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# SALOME - oder die PRINZESSIN VON BABEL - IOCO Serie - Teil 6, 13.03.2021
- URL: https://www.ioco.de/salome-oder-die-prinzessin-von-babel-ioco-serie-teil-6-13-03-2021/
- Published: 2021-03-20T10:00:44.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:06:28.000Z
- Author: Peter Michael Peters
- Tags: Sonstiges

![Die Erscheinung - der Kopf von Johannes des Täufers ein Gemälde von Gustave Moreau © Wikipedia / Trzesacz](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2021/02/gustave_moreau-_-lapparition-neu.jpg)

Die Erscheinung - der Kopf von Johannes des Täufers ein Gemälde von Gustave Moreau © Wikipedia / Trzesacz

# ***SALOMÉ* \- oder die *PRINZESSIN VON BABEL***

**IOCO Serie in sechs Teilen - von Peter M. Peters**

**bereits erschienen:** 

[**Teil 1 - Das Kultbild der Décadence**](https://ioco.de/2021/02/13/salome-oder-die-prinzessin-von-babel-ioco-serie-teil-1-13-02-2021/?ref=ioco.de) [***Teil 2 - SALOMÉ: Jungfrau und Frau***](https://ioco.de/2021/02/20/salome-oder-die-prinzessin-von-babel-ioco-serie-teil-2-20-02-2021/?ref=ioco.de) [***Teil 3 - Eine SALOMÉ versteckt die andere ...***](https://ioco.de/2021/02/27/salome-oder-die-prinzessin-von-babel-ioco-serie-teil-3-27-2-2021/?ref=ioco.de) [**Teil 4 - Die namenlose SALOMÉ der Bibel**](https://ioco.de/2021/03/06/salome-oder-die-prinzessin-von-babel-ioco-serie-teil-4-06-03-2021/?ref=ioco.de) [***Teil 5 - SALOMÉ - Die Wandlung zur Kultfigur***](https://ioco.de/2021/03/13/salome-oder-die-prinzessin-von-babel-ioco-serie-teil-5-13-03-2021/?ref=ioco.de)

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# ***Teil 6 - SALOMÉ - Zur Musik von Salome***

Einer der ersten Personen, denen **Richard Strauss** im Mai 1905 in Straßburg seine ***Salome*** vorspielte, war **Gustav Mahler.** Was würde der große Kollege, dessen Aversion gegen Sujet und der Dichtung von **Oscar Wilde** er kannte, zu seinem **Salome**\-Werk sagen? **Alma Maria Mahler** (1879-1964) hat in ihren Plauder-Memoiren von den Vorbehalten berichtet, die **Mahler** anfangs gegenüber der **Strauss**\-Oper hatte. **Mahlers** Ansichten wandelten sich aber nach dem Kennenlernen des Werkes. Ergebnis: **Mahler** war völlig bezwungen. Es lebe in dieser Oper „*unter einer Menge Schutt ein Vulkan, ein unterirdisches Feuer..“.*

Nicht nur den Klangzauberer **Richard Strauss,** vor allem den geborenen Musikdramatiker gleichen Namens musste das ***Salome***\-Drama des irischen Dichters **Wilde** in seinen Bann schlagen. Stoff und Umwelt regten in hohem Masse die Phantasie an: die schwüle Atmosphäre der Dekadenz am Hofe des Tetrarchen ***Herodes Antipas*** wie das von ihm selbst mehrfach erlebte magische Gleißen einer vom Mondlicht erhellten Tropennacht. „*Das Stück schreit nach Musik...*“, rief **Strauss** aus, als er es 1902 in einer Berliner **Max Reinhardt**\-Inszenierung kennenlernte. Eines ist sicher: Das eigentliche Geheimnis hieß ***Salome***, jenes ungeheuerliche, exzessive, bis zur Perversion triebhafte Mädchen, deren Wesen **Wilde** im Gegensatz zur biblischen Überlieferung mit mitleiderregender Tragik umhüllt. Das Schauspiel ***Salome*** wurde durch **Strauss** zum dramatischen Tongedicht voll eitel Schönheit und Wohlklang: für das anbrechende Jahrhundert bedeutete dies sonderbarerweise Hässlichkeit und Missklang. Es ist Musik zum Hören und Sehen. Mit ihr gelang es dem Musikdramatiker zum ersten Mal, seine stilistische Eigenart und Meisterschaft voll und unverwechselbar vorzuzeigen.

![Herodias mit den Kopf von Johannes dem Täufer _ Bild von Paul Delaroche © Wikimedia Commons](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2021/03/herodias_by_paul_delarocheneu.jpg)

Herodias mit den Kopf von Johannes dem Täufer \_ Bild von Paul Delaroche © Wikimedia Commons

*„Ich hatte schon lange an den Orient- und Judenopern auszusetzen, dass ihnen wirklich östliches Kolorit und glühende Sonne fehlt. Das Bedürfnis gab mir wirklich exotische Harmonik ein, die besonders in fremdartigen Kadenzen schillert wie Changeant-Seide. Der Wunsch nach schärfster Personencharakteristik brachte mich auf die Bitonalität, da mir für die Gegensätze *Herodes* – Nazarener eine bloße rhythmische Charakterisierung, wie sie* **Mozart** *in genialster Weise anwendet, nicht stark genug erschien. Man kann es als ein einmaliges Experiment an einem besonderen Stoff* *gelten lassen, aber zur Nachahmung nicht empfehlen.“* Bescheidener hätte **Strauss** das Wunder dieser Partitur nicht umschreiben können. Bereits mit dem ersten, chromatisch emporzüngelnden Klarinettenlauf gelang es ihm, mit **Hofmannsthal** zu reden, „*den richtigen Ton fürs Ganze zu finden, einen gewissen Gesamtton, in dem das ganze lebt.“* Mit den ersten Takten ist nicht nur die schwül bedrückende Atmosphäre um ***Salome*** und ***Herodes*** beschworen, in ihnen schwingt zugleich auch latent gegenwärtig die spätere Katastrophe mit. „*Wie schön ist die* *Prinzessin *Salome* heute nacht!“* singt ***Narraboth*** – keine zweite Oper der Weltliteratur verfügt über einen so lapidar hingestellten, suggestiven Auftakt.

Ein unbestechlicher Musikwissenschaftler, **Alfred Einstein** (1880-1952), sprach in diesem Zusammenhang von einer „*neuen, bisher unerschlossenen* *Welt des modernen Klangs... gebannt schon in den ersten zehn Takten, die wiederum unsterblich* *bleiben werden wie etwa einst der Klagegesang der *Ariadne* des* **Claudio Monterverdi** (1567-1643)*, eine der großen Entdeckungen im Reich des künstlerischen Ausdrucks, die nur alle fünfzig Jahre vorkommen.“*

 **Salomé am Teatro alla Scala, 2007, Nadja Michael ist Salome**youtube Trailer   **Mujerlechuga \[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Welche Meisterschaft der melodischen, motivischen und rhythmischen Polyphonie! Welche wohlberechneten harmonischen und instrumentalen Reize! Welche großen dynamischen Kurven und nicht zuletzt allegorische Bedeutung der Gebärdensprache! Die Umgehung des **Wagner**\-Gebirges war hier (trotz des Riesenaufgebotes eines Hundert-Mann-Orchesters) vollzogen, was **Strauss** schöpferisch bewegte, ganz und gar der Musikszene verpflichtet. „*Sinfonische Dichtungen machen mir gar keine Freude mehr“*, bekannte er. Tatsächlich lebt die Partitur des Operneinakters von Anfang bis Ende aus der Spannung von Chromatik und Diatonik. Wo es der musikdramatische Ausdruck gebot scheute sich **Strauss** nicht die Grenzen der tradierten Ästhetik zu überschreiten. Dennoch gilt: Was immer sich an kühnen Klängen und grellen Farbflecken (Auftritt der Juden, ***Herodes***, ***Herodias)***, an unerhörten Akkordverbindungen und Alterationen ergeben mochte, nichts konnte den Komponisten zur Preisgabe des tonalen Fundamentes von Dur und Moll verleiten. Erstmals knüpfte **Strauss** in ***Salome*** jenes nervig-schlanke, irisierende, ungemein kunstvolle Stimmengeflecht der Instrumente, seltener der Gesangsstimmen, mit dem ihm von nun an für seine Opern ein einzigartiges Mittel bildhafter Verdeutlichung oder hintergründiger Charakterisierung zu Gebote stand. **Strauss** selbst sprach einmal von der *Nervenkontrapunktik* dieser Partitur und meinte damit zweifellos nicht nur die differenzierten seelischen Zwischentöne, die er der Orchestersprache abgewinnt, sondern auch den bei allem klanglichen Überschwang immer artikulierten thematischen, leitmotivischen Bau des Werkes. So klingt schon zu den Worten des Pagen des in die Prinzessin verliebten Hauptmanns ***Narraboth***: *„Du musst sie nicht ansehn, du siehst sie zuviel an“* im Orchester jenes bösartige Motiv auf, zu dem ***Salome*** später *den Kopf des* ***Iokanaan*** fordert.

![Richard Straus, 1904 in New York aufgenommen © Wikimedia Commons ](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2021/03/strauss-neu.jpg)

Richard Straus, 1904 in New York aufgenommen © Wikimedia Commons

***Salome*** ist neben dem gleichfalls einaktigen *Actus tragicus* ***Elektra*** das geschlossenste Werk von **Strauss,** ein großer Wurf, in der opulenten Hymnik der ***Salome***\-Apotheose gipfelnd. Dass die Inspiration nicht in allen Teilen der Großpartitur gleich stark ist, scheint angesichts der Ungewöhnlichkeit der Aufgabe verständlich (auch im Figurenensemble der Musikdramen von **Wagner** zeigen sich Niveaugefälle). Frage: ist es **Strauss** wirklich gelungen, dem mit Ausdauer predigenden und büßenden ***Iokanaan*** jene Bühnenprägnanz zu verleihen, wie sie ihm bei der 17jährigen ***Salome***, bei ***Herodes*** und ***Herodias*** zu Gebote stand? Oder hat er vielleicht selbst das Unglaubwürdige, das des Propheten ständigen, hochstilisierten Igittigitt-Rufen anhaftet, empfunden?

Nicht nur, dass **Strauss** bei der umfänglichen Einstreichung der Originaldichtung primär auf die ausführlichen Religionsgespräche verzichtete. Als sicher darf gelten: die ***Iokanaan***\-Gestalt hat dem schöpferischen, gegenüber der christlichen Religion eher reservierten Musiker (ähnlich dem keuschen Knaben ***Joseph*** in seiner ***Josephslegende*** (1914), der ihn, schlicht gesagt, arg mopste) zu schaffen gemacht. Er sah ***Iokanaan*** zuerst eher grotesk; ja, einmal fällt bei ihm das erstaunliche Wort „*Hanswurst“!* **Strauss** schrieb in einem späteren Brief an **Stefan Zweig** (1881-1942): „*Für mich* *hat so ein Prediger in der Wüste, der sich noch dazu von Heuschrecken ernährt, etwas unbeschreiblich Komisches*.“ Da aber schon ***Salome***, ***Herodes***, ***Herodias*** und die Scherzo vertretenden fünf Juden als nervös flackernde Charaktertypen konzipiert waren, drohte das Ganze zu einförmig zu werden; **Strauss** wich zurück. Doch bleibt der unentwegte, von **Felix** **Mendelssohns** (1809-1847) ***Elias*** (1846) berührte arios-glatte Gefühlston der Bußgesänge des so starren wie beredsamen Propheten das schwächste der Musik, nimmt man noch den nachkomponierten, mehr dekorativ als geistig-sinnlich erspürten Tanz der ***Salome*** hinzu. Hier fehlt das „*unterirdische Feuer“* von dem **Mahler** so überzeugend spricht.

 **Salomé - De Nederlandse Opera - 1992 - Inszenierung Harry Kupfer, Josephine Barstow als Salome**youtube Trailer   **Opernsänger DDR \[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

# ***Salome-Parodie -***  aus dem Jahr 1907

Terzettscene von **Hans Brennert** (1870-1942) mit der Musik von **Bogumil Zepler** (1858-1918)im damaligen Berliner **Neuen Schauspielhaus,** dem heutigen **Metropol** aufgeführt:

*Das heut'ge Opernrepertoire* *scheint mir veraltet ganz und gar!* *Selbst von *Herrn Wagner* die Musik* *berührt das Ohr schon stark antik!* *verlangt man andre Sensation – ja zi-ja-on!* *Etwas kolossal Scenisches -* *ganz Neurasthenisches,* *etwas wütend Sadistisches,* *ganz Masochistisches,* *etwas Differenziertes* *und Papriziertes!* *Etwas ganz Polyphonisches,* *ganz Disharmonisches* *was Maniakalisches* *und gänzlich Unmusikalisches!* *Und im Ton und im Vers* *dazu möglichst pervers!* *Das ist die Oper *Salome,** *das Modestück der Hautevolée.* *Wo die Prinzessin Kanaans* *Verlangt den Kopf *Jochanaans!** *sich dreht im Danse deventretakt!* *Diese kolossal szenische,* *ganz neurasthenische*< *und so wütend sadistische,* *ganz masochistische …* *Mord-Oper, welche statt Musik* *ist kontrapunktisches Gequiek,* *Musik, die man nicht greifen kann* *und die kein Mensch sich pfeifen kann.* *Wo man am Kassenbrette laut,* *wild sich um die Billette haut.*

![Oscar Wilde _ und die fliegende Sphinx _ auf Père Lachaise, Paris © IOCO Felix](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/03/oscar-wilde-auf-pere-lachaise-foto-ioco-felix-neugut.jpg)

Oscar Wilde \_ und die fliegende Sphinx \_ auf Père Lachaise, Paris © IOCO Felix

**Hinweis:** Die Eigennamen (z.B. Salome/é) wurden jeweils in der Original-Schreibweise genannt. **PMP-31/12/20-6/6**

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