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# Salzburg, Salzburger Festspiele 2019, Regisseur Andreas Weirich  im Gespräch, IOCO Interview, 31.08.2019
- URL: https://www.ioco.de/salzburg-salzburger-festspiele-2019-regisseur-andreas-weirich-im-gespraech-ioco-interview-31-08-2019/
- Published: 2019-08-31T08:00:59.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:57:52.000Z
- Author: Adelina Yefimenko
- Tags: Musicalwelten & Bühnenzauber, Oper & Operette, Konzert & Liederabend, Salzburg

![salzbuerger_festspiele.gif](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/salzbuerger_festspiele.gif "Salzburger Festspiele")

[Salzburger Festspiele](http://www.salzburgerfestspiele.at/?ref=ioco.de)

![Salzburger Festspiele / Der Gesang der Zauberinsel - hier : Schlussapplaus mit vl .Joanna Kedzior, Benson Wilson, James Ley, Marius Felix Lange Komponist, Andreas Weirich  Regie, Katja Rotrekl © SF / Marco Borelli](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/08/zauberinsel-2019-c-sf-marco-borrelli-neu.jpg)

Salzburger Festspiele / Der Gesang der Zauberinsel - hier : Schlussapplaus mit vl .Joanna Kedzior, Benson Wilson, James Ley, Marius Felix Lange Komponist, Andreas Weirich Regie, Katja Rotrekl © SF / Marco Borelli

# **Der Gesang der Zauberinsel oder: wie der Rasende Roland .... - Kinderoper**

**Regisseur Andreas Weirich im Gespräch mit Adelina Yefimenko** 

Die **Salzburger Festspiele 2019** eröffneten nicht mit einer *großen* Operngeschichte sondern mit der zauberhaften **Uraufführung** der Kinderoper ***Der Gesang der Zauberinsel oder: wie der Rasende Roland wieder zu Verstand kam*.** Im Auftrag der **Salzburger Festspiele** komponierte **Marius Felix Lange** eine Familienoper nach dem Epos von **Ludovico Ariosto *Der rasenden Roland*,** das im Jahre 1516 entstanden ist. Selbstverständlich lehnt sich die Geschichte an **Händels *Alcina*** an, die aber einfallsreich für Kinder konzipiert wurde und beinahe autobiographisch, mit Selbstironie und Kinderliebe, wirkte, da die Figur des ***Rasenden Rolands*** selber den Komponisten verkörpert.

![Georg Friedrich Händel  - der Schöpfer von Alcina © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/08/georg-friedrich-haendelneuneu.jpg)

Georg Friedrich Händel - der Schöpfer von Alcina © IOCO

Die fantasiereiche und turbulente Handlung, gestaltet mit wunderschönen Bühnenbildern, zeigte auch die magische Kraft und das Können des Regisseurs **Andreas Weirich,** der diese Kinderoper mit bezauberter Atmosphäre und umfassenden Kenntnissen der Kinderpsychologie gestaltet hat. Der Regisseur hat sich mehrmals als Experte alternativer Regie- und Bühnen- Wunder etabliert – vom Svirz Castle, Ukraine, aus dem 16\. Jahrhundert, wo er die Oper **Alcide** des ukrainischen Komponisten **Dmitro Bortniansky** inszenierte bis zur Oper **Der zerbrochene Krug** des jüdischen Komponisten **Victor Ullmann,** die im KZ komponiert wurde – mit der beeindruckenden Allegorie des Baums.

In seiner Inszenierung der Kinderoper **Der Gesang der Zauberinsel** vo**n Marius Felix Lange** fliegen alle Protagonisten, satteln einen *Hippogryph* zum Mond. Die lebendige Reaktion des Kinderpublikums auf die Verschwörungen, Zaubereien hat die Inszenierung belohnt. Die Interpretation des Mythos über die **Alcina-**Insel, die Szenen, voller Hexereien und Überraschungen offenbart in der Kinderpsychologie eine adäquate Reaktion der Liebe zu Märchen, Täuschungen, Reinkarnationen von Tieren, Menschen, natürlichen Elementen, von denen die Erwachsenen viel lernen können.

**Andreas Weirich** im Gespräch mit **Adelina Yefimenko** erzählt seine Gedanken zur Inszenierung dieser magischen Oper über Erde und Raum, Alltäglichkeit und Wunder, über den Flug zum Mond: *ist es ein Traum oder doch die Wirklichkeit!*

![ Salzburger Festspiele / Der Gesang der Zauberinsel - hier :  Sarah Shine als Angelika, Joel Allison als Roland Angeler, Joanna Kedzior als Alcina © SF / Erika Mayer](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/08/zauberinsel-2019-c-sf-erika-meyer-neu2.jpg)

Salzburger Festspiele / Der Gesang der Zauberinsel - hier : Sarah Shine als Angelika, Joel Allison als Roland Angeler, Joanna Kedzior als Alcina © SF / Erika Mayer

**Adelina Yefimenko (AY):* Andreas, inwieweit erschließen sich die Bezüge dieser neuen Geschichte von Marius Felix Lange, der selber das Libretto des Gesangs der Zauberinsel geschrieben hat, auf die Quellen von Ariosto sowie Händel? Was ist das Wichtigste in dieser neuen Geschichte? Was ist der Kern der neuen Oper über Alcina?*

**Andreas Weirich (AW): Marius Felix Lange** bezieht sich in seiner neuen Oper ***Der Gesang der Zauberinsel...*** allein auf die literarische Vorlage des Versepos ***Der rasende Roland*** von **Ludovico Ariosto** aus dem Jahr 1516\. **Händels** Oper **Alcina** hat in seiner Vorbereitung keine Rolle gespielt. Er hat ein ganz eigenständiges Werk geschaffen, das in wunderbarer Weise den mitunter sehr anarchischen Charakter und die Sprunghaftigkeit in der Erzählweise bei **Ariosto** sehr gut einfängt. Im Mittelpunkt der neuen Geschichte steht nicht **Alcina,** sondern der rasende Komponist **Dr. Roland Angeler** mit seiner Tochter ***Angelika.* Roland Angeler** schreibt eine neue Oper ***Der rasende Roland,*** seine Tochter soll darin eine Hauptrolle singen.

Die Komposition und Einstudierung der Oper zehrt sehr an seinen Nerven, er ist kurz vor dem Durchdrehen und dabei, seinen Verstand zu verlieren. **Angelikas** Mutter hat sich erst mal auf Kur aus dem Familienleben verabschiedet. Der Haushalt droht zusammenzubrechen. **Mirza,** ein junger Sänger aus Persien, soll für eine Rolle vorsingen, wird von **Roland** als völlig untalentiert eingestuft sofort wieder fortgeschickt. Sein Schlaflied hat **Angelika** so berührt, dass sie ganz verzaubert einschläft. Über den Traum **Angelikas** finden sich alle Beteiligten auf der Zauberinsel ***Alcinas*** wieder und treffen aufeinander. **Rolands** Verstand, abgefüllt in einer übergroßen Flasche, kann erst über eine Reise zum Mond wiedergefunden werden. Am Ende der Oper wacht **Angelika** wieder auf. Zurück in der Wirklichkeit tauchen einzelne Elemente der Traumhandlung nochmal auf, etwas vom Zauber des Traums bleibt. Es wirkt wie eine Parallele zum Ende von Shakespeares Sommernachtstraum: Der Schwebezustand zwischen Traum und Wirklichkeit hält sich über eine Nacht der Verwirrung hinaus und beeinflusst das Verhalten aller. Der Kern des Stückes ist für mich Verzauberung, Verzauberung durch Musik. Das schließt die Verführung durch **Alcina** mithilfe des Gesangs der Zauberinsel genauso mit ein wie **Mirzas* Schlaflied,* das **Angelika** verzaubert.

![Salzburger Festspiele / Der Gesang der Zauberinsel -  hier :  Sarah Shine als Angelika, Iurii Iushkevich als Hippogryph, Benson Wilson als Mirza / Medoro © SF / Erika Mayer](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/08/zauberinsel-2019-c-sf-erika-meyer-neu4.jpg)

Salzburger Festspiele / Der Gesang der Zauberinsel - hier : Sarah Shine als Angelika, Iurii Iushkevich als Hippogryph, Benson Wilson als Mirza / Medoro © SF / Erika Mayer

**AY:* Also, die Märchengeschichte über die Hexe Alcina korrespondiert mit der Realität, in der der Komponist *Dr. Roland* seine neue Oper mit der Tochter *Angelika* für die kommende Premiere probt. Die Mutter ist nicht da. Sie ist in der Kur, die sie wahrscheinlich unbedingt braucht, um vom Chaosleben ihres Mannes – des Komponisten *Dr. Roland Angeler* – zu erholen. Wenn Alcina gleichfalls die Mutter von Angelika ist, wen verhext sie „in Felsen, Pflanzen, oder Tiere…“? Und weshalb erinnert sie an der Königin der Nacht? Im Text des Librettos sagt die Bradamante einmal: „Wer den Gesang der Zauberinsel höret, verfällt Alcinas dunkler Macht sogleich“.*

**AW:** Dass **Alcina** die Mutter **Angelikas** ist, erfährt der Zuschauer erst am Ende. Zunächst ist sie einfach die böse und mächtige Zauberin, die sich eine Zauberinsel geschaffen hat. Sie verführt alle Männer und wenn sie ihrer überdrüssig wird, verwandelt sie sie in Felsen, Pflanzen oder Tiere. Die Verbindung zwischen der Figur ***Alcina*** und **Angelikas** Mutter – die in der Realität übrigens **Annabelle** heißt, alle anderen haben im Traum und der realen Welt dieselben Namen – ist in der Oper nicht so klar und bleibt bis zum Ende in der Schwebe. Über die Inszenierung wollte ich mit ihrem ersten Auftritt durch die magische Tür mit ihrem Reisekoffer, als ***Angelika*** einschläft, und ihren letzten Auftritt wieder mit Reisekoffer, wenn **Angelika** aufwacht, klar erzählen, dass **Alcina / Annabelle** eine Figur sind. Tiefenpsychologisch hat sich **Annabelle** als **Alcina** mit ihrer Insel eine Parallelwelt geschaffen, vielleicht um dem Chaos von zu Hause zu entfliehen und dem doch sehr einnehmenden Wesen ihres Mannes etwas entgegenzusetzen. Das kann eine Erklärung für ihre *„dunkle Macht“* sein, „dunkel“ mehr im Sinne von anders und im Vergleich zur „hellen“ Realität ein „dunkler“ Traum. Im Deutschen gibt es interessanterweise die Formulierung „*einen Kurschatten haben“*, was soviel heißt, dass **Alcina,** während sie auf Kur ist, eine Affäre mit **Ruggiero** hat. Die Nähe zur ***Königin der Nacht*** ist vor allem durch **Marius Felix Langes** Wahl des Stimmfaches – hoher Koloratursopran – begründet. Manche musikalische Phrase wie **Alcinas** Lachen gleich im Vorspiel erinnert sehr stark an die Koloraturen von **Mozarts** „*Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen.“*

**AY: Händels** **Alcina* ist eine Zauberoper – eine sehr populäre Gattung im 17\. Jahrhundert. Der Einsatz von Verwandlungsszenen, Pantomimen, Täuschungen, die die Handlung auf verschiedenen Ebenen durchdringen, sind auch in Deiner Inszenierung präsent – verwandelte Tiere, verkleidete Protagonisten *Mirza, Bradamante* und *Ruggiero* u.a. und eine Gestalt des *Hippogryphes* – eine witzige Mischung aus Pferd und Vogel, der ab und zu pinkeln muss. All diese lustigen Gestalten sind aber nicht nur zum Lachen. Was ist das Ernsthafte in dieser Geschichte?*

**AW:** Wenn man **Marius Felix Langes** Oper auch in eine Gattung einordnen möchte, so wäre der Titel moderne Zauberoper für die ganze Familie auch sehr treffend. Alle Verwandlungen in andere Wesen geschehen durch **Alcina,** immer mit der Absicht, die anderen unschädlich zu machen, sie loszuwerden und mit ihnen die Insel zu verschönern. Alcina lässt sich, je nachdem, wer verzaubert wird, jedes Mal etwas neues und passendes einfallen: **Mirza –** schönes Wortspiel – wird in einen Myrtenstrauch verwandelt, bei Astolfo konnte sie sich nicht entscheiden und hat ihn in eine Mischform aus vorne Adler, hinten Pferd, verzaubert, **Bradamante** wird zum Esel und aus **Ruggiero** ein Schwein. Was alle Verwandlungen in Tiere gemeinsam haben, ist, dass sie für alle Verzauberten sehr traurige Auswirkungen haben. Myrten-**Mirza** und Hippogryph teilen das gleiche gemeinsame Schicksal „Ach, ach, ach wie das Schicksal mit uns verfuhr...“, das eigenwilligste und zugleich anrührendste Pärchen der Oper. Schon traurig, aber situativ irgendwie auch komisch. Nur ernsthafte Komik ist lustig.

**AY:* Ein Motiv zeigt in der Oper soziale Probleme und zwar – die Flüchtlinge. Auch musikalisch hören wir stilisierte orientalische Motive! *Benson Wilson* als persischer Flüchtling *Mirza* singt mit seinem klangschönen Bariton ein Schlaflied seines Heimatlandes. Dabei ist der Komponist – *Dr. Roland –* zuerst ein bisschen skeptisch, ob Mirza in seiner Oper singen kann. Inwieweit wollt ihr die Integrationsfragen in eurer Kinderoper erläutern.*

**AW:** Die Kunst von **Marius Felix Lange** ist, diese soziale Thematik in seiner Oper mit zu erzählen – die auch bei Ariost eine Rolle spielt, im Konflikt der christlichen Paladine Karls des Großen auf der einen Seite und der Sarazenen (heute Muslime) unter ***König Agramant*** auf der anderen, – ohne sie dabei zu sehr zu betonen**. Marius** und ich haben uns während des Entstehungsprozesses der Oper lange über den Begriff „Flüchtling“ ausgetauscht, ihn zeitweise auch raus genommen, um uns dann doch bewusst für ihn zu entscheiden. Wichtig war mir bei der Inszenierung, das Thema des Kulturkonflikts und der Integration nicht auszuklammern – es darf jederzeit mitgedacht werden, – ohne dabei konkrete aktuelle Bezüge zu schaffen, die das Ganze auf eine banale Ebene bringen würden. Die Kraft der Musik schafft Integration. Mirzas Schlaflied verzaubert alle, **Mirza** verkörpert in der Oper die Utopie der möglichen Integration durch Musik.

**AY:* Was den Komponisten selbst betrifft – er stellt interessante Fragen der Schaffens-Psychologie. Der Grund, warum der Vater mit der Tochter allein bleibt und die Mutter von Zuhause geflüchtet ist: *Roland* hat seinen Verstand verloren (und dazu noch Hut und Lesebrille). Kommt die Mutter zurück nach Hause, wenn er wieder sein Verstand findet? Oder hilft sie ihm den Verstand zu finden? Was ist dieser Verstand des Komponisten? Ist es gefährlich den Verstand zu verlieren?*

![Salzburger Festspiele / Der Gesang der Zauberinsel -  hier :  Schlussapplaus mit vl Joanna Kadzior, Benson Wilson, James Ley, Marius Felix Lange _ Komponist, Andreas Weirich _Regie, Katja Rotrekl © SF / Marco Borelli ](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/08/zauberinsel-2019-c-sf-marco-borrelli-neu2.jpg)

Salzburger Festspiele / Der Gesang der Zauberinsel - hier : Schlussapplaus mit vl Joanna Kadzior, Benson Wilson, James Ley, Marius Felix Lange \_ Komponist, Andreas Weirich \_Regie, Katja Rotrekl © SF / Marco Borelli

**AW:** Eine sehr spannende Frage, ob **Alcina / Annabelle** zurück nach Hause oder zugespitzt formuliert nur wieder nach Hause kommt, wenn Roland seinen Verstand wieder findet. **Alcina** hilft in der Oper, besser in der Traumhandlung, überhaupt nicht dabei, **Rolands** Verstand wiederzufinden, im Gegenteil, sie verführt ihn mit Hilfe des Gesangs der Zauberinsel und bringt ihn dabei eher um den Verstand. Auf der anderen Seite schafft die Figur der **Alcina** in ihrem Sonett kurz vor Ende der Oper etwas, was vermutlich ***Annabelle*** in der Realität nicht geglückt ist: sie öffnet **Roland** die Augen und wird zu seiner Inspirationsquelle. Er nimmt sie ganz anders wahr als zuhause und verliebt sich in sie.

Den Verstand zu verlieren ist natürlich gefährlich, auch wenn man gerne sagt, der Künstler muss „außer sich“ sein, um „von sich“ etwas erzählen zu können. Der Verlust des Verstandes bedeutet Kontrollverlust, der Komponist **Roland Angeler** ist nicht mehr Herr seiner selbst, wenn er am Anfang der Oper wütet. Er sieht nicht nur ohne Lesebrille nichts, sondern ist auch im übertragenen Sinn gegenüber seinem gesamten Umfeld blind. Damit scheitert er als Mensch im Familienkontext und als Komponist, der sein Werk nicht mehr sieht. Erst über den Traum seiner Tochter **Angelika** kommt er wieder zu Verstand, die Tochter träumt ihm den Verstand zurück. Das Ausleben des Unterbewussten führt wieder zur Klarheit. Am Ende erkennt ***Roland*** die sängerische Begabung ***Mirzas*** und möchte auch an seiner komponierten Oper etwas ändern.

![Salzburger Festspiele / Der Gesang der Zauberinsel -  hier :  James Ley als Ruggiero, Joanna Kedzior als Alcina © SF / Erika Mayer](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/08/zauberinsel-2019-c-sf-erika-meyer-neu3.jpg)

Salzburger Festspiele / Der Gesang der Zauberinsel ... hier James Ley als Ruggiero, Joanna Kedzior als Alcina © SF / Erika Mayer

**AY:* Und auf dem Mond findet sich alles wieder, was auch andere Kinder und Erwachsene verloren haben… Die Szene ist für sich nicht lustig, sondern sehr nachdenklich. Ist es die Sehnsucht nach der verlorenen Kindheit, nach verpassten Chancen, nach fehlenden Träumen, die von der Realität vertrieben wurden?*

**AW:** Ein schöner Gedanke, die Mondszene mit der Sehnsucht nach der verloren Kindheit zu überschreiben. *„Unerfüllte Versprechen“, „Vergebliches Hoffen“, „Verblichene Schönheit“, „Ungehörte Seufzer“,* das alles findet sich auf dem Mond wieder, neben dem in milliarden Flaschen abgefüllten Menschenverstand, *„eine Flasche pro Person“.* Die Vorstellung ist aber schon auch lustig und zugleich eine bittere Erkenntnis, dass sich fast der gesamte Menschenverstand auf dem Mond befindet und nicht mehr auf der Erde. Und jedem Menschen, der seinen Verstand verloren hat, steht nur eine Flasche zu, mehr Platz für Verstand gibt es nicht.

Der Mond kann aber auch als pars pro toto für die Möglichkeiten des Theaters stehen. Hier können vergessene oder verlorene Gedanken, die für unsere Realität so wichtig und wesentlich sind, gedacht und geträumt werden.

**AY:* Kannst Du über die Besonderheiten der praktischen Realisation auf der Bühne mit Meer, Mond, Kosmos und anderen Zaubereien Deiner Inszenierung erzählen? Solche Bilder, Raum-Projektionen, Farben-Paradiese in der Großen Universitätsaula zu schaffen und nicht im Theater mit Vorhang, Orchestergraben und Bühnenmaschinerie, kostet nicht nur viel Fantasie, sondern auch viele Mühen. Ich habe die beschränkten Möglichkeiten der Bühne kaum bemerkt. Auch die fantastischen Kostümen von Katja Rotrekl, beeindruckende Videoeinblendungen von *Fabian Kapo* haben die Inszenierung unvergesslich gemacht. Wie schafft man eine solche faszinierende Zauberatmosphäre mit kleinen Mitteln?*

**AW:** Es freut mich sehr, dass Du die beschränkten Möglichkeiten kaum wahrgenommen hast. Da ist meiner Ausstatterin und mir doch einiges geglückt, wenn sich bei Dir der Theaterzauber eingestellt hat. Als ich vor einem Jahr ***Die Zauberflöte für Kinder*** bei den **Salzburger Festspielen 2018** gesehen habe, war mir sofort klar, ich muss irgendwie mit dem weißen Raum umgehen, ohne ihn zuzubauen. Dabei entwickelten ***Katja*** und ich sehr schnell die Idee, mit Projektionen zu arbeiten, um unterschiedliche Atmosphären zu kreieren. Zudem stellte uns **Marius Felix Lange** vor die große Herausforderung, innerhalb von 75 Minuten neun sehr rasche Ortswechsel zu meistern: die erste Szene spielt bei **Roland Angeler,** dann kommen wir auf der Straße, als nächstes folgt der Überflug auf **Alcinas** Zauberinsel mit Gewitter und Sturm, später befinden wir uns am Strand, in Alcinas Palast, auf dem Mond... das wäre ohne filmische Mittel im Rahmen der Großen Universitätsaula nicht möglich gewesen.

Wichtig war mir auch von Anfang an, nicht zu viel zu verraten, sehr puristisch zu beginnen, um dann immer mehr entstehen zu lassen und hervorzuzaubern. Ich bin sehr glücklich über unser riesiges Luftkissen, auf das Katja und ich gekommen sind. Es hat in seiner Abstraktion so viele unterschiedliche Bedeutungsmöglichkeiten, ob Meer, Wasser, Insel, überdimensioniertes Schlafkissen. Es kann ganz konkret für etwas stehen und von Szene zu Szene auch seine Bedeutung verändern – je nachdem wie es beleuchtet und was darauf projiziert wird –, ohne beliebig zu werden. Bei den Kostümen hingegen haben wir uns entschieden, sehr farbig und konkret zu werden: Ein Ritter tritt in Ritterrüstung auf, eine Zauberin im Glitzerkleid, ein Hippogryph hat Adlerflügel und ein Pferdehinterteil.

**Adelina Yefimenko: Andreas,** vielen Dank für die wunderbare Inszenierung dieser zauberhaften Kinderoper und für das spannende Gespräch.

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