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# Osnabrück, Theater am Domhof,  Giselle - Ballett - Mauro de Candia, IOCO Kritk, 04.03.2020
- URL: https://www.ioco.de/osnabrueck-theater-am-domhof-giselle-ballett-mauro-de-candia-ioco-kritk-04-03-2020/
- Published: 2020-03-04T08:00:40.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:01:59.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Liebestrank, tristan und isolde, Donizetti, Osnabrück

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[Theater Osnabrück](http://www.theater-osnabrueck.de/?ref=ioco.de)

![Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/02/osnabrueck-theater-am-domhof-foto-marius-maasewerd.png)

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

# ***Giselle* \- Dance Company - Mauro de Candia**

**\- Tödlich zerstörtes Vertrauen -**

von **Hanns Butterhof**

**Giselle** ist eine Ikone des romantischen Balletts. 1841 wurde es am **Königlich Akademischen Musiktheater** in Paris zu dem Libretto **Vernoy de Saint-Georges** und anderer zur Musik von **Adolphe Adam** uraufgeführt. Im **Theater am Domhof** hat es jetzt **Mauro de Candia** entromantisiert und aus der feudalen Gesellschaft mit ihren Standesunterschieden in eine zeitlose Gegenwart versetzt. Mit dem live vom **Osnabrücker Symphonieorchester** unter **Daniel Inbal** musikalisch unterstützten und begeisternd tanzenden Ensemble der ***Dance Company*** hat **de Candia** einen wunderbaren Tanzabend geschaffen.

![Theater am Domhof Osnabrück / Giselle - hier : Giselle und Albrecht sind verliebt - Marine Sanchez Egasse, Hampus Larsson © Joerg Landsberg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/03/giselle_1_3neu.jpg)

Theater am Domhof Osnabrück / Giselle - hier : Giselle und Albrecht sind verliebt - Marine Sanchez Egasse, Hampus Larsson © Joerg Landsberg

Auf der schwarz ausgeschlagenen Bühne mit ihrer kargen Kulisse von einigen Birken konzentriert sich **de Candia** auf die vier Protagonisten des Balletts, ***Albrecht* (Hampus Larsson**), seine Verlobte ***Bathilde* (Ana Torre**), ***Giselle* (Marine Sanchez Egasse**) und ***Hilarion* (Neven Del Canto**).

Zu Beginn sieht man **Albrecht,** einen schönen Mann, und die herbe **Bathilde** beim zärtlichen Liebesspiel. Doch bei einem Volkstanz verliebt sich **Albrecht** in ***Giselle,*** ein elfenhaftes Mädchen in schlicht graugrünem Kleid. Sie hatte gerade die aufdringlichen Annäherungsversuche von **Hilarion** zurückgewiesen und gibt sich nun vertrauensvoll Albrecht und seinen eindringlichen Liebesbeteuerungen hin.

Voller Eifersucht entschleiert daraufhin **Hilarion** die Gebundenheit **Albrechts** an **Bathilde,** und **Giselle** zerbricht an dem zerstörten Vertrauen. Alles ist jetzt gebrochen; die Musik setzt aus, Tanzschritte werden nicht zu Ende geführt, nichts fügt sich mehr. Giselles Freundinnen versuchen noch sie aufzurichten und gegen **Albrecht** abzuschirmen, der es dann vergeblich wieder mit **Bathilde** versucht. Aber **Giselle** kann sich fast nur noch auf dem Boden winden. Sie steht nur noch auf, um im unschuldig weißen Unterkleid berührend ins gleißende Licht, in den Tod zu gehen.

![Theater am Domhof Osnabrück / Giselle - hier : Marine Sanchez Egasse ist Gislle. © Joerg Landsberg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/03/giselle_2_neu.jpg)

Theater am Domhof Osnabrück / Giselle - hier : Marine Sanchez Egasse ist Gislle. © Joerg Landsberg

Intime Szenen mit werbendem Umtanzen, weite Sprünge des sich Produzierens und zärtlichste Nähe mit weicher Hingabe wechseln sich mit dynamischen, kraftvollen und bis zum Artistischen gehenden Volksszenen ab. **De Candia** erweist sich dabei als einfühlsamer Psychologe, der die inneren Zustände und die äußeren Beziehungen wortlos deutlich in Tanz, Raumaufteilung und Licht zum Ausdruck bringt.

Das Ensemble der **Dance Company** leistet in der ersten, schon mit großem Beifall bedachten Stunde sowie in den vierzig folgenden Minuten des zweiten Aktes Schwerstarbeit. Es verdient sich mit der ergreifend tanzenden **Marine Sanchez Egasse,** **Hampus Larsson, Ana Torre** und **Neven Del Canto** den dankbaren, schließlich stehend dargebrachten Beifall des Premierenpublikums.

Der galt auch dem Osnabrücker Symphonieorchester, mit dem **Daniel Inbal** die ganze Breite des von **Adolphe Adam** aufgebotenen musikalischen Materials von knalligem **Offenbach** bis ätherischem **Wagner** passend zum Ballett entfaltete.

Mit **Giselle** hat **de Candia** eine eigenständige, im tänzerischen Ausdruck ihrer psychologischen Wahrheit absolut zeitgemäße Fassung des phantastischen Balletts choreographiert, das wunderbar neben dessen klassischen Formen bestehen kann.

\---| IOCO Kritik Theater Osnabrück |---