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# Radebeul, 5. Musikfestival, H. Lee, A. Menzel, S. Maisky,L. Elchenbroich, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/radebeul-5-musikfestival-h-lee-a-menzel-s-maisky-l-elchenbroich-ioco/
- Published: 2026-08-23T20:09:01.000Z
- Updated: 2026-08-23T20:09:01.000Z
- Author: Thomas Thielemann
- Tags: Konzert & Liederabend

22\. August 2026

**Saison-Eröffnungskonzert des 5\. Musikfestivals Radebeul**

Das inzwischen zur Tradition entwickelte *Musikfestival Radebeul „Albrecht Menzel und Friends“* begann seine Saison 2026 mit erlesener Kammermusik am 22\. August 2026\. Die privat organisierte und ausschließlich mit Spenden und Ticketverkäufen finanzierte Konzertreihe nutzt aufgelassene und vor dem Verfall gerettete Industriedenkmale sowie Räumlichkeiten traditioneller Weingüter für seine Veranstaltungen.

Im Eröffnungskonzert spielten im Historischen Güterboden des Bahnhofs Radebeul-Ost junge, mit der *Anne-Sophie Mutter Stiftung* verbundene Musiker, Werke von **Dmitri Schostakowitsch** (1906-1975), **Alexander Borodin** (1833-1887) und **Anton Arensky** (1861-1906).

Schostakowitschs *Streichquartett Nr. 8 c-Moll op.110* ist während eines Arbeitsaufenthalts des Komponisten im Dresdner Umland im Jahre 1960 in Gohrisch entstanden. Fern von den Intrigen sowjetischer Kulturfunktionäre, in der entspannten Atmosphäre des Gästehauses der DDR-Regierung konnte der psychisch angeschlagene Dmitri in nur drei Tagen sein Streichquartett schreiben. Ursprünglich, entsprechend seines Arbeitsauftrags, die Begleitmusik eines Films über die Zerstörung des Barockstadt-Zentrums zu schaffen, widmete Schostakowitsch das c-Moll-Opus den Opfern von Krieg und Faschismus. Zunehmend schlichen sich Zitate aus früheren Werken in die Partitur und entwickelten das Streichquartett zu einem Rückblick auf sein Schaffen vergangener Jahre. Letztlich hatte er auch mit dem mehrfach auftretenden Motiv d-es-C-H die Komposition sich selbst gewidmet, sein eigenes Requiem vorgelegt.

Im Konzert interpretierten die Violinisten **Albrecht Menzel** und **Sascha Maisky** gemeinsam mit der Bratschistin **Hwayon Lee** sowie dem Cellisten **Leonard Elchenbroich** das viersätzige Werk mit einer verblüffenden rhythmischen Genauigkeit, Klarheit und Transparenz. Die vier Sätze wurden ohne Pause durchgespielt. Das *Largo* begann mit einer nachdrücklichen dunklen Grundstimmung, ohne martialisch zu wirken. Mit einer feinen Dynamik und klaren Phrasierung schloss sich das *Allegro molto* an, während begrenzte Klangfarben und sanfte Vibratos das Largo bestimmten. Das finale Largo brachte dann die zurückhaltende Auflösung. Die tiefgreifenden Auseinandersetzungen von Trauma und Erinnerungen boten dann nicht nur Musik, sondern auch eine psychologische Reise durch Erinnerungen an Leid und Trauer, gleichzeitig auch zu einer kühnen Wendung der Stärke.

Der Schöpfer des *Streichquartetts Nr.2 D-Dur* Alexander Borodin war als illegitimer Sohn des georgischen Fürsten **Luka Gedewanischwili** (1772-1840) und dessen n Mätresse **Awdoja Antonowa** in Oslo geboren worden. Den Gepflogenheiten der Zeit entsprechend, wurde der Säugling in der leibeigenen Pflegefamilie Borodin entsorgt. Erst im Alter von sieben Jahren kaufte der leibliche Vater den kleinen Alexander aus der Leibeigenschaft, ließ ihn von Privatlehrern zur Universitätsreife ausbilden und arrangierte für den Sohn ein Medizin- und Chemikerstudium an der Universität Petersburg. Um seine Kenntnisse und Fertigkeiten zu vervollkommnen, wurde der junge Doktor Alexander Borodin im Jahre 1859 nach Heidelberg geschickt. Als ihn bei einem Konzert im benachbarten Mannheim die Frühwerke Richard Wagners besonders beeindruckten, regte sich bei Borodin seine musikalische Begabung. Er begann, selbst zu komponieren. Aus Deutschland mit einer Heidelberger Ehefrau nach Petersburg zurück gekommen, freundete er sich mit dem Musiker **Milly Balakirev** (1837-1910) an, der ihm die Grundlagen der Harmonik vermittelte und in die Gruppe des mächtigsten Häufleins um **Modest Mussorgsky** (1839-1881) einführte.

*Das Streichquartett Nr. 2 D-Dur* hatte Borodin seiner Frau Jekaterina zum Hochzeitstag des Jahres 1881 gewidmet. Vermutlich hatte sich der Hobby-Cellist selbst dargestellt, während seine Frau von der ersten Violine verkörpert werden sollte. Das *Allegro moderato* der Radebeuler Konzertaufführung begann mit einer süßen, seufzenden Zwiesprache des Cellos mit der ersten Violine in fast schon plauderhaftem Ton. Albrecht Menzel und Leonhard Elchenbroich dominierten mit einer verführerischen Unterhaltung den ersten Satz. Sascha Masky und Hwayoon Lee blieben vor allem Zwischenrufe und einige Nebenthemen.

Nach einer verzögerten Einleitung des zweiten Satzes, interessanterweise das *Scherzo* des Werkes, wurden die reichen Themen des Kopfsatzes neu geordnet und aufgemuntert.

Der dritte Satz *Andante* ist wohl der bekannteste Teil des Streichquartetts. Ein unruhiger Mittelteil, gefolgt von einigen Modulationen unterbrach die friedvolle Stimmung eines Nocturnes. Nach diesem Mittelteil wurde das Haupthema in Form eines Kanons wiederholt, indem erst der Cellist zusammen mit der ersten Violine und in der Folge alle vier Musiker mit einer silbrigen Kette von Tönen den Satz abschlossen.

Das Finale begann mit einer Andante Einführung, als ob die Musiker unwillig seien, die Emotionen des dritten Satzes zu verlassen. Bald entstand aber ein flinkes *Vivace,* dessen lange Coda einen passenden Abschluss des Streichquartetts lieferte.

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Ensemble © Kathleen Nakoinz

Im dritten Konzertteil stand das Werk eines in unseren Sälen seltener gespielten Komponisten, obwohl Anton Arensky zu seiner Zeit als der begabteste russische Tonschöpfer galt. Zunächst Schüler von **Nikolai Rimski-Korsakow** (1844-1908) geriet er später in den Einfluss der sogenannten Westler um **Peter Tschaikowski** (1840-1893). Obwohl Arensky an Tuberkulose erkrankt war, pflegte er einen ziemlich ausschweifenden Lebensstil, so dass er bereits im Alter von 44 Jahren verstarb und folglich ein begrenztes, vorwiegend der Kammermusik zugehöriges Œuvre hinterließ. In den Salons Petersburgs galt sein Klaviertrio d-Moll op. 32 aus dem Jahre 1894 als das am häufigsten gespielte Stück.

Bereits mit dem ersten Satz *Allegro moderato* nahmen der Violinist Albrecht Menzel, der Cellist Leonard Elchenbroich und die Pianistin **Martina Consonni** ihr Publikum gefangen. Menzel eröffnete den Satz mit einer der schönsten Violinen-Melodie der Spätromantik. Über dem Klanggrund des Klaviers schwang sich sein Spiel mit einer reizvollen Zweideutigkeit in die Höhe. Vom Cello übernommen, steigerte sich die Melodie im Dialog der Streicher. Das Duett der Streicher wurde von wogendem Klavierspiel getragen, um den wehmütigen Charakter zu verstärken. Erst dann konnte Martina Consonnis ihre Varianten des schönen Hauptthemas vortragen und ins leidenschaftliche Fortissimo übergehen. Statt eines Höhepunktes der Streicher verdämmerten diese am Kopfsatzende unter der Wucht eines Rezitativs der Pianistin.

Nach diesem harten Brocken folgte das spritzig-virtuose S*cherzo*. Glockenartige Obertöne der Violine alternierten mit Piccikatos des Cellos und perlenden Klavierläufen. Elegia hatte der Komponist über das *Adagio* geschrieben, denn der Satz galt als Totenklage für einen vor kurzem verstorbenem Cellisten aus Arenskys Freundeskreis. Der Sinnhaftigkeit folgend, spielte Elschhenbroich das Thema mit Dämpfer und wurde von Martina Consommi im Rhythmus eines Trauermarsches begleitet. In der Folge warfen sich die Streicher das plastische Kopfmotiv zu, bis sich mit einer Klavier-Variante der Himmel öffnete, bevor der Trauerkondukt des Satzanfangs zurückkehrte.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2026/08/DSC00101-1.jpg)

Güterboden Bahnhof Radebeul-Ost, Ensemble, Publikum © Kathleen Nakoinz

Das *Allegro moderato*\-Finale begann als Polonaise mit auslagernden Gesten und wuchtigen Klavierakkorden, bis der Taumel des Tanzes abebbte und die Musiker Reminiszenzen der vorherigen Sätze hervorholten. Den Schluss lieferte noch einmal die Polonaise mit einer massiven Steigerung.

Das zweite Konzert des 5\. Radebeuler Musikfestvals wird am 26\. August unter dem Motto *47 Saiten* im Schloss Wackerbarth stattfinden. Das 3\. Konzert *Vier Jahreszeiten & Tango* nutzt am 30\. August die Maschinenhalle einer ehemaligen Fabrik für Kunststoffzerkleinerungs-Maschinen. Mit dem vierten Konzert am 2\. September werden im Schloss Hoflößnitz *Bach und der Teufel* gewürdigt. Dort stellt auch der Maler und Zeichner Christoph Wetzel Arbeiten unter *Dialoge und Kontraste* vor. Das *Große Finale der Festspiele 2026* wird am 5\. September gemeinsam mit der Elbphilharmonie Sachsen in einem ehemaligen Hochspannungsarmaturen-Werk, der jetzigen Oldtimerhalle *Quartier 27,* die Folge abschließen.