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# Osnabrück, Theater am Domhof, Lucia di Lammermoor - Gaetano Donizetti, IOCO Kritik, 28.01.2022
- URL: https://www.ioco.de/osnabruck-theater-am-domhof-lucia-di-lammermoor-gaetano-donizetti-ioco-kritik-28-01-2022/
- Published: 2022-01-28T08:00:06.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:09:09.000Z
- Author: Hanns Butterhof
- Tags: Kritiken, Oper & Operette, Osnabrück

![theater_osnabrueck_logo](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/02/theater_osnabrueck_logo.jpg)

[**Theater Osnabrück**](http://www.theater-osnabrueck.de/?ref=ioco.de)

![Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2021/10/osnabrueck-theater-am-domhof-foto-marius-maasewerdneu.png)

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

# ***Lucia di Lammermoor* \- Ovationen für Sophia Theodorides als *Lucia***

#### **\- Überfließende Liebe und unmäßige Selbstsucht -**

von **Hanns Butterhof**

Der Beifall des Premierenpublikums für **Gaetano Donizettis** tragischer Oper ***Lucia di Lammermoor,*** Libretto von **Salvatore Cammarano** nach einem Roman von **Walter Scott,** wollte zu Recht nicht enden. Mit einem schlüssigen Regiekonzept, dem überzeugenden Ensemble um die herausragende Titelheldin **Sophia Theodorides** als ***Lucia*** und einem fulminant aufspielenden Orchester unter **Andreas Hotz** gelang dem **Theater am Domhof** ein unvergessliches musikalisches Großereignis.

Die abstrakte Bühne von **Bengt Gomér,** auf der bis auf wenige Ausnahmen bei den Frauen alle ununterscheidbar Schwarz und schwere Gummistiefel tragen (Kostüme: **Sarah Mittenbühler**), wird fast völlig von einer niedrigen Wasserfläche beherrscht. Im Verlauf der Handlung, die hauptsächlich in ihr stattfindet, verwandelt sie sich symbolisch ausdrucksstark in eine Kloake.

![Theater Osnabrück / Lucia di Lammermoor hier Lucia liebt Edgardo, Sophia Theodorides und Oreste Cosimo © Stephan Glagla](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/01/bild-lammermoor1neu.jpg)

Theater Osnabrück / Lucia di Lammermoor hier Lucia liebt Edgardo, Sophia Theodorides und Oreste Cosimo © Stephan Glagla

***Lucia Ashton* (Sophia Theodorides**), eine junge Frau im unschuldig weißen Kleid, mit langem blonden Zopf und barfuß, liebt ***Edgardo von Ravenswood* (Oreste Cosimo**) aus einer verarmten, verfeindeten Familie. **Lucias** Bruder ***Enrico* (Rhys Jenkins**) will in einer misslichen politischen und finanziellen Lage die Schwester mit dem mächtigen **Lord Arthuro Bucklaw (James Edgar Knight**) verheiraten. Der soll seinen Ruin abwenden. Mit List und Gewalt zwingt er **Lucia,** in die Heirat einzuwilligen. Doch in der Hochzeitsnacht tötet sie den Angetrauten, wird für wahnsinnig erklärt und ersticht sich, wie sich später auch **Edgardo.**

In sieben meist sehr klaren Bildern stellt Regisseur **Sam Brown** weniger die überfließende Liebe des unglücklichen Paares als vielmehr das Unmaß an Selbstsucht und brutaler Machtausübung in den Vordergrund, an dem nicht nur die Liebe scheitert. So erscheint Lucia auch nicht als Wahnsinnige, **Sophia Theodorides** zeichnet sie als starke, letztlich bis in den Tod selbstbestimmte Frau. Gleich im ersten Akt verführt sie zielstrebig ihren Geliebten, der schnell für eine politische Mission davon will, zu dem fesselnden Liebesduett mit orgiastischem Finale zum Bleiben.

Man bangt und leidet mit dieser Lucia, der **Sophia Theodorides** darstellerisch und gesanglich großes Format gibt. Die klaren Koloraturen ihres dramatischen Soprans steigern sich, weich und warm ansetzend, ohne Schärfe zu den Spitzentönen, die über das Brillante hinaus immer auch das treffende Gefühl tragen. In der erschütternden Wahnsinn-Arie findet sie für das, was ihr angetan wurde, statt Worten nur verzweifelte Töne, dass einem die Tränen kommen – umwerfend!

![Theater Osnabrück / Lucia di Lammermoor hier Lucia unter dem Druck ihres Bruders Enrico; Sophia Theodorides und Rhys Jenkins © Stephan Glagla](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/01/bild-lammermoor-2neu.jpg)

Theater Osnabrück / Lucia di Lammermoor hier Lucia unter dem Druck ihres Bruders Enrico; Sophia Theodorides und Rhys Jenkins © Stephan Glagla

Sie umgibt ein ausgewogen gut besetztes Ensemble. **Rhys Jenkins** gibt als **Lucias** Bruder **Enrico,** der vor nichts zurückschreckt, um sie seinem Willen gefügig zu machen, mit finsterem Bass ihr liebloses Gegenstück,. Unterstützt wird er mit bösem Eifer von seinem Handlanger ***Normanno* (Aljoscha Lennert**) und dem devoten Priester ***Bidebent* (Erik Rousi**), der mit überzeugendem Bass dem Unheil seinen Segen gibt. **James Edgar Knight** zeigt in seiner kleinen Rolle als **Lord Arthuro Bucklaw** mit glänzendem Tenor, dass er hierarchisch an der Spitze steht.

**Oreste Cosimo** zeichnet den ***Edgardo*** mit einnehmend lyrisch weichem als unglücklich handlungsschwache, sentimentale Figur. Zu schnell ist er geneigt, an der Liebe Lucias zu zweifeln, zu rasch wendet er sein Unglück nach innen und bringt sich um, als er Lucias Tod erfährt.

Die Regie von **Sam Brown** zeigt, dass ***Lucia di Lammermoor*** entgegen verbreiteter Kritik in der Opern-Literatur noch immer aktuell ist. Sie legt bloß, dass es das Schicksal vieler Frauen ist, in ihrer Selbstbestimmung gebrochen zu werden, ohne plakativ einer verworfenen Männerwelt alle Schuld zu geben. Von der blinden **Seherin Alisa** (**Olga Privalova**) erhält **Lucia** so wenig Hilfe wie von den schwarzen Frauen, die gehässig die sterbende Lucia schmähen.

Das fulminant aufspielende Osnabrücker Symphonieorchester unter **Andreas Hotz** lässt keine Wünsche offen. Sängerfreundlich und sensibel folgt es den Gefühlslagen der Figuren, kommentiert mit melodischem Glanz und schauerromantischem Schrecken die Szenen und verleiht dem Chor unter **Sierd Quarré** kräftigen Nachdruck.

[**Lucia di Lammermoor** am **Theater am Domhof;** die weiteren Termine 4.2.; 17.2.; 19.2.; 16.3.; 18.3.; 23.3.; 31.3.2022](https://www.theater-osnabrueck.de/spielplan-detail/?stid=35&ref=ioco.de)

\---| IOCO Kritik Theater am Domhof |---