hervorbrechen und für Gänsehaut sorgen.

Der Abschluss des ersten Teils gehörte schließlich der machtgierigen Lady Macbeth. Bei „Vieni, t’affretta … Or tutti sorgete“ aus Verdis Macbeth, der wohl bekanntesten Arien zum Thema Motivation, verfärbte sich die Krypta blutrot und kurzerhand wird der Brieföffner der Lady zur gefährlichen Waffe. Hier entfaltete sich die ganze vokale Dramatik der Sopranistin zu einem fulminanten Finale vor der Pause.

Oper in der Krypta / Isabella Kuëss und Victoria Choi © Marcus Haimerl

Oper in der Krypta / Isabella Kuëss und Victoria Choi © Marcus Haimerl

Victoria Choi erweist sich nicht nur als erstklassige Begleiterin durch den ganzen Abend, sie brilliert auch in ihren auf das Programm abgestimmten Solostücken. Mit einer feinfühligen Interpretation der Ouverture aus Verdis La Traviata beweist die Pianistin ihr Talent für Italianità ebenso, wie in der virtuos-beschwingten Ouverture zu Donizettis L’elisir d’amore.

Im zweiten Teil des Abends begeisterte Victoria Chois intensive und tiefschürfende Interpretation nochmals mit einem Klavierwerk Johannes Brahms: aus den 6 Klavierstücken Opus 118 erlebte das Publikum die Nr. 2, das Intermezzo andante teneramente in A-Dur.

Nach der Pause widmete sich Isabella Kuëss dem deutschen Fach. Zu Beginn stand Carl Maria von Weber mit Agathens Arie „Wie nahte mir der Schlummer… Leise, leise, fromme Weise“ aus Der Freischütz. Schon bei der Interpretation dieser Arie erkennt man die besondere Eignung der Sängerin für das deutsche Fach. Auch bei Richard Wagner ist Isabella Kuëss sichtlich zu Hause. Nicht umsonst war die Sopranistin 2018 Stipendiatin des Wiener Wagner-Verbands. Mit „Stehe still!“ aus den Wesendonck-Liedern und Elsas Arie „Einsam in trüben Tagen“ aus Lohengrin konnte sie das Publikum begeistern. Sanft und wunderschön lyrisch hallt hier der Ruf nach dem ihr Rettung verheißenden Ritter in der Kuppel der Krypta wider.

Auch Richard Strauss durfte in diesem Programm nicht fehlen und was könnte besser passen, als die Arie einer Rolle, die sich im ersten Teil der Oper Primadonna nennt. Mit „Es gibt ein Reich“ aus Ariadne auf Naxos gelingt es Isabella Kuëss, die Düsternis des von Ariadne besungenen Totenreichs in der Krypta spürbar zu machen.

Der offizielle Teil des Abends endete im Grunde mit einer Begrüßung und kehrt zu Richard Wagner zurück. Mit der berühmten Hallenarie aus Tannhäuser, „Dich teure Halle grüß ich wieder“, vermag Isabella Kuëss noch einmal mit voller Dramatik und scheinbar mühelosen, glänzenden Spitzentönen zu begeistern.

Mit der ersten Zugabe kehrte die Sängerin mit einer der beliebtesten Arien aus der selten gespielten Oper Gianni Schicchi zu Puccini zurück. Ihr schmelzendes „O mio babbino caro“, voll sehnsüchtiger Legati und frischer Höhen machte diese oft gehörte Arie doch erneut zu einem Genuss.

Mit der letzten Zugabe wandte sich die Künstlerin nochmals Richard Wagner und den Wesendonck-Liedern zu. Als Studie zu Isoldes Liebestod geschrieben, erklingt „Träume“ als ein versöhnender Abschluss, sozusagen als Liebeserklärung an die Bühne.

Mit diesem positiven Grundton endete ein besonderer Konzertabend, der vom Publikum mit entsprechendem Jubel bedacht wurde.

—| IOCO Kritik Oper in der Krypta |—

Berlin, Deutsche Oper Berlin, Adriana Lecouvreur konzertant – mit Anna Netrebko, IOCO Kritik, 07.09.2019

September 7, 2019 by  
Filed under Deutsche Oper Berlin, Hervorheben, Konzert, Kritiken, Oper

deutscheoperberlin

Deutsche Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

ADRIANA LECOUVREUR  konzertant – Francesco Cilea (1866–1950)

Anna Netrebko  –  Eine Diva ist eine Diva ist eine Diva

von Kerstin Schweiger

Adrienne Lecouvreur betritt die Bühne und das Publikum liegt ihr spätestens nach den ersten Tönen zu Füßen. Die Darstellerin von Adrienne Lecouvreur steht hoch in der Gunst des Publikums und erobert ihre Zuhörer im Handstreich.

Besprochene Vorstellung – 4. September 2019

So mag es sich um 1717 in der wenige Jahrzehnte zuvor gegründeten Comédie Francaise in Paris zugetragen haben, als die junge Adrienne Lecouvreur, Tochter einer Wäscherin und eines Hutmachers, dort in den Dramen des französischen Hofdichters Jean Racine auftrat und höchste Anerkennung und Zuneigung für ihren damals neuen unpathetischen Darstellungsstil erhielt.

So mag es 1913 gewesen sein, als die große französische Tragödin Sarah Bernhardt für ihre Darstellung der historischen Figur Adrienne Lecouvreur (nach dem Drama von Eugène Scribe) in einem Stummfilm gefeiert wurde.

Und so ist es in 2019, wenn Anna Netrebko die Bühne der Deutschen Oper Berlin betritt und mit großer Geste, tiefer Sprechstimme und einem Buch in der Hand eine Theaterrolle memorierend die erste Arie der Adriana beginnt. Auf drei Erlebnis-Ebenen vollzieht sich dabei das gleiche Bild und gibt den perfekten Rahmen für diese Aufführung.

Deutsche Oper Berlin / Adria Lecouvreur hier Alessandro Corbelli und Anna Netrebko © Bettina Stöß

Deutsche Oper Berlin / Adria Lecouvreur hier Alessandro Corbelli und Anna Netrebko © Bettina Stöß

Anna Netrebko – Sie kam, sah und – sang!

Presse und Fans hatten bis kurz vor der ersten von zwei konzertanten Aufführungen von Francesco Cileas Operndrama Adriana Lecouvreur an der Deutschen Oper Berlin spekuliert, ob Sopran-Superstar Anna Netrebko tatsächlich nach Berlin kommen und die Titelpartie singen würde. Hatte die Sängerin doch im vergangenen Sommer mehrfach Aufführungen, u.a. auch eine von drei konzertanten Aufführungen bei den Salzburger Festspielen abgesagt. Doch sie kam sah und – sang!

Francesco Cilea (1866–1950) galt neben Puccini als ein möglicher Nachfolger in der  Verdi-Tradition. Adriana Lecouvreur ist sein bis heute bekanntestes Werk mit zwei populären großen Sopran-Arien („Ecco … Io son l’umile ancella“ und „Poveri fiori“). Nicht zuletzt die lyrischen, virtuosen Gesangspartien machen das Stück bis heute zu einem wiederkehrenden Klassiker der Opernliteratur. Selbst Giuseppe Verdi soll mit dem Gedanken gespielt haben, ein Musikwerk über die Schauspielerin zu schreiben. Denn der Diven-Kult zieht. Gilt doch Titelpartie der Adriana gilt als Meisterstück jeder großen Sopranistin. Und so hat sich Netrebko in den vergangenen Jahren auf großen Bühnen der Welt in berührenden Interpretationen der Adriana zueigen gemacht. Szenisch in der Metropolitan Opera in New York und an der Wiener Staatsoper, konzertant erst vor wenigen Wochen bei den Salzburger Festspielen.

Das unübersichtliche Eifersuchtsdrama (nach einer Vorlage von Eugène Scribe, der es 1849 in einem Theaterstück über Adrienne Lecouvreur dramatisierte), in dem Veilchen mit Nebenwirkungen eine Rolle spielen, und das sich auf die historische Figur der französischen Schauspielerin Adrienne Lecouvreur bezieht, die ab 1717 an der Comédie Française in Paris ein gefeierter Star war, endet für die Titelheldin jedenfalls tödlich. Adrienne und die Fürstin von Bouillon sind beide in den Grafen Moritz von Sachsen verliebt. Am Ende stirbt Adrienne, mutmaßlich durch einen giftigen Veilchenstrauß der Nebenbuhlerin, nachdem Moritz sich zu ihr bekannt hat.

Es scheint richtig, das Stück konzertant anzusetzen, Cileas farbige, emotionale Musik eignet sich bestens für den dramatischen Gestus, bei dem Anna Netrebko darstellerisch aus dem Vollen schöpft, auch ohne Bühnenbild, Kostüme und eine Inszenierung. Die Theater-auf-dem-Theater-Thematik der Oper lässt die Partie der Adriana zu einer Paraderolle für Anna Netrebko werden. Und die macht sie sich von Beginn an zu eigen. Wie es zur Zeit der echten Lecouvreur am Theater Usus war, sorgte sie auch für pompöse Kostüme.

Deutsche Oper Berlin / Adriana Lecouvreur - hier : Padraic Rowan, Ya-Chung Huang, Anna Netrebko, Vlad Borovko, Aigul Akhmetshina und Orchester © Bettina Stöß

Deutsche Oper Berlin / Adriana Lecouvreur – hier : Padraic Rowan, Ya-Chung Huang, Anna Netrebko, Vlad Borovko, Aigul Akhmetshina und Orchester © Bettina Stöß

In einem fließenden grünen Gewand (es folgen im Laufe des Abends ein orangefarbenes glitzerndes und ein schlichtes schwarzes) schreitet Netrebko zur Tat, mit der ersten Arie „Io son l’umile ancella“ als bescheidene Dienerin der Kunst, wie es im Stück heißt, setzt sie den Maßstab für alles Kommende. Voll, tief in der Mittellage und dunkelst gefärbt, führt sie die Stimme mühelos in die Höhe, vom Fortissimo ins Pianissimo und zurück. Stimmlich und darstellerisch zieht sie alle Register, deklamiert, gestikuliert, gibt pantomimisch eine große Theaterszene im Hintergrund und räumt sogar dabei einmal ein Notenpult der Kollegen beiseite, wenn es das dramatische Schreiten entlang der Rampe stört.

An ihrer Seite wirft sich Yusif Eyvazov als Moritz von Sachsen, darstellerisch empathisch, mit Spannung und Verve in die Rolle. Er tritt in große Fußstapfen, was die Erwartungen des Publikums betrifft. In der Uraufführung 1902 in Mailand sang Enrico Caruso die Partie, seine Interpretation war maßgeblich für den Erfolg der Oper. Stimmlich hat er keine Mühe, die geforderten Höhen zu erreichen, seine große Arie „L’anima ho stanca“ klingt makellos.

Doch auch Adrianas Mezzo-Gegenpart in Gestalt der Fürstin von Bouillon ist eine musikalisch dankbare Partie. Olesya Petrova ist gestalterisch viel feiner als Netrebko, mit vollem Mezzo-Sopran zeichnet sie musikalisch und gestisch ein differenziertes Bild der zwischen Rache, Liebe und Besorgnis schwankenden Fürstin von Bouillon. Ihr zur Seite eine der Entdeckungen des Abends: Patrick Guetti verströmt als Fürst von Bouillon eine so profunde wie warme und elegante Baßstimme, dass es eine Freude ist, ihn in den Ensembles herauszuhören.

Das Konzertzimmer der Deutschen Oper ist ein starker Resonanzraum, so gerät der gesamte Abend ein bisschen zu sehr auf die Fortissimo-Ebene, was schade ist, denn das Stück hat viele Parlando-Stellen, schnelle gesungene Dialoge mit Witz und Esprit. Michelangelo Mazza und das Orchester der Deutschen Oper Berlin gestalten die Tonsprache Cileas, die neben einem großen wiederkehrenden Schicksalsmotiv filmmusikhafte Anklänge fast vorwegnimmt, sehr farbenreich und emotional. Das Orchester läuft in langen Passagen zu voller Phonstärke auf. Netrebko und Eyvazov halten mühelos mit.

Aus dem spielfreudigen Ensemble ist Alessandro Corbelli  als treu ergebener Inspizient Michonnet Adriana ein anrührender Begleiter mit stimmlicher Noblesse. Ein großsprecherischer Abate di Chazeuil mit textlichem Biss ist Burkhard Ulrich. Ein exzellentes Quartett frischer, gewandter Stimmen bieten als Theaterkollegen der großen Lecouvreur, Aigul Akhmetshina (Mademoiselle Dangeville), Vlada Borovko (Mademoiselle Jouvenot) und Ya-Chung Huang (Poisson) sowie Padraic Rowan (Quinault). Der Chor der Deutschen Oper Berlin ist nur an wenigen Stellen, dort jedoch stimmgewaltig in die Aufführung eingebunden.

Nachdem Adriana in einer letzten dramatischen Szene einen melodischen Bühnentod gestorben ist, rufen die Fans in der Deutschen Oper einer der derzeitig bewundertsten Sängerinnen der Welt lautstark ihre Verehrung entgegen. Publikum und Akteure baden gleichermaßen im anhaltenden Schlussapplaus: jenseits und diesseits der Rampe schwingen Seelen im Gleichklang. Friede, Opernfreude, Einigkeit auf der Deutungsebene: so darf  Oper auch mal sein.

—| IOCO Kritik Deutsche Oper Berlin |—

Innsbruck, Tiroler Landestheater, Premiere: ADRIANA LECOUVREUR von Cilea, 07.02.2015

Tiroler Landestheater und Symphonieorcheter Innsbruck

Pressemeldung Pressemeldung Tiroler Landestheater Innsbruck

Pressemeldung Pressemeldung Tiroler Landestheater Innsbruck

 

Premiere: ADRIANA LECOUVREUR

Oper von Francesco Cilea
Libretto von Arturo Colautti nach dem gleichnamigen Schauspiel
Von Eugène Scribe & Ernest Legouvé
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

PREMIERE Samstag, 7. Februar 2015, 19.00 Uhr,  weitere Vorstellungen
Februar: 14. (19.00), 19. (19.30), März: 5., 18., 20., 26. (jeweils 19.30)
April: 10. (19.30), 12. (19.00), 19. (19.00), 24. (19.30), 26. (19.00), 30. (19.30)
Mai: 6. (19.30) Einführung eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn

Paris 1730: Ein mysteriöser Todesfall erschüttert die Theaterwelt: Adrienne Lecouvreur, eine der bedeutendsten Schauspielerinnen, stirbt mit nur 38 Jahren. War es Mord? Wenn ja, wer war der Täter? Ein abgewiesener Liebhaber? Eine missgünstige Kollegin? Oder wurde die Schauspielerin, die eine Affäre mit Graf Moritz von Sachsen hatte, von einer Rivalin umgebracht? Für diese Version entschieden sich die französischen Dramatiker Eugène Scribe und Ernest Legouvé in ihrem über 100 Jahre später verfassten Schauspiel. Ihre Täterin: die eifersüchtige Fürstin von Bouillon, die bittere Rache an ihrem ehemaligen Liebhaber übt. Ihre Tatwaffe: Ein Veilchenstrauß! Dieses Geschenk von Adrienne an den Grafen gelangt in die Hände der Fürstin. Im Namen von Moritz sendet sie es an Adrienne zurück. Diese atmet den Duft des vermeintlichen Abschiedsgeschenks ihres Geliebten ein, nicht ahnend, dass die Blumen mit einem tödlichen Gift versehen sind.

Auf der Basis des Schauspiels schuf Arturo Colautti das Libretto für die 1902 uraufgeführte italienische Opernversion des Stoffes, die nun erstmals am TLT zu erleben ist. Regisseur Bruno Klimek schildert in einer poetischen Erzählweise die dramatischen Ereignisse aus Sicht des Michonnet. Das Mitglied der Comédie Française ist unglücklich in Adriana verliebt und muss nun miterleben, wie sie an ihrer Liebe zu dem Grafen zerbricht. Klimek, der für Innsbruck bereits Janáceks Jenufa eindrucksvoll in Szene gesetzt hat, gestaltet auch das Bühnenbild für Adriana Lecouvreur. Sein abstrakter Erinnerungsraum richtet den Fokus auf die Seelenzustände der Figuren. Deren intensiv gelebte Leidenschaften finden musikalischen Ausdruck in Francesco Cileas faszinierender Komposition, die durch atmosphärische Vielfalt, zarte Klangwirkungen und einprägsame Melodik verzaubert.

MUSIKALISCHE LEITUNG Francesco Angelico I Chefdirigent des TSOI & TLT

INSZENIERUNG & BÜHNE Bruno Klimek
Der in Stuttgart geborene Bruno Klimek lernte das Theaterhandwerk „von der Pike auf“: Schon während seiner Schulzeit arbeitete er als Bühnentechniker, Beleuchter, Tontechniker, Schreiner, Kascheur, Requisiteur, Inspizient und Regieassistent am Zimmertheater Tübingen. Nach dem Abitur war er als Regieassistent in München, Bochum und Nürnberg engagiert, wo er 1982 auch erstmals inszenierte. Zahlreiche Schauspielinszenierungen folgten u. a. in Berlin, Bonn, Darmstadt, Düsseldorf, Essen, Hamburg, Köln, Mannheim, München und Nürnberg.
Von 1985 bis 1988 war er als Spielleiter am Theater Krefeld/Mönchengladbach engagiert, von 1988 bis 1992 als Oberspielleiter am Nationaltheater Mannheim, an das er von 1996 bis 2000 als Schauspieldirektor zurückkehrte.
Seit 2000 arbeitet er als freier Opern- und Schauspielregisseur und immer häufiger auch als sein eigener Bühnenbildner. Operninszenierungen entstanden seither u .a. in Aachen, Bielefeld, Braunschweig, Darmstadt, Dortmund, Gießen, Nürnberg, Oldenburg, Weimar und am Nationaltheater Belgrad. Am TLT inszenierte er 2012 Leos Janáceks Jenufa und wird nun die Regie sowie die Bühnenbildgestaltung von Adriana Lecouvreur übernehmen. Bruno Klimek schreibt Hörspiele, Theatertexte, Essays und Gedichte, unterrichtete an verschiedenen Hochschulen und bekleidet an der Folkwang Universität der Künste in Essen eine Professur für Szenische Ausbildung im Studiengang Gesang/Musiktheater.
Seit 2011 leitet er dort auch als Dekan den Fachbereich Darstellende Künste.

KOSTÜME Michael D. Zimmermann I Chefkostümbildner, Ausstattungsleiter Kammerspiele

MIT:
Maurizio, Conte di Sassonia: Paulo Ferreira
Michonnet: Michael Bachtadze
Adriana Lecouvreur: Karina Flores / Susanna von der Burg
La Principessa di Bouillon: Susan Maclean / Jennifer Maines
Der Fürst von Bouillon: Marc Kugel / Andreas Mattersberger
Abate: Joshua Lindsay, Quinault: Johannes Wimmer
Poisson: Florian Stern, Jouvenot: Susanne Langbein
Dangeville: Marija Jokovic
La Duclos: Anne Clausen,  Tiroler Symphonieorchester Innsbruck; Chor & Statisterie

WEITERE VORSTELLUNGEN:
Februar: 14. (19.00), 19. (19.30), März: 5., 18., 20., 26. (jeweils 19.30)
April: 10. (19.30), 12. (19.00), 19. (19.00), 24. (19.30), 26. (19.00), 30. (19.30)
Mai: 6. (19.30) Einführung eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn

……….

EINFÜHRUNGSMATINEE ZU ADRIANA LECOUVREUR
Gebrochene Herzen

Sonntag, 1. Februar 2015, 11.00 Uhr, Foyer Großes Haus, Eintritt frei

Pressemeldung Tiroler Landestheater Innsbruck

Köln, Oper Köln, Der Spielplan 2013/14: Aufbruch und Sanierung, IOCO Aktuell, 02.06.2013

Juni 1, 2013 by  
Filed under IOCO Aktuell, Oper Köln

oper koeln.jpg

Oper Köln

Opernhaus Köln / Oper am Dom © IOCO

Opernhaus Köln / Oper am Dom © IOCO

Die Oper Köln und Spielplan 2013/14
Aufbruch inmitten von Sanierung, Interim, Etat-Unsicherheiten

Pressekonferenzen der Oper Köln genießen in letzter Zeit hohen Unterhaltungswert. Unvergessen die Presse-Posse vom April 2012, als  Ex-Opernintendant Uwe-Eric Laufenberg, von sämtlichen städtischen Funktionsträgern allein gelassen, über 100 Pressevertretern erklären mußte, dass „der gedruckte, ausgelegte Spielplan für 2012/13 nicht verabschiedet sei“. Die PK endete im Chaos. Bis zur zunächst fristlosen, dann fristgemäßen Kündigung Laufenbergs zum 30.8.2012 vergingen Monate mit gefeierten Opernhighlights wie peinlich desorientierter Kölner Kulturpolitik. Ausgelöst von profanen Etatdifferenzen, welche die Stadt Köln mit all ihre Institutionen nicht zu lösen in der Lage war. 2014 wird Uwe-Eric Laufenberg neuer Intendant am Hessischen Staatstheater Wiesbaden. Seine ehemalige Operndirektorin Dr. Birgit Meyer wurde bis 2015 zur neuen Intendantin der Oper Köln gekürt. Letzter Akt des Kölnischen Kulturdebakels: Der Vertrag des Kölner Kulturdezernenten Georg Quander endete im Mai 2013. Die regierenden Parteien SPD, Grüne, und FDP hatten zuvor „sich einmütig für einen Neuanfang an der Spitze des Dezernats Kunst und Kultur ausgesprochen“.

Neue Intendantin und starken Produktionen

Oper Köln / vlnr E. Tzavara, P. Wasserbauer, Intendantin Dr. Meyer, G. Kehren © IOCO

Oper Köln / vlnr E. Tzavara, P. Wasserbauer, Intendantin Dr. Meyer, G. Kehren © IOCO

Neu-Intendantin Dr. Birgit Meyer präsentierte den Spielplan 2013/14  mit Elena Tzavara, Kinderoper und Tanz, Patrick Wasserbauer, Kaufm. Direktor, und Georg Kehren, Chefdramaturg, die erste Jahrespressekonferenz in der Oper am Dom, der wichtigsten Interimspielstätte. Berechtigter Stolz auf hohe Auslastungen prägten die Ausführungen: Figaros Hochzeit 93%, Parsifal 97%.  Dr. Meyer und Patrick Wasserbauer weckten in ihren Präsentationen aber auch die unseligen Geister des April 2012. Dr. Meyer:Ich habe das Haus in einer zwar künstlerisch erfolgreichen aber strukturell desaströsen Situation übernommen“, „die Fortschreibung des künstlerischen Erfolges ist bislang gelungen“, „ich bin stolz, in nur acht Monaten die desaströse Ausgangslage in den Griff  bekommen zu haben“, Mein Vorgänger hat Sparvorgaben nicht eingehalten“, „Vorgänger hat Geld ausgegeben (und Verträge abgeschlossen), welches zu keinem Zeitpunkt bewilligt..…war“.

Dass man über Tote schweigt oder nur Gutes sagen sollte wurde in dieser PK wenig beherzigt. Ob Ex-Intendant Laufenberg, wie von Dr. Meyer unnötig ausgeführt,  ungehindert in Millionenhöhe Verpflichtungen eingehen konnte oder Sparvorgaben mißachtete läßt eher Zweifel über das Finanzgebaren der Stadt Köln und ihrer kaufmännischen Kontrollgremien aufkommen.  Wasserbauer, Bild, war von 2009 bis 2012 kaufmännischer Kollege des Intendanten. Eine kaufmännische Geschäftsführung trägt, üblicherweise, Mitverantwortung für sämtliche zu recht und zu unrecht getätigten Ausgaben der Oper. In jener chaotischen Pressekonferenz des April 2012 fehlte Wasserbauer. In der PK vom Mai 2013 fiel dazu kein Wort.

Wasserbauer, an diesem Tag anwesend,  erläuterte zum Wirtschaftsplan der Spielzeit 2013/14, dass es gute Nachrichten gäbe: „deshalb sitze ich auch hier“, „der Wirtschaftsplan wurde erarbeitet, gemeinschaftlich… unterschrieben, der liegt jetzt bei der Kämmerei zu Prüfung“. Wasserbauer erklärte damit verklausuliert: Die Oper Köln hat   keinen formal genehmigten Wirtschaftsplan. Genau solch ein  Zustand führte zum Chaos der Ära Uwe-Eric Laufenberg. Wasserbauer bestätigte für 2013/14 Betriebskostenzuschüsse von € 32,6 Mio der Stadt. Wasserbauer sprach jedoch nicht, aus IOCO-Sicht ein sträflicher Mangel, von einem belastbaren Gesamtetat für die Oper Köln, den das Management  einzuhalten gilt. Ob Wasserbauer also eine gute Nachricht verkündete, blieb an diesen Tag offen. Die Schatten der Vergangenheit hängen weiter über der Oper Köln.

 Opernhaus-Sanierung:  Damokles-Schwert über Kölner Kunst
Die Hauptspielstätten von Schauspiel und Oper Köln am Offenbachplatz werden seit Jahren saniert. Die Eckpunkte dieser Sanierung: Kosten €253 Mio, Wiedereröffnung im August 2015.

Oper Köln am Offenbachplatz - Ein teurer Sanierungsfall © IOCO

Oper Köln am Offenbachplatz – Ein teurer Sanierungsfall © IOCO

Interimspielstätten der Oper Köln für große Produktionen werden bis 2015 der Musical Dome (Oper am Dom), das Oberlandesgericht (La Clemenza di Tito) und die Trinitatiskirche (The Turn of the Screw) sein. Kinderoper wird überwiegend im Alten Pfandhaus gespielt. Alle Produktionen können  nur im Stagione-Betrieb erfolgen. So wird in der Oper am Dom den halben Dezember 2013 Hänsel und Gretel, den ganzen Februar 2014 nurCäcilia Wolkenburg, eine Kölner Eigenproduktion aus Operette, Opernmusik, Tanz und kölscher Musik gespielt. Die Interimspielstätte Palladium steht ab Januar 2014 nicht mehr zur Verfügung.

Die Eröffnung des Opernhauses in 2015 ist kein Selbstläufer. Desaster bei der Sanierung der Theater in Berlin (Staatsoper) und Hamburg (Elbphilharmonie) raten zur Vorsicht.  Doch Projektleiter Andreas Fischer, ab 1. September neuer Technischer Direktor der Bühnen Köln, ist optimistisch: Die Spielzeit 2015/16, so Fischer selbstbewußt in der Pressekonferenz, wird planmäßig in der sanierten Oper Köln am Offenbachplatz stattfinden. IOCO wird die Sanierung kritisch begleiten und berichten.

Spielplan: Großes Musiktheater  und prickelndes  Jugendtheater
2013/14 bringt die Oper Köln packendes, aus logistischen Gründen meist En-suite (nacheinander) gespieltes Musiktheater auf ihre Bühnen:

–   Premieren (7): Eugen Onegin, Musik, Die Fledermaus, Jakob Lenz, Der Freischütz, Otello,  Liebestrank

          Eugen Onegin von Peter Tschaikowsky: Premiere 20.10.2013, Dirigent Markus Poschner, Inszenierung Dietrich W. Hilsdorf, Larina Dalia Schaechter, Tatjana Olesya Golovneva, Eugen Onegin Andrei Bondarenko, Lenskij Matthias Klink

          MUSIK, Uraufführung von Michael Langemann: Premiere 7.12.2013 im Palladium, Dirigent Walter Kobera, Inszenierung Helene Hegemann

          Die Fledermaus von Johann Strauss, konzertant, Premiere am 29. 12.2013, Dirigent Gerrit Prießnitz, Eisenstein Bo Skovhus, Adele Claudia Rohrbach, Orlofsky Vesselina Kasarova

          Jakob Lenz von Wolfgang Rihm, Premiere am 22.3.2014 in der Trinitatiskirche, Dirigent Alejo Pérez, Inszenierung Beatrice Lachaussée, Lenz  Miljenko Turk

          Der Freischütz von Carl Maria von Weber, Premiere am 12.4.2014, Dirigent Markus Stenz, Inszenierung Viesturs Kairiss, Ottokar Miljenko Turk, Agathe Claudia Rohrbach, Kaspar Oliver Zwarg

          Otello von Giuseppe Verdi nach William Shakespeare, Premiere am 18.5.2014,  Inszenierung Johannes Schaaf, Dirigent Will Humburg, Otello José Cura, Desdemona Anne Schwanewilms, Jago Samuel Youn

          Der Liebestrank von Gaetano Donizetti, Premiere am 22.6.2014, Inszenierung Bernd Mottl, Dirigent Andreas Schüller, Adina Anna Palimina / Gloria Rhem, Nemorino  Javier Camarena / Jeongki Cho, Belcore Christopher Bolduc / Miljenko Turk, Dulcamara Carlo Lepore / Matias Tosi

–   Wiederaufnahmen (7):  Tosca am  15.9.2013, Wozzeck 29.9.2013, Alcina 26.10.2013, Rigoletto 22.11.2013, Hänsel und Gretel 15.12.2013, La Forza del Destino 18.1.2014, Samson et Dalila 16.3.2014 mit Spitzen-Besetzung: Dalila Vesselina Kasarova, Samson Lance Ryan, Oberpriester Samuel Youn

Oper Köln und Alcina, Oberto (Adriana Gamboa) und Ruggiero (Franziska Gottwald) © Klaus Lefebvre

Oper Köln und Alcina, Oberto (Adriana Gamboa) und Ruggiero (Franziska Gottwald) © Klaus Lefebvre

Oper Köln und Alcina, Alcina (Claudia Rohrbach) und Ruggiero ( Franziska Gottwald) © Klaus Lefebvre

Oper Köln und Alcina, Alcina (Claudia Rohrbach) und Ruggiero ( Franziska Gottwald) © Klaus Lefebvre

Oper Köln, Alcina, Morgana (Anna Palimina) und Bradamante (Katrin Wundsam) © Klaus Lefebvre

Oper Köln, Alcina, Morgana (Anna Palimina) und Bradamante (Katrin Wundsam) © Klaus Lefebvre

 

 

 

 

 

 

 


–  Tanzgastspiele (2): Leonce und Lena, Tanzgastspiel 2

–  Kinderoper / Jugendoper (7):  1. Der Räuber Hotzenplotz ab 14.9.2013, für Kinder ab 5 Jahren; 2. Das kleine-Ich-bin-ich als mobile Produktion ab 2.12.2013; 3. Der gestiefelte Kater ab 26.4.2014, für Kinder ab 8 Jahren; 4. Les enfants terribles / Die schrecklichen Kinder ab 25.6.2014, für Jugendliche ab 15 Jahren; 5. Orpheus in der Unterwelt,  ab 17.1.2014 für Kinder ab 8 Jahren; 6. Schneewittchen ab 13.3.2014, für Kinder ab 5 Jahren; 7. Am Pilz der Zeit ab 13.10.2013 – Profis und Promis lesen vor, kostenlose Matineén im Alten Pfandhaus

– Zahlreiche Sonderveranstaltungen:  

  • Liederabende u.a. mit Claudia Rohrbach, Gloria Rehm, Martin Kränzle, meist in der Trinitatiskirche
  • Lieder und Lidele: Ein Dialog zwischen jiddischen und deutschen Volksliedern, im Foyer der Oper am Dom, ab 29.3.2014
  • Der Rosenkavalier von Richard Strauss am 8.6.2014, ein Stummfilm aus dem Jahr 1926
  • Artaserse, konzertante Oper von Leonardo Vinci, am 9.3.2014
  • Tamerlano, konzertante Oper von Georg Friedrich Händel, am 4.5.2014
Grab Georg Friedrich Händel in Westminster Abbey London © IOCO

Grab Georg Friedrich Händel in Westminster Abbey London © IOCO

Die Oper Köln bietet auch während der langen Sanierungszeit in Interimspielstätten (Bild) eingeschränkte, aber reizvolle wie vielfältige Kultur. Und doch trägt die Oper Köln noch heftig an den lauten Etat-Querelen der Vergangenheit. Zweifel an der finanziellen Solidität des Hauses sind auch nach dieser Pressekonferenz nicht ausgeräumt. Das Großprojekt „Sanierung des Opernhauses bis August 2015 und zu den vereinbarten Kosten“ wirkt  nicht gesichert. Zudem raten Sanierungs-Debakel in Hamburg und Berlin zur Vorsicht. Jahre werden vergehen, bis in Köln wieder ein respektierter Opernbetrieb  von überregionaler Bedeutung einkehrt. Intendantin Dr. Birgit Meyer und ihr Team bewegen sich mit ihrem Spielplan 2013/14 auf steinigem und mit vielen Risiken gepflasterten Weg.

IOCO / Viktor Jarosch / Juni 2013

Aktuell:
Laut Nachricht vom 18. Juli 2013 plant der Kölner Stadtrat den Vertrag mit Dr. Birgit Meyer, Intendantin der Oper Köln, über das Jahr 2015 hinaus zu verlängern.

—| IOCO Aktuell Oper Köln |—

Nächste Seite »