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# Osnabrück, Theater am Domhof,  Rusalka - Antonín Dvořák, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/osnarbruck-theater-am-domhof-rusalka-antonin-dvorak-ioco/
- Published: 2025-02-25T17:21:16.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:51:58.000Z
- Author: Hanns Butterhof
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Osnabrück

Rusalka von Antonín Dvořák, Theater am Domhof, Osnabrück.

Ein Märchen von drängender Aktualität

**Antonín Dvořáks** Oper „***Rusalka***“ in Osnabrück verbindet zwanglos Märchen und Aktualität. 

 „***Rusalka***“, **Antonín Dvořáks** 1901 entstandene Oper über das Schicksal einer Nixe, die ein Mensch werden möchte, ist ein sehr aktuelles Märchen. Es ist in märchenhafter Form die Geschichte des Menschen, der sich aus dem Naturzustand in den der Kultur aufmacht und am Ende mehr als nur Unbehagen in ihr verspürt. In **Dvořáks** Musik wird die ganze Sehnsucht des Aufbruchs und die Verzweiflung der Ankunft in der Gegenwart hörbar.

Regisseur **Christian von Götz** erzählt die Rusalka-Geschichte im Theater am Domhof vor allem im zweiten Akt nicht ganz so, wie sie das Libretto von **Jaroslav Kvapil** vorgibt. Der ***Prinz*** des Librettos ist in Osnabrück ein ***Maler***, der stets Staffelei, Leinwand und Pinsel mit sich führt, statt in einem Schloss mit Tanz lässt **Götz** das Geschehen in einer Klinik spielen. Diese leichten Verschiebungen ermöglichen es, das Märchen sinnvoll und unaufdringlich kritisch ins Heute zu holen.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2025/02/Bild-Rusalka_1a-StephanGlagla-1-.jpeg)

Rusalka (Tetiana Miyus) erwacht in ihrem See, Foto: Stephan Glagla

Krass stehen sich zwei Welten gegenüber, die Welt der Natur, aus der ***Rusalka*** stammt, und die Welt der Zivilisation, wo der Maler wohnt. Die Natur malt Ausstatter **Lukas Noll** liebevoll als eine Idylle: Vor einem Tor mit hohem Rundbogen, durch den der Vollmond hereinscheint, erwachen drei Elfen, die ihr neckisches Spiel mit einem gutmütigen ***Wassermann*** (**Dominic Barberi**) treiben. Die Idylle wird nur dadurch getrübt, dass ***Rusalka***, eine mit mächtigem Fischschwanz ausgestattete Nixe, unglücklich ist. Sie will ein Mensch werden, um den Mann, einen ***Maler*** (**Sung Min Song**), gewinnen zu können, der häufig in ihrem Gewässer gebadet hat. Der Preis ist hoch: Sie darf nicht zu ihm sprechen, und ein Zurück zu ihrer Natur wäre ausgeschlossen.

Die Menschenwelt, eine Klinik, in die der ***Maler*** verliebt und zur Hochzeit entschlossen ***Rusalka*** mitnimmt, ist bedrückend als krank und umfassend gierig gezeichnet. Patienten schleppen sich an einen Brunnen, ein Rundbogen an der Wand ist mit Pflanzen ausgemalt, deren Blätter aus goldenen Münzen bestehen. Ein übergriffiger ***Kurarzt*** (**Jan Friedrich Eggers**) geht einer widerstrebenden ***Bad-Schwester*** (**Susanna Edelmann**) an die Wäsche, und auch der ***Maler*** bedrängt ***Rusalka*** heftig, seiner Lust auf sie noch vor der Hochzeit nachzugeben. Doch als sie ihn abwehrt, ohne sich in ihrer Stummheit erklären zu können, wendet er sich lieblos schroff von ihr ab und einer ***fürstlichen Patientin*** (**Susann Vent-Wunderlich**) zu.

Doch der Weg zurück in die Natur ist ***Rusalka*** verwehrt. Nicht mehr Nixe, nicht so ein Mensch, irrlichtert sie in einer Zwischenwelt. Die ***Hexe*** (**Nana Dzidziguri**), die ihr den Fischschwanz fortgezaubert hatte, eröffnet ihr nur den einen radikalen Weg, den Geliebten zu töten. Doch diese Barbarei ist für ***Rusalka*** grundsätzlich verschlossen. Die Natur kann für sie kein Ort beruhigter Rückkehr mehr sein, nachdem sie aus ihr voll Sehnsucht nach Menschlichkeit aufgebrochen ist. Dass sie die noch nicht vorgefunden hat, heißt nicht, sie als Ziel aufzugeben.

 Regisseur **Christian von Götz** zeigt mit **Dvořáks** „***Rusalka***“ ganz brandaktuell die unvollendete Geschichte des Aufbruchs des Menschen aus der Natur hin zu seinem Wesen. Von **Götz'** Deutung enthält unaufdringlich überzeugend den Appell, bei allem Unbehagen in der Kultur den Weg zu sich selber, zur Menschlichkeit weiterzugehen. Statt eines Zurück zur Natur droht der Rückfall in die Barbarei.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2025/02/grafik.png)

Rusalka sieht, wie der Maler sich der Fürstin zuwendet (v.li.: Tetiana Miyus, Sung Min Song, Susann Vent-Wunderlich) Foto: Stephan Glagla

Musikalisch ist die „***Rusalka***“ an Osnabrücks Theater am Domhof beeindruckend. Als ***Rusalka*** begeistert **Tetiana Miyus** mit klarem, auch in den Höhen unangestrengtem Sopran, die ergreifend Sehnsucht wie Verzweiflung zum Ausdruck bringt. **Sung Min Songs** strahlender, recht heldenhafter Tenor passt exakt auf die Ichbezogenheit des ***Malers***. Als ***Hexe*** ist Mezzosopranistin **Nana Dzidziguri** von einnehmender Bühnenpräsenz, und **Dominic Barberi** verkörpert als ***Wassermann*** mit profundem Bass die Weisheit wie die fürchterliche Kraft der Natur. **Susann Vent-Wunderlich** gibt mit kraftvollem Sopran der ***Patientin*** Statur, und Bariton **Jan Friedrich Eggers** ist als ***Badearzt*** eher überzeugend widerlich statt buffonesk komisch. Wie Wagners Rheintöchter erfreuen **Susanne Edelmann, Chihiro Meier-Tejima** und **Kathrin Bauer** als **Elfentrio**.

**Andreas Hotz** am Pult des **Osnabrücker Symphonieorchesters** nimmt das Publikum mit in **Dvořáks** Klangwelt, ohne sie romantisierend zu verschwiemeln. Er zeichnet deutlich die Gegensätze der verschiedenen Welten. Indem er die Figuren differenziert in ihre unterschiedlichen Gefühlslagen begleitet und so auch die überpersönliche Sehnsucht nach Menschlichkeit in der Zivilisation deutlich macht, trägt er seinen bedeutenden Teil zum umfassenden Gelingen und zur Aktualität dieser Oper bei.

Die dreiaktige Aufführung mit tschechischem, deutsch übertiteltem Gesang dauert nahezu drei wie im Flug vergehende Stunden.

Die nächsten Termine: 6\. und 14.3.,jeweils um 19.30 Uhr

### Mehr bei IOCO

[„Rusalka“ in Paris](https://www.ioco.de/paris-31/) · [„Rusalka“ in Stuttgart](https://www.ioco.de/stuttgart-staatsoper-rusalka-antonin-dvorak-ioco/) · [„Rusalka“ in Bordeaux](https://www.ioco.de/bordeaux-opera-national-de-bordeaux-rusalka-antonin-dvorak-ioco-kritik-12-11-2023/)

## Gelingt es Regisseur Christian von Götz, das Märchen Rusalka durch seine Verlegung in eine Klinik aktuell zu deuten?

Ja, von Götz holt das Märchen mit leichten Verschiebungen unaufdringlich überzeugend ins Heute und macht den Aufbruch des Menschen zur Menschlichkeit brandaktuell sichtbar.