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# Salzburg, Salzburger Festspiele 2017, Belcanto zum Festspiel-Ende - Lucrezia Borgia, IOCO Kritik, 10.09.2017
- URL: https://www.ioco.de/salzburg-salzburger-festspiele-2017-belcanto-zum-festspiel-ende-lucrezia-borgia-ioco-kritik-10-09-2017/
- Published: 2017-09-12T07:00:57.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:40:57.000Z
- Author: Daniela Zimmermann
- Tags: Oper & Operette, Konzert & Liederabend, Donizetti, Kritiken, Salzburg

![salzbuerger_festspiele.gif](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/salzbuerger_festspiele.gif "Salzburger Festspiele")

[Salzburger Festspiele](http://www.salzburgerfestspiele.at/?ref=ioco.de)

![Salzburg / Grosses Festspielhaus © Salzburger Festspiele / Luigi Caputo](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/09/hires-grosses_festspielhaus_1_c_sf_luigi_caputoneu.jpg "Salzburg / Grosses Festspielhaus © Salzburger Festspiele / Luigi Caputo")

Salzburg / Grosses Festspielhaus © Salzburger Festspiele / Luigi Caputo

**Belcanto beendet die Salzburger Festspielsaison 2017** 

# *Lucrezia Borgia* von Gaetano Donizetti

Von **Daniela Zimmermann**

***BELCANTO*** **in reinster Form**beendete **im** **Großen Festsp*ielh* *aus* die **Salzburger Festspiele 2017;** Schöngesang, leider verpackt in einer grausigen Giftmischertragödie. In alter Tradition begannen die **Festspiele 2017** am 21\. Juli mit dem Mysterienspiel ***Jedermann*** von **Hugo von Hoffmannsthal,** um über großartige Opern wie ***La clemenza di Tito,*** **Ariodante, Wozzeck* *,** mit hinreißendem Schauspiel wie ***Kasimir und Karoline*** oder ***Rose Bernd,*** begleitet von Meisterklassen oder Konzerten am 30.8\. mit ***Lucrezia Borgia*** von **Gaetano Donizetti** (1797 - 1848) konzertant auszuklingen. ***Lucrezia Borgia*** wurde 1833, in der Hoch-Zeit des Belcanto, am **Teatro alla Scala** in Mailand uraufgeführt. Das Libretto schrieb **Felice Romani** nach dem ebenfalls 1833 erschienenen Buch von **Victor Hugo. Donizetti** und **Romani** halten sich in der Oper streng an die zu ihrer Zeit bestehenden Vorurteile über ***Lucrezia Borgia,*** *der* Tochter von **Papst Alexander VI.,** bürgerlich italienischer Name **Rodrigo Borgia. *Lucrezia*** war als gefährliche Intrigantin, Giftmischerin und Ehebrecherin gebrandmarkt, der nichts heilig war. (Ein maßgeblich von **Hugo, Dumas** und anderen Männern unkritisch gefördertes Vorurteil; durch neuere Forschung weitgehend widerlegt.) Doch **Victor Hugo** und der **Belcanto** dominierten, waren 1833 höchst populär. Das Ergebnis: **Lucrezia Borgia.** Szenische Produktionen sind wegen der psychogenen Windungen problematisch. Konzertante Aufführungen dagegen geben dem Belcanto, der herrlichen Musik, virtuoser Vokalkunst freien Raum. So geschehen in Salzburg, wo die **Sommerfestspiele 2017** mit wunderbarem Gesang, in vollkommener Tongebung und Klangschönheit endeten.

![ Salzburger Festspiele / Lucrezia Borgia mit vlnr Krassimira Stoyanova, Marco Armiliato, Juan Diego Florez © Salzburger Festspiele / Marco Borrelli](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/09/hires-04_gaetanodonizetti_lucreziaborgia_2017_krassimirastoyanova_marcoarmiliato_juandiegoflorez_mozarteumorchestersalzburg_c_sf_marcoborrellineu.jpg)

Salzburger Festspiele / Lucrezia Borgia mit vlnr Krassimira Stoyanova, Marco Armiliato, Juan Diego Florez © Salzburger Festspiele / Marco Borrelli

**Felice Romani** verlegt die Handlung ins karnevalistischen Treiben von Venedig, wo sich die in der Bevölkerung unbeliebte ***Lucrezia Borgia*** mit Maske und Hauptmann ***Gennaro,*** über die gegenseitige Herkunft wenig wissend, treffen und verlieben. *Lucrecias* Gatte, ***Don Alfonso d’Este*** erfährt von der Zuneigung seiner Frau zu diesem jungen Mann und beabsichtigt, diesen zu töten. ***Lucrezia*** versucht vergeblich ihren eifersüchtigen Mann umzustimmen. ***Lucrezia*** wiederum vergiftet die Freunde von ***Gennaro,*** aus Rache für deren Schmähungen. Unerwartet ist ***Gennaro*** auch unter den Freunden und trinkt mit ihnen den vergifteten Wein, will mit seinen Freunden sterben, verweigert das Gegengift. Jetzt gibt sie sich ***Gennaro*** als seine Mutter zu erkennen, in deren Armen er stirbt. Sie selbst stirbt am gebrochenen Herzen.Festliches und Makabres, Tragisches oder Komisches: Gegensätze konzertant, allein mit der Stimme auszudrücken, zeichnet **Lucrezia Borgia** in Salzburg. **Krassimira Stoyanova** überzeugt in der mörderischen wie zwiespältigen Partie der ***Lucrecia Borgia;*** einerseits liebende Mutter andererseits das vor keiner schrecklichen Bösartigkeit zurückschreckende Teufelsweib. **Stoyanova** beseelt das Menschliche der ***Lucretia*** mit sicherem Sopran und satten Timbre; die facettenreichen Koloraturen bringt sie ausdrucksstark, ohne in überzeichnende Koloraturartistik zu verfallen. Der Besucher empfand so, dank **Stoyanova,** mit der zerrissenen **Lucrezia,** einer von der Rache des Himmels getroffenen Frau.**Juan Diego Florez** als ***Gennaro*** erfüllte dagegen die Belcanto-Träume des Publikums. Mit hellem Klang und virtuoser Beweglichkeit in hohen Tenorlagen beherrschte **Diego Florez** seine anspruchsvolle Partie und begeisterte das Publikum. Seine große, von der großen Liebe zu der unbekannten Frau erfüllten Arie zu Beginn des 2\. Aktes „*T'amo qual dama un angelo.....“ (Ich liebe dich wie einen Engel)*, wurde ebenso enthusiastisch gefeiert wie sein sterbendes „*Sono un Borgia? O ciel!”.* **Florez** gab mit seiner hellen Tenorstimme und auffälliger Leichtigkeit dem Belcanto wunderbaren Ausdruck; doch auch dem jungen ***Gennaro*** verlieh er Charakter, wenn auch über den Belcanto der Ausdruck, Leidenschaft etwas kurz kam.

![Salzburger Festspiele / Lucrezia Borgia mit Solisten, dem Wiener Staatsopernchor und dem Mozarteumorchester © Salzburger Festspiele / Marco Borrelli](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/09/lucreziaborgiaperyazev_kutyukin_arcayuerek_lei_filonczyk_armiliato_iervolino_florez_sf_mborrelli150.jpg)

Salzburger Festspiele / Lucrezia Borgia mit Solisten, dem Wiener Staatsopernchor und dem Mozarteumorchester © Salzburger Festspiele / Marco Borrelli

Doch auch die anderen Partien der Oper waren in Salzburg blendend besetzt: **Maffio Orsini,** eine Hosenrolle, Gennaros engster Freund und Gegner der **Lucrezia,** sang die junge, italienischen Mezzosopranistin **Tersea Lervolino** unbekümmert leicht, mit warmen Mezzosopran. In der nächsten Saison wird **Lervolino** in dieser Partie an der **Bayerischen Staatsoper** (*ich freue mich*!) zu hören sein. Aber 

auch **Ildar Abdrazakov** als **Don Alfonso d´Este** wurde für einen breiten schweren Bass bejubelt, wie die Interpreten der anderen kleineren Partien. **Mingjie Lei** als ***Jeppo Liverotto,*** **Ilker Arcayürek** als **Oloferno Vitellozzo,** **Gleb Peryazev** als ***Apostolo Gazella,*** **Ilya Kutyukin** als **Ascanio Petrucci,** **Andrzej Filonczyk** als ***Gubetta***, **Andrew Haji** als ***Rustighello*** sowie **Gordon Bintner** als *Astolfo.* **Marco Armillato** führte Ensemble, den **Wiener Staatsopernchor** und das **Mozarteumorchester** sängerfreundlich, den Stimmen, dem **Belcanto** *"Vorfahrt zu geben".*

Der Applaus des Publikums goutierte Dirigat, Orchester, Solisten wie Chor: Begeistert wie einhellig. Doch der große Applaus galt wohl nicht nur dem berührenden Belcanto, sondern, an diesem finalen Theaterabend, auch den Verantwortlichen des so spannenden Salzburger Festspielsommers 2017.

\---| IOCO Kritik Salzburger Festspiele |---