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# Strasbourg, Opéra National du Rhin, Das Wunder der Heliane - E. W. Korngold, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/strasbourg-opera-national-du-rhin-4/
- Published: 2026-01-30T18:55:42.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:56:38.000Z
- Author: Peter Michael Peters
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Strasbourg

Das Wunder der Heliane von E. W. Korngold, Opéra National du Rhin, Strasbourg, 21.01.2026.

**21.01.2026**

***Ein Testament der „entarteten“ Musik…***

***DER FREMDE*** 
***Bin ich noch einmal Kind?*** 
***Ich seh‘ ein Meer leuchtender Ufer,*** 
***blauer Wein in weißer Schale,*** 
***darüber fliegen Tauben*** 
***Hin und ringsum neigen sich mir Früchte.***

***Ich lieg‘ allein und seh‘ ins Licht.*** 
***Ein Atmen ist die Welt.*** 
  
***Da nehm‘ ich sie an meine Brust,*** 
***es schlagt ihr Herzschlag mir tief ins Blut,*** 
***der Himmels goldne Sterne sind in mich gestürzt.***

***Ich bin! Ich blüh!*** 
***Mein Körper jauchzt:*** 
***Dasein! Leben!***

***HELIANE*** 
***Kommt durch den Morgen eine Seele,*** 
***sie kann die Welt einsam nicht tragen!*** 
***Suchst du mich, Herz?*** 
***Ich fühle dich, nehm‘ wie ein Kind dich an meine Brust dein Leiden*** 
***und dein Glück, sie sind in mich gestürzt.***

***Ich bin! Ich diene!*** 
***Ich blüh‘ und jauchze:*** 
***Zweisein! Liebe!***

(Szene der ***Fremde*** und ***Heliane*** /1.Akt / 3\. Szene / Auszug)

***Ein seltsames und fesselndes Wunder…***

In der Dunkelheit einer eiskalten Zelle hallen engelsgleiche Stimmen aus einer anderen Welt im Kopf eines zum Tode verurteilten Gefangenen wider: *„Selig sind die Liebenden. Wer geliebt hat, wird nicht sterben. Und wer aus Liebe starb , wird auferstehen!“*. In den Augen das Tyrannen hat dieser Fremde das schlimmste Verbrechen begangen, das einem Aufruhr zugrunde liegt! Er hat die Flamme des Lachens und der Freude in den Herzen eines Volkes entfacht, das in Unwissenheit über das Glück gehalten wurde. Dennoch ist er bereit, ihm zu vergeben, wenn er sein Geheimnis preisgibt, damit er endlich die Liebe von ***Königin Heliane*** gewinnen kann, die ihn stets zurückgewiesen hat. Doch neben dem ***Fremden*** entdeckt er seine Frau, nackt, bereit ihr Leben zu riskieren und sich für diese plötzliche Liebe, die er Herz entflammt hat, vor irdischer und göttlicher Gerechtigkeit zu verantworten.

Der hochbegabte Komponist **Erich Wolfgang Korngold** (1897-1957), von **Gustav Mahler** (1860- 1911) als *„Wunderkind“* gefeiert und in seiner Jugend oft mit **Wolfgang Amadeus Mozart** (1756-1791) verglichen, verkörpert den letzten Atemzug der Wiener Romantik. Im Jahre 1936 floh er vor dem Nationalsozialismus nach Hollywood, wo er seinen grandiosen Stil unauslöschlich in der Filmindustrie etablierte und Komponisten wie **John Williams** (\*1932) bis heute beeinflusst. Nach der französischen Erstaufführung von **Korngolds**: ***Die tote Stadt*** (1920) im Jahr 2001 kehrt die **Opéra National du Rhin** nun mit der französischen Erstaufführung von ***Das Wunder der*** ***Heliane*** (1927) zurück, einem zu Unrecht vergessenen Schatz, dessen Geschichte von mittelalterlichen Mysterienspielen und der Literatur der Jahrhundertwende inspiriert ist. Der holländische Dirigent **Robert Houssart** dirigiert diese fesselnde und berauschende Partitur unter der Regie des deutschen Regisseur **Jakob Peters-Messer**, die in einer dystopischen Gesellschaft spielt, die sich nach Menschlichkeit sehnt.

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Camille Schnoor (Heliane) und Ric Furman (Der Fremde) © Klara Beck

***Selig sind die Liebenden…***

Die zweite Oper von **Korngold**, die dank ihrer prominenten Aufnahme bei **Entartete Musik** weite Verbreitung fand, ist ***Das Wunder der Heliane***. Sie entstand sieben Jahre nach ***Die tote Stadt*** und zielte darauf ab, den großen Erfolg dieses Werkes beim Publikum zu wiederholen. In einem namenlosen totalitären Staat ist der ***Herrscher*** verzweifelt darum bemüht, die Liebe seiner Gattin ***Heliane*** zu gewinnen. Ein junger ***Fremder*** ist im Land angekommen und wird zum Tode verurteilt, weil er die Bürger aufgeheitert hat. ***Heliane*** besucht den ***Fremden*** in seiner Zelle und die beiden verlieben sich. Als der Herrscher seine Frau jedoch mit dem ***Fremden*** erwischt, befiehlt er ungerührt, den ***Fremden*** zu töten und ***Heliane*** wird vor Gericht gestellt. Der ***Herrscher*** beschuldigt seine Frau des Ehebruchs, sagt aber, dass sie, sollte sie unschuldig sein, den ***Fremden*** wieder zum Leben erwecken könne. Vor einer riesigen Menschenmenge vor dem Palast gesteht ***Heliane***, dass sie den ***Fremden*** geliebt hat. Sie wird zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt, doch während sie gefesselt wird, erhebt sich der Körper des ***Fremden*** auf wundersame Weise wieder zum Leben. Der ***Herrscher*** stößt seinen Speer in ***Helianes*** Herz, doch seine Kräfte sind wirkungslos: Und der ***Fremde*** und ***Heliane*** steigen glorreich in den Himmel auf.

Das ***Wunder der Heliane*** ist in einem vielleicht noch reiferen Stil geschrieben als ***Die tote Stadt***. Die Rollen von ***Heliane*** und dem ***Fremden*** vereinen **Richard Wagners** (1813-1883) musikalische Kraft mit **Giacomo Puccinis** (1858-1924) sentimentaler Lyrik, während die umfangreichen Orchester- und Chorkräfte selbst die größten Opernhäuser vor schwierigen Herausforderungen stellen. Die Partitur ist prachtvoll, insbesondere der erhabene Beginn – der als Coda des gesamten Werkes entwickelt wird -, **Helianes** berühmtes *„Ich ging zu ihm…“* und der gesamte dritte Akt, der auf das *„Wunder“* hinführt. Dennoch hat das Werk seine Schwächen! Es ist zu lang und wie bei **Richard Strauss‘** (1864-1949): **Die Frau ohne Schatten** (1919) wirkt die Handlung zunehmend trivial, während dem ohnehin schon reichen *„Gebräu“* noch mehr *„Sahne“* hinzugefügt wird. **Korngold** war sehr enttäuscht, als die Oper nicht an den gewaltigen Erfolg von ***Die tote Stadt*** anknüpfen konnte.

Seit 1927 hatte sich viel verändert, und das Operngenre war deutlich vielfältiger geworden. Die Oper wurde am 7\. Oktober 1927 in Hamburg uraufgeführt und anschließend am 29\. Oktober in Wien gezeigt, wo sie auf **Ernst** **Křeneks** (1900-1991) neue Oper ***Jonny spielt auf*** (1928) traf. Diese Oper, die im Februar zuvor in Leipzig Premiere gefeiert hatte, gehörte zur neuen Generation der Zeit-Oper. Ausgestattet mit zeitgenössischem Symbolismus und einer jazzigen Partitur, hätte sie sich kaum stärker von ***Das Wunder der Heliane*** unterscheiden können. Anstatt die beiden Werke aufgrund ihrer eigenen Qualitäten miteinander konkurrieren zu lassen, begann **Julius** **Korngold** (1860-1945) in der **Neuen Freien Presse** eine systematische Verunglimpfung von **Kreneks** jazziger Partitur. Ganz von dem Gedanken getrieben, seinen Sohn stilschweigend zu glorifizieren, weckte **Julius** ungewollt den Unmut von Nazi-Sympathisanten in Wien, die gleichermaßen beunruhigt waren über das Auftreten eines schwarzen Jazz-Geigers auf der Bühne der **Wiener Staatsoper**. Während ***Das*** ***Wunder der Heliane*** also relativ spurlos erschien und wieder verschwand, wurde ***Jonny spielt*** **auf** zu einem Skandalerfolg, bei dem Nazis vor der Oper demonstrierten und hunderte von Karten verkauft wurden. Besonders amüsant war, dass ein lokaler Zigarettenhersteller zu diesem Anlass zwei neue Zigarettenmarken auf den Markt brachte: Eine billige Arbeiterzigarette namens *„Jonny“* und eine teure, in lila Papier gewickelte *„Heliane“*. Trotz des schwachen Vergleichs mit **Kreneks** Zeitgeist-Oper – **Franz Schalk** (1863-1931), der Direktor der **Wiener Staatsoper** sagte: *„Wir haben einen Erfolg ohne Oper“* – ist ***Das Wunder der Heliane*** dennoch eine beachtliche Leistung. Zwar erreicht sie nicht die dramatische Wucht von ***Die tote Stadt***, doch die Partitur – wie auch die von ***Die Frau ohne Schatten*** \- zählt zu **Korngolds** Meisterwerken. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass es viele Wiederaufführungen geben wird – obwohl wir wissen, dass 2010 eine Produktion in Kaiserslautern und Brünn geplant war -, doch ihre Pracht lässt sich auf der exzellenten **Decca**\-Aufnahme genießen – einer der wenigen Titel mit *„entartete Musik“*, die wiederveröffentlicht wurden -. **Korngold** litt vielleicht unter den Regeln von Wiederaufführungen, doch wie schon die originelle ***Die tote Stadt*** birgt auch ***Das Wunder der Heliane*** viele gewaltige und starke Glanzpunkte.

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Camille Schnoor (Heliane), Ric Furman (Der Fremde) und Kai Rüütel-Pajula (Botin) © Klara Beck

***Zur Premiere an l’Opéra National du Rhin / Strasbourg am 21\. Januar 2026:***

***Die Wiederauferstehung eines Meisterwerks…***

Wer sich mit dem Werk des österreichischen Komponisten auseinandersetzt, stellt sich unweigerlich diese Frage: Aber die Antworten sind vielfältig! **Korngold**, ein musikalisches Wunderkind von klein auf und aufgewachsen in einem musikalischen Umfeld in Wien, wurde 1897 in Brünn – heute Brno – in eine jüdische Familie geboren, wuchs in Wien auf und starb 1947 in Hollywood. Diese scheinbar einfachen Details sind Sinnbilder eines Lebens, das in der österreichisch-ungarischen Monarchie begann, durch den ersten Weltkrieg unterbrochen wurde und in der Blütezeit des Films endete – dem Ergebnis eines langen Exils unter dem Terror der **Nationalsozialisten**, bis er nach dem Anschluss Österreich erreichte. Doch 1925 war **Korngold** nach **R. Strauss** der meistgespielte Komponist in den deutschsprachigen Ländern.

Liebhaber seltener Opern entdeckten ***Die tote Stadt*** erstmals wieder, dank ihrer ersten französischen Inszenierung im Jahr 1982 im **Théâtre des Champs-Élysées** in Paris, einem Meisterwerk der Nach-Romantik, das in den 70er Jahren in Deutschland wieder ins Rampenlicht gerückt wurde. ***Die tote Stadt*** wurde von einem 23-jährigen Komponisten geschrieben, der sofort großen Erfolge feierte! Wie schon einige Jahre später in ***Das Wunder der Heliane*** vermischt **Korngold** verschiedene Stile und wandelt sich von einem expressionistischen Stil, der durch eine hochkomplexe Orchestrierung verstärkt wird, hin zu beinahe impressionistischen symbolischen Formen in Momenten lyrischer und leidenschaftlicher Erhabenheit.

Der Zuhörer wird sich manchmal wie in der überhitzten Atmosphäre von **Strauss‘**: ***Die Frau ohne*** ***Schatten*** fühlen, dann wird er unwillkürlich an die schönsten Seiten von **Claude Debussys** (1862-1918) ***Pelléas et*** ***Melisande*** (1902) denken und manchmal sogar an **Albéric Magnards** (1865-1914 seltene, kürzlich wiederaufgeführte Oper ***Guercoeur*** (posthum 1931), um am Ende einer meisterhaften Partitur zuzustimmen, dass **Korngold** zu jenen Pionierfiguren des frühen 20\. Jahrhunderts gehörte, deren Flamme vom **Nationalsozialismus** brutal ausgelöscht wurde, indem man ihre Werke verbot und sie dann zur Flucht oder in grausamen unaussprechlichen Vernichtungslagern töteten. Unter den Musikern, denen die Ausübung ihres Berufs aufgrund ihrer jüdischen Herkunft verboten oder auch Nichtjuden aus politischen Gründen untersagt wurde, es seien nur neben **Korngold,** der talentierte **Alexander von** **Zemlinsky** (1871-1942) – bei dem **Korngold** kurzzeitig Schüler war -, **Walter Braunfels** (1882-1954) und **Schreker** genannt, deren Werke noch immer darauf warten, wiederentdeckt zu werden, insbesondere in Frankreich.

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Ensemble © Klara Beck.jpg

***Eine schmerzhafte Geschichte…***

Bei der Uraufführung von ***Das Wunder der Heliane*** in Hamburg und in der späteren Wiederaufführung in Wien konnte **Korngold** wie schon gesagt, nicht an den großen Erfolg von ***Die tote Stadt*** anknüpfen. Die von ihm gewählten Themen galten damals als überholt, zu religiös und es herrschte weitgehend Einigkeit darüber, sodass **Korngold** auch unter den Wiener Kritikern in unangenehme Streitigkeiten geriet.

Dieses relative Scheitern veranlasste ihn, sich der Filmmusik zuzuwenden, zunächst in Zusammenarbeit mit dem Regisseur **Max Reinhardt** (1873-1943) für eine Aufführung von ***Die Fledermaus*** (1874) von **Johann Strauß** (1825-1899) in Berlin, dann für die Verfilmung mit der Musik von **Felix Mendelssohn-Bartholdy** (1809-1847) ***A Midsummer Night’s Dream*** (1935) nach **William Shakespeare** (1564-1616), der gerade in Hollywood gedreht wurde, nachdem **Reinhardt** 1933 vor dem **Nationalsozialismus** gezwungen war ins Exil zu fliehen.

Nachdem er nach mehreren Reisen zwischen Europa und Hollywood schließlich gezwungen war, dort zu bleiben, verfolgte **Korngold** eine erfolgreiche Karriere, die sich fast hauptsächlich der Filmmusik widmete, darunter dem berühmten Film ***Robin Hood*** (1938) von **Michael Curtiz** (1886-1962) mit **Errol Flynn** (1909-1959) in der Hauptrolle. Als er nach dem Krieg nach Wien zurückkehren wollte, um seine Opernkarriere wieder aufzunehmen, musste er feststellen, dass sein Name völlig in der kulturellen Vernichtung der 1930er Jahre in Vergessenheit geraten war und dass er, um den Titel von **Stefan Zweigs** (1881-1942) berühmten Werk zu paraphrasieren, zu einem Menschen von ***Die Welt von Gestern*** (1942) geworden war.

Angesichts der schmerzhaften Geschichte dieser verbotenen Musik, die vom **Tausenjährigen Reich** als entartete Musik gebrandmarkt wurde, sollten wir die gelungenen Wiederentdeckungsversuche in Deutschland, Österreich, den Niederlanden und nun auch in Frankreich begrüßen, die dazu beitrugen, das Ansehen dieser reichen und aufregenden Epoche wiederherzustellen, in der sich Musik unter dem vielfältigen Einfluss einiger Genies entwickelte.

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Nicole van den Berg (Engel), Ric Furman (Der Fremde) und Camille Schnoor (Heliane) © Klara Beck

***Korngolds extravaganter Stil…***

Obwohl **Korngold** wie **Mahler** und **R. Strauss** oder **Anton Bruckner** (1824-1896), **Arnold Schönbergs** (1874-1951) atonalen Stiel nicht übernahm, bleibt die Tatsache bestehen, dass zahlreiche bewusst eingesetzte Dissonanzen in den expressionistischsten Passagen seiner Musik diese Entwicklung heraufbeschwören, die sowohl mit der Kraft von **Wagner** und seinen *Leitmotiven* als auch auf der Kühnheit der Innovationen in Bezug auf den Klang – Kraft der Blechbläser und des Schlagwerks – und in Bezug auf die Tonalität – Skalen mit einem Abstand von einem Ton zwischen allen Noten – beruht. Eines ist sicher: Es ist dringend notwendig, **Korngolds** *„klassisches Werk“* wiederzuentdecken und wir können der **Opéra National du** **Rhin** nur danken – und sie auch dazu beglückwünschen -, dass sie nach der französischen Uraufführung von ***Die tote Stadt*** im Jahr 2001 zum zweiten Mal einen wichtigen Beitrag zur Verteidigung dieses reichen Erbes geleistet hat, das vom kulturellen Reichtum jener Zeit zeugt: Das **Orchestre National du** **Rhin** ermöglichte zudem die französische Uraufführung eines anderen wichtigen Komponisten und zwar **Braunfels**: ***Die Vögel*** (1920) wurde 2022 (siehe **IOCO-Kritik**) erstmals in Frankreich uraufgeführt. Desgleichen brachte die **Opéra National de Lyon** im Jahr 2022 auch das wichtige Werk ***Irrelohe*** (1924) von **Franz Schreker** (1878-1934) das erste Mal auf französischen Boden zur Aufführung. Man kann die großen Opernhäuser, allen voran l’**Opéra National de Paris**, angesichts dieser wichtigen Entdeckungen durchaus hinterfragen, insbesondere da es sich um Werke handelt, die ein riesiges Orchester erfordern, für die unsere regionalen Theater nicht immer die nötigen Ressourcen im Orchestergraben haben.

Tatsächlich erfordert die Musik, die von großem Reichtum ist, ein großes Orchester von mehr als hundert Musikern, mit mehreren Tasteninstrumenten, einer Celesta, zahlreichen Schlaginstrumenten und natürlich außergewöhnlichen Stimmen wie im Stil von ***Die Frau ohne Schatten***, die vor kurzem in Lyon mit einem verkleinerten Orchester aufgeführt wurde. Desgleichen wurde leider auch ***Das Wunder der Heliane*** in Strasbourg mit einem etwas verkleinerten Orchester, als die Originalpartitur angibt - die insbesondere nicht weniger als fünf Tasteninstrumente vorsah – gespielt. **France Musique** unterstrich die Bedeutung dieses Ereignisses, indem sie ihm ein eigenes Programm widmete und bei dieser Gelegenheit betonte **Alain Perroux**, Generaldirektor der **Opéra National du Rhin**: *„Es ist ein Werk, das* *an *Die tote Stadt* anknüpft und in seiner Lyrik, in seiner orchestralen und vokalen Großzügigkeit noch* *umfangreicher ist“*. Es bedarf außergewöhnliche Ressourcen und die gestrige Aufführung hat einmal mehr bewiesen, dass die **Opéra National du Rhin** alle Register zu ziehen weiß.

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Ric Furman (Der Fremde) und Camille Schnoor (Heliane) © Klara Beck

**Hans Müller-Einigen** (1882-1950) schuf das Libretto für **Korngolds** Oper, basierend auf einem unveröffentlichten Theaterstück, einem sogenannten Mysterienspiel ***Die Heilige*** (1912) – von **Hans** **Kaltneker** (1895-1919), einem deutschen Dramatiker, der schon im Alter von 24 Jahren verstarb. **Müller-Einigen** hatte bereits das Libretto für die zweite Oper ***Violanta*** (1916) von **Korngold** geschrieben. Er bleibt dem Stück weitgehend treu und fügt jedoch einige Nebenfiguren hinzu, doch die berühmte Handlung, die die christliche Glaubensvorstellungen mit der Ablehnung der Keuschheit, die als etwas egoistisch gilt, verknüpft, wird tatsächlich **Kaltneker** zugeschrieben, der in einem anderen seiner Werke verkündete: *„Die Seele quillt* *über im Blut des Mannes, die Unsterblichkeit in seinem Samen!“* Die Epoche war tiefgreifend von der Dominanz **Wagners** und seiner eigenen Weltanschauen geprägt, insbesondere von der vollkommenen Liebe zwischen Zwillingsbruder- und Schwester, die einen Erlöser gebiert und Konventionen trotzt, um das zu erheben, was er als das absolute Ideal betrachtete.

Obwohl das Libretto mitunter etwas pathetisch wirkt und die Geschichte letztlich recht verschachtelt ist, sodass der dramatische Handlungsstrang nicht immer leicht nachzuvollziehen ist, ist das zentrale Thema der Erlösung und der transzendenten, verbindenden Liebe trotzt Übertretungen unbestreitbar philosophisch fesselnd. **Korngold** hat dieses Thema musikalisch so mitreißend umgesetzt, dass man der Schönheit des Werkes nur zustimmen kann. Ihre Philosophie wird von **Heliane** auf brillante Weise ausgedrückt: *„Selig sind die Liebenden. Wer liebt hat, wird nicht sterben. Und wer aus Liebe gestorben ist, wird auferstehen“*. ***Heliane*** selbst, die Heilige, ist das Symbol des Heiligen, der Rückkehr zur ursprünglichen Nacktheit ***Adams*** und ***Evas***, sie verkörpert die universelle Erlösung. ***Das Wunder der*** ***Heliane*** mangelt es in seiner Konzeption nicht an Kühnheit, auch nicht in der Musik und man kann seine übernatürlichen Visionen des Glücks mit denen des weltberühmten Stumm-Film ***Metropolis*** (1927) von **Fritz Lang** (1890-1976) vergleichen, der im selben Jahr in Berlin uraufgeführt wurde.

Der Regisseur **Peters-Messer** mit dem äußerst talentierten deutschen Bühnenbildner **Guido Petzold** und seinen spektakulären Bühnenbildern, desgleichen seine Kollegin, die deutsche Kostümbildnerin **Tanja Liebermann** für die wunderschönen Kostüme bietet uns eine Szenografie, die sich intelligent weiterentwickelt und eng der Perspektive des Komponisten folgt, dessen Werk mit dem Fortschreiten das Dramas an Intensität zunimmt. Der erste Akt führt die Hauptfiguren in einer trostlosen Umgebung zusammen, getaucht in das grelle Licht moderner Gefängnisse, wo der Schlaf verboten ist. Der **Fremde**, ein Unruhestifter, weil er Glück und Freude verteidigt hat, verbüßt seine Strafe und liegt in einer spartanischen Umgebung auf einem Bett. Gleichzeitig ist der Zuschauer fasziniert von der hellen, metallischen Hülle, die sich über ihm zu einem Bogen wölbt – ein Bühnenbild, das in zwei darauffolgenden Akten beibehalten wird und dessen Himmel sich am Ende während der *„Auferstehung“* des ***Fremden*** in ein funkelndes Kreuz aufspaltet, genau in dem Moment, in dem Chöre und Orchester uns eine Art apokalyptisches Musik-Ensemble präsentieren. Da der Zeitraum unbestimmt ist, verortet sich **Peters-Messer** in einer ebenso unbestimmten Zukunft. Die Kostüme scheinen daher verschiedenen Geschichten zu entstammen und symbolisieren die Rolle der jeweiligen Figur: Der ***Fremde*** ähnelt dem ***Luke Skywalker*** aus dem Film ***Star Wars*** (1977) von **George Lukas** (\*1944), der ***Herrscher*** erinnert an die Strenge der ***Star-Trek-Helden***, auch ***Helianes*** langes Kleid verwandelt sich beim Ausziehen in einen kurzen, eleganten Jumpsuit und die bunte Menge spiegelt die Vielfalt des geheimnisvollen Königreichs wieder. Die Veränderungen im Bühnenbild betreffen hauptsächlich die Möbel – Reihen orangefarbener Stühle und ein Konferenztisch im zweiten Akt, dem Akt mit dem Urteil über ***Heliane***, dann eine Rückkehr zur Schlichtheit, aber dann die Allgegenwart der Menge im dritten Akt. Auch die Beleuchtung ist erst orange, dann grünlich und spiegelt die wechselnden Situationen wider. Diese klare Inszenierung wird durch die sehr feine Regie der Schauspieler-Sänger ergänzt, die von der Oper hervorragend besetzt wurden. Die gesamte Aufführung wird von den anmutigen Bewegungen der mausgrauen deutschen Tänzerin **Nicole van den Berg** begleitet, die in ihrer eigenen Choreografie den ***Engel*** verkörpert. Ihre Bewegungen, die harmonisch mit den Bühnenbewegungen der Protagonisten verschmelzen, unterstreichen die Allgegenwart des Übernatürlichen in **Korngolds** Oper. Der Gesamteindruck ist ein silbriger, mal schimmernder, mal gedämpfter Farbton, wobei das dominante Grau ihres Trikots perfekt mit dem Bühnenbild verschmilzt, sodass sie in der Stille fast zu verschwinden scheint.

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Camille Schnoor (Heliane) und Kinderchor der Opéra National du Rhin © Klara Beck

In der Titelrolle gibt die aussergewöhnlich schöne deutsch-französische Sopranistin **Camille Schnoor**, die unter anderem in der **Bayreuther Produktion** von ***Parsifal*** (1882) von **Wagner** 2023 als eine der ***Blumenmädchen*** zu sehen war, alles und verleiht der liebeskranken ***Königin*** eine lebhafte, sensible, intelligente und stimmlich makellose Verkörperung. Die Rolle der ***Heliane***, die den anspruchsvollen Darbietungen der ***Kaiserin*** in **Die Frau ohne Schatten** würdig ist, beinhaltet neben ihrer Länge auch sehr wichtige lyrische Passagen. Hier wechseln sich Zärtlichkeit und aufkeimende Liebe dieser von einem widerwärtigen Mann umworbenen Frau mit Wut, Ablehnung und sogar Hass gegenüber ihrem Peiniger ab, während sich ihr ganzes Wesen allmählich der Güte eines fremden Mannes hingibt. Schon mit ihren ersten Worten in Szene 4, als sie voller guten Absichten die Gefängniszelle des Gefangenen betritt, klingt ihr *„Habt Frieden in der Seele“* mit der Anmut einer ***Königin*** und der Neugier einer Frau, die einem faszinierenden Mann begegnet. Diese Subtilität in den Nuancen und verschiedenen Farben, die auch einem makellosen Gesang bieten werden, die sich mühelos über die Üppigkeit des Orchesters erhebt, ist zutiefst fesselnd und man umarmt förmlich die komplexen Gefühle dieser unabhängigen Frau, die sich selbst entblößt und tatsächlich eine wilde, brutale Leidenschaft, einem Blitzschlag erlebt, ohne sich der körperlichen Liebe hinzugeben.

Ein emotionaler Höhepunkt wird mit ihrer Interpretation von **Helianes** berühmtester Arie: *„Ich ging zu* *ihm, der morgen sterben sollte / Der Abend neigte sich dem Ende zu, als ich zu ihm ging“*. Es folgt die berühmte Litanei , in der sie selbst beschreibt, wie sie ihm auf sein Verlangen hin zu dem unglaublichen „*Er warf sich hin, erflehend meinen Leib. Da löst ich das Gewand von mir und stand, wie mich mein Gott erschaffen hat, vor ihm nackt. Ich war sein in Gedanken… ja, ich war’s!“* **Schnoor** verkörpert dieses wunderbare Liebesversprechen durch die Schönheit ihres Gesangs auf wunderbare Weise. Und ihr leuchtendes *„Steh auf, steh auf“*, mit dem sie den Fremden zum Aufwachen auffordert und das mit einem herzzerreißenden *„Küsse mich, ich liebe dich“* endet, durchdringt den Saal mit der Intensität echter Leidenschaft, während das Orchester in Ekstase gerät. 

Den totalitären und zutiefst negativen Charakter des ***Herrschers*** verkörpert der österreichische Bariton **Josef Wagner**, den wir bereits mehrfach erleben durften, insbesondere in diesem Saal, wo er die Rolle des ***Telramund*** aus ***Lohengrin*** (1850) von **Wagner** sang. Er ist mit dieser Rolle bestens vertraut, da er sie in der einzigen existierenden Videoaufnahme des Werkes sang, die während der Aufführungen an der **Deutschen Oper Berlin** im Jahr 2019 entstand. Die Figur, ein Inbegriff abgründiger Dunkelheit, von dem keine Erlösung zu erwarten ist, verlangt ihm eine wahre Herausforderung ab, im gesamten Werk den Hass, die Herrschaftssucht, den gesteigerten Totalitarismus, die Frustration der Ohnmacht und die Grausamkeit auszudrücken, die aus jedem seiner Worte strömen. Und man kann diese Leistung nur bewundern, denn es gelingt ihm, sein Thema zu meistern und eine kraftvolle und stimmige Darbietung zu liefern, die seine mitunter anspruchsvolle Gesangsleistung mit einer überzeugenden Bühnenpräsenz ergänzt.

Der ***Fremde***, der Engel von anderswo, der seltsame Prophet, diese allegorische Figur, durch die die skandalöse Geschichte weiter kommt und sich radikal ändert, ist der amerikanische Tenor **Ric Furman**, ein Stammgast bei **Wagner**, Interpret von ***Siegmund*** aus ***Die Walküre*** (1870) und die Titelrolle aus ***Tristan und*** ***Isolde*** (1865). Obwohl dessen Stimme zweifellos weniger breit und kraftvoll als einige andere Heldentenöre der Vergangenheit und der Gegenwart ist. Doch besitzt er unweigerlich viele sehr verführerische Farben, die der Figur während einer fesselnden, diktionell einwandfreien und mit ausreichender Projektion ausgestatteten Darbietung eine unendliche Anzahl von Nuancen zu verleihen, um **Korngolds** Orchester zu übertönen. Zumindest unter den Bedingungen der **Opéra National du Rhin**! Der Charme seines Schauspiels und die Eleganz seiner Gestalt sind allesamt große Vorzüge, die ***Helianes*** Liebe auf den ersten Blick besonders glaubwürdig machen und ihre reine und alles verzehrende Liebe führt uns während eines musikalischen reichen Finales beinahe an den Rand der Ekstase.

Hervorzuheben sind außerdem die Leistungen der estnischen Mezzo-Sopranistin **Kai Rüütel-Pajula** als die **Botin** – eine wunderschöne leuchtende Stimme mit beeindruckenden Projektionen – sowie des bemerkenswerten italienischen *„Haustenor“* – er gehört zum Opernstudio -, **Massimo Frigato** als ***Jüngling*** und natürlich des irischen Tenors **Paul McNamara**, der einen sehr klangvollen und sehr entschiedenen ***blinden Richter*** verkörpert. Er ist auch der künstlerische Leiter des **Het Muziektheater** **Amsterdam**!

Etwas ungleichmäßiger, insbesondere gegen Ende, mangelte es dem französischen Bass-Bariton **Damien** **Pass** als ***Gefängniswärter*** ein wenig an Ausdruckskraft, was zwar manchmal vom Orchester kaschiert wird, aber er hält sich dennoch in seiner wunderschönen Schlussarie.

Der musikalische Leiter **Houssart** ist ein erfahrener Interpret zeitgenössischer Musik, die er mit großem Enthusiasmus präsentiert, ebenso wie die Werke von **R. Strauss** und **Wagner**, mit denen **Korngold** vergleichbare Erfahrung hat. Man könnte ihm eine gewisse Trockenheit in seinem Dirigat oder auch nicht ausreichend betonte Kontraste vorwerfen, insbesondere im ersten Akt, dem lyrischsten Teil. Insgesamt ist die Aufführung jedoch sehr gelungen, die Orchesterzwischenspiele sind besonders erfolgreich und Orchester und Chor interpretieren das Werk mit Brillanz und Virtuosität.

Neben der immensen Freude, eine unbekannte Oper aus dem letzten Jahrhundert zu entdecken, verbrachten wir einen hervorragenden Abend dank der Qualität der Aufführung und des echten Teams, das alle Künstler bildeten und für diese sehr gelungene Premiere auch verdienten langen Beifall und auch viele begeisterte Bravo-Rufe erhielten.

Und wir können dieser Aussage des Direktors der **Opéra National du Rhin**, **Perroux** nur zustimmen: *„Es gibt wahre vergessene Schätze und es gehört zu unserer Mission, sie bekannt zu machen, zu erhalten und das, was ein gemeinsames Erbe ist, wieder zu beleben“*.

Die **Opéra National du Rhin** präsentiert im nächsten März ein weiteres selten gespieltes Werk, **Edouard** **Lalos** (1823-1892) ***Le Roi d’Ys*** (1888), **IOCO** wird dabei sein!

## Wie überzeugend ist Korngolds selten gespielte Partitur des Wunder der Heliane laut der Kritik?

Die Partitur ist prachtvoll und fesselnd, leidet aber unter Überlänge und einer zunehmend trivial wirkenden, mit zu viel Pathos überladenen Handlung.