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# Salzburg, Salzburger Festspiele 2022, AIDA - Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 18.08.2022
- URL: https://www.ioco.de/salzburg-salzburger-festspiele-2022-aida-giuseppe-verdi-ioco-kritik-18-080-2022/
- Published: 2022-08-18T17:49:30.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:10:59.000Z
- Author: Daniela Zimmermann
- Tags: Konzert & Liederabend, Kritiken, Salzburg

![salzbuerger_festspiele.gif](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/salzbuerger_festspiele.gif "Salzburger Festspiele")

![Salzburg Das grosse Festspielhaus @ Marco Borelli ](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/08/grossesfestspielhaus_auditorium_c_marco_borrellineu.jpg)

Salzburg Das grosse Festspielhaus @ Marco Borelli

[**Salzburger Festspiele**](http://www.salzburgerfestspiele.at/?ref=ioco.de)

## ***AIDA* \- Giuseppe Verdi**

#### **Aida - an der Zeit orientiert, in der wir heute leben**

von **Daniela Zimmermann**

**Shirin Neshat**, Regisseurin, hatte bereits 2017 **AIDA** in Salzburg inszeniert. Damals mit **Anna Netrebko** als großer Star. Damals, es war die erste Operninszenierung von **Shirin Neshat,** stand **Verdis** Komposition im Vordergrund. Die Salzburger Neuinszenierung 2022 (hier besprochene Vorstellung vom 12.8.2022) ist zusätzlich von ihrer künstlerischen Handschrift geprägt. **Shirin Neshat** ist Künstlerin, Designerin und Video Filmerin mit einem interessanten Background, passend zu der Oper ***AIDA.*** Aufgewachsen im religiös geprägtem Iran, dann zur Ausbildung nach New Yorck, wo sie auch heute lebt. Verlust der Heimat, Migration, Rassismus, Sehnsüchte nach der Heimat, sie hat all diese Probleme selbst erlebt, die sich in der Salzburger **AIDA** wiederfinden. *„Die Erfahrungen als Bildende Künstlerin und Filmemacherin werde ich nuancierter und visuell provokanter einbringen. Mein jetziger Blick auf Aida ist einer, der sich spezifischer an der Zeit orientiert, in der wir leben“,* sagt die Regisseurin. Für sie hat der Stoff heute eine noch stärkere Dringlichkeit bekommen.

****AIDA - Trailer - Salzburger Festspiele 2022**youtube Salzburger Festspiele **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Ihre Inszenierung spielt sich auf zwei Ebenen ab: einmal die Vergangenheit mit dem Thema der Oper und als Kontrast die Neuzeit, filmisch dargestellt. In den Filmen herrschen Niqab oder Burka, mit „*Priestern“,* deren blutrünstiges, machtvolles Verhalten Amneris zum Ende durchschaut und verflucht; es spiegelt den heutige Iran; islamisch kraftvoll verkörpert durch die Kleidung der in schwarz-orange gehüllten Geistlichen mit langen Bärten.

Die Kostüme gestaltete **Tatyana von Walsum:** schlicht, die heutige Zeit abbildend. Die strenge Uniform des **Radames,** militärisch profan, gefiel wenig, weder in Farbe, noch im Stil; wenig inspirierend für diese so tragende Rolle. Streng islamisch die Kleidung des Chors.

Die Regisseurin **Neshat** arbeitet viel mit ihren eigenen Videos. Das Bühnenbild ein monumentaler Ytong Kubus, Christian Schmidt, siehe Foto, der sich drehen, und auch als Projektfläche bestens geeignet ist. Ein Video, *Rappture,* auf Deutsch Entrückung, soll Anfang und Ende der Oper wie eine Klammer verbinden. So zeigt ein Video Frauen in traditioneller *Niqab* Kleidung ein Boot besteigen und gleiten hinaus aufs Meer: das Ziel, ihr Schicksal bleibt offen. In einem anderen Video graben Beduinen-Frauen mit den Händen im Wüstensand ein Grab. Hier wird eine Symbolik zu **Aidas** Sehnsucht zu ihrer Heimat hergestellt. Zwischen den Akten projizieren die Videos große, eindrucksvolle Einzelbilder: schwarz-weiße Gesichter erzählen auf den Vorhang eine Geschichte. Interessant auch das Video, wo ein Leichnam relativ lange durch die Wüste getragen wird. Ein Symbol für die vielen Kriegstoten? Zum Schluss wird der Trauermarsch durch die Realität eingeholt. Die Bahre wird im Sand am rauschenden Meer abgelegt und ihr entsteigt **Aidas** Vater **Amonasro.**

![Salzburg / AIDA hier Elena Stikhina (Aida), Statisterie, Tänzer*innen © SF / Ruth Walz](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/08/gut-aida-2022-c-sf-ruth-walz-neu.jpg)

Salzburg / AIDA hier Elena Stikhina (Aida), Statisterie, Tänzer\*innen © SF / Ruth Walz

Jeder Krieg ist mit vielen Toten und Verwundeten verbunden, darum ist AIDA eine sehr aktuelle Oper. Dort bekriegen sich die Äthiopier mit den viel stärkeren Ägyptern. Krieg und Kriegshelden auch das gehört zusammen. Hier in **AIDA** ist es **Radames,** der das Ägyptische Heer, auserwählt von der Göttin Isis, anführt, und siegt. Für die Regisseurin ist selbst ein siegreicher Krieg kein Anlass zum Feiern. Krieg ist immer mit viel Leid und Trauer und Verlusten verbunden. Deshalb wird auch der große Triumph **Radames** nicht gefeiert. Er wird schlicht geehrt, aber das, zur triumphaler Musik Verdis.

**Radames** Herz gehört **Aida,** der Äthiopierin, die unerkannt als Sklavin der Königstochter Amneris am königlichen Hof, des **Köngs II Re** lebt. Amneris ist ebenfalls dem jungen Helden **Radames** in Liebe verfallen. Während ihre Liebe nicht erwidert wird, glüht **Radames** Herz für die Äthiopierin **Aida. Aida** selbst befindet sich in einem schrecklichen Zwiespalt der Gefühle: ihrer großen Liebe zu **Radames,** Ägyptens Held, der zugleich große Feind ihres geliebten Heimatlandes Äthiopien ist.

![Salzburg / AIDA hier Piotr Beczala (Radames), Elena Stikhina (Aida), © SF / Ruth Walz](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/08/aida-2022-c-neu.jpg)

Salzburg / AIDA hier Piotr Beczala (Radames), Elena Stikhina (Aida), © SF / Ruth Walz

Zur Siegerehrung werden auch die Gefangenen Äthiopier vorgeführt, darunter ihr Vater **Amonasro.** Kaltherzig benützt er die Liebe seiner Tochter zu **Radames** und erpresst sie geschickt, **Radames** das Kriegsgeheimnis seiner Truppenbewegung zu entreißen. Letztlich aus Liebe hat **Radames**  Vaterlandsverrat begangen und **Amneris** erwischt beide in dieser Situation. Eifersüchtig und wütend übergibt sie ihn den geistlichen Richtern. **Radames** lehnt jede Verteidigung ab. **Amneris** versucht ihn vergebens zu retten. Sie weiß, dass sie einen Fehler begangen hat und all ihr Bitten findet kein Gehör. **Radames** wird zum Tode, lebendig zu begraben, verurteilt. **Aida** teilt freiwillig mit ihm sein Schicksal. Im gemeinsamen Tod, den sie gemeinsam gewählt haben, finden sie zusammen.

**Elena Stikhina** ist **Aida:** Die ganz große dramatische Stimme muss sich noch etwas entwickeln. Ihre Stimme ist aber sehr farbenreich und lyrisch, womit sie die Zerrissenheit der **Aida** bestens gestaltet. **Amneris** wird dargestellt von **Eve-Maud Hubeaux,** kurzfristig in diese Produktion eingesprungen. Sie singt die Rolle klanglich perfekt und ihr gesanglicher Höhepunkt ist am Ende des 4\. Aktes, wo sie verzweifelt, eifersüchtig, abgewiesen, sich ihren Schmerz heraussingt. Sie hat sehr viel Bühnen-Ausstrahlung.

Und welch ein Gewinn: Einer der größten Tenöre unserer jetzigen Zeit **Piotr Beczala** debütiert mit **Radames** in Salzburg. Zum ersten Mal in einer für ihn ganz neuen, dramatischen Rolle. Das ist ihm auch furios gelungen und so war er nicht nur der Held **Radames** auf der Bühne, sondern auch der musikalische Held des Abends. Seine Stimme ist feurig und lyrisch sanft zugleich, mit schönen Piani. Stimmlich sehr kräftig **Luca Salsi** als   **Amonasro.** **Erwin Schrott** singt den **Ramfis** mit klarer Stimme. **Roberto Tagliavini** singt auf hohem Niveau den **König Il Re.**

Großartig die Chöre. Konzertvereinigung Wiener Statsopernchor, unter der Leitung von **Huw Rhys James.** Sie alle haben so mitgespielt, die ganze Aufführung mitgestaltet und wunderbar gesungen!

Die **Wiener Philharmoniker** spielten wie immer brillant. Dirigent **Alain Altinoglu** dirigiert diese **AIDA** eher brav, solide; das lyrisch empathische der Komposition funkelt nur wenig. Doch **Verdis** Komposition bleibt immer hinreißend und erklärt ihren wohl ewig bleibenden Erfolg, wie auch nun in Salzburg.

***So empfand es auch das Publikum, welches die auffällige Inszenierung und das Ensemble lang und lautstark bejubelte.***

\---| IOCO Kritik Salzburger Festspiele |---