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# Osnabrück, Theater Osnabrück, LEONCE UND LENA - Georg Büchner, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/osnabruck-theater-osnabruck-leonce-und-lena/
- Published: 2024-02-25T16:50:29.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:51:57.000Z
- Description: Der verwirrte König Peter stellt in Georg Büchners Komödie Leonce und Lena von 1836 die große Menschheitsfrage: Was ist der Mensch? Lena und Leonce, zwei zu einer arrangieren Hochzeit fremdbestimmte Königskinder, stellen die Frage eine Nummer kleiner: Wer bin ich? Wozu bin ich auf der Welt?
- Author: Hanns Butterhof
- Tags: Kritiken, Oper & Operette, Osnabrück

Leonce und Lena von Georg Büchner, Theater Osnabrück, Osnabrück.

***Hunger nach Lebens-Sinn*** \- **Theater Osnabrück** haucht **Büchners** Komödie ***Leonce und Lena*** aktuelles Leben ein

von **Hanns Butterhof**

Der verwirrte ***König Peter*** stellt in **Georg Büchners** Komödie ***Leonce und Lena*** von 1836 die große Menschheitsfrage: Was ist der Mensch? ***Lena*** und ***Leonce,*** zwei zu einer arrangieren Hochzeit fremdbestimmte Königskinder, stellen die Frage eine Nummer kleiner: Wer bin ich? Wozu bin ich auf der Welt? Ob sie am Ende eine Antwort, gar die richtige, gefunden haben, bleibt in der sehr gegenwärtigen Inszenierung im Theater am Domhof erfreulich offen.

***Leonce und Lena** | Trailer - youtube Theater Osnabrück

Gleich zu Beginn macht das Regie-Tandem **Katharina Schmidt** und **Roman Konieczny** in einem ersten Bild deutlich, dass es die facettenreiche Komödie Büchners sehr ernst nimmt. Da hockt im frühgeschichtlichen Bühnendunkel eine zottelige Urmensch-Familie um ein flackerndes Feuerchen. Über ihr schwebt ein großer metallischer Brocken, der sie jederzeit zerschmettern könnte. Das ist ein sinniges Bild für die Ursituation , in der sich dem Menschen im Bewusstsein seiner Sterblichkeit die Frage nach dem Sinn seines Lebens stellt. Den Bezug zur Gegenwart stellt ein Mensch aus der Jetztzeit her, der sich mit ans Lagerfeuer setzt. Das Thema von Büchners Komödie ist die ernste Frage nach dem Sinn des eigenen Lebens, die sich so auch unaufdringlich an das Publikum richtet.

In einer weitgehend leergeräumten Bühne, auf der im Hintergrund an einer Ballett-Stange geübt wird oder Videos eingespielt werden (Ausstattung: **Gregor Wickert,** Video: **Franziska Junge**), bildet die tiefe Sinnkrise von ***Lena,*** der jungen Königstochter aus einem winzigen Reich, den Schwerpunkt der Handlung. Sie weigert sich, den ihr unbekannten Königssohn ***Leonce*** zu heiraten und ihre vorgegebene Rolle in der Gesellschaft zu spielen. Sie weiß aber mit sich auch nichts anzufangen.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/02/PB_LEONCE_UND_LENA_1_JosephRuben-2NEU1.jpg)

****Lua Mariell Barros Heckmanns** als ***LENA @ Joseph Ruben**

**Lua Mariell Barros Heckmanns** ist hinreißend die wohlstandsverwöhnte Göre **Lena**, die nur eine (Hof-)Gesellschaft kennt, die sich mit sinnfreiem Müßiggang zu Tode amüsiert: Auf spiegelglattem Boden vollführen die Erwachsenen eintönigen Übungen an einer Ballett-Stange, folgen den Anweisungen eines Tanzmeisters oder den Posts auf einer Videowand, die „*Tief Atmen“* gebieten. Eine von der Regie dazuerfundene Talkshow fällt über sie das vernichtende Urteil, ihr Lebensinhalt erschöpfe sich im Konsum.

***Lena*** nervt zuerst mit ihrer Blasiertheit, Arroganz und spitzfindiger Wortklugheit, so dass man sie auf den Mond schießen möchte. Auch wie gefühllos sie ihre Beziehung zu der dreifachen Geliebten ***Rosetta*** (männlich, weiblich, divers) beendet, ist befremdend. Aber im nächsten Moment, wenn sie die Zerrissenheit zwischen ihrem aufgeklärten Wissen um die sinnfreie Mechanik menschlichen Lebens und dem eigenen Hunger nach Eigensinn im Lärm einer Disco herausschreit, will man sie wieder in den Arm nehmen - sie könnte die eigene Tochter sein oder ein früheres Ich.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/02/Bild-B-chner-3-Lena-mit-Valerio-auf-der-FluchtNEU2.JPG)

***LENA -** hier mit ***Valerio** auf de Flucht ***@ Joseph Ruben**

Um der für sie vorgesehenen Hochzeit mit ***Leonce* (Raphael Akeel**) zu entgehen, flieht ***Lena*** mit ***Valerio* (Oliver Meskendahl**), ihrem arbeitsscheuen Partner in langen filigranen Wortgefechten. Ihr Weg führt sie in einem in psychedelischen Farben leuchtenden **Video** (**Franziska Junge**) mit Road-Movie-Flair nach Italien, dem romantischen Traumziel. Dort verlieben sich Knall auf Fall ***Lena*** und der ebenfalls ausgerissene **Leonce** ineinander, ohne ihre Identitäten zu kennen. Die schöne Szene auf einem dschungelwilden, aus dem Bühnenboden hochgefahrenen Gewächshaus lässt auf ein sechziger-Jahre Ende hoffen, bei dem „*All you need is love“* die Sinnfrage beantwortet. Doch als sie nach ihrer Hochzeit erfahren, wer sie sind, fühlen sie sich betrogen. Sie sind genau in den gesellschaftlichen Rollenzwang geraten, vor dem sie geflohen sind. Über ihnen hängt wieder der Metallkörper aus der Vorzeit-Szene, das Ende bleibt so offen wie die Frage nach der Möglichkeit eines eigenen Lebenssinns, die sich damit auch für das Publikum stellt. 

Mit variablen Medien, einer Aktualisierung auch der Sprache und der Vertauschung der Rollen - Lena hat den Text **Leonces,** er den ihren; eigentlich müsste das Stück in dieser Fassung *„Lena und Leonce“* heißen - hat die Regie dem textlastigen Stück Leben eingehaucht. **Lua Mariell Barros Heckmanns** zeigt zwanglos gegendert, dass Hunger nach Lebenssinn keine Frage des Geschlechts oder Alters, sondern menschlich ist. Für die Figur des ***Leonce*** passt ***Lenas*** Text weniger; Raphael Akeel bleibt unverschuldet blass. **Oliver Meskendahl** ist ein überzeugend fauler ***Valerio,* Ronald Funke** schlurft, flankiert von **Sascha Maria Icks** als devote ***Präsidentin,*** als Königs- und Philosophen-Karikatur erheiternd durch das Stück, das **Pär Hagström** passend mit Musik begleitet.

***Anhaltender Beifall nach eineinhalb ohne Pause gespielten Stunden für alle Beteiligten an der so spannenden wie unterhaltsamen Aufführung, die nicht nur für Jugendliche empfehlenswert ist.***

## [***LEONCE UND LENA* \- Theater Osnabrück - alle Termine, Karten - link HIER!**](https://www.theater-osnabrueck.de/spielplan-detail/?stid=437&ref=ioco.de)

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[„Endstation Sehnsucht“](https://www.ioco.de/osnabruck-theater-osnabruck-endstation-sehnsucht-andre-previn-ioco/) · [„Marguerite Donlon“](https://www.ioco.de/osnabruecktheater-osnabrueck-marguerite-donlon-direktorin-dance-company-ioco-aktuell-06-10-2020/) · [„Spielplan 2020/21“](https://www.ioco.de/osnabrueck-theater-osnabrueck-spielplan-202021-mephisto-das-narrenschiff-und-viel-mehr-ioco-aktuell-01-07-2020/)

## Lohnt sich der Besuch dieser Inszenierung von Leonce und Lena in Osnabrück?

Ja, die Regie haucht dem textlastigen Stück mit Aktualisierung und Rollentausch spannendes, unterhaltsames Leben ein und ist nicht nur für Jugendliche empfehlenswert.