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# Osnabrück, Theater am Domhof, Wilhelm Tell - Friedrich Schiller, IOCO Kritik, 25.09.2018
- URL: https://www.ioco.de/osnabrueck-theater-am-domhof-wilhelm-tell-friedrich-schiller-ioco-kritik-25-09-2018/
- Published: 2018-09-25T08:00:16.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:49:07.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Pressemeldungen & Nachrichten, Osnabrück

![theater_osnabrueck_logo](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/02/theater_osnabrueck_logo.jpg)

[Theater Osnabrück](http://www.theater-osnabrueck.de/?ref=ioco.de)

![Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/02/osnabrueck-theater-am-domhof-foto-marius-maasewerd.png)

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

# **Wilhelm Tell -** **Friedrich Schiller**

**\- Absage an jede rückwärts gewandte Revolution -**

Von **Hanns Butterhof**

**Friedrich Schillers** Revolutionsdrama ***Wilhelm Tell*** von 1804 ist heute wieder brandaktuell. Deutlich stellt es vor Augen, wann und aus welchen Gründen eine Revolution legitim ist. Und es entwirft die Utopie der Gesellschaft, zu der dieser Aufstand führen soll. Zum Auftakt der Spielzeit hat **Robert Teufel** das Stück in Osnabrücks Großem Haus, dem **Theater am Domhof,** als kargen Bilderbogen inszeniert.

Kein still ruhender See, keine verschneiten schweizer Gipfel. Vielmehr vermittelt ein gemauerter Rahmen um die Bühne von **Friederike Meisel** den Eindruck von Enge, irgendwo und irgendwann. Die kurzen Szenen, zu denen Regisseur Robert Teufel den ausufernden Text eingestrichen hat, spielen hauptsächlich an der Rampe innerhalb des Rahmens.

![Theater am Domhof Osnabrück /  Wilhelm Tell - von Friedrich Schiller  - hier : Tell distanziert sich von den Rebellen; v.l.: Andreas Möckel, Thomas Kienast, Philippe Thelen, Mick Riesbeck, Matthias Unruh © Kerstin Schomburg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/09/1-foto-tell-1neu-2.jpg)

Theater am Domhof Osnabrück / Wilhelm Tell - von Friedrich Schiller - hier : Tell distanziert sich von den Rebellen; v.l.: Andreas Möckel, Thomas Kienast, Philippe Thelen, Mick Riesbeck, Matthias Unruh © Kerstin Schomburg

Seltsam reglos wird dort von ungeheuerlichen Übergriffen der Obrigkeit berichtet, nahezu stocksteif planen in Tracht gewandete besorgte Bürger (Kostüme: **Rebekka Zimlich**) den Aufstand. Die Schauspieler stehen dazu meist nebeneinander, wenden sich beim Reden kaum einander zu. In den von elektronischem Donnergrollen und Dunkelheit von einander getrennten Szenen sprechen sie meist direkt ins Publikum als dem unmittelbar betroffenen Adressaten. Das treibt dem Stück das szenische Leben weitgehend aus; noch nie hat das Osnabrücker Ensemble so deutlich artikuliert und so hölzern gespielt.

Eine Ausnahme machen **Andreas Möckel** als *Tell* und **Oliver Meskendahl** als dessen Gegenspieler, *Landvogt Hermann Gessler*. Möckel zeichnet den in Lederhose und Felljacke gekleideten *Tell* überzeugend als in sich ruhenden Individualisten, der alles andere als ein Revoluzzer ist. Er wird erst durch das von Meskendahl schaurig schön gezeigte Übermaß an zynischer Unmenschlichkeit zum Mörder des in Stiefeln und im schwarzen Uniform-Mantel auftretenden Tyrannen. Die Szene, in der ihn *Gessler* nötigt, auf sein *Kind* (**Greta Kemper**) zu schießen, ist der packende Höhepunkt der Aufführung, nach der man Tell das Recht auf Notwehr unbedingt zubilligen möchte

![Theater am Domhof Osnabrück / Wilhelm Tell - von Friedrich Schiller - hier : Tell lässt sich von Stauffacher nicht in den Aufstand hineinziehen, v.l.: Andreas Möckel, Thomas Kienast © Kerstin Schomburg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/09/1-foto-tell-2-2neu.jpg)

Theater am Domhof Osnabrück / Wilhelm Tell - von Friedrich Schiller - hier : Tell lässt sich von Stauffacher nicht in den Aufstand hineinziehen, v.l.: Andreas Möckel, Thomas Kienast © Kerstin Schomburg

Den Verschwörern um *Werner Stauffacher* (**Thomas Kienast**) und ihren Zielen gibt die Regie weniger Recht. Sie treten nicht wagemutig, von ihren revolutionären Zielen begeistert auf und sprechen von ihnen wie auswendig gelernt. Vielleicht werden sie dadurch gehemmt, dass sie alle durchaus persönliche Motive haben und ihr politisches Streben rückwärtsgewandt einen Zustand wieder herstellen soll, wie er früher war: ein fremdenfeindlicher Nationalismus, in dem das alte Recht nur für die geborenen Volksangehörigen gilt. In der letzten, in das blutige Rot des geglückten Aufstands getauchten Szene, zieht sich Tell von diesem Volk und seinen Zielen zurück.

Das politische Statement, das Regisseur Teufel Schillers Revolutionsdrama so aufsetzt, gilt der aktuellen deutschen Situation. Mit Blick auf die ganze Welt und Schillers allgemein gestellte Menschheits-Frage, wie man leben soll, greift es zu kurz.

**Wilhelm Tell** im **Theater am Domhof:** Die nächsten Termine: 30.9., 31.10., 18\. und 24.11\. jeweils 19.30 Uhr, am 7.10.2018 15.00 Uhr.

\---| IOCO Kritik Theater Osnabrück |---