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# Paris, Athénée – Théâtre Louis-Jouvet, Il Vecchio Avaro - F. Gasparini
- URL: https://www.ioco.de/paris-28/
- Published: 2026-04-25T12:11:22.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:52:22.000Z
- Author: Peter Michael Peters
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Paris

Il Vecchio Avaro von Francesco Gasparini, Athénée – Théâtre Louis-Jouvet, Paris, 16.04.2026.

 **16.04.2026**

***EIN KLEINES LYRISCHES BAROCK-JUWEL…***

***Agitata da due venti,*** 
***freme l’onda in mar turbato*** 
***e’l nocchiero spaventato*** 
***già s’aspetta a naufragar.***

***Dal dovere da l’amore*** 
***Combattuto questo core*** 
***Non resiste e par che ceda*** 
***E incominci a desperar.***

***Agitata da due venti, RV 718*** (1735), aus der Oper ***Griselda*** von **Vivaldi**, Text: **Carlo Goldoni** (1707-1793)

***Voller Charme und sehr reichhaltig…***

Als Sinnbild der von **Jean-Baptiste Poquelin** genannt **Molière** (1622-1673) geprägten französischen Komödie mit dem berühmten ***L‘Avare*** (1668) - ***Der Geizige*** –, wurde das Stück unter dem italienischen Titel ***Il*** ***Vecchio Avaro*** (1720) von **Francesco Gasparini** (1668-1727) als musikalisches Intermezzo mit einem Libretto von **Antonio Salvi** (1664-1724) in Venedig adaptiert und uraufgeführt. Obwohl einige Zeilen wörtlich übersetzt wurden, ist die Handlung dennoch gekürzt, die Anzahl der Figuren von fünfzehn auf vier reduziert und die Geschichte aus der Perspektive einer Frau erzählt. Das Stück beginnt mit dem Auftritt von ***Fiametta***, einer bescheidenen jungen Frau, die entschlossen ist, ihren Nachbarn ***Pancrazio***, einer von Habgier zerfressenen Mann in den Sechzigern, zu bestrafen. Um ihr Ziel zu erreichen, schmiedet sie einen Plan: ***Fiametta*** verkleidet sich als **Fichetto**, ein imaginärer Zwillingsbruder und schleust sich unter diesem *„männlichen Ebenbild“* in ***Pancrazios*** Dienste ein, um sein Gold zu stehlen…

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Il Vecchio Avaro, Eva Zaicik ( Fichetto), Stefano Amori (Valletto) und Serge Goubioud (Scarabea) (C) Philippe Deval

Das Ensemble **Le Poème Harmonique** unter der musikalischen Leitung ihres französischen Dirigenten **Vincent Dumestre**, tut sich mit dem französischen Regisseur **Théophile Gasselin** zusammen, um dieses wieder entdeckte Stück ***Il*** ***Vecchio Avaro*** neu zu inszenieren und wagt es, den großen Charme dieses einzigartigen Repertoire zu nutzen.

***Wie das Popcorn seiner Zeit…***

Die Reform der italienischen Oper wurde im 18\. Jahrhundert maßgeblich vom französischen Theater inspiriert und **Molière** hallt auf den Bühnen der europäischen Opernhäusern wider.

Bestehend aus drei singenden und einer stummen Person, umgeben von einer leichten Orchester-Begleitung, ***Il*** ***Vecchio Avaro*** ist ein Intermezzo – wohl das bekannteste Beispiel dafür ist ***La serva*** **padrona** (1733) von **Giovanni Battista** **Pergolese** (1710-1736), die Hauptfigur der berühmten „*Querelles des Bouffons - Der Krieg der Narren“* in 1752 -. Der Librettist **Salvi**, der bereits von **Molières** Theater inspiriert war: Hatte schon ***Le Bourgeois gentilhomme*** (1670) in ***L’artigiano gentiluomo*** (1726) von **Johann Adolf Hasse** (1699-1783) und ***Le Malade imaginaire*** (1673) in ***Il malato immaginario*** (1723) von **Leonardo Vinci** (1690-1730) geschrieben, schaffte es dem Geist von **Molières** Komödien treu zu bleiben, ohne an komischer Kraft einzubüßen, obwohl das Werk von fünf auf drei Akte gekürzt und vollständig gesungen wird.

***Der Reichtum der populären Oper…***

Zweiundfünfzig Jahre nach der Uraufführung des ***L’Avare*** in Paris entdeckte das Florentiner Publikum eine lyrische Bearbeitung von **Molières** Stück in Form eines Intermezzos. Diese kurzen Werke, Vorläufer der *Opéra Bouffa*, boten dem Zuschauer leichte Handlungen aus populären Komödien und sollten Momente der Ruhe zwischen den Akten einer ernsten *Opéra seria* schaffen. Meistens waren die Stücke mit einem Solisten-Duo und einer stummen Figur, die von einem kleinen leichten Musik-Ensemble begleitet wurden.

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IL Vecchio Avaro, Éva Zaicik (Fiametta) und Victor Sicard (Pancrazio) (c) Philippe Deval

So wird im Jahr 1720 das Intermezzo ***Il*** ***Vecchio Avaro*** zu Ehren von **Jean-Gaston de Medicis**, **Grand-Duc** **de Toscane** (1671-1737) in Venedig uraufgeführt. Das Libretto fasst die diversen Quellen von **Molière** zusammen und erweitert so eine Geschichte der Durchlässigkeit und des Austauschs zwischen französischer und italienischer Kultur. Als **Molière** sich Mitte des 17\. Jahrhundert für seine Komödie ***L’Avare*** von **Titus Maccius** **Plautus** (etwa 254-184 v. J.C.) und seiner Komödie ***Aulularia*** \- ***Der Topf voll Gold*** (?) inspirieren ließ, wollte er seinen Zeitgenossen eine französische Charakter-Komödie mit galanten Anspielungen bieten. Während **Salvi** gewisse Elemente des französischen Werkes beibehält und sogar Zeilen wörtlich übersetzt, verdichtet er die Formel und fügt ein wichtiges modernes Element hinzu: ***Il Vecchio Alvaro***, wird aus der Perspektive einer weiblichen Figur gesehen! Die Geschichte beginnt mit der Ankunft von ***Fiametta***, einer bescheidenen jungen Frau, die entschlossen ist ihren Nachbarn ***Pancrazio***, einen von Habgier zerfressenen Sechzigjährigen, zu bestrafen. Um ihr Ziel zu erreichen, ersinnt sie einen nicht sehr amüsanten Plan aus: ***Fiametta*** verkleidet sich als **Fichetto**, ein imaginärer Zwillingsbruder und schleust sich unter diesem *„männlichen* *Ebenbild“* in ***Pancrazios*** Dienst ein, um ihm sein Gold zu stehlen.

Doch diese *„Feminisierung“* der Handlung ist nicht das einzige ungewöhnliche Merkmal des Librettos. Mehr noch als die schmerzhaften parodistischen Klagen, sind die von ***Fiametta*** und ***Pancrazio*** genannten mysteriösen Geheimnisse, die sie bei ihrem Erscheinen vor dem Publikum unbeantwortet lassen. Das Geheimnis um einen Toten, den ***Pancrazio*** angeblich in seinem Gemüsegarten vergraben hat! Aber auch die Liebe, die in dem alten Mann wieder aufblühen lässt, als er die Zwillingsschwester seiner vermeintlichen Frau erblickt! Dann aber diese Art und Weise, mit der ***Fiametta*** ingroßer Brutalität selbstsicher singt: *„Es wäre wunderbar, wenn sich dieser alte Mann heute erhängen würde“*. Oder das Duett, das äußerst harmonisch klingt und für unser heutiges Ohr eine sehr intime Wirkung hat: *„Wer heute nichts besitzt, ist nichts“*. In dieser dynamischen Zuspitzung nimmt **Molières** Komödie die Züge einer Farce an, in der Liebe, Geld und Tod gleichermaßen wichtige Triebkräfte sind. Durch das Intermezzo löst sie sich von ihrem *„klassischen“* Rahmen, indem sie zwischen den drei Akten jeweils eine Ellipse einfügt. Um eine Aneinanderreihung von mehreren Situationen zu verhindern und somit nicht zu leicht in eine Frau im *„allgemeinen“* zu verfallen, liegt also die große Herausforderung der Aufführung in der Herstellung von Kontinuität. Genau darum geht es bei der Anwesenheit des Orchesters und des Dieners, den **Pancrazio** soeben entlassen hat. Dieser Diener, der ohne anderen Daseinszweck als zu dienen im Haus umherirrt! Durch das Schreiben von Lazzi und improvisierten Szenarien zwischen den Akten, begleitet von drei wunderschönen und traurigen italienischen Volksliedern aus dem 18\. Jahrhundert: *„Conosco gente di tal sorte“, „Chi non ha,* *no è“* und *„Sei mila scudi“.* Zusätzlich nocheine *Aria di baule* von **Antonio Vivaldi** (1678-1741)interpretiert in der Gestalt von **Fiametta**: *„Pasticcio de Agitata da due* *venti“* von der französischen Mezzo-Sopranistin **Éva Zaïcik**. Somit wird diese Figur sowohl zum Unterstützer von ***Fiametta*** als auch zum ersten Zeugen der furchtbaren Falle, die sich um ***Pancrazio*** fest zusammen zieht.

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Il Vecchio Avaro, Éva Zaicik (Fiametta) und Victor Sicard (Pancrazio) und Le Poème Harmonique (c) Philippe Deval

***Die Aufführung im Athénée – Théâtre Louis-Jouvet / Paris am 16\. April 2026:***

***Teatro Sant’Angelo Venedig 1720: Il Vecchio Alvaro alla Gasparini…***

Hinter der Bühne des **Teatro Sant’Angelo** herrscht vor der Vorstellung gespannte Aufregung: *„Mein Name ist *Lucrezia**(**La chanteuse de Vivaldi* / *Journal de Lucrezia, 1720** von**Christene Féret-Fleury**) *ich bin eine Waise. Ich wurde vom *Ospedale della Pietà* aufgenommen, wo ich Gesang erlernte. Hier stehe ich nun in meinem *Fiametta*\-Kostüm, meine Stimme zittert vor Vorfreude. Mein Mentor,* **Vivaldi** *, flüstert mir ein Paar ermutigende Worte zu, sein freundlicher Blick trifft meinen. Ich spüre den wachsenden Druck, aber auch den Stolz, eine Rolle zu spielen, die zwar in einer vergangenen Ära verwurzelt ist, aber dennoch moderne Sehnsüchte widerspiegelt. Ich wurde für ein neues Konzept namens Intermezzo ausgewählt, dass das Publikum zwischen den Akten der Opera seria unterhalten soll.*

*Heute Abend zeigen wir eine Version von* **Molières**: **L’Avare*. Das Thema dürfte den Venezianern gefallen, die ja bekanntlich geizig sind!*

*Der ehemalige Leiter des Waisenhauses,* **Gasparini** *, initiierte das Projekt, während* **Salvi** *, ein Librettist, der für seine Bearbeitungen von* **Molières** *Stücken wie *Le Bourgeois Gentilhomme* schon bekannt war, mit der Umarbeitung des Textes beauftragt wurde.* **Salvi** *kürzte das Originalstück, um es dem Stil der italienischen Commedia dell’arte anzunähern. So entwarf er eine straff fokussierte Handlung: *Fiametta*, eine junge verarmte Witwe, kehrt nach Italien zurück, fest entschlossen, das Geld ihres geizigen* *Nachbarn, des alten *Pancrazio*, an sich zu reißen. Um ihr Ziel zu erreichen, schleust sie sich in sein Haus ein, indem sie sich als imaginärer Zwillingsbruder *Fichetto* ausgibt, der den von *Pancrazio* entlassenen Diener ersetzen soll.*

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Il Vecchio Avaro, Ewa Zaicik (Fiamette) (c) Philippe Deval

*Dank dieser Bearbeitung verwandelt sich* **Molières** *Komödie in eine lebhafte und dynamische Farce, in der Musik und Theater ineinanderfließen.* **Gasparinis** *Musik unterstreicht das rasante Tempo der Farce und verleiht dem Originalwerk eine neue Dimension.* **Salvis** *Innovation zeigt sich jedoch vor allem in der zentralen Rolle der *Fiametta*, die eine kühne Perspektive auf die Situation der Frauen bietet. Mit scharfem Verstand und starkem Willen ausgestattet, ebnet sie den Weg nicht durch Liebe, sondern durch List, ganz wie eine venezianische Kurtisane. Ich mag die Rolle sehr und bin bereit, mein Bestes zu geben, um meinen Musiklehrer nicht zu enttäuschen.*

*Ecco! Ich bin an der Reihe. Der berühmte Tenor* **Antonio Barbieri**(?) *hat die Bühne unter Applaus verlassen und meine Kollegen der Commedia dell’arte eilen auf die Bühne, um schnell das Bühnenbild aufzubauen. Die Musiker nehmen ihre Plätze auf einem Podest ein.*

*Das Publikum äußerte lautstark seine Überraschung, eine Mischung aus Neugier und Skepsis. Doch als das Licht gedimmt und die Musik anschwoll, ergab ich mich dem Zauber des Augenblicks und vergaß all den Trubel.* **Gasparinis** *Intermezzo zwischen den Akten sorgten für Heiterkeit und belebten die Atmosphäre, wodurch sich die Anspannung im Publikum löste. Ich dachte darüber nach, dass Kunst manchmal die schönste Antwort auf Übertreibung und zu scharfe Kritik ist“.*

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Il Vecchio Avaro, Stefano Amori (Valletto) und Serge Goubioud (Scarabea) (c) Philippe Deval

***Athénee – Théâtre Louis-Jouvet Paris 2026: Il Vecchio Alvaro alla Dumestre…***

Ein schelmischer Zani – der ***Valletto*** interpretiert von dem phantastischen italienischen Pantomimen **Stefano Amori** \-, eine emblematische Figur des italienischen Theaters und der *Commedia dell’arte*, erscheint plötzlich und zieht die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich, indem er einen alten Diener mit einer Laterne anleuchtet und so an bestimmten Hell-Dunkel-Gemälde von **Michelangelo Merise da** **Caravaggio** (1571-1610) erinnert. Ein *„summender-brummender“* Ton auf der Vielle begleitet als Einleitung ein volkstümliches Klagelied. Diese für Süditalien typischen Lieder erklingen noch zweimal, ausdrucksstark gesungen von dem französischen Tenor **Serge Goubioud**, der als alte Amme ***Scarabea*** verkleidet ist. Dies erleichtert den fließenden Übergang zwischen den Akten und verstärkt die dramatische Aussage. Auf diese Weise fügen sich die drei fragmentierten Intermezzo von **Gasparini** zu einer zusammenhängenden und fließenden Aufführung zusammen. Beim Öffnen des Vorhangs entdeckt das Publikum ein Dutzend Musiker auf einem Podest, diskret geleitet von **Dumestre** an der Barockgitarre. Auf der anderen Seite der Bühne befindet sich ***Pancrazios*** Haus, von der französischen Bühnenbildnerin **Louise Caron** arrangiert wie eine bunte Sammlung von Möbeln und allerlei Gegenständen. Die Kostüme von dem französischen Kostümbildner **Alain Blanchot** zeichnen sich durch ihre Eleganz aus, die durch einen Hauch von Originalität bereichert wird: Ein schwarzes Reifrockkleid für die Witwe ***Fiametta***, eine puderrosa Variante für die Braut ***Fiametta***, ein Dienerkostüm für den imaginären Zwilling ***Fichetto*** und ein abgetragener Anzug für den geizigen ***Pancrazio***. Zu den markanten Elementen zählen die Moretta, eine traditionelle venezianische Frauenmaske und die Halskrause im antiken Stil, die der Geizige trägt – eine Anspielung auf **Molières** Werk.

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Il Vecchio Avaro Vincent Dumestre, Dirigent und Le Poème Harmonique (c) Philippe Deval

Das Publikum ist hingerissen von der Musik, die von den Musikern **Le Poème Harmonique** in der von **Gasselins** rhythmischer und eleganter Inszenierung mit viel Finesse und Virtuosität dargeboten wird, ebenso wie von den Interpreten selbst. Der Silbengesang sorgt dafür, dass der Text vollkommen verständlich bleibt, selbst wenn einige französische Wörter eingestreut werden, wie etwa in der Szene, in der ***Fiametta*** den alten **Pancrazio** mit einem *„Pariser“* vergleicht – eine subtile Anspielung auf die Tanzmeisterszene in ***Le Bourgeoise Gentilhomme***. Klagende Volkslieder interpretiert von **Goubinoud** verweben sich mit Rezitativen, *Da-Capo*\-Arien und Duetten und verzaubern das Publikum. **Sicard** wie schon gesagt verkörpert den geizigen ***Pancrazio*** mit einer vollen und brillanten Bariton-Stimme, die er mit Souveränität vorträgt: Seine Erregung steigert sich bis zum Wutausbruch in der Szene, in der er nach seinem Geldbeutel sucht, was allgemeine Begeisterung auslöst. **Zaïcik** ihrerseits bietet eine schelmische und einfallsreiche ***Fiametta*** oder auch **Fichetto**! Ihr solider und nuancenreicher Mezzo-Soprano ermöglicht es ihr, die verschiedenen Rollen mit Leichtigkeit zu spielen und selbst in der *Pastiche*\-Arie *„Agitata da due venti“* aus **Vivaldis** Oper ***Griselda***, mit der sie ***Pancrazios*** in ähnlichen Zustand verspottet, lässt sie den Saal vibrieren.

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Il Vecchio Avaro, Stefano Amori (Valletto) und Victor Sicard (Pancrazio) (c) Philippe Deval

***Venedig 1723: Les Querelles des Bouffons…***

Die Aufführung bereichert durch **Gasparinis** *Intermezzo*, war ein durchschlagender Erfolg im **Teatro** **Sant’Angelo**. Die Kunde verbreitete sich schnell und selbst **Benedetto Giacomo** **Marcello** (1639-1739), der bissige Kritiker, Komponist und Autor der Broschüre *Il teatro alla moda* (1720) ließ sich zu einer Vorstellung verleiten: Und so war ***Lucrezia*** zur Diva geworden!

Als es jedoch um die Abrechnung ging, flammte die Rivalität zwischen **Gasparini** und **Vivaldi** wieder auf. **Gasparini** forderte seinen Anteil, doch **Vivaldi** weigerte sich mit der Begründung, er sei plagiiert worden und könne seinerseits Schadenersatz verlangen. Er erinnerte ihn außerdem daran, dass er sein Theater und seine Lieblingsschülerin zur Verfügung gestellt hatte. **Gasparini** tief gekränkt, nannte **Vivaldi** darauf einen *„alten Geizhals“*.

So ist also die Uraufführung mit viel venezianischen Krawall beendet worden und wurde jedenfalls auch während einer umjubelten Wiederaufführung in einem neapolitanischen Theater von einem gewissen **Pergolese** besucht: Und dieser war wohl nicht gleichgültig!

**Informationen:** www. athenee-theatre.com Tel.: + 33 / (0)1 53 05 19 19

## Lohnt sich die Wiederentdeckung dieses barocken Intermezzos durch Le Poème Harmonique?

Ja, Vincent Dumestre und Théophile Gasselin nutzen den großen Charme dieses wiederentdeckten, reichhaltigen kleinen Barock-Juwels überzeugend.