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# Salzburg, Salzburger Festspiele, ARIADNE AUF NAXOS – Richard Strauss, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/salzburg-salzburger-festspiele-ariadne-auf-naxos-richard-strauss-ioco/
- Published: 2026-08-06T12:35:38.000Z
- Updated: 2026-08-06T13:27:56.000Z
- Description: Salzburger Festspiele: Ersan Mondtag verlegt Richard Strauss' Ariadne auf Naxos auf den Mars und verbindet Science-Fiction mit Opernklassik. Musikalisch überzeugt die Aufführung mit starken Solisten und den Wiener Philharmonikern, szenisch bleibt der zweite Akt jedoch hinter den Erwartungen zurück.
- Author: Daniela Zimmermann
- Tags: Oper & Operette

von Daniela Zimmermann

Uraufführung 1916 im **Wiener Hoftheater**, mitten im Ersten Weltkrieg. Das Libretto stammt von **Hugo von Hofmannsthal**, die Musik von **Richard Strauss**. ***Ariadne auf Naxos*** ist eine Oper in der Oper.

Die Aufführung sollte spritzig, charmant und unterhaltsam sein, in den Kriegsjahren eine willkommene Abwechslung. Doch hinter dieser scheinbar leichten Komödie verbirgt sich eine Botschaft: Nichts im Leben ist konstant. Alles ist im Wandel, alles kann sich plötzlich verändern, und wir müssen uns den neuen Gegebenheiten anpassen, ob wir wollen oder nicht. Oft kommt alles ganz anders, als wir es uns denken, wünschen oder planen.

Der reichste Mann der Welt schmeißt eine Party. Und wo? Auf dem Mars. Für Superreiche scheint schließlich alles möglich zu sein. Nach einem üppigen Festmahl soll dort die Uraufführung der Oper ***Ariadne auf Naxos***, ein Trauerspiel, stattfinden. Die große Chance für einen jungen, noch unbekannten Komponisten. Regisseur **Ersan Mondtag** verlegt das Geschehen auf den Mars. Alle reisen in komfortablen Raumschiffen an. Doch damit die geladenen Gäste nach dem opulenten Essen nicht allzu melancholisch gestimmt werden, gibt es gewissermaßen als Nachtisch noch ein heiteres Tanzspiel in Form einer Opera buffa. Dazu gehört die Tänzerin ***Zerbinetta*** mit ihrer Harlekintruppe. Dass diese Truppe das vermeintlich langweilige Trauerspiel verdrängen soll, macht sowohl den ***Komponisten*** als auch die ***Primadonna*** fassungslos.

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Christoph Pohl (Ein Musiklehrer), Kate Lindsey (Der Komponist), Jonas Hacker (Ein Tanzmeister), Ensemble © SF/Thomas Aurin

**Ersan Mondtag** ist nicht nur für die Regie verantwortlich, sondern auch für das Bühnenbild und die Kostüme. Das ganze Geschehen spielt in einer terrakottafarbenen Kuppel mit zahlreichen Treppen, einem Einheitsbühnenbild für den ganzen Abend. Die Kostüme schlagen einen weiten Bogen, teils konservativ in Schwarz, der ***Komponist*** sogar mit Gehrock, teils in Wüstenocker gehalten und deutlich an die Fantasiewelt von Star Wars angelehnt. Die ***Primadonna*** setzt mit roter Perücke und rotem Rock einen markanten Farbakzent.

Durch ein großes, ovales Fenster fällt der Blick auf die karge Marslandschaft. Man sieht Raumschiffe und rätselhafte fliegende Relikte längst vergangener Kulturen vorübergleiten. Bilder, die der Inszenierung einen futuristischen Charakter verleihen. Doch damit nicht genug, der superreiche Gastgeber schickt erneut seinen Haushofmeister mit einer weiteren Anordnung. Beide Stücke sollen gleichzeitig aufgeführt werden, denn um Punkt 21 Uhr beginnt das Feuerwerk.

Der ***Komponist*** ist mit den Nerven am Ende, die ***Primadonna*** ringt um Fassung. Trauerspiel und Maskerade sollen zu einem einzigen Werk verschmelzen. Der Tanzmeister schafft es schließlich, beide Ensembles von notwendigen Kürzungen zu überzeugen. Mitten im völligen Chaos kommen sich ***Zerbinetta*** und der sensible ***Komponist*** näher. Sie lebenshungrig und voller Charme, er hilflos überrascht. In dieser Begegnung beginnt er zu begreifen, dass die Todessehnsucht, auf die er sich immer beruft, nicht der wahre Sinn des Lebens sein kann.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2026/08/Christina-Nilsson--Primadonna---Ariadne---T--nzer--innen-c-sf-thomas-aurin-07.jpg)

Christina Nilsson (Primadonna/Ariadne), Tänzer·innen © SF/Thomas Aurin

Vier Tänzer in hautengen Ganzkörperanzügen mit aufgedrucktem Muskelmuster sind nahezu ununterbrochen auf der Bühne. Sie spiegeln tänzerisch die seelische Verfassung der ***Ariadne*** und zugleich untermauern sie auch szenisch den Gesang der ***Zerbinetta***, indem sie Sex auf der Bühne treiben. Dieses permanente Bewegungselement sorgt jedoch für Unruhe. Die Tänzer stören eher das Bühnengeschehen, als es zu vertiefen. Auch ihre auffällig grell gestalteten Kostüme, sind wenig ästhetisch.

Vor der kalten Kulisse einer Schneelandschaft beginnt die Oper. Von ***Theseus*** verlassen, der sich einer anderen Frau zugewandt hat, versinkt ***Ariadne*** in tiefer Verzweiflung. **Christina Nilsson**, die kurzfristig für die ursprünglich vorgesehene **Elīna Garanča** einsprang, meisterte die anspruchsvolle Partie mit großer stimmlicher Souveränität. Sie gestaltete ***Ariadnes*** Schmerz eindringlich und überzeugte vorwiegend mit ihrem leuchtenden, sicheren Gesang. Begleitet wird sie von den drei Nymphen ***Najade*** (**Jasmin Delfs**), ***Dryade*** (**Anja Mittermüller**) und ***Echo*** (**Marlene Metzger**), die ihr dunkles Todesverlangen ebenso einfühlsam begleiten wie jene Momente, in denen die Erinnerung an das einstige Glück mit ***Theseus*** in ihr noch einmal die Lebensgeister wecken.

Mit ***Zerbinetta*** betritt endlich Leben die düstere Szenerie. **Ziyi Dai** versucht, ***Ariadne*** mit ihrer Leichtigkeit aus ihrer Verzweiflung zu reißen. Sichtlich berührt von ihrem unstillbaren Schmerz, wirbt sie mit einem aufmunternden Lied für das Leben und die Liebe. Doch ***Ariadne*** sehnt sich nach dem Todesboten. Auch die weiteren Bemühungen der Komödiantengruppe, die Todessüchtige umzustimmen, bleiben erfolglos. In ihrer großen Arie erteilt ***Zerbinetta*** ***Ariadne*** eine kluge und lebensnahe Lektion über die Liebe. Jeder Schmerz vergeht, wenn ein neuer Geliebter das Herz erobert. **Ziyi Dai** meistert die halsbrecherischen Koloraturen mit beeindruckender technischer Sicherheit und musikalischer Präzision. Ihre Interpretation hätte jedoch noch mehr überschäumende Lebensfreude und mitreißenden Esprit vertragen können. Das fehlte. Schließlich wendet sich ***Zerbinetta*** dem ***Komponisten*** zu und findet bei ihm deutlich mehr Gehör. **Kate Lindsay** stellt ihn als unbeholfenen und geradezu hilflosen jungen Künstler dar, der zwischen seinem Komponieren und der aufkeimenden Verliebtheit, sich nicht zu helfen weiß.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2026/08/Kate-Lindsey--Der-Komponist---Ziyi-Dai--Zerbinetta---T--nzer--innen-c-sf-thomas-aurin-23.jpg)

Kate Lindsey (Der Komponist), Ziyi Dai (Zerbinetta), Tänzer·innen © SF/Thomas Aurin

Der 2\. Akt war schlichtweg langweilig. Das Vorspiel entwickelte noch eine gewisse Spannung, doch in der eigentlichen Szene übernahmen die Tänzer weitgehend die Darstellung der Gefühlswelt, die eigentlich von den Sängern getragen werden sollte. So blieb den Solisten vor allem Raum für den Gesang, während die szenische Intensität nach außen verlagert wurde.

Am Pult der **Wiener Philharmoniker** stand **Manfred Honeck**. Er führte das Orchester mit großer Ruhe und Übersicht durch **Richard Strauss’** anspruchsvolle Partitur. Musikalisch war die Aufführung auf hohem Niveau, doch insgesamt fehlten stellenweise die großen Spannungsbögen und jener Funke, der die Partitur mit all ihrer Raffinesse wirklich zum Leuchten bringt.

## [**Infos und Karten: Link hier**](https://www.salzburgerfestspiele.at/?ref=ioco.de)