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# Remagen, Rolandseck, Aris Argiris - Arienabend - Puccini, Donizetti, Verdi, Liszt, Brahms, IOCO Kritik, 04.06.2018
- URL: https://www.ioco.de/remagen-rolandseck-aris-argiris-liederabend-verdi-liszt-brahms-ioco-kritik-04-06-2018/
- Published: 2018-06-05T08:00:44.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:46:05.000Z
- Author: Patrik Klein
- Tags: Konzert & Liederabend, Kritiken, Remagen

![Rolandseck in Remagen © Patrik Klein](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/06/rolnadseck-1-neu.jpg)

Rolandseck in Remagen © Patrik Klein

[arp Museum Rolandseck](https://arpmuseum.org/?ref=ioco.de)

# **ARIS ARGIRIS - Meisterwerke der Klassik**

***\- Musikalische Reise in die Tiefen der menschlichen Seele -***

Von **Patrik Klein**

Seit 1964 stellt der **Bahnhof Rolandseck** ein Zentrum des kulturellen Lebens im Rheinland dar. Konzerte und Ausstellungen fanden dort statt und Künstler lebten und arbeiteten im Gebäude des Bahnhofs. Nach dem Tod des Leiters **Johannes Wasmuth** im Jahre 1997 endete erst einmal das kulturelle Leben im Bahnhof. Am 22\. Oktober 2004 wurde der Bahnhof als **Arp-Museum Bahnhof Rolandseck** wieder eröffnet und am 28\. September 2007 durch den Neubau von **Richard Meier** am Hang oberhalb des Bahnhofs erneuert bzw. erweitert. Das Museum setzt sich aus dem klassizistischen Bahnhofsgebäude und dem „harmonisch“ in die Natur eingefügten Neubau des amerikanischen Architekten zusammen. Insgesamt besitzt es vier Ausstellungsebenen, die mit wechselnden Präsentationen versehen werden. Das Programm des Drei-Sparten-Hauses umfasst Ausstellungen mit internationaler bildender Kunst, **klassischen Konzerten** sowie einem sommerlichen **Kammermusikfestival** mit bekannten Ensembles und Solisten, Künstlergesprächen sowie Lesungen prominenter Autoren. Im Zentrum stehen die Kunst von **Hans Arp** und von **Sophie Taeuber-Arp**. In Sonderausstellungen werden im Dialog mit diesen Werken Skulpturen und Malereien zeitgenössischer Künstler gezeigt.

Im Rahmen eines Abonnementkonzertes der **Johannes-Wasmuth-Gesellschaft e.V.** und dem **Arp Museum Bahnhof Rolandseck** traten der Bassbariton **Aris Argiris** und sein Repetitor und Freund **Peter Bortfeldt** am Klavier auf. Es wurden Werke von **Puccini, Verdi, Leoncavallo, Donizetti, Liszt** und **Brahms** gegeben**.**

**Aris Argiris** ist an den großen Opernhäusern der Welt zu Hause – Engagements führten ihn an die **Semperoper in Dresden**, die **Staatsopern von Berlin**, **Hamburg** und **Stuttgart**, das **Royal Opera House in London** etc. Er brilliert in den großen Bariton-Partien der Opern von **Verdi** und **Puccini** als auch in vielen anderen Rollen. Zuletzt debutierte er mit großartigem Erfolg als **Wotan** in **Die Walküre** in **Chemnitz** mit weit über die Region reichenden und überragenden Kritiken.

**IOCO Kultur im Netz** besuchte die Premiere der**[ Walküre in Chemnitz (link HIER)](https://ioco.de/2018/03/26/chemnitz-theater-chemnitz-wagners-tetralogie-die-walkuere-ioco-kritik-26-03-2018/?ref=ioco.de)** und führte dort mit **Aris Argiris** und seiner Frau **Lupe Larzabal** ein ausführliches Interview, in dem besonders über die wechselseitige Beziehung im dramatischen deutschen und italienischen Fach gesprochen wurde. ***[Link zum Interview Aris Argiris HIER! ](https://ioco.de/2018/04/06/chemnitz-theater-chemnitz-aris-argiris-lupe-larzabal-im-gespraech-ioco-interview-05-04-2018/?ref=ioco.de)*Wagner** wie **Verdi** zu singen, in beiden Fächern unterwegs zu sein, ist **Aris Argiris** klares und wirkungsvolles Rezept. In dem Konzert in **Rolandseck** stellte er dies eindrucksvoll unter Beweis.

**Peter Bortfeldt** konzertiert als Pianist, Dirigent, Kammermusiker und Liedbegleiter, als Gast von Orchestern und Festivals in vier Kontinenten. Er war Studienleiter und Dirigent der **Aachener Oper** und ist Dozent der **Musikhochschule für Musik und Tanz in Köln**. Sein besonderes Engagement als Musiker und Lehrer gilt heute dem Liedrepertoire. Zusammen mit dem Tenor **Josef Protschka** leitet er Meisterkurse "Deutsches Lied" in China und Deutschland. Mit seiner Frau, der Sopranistin **Lisa Graf**, gibt er Liederabende in aller Welt.

Die beiden miteinander harmonierenden und bestens aufgelegten Musiker präsentierten mit viel Humor und leidenschaftlichem Engagement die dem Bariton üblicherweise zugewiesenen dunklen und bösen Charaktere in der Opernwelt.

![Pianist Peter Bortfeldt und Aris Argiris © Patrik Klein](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/06/rolandseck-2-ar-und-neu-2.jpg)

Pianist Peter Bortfeldt und Aris Argiris © Patrik Klein

Das kurzweilige Programm wurde mit dem Prolog des **Tonio** von **Ruggiero Leoncavallo** aus ***I Pagliacci*** eröffnet, in dem sich Bühnenhandlung und richtiges Leben vermischen und zum dramatischen Ende der Handlung führen. Hier ließ **Aris Argiris** zum ersten Mal die enorme Bandbreite seiner dunkel gefärbten und fein geführten Stimme anklingen. Den dramaturgisch noch recht harmlosen Beginn ergänzte der Pianist **Peter Bortfeldt** mit einem Piano Solo desselben Komponisten, der **Canzonetta** *"À Ninon"*, die er sehr gefühlvoll und mit hoher solistischen Virtuosität darbot.

Immer noch charakterlich verhalten folgte **Gaetano Donizettis** Arie des **Dulcamara* *"Udite o rustici"** aus **Elisir d’amore** als Debut des Baritons, der in dieser Oper bislang den **Belcore** gab. Der Herr "Süßbitter", den man heutzutage als guten Verkäufer der Pharmaindustrie und Werbefachmann bezeichnen könnte, wickelte das Publikum mit fein dosierter Stimmführung und am Ende mit kontrolliertem hohen Schlusston förmlich um die Finger. Das Publikum hätte ihm alles abgekauft.

![ Pianist Peter Bortfeldt und Aris Argiris © Patrik Klein](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/06/rol-3-neu.jpg)

Pianist Peter Bortfeldt und Aris Argiris © Patrik Klein

Mit der Arie des **Enrico** *"Cruda, funesta smania"* aus **Gaetano Donizettis *Lucia di Lammermoor*** wurde es finsterer. Aus der düsteren und depressiven Umgebung in Schottland, in dem dieses Drama um "Romeo und Julia" angesiedelt ist, versuchte er stimmlich bestens disponiert und in vollendeter Harmonie mit dem Pianisten, seine finanziellen Probleme zu lösen. **Donizettis** erster großer Erfolg mit dieser tragischen Oper hatte **Franz Liszt** dazu inspiriert, über das enthaltene bekannte Sextett eine *"Reminiscences de Lucia di Lammermoor*" zu komponieren. **Peter Bortfeldt** gestaltete das pianistische Gemälde mit großer Farbenvielfalt und dramatischem Gespür.

In der Anmoderation von **Peter Bortfeldt** zum Ende des ersten Teils hatte man sich mit dem Klavier als "armen Substrat" des Orchesters zufrieden zu geben und den fehlenden Chor, die Kanonenschüsse und die Kirchenglocken dazu zu denken. Das fiel nicht schwer, denn **Aris Argiris** sang aus **Puccinis *Tosca*** das **Te Deum** und charakterisierte den typischen *"Me too-Fall"* des 19\. Jahrhunderts **Scarpia*,* der mit seinem machtbesessenen fundamentalistischem Charakter ganz nahe an dem des **Jago** aus **Otello** liegt, mit einer stimmlichen Präsenz und Farbenfülle, dass man fasst benommen in die Pause ging.

![ Aris Argiris zum Liebestrank © Patrik Klein](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/06/rol-7neu.jpg)

Aris Argiris zum Liebestrank © Patrik Klein

In der Arie "*Nulla, silenzio!"* des **Michele** aus **Il Tabarro** von **Giacomo Puccini** folgt ein weiterer böser Charakter, der eigentlich gar keiner ist, weil er verzweifelt, verliebt und eifersüchtig seiner Liebe hinterher eilt. Die tragische Figur des **Michele** ist besessen von seiner angebeteten unglücklichen Liebe, die in ihrem Tod und dem ihres Geliebten endet. Mit kontrollierter und vollkommener Technik zeichnete **Aris Argiris** hier ein besonders gelungenes genaues Abbild des Seelenzustands und Charakters der Figur.

Das wahre Böse steckt wohl unumstritten in der Figur des **Jago** aus **Giuseppe Verdis *Otello*** *.* Man hätte diese Oper eigentlich nach diesem Bösewicht benennen können, denn er ist der Gott verspottende Strippenzieher mit der Triebfeder aus Spaß. Wie das mit dem Bösen sein muss, so kommt er am Ende sogar davon und niemand weiß genau wohin. Das *"*Credo in un dio crudel*"* gelingt **Aris Argiris** besonders dunkel, virtuos und mit traumwandlerischer Sicherheit in perfekter Harmonie mit seinem Begleiter am Klavier.

Man durfte nun durchatmen mit **Johannes Brahms Ballade *Edward,*** *op. 10 Nr. 1,* bei der man sich zunächst fragt, wie diese zu den italienischen Bösewichten passt. Sie erzählt jedoch auch aus düsterer, schottischen Umgebung von rituellen Taten, blutrot gefärbten Schwertern, Buße und Flüchen aus der Hölle. **Peter Bortfeldt** spielte sie mit farbenfroher Präsenz. Da er keine Abstimmung mit seinem Partner mehr zu finden hatte, konnte er auch hier seinen solistischen Fähigkeiten virtuos freien Lauf lassen.

Als Ausnahme im Reigen der bösen Charaktere darf man den **Posa** in **Giuseppe Verdis *Don Carlos*** betrachten. **Posa** opfert sich scheinbar gerne im Rahmen seiner brüderlichen Freundschaft zu **Don Carlos** in seinen letzten Worten *"O Carlo ascolta… Io morrò".* Ganz besonders feinfühlend und sparsam dosierte der Bariton die liebevollen Momente sowie kräftig aufbrausend die Leidenschaft und das nahende Ende seines Todes.

**Aris Argiris** bereits vielfach gesungene Paraderolle dürfte der **Rigoletto** in **Giuseppe Verdis** gleichnamiger Oper sein. Eigentlich ist er nicht böse, eher ein dunkler Typ, Narr, Vater, der vom Schicksal getroffen durch den Verlust seiner Tochter zu allen Mitteln greift, um sie zu finden und zurückzubekommen. In der Arie *"Cortigiani, vil razza dannato"* versucht er verzweifelt und unterwürfig mit allen Facetten seines Charakters zum Erfolg zu kommen. Dürften es die Zuhörer entscheiden, so hätte man ihm seine Tochter sofort zurückgegeben. Im Anschluss noch einmal **Peter Bortfeldt** mit der dazu passenden **Rigoletto-Paraphrase** von **Franz Liszt**.

![Aris Argiris © Patrik Klein](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/06/rol-6neu.jpg)

Aris Argiris © Patrik Klein

Zum Ende des Programms folgte **Giuseppe Verdis** Arie des ***Ford*** aus ***Falstaff:*** *"E sogno o realtà L‘onore! Ladri!"*.** Ist **Falstaff** lustig? Böse ist er jedenfalls nicht. Eher ein dicker, alter Alkoholiker, der sich hoffnungslos überschätzt. Hätten die an der Oper beteiligten Protagonisten miteinander geredet, so wäre auch hier fast nichts passiert. Daher nimmt das Drama stattdessen seinen Lauf und führt dazu, dass man **Falstaff** die Hörner auf den Kopf setzt. **Aris Argiris** singt die Arie des rachesuchenden Kontrahenten ***Ford*** mit allem Können seiner prachtvollen Stimme und verzaubert sein Publikum, das ihm und seinem Begleiter mit Bravostürmen dankt.

Die beiden Künstler revanchierten sich beim begeisterten Publikum mit zwei Cantonetten (**Ideale** und **L \`Ultima Canzone**) von **Francesco Paolo Tosti.**

\---| IOCO Kritik Rolandseck Remagen |---