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# Salzburg, Landestheater, TOSCA - Giacomo Puccini, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/salzburg-landestheater-tosca-giacomo-puccini-ioco/
- Published: 2026-11-08T20:43:27.000Z
- Updated: 2026-11-08T20:43:27.000Z
- Description: Ein musikalischer Triumph im Großen Festspielhaus Salzburg: Puccinis „Tosca“ begeistert mit einem herausragenden Sängerensemble und dem Mozarteumorchester unter Carlo Benedetto Cimento. Thomas Mikas halbszenische Inszenierung überzeugt vor allem durch ihre eindringliche Personenführung.
- Author: Marcus Haimerl
- Tags: Oper

**Salzburg, Großes Festspielhaus: „Tosca“ des Salzburger Landestheaters**

von Marcus Haimerl

**Musikalischer Triumph im Großen Festspielhaus**

**Giacomo Puccini** – „***Tosca***“ | Großes Festspielhaus Salzburg | Aufführung vom 7\. November 2026

Die halbszenische „***Tosca***“ des **Salzburger Landestheaters** überzeugt am 7\. November 2026 im **Großen Festspielhaus** vor allem musikalisch. Unter der Leitung von **Carlo Benedetto Cimento** entfaltet das **Mozarteumorchester Salzburg** die emotionale und dramatische Kraft dieser Partitur. Ein außergewöhnlich starkes Sängerensemble und die präzise Personenführung von **Thomas Mika** tragen den Abend; die Projektionen bleiben dagegen überwiegend illustrativ.

**Zwischen Konzert und Musiktheater**

**Thomas Mika**, verantwortlich für Inszenierung und szenische Einrichtung, verzichtet weitgehend auf eine aufwendige Bühnenausstattung. Das **Mozarteumorchester Salzburg** nimmt den hinteren Bereich der Bühne ein, während sich die Sängerinnen und Sänger auf der davorliegenden Spielfläche bewegen. Auch das Dirigentenpult befindet sich hinter den Solisten. Diese Anordnung macht den musikalischen Entstehungsprozess sichtbar, ohne die szenische Darstellung grundsätzlich einzuschränken.

Die Ausstattung beschränkt sich auf wenige, während der gesamten Aufführung unverändert bleibende Elemente. Links steht ein schwarzer Schreibtisch mit Aktenfächern, einer mattschwarzen Bankerlampe, Tintenfass, Löschwiege sowie einer Weinflasche und einem Glas. Rechts befindet sich eine Staffelei mit dem zunächst verhängten Bild der Maria Magdalena, flankiert von zwei Stühlen und einer Leiter mit Malutensilien. Diese Gegenstände dienen im ersten Akt der Kirche Sant’Andrea della Valle als Ausstattung, im zweiten Akt Scarpias Amtsräumen im Palazzo Farnese und bleiben auch im dritten Akt auf der Engelsburg bestehen.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2026/11/002_Tosca_Daniele-Macciantelli--Janosch-Kovacs_--Tobias-Witzgall_LT2_5237.jpg)

****Daniele Macciantelli** (Angelotti), ****Janosch Kovacs** (Angelottis Engel) © Tobias Witzgall

Die Schauplätze werden durch großflächige Projektionen nach Zeichnungen des Salzburger Karikaturisten **Thomas Wizany** kenntlich gemacht. Das Videodesign stammt von **Ida Zenna**. Zu Beginn erscheint ein Panorama Roms, auf dem sich unter anderem die Engelsburg erkennen lässt. Später verwandelt sich die Ansicht in einen Kirchenraum mit Altar und Säulen, im zweiten Akt in einen repräsentativen Raum mit Flügeltür zu einem Balkon mit Ausblick auf Rom, im dritten schließlich in die Plattform der Engelsburg mit ihren Kanonen.

**Wizanys** Zeichnungen sind durchaus ansprechend und ermöglichen eine räumliche Orientierung. Eine weiterführende Interpretation der Handlung bieten sie allerdings kaum. Wiederholt werden die Bilder durch farbige Flächen und Blutspritzer ergänzt, die das Geschehen illustrieren, ohne ihm zusätzliche Bedeutung zu verleihen. Wenn **Cavaradossi** „*Recondita armonia*“ singt, fließen gelbe und blaue Farben über die Kirchenzeichnung. Während ***Tosca*** von den Augen der Maria Magdalena spricht, läuft blaue Farbe aus einem der Augen auf der Zeichnung. Später erscheinen bei ***Scarpias*** Auftritt und während ***Cavaradossis*** Folter hellrote Rinnsale von frischem Blut zwischen den bereits vorhandenen rostfarbenen Flecken. Was zunächst als bildnerischer Kommentar wirken mag, verliert durch die häufige Wiederholung an Aussagekraft.

**Die Engel als Begleiter des Schicksals**

Wesentlich überzeugender ist eine zusätzliche Ebene, die **Mika** durch drei Kinderfiguren einführt. Sie verkörpern die ***Engel*** beziehungsweise Seelen von ***Tosca***, ***Cavaradossi*** und ***Angelotti***. Diese Figuren begleiten die Protagonisten und greifen wiederholt in den Handlungsablauf ein.

Bereits zu Beginn erscheint ***Angelottis*** ***Engel*** vor dem entflohenen politischen Gefangenen. Beide halten sich den linken Arm, wodurch ***Angelottis*** Verletzung eine sichtbare Entsprechung erhält. Als dieser den Schlüssel zur Kapelle der Attavantis sucht, wird er ihm von seinem ***Engel*** gereicht.

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****Amaya Morocutti** (Toscas Engel), ****Lorenz Nief** (Cavaradossis Engel), ****Ekaterina Sannikova** (Floria Tosca), ****Andeka Gorrotxategi** (Mario Cavaradossi) © Tobias Witzgall

Besonders eindrucksvoll sind die ***Engel*** im zweiten Akt eingebunden. ***Toscas Engel*** umkreist ***Scarpia*** bereits zuvor mit einem Messer, als würde er das bevorstehende Geschehen erahnen. Später gelangt die Waffe über ***Angelottis Engel*** zu ***Tosca***, die damit den Polizeichef ersticht. Nach ***Scarpias*** Tod legt ***Angelottis Engel*** zwei Pinsel kreuzförmig auf den Boden und führt schließlich den Toten von der Bühne. Auch der Passierschein, der ***Tosca*** und ***Cavaradossi*** die vermeintliche Flucht ermöglichen soll, wird ihr von ***Angelottis Engel*** übergeben.

Im dritten Akt setzt sich dieses Motiv fort. Der ***Schließer*** findet die beiden Pinsel, die zuvor das Kreuz vor ***Scarpias*** Leichnam gebildet haben. ***Toscas Engel*** nimmt einen davon und reicht ihn ***Cavaradossis*** ***Engel***. Die beiden Kinder umarmen einander. Als der schwer gezeichnete ***Cavaradossi*** auf die Bühne gestoßen wird, versucht sein ***Engel*** vergeblich, ihm aufzuhelfen, und umarmt ihn schließlich von hinten.

Auch ***Cavaradossis*** Tod wird nicht unmittelbar dargestellt. Während er zur Erschießung abgeführt wird, blickt ***Tosca*** ins Publikum. Erst das Erscheinen seines **Engels** lässt sie erkennen, dass die versprochene Scheinhinrichtung eine Täuschung war. Ihr eigener Tod wird ebenso zurückgenommen dargestellt: Mit ihrem letzten Ausruf „*O Scarpia, avanti a Dio!*“ bricht sie vor ihrem ***Engel*** zusammen.

Diese Form der Darstellung verzichtet auf äußerliche Effekte und gewinnt gerade dadurch an Eindringlichkeit. Die drei Kinderfiguren fügen sich überzeugend in das Geschehen ein.

Überhaupt liegt **Mikas** Stärke in der präzisen Personenführung. Die Beziehungen zwischen ***Tosca***, ***Cavaradossi*** und ***Scarpia*** werden glaubhaft und mit deutlicher körperlicher Ausdruckskraft gestaltet. Die Beschränkungen der halbszenischen Form fallen dabei kaum ins Gewicht. Zwar fehlen beispielsweise die ausgelassene Volksmenge im ersten Akt oder ein sichtbares Erschießungskommando im dritten, doch die entscheidenden dramatischen Begegnungen sind sorgfältig ausgearbeitet.

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****Kartal Karagedik** (Il Barone Scarpia) ©Tobias Witzgall

**Drei herausragende Hauptdarsteller**

**Ekaterina Sannikova** gestaltet die Titelpartie mit einem großen, kraftvollen Sopran, der sowohl die leidenschaftlichen Ausbrüche als auch die lyrischen Momente der Figur eindrucksvoll trägt. Ihre Stimme besitzt eine beachtliche Durchschlagskraft und behauptet sich mühelos gegenüber dem Orchester. Dabei gelingt es ihr, die unterschiedlichen emotionalen Zustände ***Toscas*** glaubhaft zu vermitteln: die Eifersucht im ersten Akt, die zunehmende Verzweiflung angesichts ***Cavaradossis*** Folter und schließlich die ausweglose Situation im dritten Akt. Auch darstellerisch überzeugt **Sannikova** durch ihre intensive, zugleich differenzierte Gestaltung.

Mit **Andeka Gorrotxategi** steht ihr ein ***Cavaradossi*** zur Seite, dessen Tenor zu den Höhepunkten des Abends zählt. Die kraftvolle, schön geführte Stimme besitzt einen einprägsamen Klang und verbindet lyrischen Ausdruck mit dramatischer Intensität. ***Gorrotxategi*** hat die stimmliche Substanz für die großen Partien des italienischen Repertoires, ohne auf bloße Lautstärke zu setzen. Besonders in den großen Solopassagen wirkt sein Gesang unmittelbar. Ein Tenor, der den Vergleich mit bedeutenden Vertretern seines Fachs keineswegs scheuen muss.

Nicht weniger überzeugt **Kartal Karagedik** als Baron ***Scarpia***. Sein kräftiger, klangschöner Bariton verleiht dem Polizeichef Autorität und Bedrohlichkeit. Auch darstellerisch entwickelt er eine glaubhafte Figur. Seine Gestik, die selbstverständliche Ausübung von Macht und die scheinbare Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden anderer machen diesen ***Scarpia*** zu einem ebenso gefährlichen wie überzeugenden Gegenspieler.

Besonders wirkungsvoll ist die Szene, in der **Tosca** ihre große Arie „*Vissi d’arte*“ singt, während ***Scarpia*** scheinbar unbeteiligt Zeitung liest. Die demonstrative Gleichgültigkeit des Polizeichefs verstärkt die Verzweiflung der Sängerin und zeigt zugleich, wie wirkungsvoll **Mikas** reduzierte Personenführung sein kann.

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****Amaya Morocutti** (Toscas Engel), ****Kartal Karagedik** (Il Barone Scarpia), ****Carlo Benedetto Cimento**, ****Mozarteumorchester Salzburg** © Tobias Witzgall

**Ein Ensemble auf hohem Niveau**

Auch die kleineren Partien sind bemerkenswert gut besetzt. **Daniele Macciantelli** ist als ***Cesare Angelotti*** geradezu eine Luxusbesetzung. Sein klangvoller, substanzreicher Bass verleiht dem politischen Flüchtling ein Gewicht, das über den vergleichsweise begrenzten Umfang der Partie hinausgeht.

**Marcel Brunner** gestaltet den ***Sagrestano*** und später den ***Carceriere*** mit sicherer Stimme und ausgeprägtem darstellerischem Gespür. Besonders im ersten Akt setzt er humorvolle Akzente. Mit lebhafter Körpersprache und einem immer wieder hervorgeholten Flachmann entsteht das Bild eines Gottesmannes, dessen menschliche Schwächen ebenso deutlich hervortreten wie seine komische Seite.

**Alexander Hüttner** als ***Spoletta*** und **Yevheniy Kapitula** als ***Sciarrone*** ergänzen das Ensemble auf sehr gutem Niveau. Beide nutzen die begrenzten Möglichkeiten ihrer Partien überzeugend und fügen sich in die insgesamt geschlossene darstellerische Leistung ein.

Besondere Erwähnung verdienen die drei jungen Darsteller der Engel: **Amaya Morocutti** als ***Toscas Engel***, **Lorenz Nief** als ***Cavaradossis Engel*** und **Julien Hilaire** als ***Angelottis Engel***. Mit großer Ernsthaftigkeit und bemerkenswertem Einfühlungsvermögen erfüllen sie ihre ungewöhnlichen Aufgaben und tragen wesentlich zur Wirkung des szenischen Konzepts bei.

**Puccinis Musik in ihrer ganzen dramatischen Kraft**

Der eigentliche Triumph dieses Abends liegt jedoch in der musikalischen Umsetzung. **Carlo Benedetto Cimento** führt das **Mozarteumorchester Salzburg** mit ausgeprägtem Gespür für **Puccinis** Klangsprache, ihre lyrischen Feinheiten und ihre dramatischen Zuspitzungen. Sein Dirigat besitzt Temperament, große Spannkraft und jene Italianità, die dieser Partitur besonders zugutekommt.

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****Yevheniy Kapitula** (Sciarrone), ****Alexander Hüttner** (Spoletta) © Tobias Witzgall

Die orchestralen Steigerungen entwickeln eine eindrucksvolle Wucht, ohne die Sängerinnen und Sänger zu überdecken. Das hinter den Solisten auf der Bühne platzierte **Mozarteumorchester Salzburg** fügt sich klanglich hervorragend in das Geschehen ein. Die Stimmen bleiben jederzeit gut hörbar und sind über weite Strecken bemerkenswert textverständlich.

Das **Mozarteumorchester** zeigt sich dabei in hervorragender Verfassung. Kraftvolle dramatische Ausbrüche wechseln mit fein abgestuften lyrischen Passagen. **Cimento** versteht es, die großen musikalischen Bögen zu gestalten, ohne die unmittelbare Spannung des Geschehens zu verlieren.

Großartig sind auch **Chor** und **Extrachor des Salzburger Landestheaters** sowie der **Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor**. Besonders im ersten Akt entfalten die Ensembles eine beeindruckende klangliche Wirkung. Die sorgfältige Choreinstudierung durch **Mario El Fakih** sowie die Einstudierung des Kinderchores durch **Wolfgang Götz** verdienen ausdrückliche Anerkennung.

**Die Musik trägt den Abend**

Die halbszenische „***Tosca***“ des **Salzburger Landestheaters** kommt ohne aufwendige Bühnenmaschinerie aus. **Thomas Mika** gelingt eine überzeugende Personenführung, die insbesondere durch die sensible Einbindung der drei ***Engel*** an emotionaler Tiefe gewinnt. Die Zeichnungen von **Thomas Wizany** und das Videodesign von **Ida Zenna** bleiben dagegen überwiegend illustrative Begleitung und vermögen dem Werk nur begrenzt neue Perspektiven abzugewinnen.

Entscheidend ist an diesem Abend ohnehin die Musik. Mit **Ekaterina Sannikova**, **Andeka Gorrotxategi** und **Kartal Karagedik** steht ein außergewöhnlich starkes Sängertrio auf der Bühne, das von einem ebenso überzeugenden Ensemble ergänzt wird. Das **Mozarteumorchester Salzburg** unter **Carlo Benedetto Cimento** macht **Puccinis** Partitur zu einem mitreißenden musikalischen Erlebnis.

Das Publikum im **Großen Festspielhaus** dankt allen Mitwirkenden mit lang anhaltendem Applaus und stehenden Ovationen.

## [**Infos und Karten: Salzburger Landestheater**](https://www.salzburger-landestheater.at/de/produktionen/tosca-2.html?ref=ioco.de)