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# Paris, Théâtre du Châtelet, Hamlet/Phantome - B. Ubaldini - K. Serebrennikov, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/paris-theatre-du-chatelet-2/
- Published: 2025-10-20T20:22:52.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:54:31.000Z
- Author: Peter Michael Peters
- Tags: Aktuelles aus der Theaterwelt, Kritiken, Paris

Hamlet / Phantome von Blaise Ubaldini, Théâtre du Châtelet, Paris, 09.10.2025.

[ ](https://youtube.com/shorts/U3OKLhsS19Y?si=TD3nEvOd31V-MI1U&ref=ioco.de)

**09.10.2025**

***EIN FREIER UND ENTSCHIEDEN ZEITGENÖSSISCHER HAMLET…***

**Anormal zu sein bedeutet,** 
**Zweifel an den Gesetzen** 
**der Existenz zu haben. Er** 
**ist der unverschämte Typ,** 
**der daherkommt und sagt:**

**„Aber nein, das ist es nicht,** 
**das passiert anders“. Also** 
**verprügeln wir ihn, wir** 
**jagen ihn weg, wir** 
**verfluchen ihn.**

**Aber durch die Fragen, die** 
**er stellt, kann er vieles** 
**verändern. Und am Ende** 
**sagen die Leute: „Ja, da ist** 
**etwas, und wahrscheinlich** 
**hat er recht“.**

(**K. Serebrennikov: *Hamlet / Phantome***)

W E L T U R A U F F Ü H R U N G

***The Tragedy of Hamlet, Princes of Denmark*** (1603)

von **William Shakespeare** (1564-1616) ist vielleicht eines der berühmtesten Theaterstücke der Welt. Dieses Werk wirkt wie ein Meilenstein, wenn *„die Zeit aus den Fugen gerät“* oder *„die Vergangenheit Rache und die Zukunft eine Entscheidung* *fordert“*, wie **Kirill Serebrennikov** (\* 1969) es ausdrückt. Für diese Inszenierung im **Théâtre du Châtelet** hat der russische Regisseur und Produzent einen radikalen Ansatz gewählt: Von mehreren Schauspielern interpretiert, spaltet sich ***Hamlet***, vervielfältigt sich und deklamiert seinen Text in mehreren Sprachen (Englisch, Russisch, Deutsch und Französisch). **Shakespeares** Stück inspirierte **Serebrennikov** zu dieser Inszenierung, die **Hamlet** mit sich selbst, seiner Zeit und dem Publikum konfrontiert: *„*Hamlet* als Diagnose. *Hamlet* als Rhizom, *Hamlet* als Phobie, *Hamlet* als Erinnerung“*.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2025/10/4-.-Szenenfoto-Hamlet--Phantome-----Vahid-Ama-pour-Thomas-Amouroux.jpg)

Hamlet Phantome © Vahid Ama, Thomas Amouroux

***Hamlet / Phantome***  ist an das Musiktheater angepasst, d. h. mit einem performativen Regime, das Text und Musik in allen möglichen Kombinationen vermischt und wird vom **Ensemble** **Intercontemporain** unter der Leitung des französischen Dirigenten **Pierre Bleuse** (\*1977) im Wechsel mit der deutsch-iranischen Dirigentin **Yalda** **Zamani** (\*1988) begleitet. Das Orchester führt die Musik des französischen Komponisten **Blaise Ubaldini** (\*1979) auf, die für ein großes Ensemble von dreißig Musikern mit Schlagzeug und E-Bass, einem elektronischen Synthesizer und einem Vokaltrio konzipiert und komponiert wurde.

Der Event-Kreation im **Théâtre du Châtelet**: **Kirill Serebrennikov**, eine Schlüsselfigur der internationalen Kunstszene, signiert eine freie und entschieden zeitgenössische Neuinterpretation von **Shakespeares** Werk. Der russische Künstler greift den **Shakespeare**\-Mythos auf und bietet eine musikalische und vielsprachige Version, getragen von einer Originalkreation des Komponisten **Ubaldini**, die vom **Théâtre** **du Châtelet** für das **Ensemble Intercontemporain** in Auftrag gegeben wurde. Diese neue Version von **Shakespeares** Meisterwerk nimmt die Form eines Musiktheater in zehn Szenen an, in denen sich acht Schauspieler abwechselnd die Titelrolle teilen. Der Ukrainer **Filipp Avdeev**, der Schwedisch-amerikanische **Odin Lund Biron**, die Französin **Judith Chemla**, der Deutsche **August Diehl**, der Russe **Nikita Kukushkin**, der Tschechische Tänzer **Kristian Mensa**, die Georgische Multi-Künstlerin **Shalva Nikvashvilli** und der Franzose **Bertrand de** **Roffignac**: Sie alle sind ***Hamlet***, durch eine fragmentarische und vielstimmige Erzählung, die in vier Sprachen aufgeführt wird. Mit dieser Aufführung setzt **Serebrennikov** seine Erkundung des totalen Theaters fort, indem die Grenzen zwischen Text, Musik, Sprache und Identität verschwimmen, um einer sinnlichen, politischen und zutiefst menschlichen Erfahrung Platz zu machen.

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Odin Lund Boron und Kristian Mensa © Vahid Amanpour, Thomas Amouroux

**Serebrennikov** konfrontiert ***Hamlet*** mit sich selbst, seiner Zeit und dem Publikum: Er vervielfacht die Perspektiven, um die mörderischen Fehler des dänischen Hofes und den Wahnsinn seines Kronprinzen, Opfer und Organisator der Schrecken der Aufführung zu erforschen. Die blasse ***Ophelia***, der verbrecherische König, der Geist des Vaters, die verräterische Mutter, die unbeugsame Reinheit einer rachsüchtigen Klarheit, die vergeblich gegen die blendende Macht des Schicksals kämpft. Bei **Shakespeare** verschwört sich alles hoffnungslos, um nichts anderen als die Verwirklichung des Schicksals zu sein. **Serebrennikov**, ein Genie der Bühne, spottet über das Schicksal und schreibt seine Rolle neu!

***Eine hypnotische mentale Odyssee…***

***Hamlet*** kehrt zurück, aber anders als wir ihn kennen, **Serebrennikov** sprengt den Mythos: ***Hamlet*** spaltet sich in zwei Teile, spricht mehrere Sprachen, stellt sich selbst, seiner Zeit und unseren Geistern. Zwischen Theater und Konzert, Text und Live-Musik wird diese Tragödie zum Bühnen-Schwindel – ein zerrütteter, zeitgenössischer und elektrisierender ***Hamlet***.

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Nikita Kukushkin © Vahid Amanpour, Thomas Amouroux

Der Besuch einer **Serebrennikov** \- Aufführung ist an sich schon ein politischer Akt. Das ist einer der Hauptgründe, warum wir an diesem Abend hier im **Théâtre du Châtelet** sind. Der im Exil lebende russische Regisseur, ein erklärter **Wladimir** **Putin** (\*1952) - Gegner, macht keine Kunst um der Kunst willen. Und ***Hamlet / Phantome*** bildet da keine Ausnahme: Die Show trägt diese politische Dimension in jeder ihrer Szenenbilder.

***Hamlet / Phantome*** ist keine Inszenierung von **Shakespeares** Meisterwerk. Es ist eher eine Abhandlung, ein Abschweifen über die Figur des ***Hamlet***. Das Stück ist in Kapitel unterteilt, die jeweils eine andere Facette untersuchen: Den Vater, Liebe, Gewalt, Angst… Um es gleich vorweg zu nehmen: Man sollte sich das Stück am vornehmen, wenn man das Werk gut kennt. Wirklich gut! Stellenweise erinnert es an **Olivier Pys** Arbeit ***Hamlet*** ***à l’impératif*** vor einigen Jahren in den **Jardins Ceccano** beim **Festival d’Avignon** – derselbe Wunsch, das Theater durch ***Hamlet*** zu hinterfragen, anstatt seine Geschichte zu erzählen. Doch während **Py** das Publikum direkt zu den Möglichkeiten des Theaters befragte, geht **Serebrennikov** in Sachen Komplexität noch einen Schritt weiter: Er vervielfacht die Wege, Blickwinkel und Interpretationen bis zum Schwindelgefühl.

Der Vorteil von Gemälden besteht darin, dass manche uns mehr ansprechen als andere. Eine Ästhetik, ein Thema, ein Blickwinkel, ein Schauspieler – und plötzlich eröffnen sich uns neue Perspektiven auf ***Hamlet***. Hier nimmt der Prinz in seiner Beziehung zu seinem Vater sie Anmutung eines Horrorfilms an – verstörend zu sehen, wie die Figur diesen Codes verfällt. Dort ist es das großartig getanzte Tableau ***Hamlet / Phantome*** das uns im Gedächtnis bleibt, ein Moment, in dem Körper die Worte ersetzen. Weiter unten lässt uns das Tableau der Angst, das an **Joseph Stalin** (1878-1953) erinnert, erschaudern – mit einer erschreckenden und entschieden politischen Genauigkeit. Wir denken an **Dmitri Schostakowitsch** (1906-1975), **Antonin** **Artaud** (1896-1948), **Sarah Bernhardt** (1844-1923). Die Schau liefert Ausschnitte, verstreute Gedankenfetzen, in denen ***Hamlet*** mit Figuren des 20\. Jahrhunderts kommuniziert. Die Idee ist auch zu zeigen, inwieweit ***Hamlet*** zu einem Namen geworden ist, der über die Figur hinausgeht, zu einem Mythos, der sich endlos vervielfältigen lässt.

Es ist reichlich vorhanden – vielleicht sogar zu reichlich. Es werden so viele Ideen herumgeworfen, dass wir bereitwillig zugeben, dass wir an bestimmte Passagen das Interesse verlieren, die uns weniger ansprechen – und ganz unter uns, wer kann sich schon rühmen, ***Hamlet*** wirklich VERSTANDEN zu haben? Aber was die Aufmerksamkeit fesselt, ist diese imposante Szenografie – diese verlassene, von der Zeit zerfressene Wohnung wird zu ***Hamlets*** geistigem Raum – und vor allem bestimmte Schauspieler auf der Bühne, absolut faszinierend. Mehrere Darsteller verkörpern ***Hamlet*** und wechseln im Laufe der Aufführung die Sprachen – Englisch, Russisch, Deutsch, Französisch – getragen von der Live-Musik des **Ensemble Intercontemporain**, die die gesamte Aufführung begleitet. 

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2025/10/9.-Judith-Chemla----Vahid-Amanpour--Thomas-Amouroux.jpg)

Judith Chemla © Vahid Amanpour Thomas Amouroux

Diese Bilder, diese Intuitionen, diese Fragmente, die er uns vermittelt, nähren unsere eigene Vision von Hamlet und erweitern unsere mentale Bibliothek des dänischen Prinzen. Vielleicht rufen wir sie später wieder hervor, wenn wir das Stück noch einmal sehen, den Text noch einmal lesen. Und dann erscheint das letzte Bild! Erhaben! Wir gehen mit all diesen Eindrücken im Kopf nach Hause – Empfindungen, die unserer Meinung nach noch lange nachwirken werden, nachdem wir das Theater verlassen haben

***Zur Welturaufführung im Théâtre du Châtelet am 09\. Oktober 2025:***

***SHAKESPEARES im Schatten WAGNERS…***

***Das geniale Projekt HAMLET / PHANTOME des im Berliner Exil lebenden russischen Regisseurs SEREBRENNIKOV, das vom 7\. bis 19\. Oktober 2025 im THÉÂTRE DU CHÂTELET präsentiert wird, bietet in zehn Tableaus eine Meditation über die ebenso schützende wie unruhige Figur HAMLETS, des dänischen Prinzen, dessen Phantome die gesamte europäische, aber auch russische Theater- und Kulturtradition heimsucht. Auf Wunsch von PY – der SHAKESPEARES Stücke selbst bereits inszeniert hat – liefert der Regisseur ein Gesamtspektakel aus Musik, Video, Tanz und Text, der auf Französisch, Deutsch, Englisch und Russisch gesprochen wird. Denn während HAMLET / PHANTOME bei HAMLET mitschwingen und ihn sogar noch einmal mitschwingen lassen will, in der Hoffnung, im Echo ein nie zuvor gesungenes Lied zu finden, wird das Musikstück von einem anderen – komplexen und mehrdeutigen – Phantom der europäischen Kultur heimgesucht: RICHARD WAGNER*** (1813-1883)***…***

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2025/10/10.-Hamlet--Phantome----Vahid-Amanpour-Thomas-Amouroux.jpg)

Hamlet Phantome © Vahid Amanpour, Thomas Amouroux

Wenn sich der imposante Vorhang des **Théâtre du Châtelet** hebt, präsentiert die Bühne das heruntergekommene Innere einer bürgerlichen Wohnung. Die hohen Mauern und ihre Stuckarbeiten aus einer anderen Zeit umgeben im Garten von große Fenstern, durch die kein Lichtstrahl mit seiner Wärme und seinem Versprechen von „Morgen“ dringen kann. Auf der Bühne ist das Licht weiß, fast wie in einem Operationssaal. Der imposante Spiegel über dem Marmorkamin ist noch mit alten und feinen verhedderten Laken bedeckt. Zwei Schauspieler betreten die Bühne durch die Doppeltür an der Rückseite. Einer von ihnen, der entzückende **Odin Lund Biron**, schiebt eine Schubkarre voller Totenköpfe, jenes Totemobjekt, dessen bloße Anwesenheit auf der Bühne sofort an die Figur ***Hamlets*** erinnert und mit ihm an die Überreste von ***Yorick***, dem Hofnarren des Königs und auch der Vater von ***Hamlet***, der im fünften Akt des Stücks vom Prinzen von Dänemark manipuliert wird. Der andere, **Bertrand de Roffignac**, kniet schnell nieder um all das Blut zu erbrechen, das er vergossen hat. Es ist Prinz ***Hamlet***, der durch die rachsüchtige Aufforderung seines Vaters ebenso vernichtet wie auch enthüllt wurde. Von Anfang an wird dem Zuschauer die Methode der Aufführung angedeutet! Da es sich aber weigert, der Chronologie und Dramaturgie des Originalstücks zu folgen, wird es bei ***Hamlet / Phantome*** nicht darum gehen, das ebenso emblematisch wie mysteriöse Stück - oder sogar emblematisch, weil es darum geht, die – als geheimnisvolle – Seite **Shakespeares** zu betrachten, sondern vielmehr zu hinterfragen, was die Figur ***Hamlet*** in ihren Themen, Einsätzen und metaphysischen und sozialen Fragen zu einem – manchmal verdorbenen und stinkenden - Nährboden der europäischen und sogar russischen Kultur macht. Das Stück wird keine neue Hagiographie des Genies **Shakespeare** sein und schon gar keine naive Ode an das Theater.

***Hamlet im Kaleidoskop…***

Die zehn Tableaus folgen mit seltener Geschmeidigkeit aufeinander und unterstreichen die extreme Harmonie zwischen der Inszenierung und Dramaturgie von **Serebrennikov** und der von **Ubaldini** im Auftrag des **Théâtre du Châtelet** geschaffenen Musik. ***Hamlets „*Phantome“** folgen einander, wandelbar und bewohnt, um ihre Wahrheit zu brüllen, ihren Schmerz zu verkünden, das Bild von Épinal in Bewegung zu setzen, das an ihrer Haut klebt und sie für immer in eine zweite Haut hüllt, die sie kratzt und reizt wie ein unangenehmer Juckreiz. Sprachen verschmelzen, Wahrheiten prallen aufeinander, Stimmen überlagern sich, Worte vermischen sich mit dem Stimmentrio der Solisten des E**nsemble** I**ntercontemporain**, das heute Abend von **Bleuse** dirigiert wird.

***Hamlets*** Gestalt wird pulverisiert! Jedes Stück seiner Überreste wird auf einem kunstvollen Seziertisch gelegt, wo alle künstlerischen Werkzeuge zum Einsatz kommen, um die Unsterblichkeit seiner Seele in der europäischen Kultur zu beleuchten. **Serebrennikov** projiziert live auf der Bühne gefilmte Bilder auf die hohen Wände und schafft so ein Gesamtkunstwerk nach dem Vorbild der von **Wagner** in Bayreuth erdachten Form. Er ist ein Künstler mit einem besonderen Gespür für **Wagners** Werke, die er bereits mehrfach inszeniert hat. ***Parsifal, WW 111*** (1882) 2021 an der **Staatsoper Wien** und ***Lohengrin, WWV 75*** (1850) 2023 an der **Opéra National de Paris**. Die Bilder von **Serebrennikov** halten die besonders eindrucksvollen Darbietungen der Schauspieler **Bertrand de Roffignac** und **August Diehl** fest. Die Arbeit am Blick und an den subtilen Variationen eines in Schuldgefühl versinkenden ***Hamlets***, der sich stehts an der Grenze zwischen Genuss und Verzweiflung befindet, wird in einem Schwarzweißbild vervielfacht, in dem das Rot des Blutes aufgehoben wird, wodurch der Speichel des Prinzen zu einem zähflüssigen Schlamm, einer fauligen und eitrigen Erde wird und die Begriffe Abstammung, Weitergabe, Tradition, Heimat und Patriarchat in Frage gestellt werden.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2025/10/7.-August-Diehl----Vahid-Amanpour--Thomas-Amouroux-1.jpg)

August Diehl © Vahid Amanpour, Thomas Amouroux

Der Deutsche **August Diehl**, dessen viele Erfahrungen im Kino ihm eine scharfe Intelligenz und ein Verständnis für die Kamera verliehen haben – von **Quentin** **Tarantinos** (\*1962) ***Inglourious Basterds*** (2009) bis zu **Lars Kraumes** (\*1973) Fernsehserie ***Bauhaus - Die neue Zeit*** (2019), die auf **Arte** ausgestrahlt wird, unter anderem auch **Raoul Pecks** (\*1953) ***Der*** ***junge Karl Marx*** (2017) und ***Das Verschwinden von Josef Mengele*** \[1911-1979\] (2025) von demselben **Serebrennikov**, der am 22\. Oktober in die französischen Kinos kommt -, selbst vom Ödipuskomplex eines Schauspielervaters befallen, liefert er eine bemerkenswerte Bandbreite an schauspielerischen Leistungen: Zwischen einem **Hamlet**, der von seinem Vater heimgesucht wird, dessen Erbe ein Hindernis darstellt – was er formuliert, wenn er sich wie ein Besessener fragt: *„Was ist denn los mit den Vätern?“* – und einem **Artaud**, Avatar von ***Hamlet***, der seine Theorie des Theaters der Grausamkeit entwickelt und von einem echten Wahnsinn bewohnt wird, der den von ***Hamlet*** in Frage stellt und ihn zu einem vorgetäuschten Wahnsinn und dem gesamten Theater macht, spielt **Diehl** mit der Kamera wie mit einem Spiegel, den er reflektiert auf jedem Zentimeter seiner Haut.

Die Kamera wird durch den riesigen Spiegel, den **Judith Chemla** bedient, präzise ergänzt. Sie porträtiert **Bernhardt**, die erste Frau, die die Figur des ***Hamlet*** im Theater verkörperte. Die Schauspielerin und Sängerin, die einzige Frau auf der Bühne, verleiht den Frauen ihre Stimme und unterstreicht die Exzesse des genialen Künstlers, indem sie ***Hamlet*** in seiner Schöpfung verankert…

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## Setzt man bei Serebrennikovs vielsprachiger Hamlet-Inszenierung gute Kenntnis des Originals voraus?

Ja, man sollte sich das Stück nur vornehmen, wenn man Shakespeares Werk wirklich gut kennt, da die Inszenierung die Figur fragmentarisch erforscht statt erzählt.