> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.ioco.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Paris, Théâtre des Champs-Élysées, L`OLIMPIADE - Antonio Vivaldi, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/paris-theatre-des-champs-elysees-olimpiade-vivaldi/
- Published: 2024-06-30T19:14:01.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:54:25.000Z
- Description: PARIS: Die Oper L’Olimpiade von Antonio Vivaldi wurde am 17. Februar 1734 im Sant’Angelo-Theatro in Venedig uraufgeführt. Erste Wiederaufnahme in der Neuzeit am 19. September 1939 während der Sienesischen Musikwochen durch Alfredo Casella in einer Neufassung von Virgilio Mortari .....
- Author: Peter Michael Peters
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Operette, Paris

L'Olimpiade von Antonio Vivaldi, Théâtre des Champs-Élysées, Paris, 30.06.2024.

***L’OLIMPIADE,* RV 725 (1734) - Antonio Vivaldi,** Opera Seria in drei Akten, Libretto von **Pietro Metastasio**.

## ***DIE SPORTIVEN GÖTTER DES OLYMPS…***

***Sta piangendo la tortorella***

***sinché vedova e smarrita;***

***ma se torna il suo diletto,***

***dolce canta, e si consola.***

***Ma per me che non v’è speme,***

***viver sempre dovrò in pene***

***sventurata, afflitta, e sola.*** (Arie der ***Aristea*** / 1\. Akt / 11\. Szene)

Die Oper Seria ***L’Olimpiade*** von **Antonio Vivaldi** (1678-1741) wurde am 17\. Februar 1734 im **Sant’Angelo-Theatro** in Venedig uraufgeführt. Erste Wiederaufnahme in der Neuzeit am 19\. September 1939 während der Sienesischen Musikwochen durch **Alfredo Casella** (1883-1947) in einer Neufassung von **Virgilio** **Mortari** (1902-1993). ***L’Olimpiade*** entstand nach einem Libretto von **Pietro Metastasio** (1698-1782) nach **Herodot** (484- 425 v. J.C.).

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/06/vivaldi-denkmal-neuneu.jpg)

****VIVALDI - Denkmal in Wien** @ IOCO

Es war sofort ein gewaltiger durchschlagender Erfolg! Die Intrige spielt sich auf den Champs-Elysées in der Nähe der Stadt Olympia in Griechenland ab. ***Clistene***, ***König von Sikyone***, verspricht seiner Tochter ***Aristea*** die Heirat mit dem Gewinner der Olympischen Spiele. Der vermeintliche kretische ***Prinz*** ***Licida***, der in ***Aristea*** verliebt ist, bittet seinen besten Freund, den Athleten ***Megacle***, in seinem Namen anzutreten, weil er sich seines Sieges nicht sicher ist. Von ***Aristea*** heimlich geliebt, ignoriert ***Mecacle*** den Wettbewerbspreis, nimmt an und gewinnt die Spiele. Der junge Held opfert seine Liebe, erzählt ***Aristea*** von der List und beschliesst, sie für immer zu verlassen. Nach vielen dramatischen Wendungen hat ***Licida*** seinem Freund vergeben und ***Aristea*** heiratet ***Megacle***. Es handelt sich unweigerlich um eine der schönsten Opern-Kompositionen von **Vivaldi**. Die ständig erneuerte musikalische Handschrift versteht es, die große Vielfalt dramatischer Situationen mit Freude zu nutzen. Die Arien, die mit den intimen seelischen Gefühlen der verschiedenen Charaktere verbunden sind, haben großartige wunderbar vertonte Melodien in einem äußerst reichen musikalischen Stil voller prächtiger Farben.

***Die Medaillen der Liebe…***

Im 18\. Jahrhundert wurde die Erinnerung an die **Olympischen Spiele** nur in den Literatur-Akademien gepflegt. Wenn es Spiele gab, dann waren es rhetorische Turniere, die alle vier Jahre gefeiert wurden. **Pietro Trapassi**, besser bekannt unter seinem poetischen Pseudonym **Metastasio**, schrieb ***L’Olimpiade*** zum Geburtstag der österreichischen **Kaiserin Elisabeth-Christine** (1691-1750), die Gemahlin von **Kaiser Karl VI.** (1685-1740). Das Thema? In Olympia, ein König wird die Hand seiner Tochter dem Helden verleihen, der ihn am meisten verdient. Um dies zu erreichen, werden zwei Paare auseinanderbrechen, sich gegenseitig zerstören und um dann besser zueinander zu finden. Amouröse Emotionen, männliche Freundschaften und wie es die Herrschaft der Kastraten verlangt, völlige Geschlechter-Verschmelzung. So viele Gründe erklären den Erfolg eines Librettos, das von rund sechzig Komponisten übernommen wurde und einen absoluten Rekord in der Lyrik-Geschichte aufstellte!

TRAILER / L'Olimpiade von Antonio Vivaldi - youtube [Théâtre des Champs-Elysées](https://www.youtube.com/@TCEOPERA?ref=ioco.de)

***Auf dem Anwesen der Favorita…***

***L‘Olympiade*** ist wie die Begegnung zwischen ***Cosi fan tutte*** (1790) von **Wolfgang Amadeus Mozart** (1756-1791) und ***Castor et Pollux*** (1737) von **Philippe Rameau** (1683-1764). Die erste Version wurde im August 1733 auf dem Anwesen **La Favorita** aufgeführt. **Antonio Caldera** (1670-1736) signierte die Musik! In dieser schicken Landschaft in der Nähe von Wien hatte man es sehr genossen.

Bevor sich der Vorhang hebt, ist es sinnvoll, das Prequel bis zum zweiten Teil der *Opera seria* zu entschlüsseln. Der ***König*** ***Clistene***, Vater von Zwillingen unterschiedlichen Geschlechts, ***Philinthe*** und ***Aristea***, wurde vom Orakel von Delphi gewarnt, dass sein Sohn geopfert werden muss. So setzt er seinen Sohn ***Philinthe*** dem Schicksal aus, doch dieser kann alle diese Obstakel überwinden. Ihrerseits erlebt ***Aristea***, nachdem sie heiratsfähig geworden ist, eine unmögliche Liebe mit dem Athener ***Megacle***. Dieser flieht nach Kreta, wo er von ***Licida***, kein anderer denn der verlorene ***Philinthe***, gerettet wird. Zwischen den beiden jungen Männern entwickelt sich bald eine männliche Freundschaft.

***Licida*** wiederum erlebt eine unerträgliche Leidenschaft für ***Argene***, die sein Vater, der König von Kreta ihm verweigert. Seine Geliebte floh verzweifelt nach Griechenland! Unsere Helden versuchen, ihr Unglück bei den **Olympischen Spielen** unter dem Vorsitz von ***König*** ***Clistene*** zu vergessen. Der Preis, den der Gewinner erhält, ist kein anderer als ***Aristea***. ***Licida***, der seine erste Liebe vergessen hat, verliebt sich in sie! Da es ***Licida*** an körperlichen Fähigkeiten mangelt, erfindet er eine List, um sie doch zu erobern. Er erinnert sich daran, dass ***Megacle*** ein herausragender Sportler ist, weiß aber nichts von dessen früheren Liebe zu ***Aristea*** und lässt ihn unter dem falschen Namen ***Licida*** kämpfen. Im Zeichen dieser Missverständnisse beginnt die Oper.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/06/thumbnail1.jpg)

***L\`OLIMPIADE** \- Szenenphoto L'Olimpiade @ Vincent Pontet

***Verdoppeln oder nichts…***

**Caldara** hatte den ersten Schlag mit seiner versetzt, **Vivaldi** übernahm im darauffolgenden Jahr mit einer neuen Oper Revanche. Für den *„Priester Roux“*, der seine lyrische Karriere spät, mit ***Ottone in Villa*** (1713) begonnen hatte, war es ein Doppel oder nichts. Im Jahr 1734 war seine Situation in Venedig nicht gerade ideal, obwohl er auf dem Höhepunkt seines Erfolgs stand. **Vivaldi** hatte gerade drei Spielzeiten hintereinander für die römischen Theater geschaffen, die das Publikum begeisterte. Selbst **Kaiser Karl VI.** besuchte ihn, er wurde auch trotz notorischer kirchlicher Disziplinlosigkeit vom Papst empfangen.

Doch eine neue Generation von Komponisten trat hinter ihm her. Seit 1723 waren **Metastasio** und die Neapolitaner: **Leonardo** **Vinci** (1690-1730), **Leonardo** **Leo** (1694-1744), **Johann Adolf** **Hasse** (1699-1783) die neuen Meister des Geschmacks. **Vivaldi**, dem es nicht an Feinden mangelte, lebte praktisch als *persona non grata* und hatte völliges Spielverbot im **Teatro** **San** **Giovanni Grisostomo**, dem größten und opulentesten Theater in Venedig. Da von seiner als altmodisch geltenden Feder nichts verlangt wurde, musste sein kämpferisches Genie die Waffen seiner Gegner zu seinem Vorteil nutzen. Das **Teatro Sant’Angelo**, war nicht so berühmt wie die großen Säle der Aristokratie, aber der Ort verfügte über eine sehr renommierte Bühnen-Maschinerie und auch eine komfortable Bühnenraum-Kapazität. Heute nicht mehr vorhanden, hatte das Theater in der Person von **Vivaldi** vor allem einen emeritierten Impresario, Komponisten und Dirigenten. ***L’Olimpiade*** hatte den Spieß umgedreht und sein theatralisches und melodisches Genie hatte einen einmaligen Erfolg zu verzeichnen.

***Ein Vivaldischer Gipfel…***

Nach einem Anfang, der Anleihen beim **Konzert für Violine in C-Moll, RV 177** (1734) nimmt, explodiert gewisser-maßen die melodische Leichtigkeit in jeder Arie. Von der glorreichen Arie: *„Superbo di me stesso“*, die ***Megacle*** einleitet, sind noch viele andere Arien, die wiederum die Wut von ***Licida***, die Qualen der treuen ***Argene*** und das Zögern von ***Clistene*** charakterisieren. Besonders sollte man auf die mit großer spektakulären Vielfalt und Virtuosität erfüllten, schwindelerregenden Arie der **Aminta** : *„Siam navi all’onde“* hinweisen.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/06/thumbnail2-1.jpg)

L \`OLIMPIADE - Szenenphoto mit Marina Viotti (Megacle) und Jakub Jozef Orlinski (Licida) @ Vincent Pontet

Die Figur wurde von **Marianino Nicolini** (1702-1735) gespielt, einem von **Vivaldi** aufgestöberten Sopran-Kastraten. **Charles de Brosses** (1709-1777), der ihn in Rom gehört hatte, bemerkte über ihn: *„* **Marianino** *, 1,80 Meter groß, spielt eine Frauenrolle im* **Theatro Argentina** *: Er ist die größte Prinzessin, die ich je sehen konnte in meinen Tagen“*. Ein zweiter Kastrat, **Francesco Bilancioni** (1712-1755) interpretierte ***Megacle***. Zwei Altistinnen, **Marta Arrigoni** (1705-1762) und **Anna Caterina Della Parte** (1699-1769) traten als ***Argene*** und ***Aristea*** auf. Ein Tenor **Marc’Antonio Mareschi** (1712-1764) und ein Bass **Massimilliano Miller** (1695-1767) vervollständigten die Besetzung. Für **Mareschi**, der ***Clistene*** verkörperte, komponierte **Vivaldi** den reptilienartigen Wirbelwinde der treibenden Kraft in der Arie: *„Qual serpe tortuosa“*. **Alcandro**, bestimmt für die Bass-Stimme, war mit seiner wahnsinnig schnellen Arie: *„Se tu sprezzar pretendi“* äußerst zufrieden.

Wenn **Vivaldi** ein Blasinstrument herbeiruft, wird das zu einem atemberaubenden *„Coup de Théâtre“*, wie zum Beispiel der Einsatz des Horns in *„Mentre dormi, amor fomenti“*, einer üppigen Schlaf-Melodie, die von ***Licida*** intoniert wird. Der Hornist vom **Teatro Sant’Angelo** wurde erneut hervorgehoben in der Arie: *„Sta piangendo la tortorella“*. Wir scheinen bereits beim Umblättern bestimmter Saiten mit Horn den ***Mitridate*** (1770) von **Mozart** zu hören.

In diesen Momenten träumerischer Schwebe stellt der Komponist beeindruckende Saiten gegenüber, wie die berühmte Arie: *„Gemo in punto e fremo“*, dessen gequälter Rahmen reine Angst darstellt. Die äußerst verführende Saite wurde daher in den Opern ***Adelaide, RV 695*** (1735) und **Farnace, RV 711** (1727) wiederverwendet. Die Inspiration gipfelt in dem Duett: *„Ne giorno tuoi felice“* am Ende des 1\. Akts mit einem intensiven und berauschenden Austausch zwischen ***Aristea*** et ***Megacle***. Die Prägnanz der Melodien und ihre wohlüberlegte Abfolge führen zu einer Handlung, die keine Pause zu lässt und nur von Überraschungen kurz unterbrochen wird, wie von **Megacles** unwiderstehlichem *„Schlager“*, die Arie: *„Lo seguitai felice“*. **Vivaldi** sowie auch **Metastasio** wussten beide sehr genau, was Musiktheater bedeutet! Im folgenden Jahr entzündete **Giovanni Battista Draghi** **Pergolesi** (1710-1736) die Flamme von ***L’Olimpiade*** (1735) im **Teatro Tordinona** in Rom. Im Jahr 1817 war **Gaetano** **Donizetti** (1797-1848) wohl der letzte, der dieses wohl meist verwendete Best-seller-Libretto in der Musikgeschichte noch einmal verwand. Somit integrierte er sich in die lange Reihe berühmter ***L’Olimpiade***\-Komponisten ein: **Hasse**, **Domenico** **Cimarosa** (1749-1801), **Josef** **Myslivecek** (1737-1781), **Baldassare** **Galuppi** (1706-1785), **Luigi Cherubini** (1760-1842)…

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/06/thumbnail3-1.jpg)

L \`OLIMPIADE - Szenenphoto mit Caterina Piva (Aristea), Luigi De Donato (Clistene), Delphine Galou (Argene) @ Vincent Pontet

Für **Vivaldi** reichte der große Erfolg seiner ***Olimpiade*** aus, damit die **Grimanis**, der Clan der Pratrizier, denen das **Teatro San Grisostomo** gehörte, beim gestern noch brüskierten *„Priester Roux“* seine Oper ***Griselda, RV 718*** (1735) bestellen konnten. Aber sie wird nur im **Teatro San Samuele**, ihrem zweiten Theater gegeben, weniger prestigeträchtig… Wenn die venezianische VIP-Tür für ihn aufgeschlossen war, blieb sie aber nur angelehnt! Auf dem Plakat des **Teatro San Grisostomo** erscheint 1738 eine ***Olimpiade***, aber es war ein sogenannter Potpourri verschiedener Arien und Szenen, mit der Musik von **Vivaldi** und natürlich anderen Komponisten wie **Pergolesi**, **Hasse** und **Nicolo** **Porpora** (1686-1768).

Um sein Theater weiterhin zu füllen, war **Vivaldi** bis 1739 nur auf seine eigenen Mittel angewiesen. Anschließend wird er das **Teatro San’Angelo** verlassen, überzeugt davon, nach Wien zurückkehren zu können, wo ihm sein Ruf vorausgeeilt war. Doch die grosse Erschöpfung durch ein zunehmend schweres Asthma und das Verschwinden von **Karl VI. von Habsburg**, dem musikbegeisterten Kaiser, der die erste **Olimpiade** in Auftrag gegeben hatte, gaben ihm keine Gelegenheit mehr dazu. Der *„Priester Roux“* starb am 28\. Juli 1741.

***L’Olimpiade*** war ein Werk von großer Dichte und musikalischer Qualität., das denen von ***Tito Manlio, RV 738*** (1719) und ***Arsilda, Regina di Ponto, RV 700*** (1716) ebenwürdig war und auch die erste seiner Opern, die im 20\. Jahrhundert wieder entdeckt wurde. **Casella** organisierte ihre Auferstehung im Jahre 1939 an der **Accademia Chiggiano** in Siena. **Vivaldi** wird schließlich die Goldmedaille für einen Erfolg gewinnen, der zu seinen Lebzeiten für ihn nie von Dauer war!

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/06/thumbnail4.jpg)

L\`OLIMPIADE 7 - Szenenphoto mit Jakub Jozef Orlinski (Licida), Tänzer und Akrobaten @ Vincent Pontet

## ***L\`OLIMPIADE - Aufführung 23\. Juni 2024 - Théâtre des Champs-Élysées, Paris***

***Vivaldi entfacht das olympische Feuer auf den Champs-Élysées…***

Einen Monat vor den **Olympischen Spielen** steht Paris kurz vor einem Nervenzusammbruch! **Place de** **l’Alma**, hat der Verkehr hat seinen Sättigungspunkt erreicht. Die Busse, Autos, Roller und Fahrräder weigern sich gemeinsam: Voranzukommen! Unterirdisch befördert die U-Bahn keine Gäste mehr. Es ist besser, darüber zu lachen, um nicht weinen zu können. Dies ist der richtige Moment für ***L’Olimpiade*** von **Vivaldi,** um mit einer neuen Produktion des französischen Regisseurs **Emmanuel Daumas** im **Théâtre** **des Champs-Elysées** die laufende Saison zu beenden. Die Arbeit ist leicht unverständlich und sehr verwirrend, zumindest vom Titel aus, denn das Libretto thematisiert nicht nur sportliche Wettkämpfe, sondern auch ein verzwicktes Abenteuer mit vielen Themen von Ehre, Liebe, Freundschaft und Eifersucht.

***Licida***, verliebt in die ***Prinzessin*** ***Aristea***, bittet seinen Freund ***Megacle***, sich seine Identität auszuleihen, um an den Spielen teilzunehmen und die Hand der Geliebten zu gewinnen. Die Handlung gerät durcheinander, als ***Megacle*** erkennt, dass **Aristea** niemand anderes ist als seine ehemalige Geliebte, die er einst aufgeben musste. Was folgt, ist eine Reihe von Missverständnissen und dramatischen Konfrontationen, die sich in einem virtuosen Festival von *Da-Capo-Arien* ohne weitere formale Erkenntnisse verwickeln und verwirren wird bis zur unendlichen Unkenntlichkeit. Wenige Ensembles… ein einziges Duett… wenige begleitente Rezitative.

Die Geschichte beginnt in einer Turnhalle, in der das Training der Athleten zum Vorwand für zahlreiche Gags und akrobatische Kunststücke werden wird **\[sic\]**. Sobald wir die Saite der **Olympischen Spiele** umblättern, nimmt sie mehr oder weniger äußerst ernste Ausmaße an! Die im 1\. Teil allgegenwärtigen fünf Tänzer und ein sehr talentierter Akrobat, der Franzose **Quentin Signori**, verschwinden gottseidank zugunsten der Musik von **Vivaldi**. Der französische Dirigent **Jean-Christophe Spinosi** gibt seine barocke Suche nach Brüchen und Kontrasten – barock, weil sie bizarr, verwirrend und in diesem Sinne theatralisch ist – auf, um die eventuellen Ausdrucksmöglichkeiten seines **Matheus-Ensembles** und dem Chor der l’**Académie Haendel Hendrix** optimal zu nutzen. Der Dirigent ist als sogenannter großer **Vivaldi**\-Kenner bekannt, hat uns auf der ganzen Linie enttäuscht! Die vielen schrillen Schreie, Lautmalereien und anderen Borborygmen, die den phantastischen Wogen der Arien störten, werden jetzt etwas diskreter! Die Abfolge der Nummern im Stil eines Varietés lässt kaum Raum für die vom Drama geforderte Kontinuität. Die Bühnengrenze zwischen **Metastasios** ***Elida*** und dem Griechenland von **Jacques Offenbach** (1819-1880) war bislang mäßig fließend und ermüdend. Vielleicht können wir aber doch noch einige Emotionen an der Oberfläche verspüren?

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/06/thumbnail5-1.jpg)

***L\`OLIMPIADE** \- Szenenphoto mit Jakub Jozef Orlinski (Licida) und Marina Viotti (Megacle) @ Vincent Pontet

Nicht, dass in diesem 1\. Teil alles künstlich wäre – nichts stört die zarten Schwankungen der Schlaf-Arie, das prächtige *„Mentre dormi, amor fomenti“* oder die luftige Arie als schaukelnde Trapez-Nummer *„Sta piangendo la* *tortorella“*, die ***Aristea*** im zweiten Teil begleitet. Der Akt ist von schönster poetischer Wirkung – doch einem Werk wie ***L’Olimpiade*** aus komischer Sicht zu begegnen, grenzt doch an großem tölpischen und Guignol-haften Widersprüchen **\[sic\]**! Denn es ist auf keinen Fall eine „*Opéra bouffe“* à la **Offenbach**! Für alle diese hirnverbrannten Hindernisse können wir uns bei den Herren **Spinosi** und **Daumas** bedanken! Gleichzeitig auch für die hässliche beschreibbare Szenendekoration des französischen Bühnenbildner **Alban Ho Van** und die geschmacklosen Kostümen der französischen Kostümbildnerin **Marie La Roche**.

Es vernachlässigt auch den Teil des schönen Gesangs, der mit einer unter neapolitanischem Einfluss geschriebenen Partitur vereinbar ist. *„Wir sind immer so hartnäckig gegenüber* **Carlo Maria Michelangelo** **Nicola Broschi** *, genannt* **Farinelli**(1705-1782), *dass wir, wenn die Türken im Golf wären, sie ihn friedlich von Bord gehen lassen würden, um nicht auf zwei seiner Arien zu* *verzichten“*, schrieb ***Abbé*** **Antonio Schinella Conti** (1677-1749) und bezeugte damit die Begeisterung der damaligen Venezianer für die *„Divi“* (Kastraten) und auch im allgemeinen für den musikalischen *„Tauchgang“* dieser Oper.

Dieser triumphale Belcanto-Stil wird in der Stimme der schweizerischen Mezzo-Sopranisten **Marina** **Viotti** wirklich verkörpert, die sich auch hervorragend für alle anderen Repertoires eignet, vorgestern die ***La Périchole*** (1868) von **Offenbach** *,*gestern ***La*** ***Cenerentola*** (1817) von **Gioachino Rossini** (1792-1868) und übermorgen ***Carmen*** (1875) von **Georges Bizet** (1838-1875) und das auf derselben **Prato-Elysée-Bühne**, heute **Megacle** mit einem enormen Athleten-Körperbau im Michelin-Männchen-Kostüm-Stil. Niemand ist besser als sie darin, die melodischen Kurven mit einer zusammenhängenden Linie nachzuzeichnen, die Wiederholungen zu variieren, Nuancen zu nutzen, um einem verwundeten jungen Prinzen Substanz zu verleihen: Der zwischen Liebe und Freundschaft hin und hergerissen wird! Und dessen Leiden in einer einfühlsamen Arie: *„Se cerca ce dice“* mehr als zum Ausdruck kommt, bevor er sich im 3\. Akt den nostalgisch angehauchten Lautäußerungen von *„Lo seguitai felice“* widmet. Und wie wäre es mit einem einmaligen Cocktail mit dem Geschmack eines jungen Bordeaux-Weins, bei dem sich Noten von schwarzer Schokolade und tröpfelndes Kirschwasser vermischen? Ein geschmackvoller Cocktail verglichen mit einer köstlichen vollmundigen Stimme! Warum auch nicht? Diese Stimme ist Gold wert! ***Brava Marina!***

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/06/thumbnail6.jpg)

***L\`OLIMPIADE** \- Szenenapplaus L'Olimpiade mit Jean-Christophe Spinosi, Dirigent, Solisten, Chor, Tänzer, Akrobaten @ Peter Michael Peters

Der sogenannte Gott des Stadiums bleibt jedoch der polnische Countertenor **Jakub Jozef Orlinski**. Seine Persönlichkeit prägte die sportliche Dimension der Show. Der im Privatleben mehr als talentierte Breakdancer mit seinem schönen weißen muskulösen Body hat den Opern-Sänger auf keinen Fall zu beneiden! Das springende und feurige in der Arie: *„Gemo in punto e fremo“* am Ende des 2\. Akts erinnert an den legendären **Michael Jackson** (1958-2009) während seiner ***Thriller*** (1982) Periode. Reicht das aber für den launischen ***Licida***, der mit einigen der schönsten Arien der Partitur von **Vivaldi** gesegnet ist? Ja, gemessen an der Begeisterung des Publikums, vorausgesetzt, dass es Muskelkraft statt Musikalität, schrille schreiende Töne statt guter Gesangstechnik schätzt und auch diese unschönen violetten Farbtöne, die seine Stimme fast immer in den hohen Lagen annimmt, die aber am häufigsten in einem lautem unangenehmen Geschrei enden **\[sic\]**!

Von einer Lehrerin oder Gouvernante, die zu einer Art verstörender oder sogar zerstörender Zauberin geworden ist, liefert ***Aminta***, die der französischen Sopranistin **Ana Maria Labin** anvertraut wurde, auch eine teuflische Zirkusnummer auf ihre eigene Art an, indem sie ihren Sopran in einem *„Il fidarsi delle speme“* mit zweifelhafter Esoterik nasalisiert und dann auch nicht ohne sehr große Schwierigkeiten aufgreifen muss: Eben die Herausforderung einiger beeindruckender Arien, gestaltet von **Vivaldi** im außergewöhnlichen Format für den Kastraten **Marianino**. Wir würden sagen: *„Schuster bleib bei deinen Leisten!“* Die italienische Mezzo-Sopranistin **Caterina Piva**, eine an der **Scala-Accademia Milano** ausgebildete Sängerin, bestätigt die Hoffnungen, die ihre ***Fenena*** in ***Nabucco*** (1842) von **Giuseppe Verdi** (1813-1901) erweckt hatte. Abgesehen von ein paar expressionistischen Fantasien erscheint die Stimme gesund, gut projiziert, zu großer Beweglichkeit fähig, ja sogar zu großer Kampflust ebenso fähig wie zu zarten Gefühlen, wenn sie auch leider ihr trauriges Schicksal in der Rolle der ***Aristea*** in einem auf Atem gelegten, schmucklosen Gesang betrauern muss. Die französische Sopranistin **Delphine Galou** übernimmt die undankbare Rolle von ***Argene***, die von ***Licida*** verlassene Geliebte, der sie jedoch nicht mehr Brillanz und Tiefe verleiht, als die Partitur zulässt. Der ***König Clistene*** ist weniger der ***Tyrann von Sycione*** als ***Agammenon*** in ***La Belle*** ***Hélène*** (1864) von **Offenbach** und kann sich auch darauf verlassen, dass der italienische Bass **Luigi De** **Donatos** und sein flinkes klang-färbendes Timbre den Adel und die Autorität besitzt, die ihm leider die Inszenierung vorenthält **\[sic\]**. Die Begleitung von *„Sciagurato in braccio a Morte“* allein mit dem Cello in der Art eines ergreifenden Lamento bietet dem chilenische Bariton **Christian Senn** als ***Alcandro*** eine wunderbare Gelegenheit, seine Stimme zu präsentieren, die mit Leichtigkeit von **Vivaldi** bis **Georg Friedrich Händel** (1685-1759) und weiter zu **Donizetti** und vielen anderen genährt ist.

Diese letzte Arie, auf die später von **Viotti** ein *a capella* gesungener Schlusschor folgt, ist einer der Höhepunkte dieser Opern-Show, bei der das jubelnde Publikum für einen Triumph einsteht, wie es ihn in Paris schon lange nicht gegeben hat. Wahrscheinlich ist das Publikum mehr sportlich den musikalisch! Aber warum nicht, jeden das Seine… **(PMP/30.06.2024)**

## [**Théâtre des Champs-Élysées, Paris - Auskünfte und Karten - Link HIER!**](https://www.theatrechampselysees.fr/?ref=ioco.de)

### Mehr bei IOCO

[„La Damnation de Faust“](https://www.ioco.de/paris-la-damnation-de-faust-h-berlioz-ioco/) · [„David Et Jonathas“](https://www.ioco.de/paris-david-et-jonathas-ioco/) · [„Fausto“](https://www.ioco.de/paris-theatre-des-champs-elysees-fausto-oper-von-louise-bertin-ioco-kritik-29-06-2023/)

## Wie bewertet die Kritik Vivaldis Komposition von L'Olimpiade?

Die Kritik zählt L'Olimpiade mit ihren wunderbar vertonten Melodien und dem farbenreichen, stilistisch reichen Stil zu den schönsten Opernkompositionen Vivaldis.