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# Paris, Athénée – Théâtre Louis Jouvet, Liederabend - H. M. Rendall, H. Vida, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/paris-athenee-theatre-louis-jouvet-liederabend-h-m-rendall-h-vida-ioco/
- Published: 2026-04-26T10:03:56.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:52:46.000Z
- Author: Peter Michael Peters
- Tags: Konzert & Liederabend, Kritiken, Paris

Liederabend: Le Bestiaire, La bonne chanson, Vier Lieder, Rückert-Lieder von Francis Poulenc, Gabriel Fauré, Arnold Schönberg, Gustav Mahler, Athénée – Théâtre Louis Jouvet, Paris, 20.04.2026.

 **20.04.2026**

***VON INTENSIVER MUSIKALISCHER LEBENDIGKEIT…***

***Liebst du um Schönheit,*** 
***O nicht mich liebe!*** 
***Liebe die Sonne,*** 
***Sie trägt ein gold’nes Haar!***

***Liebst du um Jugend,*** 
***O nicht mich liebe!*** 
***Liebe den Frühling,*** 
***Der jung ist jedes Jahr!***

***Liebst du um Schätze,*** 
***O nicht mich liebe!*** 
***Liebe die Meerfrau,*** 
***Die hat viel Perlen klar!***

***Liebst du um Liebe,*** 
***O ja, mich liebe!*** 
***Liebe mich immer,*** 
***Dich lieb‘ ich immerdar!***

(Aus ***Fünf Lieder*** von **Mahler**/**Rückert:** *„Liebst du um Schönheit“*, N° 3)

***Von Wien nach Paris…***

Vier Meisterwerke im Rahmen der **Lundis musicaux** im **Athénée – Théâtre Louis Jouvet** für einen unvergesslichen Abend: **Francis Poulenc** (1899-1963): ***Le Bestiare, FP 15a*** (1918/19), **Gabriel Fauré** (1845-1924): ***La bonne chanson, Op. 61*** (1894), **Arnold Schönberg** (1874-1951): ***Vier Lieder, Op. 2*** (1899) und **Gustav Mahlers** (1860-1911): ***Rückert-Lieder*** (1905). Die Werke werden von zwei jungen talentierten Künstlern interpretiert: Dem britischen Bariton **Huw Montague Rendall**, der kürzlich an der **Opéra National de** **Paris**, im **Concertgebouw** Amsterdam und in der **Wigmore Hall** London zu hören war und dem brasilianischen Pianisten und Dirigenten **Hélio Vida**. Ihr Duo wurde kürzlich für seine „*sehr hohe Qualität in Interpretation, Gesang, Klavierspiel und die Intelligenz im Zusammenspiel der beiden“* (**ResMusica**) gefeiert.

Aus der intensiven musikalischen Aufbruchstimmung, die um die Wende vom 19\. Zum 2O. Jahrhundert in Wien wie in Paris herrschte, gibt **Rendall** einige vokale Einblicke in der Gesellschaft von **Vida**: Auf deutscher Seite der Nach-Romantik die Lieder von **Mahler** und dem sehr jungen **Schönberg**; auf französischer Seite die Raffinesse ***La Bonne Chanson*** von **Fauré** und die Modernität von **Poulencs**: ***Le Bestiaire***.

***Eine beeindruckende lyrische Anthologie…***

Zwischen dem Ende des 19\. Jahrhunderts, als **Fauré** in 1894 ***La Bonne Chanson*** nach Gedichten von **Paul** **Verlaine** (1844-1896) vollendete und der unmittelbaren Nachkriegszeit, in der **Poulenc**: ***Le Bestiaire*** nach Gedichten von **Guillaume** **Apollinaire** (1880-1918) komponierte, hatte sich der Tonfall gewandelt. *„*Le Bestiaire* selbst ist ein Manifest ästhetischer Entscheidungen der neuen Generation“* schrieb**Vincent Vivès** (\*1967). Hier ist die Fragestellung in erster Linie poetischer Natur! Die Begegnung des jungen Komponisten mit **Apollinaire** im Jahr 1918, kurz vor dessen Tod, eröffnete den Weg mit dem Werk des Dichters zu einer außergewöhnlichen künstlerischen Zusammenarbeit, die fast bis zu **Poulencs** letzten Lebensjahren andauern sollte. Die Tierverse des Dichters inspirierten den Musiker zu sechs zarten kunstvollen Vignetten, zu denen er erklärte: *„*Le Bestiaire* ironisch zu singen, ist eine völlige Fehlinterpretation“*. Die neun Stücke ***La Bonne Chansons*** stellen einen Höhepunkt romantischer Musik dar. Inspiriert von **Verlaine**, erreichte **Fauré** ein beispielloses Niveau formaler Raffinesse. Die Feinheiten seiner musikalischen Sensibilität, die von Andeutungen und Freiheit geprägt ist, werden hier durch eine zyklische Konzeption verstärkt. Nach **Robert Schumanns** (1810-1856) Vorbild ordnet er die Gedichte des fünften Zyklus neu, um eine Geschichte zu erzählen, von der Geburt der Liebe bis zu ihrer Verwirklichung in seinem Kunstwerken.

Zwischen 1903 und 1904 veröffentlichte **Schönberg** seine ersten Werke, darunter die ***Vier Lieder, Op.*** ***2***. Diese brachten ihm den Respekt des fünfzehn Jahre älteren **Mahler** ein und bald entwickelte sich zwischen den beiden eine Freundschaft und eine große gegenseitige Wertschätzung. Noch immer vom Einfluss des **Johannes Brahms** (1833-1897) und dem allgegenwärtigen **Richard Wagner** (1813-1883) geprägt, zeichnet sich in **Schönbergs** musikalischer Sprache im ***Opus 2*** jedoch mit einigen komplexeren Akkorden aus, die somit in einem leichten klavierartigen Stil voll erblühen. Die geschmeidige Gesangslinie entlehnt ihre Worte von **Johannes Schaf** (1862-1941) und insbesondere von **Richard Dehmel** (1863-1920), einem der Lieblings-Dichter des jungen Komponisten – er inspirierte ihn besonders für seine berühmte ***Verklärte Nacht, Op. 4***, die ebenfalls 1899 komponierte wurde -. Die Lieder von **Mahler** sind nur geringfügig später entstanden, aber sie stammen von einem erfahrenen Komponisten, der bereits seine ersten vier Sinfonien und auch eine Reihe von Liedern – darunter auch ***Des Knaben Wunderhorn*** (1899), komponiert hatte. **Friedrich Rückerts** (1788-1866) Gedichte inspirieren **Mahler** zu Werken in tiefen abgründigen und gedämpften Tönen: So sind *„Um Mitternacht“,* N°4mit ihren düsteren Klängen, und *„Ich bin der Welt abhandengekommen“,* N° 5sind ergreifende Lieder der Einsamkeit. Die ersten vier Lieder entstanden 1905 und wurden mit großem Erfolg uraufgeführt, das Konzert wurde von der **Vereinigung Schaffender Tonkünstler**, einer Musik-Gesellschaft, die sich der Neuen Musik widmete und deren Mitbegründer auch **Schönberg** war. *„Liebst* *du um Schönheit“,* N° 3, ein Jahr nach dem Zyklus komponiert, ist eine Liebeserklärung an **Alma Schindler** (1879-1964), die **Mahler** gerade geheiratet hatte.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2026/04/Huw-Montague-Rendall--C--Peter-Michael-Peters.jpg)

Huw Montague Rendall (c) Peter Michael Peters

***Der Liederabend im Athénée – Théâtre Louis Jouvet / Paris am 20\. April 2026:***

***Britische Eleganz im Dienste französischer Melodien***

***und Liedern der deutschen Spätromantik:***

Im Rahmen der Serie **Lundis musicaux** im **Athénée – Théâtre Louis-Jouvet**, in Zusammenarbeit mit **Le Balkon**, begrüßt den jungen Sänger zu einem Programm mit französischen Melodien und deutschen Liedern, begleitet von **Vida** am Klavier.

Seine zahlreichen Auftritte in der **Opéra National de Paris** und beim **Festival Aix-en-Provence** hatten – insbesondere durch seine fesselnde Interpretation de ***Pelléas*** aus der Oper ***Pelléas et Mélisande*** (1902) von **Claude Debussy** (1862-1918) – das **Rendalls** besondere Affinität zur französischen Vokalmusik offenbart. Dieser Liederabend bestätigt seine vollendete Beherrschung dieses Genre.

Mit solch einer meisterhaften Stilistik und Ausdruckskraft nähert sich der junge Bariton an **Fauré** und **Poulenc** und lässt die große Interpretations-Tradition von Größen wie **Charles Panzéra** (1896-1976) und **Camille Maurane** (1911-2010) – um nur einige herausragende Beispiele zu nennen – wieder aufleben. Ob in **Faurés** Zyklus ***La Bonne Chanson*** nach Gedichten von **Verlaine** oder in **Poulencs**: ***Le Bestiaire*** nach Texten von **Apollinaire**: **Rendall** zeichnet sich bereits durch die Präzision und Klarheit seiner Aussprache aus, die nie den geringsten Akzent verrät. Alles ist präzise, bei Bedarf akzentuiert, über den gesamten Stimmumfang hinweg, der sich als ebenso umfangreich wie präzise in seiner Interpretation erweist. Das Timbre ist prachtvoll und farbenreich, die Gesangslinie durchdacht und vor allem lebendig, die hohen Töne perfekt und die tiefen klar definiert.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2026/04/H--lio-Vida--Klavier-und-Huw-Montague-Rendall--Bariton.--C--Peter-Michael-Peters.jpg)

Hélio Vida, Klavier und Huw Montague Rendall, Bariton. (c) Peter Michael Peters

Tatsächlich durchläuft er beide Zyklen mit seltener Klarheit und einer ebenso großzügigen wie feinfühligen Formbetrachtung. Das „**Bestiarium** *und seine Tier-Quartette“* werden, wie von **Poulenc** beabsichtigt, mit Ernsthaftigkeit behandelt, doch schwingt in der Interpretation von „*Le Dauphin“,* N° 4oder *„La Carpe“*, N° 6, mit dem dieser reizvolle Zyklus seinen Abschluss findet, doch ein Hauch von Humor oder Staunen mit. **Faurés** ***La Bonne Chanson*** wiederum zählt zum Höhepunkt der französischen romantischen Melodie. Als Musterbeispiel an Raffinesse und musikalischer Subtilität schildert dieser auf **Verlaine** basierende Zyklus den gefahrvollen Weg von der Geburt der Liebe bis zu ihrer Weihe durch die Ehe.

Der britische Sänger zeigt sich hier etwas offener: Mal leidenschaftlich, wenn es angebracht ist, mal tief bewegend in intimeren Momenten. Die künstlerische Verbundenheit mit dem brasilianischen Pianisten, Dirigenten und Gesangs-Pädagogen **Vida**, dessen Anschlag exquisit ist und unüberhörbar, so vollkommen ist ihr gemeinsamer ästhetischer Zugang zu dieser Musik. In der zweiten Hälfte des Konzerts führen die beiden Interpreten den Zuhörer mit gleicher musikalischer Intelligenz in die Welt der deutschen Kunstlieder ein.

**Schönbergs**: ***Vier Lieder*** nach Gedichten von **Dehmel** und das letzte zusätzliche Lied *„Waldsonne“*, N° 5 nach einem Text von **Schaf**, zählen zu den Frühwerken des Komponisten. Noch stark von **Brahms** beeinflusst, zeichnen sie sich dennoch durch komplexere Akkorde und eine leichte Klavierbegleitung aus. Etwas später bieten **Mahlers**: Die fünf ***Rückert-Lieder*** nach Gedichten des großen romantischen Dichter **Rückert** haben ein nuancenreiches Panorama, dessen Lyrik von ruhig bis erhaben reicht, aber stets melancholisch ist und eine tiefe sehnsuchtsvolle Einsamkeit vermittelt. **Rendall** interpretiert alle diese Elemente auf wahrhaft bewegender Weise und verleiht ihnen eine unerschöpfliche „Menschlichkeit“, die sehr tief berührt. Seine Interpretation von *„Um Mitternacht“*, N° 4, bei der das letzte Wort mehrfach wiederholt wird, erlaubt es dem Interpreten, neue Tiefen zu erkunden und die Wirkung zu variieren, ohne jemals vom ursprünglichen Sinn abzuweichen. Am Ende dieses Zyklus vergießt er sogar einige berührende Tränen!

Auch **Vida** wirkte noch entspannter, ganz versunken in die Intimität dieser deutschen Texte. Angesichts der gewaltigen Begeisterung des Publikum setzen die beiden Künstler ihren Liederabend mit vier Zugaben fort, darunter einen englischen Song für seinen kürzlich verstorbenen Vater, der große unvergessliche Tenor **David Rendall** (1948-2025) und **Poulencs**: ***Montparnasse, FP 127*** (1941) nach einem Text seines geliebten Dichter **Apollinaire**. Die **Opéra National de Paris** wird **Rendall** im Juni und Juli zu seinem Rollendebüt als ***Dandini*** in **Gioachino Rossinis** (1792-1868) ***La Cenerentola*** (1817) und im Herbst dann erneut als ***Figaro*** im ***Il barbiere di Siviglia*** (1816) begrüßen.

Informatioen: [www.athenee-theatre.com](http://www.athenee-theatre.com/?ref=ioco.de) Tel.: + 33 / (0)1 53 05 19 19; Opéra National de Paris: [www.operadeparis.fr](http://www.operadeparis.fr/?ref=ioco.de) \+ 33 / (0)1 58 18 35 35

## Wie überzeugt Bariton Huw Montague Rendall bei den französischen Melodien dieses Liederabends?

Rendall bestätigt mit meisterhafter Stilistik und Ausdruckskraft seine vollendete Beherrschung der französischen Vokalmusik bei Fauré und Poulenc und knüpft an große Interpretationstraditionen an.