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# Paris, Théâtre des Champs-Élysées, DAVID ET JONATHAS - M. A. Charpentier, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/paris-david-et-jonathas-ioco/
- Published: 2024-03-28T20:42:28.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:52:57.000Z
- Description: DAVID ET JONATHAS, Paris: Eine verbotene Liebe während des Bürgerkrieges… Charpentier, der vor allem für seine reichhaltige Produktion geistlicher Musik bekannt ist, war jedoch auch .......
- Author: Peter Michael Peters
- Tags: Oper & Operette, Operette, Kritiken, Paris

David et Jonathas von Marc-Antoine Charpentier, Théâtre des Champs-Élysées, Paris, 24.03.2024.

***DAVID ET JONATHAS* (1688)** von **Marc-Antoine Charpentier,** Biblische Tragödie in fünf Akten und einem Prolog. Libretto von **François de Paule Bretonneau**.

von **Peter Michael Peters**

***VON DER RENAISSANCE BIS ZUR AUFKLÄRUNG…***

***Ah! qu’une douce paix avoit***

***de charmes!***

***Ah! falloit il jamais***

***Nous ravir le plaisir***

***d’une si douce paix !***

(***David et Jonathas*** / 4\. Akt / 2\. Szene)

Dieses einzigartige Werk im französischen lyrischen Repertoire ***David et Jonathas*** von **Marc-Antoine** **Charpentier** (1643-1704) mit einem Libretto von **François de Paule Bretonneau** (1660-1741) ist keine echte Oper und könnte nach seiner Entstehung schnell wieder verschwunden sein, wie so viele Kompositionen aus dem 17\. Jahrhundert. Diese biblische Tragödie ist in dem von den Jesuiten geleiteten **Collège Louis-le-Grand** uraufgeführtworden. Da es an der königlichen Oper von dem allgewaltigen Super-Intendanten und Komponisten **Jean-Baptiste Lully** (1632-1687) nicht zugelassen war!

TRAILER / David et Jonathas, Charpentier I Sébastien Daucé, Jean Bellorini youtube [Opéra national de Lorraine à Nancy](https://www.youtube.com/@Operalorraine?ref=ioco.de)

***Vom Mythos zur Polemik…***

Von **Joachim** **du Bellay** (1522-1560) bis **Alphonse de** **Lamartine** (1790-1869), ***David und Jonathan*** stehen im Mittelpunkt einer erstaunlichen Anzahl poetischer, dramatischer, politischer oder auch philosophischer Werke und entfalten sich in einem Netz von Formen und Bedeutungen. Wenn der wiederauflebende Humanismus die Literatur nach griechisch-lateinischen Vorbildern neu begründet, greift er aber auch auf das wiederentdeckte hebräische Erbe zurück. Antike und biblischer Vorbilder vermischen sich: ***David*** wird ***Achilles***, ***Aeneas*** oder ***Hector*** gleichgestellt. Aber ein Held ist selten allein! ***Achilles*** nennt ***Patroklos*** wie ***Theseus*** seinen ***Pirithoues*** oder ***Orestes*** seinen ***Pylades***. Glücklicherweise feiert das ***Erste Buch der Könige*** die Freundschaft zwischen dem ersten Prinzen Israels und dem ersten großen König: ***David und Jonathan***.

***Les Tragédies Saintes*** (1563) des protestantischen Dichter **Louis des Masures** (1515-1574) sind nicht die ersten, die ***Davids*** Geste zeigen, aber sie tun es auf charakteristische Weise. Indem er Stücke im Genre der biblischen Tragödie schreibt: ***David*** kämpfend…, ***David*** triumphant… und ***David*** flüchtend! So erstellt **Masures** eine Trilogie, die seine Werke in Bezug zu antiken griechischen Vorbildern, aber auch zur ***Heiligen Schrift*** stellt, insbesondere in den Choral-Partien. Der Mythos ermöglicht somit eine Synthese zwischen Epos, Tragödie, religiösem Ansatz und entwickelt gleichzeitig eine politische Reflexion. Diese Trilogie kündigt die drei Perspektiven an, denen der Mythos in seinen späteren literarischen Variationen folgen wird.

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DAVID UND JONATHAS - Szenenphoto - Jean-Christophe Lanièce (Saul) @ Philippe Delval

***Die Modell-Freunde…***

In der modernen Gesellschaft verlässt Freundschaft das traditionelle Kriegerfeld und wird zu einer Form der griechischen *philia*, dem Grundprinzip des Gemeinschafts-Lebens und dem höchsten Streben des Menschen. In dem Gedicht ***La Henriade*** (1723), hat **François-Marie Arouet** genannt **Voltaire** (1694-1778) geschrieben: *„Ô divine amitié! Félicité parfaite / seul* *mouvement de l’âme, ou l’excès soit permis.“* Die beiden Helden verkörpern die stärkste Form der Freundschaft und werden zum Paradigma, das auf Heldentum und christlichen Werten basiert, wie der treffende Titel von **Bruté de Loirelle** (1747-1812): ***L’Héroisme de l’amitié: David et Jonathan*** (1776).

Mit dieser aristotelischen Vision von *philia*, die den anderen als ein *alter Ego* liebt, weil wir durch den anderen wir selbst werden, können wir diesen Satz aus dem **1\. Buch Samuel** vergleichen: *„Als er zu Ende mit *Saul* gesprochen hatte, heftete sich *Jonathans* Seele an *Davids* Seele und *Jonathan* begann, ihn* *wie sich selbst zu lieben“.* Die Werke, die diesen Mythos aufgreifen, vertiefen diese Mysterien, wie zum Beispiel die Tragödie von **Pater Pierre Brumoy** (1688-1742) aus dem Jahr 1741, die große Erfolg hatte: ***Jonathan et*** **David ou le Triomphe de l’amitié**. Aber hinter dieser von Ruhm und männlichen Tugenden sehr genährten Freundschafts-*philia* verbirgt sich eine echte, manchmal zweideutige Komplexität. Wir kommen nicht umhin, uns über die Natur dieser Liebe zu wundern: Die ***David und Jonathan*** vereint!

***Religiöse Liebe oder weltliche Liebe…?*** 

*„Wenn wir von Liebe zwischen *David et Jonathan* sprechen können, welche Bedeutung können wir diesem Wort geben? Im klassischen, außer-biblischen und neo-christlichen Griechisch sind die am* *häufigsten Wörter, um über Liebe zu sprechen: philia und érôs! philia ist Freundschaft, die Liebe zum Austausch und zur Gemeinsamkeit. \[…\] érôs ist in erster Linie das Verlangen der Sinne oder das leidenschaftliche Verlangen, die Liebe als instinktiv-affektive Leidenschaft, die libido! Es ist das Streben nach Genuss durch Besitz! Während philia die Liebe zur Ähnlichkeit ist, ist érôs die Liebe zur endlich erreichten Ergänzung, die das Verlangen neu entfacht und es wieder auf die Szene bringt.“* **A.Borrly, J. M. Cros, P. Murat:** **Les Apports* *du judaïsme, du christianisme et de l‘islam à la pensée occidentale* *\- La personne et l’amour, philia,* *érôs et Agape** (1996). Die griechische Unterscheidung ist zu diesem Thema interessant, denn in den Antworten der Helden wird das *philia* mit der christlichen Vorstellung von *argape*, der Liebe zur Entspannung angereichert. Es gibt aber auch viele Beispiele leidenschaftlicher Zuneigungs-Bekundungen. Die Natur ihrer Liebe bleibt daher problematisch und die Behandlung, die jeder Autor ihr gibt: Bestätigt dies!

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****DAVID UND JONATHAS** \- Szenenphoto @ Philippe Delval

Tatsächlich begünstigt die Tradition eine außergewöhnliche brennende Liebe, die sich auf wenige Erzähl-Sequenzen konzentriert. Erstens markiert die Begegnung der Beiden nach dem Tod von ***Goliath*** ihre Vereinigung. Dann vermutet ***David***, von ***Saul*** mit dem Tod bedroht und doch vergeben, eine Falle: Er bittet ***Jonathan***, den König auf die Probe zu stellen. Der Sohn, der die Gewalt seines Vaters ertragen muss, versteht dass sein Freund in Gefahr ist! Mit dem Erscheinung-Trick des Regenbogens kontaktiert er ***David***, bringt ihm alles bei und die beiden Freunde verlassen sich in Tränen aufgelöst, während sie einander vor Gott ewige Treue schwören***. Jonathan*** sieht ***David*** ein letztes Mal in der Wüste und versichert ihm, dass er König sein wird. Schließlich erfährt ***David*** vom Tod des ***Saul*** und **Jonathan** und rezitiert das berühmte *Lied vom Regenbogen*. In diesen vielen verschiedenen Wieder-Belebungen in den Werken des 17\. Und 18\. Jahrhundert wird die Leidenschaft auf sehr originelle Weise veranschaulicht.

Somit ist die Offenbarung der Freundschaft ein starker Moment in dem schon oben zitierten Roman ***L’Héroïsme de*** ***l’amitié*** von **Bruté de Loirelle**. In einem traditionellen Sinnbild des Romans des 18\. Jahrhunderts über **Jonathan** *„Hörte ihm zu, betrachtete ihn mit einer ekstatischen Verzückung und mit einer derartigen Verzauberung, das er sich kaum zurückhalten konnte. Sein Gesicht war entzündet: Tränen der Freude leuchteten in seinen Augen. Sein Herz zitterte, weitete sich und flog dem Herz von *David* hastig entgegen“.* Er erklärt ihm: *„Mein lieber *David*, du bist mein Bruder, aber sei trotzdem mein Freund: Und du wirst das souveräne Glück meines Lebens sein“*. Wir finden dieses Lexikon verliebter Entrücktheit auch in der schon zitierten Tragödie von **Brumay** ***Jonathan et David ou le*** ***Triomphe de l’amitié***. **Jonathan** behauptet: *„Ja! Von einem einfachen, im Dunkeln geborenen Thema, / schätzte ich die Liebe und Aufrichtigkeit mehr. / Mögen diese Anbeter, deren lautstarke Prozession / den Stolz der Könige mit sakrilegischem Weihrauch nährt“*.

Vor allem das 17\. Jahrhundert dramatisiert die Leidenschaft, wie z.B. im ***Saul*** (1642) von **Pierre Du** **Ryer** (1605-1658). Der Titelheld ist empört darüber, dass ***Jonathan*** und ***Michol*** den ***David*** so stark verteidigen. Wenn er seiner Tochter diese Zuneigung nicht vorwirft, hat er aber sehr harte Worte gegen seinen Sohn: *„Also möchte dieser *Jonathan*, verliebt in den Ruhm / in andere Waffen als seine eigenen den Sieg verdanken. / Welcher Zauber, welches Gift, welche kalte Mattigkeit / raubt *Jonathan* sowohl die* *Kraft als auch das Herz ?“* Besonders ein Werk ***David et Jonathas*** von **Pater Bretonneau**, vertont von **Charpentier** verdeutlicht das Gewicht des *érôs*. Im zweiten Akt rast gewissermaßen ***David*** zu **Jonathan**: *„In der* *Nähe von *Jonathas* , Herr, ruft mich die Liebe.“* Es gibt zahlreiche Duos, in denen ihre Leidenschaft zum Ausdruck kommt. Der Abschied von ***David*** ist ein Schlüssel-Moment, denn das Pathos ist auf seinem Höhepunkt, während der biblische Text nüchtern bleibt. Am Ende beklagt **David**: *„Nie war die Liebe treuer und zärtlicher. / Hatte sie ein unglücklicheres Schicksal? / Vor einem grausamen Tod konnte meine Fürsorge sie nicht schützen / Der süßeste Gegenstand meiner Wünsche. / Nur der Himmel hätte so schöne Knoten bilden können: / Leider musste der Himmel ohne mich es* *zurücknehmen?“* Gekrönt bleibt **David** seinem Ruhm gegenüber gleichgültig und schließt in zwei Versen: *„Ich habe verloren, was ich liebe. / Für mich ist alles verloren!“*

Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass diese brennende und körperliche Liebe eine andere Natur widerspiegeln kann. ***David***, Vorfahre von ***Jesus*** ist die Figur ***Christi***. Der Sohn von **Saul**, ein reicher junger Mann, dessen Betrachtung über Gott ihn für sein Wort durchlässig macht, gibt sich ganz hin und wendet das Evangelium an: *„Gott im Nächsten und den Nächsten in Gott lieben.“* (**Louis-Isaac** **Lemaistre de Sacy** /1613-1684). Die Vereinigung der Seelen ist transzendent! Die spektakuläre Dimension des Theaters ermöglicht es, das Geheimnisvolle sichtbar zu machen. Die Verbindung zwischen dem Prinzen und dem bescheidenen Mann stellt eine mystische Verbindung dar, die in der Tradition oft durch fleischliche und sinnliche Bilder dargestellt wird. Denken wir an ***Estasi di Santa*** ***Teresa*** (1652) von **Gianlorenzo** **Bernini** (1598-1680) in Rom. Oder auch ***David and Jonathan*** (1642) von **Rembrandt Harmensszoon van Rijn** (1606-1669). Geht dort die Kraft des göttlichen Geheimnis nicht durch fleischlichen Kontakt weiter?

Die Literatur wird mit der Außergewöhnlichkeit dieser Beziehung konfrontiert! Wenn diese Liebe die Liebe Gottes vorwegnimmt, ist es natürlich dass sie groß und stark ist, aber in einer modernen Kultur, in der die Zweideutigkeit Freiheit des Geistes und der Kritik ermöglicht: Müssen wir jedoch die Ordnung wiederherstellen! Einige möchten dann die kompromittierenden Lesarten vermeiden: „*Du warst mir köstlich lieb, / deine Freundschaft war mir wunderbarer / als die Liebe der Frauen“* (2 S, 1,26), indem das Lied, dass die Freundschaft von ***David*** und ***Jonathan*** krönt und auch radikal betont. Unzählige Diktionäre des 18\. Jahrhunderts beziehen sich nicht darauf. **Adrien Baillet** (1649-1706) in ***La Vie des*** ***Saints*** (1739) entwickelt ***Davids*** Leben sehr detailliert, begnügt sich aber nur schnell und nur sehr flüchtig damit, die Freundschaft mit ***Jonathan*** zu beschreiben. Abgesehen von einigen lateinischen Dramen und dem ***Saul le furieux*** (1572) von **Jean de La Taille de Bondaroy** (1540-1608) enden die Tragödien in französischer Sprache mit dem Tod von ***Jonathan***. Schließlich muss der Text angepasst werden: Um ihn verständlich zu machen, müssen Unklarheiten vermieden werden. **Antoine Godeau** (1605-1672), Bischof von Grasse, präzisiert im Jahr 1639: *„Ich habe mein Bestes gegeben, um diesen Herren, die sich nur über Gott lustig machen und einen Witz über das Evangelium zum Zeichen der Stärke und der Güte des Geistes machen wollen, keinen Grund zum Lachen oder zur Lästerung zu geben“*. **Jean-Jacques** **Lefranc de Pompignan** (1709-1784) verfolgt in seiner **Poésies sacrées** (1753) einen ähnlichen Ansatz und übersetzt das Ende des Lied folgendermaßen: *„O Jonathan! O mein Bruder! / Ich habe dich geliebt wie eine Mutter /geliebt wie eine Mutter ihr einziges Kind.“*

Daher betont die Literatur die Äquivokation, anstatt sie zu reduzieren. Einer der Hauptpunkte des Mythos scheint die Natur der Liebe zu betreffen, die umso problematischer ist, als sie sich in einem zweideutigen politischen Kontext entfaltet.

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****DAVID UND JONATHAS** \- Szenenphoto - Jean-Christophe Lanièce (Saul), Hélène Patarot (La Reine des oubliés) @ Philippe Delval

***Eine politische Beziehung…***

Diese außergewöhnliche Zuneigung entsteht zwischen einem Hirten und einem Prinzen! Die Opposition von ***König Saul*** basiert auf einem gerechten politischen Prinzip. Die Vitalität moderner Anpassungen nutzt diesen Weg mehr als jeden anderen. Obwohl ***Saul*** oder ***David*** die zentrale Figur ist, ***Jonathan*** existiert nur in Bezug auf sie! Diese Asymmetrie erhält ihre volle Bedeutung in der politischen Ausrichtung der Geste von ***David***, des Königs von Israel und Vater der heiligen Linie von ***Salomo*** bis ***Jesus Christus***.

***Saul***, erster König von Israel, deckt mit seiner tragischen Aura das breite Spektrum der politischen Frage ab. Seine wütende Kraft markiert eine unsichtbare Grenze zwischen den beiden Freunden. Für **La Taille** **de Bondaroy** in ***Saul le furieux***, ist das Königtum die Stütze der Tragödie: ***David*** wie auch ***Saul*** sind zur Grausamkeit aufgerufen, während ***Jonathan*** der reine desinteressierte Held ist. Am Ende des 18\. Jahrhunderts zeigt **Vittorio Amedeo** **Alfieri** (1749-1803), wie **Saul** seinen Sohn warnt: *„Der Thron ist ein blutiger Sitz, auf dem die* *Treulosigkeit sitzt.“* ***Jonathan*** wäre der Prinz mit reinen Händen, der nicht regieren will. Ist nicht der König, der ohne Gott über sein Volk regieren wollte, dazu verurteilt der Henker seines Volkes zu sein? Das von den beiden Männern gebildete Duo stellt eine originelle Inkarnation des Verhältnisses zur Macht dar!

Die Macht trennt ***David*** und ***Jonathan*** in einem solchen Ausmaß, dass der Prinz zu einem Argument im politischen Einsatz des **König David** wird. Ab dem 16\. Jahrhundert basiert die Frage nach der Legitimität königlicher Autorität auf der Lektüre dieser heiligen Texte. Für manche ist der König *„das* *Ion des Herrn“*, seine Autorität ist heilig und daher unantastbar! Für andere ist der König nicht unbedingt legitim und sein Feind kann auch ein Verbündeter sein. In einer politischen Reflexion, in der ***David*** zum Paradigma des Königs wird, spielt ***Jonathan*** die Rolle der moralischen Garantie.

**Jacques-Bénigne Bossuet** (1627-1704) unterstreicht die Verantwortung der Mächtigen gegenüber dem Volk in seiner Veröffentlichung ***Politique tirée des propres de l’Écriture Sainte*** (posthume 1709), das die Macht des göttlichen Rechts von **König Louis XIV.** (1638-1715) begründet. Er schlägt **David** als Vorbild vor und bekräftigt: *„Der Charakter der Freundschaft ist in der Menschheit vollkommen und Männer, die alle nur einen Vater haben, müssen sich wie Brüder lieben. Gott bewahre, dass irgendjemand glaubt, dass Könige von diesem Gesetz ausgenommen sind oder dass irgendjemand befürchten sollte, dass es den Respekt der ihnen gebührt: Schmälern wird!“* Von besonderem Interesse ist die biblische Geschichte: Die Freundschaft der Helden ist mit Gottes „politischem“ Projekt verbunden. Prinz ***David*** ist berührt von ***Jonathans*** Tugenden, aber wir würden eher sagen von seinen Fähigkeiten.

Kann die Garantie der Legitimität des Königs und das Vorbild des Monarchen durch göttliches Recht den sprudelnden Köpfen des 17\. Jahrhunderts unschuldig erscheinen? Manche betrachten ***David*** als Symbol der Tyrannei. **Piere** **Bayle** (1647-1706) eröffnet die Feindseligkeiten in seinen ***Dictionnaire historique et*** **critique** (1696), die von der wallonischen Kirche in Rotterdam für ein Übermaß an *„obszönen oder* *anzüglichen Zitaten“* und drei weiteren fast ketzerischen Artikeln verantwortlich macht, darunter wird die Figur ***„David“*** zu einem ehebrecherischen, brutalen, grausamen und machiavellistischen Barbaren ohne auch nur eine Erwähnung von ***Jonathan***, der ihn zweifellos zu sehr vermenschlicht hätte. **Voltaire** wiederum beruft sich auf eine englische Broschüre, die von **Baron Paul Thiry von Holbach** (1723-1789) unter dem Titel ***David ou l’histoire de l’homme selon le coeur de Dieu*** (1768). ***Sauls*** Sohn erscheint dort als naiver junger Mann und die Freundschaft von ***David*** mit ***Jonathan*** verbirgt Interesse und Verrat. **David** endet das Stück mit den folgenden ironischen Worten: *„*Saul* wurde also getötet, meine Freunde! Sein* *Sohn *Jonathan* auch! Und so bin ich zu Recht König eines kleinen Teils des Landes“.* ***Jonathan*** taucht in **Voltaires** Schriften kaum auf, außer in dem Artikel ***Amitié*** in **Questions sur l’Encyclopédia** (1772). *„Es ist nur von Freundschaft unter Juden zwischen *Jonathan* und *David* die Rede. Es wird gesagt, dass *David* ihn mit einer Liebe liebte, die stärker war als die von Frauen: Aber es heißt auch, dass *David* nach dem Tod seines Freundes, seinen Sohn *Miphobozeth* entkleiden und auch töten ließ.“* Zusätzliche Anklage gegen denjenigen, der wie der ***Mohammed*** inder Tragödie den Fanatismus repräsentiert, gegen den der Philosoph sein Leben lang gekämpft hatte. Jede Epoche vertrat eine bewegende Geschichte, die dem Zeitgeist angepasst war. Der Mythos entstand aus den Schwierigkeiten der protestantischen Reform, durchquerte das 18\. Jahrhundert, unterstützte den Jansenismus oder auch die Lehren der Jesuiten in einigen geistlichen Schriften. Es bleibt jedoch diese reine Freundschaft, deren Brillanz keine Zweideutigkeit vermeidet, aber der ***Jonathan*** von **Brumoy** selbst sagt *„Verdienst ist in ihren Augen ist immer kriminell, / Unschuld hat nichts, was ihre Galle vergiftet“.*

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 **DAVID ET JONATHAS** \- Szenenphoto - Lucile Richardot (La Pythonisse) @ Philippe Delval

 ***DAVID ET JONATHAS -* Aufführung - Théâtre des Champs-Elysées Paris - 19\. März 2024:**

***Eine verbotene Liebe während des Bürgerkrieges…***

**Charpentier**, der vor allem für seine reichhaltige Produktion geistlicher Musik bekannt ist, war jedoch auch ein Autor eines bedeutenden Werks für das Theater: Bühnenmusiken für Theaterstücke insbesondere von **Jean-Baptiste Poquelin** genannt **Molière** (1622-1673) oder den beiden **Corneilles**, **Pierre** **Corneille** (1606-1684) und **Thomas Corneille** (1625-1709), aber auch diverse Pastoralen, Komödien und Tragödien in Musik. Wir denken natürlich an ***Médée*** (1693), die 1976 von **Jean-Claude Malgoire** (1940-2018), **Michel Corboz** (1934-2021) und dann auch von **William Christie** (\*1944) in der legendären Inszenierung von **Jean-Marie Villégier** (1937-2024) wieder ans Licht gebracht wurde. ***Médée*** wird im kommenden April auch endlich an der **Opéra National de Paris** – **Palais Garnier** aufgeführt. ***David et Jonathas*** warteten bis 1981, um an der **Opéra National de Lyon** unter der Regie von **Jean-Louis Martinoty** (1946-2016) und der musikalischen Leitung von **Corboz** wieder auf die Bühne zurückzukehren.

Die Premiere von ***David et Jonathas*** von **Charpentier** heute Abend im **Théâtre des Champs-Elysées** wirkt wie ein lyrisches Ereignis, zu dem viele Musikliebhaber gekommen sind. ***David et Jonathas***, ein einzigartiges Werk seiner Art, entstand im Zusammenhang mit einer Tragödie ***Saül*** ***et David et*** ***Jonathas*** (1688) von **Père Jean-François Chamillart** (1657-1714), von der wir leider keine Spur mehr haben. Die erzählerische Handlung wurde durch das Theaterstück erzählt, während **Charpentiers** Oper der Erforschung der psychologischen Affekte der Figuren gewidmet war. Ausgehend von dieser erzählerischen Grundlage lädt das Werk somit eher zum Nachdenken über die verschiedenen Melodien und Refrains ein als zum strikten Verfolgen der Geschichte, deren gesamte emotionale Resonanz sie mit sich bringt. Somit ist ***David et Jonathas*** offenbaren ein Wunder an Raffinesse im Schreibstil, der die Affekte in ihrer ganzen Tiefe erforscht und allen Stimm- und Instrumental-Bereichen schmeichelt, sogar die Passagen der Chöre, die kleine Juwelen in der Partition sind. Das ist es, was dem französische Dirigent **Sébastien Daucé** an seiner Arbeit interessierte, sich mit Opern zu beschäftigen, die seiner Meinung nach keine Opern sind oder noch nicht ganz: Wie z. B. die ***Histoires Sacrées*** (1680) von **Charpentier** oder ***Cupid and death*** (1653) von **Matthew Locke** (1621-1677).

Da die ursprüngliche theatrale Unterstützung nicht mehr zugänglich ist, bietet der französische Regisseur **Jean Bellorini** eine neue Erzählung, indem er das Werk in unsere Zeit versetzt und der Geschichte einen Meta-Text um die Figuren der „von der Geschichte Vergessenen“ hinzufügt. Alle die die auf dem Altar der Wünsche geopfert wurden für die Eroberungen und des individuellen Ruhms der Mächtigen: Wie zum Beispiel ***David***! Das Ergebnis ist die Inszenierung einer in Kostümen und Masken gekleideten Menschheit, die zwischen dem Universum der Kindheit und dem Düsteren Vergessen geteilt wird wie z. B. die Masken mit deformierten Gesichtern, Plastiktüten auf dem Kopf usw., was zweifellos den miserablen Zustand dieser Fremden widerspiegeln soll. ***Saul*** selbst, der zu Beginn des Werks in einem Krankenzimmer erscheint, wird währen des gesamten Werks von ***La Reine des*** ***oubliés*** begleitet, eine zusätzlich vom Regisseur eingefügte Figur, dargestellt von der französischen Schauspielerin **Hélène Patarot**, deren von Lautsprechern verstärkte Worte an ihn erinnern werden. Übrigens die Rekonstruktion des verlorenen Librettos wurde von dem französischen Dramaturgen **Wielfried N’Sondé** wiederhergestellt. Dieses Thema zieht sich durch das gesamte Werk bis zu den letzten Momenten, in denen sich mit dem gekrönten ***David*** das zentrale Plateau erhebt und Statuen freigibt, die von den Terrakotta-Soldaten aus Xi’An in China inspiriert sind und deren Gesichter wie ein großes Massengrab auf Video projiziert werden.

Der Eindruck ist gemischt! Diese Inszenierung bietet einen redaktionellen Blickwinkel, der den von **Charpentier** perfekt ergänzt: Die abschließende Krönung ***Davids*** mit schwungvoller Musik und einer Figur, die über das Verschwinden von ***Jonathas*** traurig bleibt, erinnert an die Eitelkeit seines Ruhms auf Kosten des Todes vieler Unbekannter mit einem unübersehbaren relevanten Echo auf globale geopolitische Nachrichten. Ebenso begleitet und verstärkt ist die subtile Beherrschung der Lichter, das Spiel mit Netzen und Rauch, die Wirkung der Charaktere und die wichtigsten Momente der Handlung: Auch das Spiel mit den Elementen von ***La Pythonisse***! Wir werden jedoch einige Zweifel an einem Dialog zwischen den beiden Erzählungen äußern, der in zwei zunächst getrennten Phasen verkörpert ist und das zeitgenössische Universum, in dem ***Saul*** und ***La Reine des oubliés*** wohnen. Und das phantasmagorische Universum der Handlung des Werks, das manchmal künstlich ist in Resonanzen und auch dazu bei trägt, dass die Handlung nicht mehr klar, wenn nicht sogar noch verwirrter wird. In diesem Sinne entwickelt sich das Werk und die Inszenierung manchmal parallel: Trotz allem aber mit einer endgültigen Verbindung von großer Relevanz!

Auch wenn die Inszenierung einen gemischten Eindruck hinterlässt, sind die Gesangs-Darbietungen und das **Ensemble Correspondances** von **Daucé** einfach hervorragend. Unter den Solisten ist der tschechische Tenor **Petr Nekoranec** ein **David** mit einem brillanten Ton, der sich über den gesamten Tonumfang hinweg wohl fühlt und sowohl das *forte* des Mutes als auch die herzzerreißenden *piani* des Kummers mühelos findet. Wir schätzen die große Aufrichtigkeit dieser Stimme mit tadelloser Diktion, die leicht über die Bühne hinausragt und eher einem Spiel als einer Anstrengung gleicht. In der französischen Sopranistin **Gwendoline Blondeel** findet er einen passenden ***Jonathas*** mit jugendlichen Timbre und straffem Vibrato, die in hohen Tönen immer rund und seidig trällert und mit großer Beweglichkeit in ihrer Stimme. Leider haben wir nicht die Wahl einer Sopran-Stimme für diese Rolle verstanden, das gilt auch vom körperlichen: eben gesungen und interpretiert von einer Frau. Natürlich sind die Hosenrollen im Opern-Repertoire nicht neu und das besonders bei **Wolfgang Amadeus Mozart** (1756-1791). Aber hier in diesem speziellen Fall sollte es unserer Meinung ein „wirklicher“ Mann sein. Warum nicht ein Counter-Tenor? Denn in der hier gezeigten Interpretation wird die so sehr wichtige unterschwellige homo-erotische Atmosphäre völlig verschwiegen und vergessen. Wir sollten bedenken, dass diese pikante Geschichte seit vielen Jahrtausenden heiße und sehr heftige Diskussionen unter den Intellektuellen entfachte. Aber natürlich auch von der katholischen Kirche mit schönen Worten umgangen wurde oder ganz einfach verschwiegen wurde. Der Regisseur hatte viel Mut gezeigt, indem er die ewigen Kriege und Verwüstungen unserer Menschheits-Geschichte sehr stark auf der Bühne präsentiert. Wir gratulieren ihm dafür, aber aus welchem Grunde hat er die wohl größte Liebes-Geschichte aller Zeiten von ***David et Jonathas*** von der Bühne verdrängt? Unserer Meinung fehlt es in dieser Inszenierung an dieser doppelseitigen Ambiance!

Um das Bild zu vervollständigen, verkörpert der französische Bariton **Jean-Christophe Lanièce** einen ambivalenten **Saul** im Ausdruck, sowohl auch eine Autoritätsperson als auch einen geschwächten vom Tode gezeichneten Mann, dessen theatralische Darbietung mit müden Gesten ein Echo in einer ebenso reichen, aber leicht zurückhaltenden Stimme findet. Der Bariton kultiviert einen seidigen Mittel-Tonbereich, nie wirklich aggressiv, aber immer sehr ausdrucksstark. Die Projektion ist ausreichend und der *legato*\-Fluss der Stimme ist spürbar. ***La Pythonisse*** interpretiert von der französischen Altistin **Lucile Richardot** ist im Gegenteil eine auf die Spitze getriebene Welle von Leidenschaften, die sich an die metaphysischen Elemente und Kräfte wendet, von denen die Altistin mit ihrem charakteristischen Timbre zu unserem größten Vergnügen spielt. Der französische Bariton **Étienne Bazolas** interpretiert den ***Joabel*** mit dem richtigen Maß an Scham und kriegerischem Geist für die Rolle des Philister-General, die er verkörpert mit einem gut gebauten Medium und einer bemerkenswerten Bühnenpräsenz. Der Mittelbass hat manchmal Schwierigkeiten sich über dem Orchester-Graben durchzusetzen, was dazu führt, dass der Charakter ein wenig an Autorität verliert.

Wir müssen den Chor des **Ensemble Correspondances** würdigen, der in diesem Werk eine wichtige Rolle spielt. Homogenität und Sensibilität vereinen die Momente des Ganzen und wir werden mehrmals zittern, bis *„Jamais amour plus fidèle et plus tendre / Eut-il un sort plus malheureux?“* des V. Akts, dem ein Trompeten-Gesang vorangeht: *„Du plus grand des héros, chantons, chantons la* *gloire“*, dessen Freude ***Davids*** Einsamkeit noch tragischer macht. Auch die Instrumentalisten des Ensembles kommen nicht zu kurz. Unter der aufmerksamen Leitung von **Daucé** verkörpern die Musiker die Partitur mit einer entzückenden Lebendigkeit und einer Präzision in der Ausführung, die nichts dem Zufall überlässt und sie auch offensichtlich viel Freude an der Interpretation dieser Partitur haben.

Ein hochgelobtes Ensemble mit viel Enthusiasmus umjubelt und ein von einem bedeutenden Teil des Publikums ausgebuhter Regisseur, was unserer Meinung völlig ungerecht ist, schließen diese Pariser Aufführung ab. **(PMP/24.03.2024)**

## Für Anfragen, Auskünfte und Kartenkauf: [www.theatrechampselysees.fr](http://www.theatrechampselysees.fr/?ref=ioco.de)

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## Konnte Charpentiers David et Jonathas trotz seiner ungewöhnlichen Stellung als nicht-echte Oper überzeugen?

Die Kritik würdigt David et Jonathas als einzigartiges, an der königlichen Oper einst verbotenes Werk, das den Mythos von Freundschaft und Liebe eindrucksvoll entfaltet.