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# Paris, Athénée – Théâtre Louis-Jouvet, Alice Coote - Recital, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/paris-22/
- Published: 2026-03-24T16:20:44.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:52:15.000Z
- Author: Peter Michael Peters
- Tags: Konzert & Liederabend, Kritiken, Paris

The Rebellious Recital, Athénée – Théâtre Louis-Jouvet, Paris, 16.03.2026.

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**16.03.2026** 
  
***THE REBELLIOUS RECITAL…***

 ***It’s a God-awful small affair*** 
***To the girl with the mousy hair*** 
***But her mummy is yelling, “No”*** 
***And her daddy has told her to go***

***But her friend is nowhere to be seen*** 
***Now she walks through her sunken dream*** 
***To the seat with the clearest view*** 
***And she’s hooked to the silver screen***

***But the film is a saddening bore*** 
***For she’s lived it ten times or more*** 
***She could spit in the eyes of fools*** 
***As they ask her to focus on***

**(David Bowie: Life on Mars /** Auszug**)**

**Julius Drake**, der legendäre britische Pianist, der im Rahmen der Serie **LES LUNDIS MUSICAUX** spielt, bedarf keiner Vorstellung mehr. In dieser Saison kehrt er in Begleitung der britischen Mezzo-Sopranistin **Alice Coote** zurück, die besonders für ihre Interpretationen von **Georg Friedrich Händel** (1685-1759), **Richard** **Strauss** (1864-1949) und **Richard Wagner** (1813-1883), sowie für ihren einzigartigen stereotypen Zugang zu Frauen- und Männerrollen bekannt ist.

In einem Programm, das vom Wunsch getrieben ist, die Grenzen zwischen den Genres neu zu definieren, schaffen **Coote** und **Drake** eine beispiellose Mischung der bekanntesten Lieder, Melodien und Songs der *„klassischen“* und *„populärer“* Musik, unter anderem von **Johann Sebastian Bach** (1685-1750) bis **Jacques Brel** (1929-1978), von **Henry Purcell** (1659-1695) bis **David Bowie** (1947-2016) und von **Gustav Mahler** (1860-1911) bis **Joni Mitchell** (\*1943)…

***Was ist „klassische“ Musik…?***

Warum ist unser Verhältnis zur Musik so gespalten, dass wir Aufführungen und ihr Publikum so strikt voneinander trennen?

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2026/03/The-Rebellious-Recital-Alice-Coote-und-Julius-Drake-copyright-Peter-Michael-Peters.jpg)

Alice Coote und Julius Drake copyright Peter Michael Peters

Während unsere Gesellschaft in Fragen der Gleichstellung von Rasse und Geschlecht Fortschritte erzielen, halten wir weiterhin an der strikten Kategorisierung all der Musik fest, die uns am Herzen liegt. Wenn die wahre *„klassische“* Epoche nur von 1750 bis 1820 reicht, warum belegen wir dann so viele Meisterwerke, die nicht dazu gehören, weiterhin mit diesem irreführenden Etikett?

Beruhigender als der Titel **The Rebellious Recital** vermuten lässt, aber im Kern entschieden rebellisch, führt uns unsere Reise durch die Jahrhunderte bis in die Gegenwart, geleitet von unseren Lieblings-Liedern – und Melodien, einschließlich Songs. Die Idee dahinter? Zu zeigen, dass das, was wir *„klassische“* Musik nennen, in Wirklichkeit einfach unvergessliche Musik aus unserer gemeinsamen Vergangenheit ist, die ihren Platz auf jeder Bühne verdient, neben all den anderen großen Musikstücken der Menschheits-Geschichte.

**Programm:**

**Edward Elgar** (1857-1934): *Speak Music* \* **Wolfgang Amadeus Mozart** (1756-1791): *An die Freude* \* **Händel**: *Quando mai spietata sorte* \* **Richard Wagner**: *Schmerzen* \* **Burt Bacharach** (1928-2023) **& Elvis Costello** (\*1954): *My Thief* \* **Gabriel Fauré** (1845-1924): *Fleur Jetée* \* **Kurt Weill** (1900-1950): *It never was you from* \* **Robert Schumann** (1810-1856): *Sitz ich allein* \* **Hugo Wolf** (1860-1903): *Denk‘ es, o Seele!* \* **Bowie**: *Life on Mars* \* **Mahler**: *Ich bin der Welt abhanden* *gekommen* \* **Mitchell**: *Borderline* \* **Leonard Bernstein** (1918-1990): *Somewhere* \* **Graham Peel** (1877-1937): *The Early* *Morning* \* **Francis Poulenc** (1899-1963): *Les Chemins de l’amour* \* **Reynaldo Hahn** (1874-1947): *L’heure exquise* \* **Franz Schubert** (1797-1828): *Seligkeit* \* **Roger Quilter** (1877-1953): Love’s Philosophy \* **Liza Lehmann** (1862-1918): *Love if you knew the light* \* **Irving Berlin** (1888-1989) arranged by **Nina Simone** (1933-2003): *You* *Can Have Him* from *„Miss Liberty“* \* **Bach**: *Bist du bei mir* \* **Brel**: *My Death* \* **Olivia Chaney** (\*1982): *House on* *a Hill* \* **John Lennon** (1940-1980): *Imagine* (arranged) \* **Strauss**: *Morgen!*

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2026/03/The-Rebellious-Recital-Alice-Coote-und-Julius-Drake-copyright-Peter-Michael-Peters-2.jpg)

Alice Coote und Julius Drake copyright Peter Michael Peters

**Der rebellische Lieder-Abend im Athénée – Théâtre Louis-Jouvet am 16\. März 2026:**

***Eine Diva packt aus: Von Bach bis Bowie…***

Mutig, kühn oder tollkühn? Für ihren jüngsten Auftritt im **Athénée – Théâtre Louis-Jouvet** in Paris wagte die gefeierte britische Mezzo-Sopranistin **Coote** wahrlich alles. Unter dem Titel ***The Rebellious*** ***Recital*** präsentierten **Coote** und ihr stets aufmerksamer Begleiter **Drake** die unten aufgeführten Lieder, Melodien und Songs – sowie eine Zugabe von **Lennon** und **Paul** **McCartney** (\*1942) – und spannten dabei einen Bogen über verschiedene Generationen und, was noch wichtiger ist, vermischten sie die Genres. **Wagner** stand neben **Costello** und **Bacharach**, **Bowie** zwischen **Wolf** und **Mahler**. Auf dem Papier wirkte das Programm, gelinde gesagt: Eklektisch! Doch dank ihrer vollendeten Kunstfertigkeit als grenzenloses Talent und Intellekt gelang es **Coote**, dieses Kunststück auch zu vollbringen. Es hätte eigentlich nicht funktionieren dürfen – aber es tat es.

Wenn Opernsängerinnen- und Sänger von ihrem ursprünglichen Repertoire abweichen, besteht immer die Gefahr, dass das Ergebnis in eine Parodie abgleitet. Wer erinnert sich nicht an die Mezzo-Sopranistin **Sarah Welkers** (\*1943) urkomische Interpretation von **Kylie Minogues** (\*1968): *I Should Be So Lucky* in der ***French-and-Saunders-Show*** Ende der 1980er-Jahre? Wir wollen damit nicht andeuten, dass **Coote** in dieselbe Falle getappt ist, ganz im Gegenteil. Doch wenn klangvolle, klassisch ausgebildete Sänger populäre Lieder in ihr Programm aufnehmen, die für eine ganz andere Stimmlage geschrieben wurden, ist der Grat zwischen einer gelungenen Interpretation und einer unbeabsichtigten Persiflage schmal.

**Coote** ist eine viel zu versierte Künstlerin, um in diese Falle zu tappen. Und obwohl sich die Ohren erst an die abrupten Stilwechsel zwischen den Songs gewöhnen mussten – von **Wolfs**: *Denk‘ es, o Seele!* zu **Bowies**: *Life on Mars* ist beispielsweise ein ziemlicher Sprung -, so wirkte aber der programmatische Fluss nach einer Weile völlig natürlich.

Die drei Lieder des Programms, die besonders berührten, waren allesamt deutsche Lieder, mit denen **Coote** seit Langem vertraut ist. **Mahlers**: *Ich bin der Welt abhanden gekommen* aus den ***Rückert-Liedern*** war in seiner schlichten Schönheit schmerzlich schön. **Coote** schöpfte aus einem schier unerschöpflichen Spektrum an Stimm-Farben und interpretierte den Text mit viel Liebe und Sorgfalt. Jede Silbe zählte – die Gesamtwirkung war wahrhaft ergreifend. Auch **Wagners**: *Schmerzen* aus den ***Wesendonck-Liedern*** war von Leidenschaft und einer Ahnung von Verlassenheit durchdrungen. Die herbstliche Stimmung des Programms wurde durch das letzte Lied – **Strauss‘** *Morgen* aus den ***Vier*** ***letzten Liedern*** noch verstärkt. Erneut lotete **Coote** die emotionalen Tiefen auf exquisite Weise aus und webte **Strauss‘** lange Gesangslinien zu vollkommener Perfektion auf einem feinen Ton-Faden.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2026/03/The-Rebellious-Recital-Alice-Coote-copyright-Peter-Michael-Peters3.jpg)

Alice Coote und Julius Drake copyright Peter Michael Peters

Und wie schnitten die Crossover-Nummern ab? Überraschend gut! **Coote** verzichtete größtenteils auf übertriebene Manierismen, die bei Stücken wie **Berlins**: *You Can Have Him* fatal hätten sein können. Sie trug den Song mit Selbstbewusstsein und einem Augenzwinkern vor, während die bedingungslose Hingabe in **Costellos**: *My Thief* perfekt eingefangen wurde. Nicht zuletzt dank **Ben Dawsons** (\*1985) feinfühligen Arrangements, die **Drake** mit seiner gewohnten Souveränität umsetzte. In **Bowies**: *Life on* *Mars* zeigten sich die beiden Künstler in ihrer kommunikativen Höchstform – **Coote** genoss die Worte sichtlich, während **Drake** die gekonnte Begleitung lieferte.

Der Abend nahm mit einer mitreißenden Interpretation von **Brels**: *My Death* eine kabarettistische Wendung, deren subtiler subversiver Humor wunderbar zur Geltung kam. Auch in **Mitchells**: *Borderline* zeigte sich **Coote** mit dem musikalischen Stil bestens vertraut. Einzig **Lennons**: *Imagine* zündete nicht so recht! Von allen bekannten Stücken, die **Coote** und **Drake** interpretierten, gelang es ihnen nicht, den einzigartigen Charakter dieses Songs zu erfassen. Fairerweise muss man aber sagen, dass es nach **Lennon** nur wenige Sänger gibt, die ihm wirklich gerecht werden könnten.

Von Anfang an hatte **Coote** deutlich gemacht, dass sie ein Programm mit Lieder, Melodien und Songs zusammenstellen wollte, die sie selbst gerne sang: „*Wir haben versucht, Musikstücke einander gegenüberzustellen, die Gefühle ausdrücken, die wir alle möglicherweise empfinden, unabhängig vom Genre. Stilistisch ist das vielleicht eine ungewöhnliche Herausforderung, da wir es gewohnt sind, dass Musik strikt Kategorien zugeordnet ist, von denen jede ihre eigenen Aufführungsnormen hat. Die aber als letztendlich weniger wichtig ist, als diese Musik hier und jetzt gemeinsam zu erleben?“*

Da **Coote** eine Künstlerin auf dem Höhepunkt ihres Schaffens ist, hat sie sich das Recht redlich verdient, zu singen, was sie möchte. Und dieser Auftritt hat gezeigt, dass sich Risikobereitschaft auszahlen kann: Und zwar überreichlich!

Für Musikreisende: [www.athenee-theatre.com](http://www.athenee-theatre.com/?ref=ioco.de) Telefon: +33/(1) 53 05 19 19

## Geht das Konzept, klassische und populäre Musik von Bach bis Bowie zu mischen, in diesem Liederabend von Alice Coote und Julius Drake auf?

Trotz eklektischen Programms und abrupter Stilwechsel gelingt Coote dank ihrer vollendeten Kunstfertigkeit ein überzeugender, natürlich fließender Abend, der eigentlich nicht hätte funktionieren dürfen.