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# Osnabrück, emma-theater, Terror - Ferdinand von Schirach, IOCO Kritik, 19.05.2017
- URL: https://www.ioco.de/osnabrueck-emma-theater-terror-ferdinand-von-schirach-ioco-kritik-19-05-2017/
- Published: 2017-05-20T10:00:58.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:38:48.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Kritiken, Oper & Operette, Osnabrück

![theater_osnabrueck_logo](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/02/theater_osnabrueck_logo.jpg)

[Theater Osnabrück](http://www.theater-osnabrueck.de/?ref=ioco.de)

![Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/02/osnabrueck-theater-am-domhof-foto-marius-maasewerd.png "Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd")

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

***TERROR* \- Ferdinand v. Schirachs problematisches Gerichtsstück**

***\- Gerettet durch fremde Schuld -***

Von **Hanns Butterhof**

*Darf man töten, um zu retten?* In **Ferdinand von Schirachs** Gerichtsdrama ***Terror,*** das jetzt im emma-theater eine vielbeklatschte Premiere erlebte, wird dem Publikum die Frage nach der Schuld eines Kampfpiloten der Bundeswehr gestellt. Er hatte ein von Terroristen entführtes Passagierflugzeug mit 164 Insassen abgeschossen, um 70.000 mutmaßlich bedrohte Zuschauer eines Fußballspiels zu retten.

![emma- Theater Osnabrueck / Terror - Der Angeklagte vor Gericht © Uwe Lewandowski](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/05/foto-terror-1neu.jpg "emma- Theater Osnabrueck / Terror - Der angeklagte Pilot vor Gericht © Uwe Lewandowski")

emma- Theater Osnabrueck / Terror - Der angeklagte Pilot vor Gericht © Uwe Lewandowski

Die Bühne ist das ganze **emma-theater,** denn die Zuschauer sind Teil des Stücks. Sie sitzen als Schöffen dem Richtertisch gegenüber, der vor einer hell getäfelten, schmucklosen Wand (Bühne und Kostüme: **Lisa Kruse**) aufgebaut ist, und sollen nach der Zeugenbefragung und den Plädoyers ein Urteil fällen.

Regisseur **Ron Zimmering** tut viel, um dem Publikum eine rein sachliche Antwort auf die Frage zu ermöglichen, ob sich der Pilot durch sein Handeln strafbar gemacht hat. Damit das Urteil nicht durch Sympathie für einen Schauspieler oder die Abneigung gegen ihn getrübt wird, lässt er zu Beginn nicht nur die jeweiligen Rollen auslosen. Im Verlauf des Stücks wechseln auch die gleichförmig in weißes Hemd und graue Hose gekleideten Akteure die Rollen. Wo eben noch ein gefasster, sehr reflektierter Angeklagter (Janosch Schulte) saß, sitzt unversehens eine emotionale weibliche Variante (**Elaine Cameron**), und mit Anklage (**Thomas Kienas**t) und Verteidigung (**Christina Dom**) geht es ebenso. Man soll also nur darauf hören, was gesagt wird, nicht wer es sagt.

![emma- Theater Osnabrueck / Terror - Ensemble © Uwe Lewandowski](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/05/2-terrorneu.jpg "emma- Theater Osnabrueck / Terror - Ensemble © Uwe Lewandowski")

emma- Theater Osnabrueck / Terror - Ensemble © Uwe Lewandowski

Nachdem der Angeklagte Major Koch den Tatbestand umfassend eingeräumt und für seine Entscheidung die Verantwortung übernommen hat, plädiert nicht ohne selbstgefällige Abschweifungen in Rechtsphilosophie und -geschichte die Anklage auf Mord, die Verteidigung auf Freispruch. Das Hauptargument für einen Schuldspruch ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, nach dem kein Menschenleben gegen ein anderes aufgewogen werden dürfe. Die Verteidigung führt dagegen an, dass die Passagiere der Verkehrsmaschine auf jeden Fall dem Tod geweiht gewesen seien. Es sei somit nur um die Rettung der 70000 gegangen, auf die der Terrorist das Flugzeug sonst hätte abstürzen lassen. Der Vorsitzende Richter (Klaus Fischer) ist juristisch nicht auf der Höhe. Er verliert kein Wort über den Unterschied von Unrecht und Schuld, stellt nicht einmal die Frage, ob der Abschuss überhaupt die Merkmale von „Mord“ erfüllt, nämlich Heimtücke und niedere Beweggründe. Das durchaus fesselnde Stück mutet dem Publikum ein rein vom Sachverstand zu treffendes Urteil zu, ohne ihm dafür eine zureichende juristische Informationsbasis zu liefern. Es schränkt nicht nur die Möglichkeiten des Schauspiels ein, sondern fällt auch hinter die des Theaters als Ort der Aufklärung und Differenzierung bedauerlich zurück. Das beste, das von „Terror“ erwartet werden kann, ist, dass sich das Publikum seiner Verführbarkeit inne wird, unter Entscheidungsdruck ein Schuldurteil zu fällen, wie es bei der Premiere in Osnabrück der Fall war.

***Terror*** im **emma-Theater** Osnabrück, weitere Termine: Die nächsten Termine: 21.5\. und 30.5., 7., 21.6\. und 23.6.2017, jeweils 19.30 Uhr

\---| IOCO Kritik Theater Osnabrück |---