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# Schwerin, Mecklenburgisches Staatstheater, TANNHÄUSER - Richard Wagner, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/schwerin-mecklenburgisches-staatstheater-tannhauser/
- Published: 2024-04-19T08:52:44.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:56:07.000Z
- Description: Mecklenburgisches Staatstheater: Regisseur Martin G. Berger hat Tannhäuser von Richard Wagner in Schwerin im September 2022 so tüchtig aufgemischt, dass die Produktion auch wegen des großen Publikumserfolges in die Spielzeit 2023/24 übernommen wurde.
- Author: Michael Stange
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Schwerin

Tannhäuser von Richard Wagner, Mecklenburgisches Staatstheater, Schwerin, September 2022.

 von **Michael Stange**

Regisseur **Martin G. Berger** hat ***Tannhäuser*** von **Richard Wagner**in Schwerin im September 2022 so tüchtig aufgemischt, dass die Produktion auch wegen des großen Publikumserfolges in die Spielzeit 2023/24 übernommen wurde.

Schwarzweißvideos erzählen während der Ouvertüre von einer Dreiecksbeziehung ***Tannhäusers*** zu ***Elisabeth*** und ***Wolfram. Tannhäuser*** streift am See schüchtern ***Elisabeths*** Kleid über, das er verschämt ablegt, als beide vom Baden zurückkehren. So bleibt offen, wohin seine sexuelle Orientierung gehen wird. Zunächst heiraten er und ***Elisabeth*** und haben Kinder.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/04/Ensemble-copyright-Silke-WinklerNEU1-GUT.jpg)

TANNHÄUSER - hier Szenefoto @ Silke Winkler

Später verlässt er die Familie um sich im *Gay*\-Nachtclub in eine *Drag-*Queen zu transformieren. Auch diese Welt wird ihm zuwider. Zufällig trifft er seine Jugendfreunde, die ihn in die alte Heimat mitnehmen wollen. In der Imagination sitzt die Gesellschaft in ***Elisabeths*** Wohnzimmer mit den Kindern. Der Akt endet indem die Jagdgesellschaft von den Familien zum Picknick abgeholt wird.

***Tannhäuser,*** der sich immer noch zu ***Elisabeth*** hingezogen fühlt, folgt einschließlich Venus, die plötzlich erscheint. Beim anschließenden Kulturfest werden ***Landgraf Herrmanns*** Geburtstag und 25 Jahre Kultur und Inklusion, Gemeinschaft gefeiert. Zu diesem Anlass findet ein Wettbewerb statt, wer die Liebe am besten besingen kann. Immer mehr verfällt die Gesellschaft in Ekstase und nach ***Biterolfs*** Gesang bahnt sich neben der wilden Küsserei von ***Elisabeth*** und der Frau von ***Walther von der Vogelweide*** eine Orgie an.

Als ***Tannhäuser*** dann ***Venus*** und die Liebe besingt berappelt sich die Gesellschaft. Walter verzeiht seiner Frau und die in den Alltag zurückgekehrten verurteilen sie ***Tannhäuser,*** der wegen seiner Sünden nach Rom pilgern soll. In einer weiteren Video Sequenz träumt ***Elisabeth*** vom künftigen Glück und einer gemeinsamen Zukunft. Nach einer erfolglosen Pilgerfahrt nach Rom kehrt **Tannhäuser** als *Drag-Queen* gekleidet zurück.

**Levente Török** hat erneut gezeigt, zu welchen musikalischen Meisterleistungen die **Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin** fähig ist. Die Tannhäuser Ouvertüre ist ein vertracktes Stück. Mit dem Baccanale ist die lang und bannt nur, wenn die musikalischen Leitmotive der Oper plastisch sowie konturenreich ausgeleuchtet werden und ein packender musikalischer Fluss entsteht.

Die **Staatskapelle** und **Levente Török** musizierten schon hier wie symbiotisch verwachsen. Sie entwickelten eine immense rhythmische Präzision und entfalteten eine aufbäumende musikdramatische Erzählung. Dadurch erzeugten sie ein Fluidum, dass das Publikum vom ersten Takt in den Bann schlug und zutiefst in die musikalischen Erzählung involvierte. **Wagners** komponierte Dynamiken und Kontraste vom Glaubensmotiv bis zum hymnischen Besingen der Liebe und alle übrigen verzahnten sie in immenser musikalischer Dichte und Eindringlichkeit in jeder Phase des gesamten Abends. Alle Orchestergruppen waren mit einer Spielfreude bei der Sache, dass man meinte, selten so sirrende Streicher und so auftrumpfende Blechbläser gehört zu haben. Die Gestaltung des Sängerkrieges und des Finales des zweiten Aktes waren durch selten gehörte Sinnlichkeit und Dramatik geprägt. Die sehnsuchtsvollen Gebete ***Elisabeths*** und ***Wolframs*** waren innwendig von selten erreichter Intensität musiziert. Fulminat dann das Finale des dritten Aktes. Die von ***Wagner*** beabsichtigte suggestive und soghafte Wirkung wurde so glückhaft erreicht.

Über die Theaterbildschirme ließ sich verfolgen wie **Levente Török** scheinbar locker aber zugleich konzentriert und liebevoll mit dem Taktstock den musikalischen Fluss leitete und mit der Linken ein unfassbar vielfältiges Orchesterkolorit hervorzauberte. Die Wucht der Pilgerchöre, das erotische Sirren des Venusbergs, Tannhäusers ganze innere Zerrissenheit und die Last der erschöpften heimkehrenden Büßer und die Erlösung wurden aus den Noten der Partitur in ein ergreifendes Klanggemälde geformt. Im Zuschauerraum entfaltete sich eine einzigartige dramatisch Wucht und Faszination, die nachhallte.

Der Chor unter **Aki Schmidt** erreicht einen neuen ergreifenden Höhepunkt an Polyphonie, Dynamik und rhythmische Präzision. Alles schnurrte wie ein Uhrwerk und erklang in einer fulminanten Wucht, die man so selten erlebt.

**Heiko Börner** als ***Tannhäuser*** ließ sich vor dem zweiten Akt als indisponiert ansagen. Durch die Indisposition bedingte geringfügige Intonationstrübungen minderten seine grandiose Leistung nicht. **Börner** verfügt über eine mächtige baritonal timbrierte Heldentenorstimme mit imposanter Höhe und grandioser Attacke. Dadurch stellten ihn weder der Ruf nach dem Allmächtigen im ersten Akt, noch die folgend/en Ansprüche der Rolle bis zu Ende der Romerzählung vor spürbare Herausforderungen. Impulsiv und in gesanglich und darstellerisch großer Form war er ein ***Tannhäuser*** aus dem Bilderbuch der keine Wünsche offenließ.

**Julia Rutigliano** präsentierte eine stimmliche glänzend aufgelegte und schauspielerisch faszinierende erotisch sirrende ***Venus.*** In der tiefen Lage verfügt sie über einen runden warmen Ton und prunkte mit leuchtenden klaren Höhen. So überzeugte vollends und brachte die Sinnlichkeit der Venus mit packender Gestaltung und gesangsdramatischer Wucht auf die Bühne.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/04/Camila-Ribero-Souza---Silke-WinklerNEU2-1.jpg)

***TANNHÄUSER** hier ****Camila Ribero-Souza** als ***Elisabeth** @ Silke Winkler

**Camila Ribero-Souza** war eine betörende **Elisabeth** mit warmen Stimmklang und verzehrender Wucht. Ihr "*Allmächt'ge Jungfrau, hör mein Flehen ..."* war ungemein anrührend und von verzehrender Leidenschaft.

**Brian Davis** war ein auftrumpfender ***Wolfram*** mit heldenbaritonalenm Aplomb. Neben betörendem Piano setzte er insbesondere im Lied an den Abendstern Poesie neben dramatische Ausbrüche.

**Renatus Mészár** war ein liebevoller aber im zweiten Akt auch autoritärer Vater und erst an zweiter Stelle ***Landgraf von Thüringen***. Mit kernigem Bass und eindrucksvoller Gestaltung gab er ein beglückendes Rollenportrait.

Als ***Walther von der Vogelweide*** brachte **Marius Pallesen** seinen klangschönen lyrischen Tenor ein.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/04/Levente-T-r-k-copyright-Patrik-KleinNEU177.jpg)

****LEVENTE TÖRÖK** @ Patrik Klein

**Levente Török** ist ein Vollblutmusiker, der mit der Staatskapelle auch bei der Interpretation des Tannhäusers einen künstlerische Größe erreicht hat, die dem Schweriner Haus einen weit über die Grenzen der Region reichenden künstlerischen Ruf verliehen hat. Ein mitgerissenes Publikum vom ersten bis zum letzten Takt brannte und zu Jubelsturmen hinriss. Möge das Haus diese Aufführungen zum Anlass nehmen, an die große Wagner Tradition der Vergangenheit anzuknüpfen. Wenn schon im viel kleineren Mindener Theater ein Parsifal gelingt, sollten **Levente Török,** **Heiko Börner** und der Rest des Ensembles in Schwerin zumindest die Gelegenheit erhalten, während der Theaterschließung einen konzertanten Tristan auf die Bühne zu bringen, um die Schweriner Wagner- und Opernkompetenz und das Theater in Öffentlichkeit lebendig zu halten.

**Levente Török** hatte am Tag der Aufführung auch Geburtstag. Ensemble und Publikum stimmten zum „Happy birthday“ ein und feierten ihn zu Recht frenetisch.

Solche Leistungen sind auch der **Festspiele Mecklenburg-Vorpommern** würdig und ein wichtiger Bausteine der bundesweiten öffentlichen Wahrnehmung der Landeshauptstadt Schwerin und ihrer touristischen Attraktivität.

## [***TANNHÄUSER* \- Mecklenburgisches Staatstheater - Termine, Karten - link HIER!**](https://www.mecklenburgisches-staatstheater.de/programm/tannhaeuser-und-der-saengerkrieg-auf-wartburg-2023002261.html?ref=ioco.de)

### Mehr bei IOCO

[„Tannhäuser“ in Schwerin](https://www.ioco.de/schwerin-mecklenburgisches-staatstheater-tannhauser-richard-wagner-ioco-kritik-01-11-2022/) · [„Tannhäuser“ in Schwerin](https://www.ioco.de/schwerin-mecklenburgisches-staatstheater-tannhauser-richard-wagner-ioco-kritik-25-11-2022/) · [„Tannhäuser“ in Eisenach](https://www.ioco.de/eisenach-wartburg-tannhauser-r-wagner-ioco/)

## Wie überzeugte die musikalische Leitung durch Levente Török und die Mecklenburgische Staatskapelle?

Levente Török und die Staatskapelle musizierten symbiotisch verwachsen mit immenser Dichte und Präzision und schufen ein soghaftes Klanggemälde, das das Publikum von Anfang an fesselte.