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# SALOME - oder die PRINZESSIN VON BABEL - IOCO Serie - Teil 4, 06.03.2021
- URL: https://www.ioco.de/salome-oder-die-prinzessin-von-babel-ioco-serie-teil-4-06-03-2021/
- Published: 2021-03-06T12:00:38.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:06:19.000Z
- Author: Peter Michael Peters
- Tags: la traviata, Pressemeldungen & Nachrichten

![Die Erscheinung _ der Kopf von Johannes des Täufers ein Gemälde von Gustave Moreau © Wikipedia / Trzesacz](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2021/02/gustave_moreau-_-lapparition-neu.jpg)

Die Erscheinung \_ der Kopf von Johannes des Täufers ein Gemälde von Gustave Moreau © Wikipedia / Trzesacz

# ***SALOMÉ* \- oder die *PRINZESSIN VON BABEL***

**IOCO Serie in sechs Teilen - von Peter M. Peters**

[**Teil 1 - Das Kultbild der Décadence**](https://ioco.de/2021/02/13/salome-oder-die-prinzessin-von-babel-ioco-serie-teil-1-13-02-2021/?ref=ioco.de) [***Teil 2 - SALOMÉ: Jungfrau und Frau***](https://ioco.de/2021/02/20/salome-oder-die-prinzessin-von-babel-ioco-serie-teil-2-20-02-2021/?ref=ioco.de) [***Teil 3 - Eine SALOMÉ versteckt die andere ...***](https://ioco.de/2021/02/27/salome-oder-die-prinzessin-von-babel-ioco-serie-teil-3-27-2-2021/?ref=ioco.de)

# ***TEIL 4 - Die namenlose SALOMÉ der Bibel - 06.03.2021*** 

Erinnern wir uns daran, dass in der biblischen Geschichte die [**Edomiter,**](https://de.wikipedia.org/wiki/Edom?ref=ioco.de) die früher als das Volk Israel nach Palästina kamen, nach der Eroberung von Jerusalem durch ***Nebukadnezar I*** (?-562 v. J.C.) einen Teil von Judäa einnahmen. Aber im zweiten Jahrhundert v. J.C., ***Judas Makkabäus*** (190-160 v. J.C.) erobert die Gebiete der Edomiter und diese werden von ***Jean Hyrcan I*** (164-104 v. J.C.) gewaltsam zum Judentum konvertiert. Zwei Generationen später wird ***Herodes I der Große*** (72-4 v. J.C.), der Edomiter, zum König der Juden; er ermordet den letzten Makkabäerprinzen und sichert sich die Unterstützung der Römer. Während er das mosaische Gesetz offiziell respektierte und auch gleichzeitig Altäre für die heidnischen Gottheiten im Lande erstellte. ***Herodes Antipas II*** (20-39v. J.C.) - der Herodes der Aktion ***Salome*** (?-72 n. J.C.) - ist das siebte Kind von ***Herodes I der Große*** und von seiner vierten Frau, ***Malthace die Samaritänin*** (?-4 v. J.C), Erbin der Tetrarchie von Galiläa und Peräa, ist vollständig romanisiert (er wurde bestätigt in seinem Rang von ***Augustus*** (63-14 v. J.C.) und später von ***Caligula*** (12-41 n. J.C.). Diese *„Söhne Edoms“* gelten als unbeschnitten: Sie haben sich der Operation, genannt *epispasmus* unterworfen, die es ihnen ermöglicht ohne Verlegenheit an den hellenistischen Sportarten teilzunehmen, die völlige Nacktheit erfordert. In den Augen von ***Iokanaan*** (***Johannes der Täufer* /**?-?) ist die Familie von ***Herodes*** dem Tetrarchen, ***Herodias*** (15 v. J.C. - 39 n. J.C.) und ***Salome*** heidnisch und verflucht.

Wenn [**Richard Strauss** den Text von **Oscar Wilde** verkürzt, denkt **er** ](https://ioco.de/2021/02/13/salome-oder-die-prinzessin-von-babel-ioco-serie-teil-1-13-02-2021/?ref=ioco.de)nicht daran, die Stellen zu löschen, an denen die Juden verspottet werden. Im Gegenteil, in dem Libretto, das er selbst an die Bedürfnisse seiner Dramaturgie und seiner Partition angepasst hat, findet der theologische Streit zwischen Juden vor dem Tanz der ***Salome*** statt. Mehr als bei **Wilde** durch die Wiederholungen im Text des Chores werden die Juden nicht von ihrer Besten Seite gezeigt. Auch werden die Juden zusätzlich in einem Dialog zwischen Soldaten erwähnt:

**ERSTER SOLDAT*   *PREMIER SOLDAT*Was für ein Aufruhr! Quel vacarme !Was sind das für wilde Tiere, die da heulen? Qui sont ces bêtes fauves qui hurlent*

**ZWEITER SOLDAT*   *SECOND SOLDAT*Die Juden. Sie sind immer so. Les Juifs. Ils sont toujours ainsi.Sie streiten über ihre Religion. C'est sur leur religion qu'ils discutent.*

**ERSTER SOLDAT*   *PREMIER SOLDAT*Ich finde es lächerlich, Je trouve que c'est ridiculeüber solche Dinge zu streiten. De discuter sur de telles choses.*

**Oscar Wilde / Hedwig Lachmann: *Salome*** (Auszüge)

![ SALOME mit dem Haupt Johannes des Taeufers von Lucas Cranach © WIKIMEDIA Commons](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2021/03/salome1cranach-wikimedia-commonsneu.jpg)

SALOME mit dem Haupt Johannes des Taeufers von Lucas Cranach © WIKIMEDIA Commons

Wenn die Juden ihre theologischen Streitigkeiten beginnen, nutzt **Richard Strauss** in seiner Partitur die komischen Mittel der Kakophonie, lässt die Flöten mit näselndem Ton spielen. Diese Juden verkörpern den Typ der Pharisäer, die die Evangelien als formalistisch und scheinheilig verurteilen. **Strauss** vermischt in der Partition die Stimme von ***Herodes*** mit der der Juden, die sich wie Lumpensammler darüber streiten, ob ***Johannes der Täufer*** in der Tat der Nachfolger des Propheten ***Elias*** (927 v. J.C.) ist. Ob ***Elias*** wirklich Gott sah und sich weigerten ***Jesus*** als den Messias zu betrachten. Ein Weg um darauf hinzuweisen dass der religiöse Standpunkt von ***Herodes*** nicht der dümmste in diesem Kampf der Juden ist... Das Bild der Ostjuden als König von Judäa und seiner Familie, eine Zusammenfassung aller sexuellen und moralischen Perversionen, das Volk der Pharisäerjuden und *„die von Streitigkeiten erbitterten alten Priester“*, wie **Flaubert** sagt, sind gelinde gesagt, wirklich nicht sehr positiv.

Aber indem sie die Ostjuden in einem hasserfüllten abstoßenden oder lächerlichen Licht malt, **Herodes**' Clan und die Juden auf die gleiche Ebene stellt, stört die Oper von **Strauss** die Christen und Juden des liberalen 20\. Jahrhunderts nicht und ist - wie es heute heißt - politisch korrekt. Auf der anderen Seite gibt es eine Fülle von Juden aus dem Osten, die **Kraus** im Sinne eines jüdophoben Juden als *„Kaftanjuden“* und *„Juden aus dem Schtetl“* brandmarkt. Die all das Jüdische übertragen, dass er ablehnt und dass er und seinesgleichen unterdrückt. Da der Wagnerismus einen großen Teil seiner Konvertiten unter assimilierten Juden gemacht hatte, wusste man dass ein antijüdisches Augenblinzeln nur die Erfolgschancen der Anhänger des Meisters von Bayreuth erhöhten.

Einer der beispielhaftesten Fälle ist das Treffen zwischen dem bayerischen Komponisten und dem assimilierten jüdischen Intellektuellen, beide Wagneristen bis an die Fingerspitzen und dennoch zutiefst voneinander entfernt, war zweifellos die Beziehung zwischen **Strauss** und **Gustav Mahler** (1860-1911). Der Brief des letzteren an *„Justi“* **\[Justine (Ernestine) Rosé-Mahler** / 1868-1938\] im Januar 1894 fasst die Beziehung zwischen den beiden Männern sehr gut zusammen: „*Kaum wird *Wagner* erkannt und verstanden, dass ein frömmelnder und geweihter Heuchler wieder auftaucht \[…\] und versucht eine „neue Kunst“ zu schaffen, die den Bedürfnissen der Welt entspricht. *Strauss* ist vor allem ganz Pope und Papst! Im Großen und Ganzen ist er ein charmanter Mann, gemessen an dem, was wir über ihn wissen \[…\]. Denn anderswo spekulierte er etwa über meine Abreise von hier, um meinen Platz hier zu übernehmen.“* **Mahler** ist in Hamburg und versucht diesen Posten zu verlassen. Er hätte sich gefreut ihn **Strauss** zu geben, sofern er etwas anderes gefunden hätte: „*Ich habe alles versucht, damit ich mich nicht selbst beschuldigen muss, aber es scheint, dass meine Rasse mir alle Türen verschließt.“*

![Richard Strauss Büste in Walhalla © IOCO HGallee](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2021/02/richard-strauss-walhalla-foto-hgallee-neu.jpg)

Richard Strauss Büste in Walhalla © IOCO HGallee

Trotz dieser zugrunde liegenden Antipathie wird **Mahler** ständig daran arbeiten, die Werke von **Richard Strauss** zu fördern. Wir wissen jedoch dass im Fall von ***Salome*** die Zensur unaufhaltsam war. **Emil** **Jettel von Ettenach** (1846-1925), der Zensor der Wiener Oper, spricht am 31\. Oktober 1905 das endgültige „Nein!“ aus: „*Ich kann nur wiederholen, dass die Bühnendarstellung von Ereignissen aus dem Bereich der Sexualpathologie auf unserer kaiserlichen Bühne nicht geeignet ist.“* Es ist wahr dass es in Wien viele Beispiele für solche Verbote gibt. Hatten wir nicht ***Andrea Chénier*** (1896) von **Umberto Giordano** (1867-1948) zensiert, weil Szenen aus der französischen Revolution im Land von **Fürst Klemens Wenzel von Metternich** (1773-1859) nicht erträglich waren? ***I Medici*** (1893) von **Ruggero Leoncavallo** (1857-1919), weil ein Mord in einer Kirche im Land des Konkordats mit Rom nicht erträglich ist? ***Hérodiade*** von **Massenet** wegen des biblischen Themas?[ In ***Salomé*** erlebten wir jedoch zum ersten Mal ein völliges Verbot:](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/2021/02/20/salome-oder-die-prinzessin-von-babel-ioco-serie-teil-2-20-02-2021/?ref=ioco.de) Alle Korrekturen und Abschwächungen des von **Mahler** vorgeschlagenen und von **Strauss** akzeptierten Librettos hatten nicht ausgereicht, um **von Ettenach** zu beschwichtigen. Die Uraufführung für Österreich fand daher in Graz statt, und die Wiener Oper begrüßte ***Salome*** erst am 14\. Oktober 1918, einen Tag nach dem Fall der Habsburger!

 **Salomé von Richard Strauss: Der Sieben-Schleier-Tanz**youtube Trailer **The Opera Platform Channel \[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

## ***Das Evangelium des Heiligen Markus*** 

***„Herodes*** hatte ***Johannes*** wegen ***Herodias***, der Frau von ***Herodes Philippus II*** (20-34 v. J.C.), seinem Bruder, die er geheiratet hatte, verhaftet und im Gefängnis gefesselt, denn ***Johannes*** sagte zu **Herodes**: „*Du darfst nicht die Frau deines Bruders zur Frau haben!“ *Herodias** war bitter gegen ihn und wollte ihn töten, aber sie konnte keinen Erfolg haben. Denn ***Herodes*** fürchtete ***Johannes***, wissend dass er ein gerechter und heiliger Mann war und so beschützte er ihn. Als er ihn hörte, war er sehr ratlos und gleichzeitig war es ein Vergnügen für ihn, dass er ihn hörte. Nun kam ein glücklicher Tag, an dem ***Herodes*** den Jahrestag seiner Geburt feierte und er gab den Adligen seines Hofes, seinen Offizieren und den wichtigsten Persönlichkeiten von Galiläa ein Bankett: Die Tochter der vorgenannten ***Herodias*** trat ein und tanzte, und sie erfreute ***Herodes*** und seine Gäste. Der König sagte zu dem jungen Mädchen: „*Frag mich, was du willst, ich werde es dir geben“.* Und er schwor es ihr mit einem Eid: „*Was auch immer du von mir verlangst, ich werde es dir geben, auch wenn es die Hälfte meines Reiches ist!“* Sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: „*Was soll ich* *mir wünschen?* *Das Haupt von Johannes!“* antwortete die letztere. Das junge Mädchen kehrte in Eile zum König zurück und bat ihn um folgendes: „*Ich möchte den Kopf des *Johannes des Täufers* sofort auf einer Schale erhalten!“* Der König war sehr traurig, aber wegen seiner Eide und auch der Gäste wegen wollte er sein Wort nicht brechen und er sandte sofort eine Wache um seinen Befehl auszuführen: „*Bringe mir den Kopf des *Johannes“*!* Die Wache ging weg und enthauptete ihn im Gefängnis; dann brachte er den Kopf auf einer Schale und gab ihn dem kleinen Mädchen und diese gab es an ihre Mutter weiter. Nachdem die Jünger vom Tode des ***Johannes*** erfuhren, kamen sie um seinen Körper zu nehmen und ihn in ein Grab zu legen.“***Markus*** **6:17-29** (Auszüge)*.*

## ***Das Evangelium des Heiligen Matthäus***

***„Herodes*** hatte ***Johannes*** wegen ***Herodias***, der Frau von ***Philippus,*** seinem Bruder verhaftet, gefesselt und eingesperrt, von der ***Johannes*** zu ihm sagte: „*Du darfst sie nicht haben!“* Er wollte ihn sogar töten, fürchtete aber das Volk, die ***Johannes*** als Propheten betrachteten. Jetzt, als ***Herodes*** seinen Geburtstag feierte, tanzte die Tochter von ***Herodias*** in der Öffentlichkeit und erfreute den König so sehr, dass dieser ihr alles versprach was sie verlangte und er leistete sogar einen Schwur vor seinen Göttern. Von ihrer Mutter indoktriniert, sagte sie zu ihm: „*Gib mir hier auf einem Teller* *das Haupt von *Johannes des Täufers*“*. Der König bedauerte es, aber wegen seines Eides und der Gäste wegen befahl er, dass man ihr gebe was sie wolle! Er schickte einen Soldaten, um ***Johannes*** im Gefängnis zu enthaupten und dieser brachte auf einem Teller das Haupt des ***Täufers*** und gab es dem jungen Mädchen, diese gab es an ihre Mutter weiter. Die Jünger von ***Johannes*** kamen um die Leiche ein zu balsamieren, dann gingen sie zu ***Jesus*** um ihn zu informieren. ***Matthäus* 14:3-12** (Auszüge).

![Die Eroberung vom Jerusalem durch Herodes den Großen Gemälde von Jehan Fouquet © WIKIMEDIA Commons](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2021/03/eroberung-jerusalems-durch-herodes-den-grossen-_-gemaelde-von-jehan-fouquet-wcneu.jpg)

Die Eroberung vom Jerusalem durch Herodes den Großen Gemälde von Jehan Fouquet © WIKIMEDIA Commons

## ***Johannes der Täufer und die „Göttliche Verkündigung“*** 

***Johannes*** wird nach dem Evangelien-Bericht auf wunderbare Weise, als Sohn hochbetagter, durch Alter impotent und steril gewordener Eltern und auf Grund einer göttlichen Verkündigung geboren... Nach sorgfältiger, von berauschenden Getränken freigehaltener Erziehung tritt er in der Wüste am Jordan, in Judäa und Peräa als Bußprediger auf, ruft die Leute herbei zur Taufe, zum Untertauchen in fließendes Wasser und tauft die massenhaft Herbeigekommenen zum äußeren Zeichen der zu erlangenden Sündenvergebung und als Vorbereitung für ein künftiges *„Reich Gottes“.*

![Johannes der Täufer _ Eckskulptur in Trier © Wikimedia Commons](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2021/03/trier-johannes-der-taeuferneu.jpg)

Johannes der Täufer \_ Eckskulptur in Trier © Wikimedia Commons

***Herodes Antipas***, der Vierfürst von Galiläa und Peräa, der sein erstes Weib verstoßen hatte und die Frau seines Stiefbruders ***Philippus***, des Vierfürsten von Batanäa, ***Herodias***, geheiratet hatte obwohl dieser nach dem Gesetz für die zweifachen Sünden von ***Johannes*** zur Rechenschaft gezogen wurde, lässt den unbequemen Tadler ergreifen und einkerkern. Bei Gelegenheit einer festlichen Veranstaltung erbittet sich die ihm neu in die Ehe gekommene Stieftochter ***Salome***, Tochter von ***Herodias***, nach einer sinnlich-anreizenden Tanzleistung, die ihr von ***Herodes*** die Gewährung einer Freibitte einbringt, auf Anstiften ihrer Mutter das Haupt des ***Täufers***. Sie erhält es nach einigem Zögern von dem sich schuldbeladenen fühlenden ***Herodes,*** der, um sein Wort nicht zu brechen, die Hinrichtung anordnet. Diese ganze Darstellung ist hinsichtlich ihres inneren Zusammenhanges von A-Z durch die neuere Forschung auf Grund historischer Beweisstücke als volksmäßige Erdichtung nachgewiesen worden und gibt gleichzeitig einen vortrefflichen Einblick in der Art der Legendenbildung und der Technik der Evangelien-Schreiber…Von der wunderbaren Erzeugung des ***Johannes*** brauchen wir nicht lange zu reden. Sie geht genau nach einem für solche Fälle feststehenden Schema… vor sich. Die bezüglichen Wendungen sind zum Teil wörtlich diejenigen des ***Alten Testaments***. Was die zweite Eheschließung des ***Herodes Antipas*** angeht (die Verstoßung der ersten Gemahlin und die Heirat seiner Schwägerin) einerseits und die Hinrichtung des Bußpredigers andererseits, so war nach dem in diesem Punkte nicht zweifelhaften Bericht des ***Flavius Josephus*** (37-100 n. J.C.) die Hinrichtung des ***Johannes*** auf der Bergfeste Machärus vollzogen (Ende 29 n. J.C.), bevor ***Herodes Antipas*** nach Rom reiste und dort seinem Bruder die Frau entführte. Denn diese Bergfeste war im Besitz des Schwiegervaters von ***Herodes Antipas***, des Nabatäenfürsten ***Aretas IV*** (9-40 n. J.C.) . Der jetzt seine Tochter, die eben verstoßene und flüchtige Frau des ***Herodes*** **Antipas**, in diese Bergfeste aufnimmt... Die neue Frau ist nicht die Frau des Stiefbruders ***Philippus*** des Vierfürsten von Batanäa, sondern seines Stiefbruders ***Herodes*** (?-? / ohne Beinamen), der als länderloser jüdischer Prinz am befreundeten kaiserlichen Hofe in Rom schmarotzend lebte.

***Herodias*** hat allerdings eine Tochter ***Salome*** aus erster Ehe. Aber diese ***Salome*** ist Vierfürstin von Batanäa, die Frau des obengenannten ***Philippus***. Sie würde keinesfalls einen Tanz vor ***Herodes*** ***Antipas*** aufführen, selbst wenn sie an seinem Hofe in Tiberias lebte, noch weniger einen sinnlich-verlockenden Tanz, wie ihn Sklavinnen und gedrillte Mädchen vorführen… Die Hinrichtung, das sofortige *„Hinschicken des Henkers“*…, das Offerieren einer Bitte *„bis zur Hälfte eines Königsreiches“* (er hatte gar kein Königsreich, er war römischer Versall), das Hereinbringen der Schüssel, alles das trägt den Charakter der orientalischen Märchenerzählung. ***(Zürcher Diskussionen, Nr. 9, 1898).***

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## **IOCO Essay - von Peter M. Peters - Teil 5**

SALOMÉ - wandelt sich zur Kultfigur

## folgt am 13\. März 2021

**NB:** E*igennamen (z.B. Salome/é) wurden jeweils in der Original-Schreibweise genannt.*

**PMP-31/12/20-4/6**

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