Giessen, Stadttheater Giessen, Heiner Goebbels – „mit einem Namen aus einem alten Buch“, IOCO Kritik, 24.05.2018

Stadttheater Giessen

Stadttheater Gießen © Rolf K. Wegst

Stadttheater Gießen © Rolf K. Wegst

– mit einem Namen aus einem alten Buch –

Szenisches Konzert von Heiner Goebbels

Von Ljerka Oreskovic Herrmann

Ein ungewöhnlich, aber poetisch anmutender Titel für ein Stück, das in gewisser Weise keines ist und schon gar keine beschauliche, gute alte Zeit beschwört. Soviel vorneweg und doch entsteht im Laufe des Abends, der gut 90 Minuten dauert, eine dramaturgische Kraft, Theater im besten Sinne. Oder wie es im Programmheft steht: „Eine Sinnlichkeit, die das, was sinnig erscheint, überhaupt erst zum Tragen bringt.“ Unterteilt wird der Abend in sechs musikalisch-szenische Kompositionen mit Texten von Rainald Goetz, Alain Robbe-Grillet, Heiner Müller, Hugo Hamilton und Nicolas Poussin. Die Musik stammt von Frédéric Chopin, Franz Schubert und Heiner Goebbels.

Es beginnt mit Befreiung, nach einem Text von Rainald Goetz aus Krieg, und einer Auftragsarbeit für die Alte Oper Frankfurt zur 200. Wiederkehr der Französischen Revolution. Aber 1989 ist nicht nur ein Revolutionsgedenkjahr (mit Musik), sondern für Goebbels eher die Abkehr von „abgedroschenem Revolutionsvokabular“ angesichts der Umwälzungen, die sich dann in der DDR oder Rumänien vollziehen sollten.

Stadttheater Giessen / mit einem Namen aus einem alten Buch - hier : Lisa Friedrich © Rolf K. Wegst

Stadttheater Giessen / mit einem Namen aus einem alten Buch – hier : Lisa Friedrich © Rolf K. Wegst

Lisa Charlotte Friederich in weißer Bluse und schwarzer Hose steht zu Beginn ganz wie im Konzert üblich seitlich vor den Musikern und dem Dirigenten. Am Ende des ersten Stücks, wenn die Musik und Friederich verstummen, fährt der Orchestergraben mit ihnen nach unten, während sich die Bühne bis zur Hinterbühne weitet. Dort sitzt ein Mann an einem langen rechteckigen Tisch mit dem Rücken zum Publikum vor einem Bücherarrangement. Links und rechts des Tisches hängen rote Vorhänge, während auf der vorderen Drehbühne zwei Flügel im Dunkel wahrnehmbar werden. Langsam drehen sie sich, je nachdem welcher im Einsatz ist und auch die Rezitatorin wieder erscheint.

Während Lisa Charlotte Friederich rhythmisch-preschend, beinahe atemlos ihren Text vorgetragen hat, bleibt die Stimme – wir sehen zunächst nur seinen Rücken – von David Bennent ruhig, gleichmäßig im Klang und Ausdruck. Ein schöner Kontrast, nicht nur der beiden Protagonisten, sondern auch der Texte. Hier Revolution, die keine mehr sein sollte, dort das quasi-persönliche Moment während einer Theaterprobe (Text von Alain Robbe-Grillet), in der Bennent minutiös beschreibt, was wir sehen – eben eine Szene.

Stadttheater Giessen / mit einem Namen aus einem alten Buch - hier : Lisa Friedrich und MusikerInnen © Rolf K. Wegst

Stadttheater Giessen / mit einem Namen aus einem alten Buch – hier : Lisa Friedrich und MusikerInnen © Rolf K. Wegst

Es folgt Herakles 2 für fünf Blechbläser, Schlagzeug und Sampler. Ursprünglich ohne Text konzipiert, hat Goebbels für dieses szenische Konzert einen Text von Heiner Müller als Ausgangspunkt bzw.  die „Architektur des Textes als Anlass für die Struktur“ seiner Musik genommen. Wieder zieht die Musik an, es ist der Kampf des Herakles gegen die Hydra, in der er zur Kampfmaschine wird. Die Musiker sitzen auf der Drehbühne, die durch ihre wiederholten Drehungen diesen Eindruck noch verstärkt.

Mit La jalousie folgt ein leiser, beinahe filmischer Teil (die Zeit der Nouvelle Vague-Filme und des Nouveau roman erweckend, dessen exponierter Vertreter Robbe-Grillet ist), der mit der Doppeldeutigkeit des französischen Wortes spielt: Es werden „Jalousien“ als Projektionen gezeigt: Durchsichtigkeit oder Verdecken, Sichtbarkeit oder Verstecken sind möglich – auch der Emotionen. Womit wir bei der zweiten Bedeutung wären: „jalousie“ meint ebenso die Eifersucht, die als solche nie ausgesprochen wird, aber mit 16 Musikern ein relativ groß besetztes Stück und damit dem Ungenannten einen großen musikalischen Rahmen bietet.

Der Drive nimmt weiter zu, das Spannungsgefüge auch. Wie zwei Klaviere und ein Schlagzeug – für diesen Abend von Goebbels als neue Version erarbeitet – das 1994 für großes Orchester komponierte Surrogate Cities zusammen mit der expressiv agierenden und sprechenden Friederich als rastlos rasendes, rhythmisches Stück den ganzen Zuschauerraum elektrisieren, ist unglaublich. Es basiert auf Hugo Hamiltons Roman Surrogate City, in dem dieser seine Erfahrungen als Fremder in den 70er Jahren des vergangen Jahrhunderts in Berlin schildert.

Stadttheater Giessen / mit einem Namen aus einem alten Buch - hier : Lisa Friedrich und David Bennent © Rolf K. Wegst

Stadttheater Giessen / mit einem Namen aus einem alten Buch – hier : Lisa Friedrich und David Bennent © Rolf K. Wegst

Bennent umkreist die Bühne, kommt nach vorne zu den heruntergelassen Säulen auf der Drehbühne. Darauf werden die Übersetzungen seines französisch vorgetragenen Textes projiziert. Was den Effekt des gesprochenen noch verstärkt, ihm eine Intensität verleiht. Den Songs of wars I’ve seen/Nr. 26, dem letzten Teil des Konzerts, liegt ein Brieftext des Barockmalers Nicolas Poussin zugrunde, in dem dieser zuvorderst sein ästhetisches Verständnis von Bildkompositionen verhandelt. Vom Text- zur Klangfläche führt uns Goebels zu einem Trompetensolo, womit er das Konzert ausklingen lässt: Die Musiker sitzen im Halbkreis, nur noch ein den Drehbühnenkreis erleuchtendes Licht von oben, strahlt auf sie herab und erlischt mit dem langsamen Verhallen des Trompetenklangs.

Das Konzert kreist immer wieder um die Frage nach der Zuverlässigkeit von Wahrnehmung. In verschiedenen szenisch-musikalischen Anordnungen hat Goebbels auszuloten versucht, ob jemals eine vage Annäherung oder gar Sicherheit diesbezüglich überhaupt erreicht werden kann. Aber so wie der Text flüchtig ist, ist es auch die Musik, nur der Raum – der Theaterraum – bleibt eine verlässliche(re) Konstante. Diesen setzt Goebbels ein und bringt ihn vollkommen zur Geltung: Mit dem leeren  Bühnenraum, der Verwendung der Drehbühne, den Projektionen und wenigen Mitteln (wie Säulen, Vorhänge, Tisch) und Licht erweckt er eine Welt, die weitere Assoziationen eröffnet, mit Text und Musik Verbindungen eingeht oder auch Irritationen zulässt. Und damit erneut bei Poussins Frage nach der Bildkomposition unweigerlich anlangt, die gerade im Theater, nicht nur im Gießener, Abend für Abend jeweils aufs Neue beantwortet werden muss und wird. Im Stadttheater Gießen, soviel steht fest, ist die Antwort gelungen.

Stadttheater Giessen / mit einem Namen aus einem alten Buch - hier : David Bennent © Rolf K. Wegst

Stadttheater Giessen / mit einem Namen aus einem alten Buch – hier : David Bennent © Rolf K. Wegst

Lisa Charlotte Friederich und David Bennent bilden einen spannenden Gegensatz zueinander und zur Musik: Friederichs eindringliche gesprochene, ja agitatorische Intensität auf der einen, die ruhige, souveräne Präzision und Klarheit Bennents auf der anderen Seite. Unter der Leitung von Pablo Druker demonstriert das Philharmonische Orchester Gießen eindrücklich, wie eine Klangarchitektur, die keine lineare Geschichte erzählt, eine Stimmung erzeugt und das (junge) Publikum zu packen vermag. Und dazu tragen die Gastmusiker ihren nicht minder wichtigen Teil ebenso bei: allen voran die beiden Pianisten Neus Estarellas (auch Sampler) und Evgeni Ganev sowie Špela Mastnak am Schlagzeug. Die anderen sind: Emi Ohi Resnick (Violine), Tiberu Idvorean und Konstantin Jochim (Viola), Attila Hündöl und Torsten Oehler (Cello), Pierre Dekker (Bass), Carol Brown und Kirsten Mehring (Flöte), Gottfried Köll (Oboe), Thomas Orthaber (Bassklarinette), Mareike Hoffmann und Maria Plümacher-Oliveira (Fagott), Victor Lozano Mariano (Horn), Rike Huy und Johannes Osswald (Trompete 1 und 2), Maximilian Winter und Kurt Förster (Bassposaune 1 und 2), Ruben Durá (Tuba) sowie Florian Zenker, Josef Müksch und Steffen Ahrens (E-Gittare).

Ein nachhallender, wirkmächtiger Theaterabend, das ein begeistertes Publikum mit einhelligem Applaus belohnt.

mit einem Namen aus einem alten Buch – Stadttheater Giessen: Die nächsten Termine: 8.6.; 9.6.; 10.6.2018

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Osnabrück, Theater Osnabrück, Mutter Courage von Bertolt Brecht, IOCO Kritik, 02.03.2018

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Theater Osnabrück

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

 Mutter Courage von Bertolt Brecht als Anti-Kriegs-Stück

Welt aus den Fugen

Von Hanns Butterhof

Starker Beginn im Theater am Domhof. Kaum ist das Ensemble wortlos auf die Bühne getreten, stürzen alle auf einen Schlag wie von einer Bombe dahingerafft nieder. Der Krieg ist unmittelbar verstörend und effektvoll da in Bertolt Brechts Bühnenklassiker Mutter Courage  von 1941, den Schirin Khodadadian als Anti-Kriegs.Stück inszeniert.

Theater Osnabrück / Mutter Courage hier_ Monika Vivell singt zur Musik der Band © Marek Kruszewski

Theater Osnabrück / Mutter Courage hier – Monika Vivell singt zur Musik der Band © Marek Kruszewski

Carolin Mittler hat für die 12 Bilder des Stücks eine abstrakte, sehr ausdrucksstarke Bühne gebaut. Ein verrutschter Rahmen umgibt sie vorn, weitere sind im Hintergrund gestaffelt wie Trauerränder um eine Welt, die aus den Fugen ist. Auf einer Schräge kämpft Mutter Courage mit ihrem immer unhandlicher werdenden Planwagen und ihren drei Kindern im Dreißigjährigen Krieg als Marketenderin chancenlos dagegen an, auf ihr abzurutschen.

Monika Vivell ist eine heutige, realistische Courage, wandlungsfähig von sanft säuselnd bis schneidend hart. Sie muss im Krieg und mit ihm den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder verdienen.

Die allerdings fallen dem Krieg zum Opfer. Eilif (Valentin Klos) wird zum Tode verurteilt, weil er als Soldat im Frieden das Töten nicht ließ, Schweizerkas (Niklas Bruhn), weil er als Zahlmeister die Regimentskasse vor dem Feind retten wollte, aber für deren Dieb gehalten wurde. Die stumme Kattrin schließlich wird erschossen, um sie daran zu hindern, dass sie eine Stadt davor warnt, überfallen zu werden; als der eindrucksvoll stummen Stimme der Menschlichkeit fliegen Marie Bauer die Herzen des Publikums zu.

Theater Osnabrück / Mutter Courage hier - Die Courage bangt um ihre Kinder Kattrin und Schweizerkas © Marek Kruszewski

Theater Osnabrück / Mutter Courage hier – Die Courage bangt um ihre Kinder Kattrin und Schweizerkas © Marek Kruszewski

Die Familiengeschichte der Courage und ihren Ruin erzählt Schirin Khodadadian in symbolisch zugespitzten, teilweise karikierenden Bildern und Uniformen (Kostüme: Charlotte Sonja Willi) mit Orden, groß wie Spiegeleier. Die meist von Vivell ausdrucksstark über Mikro vorgetragenen Songs, die den Erzählfaden ständig unterbrechen, kommentieren und rechtfertigen ihr Handeln und sind so gruselig nihilistisch wie realistisch.

Michael Barfuß, Mischa Vernov und Falk Zimmermann erwecken live nicht nur das provokativ Schräge der Musik von Paul Dessau mit elektronischen Verzerrungen und kräftiger Percussion zu frischem Leben. Sie halten den Krieg auch akustisch auf der Bühne gegenwärtig.

Erst gegen Ende des Stücks zeigt sich die Courage als selbstlose Mutter. Ihr finales „ich muss“ taucht ihr Gewinnstreben ins mildernde Licht der Fürsorge. Das öffnet den Blick über die effektvoll inszenierte Gratis-Verurteilung von Krieg hinaus darauf, dass es unsere Welt ist, die aus den Fugen ist und jeden Tag wie alternativlos das Einverständnis mit ihrer Unvollkommenheit fordert.

Nach gut zwei Stunden spannenden Spiels ohne Pause viel Applaus für das ganze Ensemble, vor allem Monika Vivell und Marie Bauer sowie die Musiker.

Mutter Courage am Theater Osnabrück; Die nächsten Termine: 9.3; 20.3.; 17.4; 22.4.2018 jeweils 19.30 Uhr.

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Giessen, Stadttheater Giessen, Ariadne auf Naxos von Richard Strauss, IOCO Kritik, 12.01.2018

Januar 11, 2018 by  
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Stadttheater Giessen

Stadttheater Gießen © Rolf K. Wegst

Stadttheater Gießen © Rolf K. Wegst

Ariadne auf Naxos von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal 

“ DAS EWIGE SPIEL“

Von Ljerka Oreskovic Herrmann

Grabstaette Hugo von Hofmannsthal © IOCO

Grabstaette Hugo von Hofmannsthal © IOCO

Es sollte ein Meisterwerk werden: Hugo von Hofmannsthal sah in Ariadne auf Naxos zunächst „nur“ eine, wie er es nannte, „Spielerei“, die aber hatte es in sich, denn das Thema ist ein zutiefst menschliches: die Treue. „Es ist eine meiner persönlichsten und mir wertesten Arbeiten…“, schreibt Hofmannsthal im Dezember 1911 an Richard Strauss. Und in einem anderen Brief aus dem selben Jahr fordert er vom Komponisten dafür Verständnis: „Ich werde gelegentlich Ihr Entgegenkommen fordern, wo eine Dichtung ein mehr dienendes Verhältnis der Musik in gewissen Szenen erheischt...“ Tatsächlich war Strauss bereit, sich ganz in den Dienst der Sprache Hofmannsthals zu stellen. Das Orchester reduzierte er auf 36 Musiker, die Textverständlichkeit spielte für ihn eine wesentliche Rolle – doch ist seine Musik nicht bloß musikalisches Dekor oder Untermalung der Szenen. Ganz im Gegenteil! Und so hat er dem Text, die alte Diskussion um den Vorrang von Musik und Text befeuernd, im Hofmannsthalschen Sinne beantwortet – ja wirklich „gedient“ und wundervolle Musik insbesondere für die drei Sängerinnen geschrieben.

Stadttheater Giessen / Ariadne auf Naxos - hier Ensemble © Rolf K. Wegst

Stadttheater Giessen / Ariadne auf Naxos – hier Ensemble © Rolf K. Wegst

Und diesem Anspruch ist das Gießener Sängerensemble mehr als gerecht geworden und deshalb gleich vorneweg: Die Übertitelung ist eigentlich überflüssig (die Arbeit dahinter soll aber nicht weniger wertgeschätzt werden), denn alle Mitwirkenden sind hervorragend zu verstehen – jedes Wort, jede Betonung sitzt und zeugt von der geleisteten Arbeit an diesem Konversationsstück. Die Übergänge vom gesprochenen zum gesungenen Text gelingen mühelos und die vokalen Leistungen von Komponist, Zerbinetta und Ariadne sind außerordentlich. Annelie Sophie Müller ist ein herrlich unbedarft-jugendlicher Komponist, bei dem sich die Frage nach „künstlerischer Treue“ mit aller Wucht stellt. Sein „Leiden“ am Banausentum der Menschen im allgemeinen und „seiner Kollegen“ im besonderen nimmt man Müller alias Komponist ab, man leidet förmlich mit ihm und gönnt ihm fast schon die Zerbinetta, gehörte sie nicht selbst zur Truppe der „burlesken Kunstunverständigen“. Diese wiederrum, von Diana Tomsche gespielt, erreicht besonders im zweiten Teil an darstellerischem Format auch im Hinblick auf ihren weiblichen Widerpart Ariadne. Dorothea Maria Marx ist stimmlich wie darstellerisch eine grandiose Primadonna bzw. Ariadne, die der Figur die geforderte Tiefe verleiht und damit auch den Komponisten versöhnt – auch wenn dieser nach dem Vorspiel nicht mehr auftritt.

Während im Vorspiel ein entsprechendes Durcheinander im Wiener Palais (rechts und links mit Türen versehen) herrscht, die dem Theater so eigenen Eitelkeiten und Nervositäten zelebriert werden, die Komödie also ihren Lauf nimmt, gelingt es Hans Hollmann im Ariadne-Teil „ihrem unter Spiel versteckten tiefen Sinn“ (Hofmannsthal) der Oper zu beglaubigen. Überhaupt scheint Hollmann seinen dichterischen Landsmann genau gelesen und umgesetzt zu haben: „Das ausgeklügelt Enge dieses Spiels, diese zwei Spielergruppen nebeneinander, engster Raum, sorgfältige Berechnung jeder Gebärde, jedes Schrittes, das Ganze ein Konzert und gleichzeitig ein Tanz…“

Stadttheater Giessen / Ariadne auf Naxos - hier Ensemble © Rolf K. Wegst

Stadttheater Giessen / Ariadne auf Naxos – hier Ensemble © Rolf K. Wegst

Die Bühne ist fast leer – nur eine Art Bett in der Mitte, Vorhänge sowie Theseus-Büste und -Bilder. Ariadne trauert ihrem Theseus hinterher, der sie einfach verlassen hat. Auf dieser Bühneninsel ist Ariadne sich selbst überlassen, während Zerbinetta und ihre vier Verehrer – von den Seitenlogen kommend – alles daransetzen, diese Dame aufzuheitern. Trotz schöner Sing- und Tanzeinlagen bleibt Ariadnes Treue zu Theseus unverbrüchlich bestehen. Zerbinetta, als einzige in einem die Commedia dell’arte andeutenden Kostüm, hält unterdessen ihre Lebensweisheiten parat: Was soll’s, einer ist weg, dafür wird ein anderer kommen. Doch es hilft nichts. Auch die Nymphen, die von oben immer wieder herunterschweben, vermögen Ariadnes Todessehnsucht nicht umzustoßen – als sie die Ankunft Bacchus ankündigen, glaubt diese endlich durch den Götterboten Hermes erlöst zu werden. Aber es ist Bacchus, der Gott des Lebens, der ihr die ersehnte Lösung bringen wird. Wie die beiden – Michael Siemon ist Dorothea Maria Marx sängerisch wie darstellerisch ein ebenbürtiger Partner – um das Bett kreisen und obwohl schneller werdend einander nie erreichen, ist ein schöner und augenzwinckernder Schluss.

Zerbinettas vier Herren tragen weiße Fräcke, singen und spielen mit großer Verve, allen voran Grga Peroš als Harlekin sowie die nicht minder gut aufgelegten Pascal Herington (Scaramuccio), Thomas Stimmel (Truffaldin) und Miloš Bulajic (Brighella). Lukas Noll, der nicht nur für die Bühne, sondern auch für die Kostüme verantwortlich zeichnet, lässt sie somit auf die Entstehungszeit der Oper verweisen, als äußere Etikette noch wichtig war. Derweil lässt er die drei Nymphen ihrer Bestimmung gemäß einkleiden: bei Sofia Pavone als Dryade (Baumnymphe) ragen unter ihrem Kleid Äste hervor, Natascha Jung als Najade hat einen Fischschweif und bei Karola Pavone als Echo ist nur noch ein abgenagter Fischschwanz übrig geblieben. Alle drei Damen – Mozarts Zauberflöte lässt grüßen – sind nicht ganz von dieser Welt und doch dazugehörig und daneben singen sie ganz wunderbar. Einzig der Haushofmeister – Harald Pfeiffer gibt ihn arrogant-hochmütig, da er obzwar die Stimme seines Herrn unabhängig und unberührt von allen Zwistigkeiten ist – steckt irgendwie zumindest äußerlich in einer anderen Zeit fest: der Zeit Mozarts.

Stadttheater Giessen / Ariadne auf Naxos - hier Ensemble © Rolf K. Wegst

Stadttheater Giessen / Ariadne auf Naxos – hier Ensemble © Rolf K. Wegst

Das hervorragende Sängerensemble komplettieren Tomi Wendt (Musiklehrer), Christopher Meisemann (Offizier), Clemens Kerschbaumer (Tanzmeister), Marcus Licher (Perückenmacher) und Gunnar Fritsch (Lakai). Die choreographische Mitarbeit war bei Tarek Assam in guten Händen.

Das Philharmonische Orchester Gießen beweist erneut seine musikalischen Qualitäten unter ihrem GMD Michael Hofstetter, der zudem auch nachdrücklich belegt, dass er ein exzellenter Begleiter für Sänger und Sängerinnen ist, ohne das Ganze aus den Augen zu verlieren. Und er hat auf beglückende und geglückte Weise, das Meisterwerk Ariadne, „das über 300 Jahre Musikgeschichte erzählt“ (so Hofstetter im Programmheft), musikalisch neues Leben eingehaucht. Großer, einhelliger Applaus.

Ariadne auf Naxos am Stadttheater Giessen; weitere Vorstellungen 14.1.2018; 2.2.; 29.3.: 29.4.; 26.5.2018

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Frankfurt, Oper Frankfurt, HIGHLIGHT – SPIELPLAN FEBRUAR 2018

Dezember 5, 2017 by  
Filed under Oper Frankfurt, Pressemeldung, Spielpläne

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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

HIGHLIGHTS IM SPIELPLAN DER OPER FRANKFURT IM FEBRUAR 2018


 Frankfurter Erstaufführung ROBERTO DEVEREUX – Konzertant

Tragedia lirica in drei Akten von Gaetano Donizetti

Freitag 2. Februar 2018, Weitere Vorstellung: 4. Februar 2018 um 19.00 Uhr
Preise: € 15 bis 115 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Oper Frankfurt / Roberto Devereux - Giuliano Carella (Musikalische Leitung ) © Agentur

Oper Frankfurt / Roberto Devereux – Giuliano Carella (Musikalische Leitung ) © Agentur

Gaetano Donizetti (1797-1848) gilt als einer der Hauptkomponisten des Belcanto. Roberto Devereux gehört zu seiner sogenannten Tudor-Trilogie, welche Persönlichkeiten aus dem englischen Königsgeschlecht in den Handlungsmittelpunkt stellte. Der Uraufführung des Werkes am 29. Oktober 1837 am Teatro San Carlo in Neapel gingen die für Mailand komponierten Opern Anna Bolena (1830) und Maria Stuarda (1835) voraus. Die geschichtlich verbürgten Fakten dienten dabei jedoch lediglich als Hintergrund für eine operntypische Liebesgeschichte. Nach dem großen Premierenerfolg wurde Roberto Devereux rasch an italienischen Häusern und später auch im Ausland nachgespielt. Donizettis Königinnen-Opern galten lange Zeit als Primadonnen-Vehikel, die in den 1950er Jahren durch Sängerinnen wie Maria Callas und Leyla Gencer sowie später von Beverly Sills dem Vergessen entrissen wurden. Mit den beiden konzertanten Aufführungen erklingt das Werk erstmals in Frankfurt.

Oper Franfurt / Roberto Devereux - Adela Zaharia (Sopran / Elisabeth I.) ©Klaudia Taday

Oper Franfurt / Roberto Devereux – Adela Zaharia (Sopran / Elisabeth I.) ©Klaudia Taday

Die Handlung schildert den tragischen Verlauf der mutmaßlich letzten Liebe von Englands „jungfräulicher Königin“ Elisabeth I. zu Roberto Devereux, dem 2. Earl of Essex. Als bekannt wird, dass dieser neben der Gunst der alternden Monarchin auch die ihrer jungen Hofdame Sara, Ehefrau seines besten Freundes, des Herzogs von Nottingham, genießt, kommt es, angefeuert von einer Intrige des getäuschten Ehemannes, zur Tragödie. An deren Ende verliert Roberto den Kopf auf dem Schafott und die Königin dankt zu Gunsten ihres Neffen Jakob, Sohn Maria Stuarts, ab.

Die musikalische Leitung liegt bei dem Italiener Giuliano Carella, der neben Dirigaten an internationalen Häusern auch regelmäßig in Frankfurt gastiert, so u.a. 2009/10 mit Donizettis Anna Bolena (konzertant). Donizettis Don Pasquale ist an der Staatsoper Stuttgart geplant, wo er zuvor schon u.a. Bellinis I puritani dirigierte. Die rumänische Sopranistin Adela Zaharia (Elisabetta I.) ist seit 2015/16 Ensemblemitglied an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf, wo sie u.a. als Donizettis Lucia di Lammermoor Triumphe feierte. 2017 gewann sie den Ersten Preis beim renommierten Operalia-Wettbewerb von Placido Domingo. Juan Jesús Rodríguez (Nottingham) stammt aus Spanien und gilt als ausgewiesener Verdi-Bariton. In der Vergangenheit gastierte er an der New Yorker Metropolitan Opera sowie an den Opernhäusern von Madrid, Rom und Hamburg. Alice Coote (Sara) war bisher regelmäßig an der Oper Frankfurt zu erleben, u.a. als Sesto in Mozarts Titus, Charlotte in Massenets Werther und Marguerite in Berlioz´ Fausts Verdammnis. Zu ihren Stationen zählen viele Engagements an der New Yorker Met, wohin sie bald als Le Prince Charmant in Massenets Cendrillon zurückkehren wird. Im Ensemble der Oper Frankfurt beheimatet ist der aus Guatemala stammende Mario Chang (Roberto Devereux), der in Frankfurt zuletzt als Herzog in Verdis Rigoletto und Lenski in Tschaikowskis Eugen Onegin zu erleben war. Auch Daniel Miroslaw (Gualtiero Raleigh) gehört dem Frankfurter Ensemble an, während Ingyu Hwang (Lord Cecil) Mitglied des Opernstudios war.


Premiere 22. Februar 2018 19.30 Uhr Bockenheimer Depot, weitere Vorstellungen:  24., 26. Februar, 1., 4., 5. März 2018, jeweils um 19.30 Uhr

Premiere / Uraufführung
A WINTERY SPRING – EIN WINTERLICHER FRÜHLING

Dramatisches Lamento in drei Szenen von Saed Haddad (*1972), Kompositionsauftrag der Oper Frankfurt und des Ensemble Modern, In englischer und arabischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere / Szenische Erstaufführung
IL SERPENTE DI BRONZO (DIE BRONZENE SCHLANGE)

Kantate ZWV 61 von Jan Dismas Zelenka, italienisch mit deutschen Übertiteln

Musikalische Leitung: Franck Ollu; Regie: Corinna Tetzel
Mitwirkende A Wintery Spring: Alison King (Sopran), Deanna Pauletto (Alt), Brandon Cedel (Bassbariton)
Mitwirkende Il serpente di bronzo: Cecelia Hall (Egla), Judita Nagyová (Namuel), Brandon Cedel (Dio), Dmitry Egorov (Azaria), Michael Porter (Mose)

Oper Frankfurt / Saed Haddad (Komponist von A Wintery Spring; © Wesam M. Haddad

Oper Frankfurt / Saed Haddad (Komponist von A Wintery Spring; © Wesam M. Haddad

Das dramatische Lamento A Wintery Spring (Ein winterlicher Frühling) des in Jordanien geborenen und seit 2002 in Deutschland lebenden Komponisten Saed Haddad (*1972) setzt sich – ohne eine konkrete Geschichte über den Arabischen Frühling erzählen zu wollen – mit den aktuellen politischen wie sozialen Strukturen und Haltungen im Nahen Osten auseinander, auf der Suche nach Wegen, die Menschen und Traditionen miteinander verbinden könnten. Der Text dieses Kompositionsauftrags von Oper Frankfurt und Ensemble Modern basiert auf Gedichten des libanesischen Schriftstellers Khalil Gibran (1883-1931), dessen zentrale Themen Leben, Tod und Liebe sind. Kombiniert wird das dramatische Lamento mit der szenischen Erstaufführung der Kantate Il serpente di bronzo (Die bronzene Schlange) des böhmischen Barockkomponisten Jan Dismas Zelenka (1679-1745), in der Gott das zweifelnde Volk Israel mit einer Schlangenplage bestraft, so dass es schließlich seine Verfehlungen erkennt.

Oper Frankfurt / Haddads A Wintery Spring (Premiere / Uraufführung) / Zelenkas Il serpente di bronzo - Corinna Tetzel (Regie;) © Qiaochu Sun

Oper Frankfurt / Haddads A Wintery Spring (Premiere / Uraufführung) / Zelenkas Il serpente di bronzo – Corinna Tetzel (Regie;) © Qiaochu Sun

Die musikalische Leitung liegt bei dem französischen Dirigenten Franck Ollu, dessen künstlerische Arbeit ihn bereits seit vielen Jahren eng mit dem Ensemble Modern verbindet. Aktuell dirigiert der Spezialist für Neue Musik einen weiteren Doppelabend, bestehend aus Wolfgang Rihms Das Gehege in Kombination mit Luigi Dallapiccolas I prigioniero am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel sowie im Anschluss an der Staatsoper Stuttgart. Corinna Tetzel (Regie) war der Oper Frankfurt von 2011/12 bis 2016/17 als Regieassistentin verbunden und inszenierte hier u.a. 2015 die Uraufführung von Lior Navoks An unserem Fluss im Bockenheimer Depot. Die Sängerbesetzung besteht fast vollständig aus Mitgliedern des Ensembles und des Opernstudios der Oper Frankfurt, darunter in A Wintery Spring Alison King (Sopran) und Brandon Cedel (Bassbariton) sowie in Il serpente di bronzo Cecelia Hall (Egla), Judita Nagyová (Namuel), Brandon Cedel (Dio) und Michael Porter (Mose). Die kanadische Altistin Deanna Pauletto gibt in der Uraufführung ihr Frankfurter Hausdebüt, während der russische Countertenor Dmitry Egorov (Azaria) hier regelmäßig zu Gast ist, zuletzt als Sorceress in Purcells Dido and Aeneas.


Sonntag, 25. Februar 2018, um 17.00 Uhr im Opernhaus

Premiere / Szenische Frankfurter Erstaufführung
L’AFRICAINE – VASCO DA GAMA

Grand opéra in fünf Akten von Giacomo Meyerbeer, In französischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Musikalische Leitung: Antonello Manacorda; Regie: Tobias Kratzer
Mitwirkende: Michael Spyres (Vasco da Gama), Claudia Mahnke (Selika), Brian Mulligan (Nelusko), Kirsten MacKinnon (Ines), Andreas Bauer (Don Pedro), Thomas Faulkner (Don Diego), Magnús Baldvinsson (Der Großinquisitor von Lissabon / Der Oberpriester des Brahma), Michael McCown (Don Alvar), Alison King (Anna) u.a.

Oper Frankfurt / L’Africaine - Michael Spyres © Marco Borelli

Oper Frankfurt / L’Africaine – Michael Spyres © Marco Borelli

Weitere Vorstellungen: 2., 11. (15.30 Uhr; mit kostenloser Betreuung von Kindern zwischen 3 und 9 Jahren), 16., 23., 31. März, 2. (15.30 Uhr) April 2018
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 18.00 Uhr
Preise: € 17 bis 165 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Der deutschstämmige Komponist Giacomo Meyerbeer (1791-1864) galt gut hundert Jahre lang als eine der beherrschenden Figuren im europäischen Musiktheater. Sein Name steht geradezu synonym für ein Genre, welches das Repertoire der Pariser Oper seit den späten 1820er Jahren prägte: die Grand opéra. Für deren Stil sind große Chor-Tableaux und weit ausgreifende Ensembleszenen im kontrastreichen Wechsel mit lyrischen Soloszenen kennzeichnend. Zählt man noch die vom damaligen Publikum erwarteten spektakulären technischen Effekte und das Ballett hinzu, kann man die Grand opéra salopp als Vorläufer des heutigen Blockbuster-Kinos bezeichnen. Als Meyerbeer 1864 kurz vor Probenbeginn zu seinem letzten Werk – dem ein Libretto von Eugène Scribe mit dem geplanten Titel Vasco da Gama zugrunde liegt – überraschend starb, wurde die Oper 1865 in Paris mit etlichen Kürzungen und Auslassungen als L’Africaine mit großem Erfolg uraufgeführt. Um die Jahrhundertwende jedoch verblasste Meyerbeers Stern, und Richard Wagners infames Pamphlet Über das Judentum in der Musik sowie später die Nationalsozialisten taten ein Übriges, so dass Meyerbeers Werke von den Spielplänen verschwanden. Erst am 2. Februar 2013 fand in Chemnitz eine Aufführung von L’Africaine statt – nunmehr unter dem französischen Titel Vasco de Gama –, die sich auf das gesamte Material Meyerbeers stützen konnte. Dieses liegt auch der Frankfurter Produktion zugrunde.

Oper Frankfurt / L’Africaine - Claudia Mahnke (Mezzosopran / Selika © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / L’Africaine – Claudia Mahnke (Mezzosopran / Selika © Barbara Aumüller

Zur Handlung: Vasco da Gama träumt von der Entdeckung unbekannter Horizonte, die er für Portugal erobern will. Nachdem ein erster Versuch, das Kap der Guten Hoffnung zu überwinden, gescheitert ist, versagt der Rat der Admiralität ihm jedoch eine weitere Expedition. Dabei kann Vasco mit Selika und Nelusko, zwei in Afrika auf dem Sklavenmarkt gekauften Fremdlingen, kundige Führer vorweisen. Nach unbedachten Äußerungen lässt ihn der Großinquisitor wegen Gotteslästerung in den Kerker werfen. Ines, seine große Liebe, kann ihn nur befreien, indem sie sich auf die von ihrem Vater befohlene Heirat mit Vascos Rivalen Don Pedro einlässt. Als dieser mit Ines zu einer weiteren Entdeckungsreise aufbricht, folgt Vasco ihm mit einem eigenen Schiff. Am Ziel, im ersehnten fernen Land, werden die Portugiesen von feindlichen Kriegern überwältigt. Den Eindringlingen droht der Tod. Selika, die ehemalige Sklavin, entpuppt sich als Königin ihres Volkes. Sie gibt Vasco als ihren Gatten aus und rettet ihn auf diese Weise. Doch weil sie spürt, dass er Ines nie vergessen wird, entsagt sie ihrer Liebe. Sie ermöglicht den beiden die Flucht und wählt den Freitod unter dem giftigen Manzanillo-Baum.

Für die musikalische Leitung kehrt Antonello Manacorda nach Mozarts Don Giovanni (2016/17) zurück nach Frankfurt. Der Italiener ist u.a. seit 2010 als Chefdirigent der Kammerakademie Potsdam engagiert. Regisseur Tobias Kratzer hat sich bereits ausgiebig mit dem Werk Meyerbeers auseinandergesetzt und inszenierte u.a. Les Huguenots in Nürnberg (2014) und Nizza (2016) sowie Le Prophète in Karlsruhe (2016). Die Stimme des amerikanischen Tenors Michael Spyres (Vasco da Gama) ist prädestiniert für die exponierten Partien der Grand opéra. Neben seinem Debüt an der Oper Frankfurt sind 2017/18 zudem Engagements an der Metropolitan Opera in New York, der Opéra national de Paris und der Wiener Staatsoper geplant. Auch Brian Mulligan (Nelusko) ist Amerikaner und war hier zuletzt 2016/17 als Golaud in Debussys Pelléas et Mélisande sowie 2017/18 als Luna in Verdis Il trovatore zu Gast. Seine Landsfrau Kirsten MacKinnon (Ines) war Schülerin am Curtis Institute of Music in Philadelphia und wird ab der Saison 2018/19 den Sängerstamm der Oper Frankfurt verstärken. Ensemblemitglied Claudia Mahnke (Selika) gastierte kürzlich als Kundry in Wagners Parsifal an der Hamburgischen Staatsoper. Alle weiteren Partien sind mit Mitgliedern des Ensembles und Opernstudios besetzt.


Oper Frankfurt / Rigoletto - Brenda Rae (Gilda) © Monika Rittershaus

Oper Frankfurt / Rigoletto – Brenda Rae (Gilda) © Monika Rittershaus

Samstag, 3. Februar 2018 19.30 Uhr, Weitere Vorstellungen: 9., 11. (15.00 Uhr;  kostenlose Betreuung von Kindern zwischen 3 und 9 Jahren), 11. (19.30 Uhr), 17., 24. Februar, 1., 4. (15.30 Uhr; kostenlose Betreuung von Kindern zwischen 3 und 9 Jahren), 8. März 2018

Erste Wiederaufnahme
RIGOLETTO  von Giuseppe Verdi

 
Musikalische Leitung: Alexander Prior / Simone Di Felice; Regie: Hendrik Müller
Mitwirkende: Franco Vassallo / Željko Lucic (Rigoletto), Brenda Rae / Sydney Mancasola (Gilda), Yosep Kang / Mario Chang (Der Herzog von Mantua), Kihwan Sim / Daniel Miroslaw (Sparafucile), Maria Pantiukhova / Katharina Magiera (Maddalena), Nina Tarandek (Giovanna), Magnús Baldvinsson (Graf von Monterone), Mikocaj Tribka / Iurii Samoilov (Marullo), Michael McCown / Ingyu Hwang (Borsa), Iain MacNeil (Graf von Ceprano), Bianca Andrew / Julia Dawson (Gräfin von Ceprano) u.a.

Oper Frankfurt / Rigoletto - Brenda Rae (Gilda) © Monika Rittershaus

Oper Frankfurt / Rigoletto – Brenda Rae (Gilda) © Monika Rittershaus

Giuseppe Verdis Rigoletto als bewegendes, tiefschwarzes Opernereignis in Frankfurt“ titelte die Fuldaer Zeitung nach der Premiere am 19. März 2017, und tatsächlich hatte man in der Hofgesellschaft von Mantua vermutlich selten so verruchte, jedoch gekonnt geführte Individuen erblickt wie in dieser Produktion. Und deshalb konstatierte der Rezensent der Frankfurter Rundschau: „Vieles an Hendrik Müllers inszenatorischer Arbeit zeigte sich als überdurchschnittlich ideenreich und sorgfältig, ja geradezu liebevoll realisiert.“ Zudem konnte man in der Rheinpfalz lesen: „Hendrik Müller nutzt alle theatralischen Mittel und spielt mit ihnen. Keine Scheu hat er vor pathetischen Gesten, überstarken Bildern, grellen Effekten. Doch setzt er sie ein, um hinter die Figuren zu blicken.“ Nun erfolgt die erste Wiederaufnahme dieser Produktion, die Rigolettos Handeln als Ausdruck übertriebener und sich dadurch gegen die Protagonisten richtende Religiosität zeigt.

Der Fluch eines Opfers seines Spottes holt den buckligen Hofnarren Rigoletto grausam ein: Zwar gelingt es ihm, die Existenz seiner Tochter Gilda vor dem Herzog von Mantua zu verbergen, aber als der Frauenheld das schöne Mädchen dennoch entdeckt und entehrt, schwört Rigoletto blutige Rache und setzt den zwielichtigen Sparafucile auf ihn an. Als sich auch Sparafuciles Schwester Maddalena in den Herzog verliebt, hintergeht der Mörder seinen Auftraggeber, so dass Rigoletto am Ende – statt über den Herzog zu triumphieren – seine sterbende Tochter in den Armen hält.

Der britische Dirigent Alexander Prior gibt mit der Wiederaufnahme dieser Produktion aus der Spielzeit 2016/17 sein Debüt an der Oper Frankfurt. Der 24-Jährige ist seit dieser Saison Chefdirigent des kanadischen Edmonton Symphony Orchestras. In der Titelpartie kehrt nach seinem Einspringen als Don Carlos in zwei konzertanten Aufführungen von Verdis Ernani 2016/17 Franco Vassallo an die Oper Frankfurt zurück. Der italienische Bariton ist regelmäßiger Gast an allen großen Opernhäusern weltweit und gilt als gesuchter Verdi-Bariton. Zuletzt sang er Ford (Falstaff) und Renato (Un ballo in maschera) an der Münchner Staatsoper, Rodrigo (Don Carlos) in Genua und Carlos (La forza del destino) in Amsterdam. Zudem sind Auftritte als Jago (Otello) an der Hamburgischen Staatsoper geplant. Als Gilda kehrt Brenda Rae in die Produktion, in der sie einen triumphalen Erfolg verbuchen konnte, zurück – nunmehr allerdings als Gast, nachdem sie das Ensemble am Ende der Saison 2016/17 zugunsten ihrer freiberuflichen Karriere verlassen hat. An ihrer Seite steht ein neuer Herzog von Mantua: der koreanische Tenor Yosep Kang gastiert in dieser Partie zudem an der Dresdner Semperoper, gefolgt von der Hamburgischen Staatsoper und der Deutschen Oper Berlin. Als Sparafucile ist nun Ensemblemitglied Kihwan Sim besetzt, der hier kürzlich als Procida in Die sizilianische Vesper brillierte. Gleichfalls aus dem Ensemble stammt Maria Pantiukhova, die nach Auftritten als Olga in Tschaikowskis Eugen Onegin die Partie der Maddalena übernimmt. In den übrigen Partien sind ausnahmslos Sängerinnen und Sänger aus dem Ensemble und dem Opernstudio der Oper Frankfurt besetzt, sowohl mit neuen als auch mit der Produktion bereits vertrauten Namen. Im Wechsel mit Franco Vassallo kehrt Publikumsliebling und Weltstar Željko Lucic für zwei Abendvorstellungen am 11. und 17. Februar 2018 an sein altes Stammhaus zurück, an seiner Seite dann die Ensemblemitglieder Sydney Mancasola (Gilda), der premierenbewährte Mario Chang (Herzog), Daniel Miroslaw (Sparafucile) und Katharina Magiera (Maddalena). Auch hier erscheinen sowohl neue als auch mit ihren Partien bereits vertraute Ensemblesängerinnen und -sänger in den Nebenrollen.

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

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