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# Paris, Opéra National, Salle Bastille, Ercole amante - Antonia Bembo, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/paris-opera-national-salle-bastille-ercole-amante-antonia-bembo-ioco/
- Published: 2026-06-16T11:03:07.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:53:39.000Z
- Author: Peter Michael Peters
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Paris

Ercole amante von Antonia Bembo, Opéra National de Paris, Salle Bastille, Paris, 02.06.2026.
  
  
 **02.06.2026**

***EINE EINZIGARTIGE MUSIKALISCHE SPRACHE…***

***Deh, non muovere Iole, il piè restio*** 
***Ver chi dominator del monde intero***

***Solo in goder dell’alma tua l’impero*** 
***Poni la felicità del suo desio.***

***Ed il sacro concento*** 
***Scioltasi o mal, ch’a me di tali indugi***

***Grado è d’immensa pena ogni momento.***

(Rezitativ des ***Ercole*** / 5\. Akt / 2\. Szene)

***Der italienische Weg einer lyrischen Tragödie…***

Acht Jahre nach dem Erfolg von ***Les Indes Galantes*** (1735) von **Jean-Philippe Rameau** (1683-1764) kehrt der argentinische Dirigent **Leonardo Garcia-Alarcón** (\*1976) und seinem Orchester **Cappella Mediterrane** mit einem Juwel an die **Opéra** **National de Paris** zurück: Einer Partitur der italienischen Komponistin **Antonia Padoani Bembo** (1640-1720), deren bewegtes Leben sich wie ein Roman liest.

Auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann suchte die Venezianerin Zuflucht am Hof von **Louis XIV.** (1638-1715), wo sie den Schutz des Königs genoss. In Frankreich entwickelte sie ihren eigenen Stil, der italienische und französische Kultur vereinte, und komponierte 1707 ihre Oper ***Ercole amante*** nach dem Libretto ihres Lehrers **Francesco Cavalli** (1602-1676).

Noch nie zuvor in Europa aufgeführt, feiert dieser ***Ercole amante*** mit seiner harmonischen Originalität und großen vokalen Virtuosität seine Premiere im Repertoire der **Opéra National de Paris**.

Die britische **Netia Jones** (\*1987) nimmt sich dieses barocken Werkes, das von Göttern und übernatürlichen Elementen nur so wimmelt, vor Augen, um seine Modernität besser zu enthüllen: Die eines mächtigen, aber alternden Mannes, der die Ablehnung einer Frau nicht akzeptieren kann!

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***Auf den Spuren von* Antonia Bembo*…***

Während vier Musikmanuskripte von **Bembo**, gebunden in rotem Maroquin-Leder mit dem Wappen von **Louis XIV.** seit langem in Paris aufbewahrt wurden, fehlte die Oper ***Ercole amante*** der Komponistin seit zwei Jahrhunderten. Erst 1937 erwarb die **Bibliothèque National de France** sie bei einer Auktion! Das Manuskript wies eine Besonderheit auf: Seine beiden Bände waren in braunes Leder gebunden und mit dem Wappen der Familie **Pavée de Vendeuvre** geprägt, was zweifellos erklärt, warum das Werk in den königlichen Inventaren nicht aufgeführt war. Dieses Wiederauftauchen veranlasste die Musikwissenschaftlerin **Yvonne Rokseth** (1890-1943), im selben Jahr einen Artikel mit dem Titel **Antonia Bembo, *compositrice*** ***de*** **Louis XIV.**, zu veröffentlichen, der zu den *„Rätseln der Musikgeschichte“* zählt.

Im Jahr 1992 bestätigten Dokumente, die in den **Archivio di Stato di Venezia** gefunden wurden, ihre Identität: **Bembo**, die einzige Tochter von **Giocomo Padoani** (1603-1666) und seiner Frau **Diana Paresco** (1609-1676), zwei venezianischen Bürgern. Ihr Vater, ein Arzt bescheidener Herkunft, der in Venedig praktizierte, er hegte große Ambitionen für seine Tochter und gab ihr eine sehr solide Ausbildung in Grammatik und Musik – insbesondere bei dem Meister **Cavalli** \-, in der Hoffnung, sie würde eine Karriere als Dichterin oder Sängerin einschlagen. Doktor **Padoani** nutzte das Talent seiner Tochter schon früh, um politische Gunst zu erlangen, bevor er sie nach einem Rechtsstreit mit ihrem Ehemann aus dem elterlichen Haus vertrieb. Im Jahr 1659 war **Bembo** durch die Heirat mit dem Adligen **Lorenzo Bembo** (1632-1703) tatsächlich in den Adelsstand aufgestiegen; mit ihm hatte sie drei Kinder. Ihre Ehe war aber sehr unglücklich und endete mit einem Scheidungsantrag von **Bembo** wegen Untreue, Vernachlässigung sowie körperlicher und verbaler Gewalt. Nach diesem erfolglosen Versuch, sich der ehelichen Vormundschaft zu entziehen, verließ sie 1677 in einer gewagten Geste – für jeden und erst recht für eine Mutter von drei Kindern – Venedig und flüchtete nach Paris.

Als Sängerin für **Louis XVI.** tätig, gewährte ihr dieser eine königliche Rente und eine Unterkunft in einem Haus für unverheiratete Frauen, das an die Gemeinde der **Petite Union Chrétienne** in der Nähe von **Notre-Dame-de-Bonne-Nouvelle** in Paris grenzte. Dort lebte sie bis zu ihrem Tode und widmete ihr Leben der Komposition von Werken, die dem König gewidmet waren. Ihr erster Sammelband, ***Produzioni armoniche*** (1701) zeichnet sich durch große stilistische Vielfalt aus und umfasst eineunvierzig Vokalstücke in Italienisch, Latein und Französisch. Anschließend vertonte sie drei lateinische ***Motetten*** (1702) – zwei ***Te Deum*** (1704) und eine ***Exaudiat*** ***te Dominus*** (1706) - , einen vollständigen Zyklus von Bußpsalmen auf Französisch sowie auf Italienisch ein Divertimento, die Oper ***Ercole Amante*** und zwei weitere dramatische Werke, die heute verloren sind.

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Ercole amante (c) Bernd Uhlig

Bemerkenswerterweise gibt es keinerlei Belege dafür, dass **Bembos** Musik jemals aufgeführt oder gehört wurde, und bis heute belegt kein Dokument, dass sie mit ihren Kolleginnen **Barbara Strozzi** (1619-1677) in Venedig **Élisabeth Jacquet de La Guerre** in ( 1665-1729) Paris in Verbindung stand. Ihre Musik weist jedoch gewisse Ähnlichkeiten mit der ihrer Komponistin-Kolleginnen auf. Als Schülerin von **Cavalli** wie **Strozzi** weisen **Bembos** Melodien gewisse Ähnlichkeiten mit denen ihrer Vorgängerinnen auf. Was **Jacquet de** **La Guerre** betrifft, so haben ihre Oper ***Céphale et Procis*** (1694) und ihre Kantaten **Bembo** höchstwahrscheinlich dazu ermutigt , diesen Weg einzuschlagen.

***Der musik-poetische Ansatz…***

**Bembo** zeichnet sich in der Vokalmusik aus, insbesondere in ihrem eigenen Stimmfach, dem Sopran. Gestützt auf ihre lyrischen Begabungen vertonte sie bereits vorhandene Texte – wie die drei lateinischen Motetten, die sieben Psalmen auf Französisch und die Partitur von ***Ercole Amante*** \-, aber auch Gedichte ihrer Zeitgenossen. Auch wenn ein Großteil der ***Produzione armoniche*** auf Vertonungen anonymer italienscher Gedicht beruht, gab die Komponistin dennoch einen Hinweis auf deren Urheberschaft, indem sie angab, dass drei davon von „***Aurelia Fedeli***“ stammten, einem Pseudonym von **Brigida Bianchini** (1613-1703), einer italienischen Schauspielerin und Dichterin in Paris. Es ist wahrscheinlich, dass diese Überreste des Korpus, ebenso wie die Texte des ***Divertimento***, entweder aus der Feder von **Marc’ Antonio Romagnesi** (1643-1736), dem Sohn der Letzteren, oder sogar aus der Hand von **Bembo** selbst stammen.

Für ihre ***Sept Psaumes de David*** (1699) wählte **Bembo** des Werk einer anderen talentierten Frau, **Élisabeth-Sophie Chéron** (1648-1711) – Malerin, Dichterin und Musikerin, deren Texte sie für ihre eigenen Buspsalmen vertonte. Die Sensibilität der Komponistin für diese biblischen Texte veranlasste sie, für zwei Stimmen - Diskant und Generalbasse - in einem entschieden französischen Stil zu schreiben. Sie ging sogar so weit, sich im Noten-Manuskript, in dem sie **Louis XVI.** ehrt, indem sie ihn mit ***König David*** vergleicht, als **„Antoinette Bembo“** zu bezeichnen, ein französischer Patronym.

Als überzeugte Feministin begnügte sich **Bembo** nicht damit, die Dichtung ihrer Zeitgenossinnen zu verteidigen: Sie spezialisierte sich auch auf die Darstellung weiblicher Figuren. So verwandelte sie in der geistlichen Kantate ***Lamento della Vergine*** (1695) die üblicherweise fügsame **Jungfrau Maria** in eine Person, die sich gegen die Ungerechtigkeit der Kreuzung ihres Sohnes auflehnt, unterstützt von einem *moto perpetuo* im Generalbass.

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Ercole amante (c) Bernd Uhlig

Der Madrigalismus – also die musikalische Verkörperung der Bedeutung eines Wortes oder Satzes – stellt im Übrigen ein zentrales Verfahren in ihrem gesamt Werk dar: Ihre sprachliche Vorstellungskraft sorgt dafür, dass der Text durch die musikalische Gestaltung stets hervorgehoben wird. So entwickelte sie in der Kantate **Clizia amante del sole** (1699) eine *Arioso*\-Passage, die die Beziehung zwischen der Sonnenblume – metaphorisch sie selbst – und der Sonne – dem Sonnenkönig – beschreibt: *„loin de toi,* *je languis“* \- - geschmeidige Achtel in *e-Moll* – *„près de toi, je reprends vie“* – lebhaftere punktierte Rhythmen in *H-Dur*.

Zu denjenigen, die **Bembo** beeinflussten, zählen **Cavalli**, **Jacquet de La Guerre**, aber auch **Jean-Baptiste** **Lully** (1632-1687), **Michel-Richard de Lalande** (1657-1726) und **Marc-Antoine Charpentier** (1643-1704). Mit einem bemerkenswerten Gespür für die Sprache liebte sie es, Worte mit Musik zu verbinden. In den **Produzione armoniche** bleiben der italienische, der lateinische und der französische Stil im Wesentlichen voneinander getrennt, doch später vermischt ihr Schreibstil diese Stile und nimmt damit die Ästhetik des *„Goûts* *réunis“* vorweg. Nirgendwo wird diese Synthese deutlicher als in ihrem Hauptwerk: ***Ercole amante***.

***Die stilistische Zusammenfassung von Ercole amante…***

**Bembo** komponierte ihre Oper ***Ercole amante*** nach einem Libretto von **Francesco Buti** (1604-1682), das bereits 1662 von **Cavalli** unter dem demselben Titel anlässlich der Hochzeit von **Louis XVI.** mit der spanischen **Infantin** **Marguerite-Thérèse von Österreich** (1651-1673) vertont worden war. Auf der Titelseite weist **Bembo** darauf hin, dass ihre Tragödie neu vertont worden sei. Das Libretto von **Buti** wurde dort unverändert übernommen, abgesehen von der Streichung des Prologs und der Ersetzung von sechs Versen, die für ***Ercole*** und ***Belezza*** im 5\. Akt, 5\. Szene geschrieben wurden, durch einen neuen poetischen Text.

Ein großes Orchester im französischen Stil leitet die *„Ouvertüre“* ein, die reich an Füllpassagen im Stil von **Lully** ist. Ihre zweisätzige Form zeugt von **Bembos** einzigartiger Herangehensweise an das Modell der französischen Ouvertüre. **Ercule** tritt als ungeschickter *Buffon*\-Charakter auf und ist das Ziel des Spottes von allen jungen Leuten: *„Come si beffa *Amor*, del poter mio!“* \-1\. Akt, 1\. Szene. Im Gegensatz zu ***Ercoles*** virtuoser Arie im italienischen Stil wird ***Venere*** von einem Chor der **Tre Grazie** mit hohen Stimmen begleitet, in einer fließenden, französisch inspirierten Komposition, unterbrochen von Einsätzen einer sechsstimmigen instrumentalen *Ritornelle*. In der Szene, die den 1\. Akt abschließt, versucht ***Giunone*** die Pläne von **Veneres** zu durchkreuzen, zunächst in einem donnernden Rezitativ: *„E vuol dunque, Ciprigna“*, dessen melismatische Passagen die Winde und Stürme in der Arie *„Ma, in *Amo*r, cio ch’altri* *fura“* des abschließenden Instrumental-*Entrée* anzufachen scheinen.

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Ercole amante (c) Bernd Uhlig

In einer Arie des 2\. Akt: *„E che cos’e quest’ *Amor*”*, bringt der **Paggio** seine Verwirrung zum Ausdruck und kündigt damit deutlich die berühmte Arie: *„Non so più“* des ***Cherubino*** aus ***Le nozze di Figaro, KV. 492*** (1703) von **Wolfgang Amadeus Mozart** (1756-1791), 2\. Akt, 3\. Szene, an. In ihrer Arie in g-Moll: *„Ahi, ch’amarezza“* verdichtet ***Deianira*** den Schmerz der Untreue zu einer bitteren und verzweifelten Klage. ***Giunone*** steigt vom Himmel hinab in die Grotte des Schlafes von **Pasitea**, wo sie ihre Arie große singt: *„Mormorate, o* *fiumicelli“*, die eine der markantesten Erfindungen von **Bembo** darstellt: Eine Schlafszene, vergleichbar mit der berühmten aus ***Atys*** (1676) von **Lully**. Ein fünfstimmiger Chor mit ***Zéphyrs*** und ***Ruisseaux*** schließt sich zu **Pasithée** in der Arie *„Dormi, dormi“* – 3\. Akt, 9\. Szene - an.

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Ercole amante (c) Bernd Uhlig

Dank des Elixiers von ***Pasitea*** versetzt ***Giunone*** den ***Ercole*** in einen tiefen Schlaf, um ***Iole*** aus dessen Macht zu befreien. Der Dialog zwischen ***Iole*** und ***Giunone*** weist mehrere bemerkenswerte Madrigalismen in den melismatischen Passagen auf, wie die schnellen absteigenden Sechzehntelnoten von **Giunone** auf *„fuggendo“* und die aufsteigenden auf *„vol“* – 3\. Akt, 5\. Szene. Als ***Ercole*** erwacht, verbannt er ***Deianira*** und ihren Sohn **Hillo**, die ihr trauriges Schicksal in einem Duett mit der Bezeichnung *„adagio e affettuoso“* besingen. Ihre Ausrufe *„Figlio, tu, prigioniero!“* und *„Madre, tu,* *discacciata!“* leiten einen erhabenen Ausdruck kindlicher Liebe ein.

Im 4\. Akt begnügt sich ***Iole*** nicht damit, die aufdringlichen Annäherungsversuche von ***Ercole*** zu verurteilen. Sie ruft auch zur Rache für den Mord an ihrem Vater ***Eutiro***, dem ***König von Eochalie***, auf. Im 5\. Akt unterstützt ein Chor höllischer Seelen den rachsüchtigen Schatten von **Eutiro**. Ihre Formel *„su, vendetta“* führt zu madrigalistischen Effekten und melismatischen Passagen – 5\. Akt, 1\. Szene. ***Deianira*** greift auf eine magische Tunika zurück, um ***Ercoles*** Pläne **Iole** zu heiraten, zunichte zu machen: Sie verbrennt ihm die Haut und bringt ihn damit um *„Ma, qual pungente arsura“* – 5\. Akt, 2\. Szene. Durch die ausdrucksstarken Angaben *„con ira“* und *„con sdegno“* – 5\. Akt, 2\. Szene – unterstreicht **Bembo** das Leiden des Helden. Einzigartig in ihrem Werk ist die *Sinfonia* in vier Sätzen – 5\. Akt, 3\. Szene, geschrieben für zwei Oberstimmen und Generalbass, die sich insbesondere durch die Angabe *„flauti* *con affetto“* anstelle der Violinen auszeichneten Oper endet mit dem gesamten Ensemble, das sich zu einem großen Chor der Planeten versammelt, der allmählich in einer orchestralen Figur für die sieben Planeten ausklingt.

In einer Ästhetik, die später *„goûts réunis“* bezeichnet werden sollte, bringt **Bembos** Beherrschung des italienischen und französischen Stils somit eine Oper hervor, die von diesen beiden Traditionen geprägt ist. Die Hauptfiguren ***Ercole***, ***Giunone*** und ***Deianira*** singen in dem vom Libretto vorgegebenen italienischen Stil, wobei **Bembo** zudem eigene Ausdrucksangaben hinzufügt, um die Gefühlswelt ihrer Musik zu präzisieren. Doch französische Elemente verweben sich elegant durch das gesamte Werk, von der Ouvertüre für Orchester im französischen Stil bis hin zur von **Lully** inspirierten Schlafszene von **Pasitea**. In der italienischen *Sinfonia* des 5\. Akts verkörpert der Einsatz von Querflöten – den symbolträchtigen Instrumenten der französischen Musik jener Zeit – auf vorbildliche Weise die gelungene Verschmelzung der beiden Stile.

***Die Aufführung in der Opéra National de Paris – Salle Bastille am 2\. Juni 2026:***

***Eine Explosion der Frische…***

Die **Opéra National de Paris** präsentiert die Oper ***Ercole amante***, eine Inszenierung eines viel zu lange vergessenen Werks. Komponiert vonder äußerst talentierten Komponistin **Bembo** nach einem Libretto von **Buti**, inszeniert von der britischen Regisseurin **Jones** und dirigiert von dem argentinischen Dirigenten   **Alarcón** .

**Bembo**, geboren in den 1640er Jahren, genoss sie eine umfassende musikalische Ausbildung von **Cavalli**. Er selbst komponierte die gleichnamige Oper 1662 nach demselben Libretto von **Buti**! Auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann, mit dem sie drei Kinder hatte, verließ sie Venedig und fand Schutz bei **König Louis XIV.** Diese Jahre in Frankreich waren sehr fruchtbar für sie. Im Jahre 1707 komponierte sie ihre erste Oper, die bis heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist.

Dem Werk mangelt es gewiss nicht an Inspiration, Ideen und Denkanstößen und **Bembo** genießt daher seltene künstlerische Freiheiten! Das Thema in **Butis** Libretto ist ihr natürlich vertraut und es hat auch zudem einen sehr auffallenden Bezug zu unserer Gegenwart: Ein alter Mann, der bereit ist, alles zu tun, um seine Begierden zu befriedigen. ***Ercole***, verheiratet mit ***Deianira***, hat einen Sohn ***Hillo***, der in ***Iole***, die Tochter des ***Königs von Eochalie***, verliebt und mit ihr verlobt ist. Doch der alte ***Ercole*** begehrt die Geliebte seines Sohnes. Trotz des Zorns der Götter und mit der Unterstützung der Göttin ***Venere*** wird er seine Frau ins Exil zwingen und vor nichts zurückschrecken, um sein Ziel zu erreichen.

Nach der Wiederaufnahme von ***Le nozze die Figaro*** im **Palais Garnier** im selben Jahr, die das Werk aus der Perspektive der **Me Too**\- Bewegung beleuchtete, überrascht es nicht, das der Direktor **Alexander** **Neef** wieder **Jones** mit der Inszenierung von **Bembos** Oper beauftragte. **Jones** präsentiert eine opulente, absurde und humorvolle Produktion inklusive Bühnenbild, Kostüme und Projektionen. Die zahlreichen Bilder zeigen verschiedene Orte in ***Ercoles*** Palast – seinen Garten, einen Raum voller göttergleichen Skulpturen von sich selbst \[!!!\] und sein Schlafzimmer, das sich vom Innenhof bis zum Garten erstreckt.

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Ercole amante (c) Bernd Uhlig

***Ercole*** ist ein pensionierter Fechter, der seine Fechtkleidung nie ablegt. Umgeben ist er von athletischen Tänzern, die mal Badminton spielen, mal fechten – alle in Weiß gekleidet. Die Farben der einzelnen Figuren sind kräftig fluoreszierendes Gelbgrün für den ***Paggio***, Rosa für ***Iole*** und ***Licco***, Grün für ***Hillo***, Rot für ***Venere*** und Silber für ***Giunone***. Die Regisseurin nutzt den vertikalen Raum optimal aus und füllt die drei Bühnenwände. So entsteht der Eindruck einer Welt im Pixel-Stil! Die zahlreichen Bildschirme vermitteln das Gefühl ständiger Überwachung.

Die Sänger auf der Bühne singen mit Inbrunst! Der deutsche Bass-Bariton **Andreas Wolf** verkörpert einen altmodischen, dickbäuchigen ***Ercole*** – das genaue Gegenteil der zahlreichen Skulpturen, die ihn jung, muskulös und unbesiegbar darstellen. Der Sänger begeistert bei seinem Debüt an der **Opéra National de Paris** mit einer agilen Stimme und einem singenden Vibrato, deren Tiefe wunderschöne, profunde Töne offenbart.

Seine Gegnerin, die Göttin ***Giunone***, wird von der strahlenden französischen Sopranistin **Julie Fuchs** verkörpert. Ihre volle, resonante Stimme erfüllt den großen **Salle Bastille** mit einem goldenen Klang. Ihre würdevolle Ausstrahlung zieht das Pariser Publikum völlig in ihren Bann.

Die portugiesische Sopranistin **Ana Vieira Leite** interpretiert ***Iole*** mit großer Demut. Ihr erster Auftritt an der Seite des jungen amerikanischen Tenor **Alasdair Kent** als ***Hillo*** wirkt zwar zurückhaltend, doch die junge Sopranistin entfaltet sich im Laufe der Inszenierung. Die Empörung über ***Ercoles*** List, die von der Göttin ***Giunone*** gepriesen wird, lässt die ganze Unschuld ihrer Stimme erstrahlen.

***Deianira*** ist niemand Geringeres als die kanadisch-omanische Mezzo-Sopranistin ***Deepa Johnny***, zuletzt in der Oper ***Satyagraha*** (1980) von **Philippe Glass** (\*1937) im **Palais Garnier** zu hören. Die Sängerin besticht mit ihrer süßen und zarten Stimme und ihrem lebendigen Vibrato durch ihre sensible Schlichtheit. Obwohl sie eine von dem Verrat ihres Mannes verletzte Figur darstellt, bleibt sie offen und vermeidet Selbstmitleid.

***Licco***, gespielt von dem belgischen Charaktertenor **Marcel Beekman**, zieht das Publikum in seinen Bann. Als durch und durch exzentrischer Charakter sorgt er mit seinen ständigen Bemerkungen für viele Lacher im Publikum. Neben seinem an **Charlie Chaplin** (1889-1977) erinnernden komödiantischen Talent besitzt er eine Stimme von majestätischem Umfang, anfangs verändert er den Klang seiner Stimme durch eine leichte Nasalierung. Seine Gesangsakrobatik ist von chirurgischer Präzision und die schwebenden, lyrischen Passagen in seiner hohen Lage klingen mühelos.

In ähnlich komödiantischem Stil präsentiert sich der französiche Countertenor **Théo Imart**. Er stürmt auf die Bühne, obwohl die Rolle des ***Paggio*** nur kurz erscheint, nutzt er jede Gelegenheit, seine Stimme mit ihren schelmischen Nuancen erklingen zu lassen. Im Duett zwischen dem Diener ***Licco*** und dem ***Paggio*** fließen ihre Stimmen mit Leichtigkeit und Genuss, und das Ergebnis erinnert beinahe an **Gioachino** **Rossinis** (1792-1868) zukünftige Figuren – so fesselnd ist die musikalische Gestaltung.

Eine Durchsage informiert das Publikum, dass der Tenor **Kent** erkrankt ist, aber dennoch die Eröffnungsarie singen wird. Ein erstes beruhigendes Zeichen: Seine Stimme weist keinerlei hörbare Mängel auf! Trotz eines möglicherweise leichten Verlusts an Tragkraft überzeugt er als **Hillos** und verteidigt seine Rolle mit Nachdruck. Seine präzise Technik ermöglicht ihm sogar eine zarte und einfühlsame *piano-passage*: Das Publikum kann nicht anders, als dieser Darbietung Beifall zu spenden. Ein seltenes Ereignis!

Die französische Sopranistin **Sandrine Piau** ist hier sicherlich nicht in der besten Rolle besetzt; als ***Venere*** verteidigt sie kühn ***Ercoles*** gerechtes Begehren. Ihre lyrischen Höhenflüge sind voll und strahlend. Ihre sehr helle Stimme ist jedoch leider nicht so klangvoll wie die der übrigen Darsteller. Nichtsdestotrotz ist ihre Bühnenpräsenz fließend und engagiert, insbesondere in ihren Dialogen mit ***Giunone***, ihrer Widersacherin.

Die ukrainische Sopranistin **Teona Todua** interpretiert eine geheimnisvolle ***Pasitea*** mit warmer Stimme und bezauberndem Vibrato. Das Helldunkel ihrer Phrasierung verleiht der schlafenden Frau eine mystische Dimension.

Der amerikanische Bass **Alex Rosen** interpretiert die Rollen des ***Nettone*** und den ***Ombra di Eutiro***, des ***Königs von Eochalie*** und Vater von ***Iole***, auf perfekte Weise. Seine Stimme dringt in die Tiefen seines Timbre vor und bleibt dabei voll und resonant.

Die französischen Sopranistinnen **Danaé Monnié** und **Giulia Fichu-Sampieri**,desgleichen auch die deutsch-libanesische Mezzo-Sopranistin **Dina Husseini** stechen in den Rollen ***Le tre Grazie*** hervor. Ihre drei Stimmen verschmelzen mit Leichtigkeit und Frische.

Schließlich meldet sich der französische Bariton **Samuel Desguin** als ***Mercurio*** mit unverblümter Stimme zu Wort.

**Alarcón** dirigiert sein Orchester der **Cappella Mediterranea** mit heiterem, tänzerischem Schwung. Das Tempo ist zügig und fesselt den Zuhörer während der gesamten Oper. Die Musik ist keineswegs dramatisch, und genau darin liegt die Genialität dieses Werkes. Das Libretto enthält humorvolle Elemente, trotz der wichtigen und zentralen Themen Einverständnis und Freiheit. Die Musik spiegelt diese Gegensätzlichkeit brillant wider. Die historischen Instrumente, insbesondere die Klangvielfalt des Schlagwerks, faszinieren und begeistern. Unter der Leitung des französischen Chordirigenten **Thibaut** **Lenaerts** zeichnet sich der **Choeur de Chambre de Namur** durch ein kraftvolles Ensemble aus, dessen präzise Konsonanz jedem Einsatz Nachhall verleiht. Die reichen Klangfarben, die sie erzeugen, verstärken die vom Dirigenten geschaffenen visuellen Bilder.

Die Aufführung von ***Ercole amante*** war ein gewaltiger Triumph. Die charismatische Besetzung begeisterte das Publikum, und der Applaus war überschwänglich. **Bembos** Werk gehört nun zum Repertoire der **Opéra** **National de Paris** und das ist eine hervorragende Nachricht: Wie der Dirigent sagt, ist die Aufführung dieser Oper eine wahre Wiedergeburt! Nun gilt es, noch weitere zu entdecken!

Auskunft und Karten: [www.operaparis.fr](http://www.operaparis.fr/?ref=ioco.de) Tel.: + 33 / 171 25 24 23

## Wie ordnet die Kritik die musikalische Sprache von Antonia Bembos Ercole amante ein?

Die Kritik würdigt Bembos einzigartige musikalische Sprache, die italienische und französische Kultur vereint und sich durch harmonische Originalität sowie große vokale Virtuosität auszeichnet.