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# Salzburg, Salzburger Festspiele, Ariodante - Cecilia Bartoli in Hosenrolle, IOCO Kritik, 05.09.2017
- URL: https://www.ioco.de/salzburg-salzburger-festspiele-ariodante-cecilia-bartoli-in-hosenrolle-ioco-kritik-05-09-2017/
- Published: 2017-09-05T15:00:58.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:40:53.000Z
- Author: Daniela Zimmermann
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Haendel, Salzburg

![salzbuerger_festspiele.gif](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/salzbuerger_festspiele.gif "Salzburger Festspiele")

![Salzburg / Haus für Mozart © Salzburger Festspiele -Andreas Kolarik](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/09/salzburg-haus-fuer-mozart-sf_andreas_kolarik.jpg)

Salzburg / Haus für Mozart © Salzburger Festspiele -Andreas Kolarik

[Salzburger Festspiele](http://www.salzburgerfestspiele.at/?ref=ioco.de)

# ***Ariodante* von Georg Friedrich Händel**

 **Der Spannungsbogen des Barock - Cecilia Bartoli in erster Hosenrolle** 

Von **Daniela Zimmermann**

Die Oper **Ariodante** ist in Salzburg besonders populär: Durch Weltstar **Cecilia Bartoli,** welche die **Salzburger Pfingstfestspiele** seit 2012 erfolgreich leitet und dort mit starker Bühnenpräsenz und großartigem Mezzosopran in großen Partien gefeiert wird. So auch 2017, als sie die 1734 uraufgeführte Barockoper ***Ariodante*** von **Georg Friedrich Händel** bei ihren **Salzburger Pfingstfestspielen** auf den Spielplan setzte und darin die Partie der ***Ariodante*** übernahm; erstmals in ihrer großen Karriere, eine Hosenrolle. So erfolgreich war diese Inszenierung, daß sie auch in die **Salzburger Sommerfestspiele 2017**  übernommen wurde.

![Salzburger Festspiele / Ariodante - Cecialia Bartoli als Ariodante, noch in Ritterrüstung © Monika Rittershaus](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/09/hires-ariodante_2017_ceciliabartoli_c_sf_monikarittershausneu.jpg "Salzburger Festspiele / Ariodante - Cecialia Bartoli als Ariodante, noch in Ritterrüstung © Monika Rittershaus")

Salzburger Festspiele / Ariodante - Cecialia Bartoli als Ariodante, noch in Ritterrüstung © Monika Rittershaus

**Cecilia Bartoli** hatte den Salzburg-erfahrenen **Christof Loy** als Regisseur für diese Barockoper gewonnen. Der Facettenreichtum von **Ariodante** hatte **Loy** schon viele Jahre gereizt; das *„shakesperianische“* der Atmosphäre, welcher zwischen den Akten so radikal wechselt, oder die verschiedenen Spielarten von Erotik, welche die Oper zeichnen. Doch besonders hatten **Loy** die klassischen Rollenmuster des Mittelalters angesprochen: Der stolze Ritter, die dekorative aber verleumdete Jungfrau und das auflösende Gottesurteil. In der Salzburger **Loy** \- Inszenierung wandelt sich **Ariodante** vom harten Krieger zu einem fragilen, transparenten, angreifbaren, *„fast femininen“* Menschen; und leitet, so **Loy,** mit **Cecilia Bartoli** in der Hosenrolle, „*auf eine andere Erzählweise hin,…. als ein Countertenor“,*  es in dieser Partie könnte.

![Salzburger Festspiele / Georg Friedrich Händel Grabstätte in Westminster Abbey © IOCO ](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/09/georg-friedrich-haendelneu.jpg "Salzburger Festspiele / Georg Friedrich Händel Grabstätte in Westminster Abbey © IOCO")

Salzburger Festspiele / Georg Friedrich Händel Grabstätte in Westminster Abbey © IOCO

Mit viel Feinsinn erfasst **Loy** die einzelnen Charaktere, choreographiert sie liebevoll, mit Humor und Ironie. Die Inszenierung spannt einen Bogen von der Barockzeit zum Jetzt, der Gegenwart. Das zeigt sich in den Kostümen, in der Ritterrüstung des ***Ariodante,*** den historischen Kleidern des Balletts, in Businesskleidung. Transformation, Neuorientierung, Identitätssuche sind der Fokus, welchen in Salzburgs ***Ariodante*** Inszenierung verspüren läßt, herausgestellt. So werden auch die Balletteinlagen zum wesentlichen Element dieser Inszenierung. Barock, Gegenwart und Träume verfließen in Gesang und Tanz elegant wie packend ineinander (Choreografie **Andreas Heise**). **Johannes Leiacker** gestaltete die relativ schlichte Bühne. Ein hoher Barocker Raum mit vielen Türen, der sich nach hinten öffnet. Mal steht das Ensemble vor der Brandmauer oder im idyllischen Arkadenparadies.

![Salzburger Festspiele / Ariodante - Cecialia Bartoli als Ariodante, nun in bodenlangem Kleid und Kathryn Lewek als Ginevra © Monika Rittershaus](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/09/hires-ariodante_2017_ceciliabartoli_kathrynlewek_c_sf_monikarittershausneu.jpg "Salzburger Festspiele / Ariodante - Cecialia Bartoli als Ariodante, nun in bodenlangem Kleid und Kathryn Lewek als Ginevra © Monika Rittershaus")

Salzburger Festspiele / Ariodante - Cecialia Bartoli als Ariodante, nun in bodenlangem Kleid und Kathryn Lewek als Ginevra © Monika Rittershaus

Die Handlung handelt von großer Liebe, verschmähtem Widersacher, Intrigen, von Konventionen. Ganz Barock, es siegt die Liebe. Das junge Paar ***Ariodante*** und ***Ginevra*** sind glücklich verliebt, mit Einwilligung des ***Königs von Schottland.*** Doch **Polinesso, Herzog von Albany,** will ***Ginevra*** und auf den Königsthron. Da beides hoffnungslos ist, schmiedet er eine Intrige: Mit der ihm in Liebe verfallenen Kammerzofe **Dalinda** täuscht er **Ariodante,** indem er **Ginevras** Untreue behauptet. **Ariodante** stürzt sich von Schottlands Klippen, wird aber gerettet; Ginevra verfällt darüber in tiefe Depression und Ungnade. Die getäuschte **Dalinda** gesteht den schändlichen Betrug, **Polinesso** wird im Duell getötet und das Fest der Freude nimmt mit ***Ariodante*** und ***Ginevra*** seinen glücklichen Lauf.

Das Sängerensemble ist in seiner Gesamtheit blendend disponiert; stimmlich wie darstellerisch. Doch **Cecilia Bartoli** als **Ariodante** dominiert. Mit hinreißender Bühnenpräsenz, zunächst in Ritterrüstung später mit Bart in bodenlangem Kleid, beherrscht sie die Bühne; mit wohltimbriertem und koloraturen-sicherem Mezzosopran überwältigt sie die Besucher. In ihrer anspruchsvollen, mit Koloraturen gespickten Arie "*Con l’ali di costanza"* zeigt **Cecilia Bartoli** den lyrischen Glanz und die bruchlose Größe ihrer Stimme. Einer kleine Slapstick zum Ende rundet ihre Partie amüsant ab. Ihre Verwandlungen im Verlauf der Oper, vom Ritter, der voller Freude seine Verlobung bejubelt, zum herzzerreißenden Lamento über verlorene Liebe, Eifersucht, Rache-gedanken, dann die Verwandlung vom Ritter zum bärtigen Mann in Frauenkleidung, eine Art „*Concita Wurst - Look“,* um so zurück in die Arme seiner ***Ginevras*** zu finden: Der changierende Regieansatz von **Christof Loy,** **Ariodante** als Hosenrolle zu inszenieren, wird von **Cecilia Bartoli** überwältigend umgesetzt.

Die junge amerikanische Sängerin **Kathryn Lewek** besetzt ihre Partie als ***Ginevra***  mit wunderbarem Sopran und starker darstellerischer Ausstrahlungskraft. **Lewek** gibt jeder Szene sicht- wie hörbaren Ausdruck: Glücklich strahlt sie, sanft singt sie als verliebte Prinzessin, mitfühlend begleitet sie ihren Vater umgeht, ihre Unschuldsbeteuerung, ihre Verlorenheit, all das ist so gefühlvoll gesungen,gespielt. Es berührt. **Lewek** spielt mit ihrer Stimme und führt sie in die höchsten Höhen des Soprans. Verzaubert haben aber auch ihre Piani, gesungen mit wunderbarer Zartheit. **Sandrine Piau,** als ***Dalinda,*** vom **Polinesso** zum Betrug verführt, spielt diese Charakterrolle glaubwürdig gut und interpretiert sie mit einer reichen, ausdrucksvollen Sopranstimme. Countertenor **Christoph Dumaux** ist ein überzeugender **Polinesso,** der leibhafte Bösewicht. Er beherrscht seine Partie als intriganter Verführer, sowohl schauspielerisch als auch gesanglich mit kraftvollem Timbre. **Nathan Berg** sang mit schöner Bassstimme den **König.** **Rolando Villazon** als **Lurcanio** füllte seine Partie wie oft darstellerisch gut aus. Seine Höhen ließen allerdings zu wünschen übrig; doch das Publikum liebt **Villazon** und feierte ihn. Der **Salzburger Bachchor** ergänzte gesanglich als auch als Darsteller diesen Opernabend.

![Salzburger Festspiele / Ariodante - Cecilia Bartoli und Ensemble © Marco Borrelli](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/09/hires-01_georgfriedrichhaendel_ariodante_2017_rolandovillazon_sandrinepiau_ceciliabartoli_kathrynlewek_nathanberg_kristoferlundin_ensemble_c_sf_marcoborrellineu.jpg "Salzburger Festspiele / Ariodante - Cecilia Bartoli und Ensemble © Marco Borrelli")

Salzburger Festspiele / Ariodante - Cecilia Bartoli und Ensemble © Marco Borrelli

**Les Musiciens du prince,** ein Barockensemble aus Monaco, schufen auf historischen Instrumenten unter Gianluca Capuano, der auch das Cembalo spielte einen ergreifend barocken Klang der Händelschen Zeit. Das Orchester wurde im Frühjahr 2016 in Monaco, mit der Unterstützung der Fürstenfamilie und auf Initiative von Cecilia Bartoli gegründet. In diesem Orchester vereint Bartoli die besten auf alten Instrumenten spielenden Musiker, die sie kennt.

**Händel,** seine ***Ariodante,*** der Barock wurden im **Salzburger Festspielsommer 2017** mit starken Stimmen, einer überragenden **Cecilia Bartoli** lebhaft bejubelt und gefeiert.

\---| IOCO Kritik Salzburger Festspiele |---