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# SALOME - ODER DIE PRINZESSIN VON BABEL - IOCO Serie - Teil 1, 13.02.2021
- URL: https://www.ioco.de/salome-oder-die-prinzessin-von-babel-ioco-serie-teil-1-13-02-2021/
- Published: 2021-02-13T09:00:34.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:06:08.000Z
- Author: Peter Michael Peters
- Tags: Oper & Operette, Ballett, Tanz & Bewegungskunst, Lohengrin, giacomo puccini, Pressemeldungen & Nachrichten, Puccini

![Die Erscheinung _- der Kopf von Johannes des Täufers ein Gemälde von Gustave Moreau © Wikipedia / Trz?sacz](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2021/02/gustave_moreau-_-lapparition-neu.jpg)

Die Erscheinung - der Kopf Johannes des Täufers - ein Gemälde von Gustave Moreau © Wikipedia / Trzesacz

# ***SALOME* \- oder die PRINZESSIN VON BABEL**

**IOCO Serie in sechs Teilen - Von Peter M. Peters**

Teil 1 -- Das Kultbild der Décadence 

**Oscar Wilde** (1854-1900) und **Richard Strauss** (1864-1949) gehörten zu einer Generation, die sich anschickte, neue soziale und sexuelle Freiheiten kennenzulernen. **Strauss** verwandelt ***Salome*** (1905), das Kultbild von Décadence, in eine psychologische Studie. Besser als dem **Wildeschen** Wort-Drama gelingt es dem Musik-Drama von **Richard Strauss,** die Sphäre "*unerreichbar fremder"* Weiblichkeit einzufangen.

Bei **Strauss** wird aus der Verworfenen, Luxusübersättigten, ihren Körper in erregenden Tänzen zur Schau Stellenden, der von perversen Begierden Getriebenen, ein weibliches Ideal, in seinen furchtbarsten metaphysischen Dimensionen von Liebe und Tod: ***Salome*** fühlt, durchlebt ihre ganze Existenz in einem kurzen Augenblick, bis zur bittersten Konsequenz und völliger Einsamkeit, denn jeder Kontakt mit dem Gegenstand ihrer Leidenschaft wird zum einem Sakrileg. „*Ein Kind, das sich ausdrücken kann wie Isolde*“, nannte sie **Wieland Wagner** (1917-1966).

Die von **Wilde** übernommene Struktur der Oper in einem Akt ist das Kriterium für ihre bezwingende Kraft und Einheitlichkeit. **Strauss** verwendet die Leitmotivtechnik von **Richard Wagner** (1813-1883). Er ist kein musikalischer Neuerer wenn er die Tonalität auf weiten Strecken aufhebt oder bitonal verdoppelt. Wenn er von **Wagner** weg in Richtung **Arnold Schönberg** (1874-1951) zu Polytonalität übergeht, dann immer im Rahmen der dramatischen Erfordernisse. Ein unfehlbarer musikdramatischer Instinkt diktiert die musikalische Sprache. Auf dem Gebiet der Orchestrierung ist **Strauss** eines der originalsten Genies der Musikgeschichte. Doch auch der Klang des mit 102 Musikern besetzten Orchesters, der Phantasie-Orientalismus des Komponisten, der die vibrierende Atmosphäre einer schwülen Nacht einfängt, steht im Dienst des dramatischen Ausdrucks. **Strauss** schafft eine Klangwelt, die mit allem bisher Bekannten zu brechen scheint. Er selbst sprach von *„Kadenzen wie Changeant-Seide“.* Die musikalische Charakterisierung der Figuren ist an ihre psychologische Entwicklung gebunden. Die literarischen Qualitäten von **Wildes** 1890 zunächst in französischer Sprache verfasstem Drama sind nicht unumstritten.

 **Oscar Wilde - Salome - Das Ende** youtube Trailer LydianFlat17 **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

In **Gustave Flauberts** (1821-1880) ***Hérodiade*** (1877) hatte er wohl die Szenerie gefunden. Bei **Flaubert** war ***Salomé*** noch das unschuldige, willenlose Rachewerkzeug der ***Hérodias***. Die Schuld am Tod des Propheten trug wie bei den Evangelisten die ***Hérodias***. Zu Recht ist ***Salomé*** bei **Wilde** die Titelfigur geworden: Ihre erotische Neigung ist seine Erfindung, auch wenn **Heinrich Heine** (1797-1856) das Motiv der monströsen Liebe zu ***Johannes dem Täufer*** und den vampirhaften Kuss des abgehackten Kopfes 1841 in ***Atta Troll*** in die Literatur eingeführt hatte. Doch hier war es ***Herodias***, die sich in den Propheten verliebt hatte. Inspiriert wurde **Wilde** von **Gustave Moreaus** (1826-1898) zugleich kalten und wollüstigen ***Salomé***\-Bildern und deren artifizieller, schwülstiger Deutung durch **Joris-Karl Huysmans** (1848-1907) Romanhelden ***Jean des Esseintes*** ***(À Rebours /*** 1884). Beeinflusst von **Flaubert**, **Stéphane Mallarmé** (1842-1898) und **Maurice Maeterlinck** (1862-1949) schuf **Wilde *Salomés*** endgültige Gestalt, stellte die biblische Nebenfigur ins Zentrum eines symbolischen Dramas. Doch erst durch die Musik von **Strauss** wurde aus dem Symbol der Mythos ***Salome***. **Strauss** vertonte die deutsche Übersetzung von **Hedwig Lachmann** (1865-1918) ohne wesentliche Änderungen, allerdings mit etlichen Kürzungen.

## ***Die skandalöse Salomé*** 

Als **Richard Strauss**´ Oper **Salome** am 9\. Dezember 1905 an der **Königlichen Oper Dresden** uraufgeführt wurde, hatte sich **Oscar Wildes** Schauspiel, das in England jahrzehntelang verboten blieb, längst einen festen Platz auf deutschen Bühnen erobert. Die Oper wurde vom Publikum begeistert aufgenommen und, auch wenn der deutsche Kaiser **Wilhelm II.** (1859-1941) entsetzt war, begann einen bis heute andauernden Triumphzug in den Theater in aller Welt. Allein England sperrte sich bis in die 30er Jahre. Die New Yorker **Salomé** Aufführung 1907 wurde zum Skandal, der erbitterte Pressekampagnen provozierte.

## ***Die Entstehung von Oscar Wildes Salomé***

In der Entstehung eines großes Werkes tritt immer ein Teil eines Mysteriums ein.. Ohne dass sich der Künstler dessen unbedingt bewusst sein muss, neigt sein inneres Selbst dazu, seine schöpferische Tätigkeit zu beeinflussen, sein Werk auf intensive Weise zu gestalten und ihm seine letztendliche Physiognomie zu verleihen. So ist es auch mit der ***Salomé*** (1891) von **Osacr Wilde**. Das heißt, die Veröffentlichung dieses Dramas zum Ende 1891 sollte *a priori* nicht überraschen, wenn wir beachten, dass **Wilde** es im Herzen der Zeit von 1880 bis 1900 gestaltete, im *fin de siècle,* als in Frankreich die dekadenten Bewegungen triumphierten. Der ***Symbolismus*** war zwischen 1880 - 1890 in Frankreich sehr populär. Die zahlreichen, diesem **Symbolismus** ergebenen Künstler, hatten wiederum ***Hérodiade*** und ***Salomé*** als ihre Heldinnen hoch geschätzt.

![Getrud Eysoldt als Salome - Gemälde von Lovis Corinth © Wikimedia Commons](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2021/02/corinth_gertrud_eysoldt-als-salome-weimar_schlossmuseumneu.jpg)

Getrud Eysoldt als Salome - Gemälde von Lovis Corinth © Wikimedia Commons

## ***Dekadenz und Verfall***

Letztere **Symbolisten** sind des **Realismus** und des **Naturalismus** überdrüssig und nicht weniger an der Zeit, in der sie leben: Eine Ära, die als flach und trivial angesehen wird, weil die allgemeine Zustimmung, die bürgerliche Vulgarität nichts als Hässlichkeit bietet! Sie sind enttäuschte Ästhetiker, die nicht durch irgendeine Art von Glauben belebt sind, sei es patriotisch, religiös oder moralisch. Die Zivilisation, in der sie leben, ist im unblutigen Niedergang und erschöpft vom Verfall untergraben. Nur noch vom Tod bedroht! Sie werden daher Zuflucht in fiktiven Universen suchen und raffinierte Empfindungen von der Vorstellungskraft, von der Kunst und von Objekten erfordern. Ein solcher Geisteszustand wird wunderbar durch den beispielhaften Charakter von ***Des Esseintes*** veranschaulicht, dem Helden des Romans ***À Rebours*** von **Huysmans**, das Evangelium der dekadenten Generation. ***Des Esseintes*** verachtet die ***Realität*** bis zu dem Punkt, das er es vorzieht als Einsiedler in seiner Wüste von Fontenay zu leben. Die er mit erstaunlichem Luxus arrangiert hat und hier will er *„den Traum von der *Realität* durch die Realität selbst ersetzten. Diese Kunstfertigkeit scheint ihm das Kennzeichen des menschlichen Genies zu sein!“*

Aber die Siege gegen Langeweile bleiben prekär, immer verwischt von den ***spleen's*,** dem ***taedium* *vitae,*** der rastlosen Suche nach neuen Sensationen. Unsere ***Ästhetiker*** fühlen sich bedroht von den Lebensordnungen und greifen daher auf andere Lösungen zurück: Zuerst auf der Suche nach teuren und komplizierten Vergnügungen, dann aber nach neuen erotischen Empfindungen, die bald von dem Geschmack und der Praxis seltener Laster folgen. Zumindest solange, bis der letzte Grad an kitzliger Nervosität erreicht wurde.

Erotischer **Dilettantismus** begleitet und gekrönt von Kunst-Dilettantismus. Viele unter den Dekadenten sind diejenigen, die fleischliche Abweichungen pflegen. Die Liebe auf den einzigen sexuellen Instinkt reduzieren, die Verachtung von Frauen beeinflussen – oft weil sie sie fürchten – oder sogar wie bei **Huysmans** zu einer Mystik der Keuschheit tendieren. Viele waren Homosexuelle, andere fasziniert von Androgynie oder sogar Transsexualität, wieder andere zwischen Hysterie und Frigidität. Bei ***Des Esseintes*** und seinen Gleichgesinnten begünstigen die Entfremdung vom wirklichen Leben und der Rückzug in sich selbst. Ja! Die Vorstellungskraft verirrte sich in ein mentales Onanismus-Labyrinth! Kein Wunder also, dass dekadente Werke erotische Komplikationen aller Art aufweist und vor allem dem Sadismus einen so großen Stellenwert einräumen: Bei Wesen, die auf der Suche nach akuten Empfindungen sind, jedoch mit erkrankten Nerven, stimulieren Grausamkeiten in der Liebe oder Übertretungen der Norm die Trägheit des Instinkts.

Daher der Erfolg von ***Hérodias*** und ***Salomé***: Das Thema bietet eine explosive Mischung aus ungezügelter Sexualität und sadistischer Grausamkeit und illustriert gleichzeitig die *"Monsterfrau",* einer Frau die den Mann anzieht und verschlingt, gleich der weiblichen Spinne der Gottesanbeterin. Der orientalische Rahmen der Geschichte ist ein weiteres Element, das zur Verführung der Dekadenten geeignet ist und immer von der Nostalgie nach anderen Epochen heimgesucht wird, mit denen sie sich besser einig wären: Byzanz oder insbesondere der alte Orient. Exotik und erotische Impulse gingen immer Hand in Hand, wobei die exotische Flucht meistens die fantastische Projektion eines sexuellen Bedürfnisses war. Zweifellos träumten viele Künstler dieser Zeit, wie der alte ***Hérode***, gern von einem Tanz der sieben Schleier, der ihre trägen Sinne erwecken würde.

![Oscar Wilde, um 1882 entstandes Gemälde von Napoleon Sarony ](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2021/02/oscar_wilde_cropneu.jpg)

Oscar Wilde, um 1882 entstandenes Gemälde von Napoleon Sarony

## ***Tausendundeine weitere Salomé Dichtungen*** 

Daher führen wir viele Nachdichtungen von ***Hérodias*** und ***Salomé,*** im letzten Drittel des 19\. Jahrhundert erschienen, hier nicht auf. Das Thema erfreute sich solch hoher Gunst, dass es zahlreiche Schöpfer inspirierte, die aufgrund ihrer künstlerischen Spannweite sich einer Klassifizierung entziehen. So der englische Dichter **Algernon** **Swinburne** (1837-1909), der das Thema mit der ersten Sammlung seiner ***Gedichte und Balladen*** startet, die 1866 veröffentlicht wurde: ***Hérodias*** erscheint dort neben anderen *femmes fatales,* wie ***Faustina*** und ***Cléopatre***. In der ***Hérodiade*** (1869) von **Mallarmé** ist ***Hérodias*** im Grunde die jungfräuliche Prinzessin ***Salomé***, denn der Dichter zog den magischen Klang des Namens ihrer Mutter vor. In etwa gleicher Zeit erschienen die berühmten Kompositionen von **Moreau** im Jahre 1876: ***Salomé dansant devant Hérode*** und ***L'Apparition***. **Huysmans** stellte sich in seinem ***À Rebours*** vor, dass sie von ***Des Esseintes*** erworben wurde und von ihm in allen Einzelheiten hervorragend beschrieben wurde. Die ***Hérodias*** aus den ***Trois Contes*** (1877) von **Flaubert** ist eine der hervorragenden Veröffentlichungen dieser Epoche. Die anderen Dichter bleiben nicht ohne Reaktion: **Théodore de Banville** (1823-1891) ***Un Sonnet des princesses*** (1874), **Mallarmé** noch einmal in ***Le*** ***Cantique de Saint-Jean*** (um 1885), indem er sich erinnert an ***L'Apparition***, schreibt er das Gleichnis vom abgetrennten Kopf des Heiligen. Wobei **Jules Laforgue** (1860-1887) sich vom ***La Danse de Salomé*** desselben **Moreau** in der Karikatur ***Salomé*** inspirieren lässt und scherzte überlaut in seinen ***Moralités légendaires*** (1886). **Jean Lorrain** (1855-1906) beschäftigte sich ab 1883 mehrmals mit dem Thema.

Zitieren wir einige Dichter nach der Erscheinung der ***Salomé*** von **Wilde**: ***Trois*** ***Poèmes*** nach **Moreau** von **Albert** **Samain**, während das Gedicht ***Salomé*** von **Guillaume Apollinaire** (1880-1918) aus ***Alcools*** (1905) sich eher an **Wilde** inspiriert, desgleichen der junge **Jean Cocteau** (1889-1963) erinnert sich an den englischen Dichter (***La*** ***Désireuse, La Folle, L'Inconsciente, La Peureuse,*** 1908).

Im musikalischen Bereich stammt die Oper ***Hérodiade*** (1881) von **Jules Massenet** (1842-1912) aus dem Jahr 1881\. So auch ***Parsifal*** (1882) von **Richard Wagner** (1813-1883), in der ***Kundry*** eine ihrer vielen Inkarnationen erwähnt, indem sie als ***Hérodias*** verärgert ***Johannes dem Täufer*** (nach der Meinung des Komponisten und Musikwissenschaftler **Jacques Chailley** (1910-1999) war es nicht **Christus**, der von ***Kundry*** verhöhnt wurde!) irr unheimlichen ins Gesicht lacht.

## ***Salomé - im Namen von Dorian Gray verurteilt***

Im Jahr 1891 zeigte **Wilde** mit der Wahl von ***Salomé*** keine Originalität. Insbesondere für einen Schriftsteller, der, obwohl irischer Nationalität, mit der französischen Kultur äußerst vertraut war (seine Mutter hatte **Alphonse de Lamartine** (1790-1869) und **Alexandre Dumas,** 1802-1870, übersetzt). Dazu verbrachte er die meiste Zeit in Paris und sprach in einem fast perfektem Französisch. Darüber hinaus ein Schriftsteller, dessen Eintritt in die Männlichkeit mit dem Beginn der dekadenten Zeit zusammenfiel (er war 1880 vierundzwanzig Jahre!). Der mit ***The*** ***Portrait of Dorian Gray*** im Juli 1890, fünfzehn Monate vor Fertigstellung von ***Salomé,***  ein Werk schuf, das als Klassiker der dekadenten Bewegung in England zählt.

Der *Dekadentismus* des komplexen und fantastischen **Dorian Gray** wurde schnell verdächtig. Tatsächlich spielte **Wilde** den Dekadenten mehr als er es in Wirklichkeit war. Wir haben überall seinen Dandyismus, seinen Sinn für Pose und Repräsentation, seine Sorge um die Komposition seines Bildes bemerkt. Aber im Gegensatz zu vielen Dekadenten pflegte er die Lebensfreude, setzte sich dafür ein, nicht seine Instinkte aufzugeben und jegliche Einschränkungen zugunsten der Selbstbehauptung abzulehnen. Zweifellos ist der von ***Dorian Gray*** bekannte Hedonismus an dem jüngsten Beispiel von ***Des Esseintes*** inspiriert. Dies verhindert nicht bestimmte Merkmale (insbesondere die Überfülle des für **Wilde** charakteristischen Bild der reichen Dekoration), z.B. die Arbeit wirkte nicht spontan, mehr oder weniger fabriziert und künstlich. **Wilde** wurde daher dafür kritisiert, dass er anderen das Eigentum wegnahm, mit fremden Ideen wie mit seinen Eigenen spielte und letztendlich nicht aufrichtig war. Die Glaubensbekenntnisse seines Helden zeugen nicht von einer verderblichen moralischen Beschränkung.

Wir erinnern daran, dass diese ***Salomé*** Kritiken bis heute denen zum **Dorian Gray** ähneln. Viele weigerten sich, **Salome* höher zu würdigen* als den ***Dorian Gray***. **Salome** würde, so die Kritiker der Zeit, im Thema wie seiner Behandlung vor allem das Talent seines Autors (**Oscar Wilde)** auf dem Gebiet kalkulierter Nachahmung und des Abklatsch bezeugen. „*Es ist das gekonnt kalkulierte Werk eines gelehrten Wichtigtuers, der schamlos seinen* *schlechten Geschmack im Stil eines präraffaelitischen Hochstaplers zeigt“*, sagte **Pierre Lalo** (1866-1943) am 14\. Mai 1907 in *Le Temps*. „*Eines der schlechtesten seiner Werke“*, schrieb 1967 **Philippe** **Jullian** (1919-1977) und andere Kritiker zitieren **Flaubert**, **Maeterlinck** und einige andere unter den Autoren, die von **Wilde** angeblich geplündert wurden.

Uns erscheint solcher Standpunkt als höchst ungerecht. ***Salomé*** ist möglicherweise in die dekadente Atmosphäre des *fin de siècle* geschlüpft und bewahrte davon einige Merkmale. **Salome** ist jedoch nicht allein das Produkt der Jahrhundertwende; die willensstarke Persönlichkeiten **Wilde** hatte solche Einflüsse überwunden. Die bemerkenswerte dramatische Bewegung dieses Stückes, seine psychologische Tiefe machen **Salome** für alle Zeit zu einem authentischen Meisterwerk.

## *Oscar Wilde und Gustave Flaubert*

Was die Schuld von **Wilde** gegenüber **Flaubert** und dessen ***Hérodias*** betrifft, so ist dies offensichtlich und mag auf den ersten Blick sogar beträchtlich erscheinen. Aber nur bei oberflächlicher Betrachtung scheint dies zu sein, da weder die Charaktere noch die Struktur oder die allgemeine Absicht der beiden Werke sich gleichen. **Wilde** fand vor allem bei dem Autor der ***Trois Contes*** Ideen für das Szenenspiel und dem Kulissenaufbau: Das Fest des ***Hérode*** und die Terrasse mit dem erweiterten Raum, indem sich die Zisterne befand, in der ***Iokanaan*** eingesperrt war. Auch die enorme Spannung aufgrund der Langsamkeit, die der Henker für seine blutige Aufgabe nimmt. Er verdankt ihm auch die Idee des theologischen Streits zwischen den Nazarenern und den Juden (der in ***Hérodias*** drei große Seiten einnimmt!), deren Lärm im Drama erklingt, sobald sich der Vorhang hebt. Zweifellos wurden dem Werke noch mehrere Charaktere und Details entnommen, ebenso wie einige Namen. So leitet sich ***Iokanaan*** auf mysteriöse Weise von **Flauberts *Iokanaan*** ab oder auch der Name des Henkers ***Naaman***. Jedoch ihre Charaktere sind dennoch völlig unterschiedlich!

## **SALOME - ODER DIE PRINZESSIN VON BABEL**

## **IOCO Serie - Teil 2 - *Jungfrau und Frau***

über die Veränderung der Person **SALOME** durch **Oscar Wilde,** und die tiefe eigene Indentifizierung des Dichters zu "seiner" **Salomé**

##   **Hier, bei IOCO ab 20\. Februar 2021**

**PMP-31/12/20-1/6**

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