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# Schwerin, Mecklenburgisches Staatstheater, TANNHÄUSER - Richard Wagner, IOCO Kritik, 01.11.2022
- URL: https://www.ioco.de/schwerin-mecklenburgisches-staatstheater-tannhauser-richard-wagner-ioco-kritik-01-11-2022/
- Published: 2022-11-01T13:00:21.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:11:40.000Z
- Author: Wolfgang Schmitt
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Schwerin

![mst_neu_logo2016neu_40](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/05/mst_neu_logo2016neu_40.jpg)

[Mecklenburgisches Staatstheater](http://www.theater-schwerin.de/?ref=ioco.de)

![Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin © Silke Winkler](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/02/mecklenburgischs-staatstheater-aussenansicht-c-silke-winkler_150.jpg)

Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin © Silke Winkler

## ***TANNHÄUSER -* Richard Wagner**

#### *\- Tannhäuser bricht als Drag-Queen mit allen Traditionen -*

von **Wolfgang Schmitt**

![Richard Wagner - aber in Venedig © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/02/richard-wagner-foto-sissi-neu.jpg)

Richard Wagner - aber in Venedig © IOCO

Eine Fahrt durch die schöne Mecklenburger Landschaft in die Landeshauptstadt Schwerin hat so ihre besonderen Reize. Das wunderschön restaurierte Schloß am See ist ein wahrer Prachtbau, der jeden Besucher fasziniert. Doch auch das gegenüber liegende neoklassizistische Staatstheater ist ein architektonisches Juwel, seit es aufwendig und liebevoll von innen und außen restauriert wurde.

Wenn das[ **Mecklenburgische Staatstheater**](http://www.mecklenburgisches-staatstheater.de/start.html?ref=ioco.de) dann auch noch künstlerisch so einiges zu bieten hat, ist das Glück des Besuchers vollkommen. Und so geschah es am 25\. Oktober 2022, als **Wagners *Tannhäuser*** auf dem Spielplan stand. Die Vorstellung war das reinste Erlebnis. Natürlich muß man erst mal auf die Idee kommen, den **Tannhäuser** als Drag-Queen darzustellen und den Venusberg-Akt in ein einem Travestie-Club spielen zu lassen, aber dieses Experiment ist dem Regisseur **Martin G. Berger** durchaus gelungen und seine Inszenierung erwies sich als in sich schlüssig.

![Mecklenburgisches Staatstheater / TANNHÄUSER hier Heiko Börner als Tannhäuser, Gala El Hadidi als Venus inmitten vonr Drag-Queens © Silke Winkler](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/10/schwerin-tannhauserneu2.jpg)

Mecklenburgisches Staatstheater / TANNHÄUSER hier Heiko Börner als Tannhäuser, Gala El Hadidi als Venus inmitten vonr Drag-Queens © Silke Winkler

Während der Ouvertüre lief ein Schwarz-Weiss-Video (**Daniel M.G. Weiß**) und erzählte von Heinrich, 1972 geboren, der in seiner Kindheit auch schon mal mit Puppen spielte, in seiner Jugend das Kleid seiner Freundin **Elisabeth** anprobierte, sie später heiratete und Vater zweier Kinder wurde. Mit 50 brach er aus dieser Ehe aus und fand sein Heil und seine Berufung nunmehr in der sinnlichen Atmosphäre eines Travestie-Varietés bei **Venus** inmitten einer Gruppe von Drag-Queens. Dieses Lebens irgendwann überdrüssig kehrt er heim in den Kreis seiner alten Freunde und zu **Elisabeth**. Die „*Teure Halle*“ ist hier ein Ikea-Wohnzimmer mit Sitzgruppe und Esstisch (Bühnenbild **Sarah-Katharina Karl**). Nach seinem Coming-Out während des Sängerwettstreits, welcher hier eher wie ein dörfliches Volksfest wirkt, und der erfolglosen Pilgerreise nach Rom, wo er „Buß' und Sühne“ zu finden hoffte, steht er am Ende wieder in seinem Drag-Queen-Kostüm da, um ihn herum sowohl die Freunde als auch die Drag-Queens, alle versammelt zum bombastischen Schlußchor, mit einem Appell ans Publikum zu einem friedlichen Miteinander und zur Toleranz gegenüber jeglicher Art des Lebensstils und der individuellen Lebensgestaltung.

Musikalisch war dieser Abend ein wahrer Hochgenuß. **Levente Török** leitete die **Staatskapelle Schwerin** hoch engagiert und konzentriert, war den Solisten ein aufmerksamer Begleiter, und es war einfach wunderbar mitzuerleben, wie herrlich er diese ungemein dramatische und packende Musik ebenso wie auch die beseelte, einfühlsame Melodienführung zu Gehör brachte, wie die Solisten, der Chor und das Orchester insgesamt zu einer Einheit verschmolzen. Mit differenziert musizierender Gestaltungskraft und akkuraten Tempi spannte **Török** farbenreich und ausdrucksvoll die Bögen über alle drei Akte. Der von **Friedemann Braun** und **Aki Schmitt** hervorragend einstudierte Opernchor und Extrachor des Staatstheaters sang wunderbar ausgewogen, präzise und klangschön, auch erfüllten die Choristen die ihnen von der Regie zugedachten Anweisungen, wie übrigens auch die acht Drag-Queens in ihren schrill-bunten Kostümierungen, aufreizend und raffiniert lasziv in ihren Bewegungen (Choreographie von **Thomas Helmut Heep**).

Geradezu sensationell war **Heiko Börner** als **Tannhäuser.** Sein robuster, in allen Lagen sicher geführter Heldentenor, klangvoll sowohl im lyrischen als auch im dramatischen Bereich zeigte bis zum Ende keinerlei Ermüdungserscheinungen, und darstellerisch war er einfach grandios in seiner weißen tief dekolletierten Abendrobe und der blonden Jayne-Mansfield-Perücke.

**Camila Ribero-Souza** gestaltete die Partie der **Elisabeth** facettenreich mit ihrem angenehm timbrierten dramatischen Sopran und fügte sich auch darstellerisch engagiert in ihre von der Regie vorgesehene Aufgaben.

![Mecklenburgisches Staatstheater / TANNHÄUSER hier das Ensemble zum Schlussapplaus © Wolfgang Schmitt](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/10/schwerin-tannhauser11neu4.jpg)

Mecklenburgisches Staatstheater / TANNHÄUSER hier das Ensemble zum Schlussapplaus © Wolfgang Schmitt

Mit einem leuchtenden dramatischen Mezzosopran von irisierender erotischer Färbung wartete **Gala El Hadidi** auf und machte ihre Darstellung der ***Venus,*** in bunt schillerndem Kostüm mit kunstvollem Kopfschmuck, fast wie eine Josephine-Baker-Kopie, zu einem optischen wie stimmlichen Ereignis (Kostüme von **Esther Bialas**).

Als **Wolfram von Eschenbach** verströmte **Brian Davis** balsamischen Wohllaut mit einem elegant geführten Kavaliersbariton und schönen Phrasierungen, sowohl bei „Blick ich umher“ als auch insbesondere beim Lied an den Abendstern. **Renatus Meszar** war ein nobler **Landgraf** mit warm timbrierten Bassbariton und perfekter Diktion.

Aus dem Off klang der glasklare, funkelnde lyrische Sopran von **Marie-Louise Tosheva.** Ein pauschales Lob gilt den Sängern des Wettstreits, **Markus Pallesen** als **Walther** von der Vogelweide, **Martin Gerke** als ***Biterolf,* Sebastian Köppl** als **Heinrich** der Schreiber, und **Young Kwon** als **Reinmar von Zweter**, die sich in ihren Partien durch schönstimmigen Gesang und darstellerischem Einsatz bewährten.

Insgesamt gesehen war dieser Ausflug ans Schweriner Staatstheater ein überaus beglückendes Erlebnis. An diesem ***Tannhäuser*** in **Martin G. Berger**s fesselnder, faszinierender und auch nachdenklich stimmender Inszenierung könnten manche Regisseure, die an den sogenannten „großen Häusern“ inszenieren dürfen, sich ein Beispiel nehmen.

\---| IOCO Kritik Mecklenburgisches Staatstheater |---