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# Paris, Athénée – Théâtre Louis-Jouvet, Liederabend L. Kilsby, E. O’Neill, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/paris-athenee-theatre-louis-jouvet-liederabend-l-kilsby-e-oneill-ioco/
- Published: 2026-06-02T13:12:48.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:52:47.000Z
- Author: Peter Michael Peters
- Tags: Konzert & Liederabend, Kritiken, Paris

Paris est une fête… Voyage à Paris, Athénée – Théâtre Louis-Jouvet, Paris, 18.05.2026.
  
  
**18.05.2026**

***PARIS EST UNE FÊTE… VOYAGE A PARIS***

***Ah! la charmante chose*** 
***Quitter un pays moros*** 
***Pour Paris*** 
***Paris joli*** 
***Qu’un jour dût créer l’Amour*** 
***Ah ! la charmante chose*** 
***Quitter un pays morose*** 
***Pour Paris***

(**Poulenc**/**Apollinaire**)

***Paris ist ein berauschendes Fest…***

Die beiden jungen britischen Künstler - der Tenor **Laurence Kilsby** und die Pianistin **Ella O’Neill** – sind die aufstrebenden Stars des unvergesslichen Liederabends. Nach ihrem gefeierten ersten **CD**\-Album bei der **Deutschen Grammophon** **Gesellschaft** präsentiert das Duo im **Athénée -Théâtre Louis-Jouvet** im Rahmen der **Lundis Musicaux** ein neues Programm: Eine Hommage an die reiche Geschichte der Musik und Literatur im Paris des 20\. Jahrhunderts mit Werken u. a. von **Francis Poulenc** (1899-1963), **Nadia** **Boulanger** (1887-1979), **Ned Rorem** (1923-2022), **Reynaldo Hahn** (1874-1947), **Arthur Honegger** (1892-1955) und **Noël Coward** (1899-1973). ***Paris est une fête…***

**Kilsby**, begleitet von **O’Neill**, haben sie sich von **Ernest Hemingway** (1899-1961) den Titel seines Buches ***A Moveable Feast*** (1964) ausgeliehen, in dem er von seiner Jugend in Paris in den 1920er Jahren erzählt. Die vielen großen Persönlichkeiten der französischen Musikszene jener Zeit sowie der vorabgegangenen Jahre stehen im Mittelpunkt dieses Liederabends. Auch amerikanische Komponisten, die Paris gekannt haben oder von ihr inspiriert wurden, nehmen darin einen wichtigen Platz ein.

Das Paris, an das sich **Hemingway** erinnert, ist vor allem ein Paris der Sinne, in dem man durch den kalten Wind und den Winterregen schlendert oder im Gegenteil im Licht des Frühlings: Vom place de la Contrescarpe bis zur Seine, mit einigen Zwischenstopps in gemütlichen Cafés oder bei den berühmten Antiquariaten-Shops. Es ist ein Ort, der zum Träumen einlädt, wie der anonyme Flaneur aus ***Voyage à*** ***Paris*** (1889) von **Guillaume Apollinaire** (1880-1918) erzählt, die **Poulenc** als *„délicieusement stupid“* findet und mit viel ironischer Musikalität bejubelt. Es ist auch eine Stadt, die dazu einlädt, ihre Straßen, Plätze und Brücken zu beschwören: ***Montparnasse, FP 147, N° 1*** (1913/1941) von **Poulenc**/**Apollinaire**, die rue de la Paix für ***Parisian Pierrot*** (1921) aus der musikalischen Revue ***London Calling!*** (1923) von **Coward**, Saint-Germain, der Pont Mirabeau, oder auch noch die rue François 1er bei **Rorem**. Im Jahr 1966 erinnert dieser von **Aaron Copland** (1900-1990) ausgebildete amerikanische Komponist und Journalist mit der Veröffentlichung seines ***The Paris Diary, 1951-1955,***  eine Quasi-Fortsetzung der Chronik von **Hemingway**. Er wird insbesondere von der **Groupe des Six** ( zwischen 1916 bis 1923)beeinflusst, zu der **Poulenc,** **Honegger** und auch **Georges Auric** (1899-1983), **Louis Durey** (1888-1979), **Darius Milhaud** (1892-1974), **Germaine** **Tailleferre** (1892-1983) gehörten. Sie alle waren sehr beeinflusst von den Ideen des Komponisten **Erik Satie** (1866-1925) und dem berühmten Dichter **Jean Cocteau** (1889-1963).

In den 1920er Jahren war Paris ein brodelnder Schmelztiegel vieler Künste. **Hemingway** erzählte gerne von seiner Arbeit in Cafés oder in seinem Hotelzimmer: Jenem Hotel, in dem **Paul Verlaine** (1844-1896) starb,zu der Zeit**,** als **Gabriel** **Fauré** (1845-1924): ***Prison, Op. 83, N° 1*** (1893) aus ***Deux Mélodies*** (1894) und **Hahn**: ***L’Heure exquise*** (1890) aus ***Chansons grises*** (1894) seine Gedichte vertonten. Als ehemalige Schülerin von **Fauré** komponierte **N. Boulanger** gemeinsam mit dem Komponisten **Raoul Pugno**  (1852-1914) die Sammlung ***Les Heure claires, NB 33*** (1910), die auf den Liebesgedichten von **Émile Verhaeren** (1855-1916) basiert. Später gibt sie das Komponieren auf, übt jedoch als Pädagogin einen erheblichen Einfluss aus. Sie bildet insbesondere **Copland** aus, dessen ***Old Poem*** (1920), eines seiner ersten Werke, das in Paris uraufgeführt wurde, sowie **George** **Gershwin** (1898-1937), dem der Jazzpianist **Earl Wild** (1915-2010) mit seinen *Sept études pour* *Piano de virtuosité:* ***Embraceable You*** (1930) und mit dem Songtext seines Bruder **Ira Gershwin** (1896-1983) huldigt.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2026/06/Ella-O-Neill-Laurence-Kilsby----Peter-Michael-Peters.jpg)

Ella O'Neill Laurence Kilsby © Peter Michael Peters

Im Jahr 1920 bezeichnete der Kritiker **Henri Collet** (1885-1951) die jungen Komponisten, die sich um **Cocteau** scharten als die **Groupe des Six**. Während die Melodien von **Poulenc** zu Gedichten des *„so Pariser“* **Apolliniare** – *„Plus je relis* **Apollinaire** *, plus je suis frappé du rôle poétique de Paris dans son œuvre“* \- aus späterer Zeit stammen, entstanden die kurzen Stücke von ***Petit cours de morale, H. 148*** (1941) von **Honegger** dieser Epoche. Sie vertonen Verse von **Jean** **Giraudoux** (1882-1944), einer zentralen Figur des literarischen Paris der Goldenen Zwanziger. Zur gleichen Zeit war auch **Porter** in Paris, doch der Song ***Where, oh Where?*** stammt aus ***Out of This World*** (1950). Es wurde für ein Musical am **Broadway** geschrieben, ebenso wie ***I‘m*** ***a Stranger Here Myself*** aus ***One Touch of Venus*** (1943) von **Kurt Weill** (1900-1950) nach einem Libretto von **Ogden Nash** (1902-1971) und **Sidney Joseph Perelman** (1904-1979).

Mit den jüngsten Melodien von **James Golborn**, einem im Jahre 1992 geborenen englischen Komponisten, kehren wir zu **Hemingway** zurück. Sie vertonen zwei Gedichte, die 1921 in Chicago verfasst wurden: ***Killed*** ***Piave – July 8 – 1918*** und ***Flat Roofs***, sowie ***Valentine***, einen prägnanten Text, der um 1927 in Paris geschrieben wurde.

***Der Liederabend im Athénée – Théâtre Louis-Jouvet am 18\. Mai 1026:***

***Auf den ersten Blick verliebt…***

***Paris est une fête*** lautet der Titel des Liederabends im Rahmen der **Lundis musicaux**, den die beiden jungen Musiker **Kilsby** und **O’Neill** uns zum Ende der Saison boten, der die literarische und musikalische Kultur des Paris der Zwischenkriegszeit feiert. Die Künstler widmeten der unvergesslichen britischen Sopranistin **Dame Felicity Lott** (1947-2026) - die vor einigen Tagen verstorben ist – diesen hinreißenden Abend.

Der Abend beginnt mit einer Hommage an die große „**Dame** F**lott“** \- wie man sie in eingeweihten Kreisen nannte - die wie **Alphonse Cemin**, musikalischer Leiter der **Lundis Musicaux** im **Athénée – Théâtre Louis Jouvet** uns erinnert, regelmäßig in diesem Haus auftrat und acht Mal an diesen Musik-Zyklen teilgenommen hat.

Der Titel ***Paris est une fête*** ist wie schon gesagt nach dem gleichnamigen Buch von **Hemingway** entlehnt, in dem er seine Pariser Jugend in den 1920er-Jahren schildert. **Kilsby** und **O’Neill** präsentieren ein Programm, das das Paris jener Zeit beleuchtet – ein pulsierendes künstlerisches Zentrum, in dem sich unter anderem französische und amerikanische Musiker und Schriftsteller trafen.

Das Publikum wird so zu einer Reise nach Paris eingeladen, angeregt durch **Poulencs** Vertonung eines Gedichts von **Apollinaire**. Es bietet sich die Gelegenheit, auf **Hemingways** Spuren zu wandeln, die rue de la Paix entlang zu schlendern wie **Cowards**: ***Parisian Pierrot***, durch Saint-Germain-des-Prés, über den Pont Mirabeau, die rue François I., wie in den Melodien von **Rorem**: For ***Poulenc*** und ***Early in the Morning***, und durch ***Montparnasse*** von**Poulenc/Apollinaire*.*** Auch das berühmte Café de Flore wird heraufgeschworen, wo sich **Honegger/Giraudoux** begegneten; aus dieser Freundschaft entstand ***Le Petit Cours de Morale***.

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Laurence Kilsby, Tenor © Peter Michael Peters 

Das Hotel, in dem **Hemingwa**y arbeitete, war laut dem Schriftsteller der Ort, an dem **Verlaine** starb, genau zu der Zeit, als **Fauré** und **Hahn** seine Gedichte vertonten. Das Programm beleuchtet zudem die enge Meister-Schüler-Beziehungen durch die Einbeziehung von Werken von **Fauré**, **N. Boulanger** und **Copland**.

Die jüngere Generation von Komponisten setzt sich weiterhin mit **Hemingways** Werken auseinander, besonders der britische Komponist **Goldborn**.

Der Tenor **Kilsby** zog das Publikum mit seiner hellen, klaren Stimme, die er mit Leichtigkeit und Flexibilität vortrug, sofort in den Bann. Sein makelloses Französisch machte Übertitel überflüssig, und er trug die Gedichte mit Witz und Humor vor. Im Vertrauen auf Text und Musik präsentierte seine Interpretation eine vollkommene Verbindung von Hingabe und Präzision. Obwohl der Dichter von **Montparnasse** *„etwas einfach“* ist, bewahrte der Sänger ihm eine gewisse Würde und ***L’Heure exquisse*** verkörpert diese wahrhaftig: So sanft und sinnlich ist sein Gesang.

Er fühlt sich im amerikanischen Repertoire, das von der Ästhetik des Musicals geprägt ist, sichtlich wohl. Stets elegant, bekennt er in ***Mad about the boy*** aus der Revue ***Words and Music*** (1932) von **Coward**, *„verrückt nach dem Jungen zu sein“*. Er lässt sich sichtlich etwas gehen und erklärt sich in **Weills** Song, das er mit subtiler, aber wirkungsvoller Theatralik interpretiert, zu einem Fremden, dem die Codes der Liebe unbekannt sind. Auch **Hemingways** unverblümte Worte kann er ohne Vulgarität vortragen, ein Hauch von Lächeln umspielt seine Lippen.

Die Pianistin **O’Neill** vereint Feingefühl und Leichtigkeit, wodurch das Duo ein harmonisches Gespann bildet. Sie interpretiert auch **Wilds** Transkription von **Embraceable You** Piano-Solo, spielt die Noten mit eleganter Leichtigkeit und steigert die *crescendo* mit Bedacht.

Nach einem überaus begeisterten Applaus des Publikums gaben die beiden Künstler zwei Zugaben: ***Non, je ne regrette*** ***rien*** (1956), im Original von der einmaligen **Édith Piaf** (1915-1963) gesungen und komponiert von **Charles Dumont** (1929-2024) nach dem Text von **Michel Vaucaire** (1904-1980), einer weiteren großen Dame, die ebenfalls durch die Straßen von Paris wandelte. Dann noch einmal eine herzergreifenden Hommage an ihre kürzlich verstorbenen Landsmännin: ***Morgen, Op. 27, N° 4*** (1894) von **Richard Strauss** (1864-1949).

Auskunft und Kartenverkauf: [www.athenee-theatre.com](http://www.athenee-theatre.com/?ref=ioco.de) Tel + 33 / (0)1 53 05 10 19

## Wie wirkten die beiden jungen Künstler Laurence Kilsby und Ella O'Neill bei ihrem Liederabend im Athénée?

Die beiden aufstrebenden britischen Stars boten einen hinreißenden, unvergesslichen Liederabend, der die literarische und musikalische Kultur des Paris der Zwischenkriegszeit feierte.