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# Reinhard Keiser - Ein großer Barockkomponist wird geehrt, IOCO Portrait, 02.12.2017
- URL: https://www.ioco.de/reinhard-keiser-ein-grosser-barockkomponist-wird-geehrt-ioco-portrait-02-12-2017/
- Published: 2017-12-04T08:00:20.000Z
- Updated: 2025-01-28T14:54:17.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Konzert & Liederabend

![ Stadtkirche St. Georg Teuchern / Ehrung von Reinhard Keiser © Guido Müller](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/12/reinhard-keiser-gedenken-in-der-kirche-neu.jpg "Stadtkirche St. Georg Teuchern / Ehrung von Reinhard Keiser © Guido Müller")

Stadtkirche St. Georg Teuchern / Ehrung von Reinhard Keiser © Guido Müller

***Reinhard Keiser* \- Mitteldeutscher Komponist des Barock**

**Ehrung in Teuchern - Stadtkirche St. Georg** 

Von **Guido Müller**

In Teuchern, dem nahe Halle (Saale) gelegenen Geburtsort des großen mitteldeutschen Barock-Opernkomponisten **Reinhard Keiser** (1674 - 1739) und Vorgängers **Händels** und **Telemanns** an der Hamburger Oper am Gänsemarkt findet jährlich mit einem prominent besetzen Konzert eine Ehrung des mitteldeutschen Komponisten statt.

![ Teuchern / Reinhard Keiser Gedenkstätte © Reinhard-Keiser-Verein Teuchern](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/12/teuchern_reinhard_keiser_gedenkstaette-neu.jpg)

Teuchern / Reinhard Keiser Gedenkstätte © Reinhard-Keiser-Verein Teuchern

Am 12.11.2017 waren der Barock-Opernspezialist und bekannte Tenor **Knut Schoch** aus Hamburg und der Dirigent, Keiser-Spezialist und u.a. fest an der **Komischen Oper Berlin** verpflichtete *Chitarrone*\-Spieler und Lautenist **Thomas Ihlenfeldt** aus Bremen mit einem spannenden und ausgefallenen Programm ***Wer in Liebesfrüchten wählet. ...*** Arien aus Hamburger Opern zu Gast. Der durch zahlreiche Gesamtaufnahmen **Keisers** bekannte Kenner seines Werks, **Thomas Ihlenfeldt** moderierte launig und führte mit interessanten Kommentaren durch das Programm.

Das humorvolle Programm war außer **Keiser** selbst vor allem seinen Vorläufern und älteren Zeitgenossen an der **Gänsemarkt-Oper g**ewidmet. Den Anfang machte der 1650 in Warschau geborene Lautenist und *Viola da Gamba* Spieler **Jakob Kremberg** (+ 1718), Schüler von **Heinrich Schütz** und erster Pächter der Oper, mit drei stark text-akzentuierten und italienisch geprägten Liedern.

**Johann Wolfgang Franck** (1644 - 1710) komponierte außer Opern wie ***Aeneas*** häufig stark volkstümliche und zeitgemäße Sujets, wie in den Jahren der Türken-Gefahr vor Wien die Oper ***Cara Mustafa,*** die später in Hamburg sogar als zu türkenfreundlich verboten wurde. In diesem Werk findet sich die erste niederdeutsch verfasste komische Arie der Hamburger Oper.

![Hamburgische Staatsoper - Heute / Wirkungstätte von Reinhard Keiser - Bedeutendstes deutsches Theater um 1700, in der Barockzeit © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/12/hamburgische-staatsoper-foto-ioconeuneu.jpg "Hamburgische Staatsoper - Heute / Wirkungstätte von Reinhard Keiser - Bedeutendstes deutsches Theater in der Barockzeit © IOCO")

Hamburgische Staatsoper - Heute / Wirkungstätte von Reinhard Keiser - Bedeutendstes deutsches Theater um 1700, in der Barockzeit © IOCO

Besonders beliebt sicher schon beim Hamburger Publikum um 1700 war das moralisierende Recipe: ***Edler Tee,*** der gut für Gesundheit und Tugend, gegen alle Plagen helfe und Jugend erhalte. Es folgen drei von **Franck** und **Georg Böhm** vertonte religiöse Lieder des Theologen, Librettisten und Textdichters **Heinrich Elmenhorst** (1632 - 1704), dem es gelang, vor allem mit seiner Streitschrift Dramatoligia von 1688 die Bedenken der Pietisten gegen die Oper in Hamburg auszuräumen. Daran schlossen sich das Morgen- und Abendlied des mit **Elmenhorst** befreundeten Lüneburger Organisten **Georg Böhm** (1661 - 1733) an, die direkt nichts mit der Oper zu tun haben.

Auf ein religiöses Reiselied **Francks** folgen zunächst eine Arie von **Keiser** aus ***Masagniello furioso*** und dann aus ***Heraclius.*** Das letztere *"Ich kenn ein hübsches Mädchen"*  wird auf der Barockgitarre begleitet.

Dann folgt mit **Johann Sigismund Kusser** (1660 - 1727) der interessanteste Zeitgenosse Keisers, ein wahrer kosmopolitischer Europäer, der u.a. auch in Dublin wirkte. Bei dem Vorläufer **Keisers** hört man in seiner Oper ***Erindo*** bereits viel französischen Einfluss. Zwischen dem französisch geprägten Menuett *Was bewegt dich* und der Branle devillage *O höchst gewünschte Lust* hat die Arie "*Zu euch muss ich wiederkommen"* sowohl liedhafte Elemente wie kunstvolle italienische Verzierungen und Stilelemente.

![Knut Schoch © Knut Schoch](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/12/knut-schoch-neu.jpg "Knut Schoch © Knut Schoch")

Knut Schoch © Knut Schoch

Hier kann **Knut Schoch** in ganz besonderem Maße sein hohes und vornehmes Stilbewußtsein für diese hochbarocke deutsche Arienkunst zeigen, die sich in einer sehr intelligenten Gestaltung äußert. Sein gepflegter und vornehmer, dabei durchaus kräftiger, leicht baritonal eingefärbter Tenor singt nicht nur sehr elegant im Legato auf der Linie des Atems sondern trifft auch den jeweiligen spezifischen Ton dieser kleinen Arienkunstwerke sehr genau. Dabei singt **Schoch** äußerst textverständlich. Langsam und vornehm zurückhaltend steigert er von Arie zu Arie seine äußerst geschmackvolle Verzierungskunst der Koloraturen und Triller. Hier singt zum Beispiel die weltberühmte amerikanische Mezzosopranistin und Händel-Preisträgerin 2018 **JoyceDiDonato** ihre ausgewählten, äußerst virtuosen **Keiser**\-Arien sehr viel stärker mit der Emphase der italienischen Opera seria.

Zu Höhepunkten dieses stilistisch äußerst abwechslungsreichen Hamburger Arien-programms gestalten **Knut Schoch** und **Thomas Ihlenfeldt** auf der *Chitarrone* dann die dramaturgisch geschickt an das Ende des Programms gesetzten Keiser-Arien der lustigen, dem *Arlecchino* der italienischen Stehgreifposse verwandten Figur aus ***Der geliebte Adonis.*** Damit hat **Keiser** wie später auf besonders geniale Weise **Georg Philipp Telemanns** eine mythologisch-historischen Opernstoffe für das zahlende Hamburger Bürgertum mit volksnahen Elementen aufgelockert. Dabei hat **Keiser** mit seinem kongenialen Textdichter sich oft auch moralisierend über die Hamburger Pfeffersäcke und die hohe Minne der italienischen *Opera seria* lustig gemacht.

In den Opernhäusern Italiens und den aristokratischen Hofopern außerhalb Frankreichs setzte sich nämlich damals um 1700 der ganz andere Typ der *Opera seria* oder des *Dramma per musica* durch, bei dem zur Auflockerung nur zwischen den Akten Intermezzi gespielt wurden. Im 17\. Jahrhundert überwog auch in Italien noch die in Hamburg wie auch damals in Leipzig oder Braunschweig üblich bleibende Mischform mit ernsten allegorisch-historischen Figuren und meistens als Dienstpersonal oder Exoten gezeichneten komischen oder halb ernsten Figuren.

***Der geliebte Adonis*** ist die erste erhaltene **Hamburger Oper** von **Reinhard Keiser.** Sie zeigt sogleich wie im Fall **Telemanns** ihre große Bühnentauglichkeit, die auch heute noch das Publikum unmittelbar anzusprechen, zu unterhalten und zu berühren vermag. So wie Bayreuth seine Richard-Wagner-Festspiele hat würde Hamburg ein Keiser-Telemann-Festival oder ein Gänsemarkt-Opernfestival gut zu Gesicht stehen.

![Grabstätte Georg Friedrich Händel in Westminster Abbey © IOCO ](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/12/georg-friedrich-haendelneuneu.jpg)

Grabstätte Georg Friedrich Händel in Westminster Abbey © IOCO

Auch **Georg Friedrich Händel** und der im 18\. Jahrhundert in ganz Europa angesehenste, in Hamburg-Bergedorf geborene Opernkomponist **Johann Adolph Hasse** (**Händel** und **Bach** waren außerhalb ihres engeren Wirkungskreises vor allem als Orgel- und Cembalo-Virtuosen bekannt) starteten ihre Karriere in Hamburg am Gänsemarkt.

**Hamburgs Oper** am Gänsemarkt war von 1678 bis 1738 das erste und wichtigste bürgerlich-städtische Theater im gesamten deutschen Sprachraum. Mit zweitausend Plätzen übertraf es alle zeitgenössischen Theaterräume. Die Menge der an diesem Hause wirkenden Opern-komponisten und Literaten ist innerhalb der Opernlandschaft Europas einzigartig.

In den beiden komisch-moralisierenden und frivolen Arien ***Ein Mädchen ist wie Wind*** und **Ein Mädchen und ein Orgelwerk** zeigt der Tenor **Knut Schoch** (Tenöre nahmen in der deutschen Oper den Platz der Kastraten in der damaligen italienischen Oper ein) noch mal abschließend dem dankbaren und aufmerksamen Publikum seine intelligente und tonschöne Kunst der komischen Gestaltung. Keiser appelliert daran, Mädchen wie Orgelwerke mit Bedacht zu bespielen. Das begeisterte Publikum erklatschte sich von beiden Künstlern als Zugabe nochmal eine Wiederholung des Abendliedes von **Georg Böhm *Nun will ich mich zu Bette legen.***

Es wäre zu wünschen, dass dieses vielfältige, stilistisch mannigfaltige Hamburger Barock-Arien-Programm von beiden Künstlern und Spezialisten der Hamburger Gänsemarkt-Oper auf CD eingespielt würde, so wie viele frühere Werke von **Keiser,** die auch in Teuchern aufgeführt wurden, als CD vorliegen.

**Kontakt:** **Reinhard-Keiser-Förderverein,* Vorsitzender *Bertram Adler* (Weißenfels).*

**Webadresse:   *http://www.reinhard-keiser-verein.de/start.htm*** 

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