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# Stichnoten -  Erschröckliches aus der Welt der Musik, IOCO Buch-Rezension, 18.02.2019
- URL: https://www.ioco.de/stichnoten-erschroeckliches-aus-der-welt-der-musik-ioco-buch-rezension-18-02-2019/
- Published: 2019-02-18T08:00:45.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:52:38.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Musicalwelten & Bühnenzauber, Oper & Operette, Ballett, Tanz & Bewegungskunst, Kritiken, Puccini, giacomo puccini

![Stichnoten Cover © Hanns Butterhof](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/02/stichnoten-coverneu.jpg)

Stichnoten Cover © Hanns Butterhof

# **Mechthild von Schoenebeck - Musik-“Stichnoten“**

***Alles über den Hund in der Musik***

von **Hanns Butterhof**

Lange schon gilt sie als verschollen, die Wissenschafts-Satire. Sie hinterließ eine Lücke, die allerdings gern realsatirisch vom Wissenschaftsbetrieb gefüllt wird. Umso mehr ist zu begrüßen, dass diese Lücke nun mit den im LIT-Verlag Berlin erschienenen ***Stichnoten*** standesgemäß geschlossen wird, die im Untertitel zu Recht „*Erstaunliches, Ergötzliches und Erschröckliches aus der Welt der Musik“* versprechen. Herausgeberin der ***„Stichnoten“*** mit Beiträgen von sechs weiteren Autoren ist die als Musikwissenschaftlerin so produktive wie als Kabarettistin kreative **Mechthild von Schoenebeck.**

![Herausgeberin Mechthild von Schoenebeck © Hanns Butterhof](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/02/mechthild-foto-neu.jpg)

Herausgeberin Mechthild von Schoenebeck © Hanns Butterhof

Die Autoren sind, die Herausgeberin eingerechnet, vier Professoren und drei promovierte Musikwissenschaftler, die sich in ihren Texten eine gehörige Portion Last wissenschaftlichen Forschens und Frust über den universitären Wissenschaftsbetrieb von der Seele schreiben; der lässt bei stromlinienförmigem Karrierestreben und Drittmittel-Einwerberei kaum mehr Raum für kritische Distanz zum eigenen Tun und ist bestenfalls unfreiwillig zum Lachen.

Der gemeinsame Ausgangspunkt aller Autoren ist der Wechsel der Perspektive, wenn sie das Musikleben durch die Niederungen des Schlagers bis in die Gipfelregionen der Oper durchstreifen. Dabei geht es etwa um ebenso klassische wie dringliche Fragen wie *„Woran ist Mozart wirklich gestorben?*“ oder „*Warum ist die Zwölfton-Technik entstanden?“*

So geht **Reinhard Fehling** umfassend der **erstaunlich** unendlichen Geschichte des karnevalistischen Tuschs *„Tatá, Tatá Tataaaa!“* nach. Und **Dietrich Helms,** der auch – leider gerade hierbei ohne die dazugehörigen Noten - Akademische Gedichte beisteuert, legt die wahre Bedeutung des Trio-Hits *„Da Da Da“* bloß. Sonst sparen beide nicht an breiten Notenbelegen, wie es sich für wissenschaftliches Arbeiten ziemt.

**Thomas Phleps** verfolgt, keineswegs angekränkelt vom easy reading, in einem extrem informativen Haufen von Fußnoten **ergötzlich** die Spur des Hundes in der deutschsprachigen populären Musik, die er, nicht wirklich überraschend, auf den Hund gekommen sieht. Auch berichtet er vom bislang zu wenig beachteten Intrigenspiel der Kammerton-Mafia, ein detektivischer Beitrag zur Geschichte der Musik im 20\. Jahrhundert.

**Axel Beer** bringt endlich Licht in das Leben des zu Recht unbedeutenden Musikologen **Dr. Gundolf Stellmacher** und würdigt mit sprudelndem Wortwitz dessen stilbildenden Grundkurs in Musik-Kritiker-Sprech unter besonderer Berücksichtigung des Worts „Bedeutung“. Die Sequenz *Am Büchertisch* karikiert treffsicher den piefigen Konferenz-Zirkus in mehr oder weniger gehobenen Akademiker-Kreisen.

Bedeutend sind auch die ersten Werkstattberichte des neuen Sonderforschungsbereichs *„Musik und Ernährung“*, in denen **Svenja Kamper** und **Burkhard Sauerwald** den Querverbindungen zwischen musikalischer und kulinarischer Sphäre nachgehen. Ihre wissenschaftliche Tatsachenforschung und deren Systematisierung kann als Musterbeispiel erfolgreicher Schnittstellen-Forschung nicht hoch genug gewürdigt werden. Das gilt uneingeschränkt auch für **Mechthild von Schoenebecks** sicherlich für Furore sorgende Funde von fünf unbekannten Mozart-Briefen samt einer Kritik Dödelstedts, der die Uraufführung von **Mozarts** Oper ***Entführung aus dem Serail*** besucht hatte. Eine lange Liste der Todesarten im Tatort Oper schließt sich **erschröcklich** daran an und die ***Stichnoten*** damit angemessen ab.

Die ***Stichnoten*** werden zunächst allen gefallen, die im Wissenschaftsbetrieb ähnliche Erfahrungen gemacht haben oder machen wie die Autoren. Sie verlassen bei ihrer Lektüre das Terrain des betreuten Forschens und des durchgegenderten Schreibens, um sich an frischer Musik-Satire zu erfreuen, ohne albern auf geistige und musikalische Unterforderung zu spekulieren.

***Stichnoten*** ist Band 5 der Schriftenreihe Anmerkungen: Beiträge zur wissenschaftlichen Marginalistik im LIT-Verlag Dr.W.Hopf, Berlin, 168 Seiten, 29,90 €.

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