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# Paris, Athénée - Théâtre Louis-Jouvet, Die sieben Todsünden - F. Barron, A. Fanyo, J. Drake, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/paris-19/
- Published: 2026-02-20T20:08:37.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:52:11.000Z
- Author: Peter Michael Peters
- Tags: Konzert & Liederabend, Kritiken, Paris

Die sieben Todsünden, Athénée-Théâtre Louis-Jouvet, Paris, 16.02.2026.

> **16.02.2026**

***Seit ich so viele Weiber sah,*** 
***Schlägt mir mein Herz so warm,*** 
***Es summt und brummt mir hier und da,*** 
***Als wie ein Bienenschwarm.*** 
***Und ist ihr Feuer meinem gleich,*** 
***Ihr Auge schön und klar,*** 
***So schlaget wie der Hammerstreich,*** 
***Mein Herzchen immerdar,***

***Bum, bum, bum, usw.***

***Ich wünschte tausend Weiber mir,*** 
***Wenn’s recht den Göttern wär‘,*** 
***Da tanzt‘ ich wie ein Murmeltier,*** 
***In’s Kreuz und in die Quer.***

***Das wär‘ ein Leben auf der Welt,*** 
***Da wollt‘ ich lustig sein,*** 
***Ich hüpfte wie ein Has‘ durch’s Feld,*** 
***Und’s Herz schlüg immer drein;***

***Bum, bum, bum, usw.***

 ***Wer Weiber nicht zu schätzen weiß,*** 
***Ist weder kalt noch warm,*** 
***Und liegt als wie ein Brocken Eis,*** 
***In eines Mädchens Arm.*** 
***Da bin ich schon ein andrer Mann,*** 
***Ich spring‘ um sie herum;*** 
***Mein Herz klopft froh an ihrem an*** 
***Und machet bum, bum, bum, usw.***

(***Aus dem Spiegel von Arkadien*** der ***Brettl-Lieder*** von **Schönberg** / Text: **Emanuel Schikaneder** (1751-1812))

***Im Rahmen der Lundis musicaux…***

Die langjährigen Freundinnen, die britisch-singapurische Mezzo-Sopranistin **Fleur Barran** und die afro-französische Sopranistin **Axelle Fanyo**, treten im **Athénée-Théâtre Louis-Jouvet** zu einem Abend im Zeichen des Kabaretts auf, dessen Thema ***Die sieben Todsünden*** sind, in der unsere Niedrigkeit mit äußerst viel Ironie, Zärtlichkeit, Grausamkeit oder Faszination betrachtet wird. Französische Melodien verschmelzen mit deutschen Liedern, der Geist des Kabaretts unterhält sich mit amerikanischen Songs und Musicals. Begleitet werden sie von dem britischen Pianisten **Julius Drake**, einem regelmäßigen Gast der ***Lundis musicaux*** und Interpret der britischen Regisseurin **Deborah Warners** in ***Winterreise, D. 911*** (1827) von **Franz Schubert** (1797-1828) (Siehe auch **IOCO**\-**Kritik**) in dieser Saison. Auf dem Programm stehen unter anderem Werke von **Kurt Weill** (1900-1950), **Francis Poulenc** (1899-1963), **George Gershwin** (1898-1937) und **Cole Porter** (1891-1964), usw.

***Die Todsünden im Spiegel der Zeit…***

***1 .Stolz***

Es ist der Stolz, der diese charmante Liste eröffnet, die im 13\. Jahrhundert von **Saint Thomas d‘Aquin** (1225/1226-1274) theoretisiert wurde, denn er ist wohl die Haupt-Sünde, die alle anderen hervorbringt. Bei **Maurice Ravel** (1875-1937) voller köstlicher Grausamkeit und so ist es wiederum enttäuschte Eitelkeit bei **Gustav Mahler** (1860-1911), alles mit einem vernichtenden Urteil. Auf amerikanischer Seite beschreibt ***Amor*** (2009) von **William Bolcom** (\*1938) ein von Selbstliebe entflammter Ego, während ***Anything You Can Do*** (1946) von **Irving** **Berlin** (1888-1989) einem regelrechten Boxkampf gleicht: *„Alles, was du kannst, kann* *ich besser!“* Bei ***I, Too*** (1959) von **Margaret Bonds** (1913-1972), ist Stolz hingegen Ausdruck einer wiedergewonnenen Würde.

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Julius Drake, Klavier; Fleur Barron, Mezzosopran und Axelle Fanyo, Sopran © Les Lundis musicaux

***2\. Zorn***

Kalter Zorn für **Arnold Schönberg** (1874-1951) in ***Warnung*** aus den lapidaren ***Brettl-Liedern*** (1901), feuriger Zorn für ***Polo*** (1922) von **Manuel de Falla** (1876-1946), ein typisches Beispiel des *cante flamenco*. Bei **Weill** in ***Surabaya Johnny*** vermischt er sich mit Verzweiflung: ***Lulu*** erzählt in der musikalischen Komödie ***Happy End*** (1929) von ihrem Schmerz und Leid, von ***Johnny*** missbraucht und verlassen worden zu sein, ebenso in **Xavier Montsalvatge** (1912-2002), der 1945 in ***Cuba dentro de un piano*** die Auslöschung der kubanischen Kultur durch amerikanisches Geld beschwört.

***3\. Neid***

Unerwiderte Liebe ist ein fruchtbarer Boden für Neid: Dies trifft auf die vernachlässigte Schwester in dem Duett ***Die Schwestern, Nr. 1*** aus ***Vier Duette, Op. 61*** (1853) von **Johannes Brahms** (1833-1897) zu, ebenso auf die verzweifelte Erzählerin in ***Retire ta main,*** ***je*** ***ne t’aime pas…*** (1934), geschrieben von **Weill** im Jahre 1934\. Doch Neid kann auch aus sozialen Ungleichheiten entstehen, wie **Weill** und **Bertolt Brecht** (1898-1956) in ***Neid***, einem Auszug aus ***Die sieben Todsünden*** ***der Kleinbürger*** (1933 / Siehe auch **IOCO-Kritik**), andeuten. Nach einem Treffen mit ihrem Geliebten fürchtet das junge Mädchen in ***Flickan Kom*** ***ifram sin äsklings möte, Op.*** ***37*** (1943) von **Jean Sibelius** (1865-1957) den Neid oder die Missbilligung ihrer Mutter.

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Fleur Barron, Mezzosopran und Axelle Fanyo, Sopran © Les Lundis musicaux

***4\. Trägheit***

Eine gedämpfte Atmosphäre der Trägheit – oder Überdrüssigkeit, also moralischer Faulheit, jener Depression, die durch die Lockerung asketischer Gebote entsteht. Der Erzähler in ***Schlafen, schlafen…*** \- ***Aus dem*** ***Schmerz sein Recht*** \- aus ***Vier Gesänge, Op. 2*** (1910) von **Alban** **Berg** (1885-1935) möchte dem Schmerz im Schlaf entfliehen, während **Claude Debussy** (1862-1918) und **Pierre Louÿs** (1870-1925) in ***C’est l’extase langoureuse*** aus ***Ariettes oublées, L. 63a*** (1885/1887) ein Bild des Vergnügens zeichnen. Auch der/die Erzähler/Erzählerin in ***The Girls of Summer…*** (1990) von **Steven Sondheim** (1930-2021) ist weit von Askese entfernt…

***5\. Lust***

Die Sinnlichkeit erreicht ihren Höhepunkt und der Übergang zur Fantasie vollzieht sich ganz natürlich. Die Nacht bietet die ideale Kulisse, sowohl für **Alma Mahler** (1879-1964) in ***Laue Sommernacht*** aus ***Fünf Lieder*** (1910) als auch für **Alexander von Zemlinsky** (1871-1942) in ***Entbietung*** aus ***Fünf Gesänge, Op. 7*** (1901), Freund und Mentor, der auch zeitweise ihr Geliebter war. **Porter** besessen, träumt davon, Tag und Nacht mit seiner Geliebten zu schlafen in ***Night*** ***and Day*** aus dem Musical ***Gay Divorce*** (1932). Während **Bolcom** die Spannung genüsslich aufbaut, bevor die Geschichte frustrierend abrupt endet in ***Over the Piano*** aus ***Cabaret Songs*** (1985).

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Fleur Barron, Mezzosopran und Axelle Fanyo, Sopran © Les Lundis musicaux

***6\. und 7\. Gier und Völlerei***

Zum Schluss noch Gier und Völlerei, das Verlangen nach immer mehr… Der eine zieht in Bars umher und sucht nach hübschen Jungs im ***Alabama Song*** aus ***Aufstieg und Fall der Stadt Magonny*** (1927) von **Weill**, ein anderer kann weder die Flasche noch den Frauen widerstehen in ***Unüberwindlich, Nr. 5*** aus ***Fünf Lieder, Op. 72*** (1876) von **Brahms**. Der dritte wünscht sich tausend Frauen und noch mehr in **Schönbergs**: ***Aus dem Spiegel von Arkadien***, ebenfalls ein Auszug aus seinen ***Brettl-Liedern***. Im Gegensatz dazu feiert **Gershwin** Freude und Zufriedenheit in ***I Got*** **Rhythm…** (1933): Musik, Liebe, *„was könnte man sich mehr wünschen?“*

***Der sündiger Liederabend im Athénée -Théâtre Louis-Jouvet am 16\. Februar 2026:***

***Kann denn Liebe Sünde sein…?***

Im Rahmen der Reihe ***Les Lundis musicaux*** im **Athénée-Théâtre Louis-Jouvet** erkunden **Fanyo** und **Barron**, begleitet von **Drake**, das Thema der ***Sieben Todsünden*** in einem Liederabend mit mehr als sechsundzwanzig Liedern und Duetten, der französischen Melodie, deutsche Lieder, Kabarett-Lieder und Auszüge aus der musikalischen Komödie und Musicals miteinander verbindet:

Aus dem Werk von **Weill** und **Brecht**, auf das der Liederabend-Titel anspielt ***Die sieben Todsünden***, wird lediglich nur ein Song und zwar ***Neid*** aufgeführt. Obwohl dieser Auszug, aus dem Kontext gerissen, die politische Dimension des Werkes – seine Kritik an der kapitalistischen Gesellschaft – nicht vollständig vermitteln, fügt es sich dennoch perfekt in das Programm ein, das in sechs Teilen mit sieben Themen gegliedert ist, die den ***Sieben Todsünden*** entsprechen: Stolz, Zorn, Neid, Trägheit, Wollust, Geiz und Völlerei werden zu einem zusammengefasst. Jeder Teil wird so zu einer Etappe der Reise-Erzählung, die die kleinen Schwächen der Menschheit mal humorvoll und mal ironisch, mal grausam und sarkastisch schildert. Jeder Bahnhof ist auch ein Ort, an dem Werke von sehr großer Vielfalt zusammenkommen: Wie schon gesagt, französische Melodien, deutsche Lieder von **Ravel**, **Debussy**, **Poulenc**, **Brahms**, **Schönberg**, **Mahle**r… Songs im Kabarettstil: **Weill**, **Gershwin**, **Bonds**, **Bolcom**… und Musicals**: Weill**, **Sondheim**, **Berlin**…

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Julius Drake, Klavier; Fleur Barron, Mezzosopran und Axelle Fanyo, Sopran © Les Lundis musicaux

Die beiden Sängerinnen singen mehrmals gemeinsam bezaubernde Duette, die das Publikum begeistern. In **Bolcoms**: ***Amor*** erinnern ihre übersteigerten Egos an so manche Diva und **Berlins** ***Anything You Can Do*** aus dem Musical ***Annie Get Your Gun*** behaupten beide scherzhaft, alles besser zu können als die jeweils andere.

Obwohl eine enge Verbundenheit zwischen den beiden Künstlerinnen offensichtlich ist, scheint jede von ihnen ihren bevorzugten Schwerpunkt zu haben. Die Sopranistin vereint eine lyrische Stimme mit erzählerischem Talent und macht ihre Darbietungen so fesselnd. Ihre Stimme ist unendlich nuanciert und folgt dem Text, den sie mit so viel Freude vorträgt. Sie lässt einen Pfau in **Ravels** Melodie ***Le Paon*** aus **Histoires naturelle, M. 50** (1907) erscheinen: Der Pfau zittert mit kräftigen, rollenden Rs, ihre volle und lebendige Stimme begleitet den übertrieben majestätischen Gang des Vogels und eine bewusst gewählte, humorvolle Nasalität evoziert seinen Ruf: *„Léon!“*

Obwohl ihre deutsche Diktion in **Zemlinskys** Lied ***Entbietung*** noch verbesserungswürdig ist, bringt sie dessen leidenschaftliche Sinnlichkeit mit ihrer hellen, kraftvollen Stimme zum Ausdruck. **Weills** Melodien verleiht sie ihre ganze Sensibilität, ihr kontrastierender Gesangsstil berührt das Publikum tief. Mit eindringlicher Bruststimme verflucht sie den untreuen und gewalttätigen ***Johnny*** und flüstert die Verzweiflung der verlassenen Frau in ***Je ne t’aime pas***…

Als Opernsängerin ist sie auch im Genre der Musical-Komödie ganz in ihrem Element, wo sie ihr Vibrato in makellosem Englisch und mit einer funkelnden Bühnenpräsenz moduliert.

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Julius Drake, Klavier; Fleur Barron, Mezzosopran und Axelle Fanyo, Sopran © Peter Michael Peters

Das Repertoire an Liedern scheint für die Mezzo-Sopranistin keine Geheimnisse zu bergen. Sie schildert eindrücklich die Wette zwischen Kuckuck und Nachtigall in **Mahlers**: ***10.*** ***Lob des hohen Verstandes*** (1896) aus ***Das Knaben Wunderhorn*** (1899) und kommt schelmisch zu dem Schluss, dass eine schöne Stimme allein nicht genügt. Man müsse auch Rhythmus- und Harmoniegefühl besitzen. Ihr warmes Timbre vermittelt die ganze Sinnlichkeit von Sommernächten in **Alma Mahlers**: ***Laue Sommernacht***. Und in **De Fallas**: ***Polo*** entfacht sie mit kraftvoller Bruststimme, typisch für den Flamenco, ein wahres Feuerwerk der Gefühle. Diese Bruststimme setzt sie ausgiebig ein, insbesondere in den Songs der musikalischen Komödie, was mitunter zu einem etwas gedämpften Klang führt. Dieser Verlust an Präsenz ist jedoch schnell vergessen, sobald die Sängerin zu ihrer brillanten, obertonreichen Kopfstimme wechselt. Ihre Stimme offenbart zudem eine gewisse Zerbrechlichkeit in Bezug auf die Homogenität, wenn einige Vokale aus ihrer Ausgangsposition fallen, wodurch eine unverwechselbare Diktion entsteht.

Der Pianist, der wohl eine ungerührte Haltung einnimmt, ist dennoch ein sehr unterstützender Partner und sein offenes und perkussives Spiel passt ideal zu **Weills** Songs.

Die beiden Sängerinnen vereinigten sich schließlich wieder, um **Gershwins** Song wie ein Credo zu interpretieren **I Got Rhythm**… *„was will man mehr?“*

Das Publikum wurde für seinen herzlichen Applaus mit einer wunderbaren Zugabe, **Poulencs**: ***Les Chemins de*** ***l’amour, FP. 106-Ia*** aus dem Stück **Leocadia** (1940), belohnt. *„Was wollen wir mehr?“*

## Welche Künstler\*innen gestalten diesen Kabarett-Abend zu den sieben Todsünden im Athénée-Théâtre Louis-Jouvet?

Die Mezzosopranistin Fleur Barron und die Sopranistin Axelle Fanyo gestalten den Abend, begleitet am Klavier vom britischen Pianisten Julius Drake.